Part 2
Als nun die Amme an der Schönen Magelona gesehen die große Lieb, die sie zu dem jungen Ritter trug, tröstet sie die Schöne Magelona und sprach: »Mein aller liebste Tochter und Fräulein, dieweil es euer Begehr und Willen ist, will ich mich also viel befleißen, damit ich von euert wegen mit ihm rede, und solches erfahre, wie ihr mir auf geleget. Seid nur getrost, und bekummert euch nicht mehr!«
Wie die Amme in die Kirchen ging zu dem Ritter, mit ihm aus Befehl der Schönen Magelona zu reden.
Darnach ging die Amme in die Kirchen, den Ritter zu suchen. Und fand ihn alleine beten, und tät auch, als sie bete. Als bald sie das Gebet vollbracht, erbot ihr der Ritter Ehre; wann er kennet sie wohl und hätt sie vormals gesehen bei der Schönen Magelona. Da fing sie zu ihm an und sprach: »Herr Ritter, ich verwunder mich euer nicht ein wenig, daß ihr euern Stand und Wesen also heimlich haltet und verberget. Ich weiß wohl, daß mein Herr, der König, und seiner Gnaden Gemahel, und in Sonderheit die Schön Magelona eine große Freud hätten, zu erfahren, von wann und wer ihr wäret. So ihr dann geneiget wäret, der Schönen Magelona solches zu wissen zu tun, wollt ich's ihr nicht vorhalten. Ich weiß auch, ihr tätet in solchem ihr einen großen Gefallen; wann sie begehret es herzlich zu wissen.«
Als der Ritter die Frauen also höret reden, ward er voller Gedanken, vermeinet er doch gänzlich, solche Reden kämen von der Schönen Magelona. Gab ihr also zur Antwort und saget: »Meine liebste Frau, ich sag euch großen Dank, daß ihr mit mir also freundlich geredt habt. Des gleichen danke ich auch allen, so meinen Namen zu wissen begehren, in Sonderheit meinem gnädigen Fräulein Magelona. Und so es euch geliebet und unbeschwerlich, wollet mich ihr befehlen, und von meinen wegen bitten, sie wölle kein Ungefallen darinne tragen, daß ich mich nicht offenbare. Wann die Weil ich von heimen gewesen, hab ich's keinem Menschen zu erkennen geben. Jedoch, dieweil sie die Kreatur ist auf Erden, der ich das aller Beste gönne in dieser Welt, auch ihr zu dienen und gehorsam zu sein erbötig, möget ihr also zu ihr sagen: nach dem sie also herzlich begehre, zu wissen meinen Namen, solle sie wissen, daß mein Geschlecht groß und hoch geadelt sei. Und bittet sie von meinen wegen freundlich, sie wölle an dem ein gut Begnügen haben. Und euch bitte ich aufs Freundlichst, ihr wollet von meinem kleinen Vermögen etwas nehmen und ihr mit bringen von meinen wegen. Wann ich selber ihr solches nicht darf überantworten. Daran tut ihr mir ein groß Gefallen.« Gab ihr also der drei Ringe einen, die ihm sein Mutter in seinem Hinziehen mit geben hätt.
Da sie solchen Ring von dem Ritter empfangen hätt, sprach sie zu ihm: »Edeler Ritter, diesen Ring will ich ihr von euert wegen überantworten, auch darneben anzeigen, was wir mit einander geredt haben.« Also nahmen sie Urlaub von einander und schieden hinweg.
Die Amme ging fröhlich hinweg von dem Ritter, darum, daß sie mit ihm war also zu reden kommen. Und redet zu ihr selber also: »Es mag wohl also sein, als mir die Schön Magelona angezeiget hat, daß er eines großen Geschlechts sein soll; wann er ist aller Zucht und Tugend voll.« In diesen Gedanken ging sie, bis sie kam zu der Schönen Magelona, welche ihrer Zukunft mit großen Freuden wartet. Da zog sie den Ring herfür und überantwortet ihr den mit Anzeigen, was sie mit einander geredt.
Als die Schön Magelona des Ritters Erbieten hätt verstanden, und sah auch den kostlichen Ring, den ihr der Ritter überschicket hätt, sprach sie zu ihrer Ammen also: »Mein liebste Amme, hab ich dir nicht vormals gesaget, er würde sein eines hohen Geschlechts? Wann mein Herz saget mir's. Auch kannst du wohl gedenken, ob ein solcher kostlicher Ring möge sein eines Armen. Sicherlich, sage ich dir, das wird mein Glücke sein, und kann nicht anders werden. Wann ich will und begehre ihn zu haben und liebe ihn, ich will auch keinen andern lieben noch haben. Wann von Anbeginne, als ich ihn am ersten ersah, ergab sich mein Herze ihm alleine. Ich erkenne auch, daß er mir zu Lieb und Gefallen hieher kommen ist. Dieweil er dann eines hohen Geschlechts ist, ich auch weiß, daß er von meinen wegen hieher kommen ist, und er der schönste Ritter unter allen dieser Welt ist, wäre ich doch unhöflich und eines harten Herzens, wenn ich ihn nicht wiederum lieb hätte. Ich will auch ehe vor Schmerzen sterben, eh ich sein vergesse und ihn verlasse. Derhalb ich dich bitt, mein liebste Amme, du wollest ihm mein Gemüt und Willen zu erkennen geben, und in dem mir treulich raten. Und damit ich meine großen Schmerzen linder mache, bitt ich dich, du wollest mir diesen Ring lassen, wann ich hab große Freude, ihn an zu sehen.«
Als solches die Amme von der Schönen Magelona vermerket, daß sie ihr Herze und Gemüt also bald wollte entdecken, ward sie traurig und sprach zu ihr: »Mein edelstes Fräulein und Tochter, auch aller freundlichstes Herz, ich bitt euch fleißig, ihr wollet solchem Fürsatz in euerm edeln Herzen keinen Fürgang lassen; wann es ja nicht loblich, noch ehrlich wäre, daß ihr, als eine hochgeboren Fürstin, euer Lieb also schnelle einem fremden unbekannten Ritter gebet.«
Da solche Straf die Schön Magelona von ihrer Ammen höret, mochte sie es nicht länger dulden noch verschweigen, sondern sprach zu ihr mit bewegtem Gemüte: »Du sollst ihn hinfür nicht für einen Fremden schelten, wann ich auf Erdreich keinen lieber habe. Es wird mir ihn auch niemand aus meinen Gedanken und Herzen reden. Darum bitte ich dich freundlich, du wollest hinfür dieser Wort geschweigen, als lieb ich dir bin, und meine Gnad.«
Da die Amme das alles vermerket hätt, wollt sie nichts mehr darwider reden. Doch saget sie zu ihr: »Mein liebstes Fräulein, was ich sage, tu ich von euert wegen, und euch zu Ehren. Wann alle Ding, so da unordentlich und schnelle geschehen, kommen nicht zu Ehren denen, die es tun; auch werden sie nicht gepriesen von denen, die es erfahren. Ich lobe es wohl, daß ihr ihn lieb habet, wann er ist es wohl würdig. Doch also, daß solches von euch ehrlich und züchtig geschehe, wie es sich dann gebühret. Und zweifelt gar nicht, ich will euch einen guten Rat geben und getreulich helfen. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, diesen Dingen werde wohl geraten.«
Als die Schön Magelona solche vernünftige Rede von ihrer Ammen vernommen hätt, ward sie ein wenig gestillet. Und saget ihr doch: »Mein aller liebste Amme, ich will alles tun, was ihr mir raten werdet.«
Die selbe Nacht schlief die Schön Magelona ganz wohl mit ihrem Ring, den sie zum öftern Mal küsset aus großer Lieb; und tät mit herzlichem Seufzen an ihren liebsten Freund, den Ritter, gedenken bis nahe dem Tag. Darunter entschlief sie. Und da sie entschlafen war, da kam ihr für ein solcher Traum: es gedauchet sie, der Ritter und sie wären allein bei einander in einem lustigen Garten. Und sie saget zu ihm: »Ich bitte euch freundlich, von wegen der Liebe, so ihr gegen mir traget, ihr wollet mir sagen, von wannen ihr seid, und wes Geschlechts; wann ich liebe euch vor allen Menschen auf Erden. Darum begehre ich zu erfahren, wer der Ritter wäre, dem ich mein Lieb geben hätte, und von wannen her er wäre.« Gedauchet sie hernach, der Ritter antwortet ihr: »Edeles Fräulein, es ist noch nicht die Zeit kommen, mich gegen euch zu eröffnen. Darum, ich bitte euch, ihr wollet mich dessen auf dies mal überheben; wann ihr sollt es noch in kurzer Zeit erfahren.« Und darnach gedauchtet sie, der Ritter gebe ihr einen Ring, der war noch kostlicher dann der erste, den er ihr bei der Ammen geschickt hätte. Und lag also die Schön Magelona schlafend in großem Gefallen bis auf den Morgen des Tags. Und da sie erwachet, saget sie solchen Traum der Ammen, aus welchem Ansagen die Amme vermerket, daß sie all ihr Herze und Gedanken auf den Ritter geworfen hätt. Derhalben sie die Schöne Magelona tröstet auf das Beste, so sie konnte und vermocht.
Wie eines Tags der Ritter die Amme in der Kirchen fand, und er zu ihr ging und saget ihr was heimlich.
Eines Tages tät der Ritter also großen Fleiß, daß er der Schönen Magelona Ammen in der Kirchen fand, wann er wollt heimlich mit ihr reden. Als sie ihn vernahm, ging sie zu ihm, und zeiget an, wie die Schön Magelona ein groß Gefallen hätte an dem Ringe, den er ihr gesandt hätt, und tät ihm freundlich danken. Da antwortet ihr der Ritter und sprach: »Liebe Frau, ich habe euch den Ring geben, nicht der Schönen Magelona. Wann ich weiß wohl, daß eine solche kleine Gabe nicht würdig ist, einer solchen mächtigen Fürstin überschicket zu werden, als die Schön Magelona, mein gnädiges Fräulein, ist. Jedoch alles, mein Leib, Gut und Vermögen, ist ihr. Auch wißt, liebe Frau, daß ihre übertreffliche Schöne mein Herz also gefangen und verwundt hat, daß ich's euch nicht länger verbergen kann. Darum es gar vonnöten ist, euch dieses zu eröffnen als mein Anliegen. Wann so sie mir nicht Gnade erzeiget, so bin ich der unglückseligst Ritter der ganzen Welt. Liebe Frau, ich sage euch in großem Geheim mein Herze und Gemüt; wann ich weiß und erkenne, daß ihr eine große Freundin seid der Schönen Magelona. So es euch nun nicht entgegen wäre, bitt ich freundlich, ihr wollet mein Gemüte ihr anzeigen. Wie wohl ich's um euch nicht verdient habe, bin ich doch willens, solches treulich zu verdienen.«
Sprach sie zu ihm: »Ich danke euch. Ich will auch alles, so ihr mir befohlen, treulich ihr anzeigen, verhoffe auch, eine gute Antwort euch wiederum zu bringen. Doch kann ich nicht verstehen, wie ihr solche Lieb vermeinet. Wann so ihr's verstündet für eine törichte und unzüchtige Liebe, so schweiget hinfürder, und redet nichts mehr davon.«
Da sprach der Ritter zu ihr: »Liebe Frau, ich müßt eines bösen Todes sterben, so ich je an eine solche Lieb oder Schande gedacht habe; sondern an eine ehrliche züchtige und treuliche Liebe, darinne ich ihr gerne wollte dienen.«
Als die Amme solches gehöret, saget sie: »Edeler Ritter, ich verheiß euch hiemit, die Sache gegen ihr treulich aus zu richten. Dieweil ihr aber itzunder mir anzeiget, ihr wolltet sie lieben aus züchtiger getreuer Liebe, warum verberget ihr dann euern Namen und Geschlecht vor ihr? Wann ihr möget vielleicht solches Adels und Geschlechtes sein, es würde zwischen euch mit GOTTes Hilf eine Eh beschlossen. Wann sie liebet euch aus ganzem Herzen, ihr hat auch getraumet von euch; und wann wir zwei bei einander alleine sein, so redet sie und ich alleine von euch.«
Da er solches hört, sprach er zu ihr: »Liebste Frau, dieweil ihr mir also viel gesaget, bin ich erfreuet worden. Und bitte euch freundlich, ihr wollet verhelfen, damit ich mit ihr zu reden kommen möge. So will ich ihr sagen mein Geschlechte, und alles, so sie von mir zu wissen begehret. Ich verhoffe auch, so sie mich gehöret hat, sie werde mich nicht verachten. Aber einem andern Menschen sage ich's nicht, ausgenommen ihr alleine.«
Da sprach die Amme zu dem Ritter: »Ich will's ihr sagen, wie ihr mich berichtet; will auch verhelfen, damit ihr mit ihr zu reden kommet.«
Da ward der Ritter noch größer erfreuet ihrer Zusage und sprach: »Liebste Frau, ich danke euch eures Erbietens, und bitt euch freundlich, so es euch geliebet, ihr wollet diesen Ring, der wenig geacht ist, ihr von meinen wegen freundlich überantworten. Und so sie den selben von mir wird annehmen, werde ich's für eine sonderliche Gnade achten. Wann ich besorge, der vorige Ring sei nicht nach dem, als ihr wohl gebühret. Ihr wollet mich ihr auch untertäniglich befehlen.«
Da sprach die Amme: »Dieweil ich also erkennet habe euer edeles Herz, will ich ihn überantworten von euert wegen. Will auch ihr befehlen und Fleiß fürwenden, damit ihr mit ihr zu reden kommet.«
Da sprach der Ritter: »Ich dank euch euers Erbietens.«
Wie die Amme wieder zu der Schönen Magelona kam.
Als die Amme also von dem Ritter aus der Kirchen ihren Abschied nahm, ging sie des nächsten der Schönen Magelona Kammer zu. Die war sehr krank von großer Liebe, die sie zu dem Ritter hätt, und lag also zu Bette, wann sie mocht an keinem Ende Ruh haben. Und als bald sie die Ammen ersah, stund sie auf und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sei mir willkommen! Ach wehe! bringest du mir nicht gute Zeitung von ihm, den ich also liebe? Fürwahr, liebe Amme, gibst du mir nicht einen getreuen Rat, damit ich ihn sehe und mit ihm rede, so muß ich sterben.«
Als die Amme solche Rede vernahm, saget sie zu ihr: »Mein edeles Fräulein und aller liebste Tochter, ich will euch einen solchen Rat geben, darvon ihr sollt fröhlich werden; und, ob GOTT will, werdet ihr erkennen und erfahren, daß ich euch von Herzen lieb habe.«
Da die Schön Magelona solches von ihrer Ammen höret, sprang sie vor großen Freuden ihres Herzens aus dem Bette auf das Erdreich, halset und küsset sie und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sage mir neue Zeitung!«
Da fing die Amme ihr an zu sagen, wie der Ritter zu ihr wäre kommen, und hätte gesaget und angezeigt den großen Willen, den er zu ihr trüge, daß er vor Liebe schier müsse sterben. Und saget: »Glaubet mir fürwahr, aller liebste Tochter, habt ihr von seinen wegen große Schmerzen, so trägt er von euert wegen nicht weniger Schmerzen. Und ob aller Liebe, die er in euch gesetzt hat, ist die seine treulich und züchtig, auch ehrlich gegen euch; darum ich gar erfreuet bin. Und wisset, mein aller liebste Tochter, daß ich nie gehöret habe einen also jungen Ritter, der so weislich redet als er. Ohn allen Zweifel wird er eines großen und hohen Herkommens sein. Es hat auch diese Gestalt mit ihm: er begehret auf Erden nicht mehr, dann in geheim mit euch alleine zu reden. Da will er euch alles sein Anliegen und Wesen entdecken. Er will auch tun, was ihr ihm gebietet, und befiehlt sich euch in aller Untertänigkeit, und bittet, ihr wollet ihm einen Tag bestimmen und einen Ort, da er euch sein Herz und Gemüt möge eröffnen; wann er keinem Menschen sonst solches sagen will. Er bittet euch auch, ihr wollet diesen Ring gnädiglich von ihm annehmen und von seinen wegen behalten.«
Da die Schön Magelona solche gute und fröhlich neue Zeitung höret, auch den Ring sah, der schöner und kostlicher war, dann der erste, da verwandelt sich ihr Farbe vor Freuden und ward rot. Und sprach zu der Ammen: »Wisse, du aller liebste Amme, daß dies der Ring ist, darvon mir getraumet hat die vorige Nacht; wann mein Herz saget mir nichts, das nicht geschähe. Und glaub sicherlich ohn allen Zweifel, daß dies der Ritter ist, der mein Gemahel und Mann soll werden. Ohn ihn kann ich auch kein Lust noch Freude haben. Darum ich dich freundlich bitte, du wollest Rat suchen und erdenken auf das Beste, so dir möglich, mit ihm zu reden; wann ich kann nicht länger verziehen. Hierum, mein aller liebste Amme, suche Mittel, daß ich ihn sehen möge nach meinem Gefallen, und mit ihm reden. Wann ich hab große Hoffnung, durch solche Mittel zu kommen zu einem seligen Ende meines Begehrens. Ich verheiße dir auch hiemit, du sollst es nicht entgelten.«
Da verhieß ihr die Amme, nichts zu sparen und allen möglichen Fleiß für zu wenden, damit dies alles wohl ausgerichtet würde. Also blieb die Schön Magelona den ganzen Tag und die Nacht fröhlicher dann vorhin, beschauet und behielt ihre Ringe, so ihr von dem Ritter geschicket waren, und danket ihm in ihrem Herzen dieser Gaben. Itzunder stecket sie die Ring an ihre Finger, nach mals küsset sie die, und vertrieb also ihre Weil und Zeit darmit.
Wie die Amme wieder mit dem Ritter zu reden kam.
Da es nun kam auf den anderen Tag, bemühet sich die Amme, den Ritter an zu sprechen, und fand ihn in der Kapellen, in welche er pfleget zu gehen. Und als er sie ersah, ward er fast fröhlich, wann er verhoffet, was von der Schönen Magelona zu erfahren. Stund auf und ging ihr entgegen, grüßet sie gar freundlich und höflich. Da antwortet sie ihm wieder und sprach: »GOTT gebe und verleihe euch zu überkommen, was euer Herze begehret.«
Darnach fraget sie der Ritter, was die Schön Magelona begönne, und fraget, ob er in ihren Gnaden wäre. Da antwortet die Amme ihm und saget: »Edeler und aller liebster Ritter, glaubet mir sicherlich, daß itzunder in dieser Welt kein Ritter ist, der je Harnisch führet und Ritterspiel brauchet, der also glückselig ist als ihr. Selig ist auch gewesen die Stunde, da ihr hieher in dies Land seid gekommen; wann durch euer redlich Tapferkeit habet ihr erlanget und überkommen die schönste Jungfraue dieser Welt. Euch ist auch nie kein größer Glücke widerfahren, wann ihr habet gewonnen ihre Gnad und Liebe. Sie tut euch danksagen um den Ring, den ihr durch mich ihr neulich überschicket, will ihn auch von euert wegen behalten. Sie begehret auch, euch herzlich zu sehen und freundlich mit euch zu reden. Ich bin auch wohl zufrieden, daß solches geschehe. Jedoch werdet ihr mir verheißen bei Edelmanns Treue und Glauben, daß in euer Liebe nichts anders sei, dann Zucht und Ehr, wie dann geziemet einem jeden euers hohen Standes.«
Als solches der edel Ritter von der Ammen verstanden, tät er als einer, in welchem alle Tugend waren. Und kniet nieder auf die Erden vor ein Kruzifix, und sprach: »Mein liebste Frau, ich verheiße und schwöre euch hie vor GOTT, meinem Schöpfer, daß mein Meinung und Gemüte nicht anders ist, dann Zucht und Ehr. Ich begehre auch, nichts anders zu erlangen, so es GOTTes Willen wäre, dann die Liebe der Schönsten Magelona zum heiligen Sakrament der Ehe, solche zu vollenden nach Gebrauch der heiligen christlichen Kirchen. Oder GOTT helfe mir nicht in dieser Welt! Amen.«
Da die Amme solch Gelöbnis von ihm höret, gab sie ihm die Hand, und zog ihn wieder auf und sprach: »Fürwahr, edeler Ritter, ihr habet einen solchen Eid getan, darum euch billig zu glauben und vertrauen ist. Ihr sollet auch wissen, ich will solchen euern Willen der Schönen Magelona ohnangezeiget nicht lassen. Ich bitte auch den allmächtigen ewigen GOTT, Er wolle euch in diesem euerm Fürsatze behalten. Und so es Sein göttlicher Wille wäre, möchte ich wohl sprechen, daß in dieser Welt nicht werde gefunden ein Paar bei einander, so edel und ehrlich und züchtig, als ihr beide. Und darum, edeler Ritter, schicket euch darauf, und kommet morgen nach Mittag durch das kleine Pförtlin des Gartens zu der Schönen Magelona in ihre Kammer, darinne sie wird mit mir alleine sein. Doch will ich auch die Kammer raumen, damit ihr beide alleine bei einander seid. Da redet und erzählet euer Anliegen nach euers Herzens Begier!«
Als solches der Ritter vernahm von der Ammen, ward er hochlich erfreut, und danket ihr der guten Botschaft, und schieden also von einander. Und kam die Amme wieder zu der Schönen Magelona, und saget ihr alles, wie sie es mit dem Ritter aus gerichtet hätte und beschlossen. Da sie solches höret, danket sie der Ammen gar freundlich, und wartet des Ritters mit herzlicher Begierde.
Wie der Ritter zu der Schönen Magelona kam durch das kleine Pförtlin im Garten.
Auf den andern Tag, als die Zeit und Stunde vorhanden war, daß der Ritter zu der Schönen Magelona sollte kommen, nahm er der Stunde fleißig gewahr, und gedauchet ihn die Zeit lang sein. Kam doch zu dem Pförtlin bei dem Garten, das ihm angezeiget war, und fand es offen, wie ihm dann die Amme gesaget hätt. Also ging er hinein in die Kammer der Schönen Magelona mit großer Begier seines Herzens, und fand da die Schöne Magelona samt der Ammen beide alleine. Und als bald ihn die Schön Magelona ersah, verwandelt sich alles ihr Geblüte, und ward rot an ihrem Angesicht als eine Rose. Und hätte guten Willen gehabt, gegen ihm auf zu stehn, ihn in die Arme zu nehmen und zu küssen; wann die Liebe tät sie darzu reizen. Jedoch die Vernunft, die da soll regieren das Herze eines jeglichen adeligen Menschen, erzeiget ihm ihre Ehr, wie wohl ihr schönes Angesicht, auch ihre lieblich und freundlichen Augen nicht verbergen mochten die Liebe, so sie in ihrem Herzen trug gegen dem Ritter; und das Herze sprang ihr auf im Leib vor Freuden. Also hätt die Schön Magelona in ihr selbst zween Gedanken, und sah den Ritter sehr freundlich an.
Der edel Ritter verwandelt auch nicht weniger seine Farbe, da er vor sich sah die aller Schönest und Liebste seines Herzens. Er wußte auch nicht, wie er an sollte fahen zu reden; wann er wußte nicht, ob er in Lüften oder auf Erdreich war; als dann die Liebe ihren Untertanen pfleget zu beweisen und tun. Jedoch kniet er nieder ganz schamhaftig vor sie und sprach: »Großmächtige hochgeboren Fürstin, der allmächtige GOTT verleihe euch Ehr und alles, das euer Herz begehret!«
Als bald stund die Schön Magelona auf und nahm ihn bei der Hand, und saget zu ihm: »Edeler Ritter, seid mir willkommen!« Und hieß ihn, zu ihr sitzen. Da solches die Amme vermerket, ging sie in eine ander Kammer nah darbei. In dem fing die Schön Magelona an zu reden also: »Edeler Ritter, ich habe großen Gefallen in dem, daß ihr zu mir seid kommen. Wann ich hab großen Willen gehabt, mit euch zu reden, wie wohl es nicht geziemet einem jungen Menschen, als ich bin, alleine mit einem Mann heimlich zu reden, wie ich mich dann solches zu tun unterstanden habe. Jedoch habe ich wiederum angesehen euer edels Gemüte, das mich gesichert und keck gemacht hat, solches zu tun. Wisset auch, da ich euch den ersten Tag gesehen, hat euch mein Herze also bald Gutes gewollt. Wann alle Gutheit und Zucht, die in einem adeligen Menschen mögen sein, die werden vollkommenlich in euch befunden. Darum, edeler Herr, saget mir euer Geschlechte, Namen, Wesen und Stand; und verberget mir's nicht! Wann kein Mensch auf Erden ist, dem ich mehr Gutes gönne, dann euch. Hierum ich gerne erfahren wollt, wer ihr wäret, und aus was Landes Art, und warum ihr hieher kommen seid.«
Da stund der Ritter auf und saget: »Großmächtige edelste Fürstin, ich bedanke mich des ersten untertäniglich euers freundlichen Willens und Gemüts, so ihr gegen mir erzeiget habet, mich in euer Gnade zu nehmen; wie wohl in mir kein Tugend ist, die solches um euch verdienet habe. Es ist auch billig, daß ihr von mir erfahret, wer ich sei, und warum ich herkommen. Doch bitt ich euch aufs Untertänigst, ihr wollet es niemand sagen, und also bei euch behalten. Wann es ist gewesen all mein Fürsatz, da ich von Heimat geritten, dies niemand zu offenbaren. Es ist auch bisher also verschwiegen geblieben. Allermächtigste edelste Fürstin, wisset, ich bin ein einiger Sohn des Grafen zu Provincien, der da ist ein Ohm des Königs von Frankreich. Ich bin auch von Vater und Mutter allein darum hinweg gezogen, euer Lieb zu erlangen. Wann ich habe hören sagen, wie kein schöner Fürstin sölle sein dann ihr, was dann die ganze Wahrheit ist. Man kann auch solche Schöne in euch nicht genugsam aussprechen. So bin ich her gekommen in kleiner Gesellschaft, wo dann sein große Herren, Fürsten und Edele, die in allen Dingen geschickter sind dann ich, und haben sich in mancherlei Ritterspielen erzeiget von euert wegen; und hab ich mir auch für gesatzet in meinem Herzen, wie wohl ich unter ihnen der wenigste, ob ich euer Gnad und Liebe möchte erlangen. Und das ist die ganze Wahrheit, die ihr von mir begehret zu erfahren. Ich hab auch bei mir beschlossen in meinem Herzen, niemand lieber zu haben dann euch, bis in meinen Tod.«