Die Sebalduskirche in Nürnberg

Part 20

Chapter 203,257 wordsPublic domain

Im nördlichen Seitenschiffe an der aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts stammenden hölzernen Empore im Steinton gehaltene =Maßwerkmalereien=, zwischen denen sich die =Wappen= der Haller, Holzschuher und Stromer einfügen.

An Wandmalereien sind im Ostchor noch vorhanden:

Über dem Pfinzingchörlein zwei =Prophetengestalten= mit Spruchbändern, aus dem ausgehenden 14. Jahrhundert. Die =Deckenmalereien= im =Pfinzingchörlein=, Darstellungen des Weltheilands und der vier Evangelistensymbole, gehören wohl erst dem Ende des 16. Jahrhunderts an.

Am Kaiserchörlein oben eine =Inschrifttafel= mit der auf die Barockausstattung der Kirche bezüglichen Jahreszahl 1657 und ein =Veronikatuch=, gehalten von den Aposteln Petrus und Paulus, unter denen sich die ursprünglichen Engel befinden, aus dem 15. Jahrhundert.

Als die Kulmbachsche Tafel zum Zweck ihrer Wiederherstellung von der Wand entfernt wurde, fand sich an dieser, die ganze Länge einnehmend, ein Ölgemälde, die =Kreuztragung Christi= mit der Figur des Herrn in der Mitte und einem figurenreichen Zuge von Gewappneten und Volk sowie den klagenden Frauen, der sich aus einem Tore der links beinahe aus der Vogelschau dargestellten türmereichen Stadt Jerusalem herausbewegt. Daneben war ganz links die Inschrift zu lesen:

»Anno dni M.CCCC.lxxiij [1473] An vnser lieben frawen abent würtzweyh verschid frawe barbara karl steilngers [Steinlingers] haußfrawe der got gnedig....

Darnach Anno dni... an sant valenti... [versch]id karl steinlinger dem... nad.«

Die Versuche, die stark abgeblätterte und nur noch lose anhaftende Ölmalerei von der Wand abzuziehen, mißlangen leider bei den Resten der eigentlichen Darstellung der Kreuzschleppung ganz. Dagegen konnte die =Darstellung der Stadt Jerusalem= leidlich gut und vollständig erhalten werden. Vorsichtig auf Leinwand übertragen hat sie jetzt ihren Platz in der nördlichen Turmhalle gefunden.

Unter den abgenommenen Resten dieses ganzen Ölgemäldes wurden endlich noch die zum Teil wohlerhaltenen Reste eines künstlerisch bedeutsamen Freskogemäldes entdeckt, das gleichfalls die =Kreuztragung= zum Gegenstande hatte und von dem die besterhaltenen Teile abgezogen und auf eine Mörteltafel gebracht werden konnten. Völlig unrestauriert sind sie auf dieser in der Bausammlung der Sebalduskirche, wo auch Photographien der beiden Kreuzschleppungen aufbewahrt werden, noch zu sehen. Die Wappen Steinlinger-Muffel, die sich darunter befinden, lassen erkennen, daß auch diese ältere Kreuztragung (1. Hälfte des 15. Jahrhunderts) eine Steinlingersche Stiftung war. Unter den übrigen Wappen läßt sich noch ein Großisches und eine weiteres Steinlingersches erkennen.

An der Wand vor dem Tucheraltar wurde die landschaftliche Darstellung eines =Wallfahrtsortes= mit reicher Staffage an Pilgern und Kranken aufgefunden, die in der Mitte einen unbemalten Raum als Hintergrund für eine Heiligenstatue aufweist. Dieses dem 15. Jahrhundert entstammende Wandgemälde wurde von der Wand abgezogen und auf eine Mörtelplatte gebracht. Es befindet sich jetzt im Chorumgang an der rechten Seite des Petrusaltars.

An der Wand bei dem Tucheraltar, zum Teil von diesem verdeckt, die wirkungsvollen Gestalten der hl. =Elisabeth= und des hl. =Martin=, 15. Jahrhundert.

Hinter dem Tucheraltar unter dem Stromerfenster ein Wandgemälde in Öltechnik mit zwei Kompositionen (Abb. 105). Links =Abendmahl= und =Fußwaschung=; auf diesem Bilde links der kniende Stifter mit seinem Familienwappen, darüber die Inschrift: »Anno dm Mcccclxxlll Jar starb hanß starck vlrich starcken pruder am Donrstag vor dem heilighen Kristag dem got gnedig sei. amen. Anno 1627 durch Hanß Starken wieder verneurt worden, seines Aldters 79 Jahr.«[XIII] Rechts Christus am =Ölberg=; unten auf dem Gemälde in der Mitte die Wappen der Starck und Voit. Starcksche Stiftung von 1423.

[XIII] Hans Starck, der 1627 dieses Gemälde restaurieren ließ, ist derselbe, der 1625 das hölzerne Kruzifix am Westchor durch einen Bronzeguß ersetzte.

Seit 1627 bis zur Unkenntlichkeit übermalt, wurden die Bilder bei der letzten Wiederherstellung der Kirche durch Konservator A. Mayer wieder instandgesetzt.

An der Wand hinter dem Petrusaltar aufgefunden gut erhaltene, künstlerisch wie kunsthistorisch gleich wertvolle Freskodarstellungen aus der =Apostellegende= (Abb. 106), die dem Anfange des 15. Jahrhunderts angehören (siehe oben).

Das Gemälde wurde von der Wand abgezogen, auf eine Mörtelplatte übertragen und im Chorumgang an der Wand rechts vom Petrusaltar angebracht. Die Restaurierung des Bildes besorgte Kunstmaler Pfleiderer in München. Eine Photographie von dem Zustande vor der Restaurierung befindet sich in der Bausammlung.

Rechts von diesem Bilde die Reste eines Wandgemäldes mit der =Kreuzschleppung=. Links vom Eingang zur südlichen Sakristei und vermutlich mit Bezug auf die Volckamersche Matronenstatue zwei =Stifterfiguren= mit den Wappen der Behaim und Ortlieb auf gemustertem Hintergrunde, in Ölmalerei ausgeführt.

In der Kapelle neben dem Dreikönigsportal zeigt die Ostwand rechts einen =Johannes Evangelista= unter Architektur, links eine =weibliche Heilige=, von der jedoch nur noch der Oberkörper erhalten ist.

An der Hochwand über dem Trennungsbogen zum südlichen Seitenschiff zu beiden Seiten der Orgel reiches grünes =Rankenornament, dazwischen musizierende Engel=, aus der Zeit der Erbauung des alten Orgelgehäuses.

An verschiedenen Wänden und Pfeilern, zum Teil hinter Statuen, zum Teil hinter den Standorten ehemals vorhandener Statuen, =gemalte Wandbehänge= mit Granatapfel- und anderen Musterungen.

In der farbigen Behandlung der Wände und Gewölbe lassen sich drei verschiedene Arten feststellen. Eine noch romanische Polychromie zeigt der Löffelholzchor. Die Wände haben Steinton, die Gurten und Rippen sind in Quader geteilt, hauptsächlich in roter und grauer Farbe. Die Kappenflächen sind durch schwarze Linien so geteilt, daß ein Mauerwerk aus Steinen in Ziegelgröße vorgetäuscht wird. Die Schäfte der Zwergsäulchen sind schwarz getönt. Diese letztere Tönung ist auch im Mittelschiff noch sichtbar. Im übrigen haben aber hier und in dem Seitenschiffe wohl in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts die Gurten und Rippen hauptsächlich in der Nähe der Schlußsteine farbige Linienornamente in abwechselnder Form und manchmal flammender Bewegung erhalten. Die Schlußsteine selbst sind polychrom und zum Teil vergoldet.

Diese Art der farbigen Behandlung scheint nach Fertigstellung des Ostchores auch für den letzteren vorbildlich gewesen zu sein. Schlußsteine und Rippen sind -- es handelt sich hier um die dritte Art der Bemalung -- ähnlich behandelt. Bei den Fenstern ist jedoch eine gemalte rote Steinumrahmung dazu getreten und auf den Kappen ist an den Rippen und Gurten eine schwarze Begleitlinie gezogen; auch die Kappenscheitel sind durch eine solche Linie betont.

4. Die Glasgemälde.

Ähnlich dem Entwicklungsgang der Plastik scheint auch auf dem Gebiete der Glasmalerei anfangs nichts oder wenigstens nicht viel geleistet worden zu sein. Kein einziges Stück Glasgemälde aus der Zeit des romanischen Baues ist erhalten. Erst seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts, als die gotischen Seitenschiffe gebaut und im romanischen Querhaus die schmalen Fenster in breitere Maßwerkfenster umgewandelt wurden, läßt sich eine Glasmalerschule in noch erhaltenen Denkmälern nachweisen. Diese breitete sich weiter aus, als mit dem Neubau des Ostchores (1361-1379) wiederum Gelegenheit zur Anbringung von Glasgemälden gegeben wurde. Eine Reihe von Patrizierfamilien hatte die Schmückung der einzelnen Wandabteilungen übernommen, besonders diejenigen Familien, die ihre Grabgrüfte am Chor, sei es innerhalb, sei es außerhalb desselben, hatten. Über die Hälfte der Ostchorfenster sind Erzeugnisse dieser um 1380 tätigen Schule.

Von 1380 an trat eine Pause von über 100 Jahren ein. Die späteren Glasgemälde sind vereinzelte Stiftungen und hängen nicht mit einer baulichen Veränderung zusammen. In die Erzeugnisse dieser neuen von 1490 bis 1520 währenden Blütezeit teilen sich jetzt mehrere Kirchen; insbesondere St. Lorenz mit seinem eben vollendeten Chor hat die Hauptleistungen der ersten Zeit an sich genommen. Das Bambergische und das Volckamersche Fenster (datiert 1488) in St. Sebald repräsentieren die erste noch den spätgotischen Stilcharakter tragende Epoche des Aufschwungs. Wolfgang Katzheimer ist der Meister. Eine weitere Entwicklungsphase in der Geschichte der Glasmalerei Nürnbergs bezeichnen die drei Fenster des berühmten Veit Hirschvogel: das Maximilians-, Markgrafen- und Pfinzingsche Fenster mit ihren prächtigen Gestalten der Frührenaissance und mit ihrer den Dürerschen und Kulmbachschen Werken nahe verwandten Formensprache. Sie zählen unstreitig zu den kostbarsten Kunstwerken, die die Kirche birgt.

Einen Beleg für die Existenz und künstlerische Bedeutung der Nürnberger Glasmalerschule noch zu Beginn des 17. Jahrhunderts bildet das in seiner Architekturzeichnung an die Spätrenaissanceformen des Pellerhauses erinnernde Imhoffsche Fenster.

Die übrigen Fenster der Kirche sind meist nur mit Wappenschilden von Geschlechtern zum Andenken an verstorbene Angehörige geschmückt. Der Zweck der Stiftung deckte sich ungefähr mit dem bei den Totentafeln von Holz.

_Westchor._ Im =ersten Fenster= links =Christus am Kreuz= mit Maria und Johannes. Darunter die Schrift: »Für uns Er trug vnser Krankheit vnd lude auf sich unsere schmertzen. Esaiae am LIII Cap.« Ferner Rundscheibe mit dem Allianzwappen der Stockamer und Groland.

Im =zweiten Fenster= im Maßwerk Wappen der Ayrer, unten zwei Allianzwappen der Stockamer und Dietherr. -- Die Glasgemälde mit den Heiligen =Jakobus= und =Bartholomäus= und die beiden Rundscheiben mit Evangelistensymbolen wurden 1903 nach Entwürfen von Friedrich Wanderer von Zettler in München ausgeführt.

Im =dritten Fenster St. Lorenz und St. Sebald= sowie drei Löffelholzische Wappen, alles von Wanderer-Zettler, 1903.

Im =vierten Fenster= Wappen der Unterholzer(?) sowie zwei Allianzwappen der Dietherr. Dazu =St. Johannes Ev. und St. Egidius= sowie die Rundscheiben mit Evangelistensymbolen von Wanderer-Zettler, 1903.

Die Heiligen in dem 2., 3. und 4. Fenster stellen die Patrone der Nürnberger Kirchen dar und wurden von den freiherrlichen Familien der Kreß und Tucher (2. Fenster), Löffelholz (3. Fenster), Haller und Scheurl (4. Fenster) gestiftet.

Im =fünften Fenster= Wappen der Löffelholz und zwei Gammersfeldersche Allianzwappen.

Im =Fenster der südlichen Turmhalle= Wappen der Paumgärtner-Haller.

_Nördliches Seitenchor._ Im =ersten Fenster= oben sechs Allianzwappen der Nützel.

Im =zweiten Fenster=, dem kleinen Fenster über der Anschreibtüre, die Wappenschilde der Schlüsselfelder und Allianzwappen der Held.

Im =dritten Fenster= ein hl. =Bischof= und =St. Blasius= mit Konrad und Wolf Haller von Hallerstein als Donatoren und zwei zugehörigen sowie zwei weiteren Wappenschilden der Haller.

Im =vierten Fenster= die Heiligen =Sebald und Petrus=, dazwischen zwei Wappenschilde der Holzschuher. Im Maßwerk eine =Verkündigung Mariä= und darüber ein Engel mit dem Holzschuherschen Wappen. Alle diese Glasgemälde wohl aus der gleichen Zeit, eines derselben von 1503 datiert.

Im =fünften Fenster= unten die hl. =Barbara=, darüber das Wappenschild der Nützel mit der Inschrift: »H. Carl Nützel Ritter Rö. Kay. May. Rath Starb den 18. Novem 1614.« Oben vier Ölhafensche Allianzwappen.

In dem =Treppenfenster= neben der Querschiff- bzw. Ostchormauer drei kleine Wappen der Nützel.

Es folgt die Beschreibung der Fenster im Ostchor in fortlaufender Reihe vom ersten Fenster der Nordwand neben der alten Querschiffmauer an:

_Ostchor._ 1. Das =erste Fenster im Ostchor=. Um 1360. Zweifellos noch vor Beginn des Ostchorumbaues vollendet. Die Gemälde umfassen die fünf unteren Reihen. Die Gliederung der architektonischen Umrahmung, noch mehr der Zusammenhang der einzelnen Darstellungen sind unklar. Von den letzteren sind nur drei der Sockelreihe ihrem Inhalte nach zu erkennen, nämlich Christus in der Vorhölle, Grablegung und die Ausgießung des heiligen Geistes.

Die obere Reihe zeigt unter Baldachinarchitektur links einen Verkündigungsengel, im zweiten Felde dem Engel zugewendet einen bärtigen Mann (Verkündigung Johannis?), im dritten Felde einen hackenden Mann, im vierten eine spinnende Frau, vor ihr eine Wiege mit Kind (Adam und Eva nach dem Sündenfall?). In der mittleren Reihe links eine gekrönte Heilige und zwei andere nicht genauer zu deutende Figuren; im zweiten Feld zwei weibliche Heilige mit dicken Büchern in den Händen; im dritten und vierten Felde vornehme Gesellschaft im Zeitkostüm, von fraglicher Bedeutung. Am ganzen Gemälde ist im Laufe der Zeit viel verändert worden.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde Medaillons mit Wappen der Geuder.

2. Das =Grundherrsche Fenster=. 1372-1379. Das Gemälde umfaßt die sechs unteren Reihen. Durch Versetzung mehrerer Felder in der Gesamtkomposition entstellt. Das Fenster muß sich ursprünglich an anderer Stelle befunden haben und wurde hierher versetzt, als man das Imhoffsche Fenster, dessen Maßwerkmalereien an ihrer alten Stelle verblieben, von hier auf die gegenüberliegende südliche Seite des Ostchors überführte. Die Stifterfiguren der äußeren Felder der unteren Reihe gehören der spätmittelalterlichen Zeit an. Im übrigen enthalten die zwei mittleren Felderreihen in achtpaßförmigen Kartuschen Darstellungen aus der Marienlegende, unten, jetzt in der zweiten Reihe, die Donatoren, in den äußeren Bahnen Heilige mit Attributen oder Schriftbändern.

In den freien Teilen des Fensters acht runde Medaillons mit drei Grundherrschen Wappen und den Wappen der Kreß, Ebner und? (Baumstamm mit roten Lindenblättern auf silbernem Grunde).

Im Maßwerk, eigentlich zu dem Imhoffschen Fenster gehörend, zwei Engel mit Blasinstrumenten in Wolken, darüber das Imhoffsche Wappen. 17. Jahrhundert.

In den beiden =Fenstern der Pfinzingempore= 2 größere und 30 kleinere Rundscheiben mit Pfinzingwappen.

Im Maßwerk des Fensters über der großen Sakristei zwei große Schreyersche Allianzwappen.

3. Das =Mendelsche Fenster=. 1372-1379.

Das Glasgemälde umfaßt die unteren sechs Reihen und enthält neun =Darstellungen aus dem Marienleben=. Die dritte und sechste Reihe und die mittleren Felder der fünften Reihe sind mit Architektur ausgefüllt, die Sockelfelder weisen viermal das Wappen der Mendel auf.

Im oberen freien Teil des Fensters zwei runde bekränzte Wappen der Tucher aus dem 16. Jahrhundert.

4. Das =Tuchersche Fenster=. 1372-1379.

Es umfaßt sieben Querreihen mit Darstellungen aus der Passion:

1. Reihe (von unten): Tuchersches Wappen von etwa 1550, der Stifter, dessen Frau, dann ein Pfinzingsches Wappen von etwa 1550.

2. Reihe: =Christus vor Pilatus= (4. Feld), =Dornenkrönung= (1., 2. und 3. Feld).

3. Reihe: =Kreuztragung= (4 Felder).

4. Reihe: =Christus wird ans Kreuz genagelt= (4 Felder, die, offenbar bei einer späteren Reparatur, unrichtig angeordnet wurden).

5. und 6. Reihe: =Kreuzigung= (8 Felder).

7. Reihe: =Architekturaufsatz=.

5. Das =Fürersche Fenster=. 1372-1379.

Ursprünglich das Fenster der Geuschmid. Die beiden Fürerschen Allianzwappen in den mittleren Feldern der zweiten Reihe stammen erst aus dem 16. Jahrhundert. Sie tragen die Unterschriften »Sigmund [Füerer der] Ellter...« und »Christann Füerer Anno dm 1325«.

Das Glasgemälde umfaßt sechs Reihen und greift mit der Bekrönung in die siebente Reihe über. Die Sockelreihe enthält die Wappen der Eysvogel, Geuschmid, Gruber und Ebner, die übrigen Reihen, abgesehen von den zwei erwähnten Feldern, 14 =Heilige= und =legendarische Darstellungen=.

Darüber, innerhalb der Butzenverglasung, ein Scheurl-Tuchersches Allianzwappen mit der Jahreszahl 1480.

6. Das =Stromersche Fenster=. 1372-1379, mit späteren Zutaten aus verschiedenen Zeiten.

Das alte Glasgemälde umfaßt die Reihen 4 bis 9 und enthält in der untersten Reihe in den beiden mittleren Feldern zwei Stromersche Allianzwappen, dazu links ein Pfinzingsches, rechts ein Kolersches Wappen; in den nächsten vier Reihen 16 Figuren, nämlich zehn =Apostel= und sechs =Propheten=, alle mit Schriftbändern in den Händen, in der obersten Reihe einen schlichten architektonischen Abschluß, innerhalb desselben zwei kleine Engelsfiguren.

Die Reihe 3 wurde um 1500 mit 2 Pfinzingschen Wappen sowie 4 Stromerschen und 2 Kolerschen Allianzwappen in reicher spätgotischer Ornamentik ausgestattet. In der 2. Reihe außer 3 kleinen Pfinzingschen Allianzwappenscheiben eine große rechteckige Scheibe mit Kolerschen Allianzwappen von 1568, von denen die größten von einer um die Mitte des 19. Jahrhunderts schlecht erneuerten Engelsfigur gehalten werden. Innerhalb des Rahmens einer Schrifttafel finden sich an Stelle derselben zwei kleine, feine, offenbar profane Kabinettmalereien roh eingesetzt: =Begegnung zweier Männer= und eine =allegorische Frauenfigur= (die Hoffart?).

In der untersten Reihe wiederum 3 kleine Pfinzingsche Allianzwappen (6 Rundscheibchen), ein Wappen des Baumeisters Wolf Jakob Stromer von 1589 und ein Wappen seiner Frau Sabina W. J. Stromerin (einer geb. Scheurl) von 1582 sowie ein Kolersches Allianzwappen mit der Unterschrift: »Hieronimus Koler anno 1592«.

7. Das =Bambergische Fenster=. 1501 gemalt von Wolf Katzheimer (Abb. 107).

Die Glasmalerei bedeckt vier Querreihen:

1. Reihe (von oben): Vier Bekrönungen nach Art der ornamentalen Schnitzereien bei Altaraufsätzen.

2. Reihe: =Bischof Lambert von Bamberg= 1374, hl. =Kaiser Heinrich=, hl. =Kunigunde= und =Bischof Philipp von Bamberg= 1475.

3. Reihe: Hl. =Bischof= (?), hl. =Petrus=, hl. =Paulus= und hl. =Georg=.

4. Reihe: =Bischof Heinrich von Bamberg= 1487, zwei Wappen von Bamberg und =Bischof Veit von Bamberg= 1501.

Im linken Feld der Sockelreihe: Albrecht Dürer in ganzer Figur von C. A. Heideloff.

8. Das =Maximiliansfenster= (Abb. 108). 1514 von Veit Hirschvogel gemalt. Von Heideloff restauriert. Es befindet sich in der Mitte des Ostchores, d. h. an der vornehmsten Stelle desselben, sichtbar durch das Mittelschiff bis zum Westchor.

Das Glasgemälde nimmt, vom Fenstersockel an gerechnet, zehn Reihen ein und reicht mit dem halbkreisförmigen Aufbau, nach welchem das Ganze scheinbar als Nische gedacht ist, noch in die elfte Reihe hinüber. In den beiden unteren Reihen Butzenverglasung zwischen drei Säulen, in der dritten Reihe eine Rolle mit Inschrift. Die Reihen 4 bis 9 zeigen abwechselnd zwölf Wappen der Länder des Hauses Habsburg in Deutschland und Spanien, zwei =fürstliche Ehepaare= und =vier Heilige=, und zwar:

9. Reihe: Wappen des Königreichs Kroatien, des Erzherzogtums Österreich, des Herzogtums Steier und des Herzogtums Brabant.

8. Reihe: Die Heiligen Jakobus d. Ä., Andreas, Kaiser Heinrich und Georg.

7. Reihe: Wappen des Königreichs Ungarn[XIV], Dalmatiens, Tirols und des Herzogtums Kärnten.

6. Reihe: Wappen des Hauses Habsburg, Kaiser Maximilians I., dessen Gemahlin Maria von Burgund[XV] und das Wappen von Burgund.

5. Reihe: Das vereinigte Wappen von Kastilien, Österreich, Leon, Bourbon, Granada und Burgund mit Grafenkrone[XVI], Philipp I. der Schöne, König von Spanien, dessen Gemahlin Johanna die Wahnsinnige[XVII] und das vereinigte Wappen von Kastilien, Leon, Neapel, Sizilien und Granada mit der Königskrone.

4. Reihe: Wappen des Königreichs Leon, der Grafschaft Granada[XVIII], des Königreichs Neapel und des Königreichs Sizilien.

3. Reihe mit der Inschrifttafel: »Maximilianvs cristianorvm imperator ac septem regnorvm rex heresque archidvx avstriae plvrivm evropae provinciarvm princeps potentissimvs. f. f.« Darüber die Jahrzahl MCCCCCXIIII.

[XIV] Ungarn war 1514 noch nicht im Besitze des Hauses Habsburg, erst seit 1526.

[XV] Maria von Burgund war bereits 1482 gestorben. Allein die spätgotische Tracht (die Kopfbedeckung der Maria ist der Hennin) und das daneben befindliche Wappen von Burgund-Österreich lassen es als ausgeschlossen erscheinen, daß mit der Dargestellten die zweite Gemahlin Maximilians, Bianca Maria Sforza von Mailand, gemeint ist. Die Darstellung der ersten Gemahlin, der Mutter des in der nächsten Reihe dargestellten Königs Philipp, geschah jedenfalls auf besonderen Wunsch des Kaisers.

[XVI] Die Grafenkrone ist nicht verständlich. Kastilien war damals schon lange Königreich. Übrigens trägt das andere vereinigte Wappen derselben Reihe, bei welchem Kastilien mit Leon die bevorzugte Stelle im linken oberen Feld einnimmt, die Königskrone.

[XVII] Es kann nur der Sohn Maximilians, wenn auch schon seit 1506 verstorben, und seine Gattin in Frage kommen. Hierfür sprechen in erster Linie die beigefügten Wappen, in zweiter Linie der Umstand, daß Maximilians Enkel, Philipps Sohn, der nachmalige Kaiser Karl V., damals erst 14 Jahre alt und natürlich auch nicht verheiratet war. In der Literatur werden die beiden fürstlichen Personen gewöhnlich als Karl V. und Isabella von Portugal bezeichnet, bei M. M. Mayer sogar als Kaiser Maximilian und Gemahlin, während das darüber stehende Paar Karl V. und Gemahlin genannt wird.

[XVIII] Granada war damals Königreich.

Stilistisch interessant durch den Wechsel von Spätgotik und Frührenaissance: Renaissancekostüm fast bei allen Figuren, gotisches Kostüm bei der Maria von Burgund, ausgesprochene Renaissance in der Architektur und in der Majuskelinschrift, dagegen noch vollständig gotisch der gemusterte Hintergrund bei Wappen und Figuren.

Das Glasgemälde wurde hergestellt im Auftrage des Kaisers Maximilian I. für den Preis von 200 fl.

9. Das =Markgrafenfenster=[XIX] (Abb. 109). 1515 von Veit Hirschvogel d. Ä. wahrscheinlich nach einem Entwurf des Hans von Kulmbach gemalt.

[XIX] Vgl. über das Fenster namentlich Friedrich H. Hofmann, Das Markgrafenfenster in St. Sebald zu Nürnberg. Im Hohenzollern-Jahrbuch. 1905, S. 67 ff.

Das Gemälde nimmt vom Sockel an neun Fensterreihen ein. Das Ganze ist als ein architektonischer Aufbau gedacht. Der Sockel in den beiden untersten Reihen ist durch Fenster und Nische belebt und zeigt eine Inschrifttafel. Darüber erheben sich sechs Etagen mit durchlaufenden Wandpfeilern in den äußeren Bahnen; in der obersten Etage ist den Wandpfeilern je eine Säule vorgelagert, welche zugleich als Stütze für den reich ornamentierten bekrönenden Giebel und dessen seitliche, Engel tragende Aufsätze in der letzten Reihe dient. Die mittleren Bahnen der Reihen 3 bis 8 enthalten 12 figürliche Darstellungen, in den äußeren Bahnen der Reihen 3 bis 7 sind 10 Wappen angebracht. Figuren und Wappen sind:

8. Reihe: Die =Heiligen Maria und Johannes der Täufer=, die Schutzpatrone des Hauses Hohenzollern.

7. Reihe: Wappen von Brandenburg, =Friedrich der Ältere, Markgraf von Brandenburg-Ansbach und -Kulmbach, dessen Gemahlin Sophie von Polen=, Wappen von Polen.

6. Reihe: Wappen des Landes der Kassuben und Wenden, =Markgraf Kasimir=, =Markgraf Johann=, nachmals Vizekönig von Valencia, Wappen des Landes der Kassuben und Wenden.

5. Reihe: Wappen von Pommern, =Markgraf Albrecht=, Hochmeister des Deutschen Ordens, nachmals Herzog in Preußen, =Markgraf Georg der Fromme=, Wappen von Pommern.

4. Reihe: Wappen des Burggrafen von Nürnberg, =Markgraf Friedrich=, Domprobst zu Würzburg, =Markgraf Wilhelm=, nachmals Erzbischof von Riga, Wappen von Rügen.