Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band

Part 8

Chapter 83,556 wordsPublic domain

»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, redet er: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine falsche Rede. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt kein Jenseits‹; und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Jenseits giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Jenseits‹; das ist seine unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet er sich noch und verachtet[33] die anderen. So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung, Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn 403 es kein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Jenseits geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an nichts glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹

»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein Jenseits giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Jenseits giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Gesinnung. Und weil es eben ein Jenseits giebt, redet er: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es eben ein Jenseits giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Jenseits‹; und den Heiligen, die vom Jenseits wissen, denen stellt er sich nicht entgegen. Und weit es eben ein Jenseits giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Jenseits‹; das ist seine richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen 404 brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es ein Jenseits giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Jenseits geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht, an etwas glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Jenseits giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen spricht: was einer begeht, er begeht keine Schuld. Und wer da gleich mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machte, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht. Und wer auch am südlichen Ufer des Ganges verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte und quälen ließe, so hat er darum keine Schuld, begeht kein Unrecht: und wer auch am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, so hat er darum kein Verdienst, begeht nichts Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt man kein Verdienst, begeht nichts Gutes.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten: ›Was einer begeht und begehn lässt: wer 405 zerstört und zerstören lässt, wer quält und quälen lässt, wer Kummer und Plage schafft, wer schlägt und schlagen heißt, wer Lebendiges umbringt, Nichtgegebenes nimmt, in Häuser einbricht, fremdes Gut raubt, wer stiehlt, betrügt, Ehefrauen verführt, Lügen spricht: was einer begeht, er begeht Schuld. Und wer da etwa mit einer scharfgeschliffenen Schlachtscheibe alles Lebendige auf dieser Erde zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machte, der hat darum Schuld, begeht Unrecht. Und wer etwa am südlichen Ufer des Ganges verheerend und mordend dahinzöge, zerstörte und zerstören ließe, quälte und quälen ließe, der hat darum Schuld, begeht Unrecht: und wer etwa am nördlichen Ufer des Ganges spendend und schenkend dahinzöge, Almosen gäbe und geben ließe, der hat Verdienst, begeht Gutes. Durch Milde, Sanftmuth, Selbstverzicht, Wahrhaftigkeit erwirbt man Verdienst, begeht Gutes.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Freilich, o Herr!«

»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar es ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es ein Handeln giebt, redet er: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine falsche Rede. Denn obzwar es ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt kein Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er sich entgegen. Denn obzwar es ein Handeln giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt kein Handeln‹; das ist seine unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet er sich noch und verachtet die anderen. So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche 406 Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung. Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es kein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber ein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Handeln geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an kein Handeln glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹

»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben ein Handeln giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben ein Handeln giebt, sinnt er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Gesinnung. Und weil es eben ein Handeln giebt, redet er: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es eben ein Handeln giebt, behauptet er: ›Es giebt ein Handeln‹; und den Heiligen, die vom Handeln aussagen, denen stellt er sich nicht entgegen. Und weil es eben ein Handeln giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt ein Handeln‹; das ist seine richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er 407 was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes angenommen: das ist rechte Erkenntnis, rechte Gesinnung, rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.[34]

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es ein Handeln giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin kein Handeln geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht, an das Handeln glaubt.‘ Wenn es aber doch ein Handeln giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger erwirbt: und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Es giebt keinem Grund, es giebt keine Ursache der Verderbniss der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die Wesen verderbt. Es giebt keinen Grund, es giebt keine Ursache der Läuterung der Wesen; ohne Grund, ohne Ursache werden die Wesen lauter. Es giebt keine Macht und keine Kraft, es giebt keine Mannesgewalt und keine Mannestapferkeit. Alle Wesen, alle Lebendigen, alle Gewordenen, alle Geborenen sind willenlos, machtlos, kraftlos. Nothwendig kommen sie zustande und entwickeln sich zur Reife und empfinden je nach den sechs Arten von Dasein Wohl und Wehe.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Verderbniss der Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen verderbt. Es giebt einen Grund, es giebt eine Ursache der Läuterung der Wesen; aus Grund und Ursache werden die Wesen lauter. Es giebt Macht und Kraft, es giebt Mannesgewalt und Mannestapferkeit. Kein Wesen, kein Lebendiges, kein Gewordenes, kein Geborenes ist willenlos, machtlos, kraftlos. Nicht Nothwendigkeit ist es, wodurch die Wesen zustandekommen, sich zur Reife entwickeln und je nach den sechs Arten von Dasein Wohl und Wehe empfinden.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen 408 und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Gewiss, o Herr!«

»Da ist nun, Hausväter, von den einen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, aufgeben und den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss nicht merken. Denn obzwar es einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine falsche Erkenntniss. Denn obzwar es einen Grund giebt, sinnt er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine falsche Gesinnung. Denn obzwar es einen Grund giebt, redet er: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine falsche Rede. Denn obzwar es einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt keinen Grund‹; und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt er sich entgegen. Denn obzwar es einen Grund giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt keinen Grund‹; das ist seine unrichtige Belehrung. Und um dieser unrichtigen Belehrung willen brüstet er sich noch und verachtet die anderen. So hat er was da früher etwa Gutes an ihm war verleugnet und Schlechtes angenommen: das ist falsche Erkenntniss, falsche Gesinnung, falsche Rede, Widerstand gegen Heilige, unrichtige Belehrung, Eigenlob und Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen bösen, unheilsamen Dinge aus falscher Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es keinen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, heil ausgehn; wenn es aber einen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen. Mag es nun immerhin keinen Grund geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann zieht sich ja schon bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zu: ‚Es ist ein gewissenloser Mensch, der die Dinge falsch ansieht, an keinen Grund glaubt.‘ Wenn es aber doch einen Grund giebt, so hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel verloren: erst, weil er sich schon 409 bei Lebzeiten den Tadel Verständiger zuzieht; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre übel befolgt und bewahrt, nur ein Ziel gelten und das Gute verkümmern lassen.‹

»Da ist nun, Hausväter, von den anderen Asketen und Priestern zu erwarten, dass sie den schlechten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei unheilsamen Dinge, aufgeben und den guten Wandel in Werken, Worten und Gedanken, diese drei heilsamen Dinge, annehmen werden: und warum das? Weil ja jene lieben Asketen und Priester der unheilsamen Dinge Elend, Ungemach, Trübsal, und der heilsamen Dinge, der Entsagung vorzüglichen, läuternden Einfluss merken. Und weil es eben einen Grund giebt, erkennt ein solcher: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine rechte Erkenntniss. Und weil es eben einen Grund giebt, sinnt er: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine rechte Gesinnung. Und weil es eben einen Grund giebt, redet er: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine rechte Rede. Und weil es eben einen Grund giebt, behauptet er: ›Es giebt einen Grund‹; und den Heiligen, die vom Grunde aussagen, denen stellt er sich nicht entgegen. Und weil es eben einen Grund giebt, belehrt er die anderen: ›Es giebt einen Grund‹; das ist seine richtige Belehrung. Und um dieser richtigen Belehrung willen brüstet er sich nicht, verachtet nicht die anderen. So hat er was da früher etwa Schlechtes an ihm war verleugnet und Gutes angenommen: das ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, kein Widerstand gegen Heilige, richtige Belehrung, kein Eigenlob und kein Nächstentadel. Also entwickeln sich an ihm diese verschiedenen heilsamen Dinge aus rechter Erkenntniss.

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn es einen Grund giebt, so wird dieser liebe Mann bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen. Mag es nun immerhin keinen Grund geben, wahr soll das Wort jener lieben Asketen und Priester sein: aber dieser liebe Mann wird ja schon bei Lebzeiten von Verständigen gepriesen: ‚Es ist ein gewissenhafter Mensch, der die Dinge recht ansieht, an den Grund glaubt.‘ Wenn es aber doch einen Grund giebt so 410 hat dieser liebe Mann auf beiden Seiten das Spiel gewonnen: erst, weil er schon bei Lebzeiten den Preis Verständiger erwirbt; und dann, weil er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gelangen wird. Also hat er diese fraglose Lehre wohl befolgt und bewahrt, beide Ziele gelten und das Schlechte verkümmern lassen.‹

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Es giebt keine gänzlich formlosen Welten.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt gänzlich formlose Welten.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Freilich, o Herr!«

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzlich formlosen Welten‘, so hab’ ich das nicht gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘, so hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich mich nun, ohne es erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig für eines entschiede, ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so stände mir das übel an. Ist es nun wahr, was da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzlich formlosen Welten‘, so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die formhaft sinnlich bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei; ist aber das wahr, was da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt gänzlich formlose Welten‘, so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die formlos wahrnehmbar bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei. Wo es nun Form giebt, da giebt es Wüthen und Blutvergießen, Krieg und Zwietracht, Zank und Streit, Lug und Trug: das aber giebt es ganz und gar nicht in formloser Welt.‹ Also überlegend wird er eben der Formen überdrüssig, wendet sich ab, löst sich los.

»Es giebt, Hausväter, manche Asketen und Priester, die sagen und lehren: ›Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins.‹ Nun sagen aber, Hausväter, manche Asketen und Priester gerade das Gegentheil davon und behaupten: ›Es giebt eine gänzliche 411 Auflösung des Daseins.‹ Was meint ihr wohl, Hausväter: sagen da nicht die einen Asketen und Priester gerade das Gegentheil von dem, was die anderen sagen?«

»Allerdings, o Herr!«

»Da überlegt nun, Hausväter, ein verständiger Mann: ›Wenn da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so hab’ ich das nicht gesehn; und wenn da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so hab’ ich das nicht erfahren. Doch wenn ich mich nun, ohne es erfahren, ohne es gesehn zu haben, einzig für eines entschiede, ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‘, so stände mir das übel an. Ist es nun wahr, was da die einen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl sein, dass mir unter den Göttern, die formlos wahrnehmbar bestehn, ein Wiederdasein fraglos erreichbar sei; ist aber das wahr, was da die anderen lieben Asketen und Priester sagen und lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, so kann es wohl sein, dass mir noch bei Lebzeiten Wahnerlöschung erreichbar sei. Den Asketen und Priestern nun, die da sagen und lehren ‚Es giebt keine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen gereicht diese Lehre zum Reize, zur Lockung, zur Freude, zum Behagen, zum Anhalt: den Asketen und Priestern aber, die da sagen und lehren ‚Es giebt eine gänzliche Auflösung des Daseins‘, denen gereicht diese Lehre nicht zum Reize, nicht zur Lockung, nicht zur Freude, nicht zum Behagen, nicht zum Anhalt.‹ Also überlegend wird er eben des Daseins überdrüssig, wendet sich ab, löst sich los.

* * * * *

»Vier Arten von Menschen, Hausväter, finden sich hier in der Welt vor: welche vier? Da ist, Hausväter, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer ein Selbstquäler, ist der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, und er ist ein Nächstenquäler, ist der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben; da ist, Hausväter, einer weder ein Selbstquäler, ist nicht der Uebung der Selbstquaal eifrig ergeben, noch ist er ein Nächstenquäler, ist nicht der Uebung der Nächstenquaal eifrig ergeben: ohne Selbstquaal, ohne 412 Nächstenquaal ist er schon bei Lebzeiten ausgeglüht, erloschen, kühl geworden, fühlt sich wohl, heilig geworden im Herzen.