Die Säge: Ein Rückblick auf vier Jahrtausende
Part 2
Theophilus sagt[25]:.... ».... Wenn du also das Eisen bearbeitet und daraus Sporen oder andere Gerätschaften .... gemacht hast und sie mit Gold oder Silber schmücken willst, so nimm reinstes Silber und mache es durch Hämmern sehr dünn.« Theophilus spricht also hier von der Verzierung durch Tauschieren. Man muß zur Anbringung der dünnen Silberstreifen Einschnitte in das Eisen machen. Dies soll mittels folgender Maschine geschehen: »Dann habe eine Maschine aus Eichenholz, einen Fuß im Durchmesser und gedrechselt. Sie sei am Umfang dünn und in der Mitte auf jeder Seite dicker, hier sei ihr ein anderes gekrümmtes Holz, daran sie sich drehen läßt, durchgesteckt. Diesem sei an einem Ende ein anderes gebogenes Stück Holz angefügt, mit welchem (das Ganze) herum bewegt wird. Hast du dieses Rad nun zwischen zwei Säulen gestellt, so mache an dem Umfang desselben Einschnitte gleich Stufen, die nach rückwärts gekehrt sind. Die Säulen, zwischen denen das Rad liegt, seien fest und der Breite nach am Gestell befestigt, so daß das gekrümmte Holz zur Rechten stehe. Noch befinde sich zur Linken vorn neben dem Rad eine Säule, an der ein dünnes Holz angebracht sei, und zwar so, daß es auf das Rad zu liegen komme, und es habe an der Spitze ein dünnes Stück Stahl, so lang und breit, wie der Nagel eines Daumens. Dies (Stück Stahl sei) in einem Loch fest eingefügt und sehr scharf, sodaß bei der Umdrehung des Rades, während das Holz immer von Stufe zu Stufe fällt, der so in zuckende Bewegung gebrachte Stahl, was in seine Nähe gebracht wird, schneidet (incidat). Wenn du nun einen Sporn.... hast, so stelle ihn auf brennende Kohlen, bis er schwarz wird, wenn er kalt wurde, halte ihn in der Linken und drehe das Rad mit der Rechten, nähere ihn dem Stahl, schneide mit Sorgfalt überall....« Unklar ist die Textstelle von Theophilus nur dort, wo er zum zweiten Mal von einem gekrümmten Holz spricht. Mindestens ist die zweite Krümmung nicht notwendig, und ich habe sie deshalb in der Rekonstruktion durch einen geraden Kurbelgriff ersetzt.
Ein selbsttätig arbeitendes Sägewerk mit Wasserkraft wird von dem um 1245 wirkenden französischen Ingenieur Wilars entworfen (unten). Bei der Skizze steht nur vermerkt: »Auf diese Art macht man eine Säge, um selbsttätig zu sägen.« Um die Skizze besser verständlich zu machen, habe ich Buchstaben eingefügt: _a_ stellt den Bach dar, der das unterschlägige Wasserrad _b_ treibt, auf dessen Wellbaum die vier Daumen _c_ sitzen. Diese drücken die Hebel _d_ und mit ihnen die Säge _e_ nieder, die durch den federnden Baum _f_ wieder hochgezogen wird, _g_ ist der in den Führungen _h_ gleitende Balken, den das Zackenrad _i_ gegen die Säge vorschiebt.
Diese Zeichnung des Wilars ist ein interessantes Beispiel für die Projektionsart des Mittelalters, die einen noch so komplizierten Apparat in einer einzigen Ebene klar und deutlich darzustellen imstande ist. Im ersten Moment vermutet wohl niemand in dem hoch oben schwebenden Rad ein Wasserrad, doch wenn man sich in diese Darstellungsart hineingelebt hat, gewinnt auch der Laie hieraus schneller ein Verständnis von einer Maschine, als aus unserer dreiseitigen Projektionsart. Ebensoviel Großzügigkeit wie Wilars und viele seiner Nachfolger in diesen Darstellungen bekunden, ebensoviele Fehler und Unmöglichkeiten bergen sie darinnen. Es würde hier z. B. nach der Stellung der Schaufeln am Rad _b_ der zu sägende Balken _g_ durch das Zackenrad _i_ von der Säge weg statt gegen sie bewegt werden. Es müßte das Transportrad _i_ im Gegensatz zum Wasserrad _b_ viel kleiner sein. Es müßte endlich das Hebelwerk _d_ genauer angegeben werden.
Wilars war ein weitgereister französischer Architekt und Ingenieur, der in einem uns erhalten gebliebenen Skizzenbuch verschiedene Maschinen, Brücken und Bauwerke aufgezeichnet hat[26], die er auf seinen Reisen kennen gelernt.
Das älteste in Deutschland beglaubigte Sägewerk mit Wasserbetrieb war die Hanrey-Mühle in Augsburg, die für das Jahr 1322 nachweisbar ist[27].
Soweit sich die Chroniken der deutschen Städte übersehen lassen, wird erst weit über hundert Jahre später von einer andern deutschen Sägemühle aus Breslau berichtet, die im Jahr 1427 in einer Pacht-Abrechnung genannt wird[28]. 1490 kaufte Erfurt einen Wald, um eine Sägemühle darin anzulegen[29].
Eine prächtige Stickerei in Seide und Gold (Seite 25), die aus dem Besitz der Grafen von Champagne stammt, wird im Schatz der Kathedrale zu Troyes aufbewahrt[30]. Die Kleidung der Figuren läßt darauf schließen, daß dieses Stück, das wohl ein Geldbeutel oder Klingelbeutel gewesen ist, aus der Zeit von 1350-1400 stammt. Zwei Frauen sägen mit einer Rahmensäge ein menschliches Herz. Es soll sinnbildlich dargestellt werden, daß die Frauen den Männerherzen blutige Schmerzen bereiten. Rettend kommt aus einem Wolkengebilde eine Hand mit einem Beil, um die Säge zu zerschlagen. Vom Himmel her kommt also den irdischen Liebesschmerzen die einzige Rettung.
Der Nürnberger Bürger Konrad Mendel stiftete 1380 ein Asyl für zwölf alte, jedoch gesunde arme Handwerker. Jedes Mitglied der Brüderschaft porträtierte man in arbeitender Stellung in Hausbüchern[31] der Stiftung. So besitzen wir von 1380 bis 1797 über 300 sehr wertvolle Bilder von arbeitenden Nürnberger Handwerkern. Leider ist eines der Porträtbücher, das von 1549 bis 1791 reicht, verschollen.
Unter den ersten 12 Brüdern ist als fünfter ein »Säger« abgebildet. Das Blatt ist aber leider stark beschädigt, denn es ist seit langer Zeit das erste Blatt des Buches, weil die vier voraufgehenden Blätter weggerissen sind. So hatte es keinen Zweck, die Bruchstücke dieses Bildes photographieren zu lassen. Eine Beischrift zu dem Bilde sagt: »Der fünft bruder hyess Hans vnd was ein Seger«.
Ums Jahr 1398 wurde im Mendelschen Stiftungsbuch der 47. Bruder der Stiftung, Karl Schreyner, porträtiert (Seite 27). Wir sehen ihn an einer der damals gebräuchlichen sehr einfachen Hobelbänke bei der Arbeit. Die Bank hat noch keine Schraubklemmen, sondern nur Löcher zum Einschlagen hölzerner Bankpflöcke. Im Vordergrund steht eine Truhe und daneben ein kleiner Schrank. An der Wand der Werkstätte hängt eine schön geschweifte Rahmensäge.
Eine ähnliche Säge sehen wir beim 136. Bruder der Mendelschen Stiftung, der 1444 starb (Seite 28).
Zwei interessante Sägen sind auf einem militärischen Zimmerplatz zu sehen, der im Jahr 1460 in einer französischen Bilderhandschrift sorgfältig dargestellt ist. Die in der Nationalbibliothek zu Brüssel befindliche Handschrift verherrlicht die Taten Karls des Großen[32]. Auf einem der Bilder (oben) ist ein Brückenbau zu sehen, der von den Soldaten Karls des Großen vor einer feindlichen Festung ausgeführt wird. Die an der Brücke arbeitenden Werkleute sind durch eine Plankenwand gegen die feindlichen Geschosse, die damals keine große Reichweite hatten, geschützt. Hinter der Brücke steht -- anscheinend auf Pontons -- ein sogenannter Wandelturm, von dem aus die Bedeckungsmannschaft der Handwerker den Feind in der Festung beschießen kann.
Am Ufer sehen wir werktätiges Leben: es wird alles hergerichtet, was zum Bau notwendig ist. Im Hintergrund, am Wald, werden die gefällten Bäume von Zimmerleuten zugerichtet und im Vordergrund zu Konstruktionen zusammengesetzt.
Auf zwei Böcken liegt ein schweres Bord, das von zwei Mann zersägt wird. Beachtenswert sind an der hier abgebildeten Säge die beiden voneinander verschiedenen Handgriffe. Der obere sitzt an zwei schräg stehenden Eisen in der Verlängerung des Rahmens, der untere auf dem Querholz des Rahmens.
Ein Vergleich mit der Preisliste einer heutigen französischen Sägen-Fabrik ergab, daß diese Form der Säge noch in Frankreich zu finden ist. Es ist beachtenswert, wie sich die Formen der Werkzeuge oft Jahrhunderte lang unverändert erhalten. Rechts im Vordergrunde sehen wir neben dem Mann, der ein Loch in das Gebälk bohrt, eine der im Mittelalter beliebt gewesenen schwertförmigen Stichsägen. Bei diesen Sägen stehen die Zähne immer auf Stoß und die Zahnkante ist bauchig. Der Griff ist so lang, daß er mit beiden Händen erfaßt werden kann. Griff und Sägeblatt sind durch einen runden Schutzteller von einander getrennt.
Die Säge ist das Symbol des Propheten Jesaias, den wir hier (Seite 30) mit einer mächtigen Trecksäge mit rundem Rücken sehen. Die technisch wie künstlerisch gleich wertvolle Darstellung ist von einem unbekannten Meister in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Kupfer gestochen worden[33].
In den Ingenieur-Handschriften, die im Mittelalter vor Erfindung des Buchdrucks für Städte und Burgen zu Verteidigungszwecken geschrieben wurden, wird die Säge als notwendiges Werkzeug häufig erwähnt.
Da wir die Zeiten verlassen, die man als Mittelalter bezeichnet, wären einige Spielformen von Sägen zu besprechen.
Im Zeughaus zu Schwarzburg in Thüringen wird ein Schwert aufbewahrt, das an einer Kante der Klinge eine starke Säge trägt. Die Klinge ist 108 cm lang, nahe der Spitze befindet sich ein Loch. Hier zog man ein Seil durch, um einen zweiten Mann an der Säge anfassen zu lassen. Diese eigenartige Verbindung von Waffe und Werkzeug soll ums Jahr 1490 entstanden sein.
Im Germanischen National-Museum zu Nürnberg wird ein Kriegswerkzeug aufbewahrt, das man »Bohr-Säge« nennen könnte (Seite 31). Es besteht aus einem starken hölzernen Stiel von 120 cm Länge, der an einem Ende mit einer kräftigen Eisentülle versehen ist. Aus dieser Tülle läßt sich ein vierkantiges Werkzeug herausziehen und durch ein eingeschobenes Eisen feststellen. Oben trägt das Werkzeug einen Bohrer und darunter eine kräftige Säge. Man näherte sich mit diesem Stück einem feindlichen Tor, bohrte dieses an und sägte dann schnell das Schloß oder die Schloßnieten heraus. Die ausgezogene Säge hat eine Länge von 28 cm. Diese Bohrsäge stammt aus dem Dresdner Zeughaus und ist, wenn man eine Datierung versuchen soll, wohl ums Jahr 1640 entstanden[34].
Seilsägen waren bei den Bewohnern der Landenge von Panama in Gebrauch, ehe die Europäer nach Amerika kamen. »Die Einwohner machen Seile von einem gewissen Kraute, welches von ihnen Neqvon oder Henechen genennet wird, und solche Blätter hat, die einer Distel ähnlich sehen, mit denen sie so, wie wir mit dem Hanff oder Flachs, umzugehen pflegen, und sie nicht allein zum binden brauchen, sondern auch Eisen damit zu schneiden: Denn sie ziehen diese Stricke wie eine Säge hin und her, und thun das rauhe Ende auf die Stelle, wodurch sie schneiden wollen.« Der Berichterstatter vergaß hier zu sagen, ob die Eingeborenen mit den Pflanzenfasern allein mühsam sägten, oder ob sie Corund, Schmirgel oder etwas ähnliches hinzufügten[35].
Im Jahr 1709 sägte ein Italiener, der in Kassel ansässig war, Mosaik-Steine mit einer »zärtern Säge, von doppeltem übereinander gedrehtem Drat«[36].
Der Kuriosität halber sei hier ein Versuch angeführt, den man 1850 machte: »Papierscheiben von 6 Zoll Durchmesser, die mit einer Umfangs-Geschwindigkeit von 500 Fuß per Secunde rotiren, schleifen von englischen Feilen an den entgegengehaltenen Stellen den Hieb augenblicklich ab«[37].
Als »türkische Sägen« bezeichnet man heute diejenigen, deren spitze Sägezähne auf das Sägeheft hin stehen. Diese Sägen schneiden also nicht beim Stoß, sondern beim Zug. Das Wort »türkisch« hat nach alter Überlieferung die Bedeutung »weit hinten, im Orient«. Und in der Tat: irgendwo im Orient liegt eine Grenzlinie, jenseits der verschiedene technische Bewegungen entgegengesetzt den Bewegungen bei uns verlaufen. Einige Beispiele: die weisende Spitze der Nadel im Kompaß ist bei den Chinesen und Japanern die nach Süden zeigende, das Hobeleisen steht mit der Schneide gegen den Arbeiter hin, man dreht die Schraube nach links hinein und nach rechts hinaus. So sägt man auch jenseits dieser noch unbekannten Grenzlinie im Orient ziehend, nicht stoßend. Dies ist besonders bei den Chinesen und den Japanern der Fall.
Die älteste mir bekannte Säge dieser Art wird im Historischen Museum zu Dresden aufbewahrt (Abbildung Seite 33 unten). Sie stammt aus dem Besitz des Churfürsten Vater August von etwa 1570.
Als »ostindische Sägen« wurden die beim Zurückziehen wirkenden Sägeblätter im Jahr 1834 in unserer technischen Literatur bekannt, und es wurde dabei darauf hingewiesen, daß das Sägeblatt hier viel dünner sein könne. Mithin säge man mit einer ostindischen Säge leichter, als mit einer europäischen[38].
Mögen die Sägezähne auf Zug oder Stoß gestellt sein, immer bedingen sie Verlust an Zeit, weil man die Säge der Zahnstellung entgegen wieder zurückbringen muß. Es war deshalb eine bedeutsame Erfindung, die Sägezähne so anzuordnen, daß sie sowohl beim Zug als auch beim Stoß wirkten. Man könnte glauben, diese Erfindung sei eine absichtliche Vereinigung unserer stoßenden Säge mit der ziehenden Säge der Orientalen. Solche Schlüsse aber darf man in der Geschichte der Erfindungen nicht machen. Aus Abbildungen des Altertums und des Mittelalters und aus den wenigen gefundenen Stücken ist nicht zu ersehen, welche Gestaltung die Zähne hatten. Man kann nur annehmen, daß die Formgebung bei jedem Meister, der Sägen machte, eine willkürliche war. Der erste, von dem wir mit Sicherheit wissen, daß er M-förmige Zähne bewußt verwandte, war Leonardo da Vinci, der vielseitige italienische Künstler und Generalingenieur[39]. Aus den tausenden Skizzen, die Leonardo aus seiner technischen Praxis, wie auch als Erfinder hinterlassen hat, besitzen wir in einem kleinen, zu Paris aufbewahrten Notizbuch die hier (Seite 35) wiedergegebene Skizze, unter der die Worte stehen: »Doppelte Säge, die ziehend und stoßend operiert.« Dieses Notizheft Leonardos stammt aus den Jahren 1488-1497[40].
Leonardo da Vinci beschäftigte sich auch mit der Konstruktion von Sägewerken. Den Antrieb zu einem solchen skizziert er dicht neben dem frühsten bekannten Entwurf zu einer Drehbank mit Tretvorrichtung (Seite 35). Die Drehbank stößt mit dem Spindelstock-Balken und dem Fußtritt an das Schwungrad des Sägewerks, es ist also nicht schwer, die Zeichnungen der beiden Maschinen auseinander zu halten. Die Säge sitzt in einem Rahmen und wird oben und unten von je einer Kurbel gefaßt. Unten trägt die Kurbelachse eine Schwungscheibe, und wir müssen annehmen, daß die beiden Kurbelachsen irgendwie zwangsläufig verbunden waren. Der Antrieb der unteren Kurbel erfolgt mittelst einer am Ausgang des Mittelalters gebräuchlichen Hand-Schubstange.
Eine Reihe kleiner Skizzen von Leonardos Hand bezieht sich auf Sägewerke, doch diese Skizzen sind nur flüchtig ausgeführt und stark vergilbt. Da sie nichts Bemerkenswertes bieten, lohnt sich die Wiedergabe nicht[41].
Daß man in holzreichen Ländern die Axt der Säge vorzog, lesen wir in der »Natürlichen Historie von Norwegen«, die 1753 erschien. Es heißt dort: »Vor der Mitte des 16. Jahrhunderts behaute man jeden Stamm und spaltete ihn mit der Axt in zwei Planken, da er jetzt sieben bis acht Bretter gibt, da denn das meiste Holz in Spähne zersplittert wird. Dieses geschieht noch an einigen Orten, wo keine Sägewerke in der Nähe sind, insonderheit auf Sudenöer und im Amte Nordland, wo sehr viele Jagden und Böte aus lauter dergleichen gehauenen Brettern gebauet werden, die zwar doppelt so stark sind, aber auch allzuviele Stämme kosten«[42].
Mit der Angabe, daß man bis ums Jahr 1550 in Norwegen hauptsächlich mit der Axt arbeitete, stimmt die Nachricht überein, daß erst um 1530 das erste Sägewerk in Norwegen angelegt wurde[43].
Den späteren Kaiser Maximilian sehen wir in seiner Jugend mit einer großen Säge in der Hand auf einem Holzschnitt von Hans Scheuflein aus dem Jahre 1514 (Seite 37). Der junge Fürst ist hier als Lehrling der Zimmerleute dargestellt[44].
Außer dem Propheten Jesaias (Seite 30) wird der Apostel Simon -- nicht zu verwechseln mit Simon Petrus -- mit der Säge dargestellt, ja, er ist auch der Schutzpatron der Säger, denn es wird von ihm berichtet, daß er auf einer Missionsreise in Persien von fanatischen Priestern lebendig in Stücke zersägt worden sei[45]. Der große Meister Lucas Cranach der Ältere hat 1539 in einer Serie »Das Symbolum..... der zwelff Aposteln«[46] den Martyrertod des Simon grausig dargestellt (Seite 38).
Die Werkzeuge des Zimmermanns, darunter auch 2 Sägen, sind sehr deutlich auf einem Holzschnitt dargestellt (Seite 39), der im Jahre 1546 in einem Buch über die Perspektive erschien.[47]
Um's Jahr 1550 überreichte der Nürnberger Mechaniker Hanns Lobsinger den Stadtvätern ein handschriftliches Verzeichnis seiner mechanischen Erfindungen. Es ist nicht veröffentlicht worden und neuerdings auch im Original verschwunden. Aus einem älteren Auszug wissen wir aber, daß Lobsinger eine ganze Reihe bedeutsamer Erfindungen machte und daß einige von ihnen der Zeit um Jahrhunderte vorauseilten. So fertigte er auch Maschinen, »in welchen ein Rad den Marmor oder andere Steine, welche man sonsten mit einer kupffern Sägen sehr langsam durcharbeitete, ziemlich förderlich durchschneiden muste«[48]. Demnach verwendete Lobsinger schon vor 350 Jahren in Nürnberg die ungezahnte Kreissäge zum Steinschneiden. Diese Erfindung ist um so erstaunlicher, als doch unsere heutige Kreissäge für Steine (Seite 62) erst im Jahre 1833 in England erfunden wurde[49]. Sonderbar nur, daß Lobsinger nicht auf den Gedanken kam, die Scheibe zu zahnen, um Holz damit zu schneiden. Die Kreissäge für Holz wurde, wie wir noch hören, erst 1793 erfunden.
Jacques Besson, Ingenieur des Königs von Frankreich, und der Nachfolger Leonardo da Vincis in diesem Amte, hat ums Jahr 1565 eine Reihe von Maschinen gezeichnet. Nach seinem Tode (1569) wurden diese Zeichnungen mit einem kurzen Text im Jahr 1578 zum ersten Mal veröffentlicht. Und später sind sie wiederholt neu gedruckt worden und auch in andern Ländern erschienen[50].
Zwei recht umständlich gebaute Sägewerke von Besson (Seite 40 und 41) sind für uns interessant, wegen der Zahnstellung und der Zahnform. Besson hängt in den Gatterrahmen, der bei ihm schon aus Eisen konstruiert ist (Seite 40) das erste Sägeblatt mit den Zahnspitzen nach unten, das zweite mit den Zahnspitzen nach oben, das dritte wieder nach unten und das vierte wieder nach oben. So will er erreichen, daß das Gatter beim Auf- wie beim Niedergang in je zwei Schnitten gleichmäßig belastet ist.
In einem andern Sägewerk (Seite 41) hängt Besson zwei Sägeblätter in den Gatterrahmen ein, und er gibt den Zähnen eine Form, die man als ein umgedrehtes M bezeichnen kann. Er erhält dadurch ein Sägeblatt, das in beiden Richtungen schneidet.
In dem Porträtbuch der Landauerschen Handwerkerstiftung in Nürnberg wird im Jahr 1571 ein Tischler abgebildet (Seite 42), in dessen Werkstatt wir eine Rahmensäge sehen. Die Form hat sich so herausgebildet, wie sie noch heute meist zu finden ist. Zwanzig Jahre später wird einer der Landauerschen Brüder, der nach der bildlichen Darstellung ein Säger war, als »Schalenschrodter« bezeichnet. Das Wort bezeichnet einen Handwerker, der mit der Schrotsäge Bretter sägt, die hauptsächlich zum Verschalen der Dächer verwendet wurden. Wir müssen bedenken, daß die Häuser des Kleinbürgers damals noch mit Holz gedeckt waren. Die Landauersche Stiftung, die von 1510 bis 1806 bestand, nahm ähnlich der Mendelschen (Seite 26) zwölf alte, arme Nürnberger Handwerker auf[51].
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts mehren sich die gedruckten Anweisungen zum Maschinenbau. Es sind große Tafelwerke, in denen die Ingenieure verschiedener Länder ihre Konstruktionen zeichnerisch niedergelegt und erläutert haben. In einer Handschrift zu einem solchen später gedruckten Maschinenbuch ist das hier auf Seite 43 dargestellte Sägewerk um 1580 von dem deutschen Ingenieur Strada gezeichnet worden[52].
Agostino Ramelli, Ingenieur des Königs von Frankreich, veröffentlichte 1588 in einem solchen Werk mehrere Sägegatter an denen die gleichschenklig, dreieckige Form der Sägezähne mit zwischenliegenden Unterbrechungen auffällt (Seite 44)[53]. Daß der Handwerker sich damals auch noch einfache Sägewerke zu bauen wußte, erkennen wir aus zwei Bildern, die der Italiener Veranzio um 1600 hinterlassen hat (Seite 45 und 46). Einmal ist eine Säge für Holz, das andere Mal eine Gattersäge für Stein dargestellt[54].
Der Antrieb der Sägewerke geschah, wie wir sehen, entweder von Hand oder durch Wasserkraft. Im Jahr 1592 gab der Holländer Cornelisz van Uitgeest den Windrad-Antrieb für Sägewerke an und seitdem haben sich die sogenannten Wind-Sägemühlen besonders in Holland bis auf den heutigen Tag erhalten. Im Jahr 1633 errichtete ein Holländer in der Nähe von London eine solche Mühle mit Windradbetrieb. Sie ging aber wieder ein und wurde später wiederholt neu errichtet. Es erhoben aber gegen diese Maschinen die Arbeiter Einspruch und zerstörten sie im Jahr 1768[55]. Auffallend spät finde ich den Antrieb eines Sägewerks durch Göpel. Es war die Konstruktion des als Nationalökonom bekannten Gelehrten Johann Joachim Becher. Er ging dabei von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus und betrieb das Sägewerk durch Ochsen, »die man in den Wald verfuhren kan / zu den Bäumen selbst; denn man kan mit leichterer Mühe / die geschnittenen Bretter verführen / als gantze Bäume«[56]. Erst 1857 hat man diesen Gedanken praktisch verwirklicht (Seite 64).
Im Jahr 1589 finde ich den ersten Hinweis auf eine gezahnte Säge aus Metall, die Metall schneiden kann. Giambattista della Porta, ein vermögender Edelmann aus Neapel, der lange Reisen im Ausland gemacht hatte, verfaßte in zweiter Auflage im Jahr 1589 ein Buch, darin er alles das sammelte, was er im Gegensatz zu der Masse seiner Zeitgenossen als »Natürliche Magie« ansah. So erklärte er eine ganze Reihe von physikalischen und technischen Vorgängen und zeigte durch Experimente, daß hier keinerlei Zauber und Hexerei vorkomme. Bei dieser Gelegenheit erwähnt er eine gehärtete »Säge aus dem Stahl«, die so kräftig sei, »daß sie Eisen schneide.« Dies ist sicherlich eine der frühsten, wenn nicht die frühste Nachricht von einer Kaltsäge.