Die Sebalduskirche in Nürnberg
Part 15
Die bisherige Hauptorgel von St. Sebald (Abb. 126) ist eine der ältesten und wohl auch interessantesten Bayerns. Sie wurde im Jahre 1444 von Heinrich Traxdorf erbaut und war im Ostchor über dem Trennungsbogen gegen das südliche Seitenschiff angebracht. Sie bestand außer aus einem Podium, welches auf einem hölzernen vorgekragten Gewölbe ruhte und in der Mitte einen kleinen Pfeifenprospekt (sogenanntes Positiv) trug, aus dem eigentlichen Orgelwerk, das fast die ganze Giebelwand bedeckte und von einem zierlichen Gehäuse umschlossen war. Der Blasebalgraum befindet sich hinter der Giebelmauer. Die Verbindung zwischen diesem Raume und dem Orgelpodium bildet eine schmale Tür in der Giebelwand. Vermutlich hatte die alte Orgel schon bemalte Flügel, die zum Schutze der Pfeifen dienten und geöffnet werden konnten. Die =Konsole=, welche die mittlere Endigung des Holzgewölbes unterhalb der Orgel bildet, hat die Form einer Teufelsfratze mit beweglichem Kiefer, der während des Orgelspieles in Bewegung gesetzt werden konnte. Die beiden seitlichen Konsolen zeigen ein dänisches und ein französisches =Wappen=, die wiederholt in Verbindung mit dem Kirchenpatron in St. Sebald angewendet worden sind. Rings um das Orgelpodium fanden sich zwischen den herabhängenden Maßwerken reizvolle in Holz geschnitzte =Figuren=, darunter zwei Herolde mit den beiden Nürnberger Wappen. Die übrigen stellen Ritter, Frauen und Bauern dar und sind zum Teil sehr humorvoll gehalten. Die ganze Orgel ist aus Eichenholz hergestellt. Zu beiden Seiten waren auf der Wand teppichartig großzügige =Ornamente= in grünem Ton aufgemalt und innerhalb derselben =musizierende Engel= dargestellt.
Im Laufe der Jahrhunderte hat die Orgel freilich mannigfache Veränderungen erfahren und zwar in den Jahren 1572, 1658, 1691 und 1827. Im Jahre 1658 erhielt sie neue Malereien von Daniel Preißler auf den wohl schon vorhandenen Flügeln, und zwar eine Reihe Porträts der Pfarrer und Kirchenpfleger, aber auch von Stadtmusikern und ihren Dirigenten. Die gesteigerten musikalischen Ansprüche hatten wiederholt Verbesserungen und Erweiterungen des Orgelwerkes zur Folge, so daß allmählich auch das Gehäuse eingreifenden Veränderungen unterworfen worden war, wodurch die ursprüngliche Form desselben sehr beeinträchtigt wurde. Unter Heideloff wurde das Podium nach vorn sowohl wie nach beiden Seiten bedeutend erweitert, um für einen größeren Sängerchor Platz zu gewinnen. Die schönen Wandmalereien waren übertüncht und durch Balkenwerk verbaut worden.
Beim Abbruch der Orgel ergab sich glücklicherweise aus der genauen Aufnahme und dem Vergleich der einzelnen Teile die Möglichkeit, das =ursprüngliche Orgelgehäuse= von 1444 mit völliger Sicherheit wieder herzustellen. Daß aber das vielfach ausgebesserte Orgelwerk den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügte, erscheint begreiflich. Die Kirchenverwaltung entschied sich daher für Beschaffung eines neuen Orgelwerkes und billigte auf Grund eines Gutachtens von Hauptprediger Dr. Geyer den Vorschlag des Unterzeichneten, das alte Gehäuse, von allen späteren Zutaten befreit, zu verwenden und in Verbindung mit den Wandmalereien wieder vollständig instandzusetzen. Die Aufgabe, 26 neue Register in dem engen Raum unterzubringen, war nicht leicht, und ein Hinausschieben des ganzen Gehäuses um 15 cm zur Erlangung einer größeren Tiefe konnte nicht umgangen werden. Das Orgelwerk selbst wurde durch Orgelbaumeister =Strebel= gebaut, während sämtliche Instandsetzungsarbeiten des Gehäuses und das neue Positiv mit den seitlichen Brüstungen in der Werkstätte der Bauhütte hergestellt wurden.
Auch die =Wandmalereien= zu beiden Seiten der Orgel, die in überraschender Weise zum Vorschein gekommen waren, erfuhren wieder eine Erneuerung.
Bei den Veränderungen, sowohl bei den Statuen wie an Reliefs und sonstigen Skulpturen, welche notwendigerweise vorgenommen werden mußten, hat in den meisten Fällen vorher eine photographische Aufnahme stattgefunden, so daß jederzeit Rechenschaft über den früheren Zustand gegeben werden kann. Die abgenommenen Ergänzungen selbst finden sich in der =Bausammlung= der Kirche aufbewahrt, die auch die gefertigten Hilfsmodelle und Pläne enthält. =Sepulkren= fanden sich in den Mensen der Altäre an verschiedenen Stellen, jedoch in bereits eröffnetem Zustande; zunächst im Hauptaltar mit einer Konsekrationsurkunde von 1379, ferner in der Mensa des Halleraltares und der südlichen Sakristei. Hier waren die Urkunden nur mehr als Reste vorhanden. Noch schlechter war der Zustand eines Holzkästchens mit vermoderter Einlage im Petrusaltar; im Tucheraltar fanden sich nur geringe Fragmente. Nach Feststellung der Urkunden und photographischer Aufnahme der Funde ließ das Pfarramt die letzteren wieder in ihre Höhlungen einschließen.
Bis zum Juli 1905 war die gefährliche Auswechslung auch des =südlichen Vierungspfeilers= glücklich beendet, und es konnte nach Entfernung der Zwischenwände die ganze Kirche dem Gottesdienste wieder übergeben werden.
Bei den mannigfaltigen und auf verschiedenen Gebieten gelegenen Aufgaben, welche die 3-1/2jährige Wiederherstellung mit sich brachte, konnte sich der Unterzeichnete der Unterstützung der schon genannten tüchtigen Mitarbeiter wie auch anderer Fachleute erfreuen.
Das Verhältnis der Bauleitung zur protestantischen =Kirchenverwaltung=, unter der Vorstandschaft von Stadtpfarrer J. =Schiller=, als der Bauherrin, und zum Bauausschuß, als deren Vertretung, war ein durchaus glückliches.
Der =Bauausschuß=, welcher in vielfachen Sitzungen die Berichte und Vorschläge des Bauleiters entgegennahm, hatte leider mitten in der Arbeit am 2. Juni 1905 seinen Vorsitzenden, den Hauptförderer der Wiederherstellung, Kirchenrat F. =Michahelles=, 1. Pfarrer an St. Sebald, verloren. Um ihn, den allverehrten und liebenswürdigen Mann, dem die Durchführung des großen Werkes sowohl durch die unermüdliche Beschaffung der Geldmittel wie durch die sachkundige, geschickte Leitung =in erster Reihe= zu danken ist, zu ehren, wurde im südlichen Seitenschiff seine wohlgetroffene Marmorbüste von F. Zadow (eine Stiftung von Justizrat Hilpert) aufgestellt. Mitglieder des Bauausschusses waren die Herren Baumeister und Privatier G. Goll, Magistratsrat H. Häberlein, Großhändler A. Heerdegen, Justizrat D. Hilpert, Kunstschlosser und Privatier A. Leibold und Fabriksbesitzer J. Thäter. Nach einer kurzen Verwesung des Vorsitzes durch Pfarrer Wunderer hatte die Leitung des Bauausschusses Stadtpfarrer Dr. Hagen, 1. Pfarrer an St. Sebald, übernommen und die Arbeiten nach Kräften gefördert und zu Ende geführt.
Bei der Beschaffung der Geldmittel stand dem Kirchenrat Michahelles der =Verein für die Restaurierung der Sebalduskirche= zur Seite, in dessen Ausschuß als stellvertretender Vorsitzender Justizrat C. Freiherr von Kreß, als Schriftführer Justizrat O. Vollhardt und als Schatzmeister Kommerzienrat C. Schwanhäußer tätig waren.
Die =Mittel= (Taf. XIII) flossen fast vollständig aus freiwilligen Beiträgen, bei welchen die Patrizierfamilien an erster Stelle standen. Auch die Kirchenverwaltung unterstützte die Wiederherstellung, teils durch größere Beiträge, die sie zur Abstellung der Bauschäden genehmigte, teils zu Zeiten, in denen ein niedriger Kassenstand vorhanden war, durch Vorschüsse.
Allerdings sind die bei der Inangriffnahme der Restaurierung gestellten Aufgaben an St. Sebald noch nicht alle gelöst. Die kostbaren =Gobelins= (Abb. 132 bis 136) befinden sich auch heute noch in einem traurigen Zustande. Wohl hat die Restaurierung eines kleinen Stückes gewissermaßen als Probestück durch Frau Irmisch in München stattgefunden und berechtigt zu der Annahme, daß auch die weiteren Ausbesserungen nicht wie bisher nur in Paris oder Italien, sondern in Deutschland gemacht werden können. Allein für diese künstlerische und kostspielige Arbeit fehlen vollständig die Mittel. Man mußte sich bei der gegenwärtigen Restaurierung darauf beschränken, die zerrissenen und zerschnittenen Stücke notdürftig wieder zu verbinden und mit Borten und Futterstoff neu zu versehen.
Das gleiche gilt bezüglich der wertvollen und prächtigen =Glasmalereien= im Ostchor (Abb. 107 bis 109), bei denen an vielen Stellen sich von außen durch die Einwirkungen der Atmosphäre eine dicke undurchsichtige Kruste gebildet hat, während die Schwarzlotaufmalung im Innern sich so abgelöst hat, daß sie sich mit dem Finger, wie der Kreidestrich auf einer Schiefertafel, wegwischen läßt. Baldige Hilfe tut not, wenn diese unschätzbaren Kunstwerke nicht zugrunde gehen sollen. Andererseits muß mit größter Vorsicht dabei zu Werke gegangen werden. Vielleicht verspricht ein neues Verfahren, welches die Hofglasmalerei Zettler in München gerade mit Rücksicht auf die Glasmalereien von St. Sebald erprobt hat und das in einer durchsichtigen leichten Überglasung der einzelnen Glasstücke besteht, zur Konservierung der Malereien gute Dienste zu leisten.
Die Frage einer Beleuchtung und Beheizung der Kirche ist wiederholt beraten, jedoch noch keiner Entscheidung entgegengeführt worden.
=Nürnberg=, den 15. Juli 1906. Prof. J. =Schmitz=, Architekt.
5. Nachtrag vom 15. Januar 1912.
Jedes Gebäude, auch wenn es noch so solid konstruiert ist, verlangt eine =Instandhaltung= zur Abwehr der regelmäßigen Schäden, die durch Wind und Wetter sowie durch andere äußere und innere Einflüsse hervorgerufen werden. Je zierlicher die Formen und je eleganter die Konstruktionen sind, desto größer ist auch die Gefahr einer Beeinträchtigung. Dazu kommt die bedauerliche Tatsache, daß infolge der heute den zahlreichen Kaminen entströmenden schwefeligen Gase besonders die Sandsteine in oft erschreckender Weise angegriffen werden und verwittern, wovon man sich in Nürnberg allenthalben überzeugen kann.
Die Verwaltung des Vereinigten protestantischen Kirchenvermögens hat sich denn auch der Einsicht nicht verschlossen, daß auch zur Instandhaltung der Sebalduskirche mit einem regelmäßigen Baubetrag gerechnet werden muß, und bringt mit demselben eine Reihe von kleineren Reparaturen zur Ausführung. Auf diese Weise wird es hoffentlich gelingen, nach und nach auch verschiedene Epitaphien am Äußeren der Kirche, an denen Arbeiten bislang noch nicht vordringlich schienen, die aber allmählich doch zugrunde gehen werden, vor Verfall zu retten. Unterdessen ist ein langgehegter Wunsch der Gemeinde in Erfüllung gegangen: die Kirche hat eine =Heizung= erhalten. Diese, die erste elektrische Kirchenheizung in Deutschland, hat in weiten Kreisen großes Interesse hervorgerufen (Zentralblatt der Bauverwaltung, Berlin, 1912, S. 58 f.). Aus Rücksicht auf die zahlreichen Kunstschätze der Kirche, bei denen eine Schädigung durch periodische Erwärmung des ganzen Luftraumes befürchtet wurde, entschloß man sich zu einer Fußschemelheizung, die allgemeine Befriedigung gefunden hat. Als ganz besonders erfreulich muß dabei hervorgehoben werden, daß die Erscheinung des Kircheninnern, abgesehen von einigen kleinen nicht störenden Holzkästchen, nicht die geringste Änderung oder Beeinträchtigung erfuhr. Sind die Betriebskosten auch vorläufig noch etwas hoch, so besteht doch die Hoffnung, daß mit einer Verbilligung der elektrischen Kraft in absehbarer Zeit gerechnet werden kann.
Schwieriger scheint die Frage der =Beleuchtung= der Kirche sich lösen zu lassen und zwar besonders deshalb, weil die Beschaffung entsprechender, würdiger Beleuchtungskörper große Mittel erfordert. Auch die Instandsetzung der kostbaren Glasmalereien ist bis zum Erscheinen dieses Buches aus dem gleichen Grunde zurückgestellt geblieben.
IV.
Das Inventar der Kirche.
1. Altäre und Kanzel.
Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände der Kirche St. Sebald sind so zahlreich, daß man ihr die nun bald 400 Jahre währende Zugehörigkeit zum Protestantismus kaum anmerkt. Wesentlich dem konservativen Sinn der Nürnberger Patrizierfamilien ist es zu danken, daß die Kirche noch heute eine stattliche Reihe ansehnlicher Werke birgt. Selbstverständlich gab es auch Zeiten, wo das Interesse an der Vergangenheit und ihren Zeugen erlahmte und manches kostbare Stück verloren ging. Die Kirchenreformation im 16. Jahrhundert hatte die Beseitigung einer großen Anzahl von Altären verlangt und die nach der Mitte des 17. Jahrhunderts durchgeführte Neuausstattung im Barockstil kostete ebenfalls mehreren historisch und vielleicht auch künstlerisch bedeutenden Gegenständen die Existenz.
Die Veränderung des Inventars wird jeweils bei den einzelnen Gruppen geschildert.
* * * * *
Die Kirche hatte vor der Reformation =13 Altäre=. Eine Reihe von geeigneten Plätzen für Altäre war durch die Anlage des Baues gegeben. 3 Ostchornischen, 1 Westchor, 2 Krypten nahmen schon im romanischen Bau 6 Altäre auf, ferner der Platz vor dem Ostchor einen, dann noch einen die Ostkrypta, zusammmen acht. Dazu kamen im Laufe des 14. Jahrhunderts noch 4 Altäre an den Pfeilern des Schiffes und 1 Altar, welcher den Hochaltar des Westchores verdrängte.
Die Altäre am Ende des 15. Jahrhunderts waren:
=Sebaldsaltar.= Er war der Hochaltar und befand sich im Ostchor des romanischen Baues, von 1372 an im neuen Ostchor an Stelle des jetzigen Hauptaltares. 1379 erneuert und geweiht. Die hierüber ausgestellte Urkunde wurde bei der letzten Wiederherstellung im Sepulkrum der Mensa aufgefunden und nebst den gleichfalls vorgefundenen Reliquien wieder in den Altar eingeschlossen.[VII] Die wohl erhaltene Urkunde hat unter Auflösung der Abkürzungen folgenden Wortlaut (vgl. Abb. 144 auf S. 212):
Anno domini millesimo trecentesimo septuagesimo nono dedicatum est hoc altare in honore sancti Sewaldi, Fabiani et Sebastiani et quatuor doctorum et sancti Eloy et sancti Seuerij per venerabilem dominum dominum Lampertum episcopum Bambergensem, qui reliquias dictorum sanctorum in dicto altari reclusit indictione secunda quinto kalen. septembris eiusdem anni, in quorum testimonium sigillum dicti domini praesentibus est appensum.
[VII] Ebenso wurden im Petrusaltar und im Sakristeialtar nicht mehr mit Sicherheit zu entziffernde Urkunden samt Reliquien vorgefunden und mit diesen wieder in die betreffenden Altäre eingeschlossen.
Schopperpfründe, gestiftet am 5. Mai 1337 von Albert Schopper, 1360 neu dotiert durch Friedrich Schopper.
Vorchtelpfründe, gestiftet 1371 von Heinrich Vorchtel, 1425 neu dotiert.
1613 wurde der Altar vom Maler Leonhard Prechtel restauriert. Aus den Schriftstücken hierüber (im Stadtarchiv Nürnberg) geht hervor, daß der Altar ein Flügelaltar war, und daß sich auf den Flügeln Malereien auf Goldgrund befanden. Auf die Predella, die ganz zu erneuern war, malte Prechtel zwei »Historien«. Siehe den Hauptaltar, S. 134.
=Nikolausaltar.= Er stand in der nördlichen Apsis des romanischen Ostchores, dann im neuen Ostchor im nördlichen Umgang als linker Seitenaltar. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1659 im Barockstil errichtete Nikolaus- oder Tucheraltar (siehe S. 134).
Kandelgießerpfründe, 1406 von Hartmann Kandelgießer gestiftet.
=Stephansaltar.= Er stand in der südlichen Seitenapsis des romanischen Ostchores. Seit 1372 im südlichen Umgang des neuen Ostchores. An seiner Stelle erhebt sich jetzt der 1663 errichtete Altar (siehe S. 135). 1255 eingeweiht. Ablässe 1448, 1452, 1460, 1479, 1481 und 1487. Drei Pfründen, die des Heinrich von Tuttenstetten, Pfarrer 1300-1307, welche 1364 bestätigt wurde, die des Paul Muffel, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und die Pfründe des Ambrosius Stromer von 1509.
Der Altar hatte ein auf Holz gemaltes Bild, welches Nikolaus Muffel zwischen 1436 und 1439 für 200 fl. angeschafft hatte. Er kam, als 1663 der Barockaltar errichtet wurde, in die Lorenzkirche.
=Petersaltar.= Ein Petersaltar stand schon in der alten Peterskapelle. Wahrscheinlich wurde dieser in die romanische Kirche, und zwar in den Westchor transferiert. 1274 wurde er durch einen neuen Altar ersetzt.
1303 Ablaß, 1475 Ablaßbestätigung. 1372 wanderte der Altar in den neuen Ostchor hinter den Hochaltar, an dieselbe Stelle, an welcher jetzt der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Altar steht. Über diesen siehe S. 135. 1378 wird jedoch der Westchor noch Peterschor (neben Katharinenchor) genannt.
1340 stiftet Otto Kramer von Koburg eine Pfründe, dieselbe wird 1360 bestätigt; 1356 stiftet Adelheid Löhneisen eine Pfründe, 1372 Berthold Pfinzing. Das Jahr der Stiftung der Movendelpfründe der Dorothea Däschin ist nicht bekannt.
=Katharinenaltar.= Er stand anfangs in der Westkrypta, von der Mitte des 14. Jahrhunderts an schon im Westchor zusammen mit dem Petersaltar.
Ablaßbestätigung 1298. Ablässe 1341, 1342. Pfründen: Schatzpfründe, gestiftet von Konrad Schatz, bestätigt 1360; Kandelgießerpfründe, gestiftet 1386. Siehe den Löffelholzaltar.
=Johannisaltar.= Dem hl. Johannes dem Evangelisten geweiht. Er stand im Mittelschiff zwischen den zum Chor führenden Stufen (_sub pulpito_ oder _quae [ara] in medio ecclesiae sancti Sebaldi locata est_).
Ablaß: 1289. Pfründen: Pömerpfründe, gestiftet 1348 von Heinrich Pömer, und die Fleischmannpfründe, gestiftet von Albert Fleischmann, Pfarrer von 1397 bis 1444.
Der Johannisaltar scheint 1542 mit den beiden Frauenaltären und dem Zwölfbotenaltar beseitigt worden zu sein.
=Zwölfbotenaltar.= Den zwölf Aposteln geweiht. Er stand an einem Schiffspfeiler.
Ablässe 1352 und 1370. Meintaler-Pfründe, 1352 von Konrad Meintaler gestiftet, 1359 von der Witwe des Stifters neu dotiert.
Er stand zu Beginn des 16. Jahrhunderts an einem der beiden ersten Ostchorpfeiler und hatte 1542 dasselbe Schicksal wie die beiden Frauenaltäre.
=Erhardaltar.= Er stand im Schiff in der nördlichen Pfeilerreihe. Es ist der jetzige Halleraltar, der zwar noch in der nördlichen Pfeilerreihe steht, aber nicht mehr am alten Pfeiler, wo bis heute eine Erhardstatue verblieben ist (vgl. S. 154). Noch im 17. Jahrhundert stand der Erhardaltar um einen Pfeiler weiter östlich als jetzt. 1336 gestiftet (siehe Urkunde S. 235).
Ablaß: 1360. Pfründen: Nützelpfründe, Stiftungsjahr unbekannt; Hallerpfründe, 1358 von Ulrich Haller gestiftet; Dietleinpfründe, 1363 von Hans Dietlein gestiftet. Siehe den Halleraltar, S. 138.
=Kunigundenaltar.= Den Heiligen Heinrich, Kunigunde und Otto geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.
Dietlerpfründe, 1347 gestiftet von der Hensel Dietler; Tesauruspfründe, 1354 oder vor 1354 gestiftet von Konrad Tesaurus [Schatz]; Hallerpfründe, vor 1383 gestiftet von Ulrich Haller, und die Nützelpfründe, 1389 gestiftet von Elisabeth Haller.
=Bartholomäusaltar.= Den Heiligen Bartholomäus und Pankratius geweiht. Er stand an einem der Schiffspfeiler.
Ablässe 1460, 1476 und 1477. Pfinzingpfründe, 1435 von Berthold Pfinzing gestiftet.
=Marien- und Dreikönigsaltar=, gewöhnlich =Frauenaltar= genannt. »Ad honorem beatae Mariae virginis et trium regum«. In der romanischen und gotischen Zeit in der Krypta, d. h. in der Ostkrypta, und zwar in der mittleren Apsis. In der späteren gotischen Zeit ist stets von zwei Frauenaltären die Rede.
Ablässe 1283, 1284, 1289, 1341 (Wandelkerzen), 1370 und 1379. Vier Pfründen: Bretheimpfründe, gestiftet von Konrad Bretheim 1358, bestätigt 1359; die Teufelpfründe, gestiftet von Konrad Teufel 1359, bestätigt 1370, neu dotiert von Hans Teufel 1440; die Movendelpfründe des Paul Volckamer, deren Stiftungsjahr unbekannt ist, und Kolerpfründe, gestiftet von Elisabeth Koler 1402.
Die beiden Frauenaltäre standen zu Beginn des 16. Jahrhunderts an den beiden ersten Säulen des Ostchores, an denen heute noch Marienstatuen angebracht sind. Sie wurden mit dem gegenüberstehenden Zwölfbotenaltar und dem dazwischen befindlichen Altar, wahrscheinlich dem Johannesaltar, auf Beschluß des Rates 1542 beseitigt, weil die Kirchenbesucher den Geistlichen auf der Kanzel nicht sehen konnten.
=Jakobsaltar.= Den Heiligen Jakobus, Jodokus, Martinus und Christophorus geweiht. In der Ostkrypta, dem Frauenaltar gegenüber.
1343 gestiftet von Jakob Kramer. Ablässe 1353, 1355 und 1365. Kramerpfründe, 1381 von Bernhard Kramer gestiftet.
=Allerseelen-Altar.= In der Westkrypta. Ablaßbrief vom 3. Mai 1360, in dem die Krypta als »ergastulum« (also etwa: Verließ, unterirdischer Raum) bezeichnet wird. Vgl. Beilage 28.
Im Liber privilegiorum A des Fürstbischofs Lambrecht von Bamberg (Kreisarchiv Bamberg) findet sich die Abschrift einer Urkunde, nach welcher 1401 am 23. Mai eine Pfründe auf dem =Georgsaltar= in der Kirche des hl. Theobald in Nürnberg gestiftet worden ist. Jedenfalls ist Theobald verschrieben für Sebald, allein ein Georgsaltar in der Kirche Sankt Sebald ist sonst nirgends belegt.
Die =jetzigen Altäre= der Kirche sind:
Der =Hauptaltar=. Im Ostchor.
An seiner Stelle stand der zur Barockaustattung der Kirche gehörige, 1663 von Georg Wirsching, Schreiner von Neumarkt i. O., errichtete Hauptaltar als Nachfolger des gotischen, 1379 dem hl. Sebald geweihten Hochaltares (Abb. 30). Der Barockaltar war 1660 für 1000 fl. in Arbeit gegeben worden. Nach der Aufstellung wurden 200 fl. nachbezahlt.
An die Stelle dieses Altars trat 1823 ein nach Zeichnungen Karl Alexander Heideloffs in neugotischem Stil von dem Schreiner Heil und dem Bildhauer Rotermundt ausgeführter Altarbau, an dem die schon am Barockaltar angebrachte Gruppe, Christus am Kreuz mit Maria und Johannes (Abb. 55, 56, 57), lebensgroße, in Holz geschnitzte und farbig gefaßte Figuren des Veit Stoß und seiner Schule, wieder zur Verwendung kam. Der Altar ist abgebildet im Sammler für Kunst und Altertum in Nürnberg, 1. Heft (1824), Tafel zu S. 51. Bei der letzten Wiederherstellung wurde dieser Heideloffsche Altar entfernt und zwischen den mittleren Schiffpfeilern auf einem Tragbalken die Kreuzigungsgruppe wieder angebracht. Bei dieser Gelegenheit wurde die Gruppe von dem ihr anhaftenden dicken Ölfarbenüberzug befreit, die ansehnlichen Reste alter Polychromierung ergänzt und im Innern des Christuskörpers folgende, nur noch zum Teil leserliche, aber die Autorschaft des Veit Stoß bezeugende Urkunde gefunden:
Ihs Maria Adi 27 Julii 1520 jar ist diser got auff gericht durch Nicklos Wickel zw Nurnberg mit hilff Aug[ustin] -- -- -- -- -- und ist gemacht von Veit Stoss zw Nurnberg kostet -- -- -- -- --.
Die von Stoß herrührende Hauptfigur der Gruppe vom Jahre 1520 soll sich ursprünglich auf einem zwischen zwei Pfeilern eingespannten Bogen über dem Sebaldusgrabe befunden haben. Die Provenienz der Seitenfiguren ist unbekannt. Heideloff ließ durch Bronzierung die alte Fassung der Figuren zudecken.
Nach M. M. Mayer, Die Kirche des hl. Sebaldus (Nürnberg 1831), S. 34, bot der Kurfürst von Mainz 1652 durch den Bildhauer Georg Schweigger dem Rate von Nürnberg 1000 Dukaten für die Gruppe. Vgl. über dieselbe ferner: Denkmalpflege. 1904, S. 96 und 131.
Die Mensa des Altars ist noch die ursprüngliche mittelalterliche und enthält die S. 129 (vgl. Abb. 144) erwähnte Urkunde samt den darin aufgezählten Reliquien.
Der =Tucher=sche oder =Nikolausaltar= (Abb. 51). Im Ostchor, und zwar im nördlichen Umgang an Stelle des als linker Seitenaltar verwendeten alten Nikolausaltars (siehe S. 130). 1659 von der Familie Tucher gestiftet.