Die schönsten Geschichten der Lagerlöf
Chapter 19
Wer abends über die Heide geht, muß sich herabbeugen, so daß sein Gesicht in gleicher Höhe mit den Erdhügelchen ist, dann wird er sehen, wie sich ein wunderliches Bild von dem lichten Abendhimmel abzeichnet. Eulen mit großen, runden Flügeln huschen über das Feld, unsichtbar für den, der aufrecht steht. Nattern ringeln sich heran, geschmeidig, behend, die schmalen Köpfchen auf schwanähnlich gebogenen Hälsen erhoben. Große Kröten kriechen träge vorbei. Hasen und Wasserratten fliehen vor den Raubtieren, und der Fuchs springt nach einer Fledermaus, die Mücken über den Fluß jagt. Es ist, als hätte jedes Erdhügelchen Leben bekommen. Doch unterdessen schlafen die kleinen Vögelchen auf dem schwanken Schilf, geborgen vor allem Bösen auf diesen Ruhestätten, denen kein Feind nahen kann, ohne daß das Wasser ausplätschert oder das Schilf zittert und sie aufweckt.
Als der Morgen kam, glaubten die Bachstelzchen zuerst, die Ereignisse des gestrigen Tages seien ein schöner Traum gewesen.
Sie hatten ihre Merkzeichen gemacht und flogen geradeswegs auf ihr Nest zu, aber das war verschwunden. Sie guckten suchend über die Heide hin und erhoben sich gerade in die Luft um zu spähen. Keine Spur von einem Nest oder einem Baum. Schließlich setzten sie sich auf ein paar Steine am Flußufer und grübelten nach. Sie wippten mit dem langen Schwanz und drehten das Köpfchen. Wohin war Baum und Nest gekommen?
Doch kaum hatte sich die Sonne um eine Handbreit über den Waldgürtel auf dem jenseitigen Flußufer erhoben, als ihr Baum gewandert kam und sich auf denselben Platz stellte, den er am vorigen Tage eingenommen. Er war ebenso schwarz und knorrig wie damals und trug ihr Nest auf der Spitze von etwas, was wohl ein dürrer, aufrecht ragender Ast sein mußte.
Da begannen die Bachstelzchen wieder zu bauen, ohne weiter über die vielen Wunder der Natur nachzugrübeln.
Hatto, der Eremit, der die kleinen Kinder von seiner Höhle fortscheuchte und ihnen sagte, es wäre besser für sie, wenn sie niemals das Licht der Sonne gesehen hätten, er, der in den Schlamm hinausstürzte, um den fröhlichen jungen Menschen, die in bewimpelten Booten den Fluß hinaufruderten, Verwünschungen nachzuschleudern; er, vor dessen bösem Blick die Hirten der Heide ihre Herden behüteten, kehrte nicht zu seinem Platz am Fluß zurück, den kleinen Vögeln zuliebe. Aber er wußte, daß nicht nur jeder Buchstabe in den heiligen Büchern seine verborgene mystische Bedeutung hat, sondern auch alles, was Gott in der Natur geschehen läßt. Jetzt hatte er herausgefunden, was es bedeuten konnte, daß die Bachstelzchen ihr Nest in seiner Hand bauten; Gott wollte, daß er mit erhobenen Armen betend dastehen sollte, bis die Vögel ihre Jungen aufgezogen hatten, und vermochte er dies, so sollte er erhört werden.
Doch an diesem Tage sah er immer weniger Visionen des Jüngsten Gerichtes. Anstatt dessen folgte er immer eifriger mit seinen Blicken den Vögeln. Er sah das Nest rasch vollendet. Die kleinen Baumeister flatterten rund herum und besichtigten es. Sie holten ein paar kleine Moosflechten von der wirklichen Weide und klebten sie außen an, das sollte anstatt Tünche oder Farbe sein. Sie holten das feinste Wollgras, und das Weibchen nahm Flaum von seiner eignen Brust und bekleidete das Nest innen damit, das war die Einrichtung und Möblierung.
Die Bauern, die die verderbliche Macht fürchteten, die die Gebete des Eremiten an Gottes Thron haben konnten, pflegten ihm Brot und Milch zu bringen, um seinen Groll zu besänftigen. Sie kamen auch jetzt und fanden ihn regungslos dastehen, das Vogelnest in der Hand.
»Seht, wie der fromme Mann die kleinen Tiere liebt,« sagten sie und fürchteten sich nicht mehr vor ihm, sondern hoben den Milcheimer an seine Lippen und führten ihm das Brot zum Munde. Als er gegessen und getrunken hatte, verjagte er die Menschen mit bösen Worten, aber sie lächelten nur über seine Verwünschungen.
Sein Körper war schon lange seines Willens Diener geworden. Durch Hunger und Schläge, durch tagelanges Knien und wochenlange Nachtwachen hatte er ihn Gehorsam gelehrt. Nun hielten stahlharte Muskeln seine Arme tage- und wochenlang emporgestreckt, und während das Bachstelzenweibchen auf den Eiern lag und das Nest nicht mehr verließ, suchte er nicht einmal nachts seine Höhle auf. Er lernte es, sitzend mit emporgestreckten Armen zu schlafen, unter den Freunden der Wüste gibt es so manche, die noch größere Dinge vollbracht haben.
Er gewöhnte sich an die zwei kleinen unruhigen Vogelaugen, die über den Rand des Nestes zu ihm hinabblickten. Er achtete auf Hagel und Regen und schützte das Nest so gut er konnte.
Eines Tages kann das Weibchen seinen Wachtposten verlassen. Beide Bachstelzchen sitzen auf dem Rand des Nestes, wippen mit den Schwänzchen und beratschlagen und sehen seelenvergnügt aus, obgleich das ganze Nest von einem ängstlichen Piepsen erfüllt scheint. Nach einem kleinen Weilchen ziehen sie auf die allerverwegenste Mückenjagd aus.
Eine Mücke nach der andern wird gefangen und heimgebracht für das, was oben in seiner Hand piepst. Und als das Futter kommt, da piepsen sie am allerärgsten. Den frommen Mann stört das Piepsen in seinen Gebeten.
Und sachte, sachte sinkt sein Arm auf Gelenken herab, die beinahe die Gabe, sich zu rühren, verloren haben, und seine kleinen Glutaugen starren in das Nest herab.
Niemals hatte er etwas so hilflos Häßliches und Armseliges gesehen: kleine, nackte Körperchen mit ein paar spärlichen Fläumchen, keine Augen, keine Flugkraft, eigentlich nur sechs große, aufgerissene Schnäbel.
Es kam ihm selbst wunderlich vor, aber er mochte sie gerade so leiden wie sie waren. Die Alten hatte er ja niemals von dem großen Untergang ausgenommen, aber wenn er von nun ab Gott anflehte, die Welt durch Vernichtung zu erlösen, da machte er eine stillschweigende Ausnahme für diese sechs Schutzlosen.
Wenn die Bäuerinnen ihm jetzt Essen brachten, dann dankte er ihnen nicht mit Verwünschungen. Da er für die Kleinen dort oben notwendig war, freute er sich, daß die Leute ihn nicht verhungern ließen.
Bald guckten den ganzen Tag sechs runde Köpfchen über den Nestrand. Des alten Hatto Arm sank immer häufiger zu seinen Augen hernieder. Er sah die Federn aus der roten Haut sprießen, die Augen sich öffnen, die Körperformen sich runden. Glückliche Erben der Schönheit, die die Natur den beflügelten Bewohnern der Luft geschenkt, entwickelten sie bald ihre Anmut.
Und unterdessen kamen die Gebete um die große Vernichtung immer zögernder über Hattos Lippen. Er glaubte Gottes Zusicherung zu haben, daß sie hereinbrechen würde, wenn die kleinen Vögelchen flügge waren. Nun stand er da und suchte gleichsam nach einer Ausflucht vor Gottvater. Denn diese sechs Kleinen, die er beschützt und behütet hatte, konnte er nicht opfern.
Früher war es etwas andres gewesen, als er noch nichts hatte, was sein eigen war. Die Liebe zu den Kleinen und Schutzlosen, die jedes kleine Kind die großen, gefährlichen Menschen lehren muß, kam über ihn und machte ihn unschlüssig.
Manchmal wollte er das ganze Nest in den Fluß schleudern, denn er meinte, daß die beneidenswert sind, die ohne Sorgen und Sünden sterben dürfen. Mußte er die Kleinen nicht vor Raubtieren und Kälte, vor Hunger und den mannigfaltigen Heimsuchungen des Lebens bewahren? Aber gerade als er noch so dachte, kam der Sperber auf das Nest herabgesaust, um die Jungen zu töten. Da ergriff Hatto den Kühnen mit seiner linken Hand, schwang ihn im Kreise über seinem Kopf und schleuderte ihn mit der Kraft des Zornes in den Fluß.
Und der Tag kam, an dem die Kleinen flügge waren. Eines der Bachstelzchen mühte sich drinnen im Nest, die Jungen auf den Rand hinauszuschieben, während das andre herumflog und ihnen zeigte, wie leicht es war, wenn sie es nur zu versuchen wagten. Und als die Jungen sich hartnäckig fürchteten, da flogen die beiden Alten fort, und zeigten ihnen ihre allerschönste Fliegekunst. Mit den Flügeln schlagend, beschrieben sie verschiedene Windungen, oder sie stiegen auch gerade in die Höhe wie Lerchen oder hielten sich mit heftig zitternden Schwingen still in der Luft.
Aber als die Jungen noch immer eigensinnig bleiben, kann Hatto es nicht lassen, sich in die Sache einzumischen. Er gibt ihnen einen behutsamen Puff mit dem Finger, und damit ist alles entschieden. Heraus fliegen sie, zitternd und unsicher, die Luft peitschend wie Fledermäuse, sie sinken, aber erheben sich wieder, begreifen, worin die Kunst besteht, und verwenden sie dazu, so rasch als möglich das Nest wieder zu erreichen. Die Alten kommen stolz und jubelnd zu ihnen zurück, und der alte Hatto schmunzelt.
Er hatte doch in der Sache den Ausschlag gegeben.
Er grübelte nun in vollem Ernst nach, ob es für unsern Herrgott nicht auch einen Ausweg geben konnte.
Vielleicht, wenn man es so recht bedachte, hielt Gottvater diese Erde wie ein großes Vogelnest in seiner Rechten, und vielleicht hatte er Liebe zu denen gefaßt, die dort wohnen und hausen, zu allen schutzlosen Kindern der Erde. Vielleicht erbarmte er sich ihrer, die er zu vernichten gelobt hatte, so wie sich der Eremit der kleinen Vögel erbarmte.
Freilich waren die Vögel des Eremiten um vieles besser als unsers Herrgotts Menschen, aber er konnte doch begreifen, daß Gottvater dennoch ein Herz für sie hatte.
Am nächsten Tage stand das Vogelnest leer, und die Bitterkeit der Einsamkeit bemächtigte sich des Eremiten. Langsam sank sein Arm an seiner Seite herab, und es deuchte ihn, daß die ganze Natur den Atem anhielt, um dem Dröhnen der Posaune des Jüngsten Gerichts zu lauschen. Doch in demselben Augenblick kamen alle Bachstelzen zurück und setzten sich ihm auf Haupt und Schultern, denn sie hatten gar keine Angst vor ihm. Da zuckte ein Lichtstrahl durch das verwirrte Hirn des alten Hatto. Er hatte ja den Arm gesenkt, ihn jeden Tag gesenkt, um die Vögel anzusehen.
Und wie er da stand, von allen sechs Jungen umflattert und umgaukelt, nickte er jemandem, den er nicht sah, vergnügt zu. »Du bist frei,« sagte er, »du bist frei. Ich hielt mein Wort nicht, und so brauchst du auch deines nicht zu halten.«
Und es war ihm, als hörten die Berge zu zittern auf und als legte sich der Fluß gemächlich in seinem Bett zur Ruhe.
Früher erschienen im gleichen Verlage:
+Selma Lagerlöf+
+Gesammelte Werke+
Einzige autorisierte deutsche Original-Ausgabe in zehn Bänden
Einband von _Alphons Woelfle_
Mit einem Bilde der Dichterin von _Carl Larsson_
In 10 Leinenbänden 38,50 Mark
In 10 Halbfranzbänden 55 Mark
_Carl Busse_ schreibt in »_Velhagen & Klasings Monatsheften_«: Gleichzeitig ist eine hübsche Gesamtausgabe ihrer Werke erschienen, und sie enthält jene prachtvollen Schöpfungen, vor denen man unvergeßliche Stunden verbringt ... Die Eindrücke, die man aus diesen Werken mitnimmt, gehören zu den größten, die die moderne Literatur überhaupt vermittelt.
_Tägliche Rundschau, Berlin_: Man könnte Schnitzlers Werke wohl in seiner Bibliothek entbehren, die von Selma Lagerlöf kaum. Ein Born von unerschöpflich schönen Märchenstunden ist in diesen zehn braunen Bänden vorhanden. Eine Schar von zehn Freunden. Was soll in Kürze über sie hier gesagt werden. Sie sind helle, köstliche _deutsche Dichtung_.
_Ostdeutsche Rundschau, Wien_: ... einer Dichterin, die zu den wenigen gehört, die auch noch in kommenden Jahrhunderten genannt werden.
+In Einzelausgaben+
sind früher von Selma Lagerlöf im gleichen Verlage erschienen:
Jerusalem I (In Dalarne), Roman, 15. Auflage
Jerusalem II (Im heiligen Land), Roman, 14. Aufl.
Gösta Berling, Roman, 16. Auflage
Eine Herrenhofsage, Roman, 8. Auflage
Die Wunder des Antichrist, Roman, 5. Auflage
Liljecronas Heimat, Roman, 12. Auflage
Jans Heimweh, Roman, 15. Auflage
Herrn Arnes Schatz, Erzählung, 4. Auflage
Der Fuhrmann des Todes, Erzählung, 10. Auflage
Christuslegenden, 18. Auflage
Legenden und Erzählungen, 5. Auflage
Die Königinnen von Kungahälla, Erzähl., 6. Aufl.
Unsichtbare Bande, Erzählungen, 3. Auflage
Ein Stück Lebensgeschichte, Erzählungen, 9. Auflage
Trolle und Menschen, Erzählungen, 7. Auflage
Schwester Olives Geschichte, Erzählungen, 5. Auflage
Die sieben Todsünden, Ausgew. Erzähl., 8. Auflage
Wunderbare Reise, Ein Kinderbuch, 27. Auflage
+Selma Lagerlöf+
+Gösta Berling+
Roman 16. Auflage
Geheftet 4 Mark, gebunden in Leinen 5,50 Mark, in Leder 7 Mark
_Hermann Hesse in der »Neuen Züricher Zeitung«_: Alle, die schon ein Lagerlöfsches Buch gelesen haben, werden in eigenem Antrieb jedes neue Werk der Dichterin auffinden und lesen. Ihre früheren Schöpfungen, obenan der herrliche »Gösta Berling«, sind Ereignisse gewesen, und jede von ihnen bedeutete eine Bereicherung der Weltliteratur. Damit möchte ich freilich nicht gesagt haben, der Wert dieser Dichtungen sei ein ausschließlich oder auch nur vorwiegend »literarischer«. An guter Literatur in diesem Sinn leiden wir ja keinen Mangel. Aber die Werke der Schwedin sind so voll von rein menschlichem Wert, so voll Wärme, Tiefe, Herzlichkeit und lauterem Gefühl, daß man beim Lesen, wenigstens beim erstmaligen Lesen, gar nicht daran denkt, ihren literarischen Qualitäten die gebührende Aufmerksamkeit zu schenken. Erst nachträglich merkt man dann, wieviel erstaunliche Kunst dahinter steckt. So ist es ja bei allen echten Dichterwerken -- man verliert sich an sie wie an eine Naturgewalt ... Und erst viel später, beim zweiten und dritten Wiederlesen, freut sich der ruhiger gewordene Sinn auch am Entdecken des Künstlerischen, am Einzelnen wie an der Organisation des Ganzen, und geht mit immer neuen Freuden den unzähligen großen und kleinen Schönheiten nach.
_Berliner Tageblatt_: »Gösta Berling« gehört der Weltliteratur an. Die ganze düster-wilde Kraft der nordischen Mythologie offenbart sich hier. Auch dies ist ein Buch, in dem Wunder genug geschehen; aber wenn die Dichterin uns hier einmal treuherzig anspricht: »Ihr Kinder später Zeiten! Ich verlange ja nicht, daß jemand diese alten Geschichten glauben soll,« so kann man ihr ehrlich entgegenhalten, daß sie diese alten Geschichten vermöge ihrer Kunst, die hier auf ihrer Höhe steht, glaubhaft dargestellt hat. Man glaubt ihr diesen Gösta Berling, diesen prächtigen Don Juan, den Haupthelden des Kavalierhauses mit den zwölf sonderbaren Insassen, der zum Leben verurteilt ist und Anderer Leben vernichtet ... Mit virtuoser Selbstverständlichkeit verwebt sie Alltägliches mit Märchenhaftem ...
+Selma Lagerlöf+
+Jerusalem+
Roman Zwei Bände
I. In Dalarne 15. Auflage
Geheftet 3,50 Mark, in Leinen gebunden 5 Mark
II. Im heiligen Lande 14. Auflage
Geheftet 4 Mark, in Leinen gebunden 5,50 Mark
_Neue Züricher Zeitung_: Wenn ich Selma Lagerlöf lese, habe ich das Gefühl, das mich als Kind bei den Märchen überkam, die seltsame Spannung: Was wird wohl Wunderbares noch geschehen? Diese Spannung empfinde ich bei jeder ihrer kleinen Erzählungen, bei jedem Kapitel ihrer größeren Werke. Sie beginnt ganz schlicht und einfach, als ob sie das Alltäglichste erzählen wollte. Gleichgültig läßt man sich mitnehmen, aber bald horcht man auf und wird gespannt und lauscht, -- und mir ist es dann immer, als ob ich jetzt etwas erfahren sollte, wonach ich schon lange gesucht: die Lösung eines ewigen Rätsels, ein Großes, Tiefes, Geheimnisvolles. Hinter jeder ihrer Erzählungen steht ein Teil dieses ewig Großen, allgemein Gültigen, ein Stück tiefste Welterkenntnis, eine Offenbarung. In letzter Linie wohl eine Offenbarung ihres eigenen wunderbaren Wesens, ihrer Persönlichkeit, die von einem geradezu mythischem Reichtum ist. -- In der Heimat wurzelt die Kunst der Dichterin, aber sie ist merkwürdig vielseitig und reich. Eine große Sehnsucht treibt sie aus dem Norden nach dem Süden ... Oskar Levertin meint, noch nie sei der Süden in so verliebtem Sonnenlicht gesehen, so bezaubernd, mit einer solchen Stimmung von Paradiesesfrühling geschildert worden.
_Hamburger Fremdenblatt_: Wer zum ersten Male in ein Buch von Selma Lagerlöf hineinblickt, fühlt sich von einem tiefen Staunen erfaßt, das bald in Bewunderung übergeht. Schon auf der ersten Seite des Buches tritt dem Leser jener große Zug entgegen, der alle Werke von Bedeutung charakterisiert und den man trotzdem sehr schwer definieren kann. Die hohe Einfachheit und Schönheit des Stils, die von verhaltener Kraft getragene Ruhe der Schilderung und der weite, freie Blick, alles dies erinnert an die besten Werke der Weltliteratur. Alle Lichtseiten des Buches werden aber übertroffen von der Kunst und Tiefe der Menschenzeichnung.
+Selma Lagerlöf+
+Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen+
Ein Kinderbuch
Folgende Neuauflagen sind erschienen:
Vollständig unillustrierte Ausgabe in zwei Bänden
10. Tausend
Geheftet 5 Mark, in Leinen gebunden 8 Mark
Vollständig illustrierte Ausgabe in einem Bande
Mit 8 farbigen Vollbildern und 95 Textillustrationen
von _Wilhelm Schulz_
7. Tausend
Geheftet 7,50 Mark, in Leinen gebunden 10 Mark
Die ursprünglich dreibändige Ausgabe, die eine sehr große Verbreitung gefunden hat, ist vergriffen und wird nicht mehr neu aufgelegt.
_Freisinnige Zeitung, Berlin_: Diese »Wunderbare Reise« ist ein Märchenbuch, wie es sein muß, ein solches, nach dem die Großen nicht minder gern immer wieder greifen werden als unsere Kleinen. Wenn irgend jemand, so ist Selma Lagerlöf dazu berufen, uns Märchen zu erzählen, die ebensowohl für die Kinderseelen passen, wie auch den Gereifteren genügen. Aber ist es denn ein Märchenbuch? Ein Junge wird in ein Wichtelmännchen verwandelt, und die Tiere reden. Aber doch glauben wir kein Märchen zu lesen. Nein, wir lesen überhaupt nicht, wir sind selbst mitten dabei, wir erleben mit Nils Holgersson und allen den Tieren alle die Abenteuer auf der Reise durch Schweden. Und es kommt uns vor, als könnte alles gar nicht anders sein. Das ist, weil Selma Lagerlöfs Dichterhand uns mitverzaubert hat, ... Beseelung der Natur, das ist das Geheimnis, das uns dieses Buch der Selma Lagerlöf zu einem köstlichen Besitz macht.
+Selma Lagelöf+
+Jans Heimweh+
Roman 15. Auflage
Geheftet 4 Mark, in Leinen gebunden 6 Mark
_Otto Stoeßl im »Tag«_: ... Keines anderen Dichters Wort besitzt heute so viel ausströmende Menschheitskraft, segnende Menschenliebe, werbende Güte, eratmende Gotteskindschaft, als der Nachtigallenruf dieser wunderbaren Frau: Selma Lagerlöf.
_München-Augsburger Abendzeitung_: Rührender, erschütternder kann die von dem einfachen Menschen scheu verborgene Liebe zu seinem Kinde, die er schier vor sich selbst verbirgt, nicht geschildert werden: es drückt sich darin die erwärmendste Menschenliebe und eine vollendete Seelenkunde aus. Als erhöhender Vorzug kommt eine unendlich schlichte Darstellung, deren geläuterte Kunst man gar nicht merkt, dazu. In der Ausmalung der engen Umgebung, in der diese Menschheitstragödie sich abspielt, wie in der Landschaftsschilderung zeigt die Verfasserin ihre bekannte hohe Kunst. Alles ist zu einer wundervollen Einheit zusammengestimmt, aus der sich jene tief herzbewegende Wirkung des Buches ergibt. _Stirius_.
_Daheim, Berlin_: Von allen Weihnachtsbüchern, die es zu empfehlen gibt, muß leidigerweise das Werk einer Ausländerin weit voranstehen. Aber diese Ausländerin ist nicht nur stammverwandten Bluts -- sie ist auch eine Dichterin, die sich eben durch ihr nordisches Menschentum dichterisch über den Hader der Nationen hinaushebt und nicht einem Volk mehr, sondern der Menschheit angehört. über allem Gefühl für das Vaterland hilft der Krieg in seinen größten Augenblicken dem Menschlichen zum Recht; über alle literarische Richtungen, Meinungen, Absichten und künstlerischen Ziele hinweg tritt in diesem Buch das Menschliche so köstlich, rein und selig-erfüllt ans Licht, wie es einst aus Gottes Herzen in die Menschenseele hineinfloß. Es handelt sich um den Roman »Jans Heimweh« von Selma Lagerlöf. Es ist nicht patriotisch, und dennoch muß man es gestehen: in unserm großen, geistig so fruchtbaren und gesegneten Deutschland haben wir kaum einen lebenden Schriftsteller, der auch nur entfernt das tiefe Herz der Schwedin aufwöge ...
Druck von Hesse & Becker in Leipzig
Buchbinderarbeit von E. A. Enders in Leipzig
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Anmerkungen zur Transkription:
Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
p 10: »Er« ist wild, trotzig, verwegen, -> »Er« (Anführungszeichen ergänzt) p 60: neben ihm der alte Olaf, der Pferdeknecht -> Olof p 71: Er dachte: »was würden meine Genossen (Anführungszeichen ergänzt) p 87: wie sie ihm Hund und Fuß abbrennen -> Hand p 90: Da kannst mir vertrauen -> Du p 130: stand Gudmund Erlandsons -> Erlandssons p 156: und empfand Sehnsicht -> Sehnsucht p 158: Während Mutter Jungeborg -> Ingeborg p 173: Ich weiß jetzt -> »Ich weiß jetzt (Anführungszeichen ergänzt) p 175: »Du weißt nicht, nein, du weißt nicht (Anführungszeichen ergänzt) p 177: »Jetzt war es -> Jetzt war es (Anführungszeichen entfernt) p 178: Jetzt sollst du allein ... habe. -> »Jetzt sollst du allein ... habe.« (Anführungszeichen ergänzt) p 200: Uns kann niemend heilen -> niemand p 219: »Wenn bei den Himmlischen Barmherzigkeit wäre (Anführungszeichen ergänzt) p 223: Wahrlich, dies -> »Wahrlich, dies (Anführungszeichen ergänzt)
Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.
Formatierung:
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Transcriber's Notes:
The table below lists all corrections applied to the original text.
p 10: »Er« ist wild, trotzig, verwegen, -> »Er« [added closing quote] p 60: neben ihm der alte Olaf, der Pferdeknecht -> Olof p 71: Er dachte: »was würden meine Genossen [added opening quote] p 87: wie sie ihm Hund und Fuß abbrennen -> Hand p 90: Da kannst mir vertrauen -> Du p 130: stand Gudmund Erlandsons -> Erlandssons p 156: und empfand Sehnsicht -> Sehnsucht p 158: Während Mutter Jungeborg -> Ingeborg p 173: Ich weiß jetzt -> »Ich weiß jetzt [added opening quote] p 175: »Du weißt nicht, nein, du weißt nicht [added opening quote] p 177: »Jetzt war es -> Jetzt war es [removed opening quote] p 178: Jetzt sollst du allein ... habe. -> »Jetzt sollst du allein ... habe.« [added opening and closing quotes] p 200: Uns kann niemend heilen -> niemand p 219: »Wenn bei den Himmlischen Barmherzigkeit wäre [added opening quote] p 223: Wahrlich, dies -> »Wahrlich, dies [added opening quote]
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