Part 12
Es gibt daraufhin vorbereitende Arbeit. Der Erzieher wird das Gedächtnis des Kindes üben, indem er ihm die Dinge, nach denen es erstaunt fragt, +benennt+. Benennung ist nicht Erklärung, soll zunächst einmal nur die Fülle, die fremd vor dem Kinde da liegt, zerteilen, gliedern, unterscheiden lassen. Nicht +näher+ soll ihm das alles durch die Benennung gebracht werden. Es soll die Dinge an ihrem Namen nur behalten und aufreihen lernen, wie es ihm beliebt. Durch die Namengebung wird eigentlich den Wesen und Dingen ringsum Ehrfurcht bezeugt. Menschen im Zustand von Begierde kommen noch nicht zu eingehender Namengebung. Namen gibt man erst den Dingen, an denen man Freude hat und vor denen man sich fürchtet. So kann im Kindesalter Ehrfurcht hauptsächlich durch Namengebung vermittelt werden. Darum ist es so besonders wichtig, daß dem Kinde auch +wirklich+ nur die Dinge, nach denen es fragt und die ihm verwunderlich erscheinen, benannt werden. Wo ein Kind mechanisch lernt, ohne vorher von seinen staunenden Sinnen zu der Frage geführt zu sein, wird die Ehrfurcht vor dem Ding dadurch von vornherein untergraben. Es lernt viel zu viele Dinge benennen und erklären, ehe es sie überhaupt gesehen hat. Es wird »blasiert«.
Das ist fast niemals wieder gut zu machen. Wenn es nämlich später einmal das Ding in Wirklichkeit sieht, dessen Namen ihm schon bekannt ist, ist seine staunende Regung abgestumpft. »Ach, das weiß ich schon, das kenne ich schon« sagt es, kommt also gar nicht zur Frage von innen heraus. Der vorher gewußte Name hindert zu der Wirklichkeit und zu der Freude daran zu kommen. Und dies leiert sich dann so weiter. Die heutige wissenschaftliche Bildung tut ja -- wenige Ausnahmen abgerechnet -- die gleiche beschreibende, also gewissermaßen vorbereitende Arbeit, ohne doch jemals zu dem eigentlichen Zweck der Wissenschaft durchzustoßen. Es wird fieberhaft an dem »Rüstzeug« für das Wissen gearbeitet. Aber das Rüstzeug wendet man nur immer wieder an, um neues Rüstzeug damit herzustellen. Der Hochmut der »wissenschaftlich Gebildeten« ist der zurückgebliebene Stolz, die »Blasiertheit« der Kinder, die viel »wissen«, das heißt viel Namen gelernt haben und dabei das Fragen gründlich +ver+lernt haben. Und das alles geschieht, weil an der entscheidenden Stelle die Erziehung versagte.
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Zur Zeit der Geschlechtsreife wächst der Wissenstrieb mit einem gewaltigen Schuß aus der Tiefe des Menschen. Das einzige Begehren der jungen Menschen ist zu dieser Zeit: das Dunkel über ihre Geschlechtlichkeit aufzuhellen, zu +wissen+, was mit ihnen vorgeht. Darüber wurde schon gesprochen. Es muß noch einmal aufgegriffen werden, soweit es sich hier um den Trieb zu +wissen+ handelt.
Der junge Mensch fühlt an seiner Geschlechtlichkeit sein Bewußtsein überhaupt erst erwachen. Alles in ihm wandelt sich. Er muß darüber staunen. Es wächst an, erfüllt ihn ganz und gar und wird nun in ihm zu der brennenden Frage: Was ist das? Und daraufhin erhält er dann entweder eine Antwort, die der heute geltenden Wirklichkeit vielleicht gemäß sein mag, aber nicht der Wahrheit auf den Grund geht. Er wird in »beschreibendem« Sinne geschlechtlich aufgeklärt. Er erfährt, +wie+ das alles ist, keineswegs aber +warum+ das so ist. Die Folge davon ist, daß er dann bald aufhört, zu fragen, weil ihm eben alles fraglos wird. Oder er erhält keine Antwort darauf, sondern muß seine gewöhnliche Lernarbeit weitertun. Also ein viel zu schnelles und lediglich beschreibendes Wissen oder gar kein Wissen überlichtet oder verdunkelt sofort das eben erwachende Bewußtsein. Was wird daraus? Eitle, blasierte, rücksichtslose Menschen, denen gar nichts mehr geschehen kann, für die das Leben eine ganz selbstverständliche Rechenaufgabe wird, auf der einen Seite. Finstere oder geduckte Menschen, die allen anderen und sich selbst mißtrauen, auf der anderen Seite.
Hier hat der Führer zum Leben seine letzte Aufgabe, aus der geschlechtlichen Frage über alle Vorbereitungen und Beschreibungen hinweg zu der Tiefe des wahren Wissens zu führen. Dabei muß ihm unablässig gegenwärtig bleiben, daß alle Fragen in dieser Zeit aus dem Dämmern der geschlechtlichen Kräfte entstehen. Davon war schon eingehend die Rede. Er muß ihnen Räume öffnen, die sie selbst dann mit ihrer eigenen Fragekraft überspannen können. Das Kind hat vorher gelernt, die Dinge ringsum zu benennen und aufzureihen und in diesem untergeordneten Sinn zu wissen. Jetzt aber prallt die Frage: was ist das, wirkungslos ab an der Härte der geschlechtlichen Problematik. Beschreibende Aufklärung +kann+ hier nicht mehr genügen, weil ja zum ersten Mal der Gegenstand der Frage sich nicht mehr +außerhalb+ befindet, sondern in dem fragenden Selbst, in seiner eigenen Tiefe steckt. Helfen kann ihm jetzt nur Begründung, Entwicklung, Einsicht in die Zusammenhänge. Mit jenem tiefen Bezug auf den Fragenden selbst heißt die Frage jetzt einzig und allein: warum.
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Zwei große Zusammenhangsreihen werden sich von nun an dem in einem neuen Sinn Fragenden auftun. Die erste Fragereihe geht auf örtliche, auf gleichzeitige Zusammenhänge, verbindet alles Gestaltete im Raum unter einander und mit dem Schauenden selbst. Antwort auf die Frage wird hier immer mehr oder weniger gleichnishaft bleiben. Erkenntnis der Ähnlichkeit der Dinge in Gestalt und Lage, Erkenntnis der Verwandtschaft in Stoff und Trieb und Richtung wird das bunte Durcheinander ordnen und auferbauen, bis es licht und klar und einfach erscheint. Hier kann die Naturwissenschaft, wenn sie sich über die nur benennende, beschreibende Vorform erhoben hat, als +Formenlehre+ in einem umfassenden Sinn Aufschluß geben.
Die Verwandtschaft der Formen in der Erscheinung der Dinge wird aber dem Fragenden nicht genügen. Fragt er weiter, so stößt er auf die zweite Reihe, auf die zeitlichen Zusammenhänge der Dinge. Das Schaubare, Gestaltete ist ja nicht nur räumlich verbunden, ist nicht nur einander ähnlich und verwandt in seiner Erscheinung. Es gibt auch unsichtbare Zusammenhänge in die Tiefe der Zeit hinein. Zusammenhänge, in denen gewissermaßen ein Verbindungsstück zu fehlen scheint. Entwicklung, Geburt und Wiedergeburt, die Ursächlichkeit der Dinge wird hier Problem. Die Antwort gibt sich hier nicht in gleichnishafter Form sondern in Form des Schlusses. In den Geisteswissenschaften, den Kulturwissenschaften, in der Geschichte können hauptsächlich solche zeitlichen Zusammenhänge vermittelt, solche ursächlichen Probleme gestellt werden.
Die räumlichen Erscheinungsformen der Dinge können nur durch das Mittel des Vergleichens verbunden werden. Die zeitlichen Entwicklungsformen der Dinge können nur durch das Mittel der Schlußfolgerung verbunden werden. Überlieferung von Wissenschaft hat nur so weit Sinn, wie die Dinge entweder in vergleichendem oder folgerndem Sinn untereinander verbunden werden. Alles andere bleibt kindische Stoffhäufung, Vorbereitung auf Wissenschaft, nicht aber Wissenschaft selbst.
Aber beide Möglichkeiten, Verbindungen zu schaffen in die Weite des Raumes und in die Tiefe der Zeit, werden lebendig nur bei der vollkommenen Hingabe und Ehrfurcht des Wissenden. Denn die bloße Fähigkeit, jene Verbindungen zu schaffen, genügt an sich noch nicht. Inbrünstige Hingabe muß die Spannkraft von dem Wissenden selbst zu den Dingen erst gewaltig anwachsen lassen.
Wenn aber ein junger Mensch zur Zeit seiner Reife diese Spannkraft der Hingabe, die er ja dann im höchsten Maße besitzt, ganz und gar in eine Wissenschaft einströmen läßt, sich selbst zum ersten Mal abbaut, sich auflöst, sich ganz und gar vergißt und vergießt in das Schauen jener großen zeitlichen oder räumlichen Zusammenhänge, so hat dies erste wissende Schauen hohen +Erlösungswert+. Es ist das Eingehen in die schöpferische Ruhelage des klaren Bewußtseins.
An dieser Stelle ist wie stets der Herd der Gefahr.
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»Tödlich kann lehre sein dem der nicht fasset«. So steht es in einer Tafel vom »Stern des Bundes« geschrieben. Und nicht nur da. Von überall her bricht es in breitem Strom in das eng gewordene Bett europäischer Wissensbehandlung. Nicht mehr darf jeder in dem seicht und träge fließenden Fluß ungestraft und eigenmächtig seinen Vorteil fischen. Schon schwillt der Strom, wird wieder tief und reißend und grundlos. Wissen wird gefahrvoll, ja todbringend für jeden, der zu früh oder aus irgendwelchen eigensüchtigen Gründen sich hineinwagt.
Und wie es wieder Hüter vor dem Liebesgarten gibt, wird es auch Hüter an diesem Strom geben. Ritter in blanker Rüstung, einsame, unbestechliche, riesenhafte Gestalten, Männer, die schweigend alles tun und alles lassen können, die mit der wissenden Gewalt ihres Wesens ihre Lehrlinge nach langem eigenen Suchen das Wissen in sich selbst finden lassen, die gütig einen jeden nach seiner Stärke und seinem Bemühen, aber immer nur soweit sein Umkreis reicht, ins Wissen steigen lassen, die herb und streng jeden Unbereiten fortschicken.
Männer, die niemals greisenhaft und grämlich werden, die nach ihrem erfüllten Leben, wie hier und da die alten Überlieferungen berichten, den Blicken der Mitlebenden entrückt werden, indem sie wissend und ganz leuchtend geworden ihr eigenes Leben restlos verzehrt haben.
Diese sind die wahrhaft Wissenden, die Hüter des tiefen Stromes, die nicht mehr absichtlich und für alle sichtbar in Erscheinung treten und sich nicht mehr in Werken und Taten bis ans Ende ausdrücken. Es sind die Entschwindenden, die wissend sich auflösen und mitten im Leben schon mit dem Tode beginnen.
Schon sind sie vielleicht in ihren Gebärden wieder den gänzlich Unwissenden ähnlich geworden, einfach und unauffällig, aber doch von einem inneren Licht strahlend.
Es sind Menschen, an die man glaubt, glauben muß, weil sie in ihrem ganzen Wesen die schöpferische Ruhe begehrenswert schön verkörpern, ohne daß etwas Außerordentliches an ihnen und durch sie zu geschehen brauchte. Nur daß man weiß: sie +sind+, läßt still werden und ganz stark zu eigenem Leben und Leiden, zu eigenem Können und Wissen.
Nicht daß das Leben beschwerlich sei und verdienstlich, sondern vielmehr leicht und schön, voller Leid und Freude, aber immer von einer gleitenden Einfachheit, geht wie ein Duft von ihnen aus.
So daß alle, die in Berührung damit kommen, aufatmen und plötzlich in sich spüren: es ist ja nicht schlimm. Wir schwimmen ja ganz von selbst im Meer des Lebens. Überall ist alles. Nirgendwo ist nichts. Lassen wir uns fallen, lassen wir uns gleiten in dies Überall und Nirgend. Von +außen+ so schwer es schien, ist ja gar kein Widerstand da. +Innen+ war es, da hat es sich gestaut. Und nun? Eine einzige lösende Gebärde, vielleicht nur ein mit leichtem Nachdruck hochgehobener Arm genügt schon, wieder hineinzugleiten in die allgemeine Bewegung.
In ihnen wird offenbar, was jeder in jedem Augenblick dunkel in sich ahnt: die unaufhörliche Wiedergeburt mit jedem tiefen Atemzug, mit jedem neuen Morgen, mit jeder erwachenden Jahreszeit, mit jedem neuen Lebensalter, mit jedem reifenden Werk, mit jeder inbrünstigen Liebesregung, mit jeder schöpferischen Gewißheit.
Fußnoten
[1] In den Upanishads des Veda werden die Zusammenhänge von Ritus und Atemlehre besonders deutlich (Übersetzung von Deussen: 60 Upanishads des Veda, Leipzig, Brockhaus). In der Mazdaznan-Atemlehre von Hanisch ist der allerdings leicht zu willensüberspannter Einseitigkeit verführende Versuch eines Systems der Atemlehre gemacht worden.
[2] Der Verfasser leitet in Prerow an der Ostsee ein Ferienschul- und Jugendheim und gibt auf Wunsch darüber nähere Auskunft.
[3] Die monatliche Periodik im Leben des Menschen untersucht Wilhelm Fließ in seinen Büchern (Verlag Diederichs) auf Grund einer gewaltigen Beobachtungsfülle.
[4] Untersuchungen über innere Sekretion sind gerade jetzt in den medizinischen Zeitschriften vielfach zu finden.
Inhalt
Seite
Rhythmische Schwingungen 1
Blutschwingungen 2
Atemschwingungen 3
Tagesschwingungen 5
Das Bild eines Tages 9
Monats- und Jahresschwingungen 15
Lebensalter 19
Rhythmischer Wechsel von Schwäche und Kraft 32
Rhythmische Leistung 41
Die allgemeine Bildung 43
Die Berufsbildung 46
Ausbildung in den Ausdrucksmitteln der Künste 49
Der Tanz 51
Die Sprachbildung 51
Der Ausdruck mit den Mitteln der bildenden Künste 57
Über den Tod 61
Liebe als Macht 66
Ehrfurcht als Liebeshemmung 68
Leidenschaft und Inbrunst 71
Der Rhythmus der Liebe innerhalb der Lebensalter 73
Rhythmus der Liebe im Jahr 79
Der sexuelle Rhythmus der Liebe 79
Die tägliche Erneuerung der Liebe 90
Erziehung zum wissenden Leben 93
Gedruckt bei Radelli & Hille in Leipzig.
Eugen Diederichs Verlag in Jena
Zeitwende
Schriften zum Aufbau neuer Erziehung
Heft 1. Wilhelm Flitner, Laienbildung br. M 10.--
Mit dieser Schrift des Leiters der Jenaer Volkshochschule ist das Bildungsideal der Zukunft so formuliert, daß es neben dem bisherigen Ideal Humboldts der sich selbst lebenden Persönlichkeit fest dasteht und an Stelle von dessen Scheintotalität die wirkliche menschliche Totalität erobert. Das Humboldtsche Bildungsideal bevorzugte die kontemplative Menschenart vor der tätig praktischen und bewirkte eine einseitige Vorherrschaft des wissenschaftlichen Tuns im geistigen Leben. Der im Leben praktisch tätige Mensch, der +Laie+, verknüpft dagegen stets Erkenntnis mit Handeln. Wir müssen darum dahin kommen, gegenüber dem Aufbau der Schulbildung von Volksschule bis zur Universität eine Spannung des Bildungsbegriffes durch +pädagogische Laiengemeinschaften+ zu erzeugen. Diese neuartige Gemeinschaftsbildung, die bereits in den Keimen existiert, verdeutlicht der Verfasser auf den Gebieten der Musik, Sprache, Dichtung und bildenden Kunst. Es geht ein stark kultisch-religiöser Zug durch seine Darlegungen.
Rudolf Bode, Der Rhythmus und seine Bedeutung für die körperliche Erziehung. Mit fünf Zeichnungen von Ludwig Eberle. br. M 8.--
+Dresdner Anzeiger+: Bode geht an den Grundbegriff der Sache heran und regt vor allem an, über den großen Fehler nachzudenken, der allgemein mit dem Begriff Rhythmus verbunden ist, und der sowohl Büchers viel zitiertes Buch »Arbeit und Rhythmus« als auch Dalcrozes Anschauungen beherrscht, die Verwechslung von Rhythmus und Takt (Regel). Man kann Bodes Ausführungen auf die kurze Formel bringen, Rhythmus ist das Unbegrenzte, das ewig Schwingende, Takt das Begrenzte, das sich in der Wiederholung regeln läßt. So spitzt sich die Forderung der rhythmischen Erziehung darauf zu: den Körper fähig zu machen, Ausdrucksorgan der ganz persönlichen inneren Beschwingtheit, des wahren Rhythmus zu werden. Fünf von Ludwig Eberle beigesteuerte Zeichnungen rhythmischer Bewegungstypen ergänzen die Bodeschen Ausführungen wertvoll.
Ottmar Rutz, Menschheitstypen und Kunst. br. M 30.--, geb. M 45.--
+München-Augsburger Abendzeitung+: Über allen Rassen und Völkern im landläufigen Sinn stehen die »Typen« oder »Urgeschlechter« der Menschheit. Das oberste und letzte gestaltende Prinzip ist der seelische Menschheitstypus: er gestaltet -- neben und in Änderung der Gesetze der Materie -- den menschlichen Körper, den Typus seiner Nerven- und Bluterregung, seiner Muskeltätigkeit, seiner Atmung, Stimmtätigkeit, Rede und Gesang. Er gibt der gesamten Kultur die typische Richtung, Gestalt und Form. Drei letzte seelische Menschheitstypen sind festgestellt worden. Um Typus und Spielart für den einzelnen Menschen als Persönlichkeit und als Vertreter eines Volkes festzustellen, hat sich eine besondere Untersuchungsmethode entwickelt: sie setzt praktisch in den Stand jene seelischen Eigenschaften zu entwickeln, die den einzelnen Menschen und durch die Masse von Einzelmenschen gleicher Gattung ein Volk beherrschen. Diese »Typenprobe« gibt den Schlüssel zur typischen Persönlichkeit, ohne Voraussetzungen, ohne vorgefaßte Meinung, unbestechlich, an Hand der praktischen Erfahrung, die jeder nachprüfen kann. Das von der Rassenforschung so lange gesuchte Unterscheidungsmaterial für die seelischen Verschiedenheiten oder Ähnlichkeiten der Völker ist damit gegeben.
Wilhelm Fließ, Vom Leben und vom Tod. Biologische Vorträge. 8. Tausend. br. M 20.--, geb. M 35.--
+Deutsche Tageszeitung+: Alles Leben, sagt Fließ, läuft nach einem inneren, in der lebendigen Substanz selbst gegebenen Mechanismus ab, und dieser Mechanismus ist für Menschen, Tiere und Pflanzen der gleiche. Leibliches und geistiges Wachstum, Geburt und Tod, der Zusammenhang der Generationen erweisen das Vorhandensein zweier alles Leben durchwaltender Perioden von 28 und von 23 Tagen. Die Statistik wird durch diese merkwürdigen Zahlen auf einmal hell und durchsichtig; Geburts- und Sterbestatistik gewisser Krankheiten, wie Tuberkulose, Diabetes, Schlaganfall, Gallensteine, erweist das geheime Walten dieser Zahlen. Das Buch ist nicht nur ein Genuß wegen des wissenschaftlichen Neuen, das es enthält, sondern diese neue Fließsche Arbeit ist auch jedermann verständlich geschrieben, der lernen will.
+Pester Lloyd+: Was Fließ verkündet, ist kein Geringes; denn er hat nichts weniger entdeckt als ein Naturgesetz, auf Grund dessen sich das ganze Dasein nach einer inneren Ordnung abrollt und die Zeiten des Geborenwerdens und Sterbens, des Wachstums und des Vergehens ihren festen und vorbestimmten Platz in der uns genau zugemessenen Lebensdauer haben. Das statistische Material, an dem Fließ sein Gesetz demonstriert, ist sicher über allen Zweifel erhaben, und unzweifelhaft scheint es auch, daß die neue Lehre befruchtend und aufklärend auf alle naturwissenschaftliche Sonderzweige wirken wird, ja vielleicht wirklich das ewige Mysterium vom Ablauf des Lebens im Hauptprinzip löst. Die Mathematiker haben längst erkannt, daß sich der Forscher, angesichts der Tatsache, wie sich jahrzehntelange Epochen in der Entwicklung ganzer Geschlechter dem Fließschen Zahlengesetz fügen, auf richtiger Spur befinden muß.
Wilhelm Fließ, Das Jahr im Lebendigen. br. M 30.--, geb. M 45.--
In diesem Buch führt Fließ seine Lehre weiter und zeigt, daß beide Perioden der männlichen und weiblichen Substanzeinheiten im Jahr ihre höhere Einheit finden. Es leben in unserem Körper also sozusagen Erinnerungsbilder an kosmische Einflüsse, an die Geschwindigkeiten des Sonnenlaufes und der Achsendrehung unseres Planeten. Durch diese Weiterführung der Fließschen Lehre eröffnet sich die Aussicht, daß eines Tages eine astronomische Kenntnis für die zeitliche Gesetzmäßigkeit des Lebens ermöglicht wird.
+Natur und Gesellschaft+: Das vorliegende Werk bildet eine wesentliche Ergänzung der früheren Veröffentlichungen des Forschers. Es räumt auf mit der klimatischen Erklärung von Blüte und Brunst und zeigt den Ablauf des Jahres in der lebendigen Substanz. Diese Jahresimmanenz wird an einem umfassenden genealogischen Material bewiesen. Fließ ist in die Forschergruppe von allergrößtem Geistkaliber einzuordnen. Er vereinigt Scharfsinn mit Intuition.
Hans Schlieper, Der Rhythmus des Lebendigen. br. M 15.--, Pappband M 25.--
+Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für psychische Forschung+: Schliepers Buch schließt sich zwar an Fließ an, aber als Ganzes stellt es eine durchaus selbständige Arbeit dar. Schlieper hat selbst eine Reihe gründlicher Untersuchungen angestellt und damit die Forschungsergebnisse von Fließ bestätigt gefunden und im einzelnen erweitert. Vor allem aber ist sein Buch darin von außerordentlichem Wert, daß es für alle Weiterstrebenden eine solide Grundlage für eigene Forschungen ist, denn es enthält einen Überblick über die Resultate der bisherigen Forschungen, zugleich bietet es eine lichtvolle Darlegung der Technik, die zu solchen Arbeiten erforderlich ist. Nicht nur die Biologie, auch die Psychologie und schließlich die Philosophie werden aus diesem Forschungsgebiete bedeutende Anregungen erhalten.
Hans Hackmann, Die Wiedergeburt der Tanz- und Gesangskunst aus dem Geiste der Natur. br. M 10.--
+Sozialistische Monatshefte+: Hackmann erblickt im reinen Rhythmus den unmittelbaren Ausdruck des Körperwillens und damit des ursprünglichen unbewußten Gefühlslebens. Deshalb strebt er eine Reform des Tanzes wie des Gesanges an, im Sinne einer wahrhaft aus dem Rhythmus geborenen Kunst, während er z. B. unserer modernen Tanzkunst den Vorwurf des Intellektualismus macht, weil sie, ähnlich wie die Programmusik auf bewußte Darstellung eines geistigen Gehaltes abziele. Es ist gerade das Verdienst der Hackmannschen Schrift, daß sie die Notwendigkeit der Technik als der bewußten Formung des unbewußten rhythmischen Ausdruckes betont und den zu Unrecht als intuitiven Schwung gepriesenen dilettantischen Mangel an Technik und künstlerischer Durcharbeitung beim Tanz wie beim Gesang scharf zurückweist.
+Alfred Kurella+: Es ist die erste Arbeit, die sich systematisch mit einem Thema beschäftigt, welches schon lange in den engeren jugendlichen Gemeinschaften eine große Rolle spielt: +mit dem Körpergefühl und seiner Erziehung+. (Freideutsche Jugend)
Hans Hackmann, Die Entwicklung der Seelenkräfte als Grundlage der Körperkultur. br. M 20.--, geb. M 35.--
+Der Bund+: Der Abendländer krankt am Zu-vielen-Wollen und -Wissen. Das erzeugte den Krampf und den Hochmut unserer Kultur. Es gilt, ihn zu lösen von der lebendigen Seele, vom Lebensgefühl her. Es gilt vor allem, den Körper wieder als Organ und Träger des Seelischen neu zu entdecken und fähig zu machen. Praktisch sind die Bestrebungen vor allem im neuen Tanz und einer neuen Rhythmik versucht worden. Dies Buch gibt die psychologische Grundlage für diese praktischen Versuche und versucht auch eine Theorie der Methode zu geben, die vom Körper her Seelisches entwickeln will. Unsere Zeit entdeckt neu den Zusammenhang von Seele und Leib. Auch die Medizin hat auf dem Gebiete dieser Zusammenhänge noch Größtes zu erwarten. Der Verfasser gräbt überzeugend zu jenen bildenden Kräften hinab, die die treibenden Faktoren aller Entwicklung, Heilung und Erziehung sind, und befreit in diesem Bestreben zusehends den Körper von der Mißachtung, in der ihn Intellektualismus unserer abgelaufenen Kultur gehalten hat. Das Ganze aber ist in den Rahmen einer geistigen Weltanschauung gestellt, die eine neue Synthese zwischen Orient und Okzident sucht.
Ferdinand Lagrange, Physiologie der Leibesübungen. A. d. Französischen von Ludwig Kuhlenbeck. br. M 35.--, geb. M 50.--
+Akademische Sportblätter+: Der Hauptwert des Buches liegt in seiner Methode, in der praktischen Anordnung des Inhalts, der geschickten Verarbeitung eines reichen Beobachtungsmaterials und der klaren, induktiven Logik, mit der Lagrange verfährt; dann aber auch in seinen Ergebnissen, die dem physiologisch Ungeschulten teils neu, teils zum ersten Male verständlich erscheinen werden. Seine Ausführungen werden in ihrer Einprägsamkeit noch gehoben durch einen überaus flüssigen und bewegten, an treffenden Vergleichen und prägnanten Bildern reichen Stil, dessen Frische die Übersetzung gar nicht zu beeinträchtigen scheint. Möge es auch bei uns allenthalben die Beachtung finden, die ihm als einer klassischen Leistung auf dem Gebiete der Physiologie der Leibesübungen gebührt!