Die Schön Magelona eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlüsseln und von der Schönen Magelona gar lustig zu lesen

Part 6

Chapter 63,760 wordsPublic domain

Eines Tags begab es sich, daß er spazieren ging an das Meer, wie er gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da höret er die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie, wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Längste in zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes willen, er wölle ihn mit ihm führen; er wäre auch aus dem Lande und wäre lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wäre es willig zu tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wäre, jedoch müßte er mit ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe.

In dem begab es sich eins mals, daß die Gesellen des Schiffs redeten von der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter höret reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche Kirche wäre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wäre eine andächtige Statt und läge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann eine schöne Kirchen gebauet wäre und ein Spital, darinne GOTT viel Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: »Wir raten euch, daß ihr euch darhin verheißet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen, so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.«

Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre tot vor dieser Zeit.

Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät.

Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: »Alles, was ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr bald gesund werdet.« Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr kamen.

Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port genannt, des die Schön Magelona ein Stifterin war.

Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tät sein wohl warten. Er verwundert sich auch ihrer großen Mühe und Arbeit, die sie ihm tät, und saget in seinem Herzen: »Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person sein.«

Nun begab sich eines Tages, daß der Peter gedacht an seine aller liebste Magelona, und fing an, bitterlich zu seufzen und weinen, und sprach: »O allmächtiger ewiger GOTT, so Du mich durch Deine Mildigkeit ließest wissen von meinem aller liebsten Gemahel, der Schönen Magelona, wollte ich meines Leides alles vergessen und geduldiglich getragen haben. Wie wohl, allmächtiger GOTT, ich verdient und verschuldet habe, Ärgers zu leiden. Wann ich bin gewesen ein Ursach ihres Hinziehens von Vater und Mutter und ihrem Königreich. Auch bin ich ein Ursach, daß die wilden Tier sie haben gefressen, die doch also hübsch und schön war, und so GOTT sie aus sonderer Gnaden nicht hat behütet. Und ob sie tot wäre, so bitte ich Dich, Du wollest mich auch nicht lang in dieser Welt lassen leben; wann ohn sie wird mein Leben aller Schmerzen voll sein. Ich begehre lieber, zu sterben als zu leben ohn sie.« Als er solches saget, da ließ er einen großen Seufzer.

Nun ging die Magelona von einem Kranken zum andern, wie sie gewohnet war, und als sie kam zum Peter und solches Seufzen von ihm vernahm, da gedacht sie, ihm fehle was, oder wäre wieder schwach geworden. Und sprach zu ihm: »Lieber guter Freund, was fehlet euch? So ihr was wollt haben, zeiget es an! Es soll euch werden, und da will ich kein Geld sparen.«

Da danket ihr der Peter und antwortet, es fehle ihm gar nichts. Und wie der Kranken und Betrübten Gewohnheit ist, wann sie gedenken an ihr Unglücke, so beklagen sie sich und haben kein größer Leichterung ihres Herzens, dann also zu betrachten. Als die Spitalerin ihn höret reden von dem Unglücke, da fing sie an, ihn freundlich zu trösten, und fraget ihn um sein Trübsal.

Da saget ihr der Peter alles sein Anliegen, doch nennet er niemand und sprach: »Es ist gewesen ein reicher Sohn, der höret reden von einer schönen Jungfrauen in fremden Landen; der verließ Vater und Mutter und zog hin, sie zu sehen. Also gab ihm das Glücke, daß er ihr Lieb erlanget ganz heimlich, daß es niemand vernahm. Er nahm sie zu der Ehe und führet sie heimlich hinweg von Vater und Mutter. Darnach verließ er sie, in einem wilden Walde schlafend liegen, zu überkommen seine Ringe.« Und zeiget ihr alles seine Geschichte an bis auf die Zeit, da er kommen war in das Spital. Durch solche Wort die Schön Magelona wohl verstund, daß er der Peter, ihr aller liebster Gemahel, war, den sie so oft zu sehen begehret hätt; und erkennet ihn in allen seinen Gebärden. Und von großer Freude fing sie an zu weinen. Doch wollte sie sich zur Zeit noch nicht gegen ihm entdecken; aber aufs Freundlichste, so sie zu tun vermochte, fing sie da an, mit ihm also zu reden:

Wie die Schön Magelona mit ihrem aller liebsten Gemahel Peter redet und ihn tröstet in seiner Widerwärtigkeit.

»Aller liebster Freund, ihr sollet euch nicht mißtrösten, sondern sollet euch zu GOTT dem Allmächtigen wenden; wann, ohn allen Zweifel, so ihr GOTT werdet an rufen, werdet ihr nicht verlassen, sondern erhört von Ihm werden, und alles das erlangen, so ihr begehret. Ihr werdet auch, ohn allen Zweifel, euern liebsten Gemahel, wieder überkommen, die ihr also herzlich und getreulich geliebet habt. Wann glaubet mir fürwahr, wie euch GOTT der Allmächtig hat beschützet vor dem Tode in euern großen Fährlichkeiten, die ihr erlitten habt, also wird Er euch auch wiederum helfen. Und dieweil Er euch hat zu geschicket Anfechtung und Widerwärtigkeit, also wird Er euch auch geben alle Freude, so ihr Ihm vertrauet. Darum bittet GOTT von Grund euers Herzens, daß Er solches tu! Ich will auch von euert wegen GOTT selber bitten.«

Als der Peter solche Tröstung gehört hätt, da stund er auf und danket ihr. Also ging die Spitalerin in die Kirchen und kniet für den Altar und fing an zu weinen aus großen Freuden, die sie in ihrem Herzen hätt. Und danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihr solche Gnade mit geteilet, daß sie erlebet hätt, ihren aller liebsten Gemahel vor ihrem Ende zu sehen.

Und als sie ihr Gebet geendet, da ließ sie sich königliche Kleider machen, wann sie hätt Geldes genug und hätt auch wohl gelernt, solche an zu geben zu machen, wie ihr dann zu tragen gebühret. Und ließ darnach ihre Kammer schön zu richten und schmücken auf das Kostlichest.

Und da alle Ding bereit waren, da ging sie zu dem Peter und saget zu ihm: »Mein liebster Freund, kommet mit mir! Ich hab euch bestallt ein Bad, euch zu waschen euer Füße und Bein, das euch hilflich sein soll. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, meinem Schöpfer, Er werde euch gnädiglich erhören, frisch und gesund machen.«

Er ging mit ihr in die Kammer. Da hieß sie ihn, nieder sitzen und verziehen, bis sie wieder zu ihm käme. Also ging sie in ihre kostliche Kammer und bekleidet sich ganz in die königlichen Kleider und setzet doch den Schleier wieder auf wie vor, als sie gewohnet war zu tragen, und daraus man ihr nichts mochte sehen dann alleine die Augen und die Nasen. Aber unter dem Schleier hätt sie ihr schönes Haar, das ihr ging bis auf das Erdreich und das da leuchtet als das Gold, schön zu gerichtet.

Ging also zum Peter und sprach: »Edeler Ritter Peter, seid fröhlich! Wann sehet hie vor euch stehen euern aller liebsten Gemahel und treue Freundin, die Magelona, von deren wegen ihr also viel erlitten habt. Ich hab auch nicht weniger erlitten von euert wegen. Ich bin die, so ihr, allein schlafend liegen, verlassen habet in dem Holze und wilden Walde; und ihr seid der, so mich hat heraus geführet aus dem Hause meines Vaters, des Königs von Neapel. Ich bin die, der ihr verheißen habt alle Ehr und Zucht bis zu Beschluß unserer Ehe. Ich bin auch die, so euch diese gulden Ketten an euern Hals hat gehenket, und euch die Gewalt übergeben über meinen Leib. Ich bin die, der ihr gegeben habt die drei Ringe, die also kostlich sein gewesen. Hierum, mein aller liebster Herr und Gemahel, sehet mich an, ob ich die sei, oder nicht, die ihr tut von Herzen begehren.«

In dem warf sie ihren Schleier von ihrem Haupt auf die Erden, da fiel ihr schönes Haar herab als das Gold.

Wie der Peter erkennet die Schöne Magelona, seinen getreuen Gemahel.

Nun, da der Peter von Provincia sah die Schöne Magelona ohn einen Schleier, da erkennet er sie erst recht, daß sie die war, die er also lang gesuchet hätt. Und stund auf, fiel ihr um den Hals und tät sie freundlich küssen in rechter guter Liebe; und fingen an, beide zu weinen vor Freuden. In solcher Gestalt blieben sie lang bei einander, und kunnt keins kein Wort reden vor großen Freuden.

Doch nach mals setzten sich die zwei zusammen, und erzählet eines dem andern sein Unglück. Ich weiß die Hälfte nicht zu erzählen der Freuden, die sie hätten, und geb solches einem jeglichen selber zu bedenken. Solche Ding lassen sich auch baß bedenken, dann schreiben. Jedoch mochten sie sich nicht ersättigen ihres Küssens und Erzählens und richteten den ganzen Tag nichts aus, dann küssen und einander zu klagen. Es begab sich auch, daß die Schön Magelona ihm an zeiget, wie sie die vierzehen Lägel hätt empfangen mit dem Schatz, die er verloren hätt; und saget ihm, wie sie die Hälfte hätt verbauet an dem Gotteshaus, was zu hören der edel Peter erfreuet war.

Nach dem beschlossen sie mit einander, wie sie diese Sachen dem Grafen und der Gräfin wollten zu wissen tun. Doch saget der Peter der Schönen Magelona, er hätte gelobet, einen Monat in dem Spital zu bleiben, und die Zeit wäre noch nicht vergangen. Saget ihm die Schön Magelona: »Mein aller liebster Herr und Gemahel, wann es euch gefiele, wollte ich zu dem Grafen und der Gräfin gehen und freundlich bitten, sie wollten zu mir kommen auf den Tag, so euer Gelöbnis sich endet. Und so sie dann kämen, wollte ich sie führen in diese Kammer; da wollten wir uns ihnen zu erkennen geben.«

Da solches der Peter höret, gefiel es ihm wohl. Also verschaffet die Schön Magelona, daß der Peter mußte schlafen in ihrer Kammer, aber sie lag in einer andern und dienet ihm wohl. In dieser Nacht schlief die Schön Magelona nicht viel vor Freuden, die sie in ihrem Herzen trug. Und begehret, daß bald Tag würde, damit sie den Grafen trösten möchte seines Leidens; wann sie wußte wohl, daß sie sehr betrübt waren, das sie dann beschweret. Es waren auch an dem Monat, den der Peter hätt gelobet, nicht mehr vorhanden dann vier Tage, daß er sich gegen Vater und Mutter nicht wollte zu erkennen geben.

Da nun der Tag kam, daß sein Gelöbnis aus ging, da kleidet sich die Schön Magelona wieder mit ihren Kleidern, die sie zu tragen gewohnet war in dem Spital; und ging darnach in die Kammer zu dem Peter, der dann auch vor großen Freuden die Nacht hätt wenig schlafen mögen, und nahm Urlaub von ihm. Zog also zu dem Grafen und der Gräfin, die ihr viel Ehr erboten und sie freundlich empfingen, wann sie hätten sie sehr lieb. Und hießen die Spitalerin, zu ihnen nieder sitzen in der Mitten ihrer beiden.

Da fing die Spitalerin an zu sagen: »Gnädiger Herr, auch gnädige Frau, ich bin zu euch kommen, euch ein Gesicht zu eröffnen, das ich gesehen habe die vergangen Nacht; das soll euch erfreuen, daß ihr möget in Hoffnung leben, wann kein Mensch soll verzweifeln an GOTT. Es gedauchet mich, daß Christus, unser Erlöser, zu mir kam und führet einen schönen jungen Ritter bei seiner Hand und sprach zu mir: 'Dieser ist der, darum du, auch dein Herr und Fraue, so lang haben gebeten.' Solches hab ich euch nicht wollen verhalten, wann ich weiß wohl, daß ihr betrübt seid um euern Sohn. Aber glaubet sicherlich, ihr werdet ihn sehen in kurzer Zeit, lebendig und gesund. Darum bitte ich euch, ihr wollet hinweg lassen nehmen euer schwarzen Trauerkleider und auf lassen hängen die Kleider der Freuden.«

Da solches der Graf und die Gräfin von der Spitalerin hätten verstanden, da wurden sie fröhlich, wie wohl ihnen schwer ward zu glauben, daß der Peter noch lebe. Doch der Spitalerin zu Gefallen befahlen sie, die schwarzen Trauerkleider hinweg zu nehmen. Und baten die Spitalerin, sie sölle mit ihnen zu Morgen essen. Aber ihr Herze vermocht ihnen solches nicht zu zu sagen; darum sprach sie, sie hätte darheim zu tun; und bat sie freundlich, sie beide wollten auf den nächsten Sonntag bei Sankt Peter in ihrer Kirchen erscheinen; wann sie hätt gänzlich gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, daß sie würden erfreuet werden, ehe sie von einander ab schieden. Und nahm also Urlaub von ihnen; und sie verhießen ihr, zu ihr zu kommen.

Nach dem kam die Magelona wieder zu dem Peter, der ihrer harret mit großer Begier; und zeiget ihm an, wie sie es hätte aus gerichtet. Sie versehe sich gänzlich, Vater und Mutter würden nicht außen bleiben. Darnach ließ die Schön Magelona viel Kleider machen für den Peter und sie.

Wie der Graf mit der Gräfin kam in das Spital Sankt Peters auf den angezeigten Tag.

Als nun der Sonntag kam, da nahm der Graf die Gräfin und sein Gesinde, und zogen zu Sankt Peter von Magelon und hörten da Messe. Als die Messe ein Ende hätt, nahm die Spitalerin den Graf und die Gräfin ein jegliches auf ein Seiten und sprach zu ihnen, sie wölle gerne mit ihnen etwas in geheim reden, doch müßten sie mit ihr in ihre Kammer kommen; darein sie dann gerne bewilligten.

Als sie zu der Kammer kamen, da sprach die Spitalerin zu ihnen: »Gnädiger Herr, auch gnädige Fraue, so ihr euern Sohn sähet, möchtet ihr ihn erkennen?« Da sprachen sie, ja.

Als sie in die Kammer kamen und der Peter sein Vater und Mutter ersah, da kniet er für sie nieder. Da sie ihn sahen und erkannten, da liefen sie zu ihm und fielen ihm um den Hals und küßten ihn freundlich; doch vermochten sie ein lange Zeit kein Wort zu sprechen.

Also ging das Geschrei aus, wie des Grafen Sohn wieder kommen wäre. Da kamen Edel und Unedel und empfingen ihn und erboten ihm große Ehre, und ward jedermann fröhlich. Nach dem allem redeten der Graf, sein Vater, und Mutter mit dem Peter und fragten ihn mancherlei, wie es ihm ergangen wäre. In mittler Zeit ging die Schön Magelona in ihre Kammer und bekleidet sich auf das Kostlichest, als ihr dann zu tun wohl gebühret. Und kam darnach also gekleidet, so balde sie mocht, wieder zu ihnen.

Als sie die Schön Magelona ersahen, verwunderten sich der Graf und die Gräfin, wo her die schöne Jungfrau käme, die ihnen unbekannt war. Also stund der Peter auf, umfing sie freundlich und küsset sie. Da solches die Leute ersahen, da verwunderten sich alle. Nach dem nahm sie der Peter bei ihrem Arme und sprach zu Vater und Mutter: »Gnädiger Herr Vater, auch Frau Mutter, diese Jungfrau ist die, von deren wegen ich von euch bin gezogen, und wisset, daß sie ist ein Tochter des Königs von Neapel.«

Da gingen sie ihr entgegen und umfingen sie freundlich und dankten GOTT dem Allmächtigen.

Wie das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, daß der Peter wäre wieder heim kommen, und wie sie ein Fest hielten vierzehen Tage lang.

Das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, wie daß der Peter wieder heim kommen wäre, und wie er wäre in der Kirchen Sankt Peters von Magelon. Da sah man Edel und Unedel zu Roß und Fuße kommen, und geschah also ein Turnier von dem Adel des Landes, dem Peter zu Gefallen; die anderen tanzten und waren fröhlich.

Da nun Vater und Mutter gehört hätten das Unglück ihres Sohns und der Schönen Magelona, daraus ihnen GOTT der Allmächtig hätt geholfen, da nahm der Graf seinen Sohn Peter bei der Hand und führet ihn für den Altar Sankt Peters in die Kirchen. Des gleichen tät auch die Gräfin der Schönen Magelona, und knieten nieder und dankten GOTT dem Allmächtigen. Da sie ihr Gebet verbracht hätten, sprach der Graf zu seinem Sohn Peter also: »Ich will, dieweil die Jungfrau von deinen wegen hat also viel erlitten, du wollest sie zu der Ehe nehmen.« Antwortet ihm der Peter: »Aller liebster Vater, da ich sie führet aus dem Hause ihres Vaters, war es mein Wille, sie zu ehelichen. Doch aus Befehl eurer und meiner Frau Mutter, bin ich zufrieden, sie itzunder offenlich zur Kirchen zu führen.«

Also gab sie ein Bischof zusammen. Und die Gräfin gab dem Peter einen schönen Ring, darmit er sie ehelicht. Also hielt sich groß Fest und Freude durch das ganze Land vierzehen Tag lang, und gefiel jedermann die Schön Magelona wohl. Sie sagten auch, es möchte in keinem Menschen also viel Tugend erfunden werden, als in ihr. Da richtet man mancherlei Kurzweil an, und unterstund ein jeglicher sich, das Beste zu tun, damit er die Liebe gegen seinem Herrn beweiset.

Wie nach diesem ehelichen Beilager der Graf und die Gräfin lebten zehen Jahr und darnach starben.

Als nun das ehelich Beilager ganz vergangen war, da lebten der Graf und die Gräfin zehen Jahr in gutem Frieden. Da sie nun gestorben waren, ließ der Peter sie beide ehrlich begraben in die Kirchen Sankt Peters zu Magelon.

Nach ihnen lebten der Peter und die Schön Magelona acht Jahr und zeugten einen schönen Sohn mit einander, der da tapfer und keck war. Und als die Historien an zeigen, ward er darnach König zu Neapel und Graf zu Provincien.

Der Peter und die Schön Magelona führten bei einander ein freundlich und glückselig Leben; und als sie starben, da wurden sie auch begraben in die Kirchen Sankt Peters. Und noch auf den heutigen Tag stehet, da die Schön Magelona ein Spital hätt gestiftet, eine schöne Kirche in der Ehr der Heiligen Dreifaltigkeit, die uns wölle erfreuen in unseren Anfechtungen in dieser Welt, und endlich uns führen zu besitzen das Ewige Leben. Amen.

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Hie endet sich das Buch und die Historia von dem Peter, der ein Sohn gewesen des Grafen von Provincia, und der Schönen Magelona, die da ist gewesen ein Tochter des Königs zu Neapel.

Nachwort

Das Motiv des Magelona-Romans ist orientalischen Ursprungs und auch aus einer Erzählung der Tausend und einen Nächte bekannt. Wahrscheinlich ist es auf dem Wege mündlicher Tradition aus den sarazenischen Siedelungen am Nordrand des Mittelmeers in Südfrankreich eingedrungen und dann nordwärts gewandert. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es als Märchen aus dem Volksmund aufgezeichnet[A].

Fußnote A: Cosquin, _Contes populaires de la Lorraine_, Paris _s. a._, Nr. 40.

Ob der Geschichte in der vorliegenden Gestalt eine langsame Entwicklung voraus ging, ist unbekannt. Dem ersten Lyoner Druck von 1480 gehen nur einige, wenige Jahre ältere Handschriften vorauf. Die Geschichte datiert sich selbst aus dem Jahr 1453; und aus demselben Satz des Eingangs glaubt man, auf eine ältere, wohl provenzalische Form zurückschließen zu dürfen.

Veit Warbeck, der Verdeutscher der Magelona, war ein Schwabe, bürgerlichen Herkommens, hatte mehrere Jahre an der Pariser Hochschule studiert und war mit französischer Art und Literatur wohl vertraut geworden. Als Prinzenerzieher und vielgewandter Diplomat stand er in kursächsischen Diensten und wußte sich in einer Zeit, als bei den mitteldeutschen Fürstenhäusern politische und verwandtschaftliche Beziehungen nach Frankreich sich anknüpften, gut geschätzt zu machen. Die Magelona übersetzte er wahrscheinlich zum Vergnügen seines Landesherrn, für den er auch eine ziemliche französische Bücherei zusammenbrachte. Erst 1535, nach dem Tode seines Freundes, ließ Spalatin die Magelona mit einer Vorrede drucken »zu Augsburg, durch Heinrich Steiner«. Für die Verbreitung des Romans in Deutschland zeugen, neben den zahlreichen Drucken, viele Erwähnungen bei den Schriftstellern des 16. Jahrhunderts. Schon 1539 hat ein Ungenannter die Magelona dramatisiert, Hans Sachs bearbeitete sie in Jahresfrist dreimal, und der Frankfurter Buchführer Michael Harder verkaufte von dem Buch in einer Fastenmesse 176 Stück.

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Dieser Ausgabe liegt die Originalhandschrift Warbecks vom Jahre 1527 zugrunde, welche Johannes Bolte 1894 zu Weimar herausgegeben hat. Bei den geringen Umgestaltungen, die dieser Text erfahren hat, wurde der Nürnberger Druck von 1744 (Bolte Nr. 23) mit zu Rate gezogen.

Die Holzschnitte sind einem Leipziger Druck von 1598 (Bolte Nr. 15) entnommen. Sie wurden später immer wieder verwandt und stehen noch, recht abgebraucht oder durch schlechte Kopien (für verlorene Stöcke) ergänzt, in den Nürnberger Drucken von 1678 und 1744. Da aber auch die Leipziger Ausgabe die Ordnung schon verwirrt hat, muß man einen ihr vorausgehenden, heute verlorenen Druck annehmen. Sie mögen zuerst um 1580 in einem Frankfurter Druck für Feyrabend oder Jobin gestanden haben. Etliche Stöcke tragen das Zeichen des um diese Zeit für Frankfurter Verleger tätigen Tobias Stimmer. Die früheren Einzeldrucke der Magelona sind mit Holzschnitten aus anderen Büchern illustriert.

=Druck von Breitkopf= =und Härtel in Leipzig=

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Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.

Zuseher solches Teffens täten verwundern. Zuseher solches Treffens täten verwundern.

andächtiglich möchte Gott dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin

worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle Gott worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT

Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um Gottes willen in das Spital Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital

Spital, darinne der Dienst Gottes fleißig bestellet ward. Und kam das Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das