Die Schön Magelona eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlüsseln und von der Schönen Magelona gar lustig zu lesen

Part 5

Chapter 54,079 wordsPublic domain

In dem, als sie allda blieb, da fiel ihr zu, sie wölle in das Land Provincia ziehen; wann sie verhoffet, da von ihrem aller liebsten Peter desto eher etwas zu hören. Und beschloß also bei sich, und machet sich auf den Weg, und zog also lang, bis sie kam in ein Stadt, genannt Genua. Da erfraget sie den Weg gen Provincia, welcher der kurzest und sicherst wäre. Und ward ihr geraten, sie sölle auf dem Meer fahren; der Weg wäre der kurzest und sicherst.

Und als sie an den Port des Meeres ging, da fand sie zu allem Glücke ein Schiff ganz zubereit, das wollt gehn zu einem Port, genannt Toten-Wasser. Sie überkam mit dem Patron und zog mit ihm darhin. Als sie nun darhin kam, da ging sie eines Tags durch die Stadt wie eine arme Pilgerin. Da rufet ihr eine fromme Frau und nahm sie in ihr Haus um GOTTes willen. Und aßen und tranken miteinander den selben Tag. Da fraget die gute Frau die Schöne Magelona viel von ihrer Wallfahrt. Also saget sie ihr, wie sie käme von Rom wallfahrten. Darnach fraget sie wieder die Schön Magelona von der Gewohnheit und Eigenschaft des Landes, und ob fremde Leute möchten sicher wandern.

Da saget sie ihr: »Wisset, liebe Pilgerin, daß wir haben einen Herrn dieses Landes von hinnen bis gen Aragonia, und heißet unser Herr der Graf von Provincia. Er ist mächtig und hält sein Land in gutem Fried, also, daß nie kein Mensch vernommen hat, daß jemand wäre ein Verdruß geschehen; wann er befiehlt, Sicherheit und Gerechtigkeit zu halten in seinem Lande. Er und die Gräfin sein also freundlich und holdselig gegen den armen Leuten, daß es Wunder ist. Aber sie sein sehr betrübt und zornig, und wir alle mit ihnen, als die Untertanen, von ihres Sohns wegen, der Peter genannt, der da ist der edelst Ritter dieser Welt; wann er ist bei zwei Jahren von hinnen gezogen, sich zu üben in der Welt in Ritterspielen, und seit dieser Zeit ist nichts mehr von ihm gehört worden. Sie besorgen alleine, er sei tot, oder ihm sei ein großes Unglück wider fahren, was dann ein großer Schaden wäre.« Und fing an also zu erzählen die Guttaten und Tugend des edeln Ritters.

Als solches die Schön Magelona vermerket, und höret von dem Grafen und der Gräfin, und daß der Peter nicht heim kommen war, da erkennet sie, daß der Peter nicht williglich von ihr kommen war, und daß solches hätte ein böses Unglücke getan. Und fing an, aus Mitleiden zu weinen. Und die gute Frau, da sie bei war, vermeinet, sie weine aus Mitleiden, und hielt sie desto lieber; und mußte die Nacht bei ihr schlafen.

Wie die Schön Magelona sich füget auf einen Port der Heiden, zu dienen den armen Leuten in einem kleinen Spital, und wartet, ob sie von ihrem lieben Peter was möchte erfahren.

Die selbe Nacht setzet sich die Schön Magelona im Herzen für, dieweil der Peter nicht heim kommen war, sie wölle sich an einen Ort wenden, da sie dem allmächtigen GOTT andächtiglich möchte dienen, damit sie ihr Jungfrauschaft desto baß möchte unbeflecket behalten. Und verhoffet, daß sie da von ihrem aller liebsten Peter eher etwas möchte erfahren, dann anders wo. Und tät also fragen, ob in dem Lande wäre ein Ort, da man andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin, saget, daß nahe wäre ein Insel des heidnischen Ports, dar alle Schiff und Kaufmannschaft hin kämen aus allen Landen. Darhin kämen auch viel armer Menschen, krank und schwach.

Also ging die Schön Magelona, den Ort zu beschauen, und gefiel ihr wohl. Ließ von dem Geld, das sie hätt, ein klein Kirchlein bauen und ein klein Spital mit dreien Betten. In der Kirchen ließ sie machen einen Altar in der Ehre Sankt Peters, ihrem aller liebsten Peter zu Gefallen, und gab der Kirchen den Namen: St. Peter von Magelon.

Da nun die Kirche, auch das Spital gebauet war, da tät sie sich hinein und dienet den armen kranken Menschen mit großer Andacht; und führet also ein scharfes Leben, daß die Leute der Insel und auch die Umliegenden sie hielten für eine heilige Fraue; man nennet sie auch die heilige Pilgerin. Es kam groß Opfer von viel Leuten in das Kirchlein. Und ward also weit bekannt, daß der Graf und die Gräfin, des Peters Vater und Mutter, selber in großer Andacht kamen, die Kirchen zu besuchen.

Also begab sich eines Tags, daß sie alle beide dar kamen, die Kirchen und Spital zu besuchen, und sahen der Spitalerin Wesen. Sagten wider einander, sie müsse eine heilige Frau sein. Als die Spitalerin die zwei ersah, ging sie zu ihnen als eine, die sich wohl zu halten wußte, und erbot ihnen Ehr und befahl sich ihnen beiden. Ob dem empfingen der Graf und die Gräfin ein groß Gefallen, und gefiel ihnen ihre Weise wohl.

Darnach zog die Gräfin die Spitalmeisterin auf einen Ort, und redeten viel mit einander von mancherlei Dingen, und kam also weit, daß die Gräfin ihr saget, wie sie betrübet wäre um ihren Sohn, und fing also an, herzlich zu weinen. Die Spitalerin tröstet sie auf das Beste, so sie mocht, wie wohl nötiger wäre gewesen, sich selber zu trösten, dann die Gräfin. Jedoch ward die Gräfin durch die Spitalerin gar gestillet, und saget zu ihr, sie hätte ein groß Gefallen in ihren Reden, und sprach, sie wölle oft zu ihr kommen; und alles, was sie bedürfe, das sölle sie begehren, das wölle sie ihr nicht versagen. Darum saget ihr die Spitalerin großen Dank.

Also zog die Gräfin wieder heim, und bat die Spitalerin, sie wölle GOTT treulich bitten, damit sie erführe, wo ihr Sohn wäre. Das zu tun verhieß ihr die Spitalerin mit gutem Herzen, und schieden also von einander. Und die Spitalerin ging hin und wartet der armen Leute, wie sie dann Gewohnheit hätt, und führet ein hart Leben.

Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schönen Fisch, Meerwolf geheißen, und von wegen seiner Schöne schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin.

Eines Tages begab es sich, daß die Fischer des selben Ortes fischten in dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schön war, darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin, die ihn mit großem Dank empfingen.

Als nun der Fisch durch die Diener in die Küchen ward getragen, ihn zu zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Gräfin zu besehen, und saget: »Gnädige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.«

Das nahm die Gräfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben hätt, als er von ihr war gezogen. Und als sie die gesehen hätt, da kannt sie die Ringe, fing an, inniglich zu weinen und großen Unmut und Trauern zu führen. Und sprach: »Ach wehe, allmächtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und genugsamlich berichtet, daß mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O allmächtiger ewiger gütiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur verwirket, daß ihn der Fisch hat verschlucket!«

Da die Gräfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er das Geschrei erhöret, erschrak er sehr, und fraget, was das wäre, und ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Gräfin ersah, saget sie zu ihm kläglich und weinend: »Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein unvernünftig Tier also böse Mär von unserem liebsten Sohn Peter, die nicht ärger sein möchten!« Und fing an, ihm zu sagen, wie sie hätten gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm hätt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem Grafen.

Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrübet, daß er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, kläglich zu weinen, wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter Herre, kam er zu der Gräfin und tröstet sie auf das Beste, als er vermocht. Und sprach zu ihr: »Wisse, liebe Hausfrau, daß dieser Sohn nicht unser, sondern GOTT des Allmächtigen gewesen; wann Er hat ihn uns geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach Seinem Göttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum söllen wir nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, daß Er ihn uns hat geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen GOTT dem Allmächtigen und mir.«

Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen schönen Teppich seines Palastes, und hieß, dar henken schwarzes Tuch durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie all traurig; wann sie hätten den jungen Grafen sehr lieb.

Nicht lang darnach hätt die Gräfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin, die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht hätt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und führte sie in einen Betstuhl. Fing an, mit großem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es ergangen wäre, und zu erzählen, wie daß sie kein Hoffnung mehr hätte, ihren liebsten Sohn zu sehen.

Als die Spitalerin solches von der Gräfin verstanden hätt, fing sie an, inniglich mit ihr zu weinen, und sprach: »Gnädige Frau, ich bitte euch, so ihr die Ringe habet, ihr wollet mich sie sehen lassen.«

Die Gräfin zog's herfür und gab's ihr zu besehen. Da sie die Ringe ersah, erkennet sie die selben balde. Und wäre nicht Wunder gewesen, daß ihr Herz vor Leide wäre zerbrochen in ihrem Leibe. Jedoch, wie eine tugendreiche und weise Tochter, die ihre Hoffnung alleine in GOTT setzet, saget sie: »Gnädige Frau, ihr sollet euch nicht bekummern; wann die Dinge, so nicht gewiß sein, sollen anders verhoffet werden. Wie wohl das die Ringe sein, die ihr eueren liebsten Sohn geben habet, so kann und mag es doch wohl sein, daß er sie verloren hat, oder einer andern Person geben. Darum ich euch bitte, ihr wollet euch nicht mehr betrüben oder bekummern. Darinne werdet ihr euerem Herrn zu Gefallen tun; wann ihr mehret ihm seine Schmerzen, als bald er euch siehet betrübet und traurig. Und kehret euch gegen GOTT dem Allmächtigen, und danket Ihm um alles, das Er euch erzeiget!«

Also tröstet die Spitalmeisterin die Gräfin auf das Beste, so sie vermocht, wie wohl ihrer Schmerzen nicht weniger waren, dann der Gräfin; sie wäre auch wohl Trostes notdürftiger gewesen.

Die Gräfin gab große Gaben in das Spital, GOTT für die Seele ihres Sohns zu bitten, so er tot wäre; so nicht, daß sie etwas Guts von ihm erführe, und zog also wieder heim. Und die Spitalerin blieb also fast traurig, und fiel auf ihre Knie für den Altar Sankt Peters und bat GOTT, so er lebendig wäre, ihn zu führen in aller Sicherheit zu seinen Freunden. Wo er aber tot wäre, wolle sich GOTT seiner armen Seelen erbarmen und ihr gnädig sein. Und blieb also lang in ihrem Gebete.

Nun wollen wir auf hören, zu reden von dem Grafen, der Gräfin und der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des Sultans.

Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann jedermann hätt ihn lieb.

Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien, und ward von ihm geliebet, als wäre er gewesen sein eigener Sohn. Der Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wäre dann bei ihm. Doch hätt der Peter allwegen sein Herze zu der Schönen Magelona; wann er wußte nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags für, Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu besuchen.

Und begab sich eins mals, daß der Sultan ein groß Feste hielt; und war fröhlich und gab vielen Menschen große Gaben. Da ersah der Peter die Zeit, und fiel für ihm auf seine Knie und sprach also: »Herr, ich bin lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin ich in viel Sachen, so ich euch für getragen, von euch erhört worden. Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.«

Als ihn der Sultan sah also demütiglich bitten, sprach er zu ihm: »Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du für einen andern begehret hast, habe ich dir gütlich bewilliget; wie viel mehr, so du für dich selber willst bitten, will ich mit einem fröhlichen Herzen dir geben, was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir nicht ab geschlagen werden.«

Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget zu ihm: »Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch, mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine Beschwerung zu haben!«

Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu ihm: »Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden, der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du tun als ein Weiser.«

Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre, des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in großer Menge und ander Kleinod.

Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten. Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt, da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.

Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde.

Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder, und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing er an zu sagen: »Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen mit Schöne.« Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen. In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen.

Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.

Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: »Was söllen wir tun mit den Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben, dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.« Da wurden sie eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine Seele bitten.

Wie die Spitalmeisterin einen großen Schatz fand von Gold, Silber und Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital gegeben wurden.

Es begab sich eines Tages, daß die Spitalmeisterin Salzes notdürftig war. Also nahm sie ein Lägel, machte es auf, da fund sie in der Mitte einen großen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da saget sie bei ihr selber: »Ach, armer Mensch, GOTT der Allmächtig hab dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, daß ich nicht alleine mit Schmerzen, Unmut und Trübsal umgeben bin.« Darnach nahm sie die anderen Lägel alle und schlug sie auf, da fand sie einen großen Schatz.

Als bald ließ sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die Kirchen größer zu machen; und machet also ein schöne Kirchen und ein Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das Geschrei so weit, daß viel Volkes dar kam. Und brachten groß Almosen und Opfer, und verwunderten sich darob, daß die Spitalerin also kostlich wußte zu bauen; wann man hätt sich bei ihr keines Geldes versehen.

Wie der Graf und die Gräfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters von Magelon genannt.

Der Graf und die Gräfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in großer Andacht und hörten allda Meß, darnach redeten sie mit der Spitalerin. Die Spitalerin tröstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT der Allmächtig möchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie wohl sie selber des Trostes notdürftiger gewesen. Wann die zwei hätten alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da menschlich ist. Aber die Schön Magelona hätt verloren ihr Königreich und hätt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem hätt sie verloren ihren aller liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrübt war. Nach dem zogen der Graf und die Gräfin wieder heim. Nun wöllen wir schweigen des Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag in der Inseln und schlief.

Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner liebsten und getreusten Magelona gedacht.

Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen, darnach wachet er auf. Da sah er, daß es Nacht war. Des verwundert er sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff hätt verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrüge ihn, daß er's nicht sehen möchte. Und fing an, laut zu rufen, aber niemand antwortet ihm.

Da überkam er also einen großen Schmerz in seinem Herzen, daß er aufs Erdreich hernieder fiel, als wäre er ganz tot, und verlor ganz sein Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: »O allmächtiger ewiger gütiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das Unglücke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmächtiger ewiger GOTT, ist es nicht genug gewesen, daß ich also erbärmlich hab verloren die aller schönest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward ich durch Glücke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trösten Vater und Mutter, so bin ich hieher in diese Wüsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost finde. Darum mir der Tod nutzer wäre dann das Leben. Jedoch, allmächtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich alle meine Schmerzen leichtern und mindern.«

In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er möchte ersehen ein Schiff, das ihm aus der Inseln möchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da er sich mit dieser Trübsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er möge sich erbarmen über seine arme Seele.

In dem, da schicket GOTT der Allmächtig, der die Seinen nicht verlasset, daß ein Fischerschiff kam, darauf man süßes Wasser holen wollte. Als die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen, als ob er tot wäre. Also sie solches ersahen, hätten sie ein Mitleiden mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie mochten.

Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem Spitalmeister.

Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der Stadt um hin und wieder, ob er möchte gesunder werden. Aber die großen Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrübten ihn zu sehr, daß er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und war auch dannoch nicht heil und gesund.