Die Sebalduskirche in Nürnberg
Part 11
=1894.= Während des Winters 1893 auf 1894 und selbst das ganze Frühjahr hindurch bis in den Sommer hinein war die Hütte mit der Herstellung der vielen reichen =Baldachine= und =Konsolen= (Abb. 27, 36, 37) am Ostchor beschäftigt. Sobald die sieben Baldachine je eines Pfeilers fertiggestellt und versetzt waren, konnten die Gerüste entfernt werden, und so fiel von Norden nach Süden nach und nach die Hülle von Gerüsten, die den Ostchor vier Jahre hindurch verdeckt hatte. Ende Juli wurden die Baldachine und Figuren am letzten Strebepfeiler bei der Schautüre versetzt. Auch wurden die Abfallrohre bei jedem Pfeiler in Kupfer neu hergestellt.
In den Monaten April und Mai wurden die zwei aus der nördlichen Sakristei herausragenden Strebepfeiler ausgewechselt. Hierbei wurden auch die Giebelabdeckungen erneuert und das Dach, welches die Mauern bisher überdeckt hatte, tiefer gelegt, so daß die an den alten Abdeckungen schon vorhandenen inneren Gesimsprofile nun sichtbar sind. Auch die Rinne und das Abfallrohr wurden in Kupfer neu hergestellt.
Die weitere Arbeit der Hütte bestand zunächst in der teilweisen Neuherstellung und Ausbesserung der Wandflächen unterhalb des Kaffgesimses bis zum Sockel des Ostchores, die durch die früher eingebauten Kramläden erheblich gelitten hatten.
Hiermit fanden die Arbeiten am Ostchor, da die Restaurierung der =Portale= auf späterhin verschoben wurde, ihren vorläufigen Abschluß, und die Hütte begann mit der Anfertigung der Werkstücke für die Wiederherstellung des =Westgiebels=, und zwar zunächst des nördlichen Teiles desselben.
Diese Arbeit füllte den Sommer und Herbst aus; es gelang, die Neuherstellung der =Galerie= (an Stelle der früher vorhandenen Ziegelbedachung) sowie des =Eingangstürmchens= und die übrigen Ausbesserungen dortselbst bis auf das Verfugen noch vor Winter zu Ende zu führen.
Nunmehr nahm die Hütte die Werkstücke für die Galerie sowie die Giebel und Pfeilerendigungen des nördlichen Seitenschiffes in Arbeit als Aufgabe für den Winter 1894/95.
Der =Fachwerkaufbau= für den Sängerchor am nördlichen Seitenschiff war anfangs des Jahres abgebrochen worden.
Die Bauleitung war während des ganzen Jahres mit den Vorbereitungen für die vorbeschriebenen Arbeiten der Hütte beschäftigt.
Außerdem wurden, nachdem im August am =nördlichen Turm= in der Höhe der Glockenstube feste Gerüste aufgeschlagen waren, die nun zugänglich gewordenen Teile des Turmes, deren große Schadhaftigkeit früher schon festgestellt worden war, vermessen und zeichnerisch dargestellt.
Mit Steinmetzmeister Göschel war ein neuer Vertrag für die weiteren Wiederherstellungsarbeiten im März abgeschlossen worden. Das Steinmaterial wurde seit dem Frühjahr ausschließlich aus den Brüchen von Wendelstein bezogen.
Im August beschloß der Bauausschuß, sowohl die Lattung wie die Ziegeldeckung des großen =Ostchordaches= auszubessern und eine Anzahl neuer Dachfenster anzubringen. Im Innern des Dachbodens wurden auf allen Balkenlagen bequeme Laufgänge hergerichtet und der Boden selbst oberhalb der Gewölbe mit einer neuen Bretterung versehen. Die beiden =Dachendigungen= waren bei dieser Gelegenheit genau nach den vorhandenen Resten zum Teil erneuert worden.
Am =Schreyerschen Grabmale= (Abb. 69) wurden im Herbst zwei neue Baldachine an Stelle der alten verwitterten eingesetzt; auch die Holzdecke dieses Vorbaues und das Kupferdach wurden neu hergestellt. Im April nahm der Kultusminister von den Arbeiten Einsicht. Um einen Überblick über die Art der Wiederherstellung in späterer Zeit zu ermöglichen, richtete die Bauleitung im Laufe des Jahres in dem unbenutzten Raume oberhalb der nördlichen Sakristei (der alten Schatzkammer) eine =Sammlung von Modellen, Zeichnungen und Photographien= ein, welche eine Ergänzung der bereits im Lapidarium bestehenden Sammlung bildet.
=1895.= Nachdem die Hütte im Winter 1894/1895 einen großen Teil der für den Ausbau des =nördlichen Seitenschiffes= nötigen Werkstücke hergestellt hatte, konnte im Frühjahr mit dem Versetzen, und zwar bei der =Galerie= zunächst dem Brauttor, begonnen werden (Abb. 39).
Von Joch zu Joch wurden Galerie und Pfeiler neu aufgestellt und jedesmal dahinter der neue Dachstuhl aufgerichtet. Bei dem letzteren war eine etwas umständliche Konstruktion erforderlich, weil trotz des nunmehr viel niedrigeren Daches unterhalb desselben der =Durchgang= vom Turm zur Sängerbühne erhalten werden mußte.
Mit dem =Niedrigerlegen= des Daches wurden endlich die romanischen =Fenster= des Mittelschiffes wieder frei, wodurch das letztere volles Licht erhielt und die schöne romanische Architektur im Innern zur Geltung gelangte.
Ein kleiner Aufenthalt ergab sich im Juli bei der Anschreibtür, weil die dort erforderliche besonders eingreifende Abbrucharbeit der beiden Portalpfeiler große Vorsicht bezüglich des Gewölbeschubes erheischte. Es wurde aller Gefahr durch eine vom Straßenboden aus aufgestellte eiserne Stützkonstruktion vorgebeugt.
Über die ehemalige Form der Galerie dieses Portales hatten glücklicherweise ein erhaltenes Gesimsstück und der Maßwerkanschluß Aufklärung gegeben.
Bis zum Eintritt des Winters wurden von den fünf Jochen vier fertiggestellt. Zugleich mit den Arbeiten an der Galerie waren auch die =Maßwerke der Fenster= (Abb. 21) einer gründlichen Ausbesserung zu unterziehen. Die Gerüste konnten nun bis zur halben Fensterhöhe fallen.
Der Deckung des Daches wurde besondere Sorgfalt zugewendet. Die so charakteristische =Ziegeldeckung= sollte beibehalten werden, aber bei der flachen Neigung erwies sich noch ein besonderer Schutz gegen eindringendes Wasser notwendig. Daher wurde das Dach zuerst mit verbleitem Eisenblech und hierauf erst mit Ziegeln gedeckt. Die Rinne wurde ähnlich wie am Ostchor gestaltet und aus Kupfer hergestellt.
Die Anfertigung der am nördlichen Seitenschiff zu erneuernden =Statuen=, welche nach den alten verwitterten und ergänzten Vorbildern genau kopiert wurden, übertrug der Bauausschuß zum Teil dem Bildhauer Leistner, zum Teil dem Steinmetzmeister Göschel. Der Kultusminister besuchte die Kirche im Januar.
Am 18. Mai erhielt sie den Besuch des Prinzen Ludwig von Bayern und am 30. Juli der beiden ältesten Söhne des Deutschen Kaisers.
Unterdessen hatte sich die Bauleitung mit den Plänen befaßt, welche zur Umgestaltung, beziehungsweise zum Aufbau des =Treppentürmchens= am nördlichen Turm erforderlich waren. Daneben wurde die =südliche Sakristei= in ihrem äußeren Mauerwerk restauriert, der Kamin derselben verändert und das Dach niedriger gelegt.
In den Bauausschußsitzungen war wiederholt die Frage der Beheizung der Kirche, zunächst allerdings ohne Ergebnis, besprochen worden.
Als die Versetzarbeiten des Frostes wegen eingestellt werden mußten, war die Hütte in die Winterarbeit -- Wiederherstellung des letzten Joches des nördlichen Seitenschiffes, der Wimpergkränze, der beiden Pfeiler dortselbst und der Baldachine und Konsolen des Seitenschiffes -- eingetreten. Auch für den nördlichen Turm wurden schon eine Anzahl Steine bearbeitet. Für das nächste Jahr wurden außer der Beendigung des nördlichen Seitenschiffes die Arbeiten am =nördlichen Turm= (Abb. 28) und am =südlichen Westgiebel= in Aussicht genommen.
=1896.= Da in diesem Jahre in Nürnberg die zweite bayerische =Landesausstellung= stattfand, wurden die Arbeiten am westlichen Joch sowie die Auswechslung von zwei Mittelteilen der Strebepfeiler zwischen Brauttor und Anschreibtür und schließlich die Wiederherstellung der Galerie über der letzteren so beschleunigt, daß beim Besuche des Prinzregenten =Luitpold= am 13. Mai das nördliche Seitenschiff bis auf den Magistratschor und das Treppentürmchen am nördlichen Turm von Gerüsten ganz befreit war.
Nun wurde zunächst das Treppentürmchen ausgebessert und um ein Stockwerk erhöht zur Ermöglichung eines Austrittes in die Dachrinne des Seitenschiffes. An Stelle der alten Backsteinpyramide trat ein steinerner Dachhelm mit Kreuzblume (Abb. 39).
Zugleich wurde im nördlichen Turm der Zugang zum Seitenschiff durch Anlage neuer Treppen und Fußböden verbessert und der Gang zur Sängerbühne durch eine Rabitzwand gegen den Dachraum abgeschlossen. Die Triforien erhielten neue Zugangstreppen.
Unterdessen hatte sich herausgestellt, da die Gerüste am Treppentürmchen eine genaue Untersuchung ermöglicht hatten, daß der =Turm= zu beiden Seiten seiner nordwestlichen Strebepfeiler 4-6 m lange und bis zu 5 cm breite =Risse= aufwies. Hier befanden sich zwei vermauerte, mit Rundbögen überdeckte ehemalige =Öffnungen=, welche in nordwestlicher Richtung einen Schub ausübten. Die den letzteren verursachende Belastung mag vergrößert worden sein durch die Erhöhung des Turmes in der gotischen Zeit, durch Glockengeläute und Winddruck. Obschon die offenbar schon alten Risse keine augenblickliche Gefahr mit sich brachten, war dringend nötig, weiteren Bewegungen Einhalt zu tun.
Es wurde daher eine doppelte =eiserne Verschlauderung= hergestellt, die das ausgewichene Turmeck umfaßte und im Innern die östliche und südliche Turmwand als Rückhalt benutzte.
Unterdessen war der sehr ruinöse =Magistratschor= (Abb. 40, 41) bis auf den Grund abgetragen worden und wurde ganz neu wieder hergestellt mit neuen Fenstermaßwerken -- die alten fehlten vollständig -- und einer nach gegebenen Anhaltspunkten erneuerten =Galerie=.
Das Dach hinter der letzteren wurde mit Kupfer gedeckt.
Die Hauptarbeit der Hütte für den Herbst und Winter bildeten die Friese, Gesimse und Maßwerke der =nördlichen Turmgalerie= (Abb. 29).
Diese Werkstücke waren meist sehr umfangreich, so daß die durch die Kündigung des Lagerplatzes an der Moritzkapelle hervorgerufene Beengung des Werkplatzes sehr unangenehm empfunden wurde.
Die =Gerüste= des Turmes waren wiederholt geprüft und zu größerer Sicherheit möglichst bequem eingerichtet, auch mit Sprachrohr und elektrischer Glocke versehen worden.
Gegen Ende November wurde mit der Abnahme der alten Galeriemaßwerke begonnen. Diese sowie die Reste des Magistratschores wurden der Stadt überlassen und fanden an der Stadtmauer beim Walchtor Aufstellung. Die meisten =Statuen= am nördlichen Seitenschiff und Brauttor sowie die überlebensgroße =Thomaschristusstatue= an der nördlichen Sakristei waren im Laufe des Jahres erneuert worden. Die Anbringung neuer Statuen =Luthers= und =Melanchthons= an der Anschreibtüre wurde beschlossen, ihre Herstellung jedoch auf das nächste Jahr verschoben. Auch sollten die =Epitaphien= und sonstigen =Reliefs= an der Kirchenwand teils ausgebessert, teils erneuert werden. Beim Eintritt des Winters waren die Hütte mit Herstellung der noch fehlenden Werkstücke für die Turmgalerie und die Modelleure mit Ergänzung der Reliefs beschäftigt.
Durch eine neue Kanalisation der Abfallrohre zum Hauptkanal auf der Nordseite wurde eine Verbesserung des Wasserablaufes hergestellt.
=1897.= Im Frühjahr konnte mit dem Versetzen an der nördlichen Turmgalerie begonnen werden. Ein Hindernis erwuchs durch eine vorhandene starke Verschlauderung der alten Gesimsstücke, welche während der Bauarbeiten in Funktion erhalten werden mußte, anderseits aber die Auswechselungsarbeiten sehr erschwerte. Es gelang durch eine besondere Art des Zusammengreifens der neuen Werkstücke die Schwierigkeit zu überwinden.
Ende Mai konnte schon mit Herstellung der breiten Kupferrinne begonnen werden. Dann wurden die durchbrochenen Brüstungen versetzt und die oberen Blattkonsolen der Bogenfriese teilweise erneuert. Im Juli begann die Abrüstung.
Zugleich mit dem Abrüsten fand eine umfangreiche Auswechselung von Werkstücken auf den vier Seiten des Turmes von der Galerie abwärts statt, so daß abgesehen vom Dachhelm der Turm Ende November frei von Gerüsten war. Die Restauration des Portals wurde, wie die der Portale überhaupt, auf später verschoben.
Die Bauhütte hatte schon seit dem Frühjahr Werkstücke zum Ausbau der Südseite des =Querschiffsgiebels= in Arbeit genommen.
Es handelte sich hier um Neuherstellung der Giebelabdeckung, eines Fensters, der Maßwerkgalerie und der Endigung des romanischen Strebepfeilers. Im Juli konnte mit dem Versetzen begonnen werden; im November war der ganze südliche Westgiebel wieder abgerüstet.
Zur Instandsetzung des mit Zinn gedeckten =Dachhelmes des nördlichen Turmes= wurde bereits im Sommer ein leichtes Gerüst gebaut, da ohne Gerüst über den Umfang der Ausbesserung kein Urteil gewonnen werden konnte. Der Zustand erwies sich als so mangelhaft, daß der Bauausschuß beschloß, die Deckung ganz zu erneuern. Zugleich sprach er sich aus historischen Gründen für Beibehaltung von =Zinn= als Deckungsmaterial aus. Dieser Beschluß wurde jedoch nochmals schwankend, als sich herausstellte, daß eine große Anzahl von Löchern im Zinn auf eine eigentümliche Art von Korrosion zurückzuführen war, die nach Ansicht von Sachverständigen durch den Einfluß großer Kälte entsteht und sich wie eine Infektion auf andere Zinnteile überträgt.
Die Entscheidung der Materialfrage wurde daher bis zum nächsten Frühjahre verschoben.
Im Oktober wurden die =Glocken= im nördlichen Turme, deren Geläute während der dortigen Bauarbeiten unterblieb, untersucht und ebenso wie die Glockenstühle ausgebessert.
Um beim Gerüstabbruch am nördlichen Turm das Holzwerk zur Wiederverwendung am südlichen Turm leicht transportieren zu können und für den Arbeitsbetrieb eine bequemere Verbindung zu erhalten, wurden im Sommer beide Türme durch eine hölzerne Brücke verbunden.
Über die Anlage einer Heizung der Kirche wurde im Bauausschuß im Laufe des Jahres wiederholt, jedoch ohne Erfolg beraten. Eine weitere Frage bildete die Restaurierung der wertvollen =Glasmalereien=. Vorderhand waren jedoch keine Mittel da, um dieser Aufgabe näher zu treten. Unterdessen hatte die Bauleitung alle Vorarbeiten gefertigt, damit die Hütte während des Winters die Werkstücke zur Restaurierung des =südlichen Seitenschiffes= herstellen konnte.
Am südlichen Turm und am Löffelholzchor wurden Gerüste aufgeschlagen (Abb. 32).
=1898.= Bei den Wiederherstellungsarbeiten am südlichen Seitenschiff handelte es sich zunächst um die Tieferlegung des Daches und die Instandsetzung der halbvermauerten Mittelschiffenster, ferner um die Neuherstellung der nur als Reste vorhandenen Strebepfeilerendungen, um Ersatz des unförmlichen den Blasbalg der Orgel enthaltenden Fachwerkaufbaues durch einen kleinen steinernen Aufbau sowie um einen neuen Steinhelm auf dem Treppentürmchen am Südturm, schließlich um Restaurierung der Fenstermaßwerke und des Portales.
Der größte Teil dieser Arbeiten konnte im Laufe des Jahres vollendet werden. Im Frühjahre wurden die Mittelschiffenster ausgebrochen, im Juli mit dem Aufschlagen des neuen Dachstuhles beim Orgelaufbau begonnen.
Eine Verzögerung trat jedoch ein, als sich herausstellte, daß in früherer Zeit der Querschiffgiebel der Orgel wegen durch Ausbrüche so geschwächt worden war, daß mehrere handbreite Risse entstanden waren. Auch war der Steinverband in bedrohlicher Weise gelockert.
Die dem Absturz nahen Werksteine wurden durch eine Zementbacksteinwand unterfangen und der ganze Giebel durch zwei miteinander verbundene horizontale Schlaudern, die vom Mittelschiff bis zur Außenwand reichten, zusammengehalten. Im August wurde der Blasbalg in dem neuerrichteten Dachaufbau wieder hergestellt. Auch das Versetzen der neuen Pfeilerendigungen, Fialen und Riesen war vor Eintritt des Winters beendet.
In einer Ecke des Südturmes innerhalb des Mauerwerkes fand sich eine mit Schutt angefüllte =Treppe=, die vom Turm in die Gewölbezwickel des Mittelschiffes führte.
Zur Neuherstellung der =Dachdeckung= am =nördlichen Turm= hatte der Bauausschuß sich unterdessen für die Verwendung von reinem Zinn ausgesprochen. Bei der im Mai begonnenen Abdeckung des alten Zinns zeigte sich, daß mehrere Hölzer des Dachstuhles angefault waren und ausgewechselt werden mußten.
Im Juni konnte die neue Holzverschalung aufgebracht werden. Die Neudeckung des Helmes, welche Flaschnermeister =Orelli= ausführte, war bis zum Herbst vollendet.
Auch die Wetterfahne hat derselbe nach dem Muster der alten, die verrostet war, neu hergestellt.
Das alte Zinn wurde um den Preis von 3700 Mk. verkauft.
Die =nördliche Sakristei= bot, feucht, halbfinster und vielfach vergittert, einen sehr unangenehmen Aufenthalt. Es wurden daher im März und April die Fenster verbreitert, die Gitter teilweise entfernt und der Fußboden ausgehoben und betoniert.
Die Modellkammer war mit der Herstellung von ornamentalen Modellen auch in diesem Jahre beschäftigt. Daneben wurden in derselben die Statuen der Jungfrauen vom Brauttor, welche sich bei dieser Gelegenheit als ehemals =polychromiert= erwiesen, instand gesetzt und eine derselben an Stelle eines vorhandenen alten Gipsabgusses neu gefertigt.
Dem Bildhauer Leistner wurden die Statuen =Luthers= und =Melanchthons=, welche das Portal am nördlichen Seitenschiff zieren sollten, in Auftrag gegeben.
Die Rüstung des Südturmes wurde bis zur Galerie beendet, so daß die Bauleitung noch vor Jahresschluß mit den Aufnahmen dortselbst beginnen konnte.
Schließlich sei noch erwähnt, daß innerhalb des Nordturmes größtenteils neue hölzerne Treppenläufe und unterhalb der Glocken eine Holzabdachung hergestellt wurde. Im südlichen Seitenschiff erhielten die Triforien ähnlich wie auf der Nordseite Verbindungstreppen zum Dachraum.
Beim Eintritt des Winters war die Werkhütte, deren Bestand infolge der mangelnden Mittel verringert worden war, mit den Werksteinen für den Helm des südlichen =Treppenturmes= beschäftigt.
=1899.= Die vorhandene kleine Anzahl von Steinmetzen fertigte den Winter über neben den für das =südliche Seitenschiff= noch fehlenden Werkstücken die Werksteine zur Restaurierung des =Brauttores= (Taf. IV).
Bei letzterem handelte es sich nicht nur um Auswechselung der beiderseitigen Postamentprofilierungen unter den Jungfrauenstatuen, sondern auch um Neuherstellung fast aller Baldachine. Auch das durchbrochene zierliche Maßwerk mußte in seinem Hauptteile erneuert werden.
Die Statuen =Maria= (Abb. 42) und =Sebaldus= waren schon früher in Kalkstein erneuert worden und standen zum Versetzen bereit.
Bei der in Verbindung mit der Restaurierung stattfindenden Reinigung stellte sich heraus, daß der größte Teil des Portales ursprünglich =polychromiert= war.
Außer an den Jungfrauenstatuen sind die Spuren hauptsächlich an der Christusfigur und an den Wappen noch sichtbar.
Das steinerne Dach wurde mit Kupferplatten überdeckt, und Ende Juli wurde nach Entfernung der Gerüste das restaurierte Portal dem Verkehr wieder übergeben.
Die noch ausstehenden Auswechselungsarbeiten am =südlichen Seitenschiff=, an den Mittelteilen der Pfeiler, den Fensterbögen und den Fenstermaßwerken sowie dem Portale nahmen die Arbeit einiger Steinmetzen bis in den Herbst in Anspruch.
Bei der Reinigung des südlichen Seitenschiffportales fand sich auch hier eine gut erkennbare, ehemals gewiß glänzende =Polychromie= vor. Selbst die Säulen waren mit einem bewegten Linienornament geschmückt.
Das Portal erhielt ein neues Kupferdach. Auch die kupfernen Dachrinnen und der Kehlanschluß am Südturme wurden vervollständigt, so daß im Herbst das südliche Seitenschiff bis auf die Erneuerung des westlichen modernen Fenstermaßwerkes und der Kaff- und Sockelgesimse fertiggestellt war.
Im März konnten schon nach den bis dahin fertiggestellten Zeichnungen die Steine für die =Galerie des Südturmes= bestellt werden; allein die Lieferung aus den in einen neuen Besitz übergegangenen Wendelsteiner Brüchen ging nur sehr langsam von statten. Die Zahl der Steinmetzen war im Juli auf 25 Mann erhöht worden. Ihre Arbeit bildeten die 78 großen Werkstücke der 3 Gesimsschichten an der südlichen Turmgalerie, die bis zum Ende des Jahres nahezu vollendet wurden.
Im Juli wurde das im Nordturm unterhalb der Glocken hergestellte Holzdach mit Zinn verkleidet. Auf Veranlassung und mit den Mitteln des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg wurde im November durch die Bauhütte im Ostchor eine =Nachgrabung= nach den =Fundamenten= der östlichen Hälfte der alten romanischen Kirchenanlage vorgenommen.
Vor der Türe der südlichen Sakristei gezogene Gräben legten bald die Grundmauer der südlichen =Querschiffapsis= bloß. Bei der Aufgrabung zwischen Sebaldusgrab und Hochaltar fanden sich Grundmauern der =Hauptapsis=, welche die Reste einer Mensa enthielt und den kleeblattförmigen Abschluß einer zweischiffigen =Krypta= bildete.
Um bei der durch Zeit und Mittel beschränkten Aufgrabung ein möglichst vollkommenes Ergebnis zu erzielen, wurden die Gräben auf die Südseite beschränkt, hier aber um so gründlicher hergestellt. Auf diese Weise konnte die ganze Längsmauer der sich bis zu den Vierungspfeilern hinziehenden Krypta aufgedeckt werden, wobei auch die aus den Schiffen hinabführenden =Treppen= sichtbar wurden. Von den Ergebnissen dieser Aufdeckungen wurden durch die Bauleitung Vermessungen, =Aufzeichnungen= und ein plastisches Modell hergestellt, welch letzteres in der Modellsammlung der Kirche seinen Platz fand (Taf. II u. III, Abb. 1).
Die aufgedeckten Mauerteile waren vor dem Zuschütten auf Einladung des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg von einer großen Zahl von Sachverständigen und Interessenten besichtigt worden.
Gegen Ende des Jahres begann die Hütte mit der Herstellung der durchbrochenen Brüstungsstücke der Galerie für den =Südturm=.
=1900.= Im Frühjahr 1900 konnte mit dem Versetzen der Gesimsstücke und der Galerie am südlichen Turm begonnen werden. Die Arbeit ließ sich nur auswechslungsweise vornehmen, wobei die in der Mauer liegenden vier Schlaudern, die übrigens unter sich nicht verbunden waren, eine Erschwerung bildeten. Am Turmaufbau oberhalb der Galerie mußten auf allen vier Seiten eine große Anzahl von Werkstücken, Bogenfriese, Gesimsstücke, Fenstergewände und auch glatte Quadern wegen der vorhandenen großen Verwitterung erneuert werden.
Beim kupfernen =Dachhelm=, dessen Blechtafeln von sehr ungleicher Stärke waren, fand sich der Verband gelockert, das Blech durchlöchert und sehr beschädigt vor, so daß eine gründliche Reparatur unter Verwendung einer größeren Anzahl neuer Platten erforderlich wurde; auch der Blitzableiter und die Wetterfahne kamen zur Ausbesserung.
Am =südlichen Seitenschiff= wurde in das westliche große Fenster ein neues Maßwerk eingesetzt. Das alte war erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit dem Abbruch der damals im Innern der Kirche befindlichen =Mesnerwohnung= zur Ausführung gelangt, aber in den unverstandenen Formen der damaligen Zeit. Außerdem wurden in der zweiten Jahreshälfte nach den unterdessen ausgearbeiteten Plänen die für die Erneuerung des =Dreikönigschores= erforderlichen Werkstücke in Arbeit genommen und im Laufe des Jahres zum größten Teil fertig gestellt.
Die Instandsetzung des Kaffgesimses und der Sockelpartien am südlichen Seitenschiff mußte jedoch, weil diese Wände mit Schuppen, Werksteinen und Gerüsthölzern verstellt waren, auf spätere Zeit verschoben werden.
Nachforschungen nach einem ehemaligen inneren =Eingang= zur =Westchorkrypta= hatten keinen Erfolg.
=1901.= Die nächste Aufgabe des Jahres bestand in der Weiterführung der Arbeiten am =südlichen Turm=.