Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band

Part 5

Chapter 53,770 wordsPublic domain

»Welche dieser drei Arten aber, Tapassī, von Streichen, die also eingetheilt, also unterschieden werden, giebt der Freie Bruder Nāthaputto als übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: die Streiche in Werken, oder die Streiche in Worten, oder die Streiche in Gedanken?«

»Von diesen drei Arten, Bruder Gotamo, der Streiche, die also eingetheilt, also unterschieden werden, giebt der Freie Bruder Nāthaputto die Streiche in Werken als übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: nicht so sehr die Streiche in Worten, nicht so sehr die Streiche in Gedanken.«

»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«

»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«

»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«

»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«

»Die Streiche in Werken, sagst du, Tapassī?«

»Die Streiche in Werken, sag’ ich, Bruder Gotamo.«

Also ließ da der Erhabene Dīghatapassī den Freien Bruder diese Frage des Gesprächs dreimal bestimmt beantworten. Und nun 373 wandte sich Dīghatapassī der Freie Bruder an den Erhabenen und fragte:

»Du aber, Bruder Gotamo: wieviel Arten von Streichen giebst du als möglich an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn?«

»Nicht steht es, Tapassī, dem Vollendeten an, eine Handlung schlechthin als Streich zu bezeichnen: als That schlechthin, Tapassī, steht es dem Vollendeten an, eine Handlung zu bezeichnen.«

»Wieviel Arten, Bruder Gotamo, von Thaten giebst du also als möglich an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn?«

»Drei Arten, Tapassī, von Thaten gebe ich als möglich an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: nämlich Thaten in Werken, Thaten in Worten, Thaten in Gedanken.«

»Wie denn, Bruder Gotamo: sind Thaten in Werken Eines, und Thaten in Worten ein Anderes, und Thaten in Gedanken wieder ein Anderes?«

»Eines, Tapassī, sind Thaten in Werken, und ein Anderes Thaten in Worten, und wieder ein Anderes Thaten in Gedanken.«

»Welche dieser drei Arten aber, Bruder Gotamo, von Thaten, die also eingetheilt, also unterschieden werden, giebst du als übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: die Thaten in Werken, oder die Thaten in Worten, oder die Thaten in Gedanken?«

»Von diesen drei Arten, Tapassī, der Thaten, die also eingetheilt, also unterschieden werden, gebe ich die Thaten in Gedanken als übelste an, um böse That zu thun, um böse That zu begehn: nicht so sehr die Thaten in Werken, nicht so sehr die Thaten in Worten.«

»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«

»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«

»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«

»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«

»Die Thaten in Gedanken, sagst du, Bruder Gotamo?«

»Die Thaten in Gedanken, sag’ ich, Tapassī.«

Also ließ da Dīghatapassī der Freie Bruder den Erhabenen diese Frage des Gesprächs dreimal bestimmt beantworten. Dann stand er von seinem Stuhle auf und begab sich zu Nāthaputto dem Freien Bruder.

Zu dieser Zeit nun saß der Freie Bruder Nāthaputto inmitten einer großen Schaar von Hausleuten, die ihm thöricht zugethan waren, Upāli zuvörderst. Und der Freie Bruder Nāthaputto sah Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als er ihn gesehn rief er ihm zu:

»Ei, wo kommst du denn her, Tapassī, so zeitig am Nachmittag?«

»Von dort, o Herr, vom Asketen Gotamo komme ich.«

»Hast du wohl, Tapassī, mit dem Asketen Gotamo irgend eine Unterredung gehabt?«

»Allerdings hab’ ich, o Herr, mit dem Asketen Gotamo eine 374 Unterredung gehabt.«

»Was war denn das, Tapassī, für eine Unterredung, die du mit dem Asketen Gotamo gehabt hast?«

Da berichtete nun Dīghatapassī der Freie Bruder Wort für Wort das ganze Gespräch, das er mit dem Erhabenen geführt hatte, dem Freien Bruder Nāthaputto. Hierauf sprach der Freie Bruder Nāthaputto also zu Dīghatapassī dem Freien Bruder:

»Gut, gut, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da Tapassī der Freie Bruder dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

Auf diese Worte wandte sich Upāli der Hausvater also an den Freien Bruder Nāthaputto:

»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da der erlauchte Tapassī dem Asketen Gotamo Bescheid gegeben. Was gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich. Wohlan, o Herr, auch ich will gehn und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort nehmen. Wenn mir da der Asket Gotamo ebenso entgegentritt, wie er dem erlauchten Tapassī entgegengetreten ist, so werde ich den Asketen Gotamo, gleichwie etwa ein starker Mann einen langhaarigen Widder bei den Haaren ergreifen, heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa der starke Knecht eines Branntweinbrenners das große Filtriergeflecht in einen tiefen Wasserpfuhl werfen, am einen Ende festhalten, heranziehn, herumziehn, rings herumziehn mag, so werde auch ich den Asketen Gotamo mit der Rede heranziehn, herumziehn, rings herumziehn; oder gleichwie etwa ein rüstiger Branntweinsäuberer das Destilliersieb am Henkel packen, hinschwenken, herschwenken, ausseihen mag, so werde auch ich den Asketen Gotamo mit der Rede hinschwenken, herschwenken, ausseihen; oder 375 gleichwie etwa ein sechzigjähriger Elephant in einen tiefen Lotusweiher steigt und ein sogenanntes Spritzbad zur Erholung vornimmt, so gedenke auch ich mit dem Asketen Gotamo eine Art Spritzbad zur Erholung vorzunehmen. Wohlan, o Herr, auch ich will gehn und den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort nehmen.«

»Gehe du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie Bruder, sei es du.«

Auf diese Worte des Freien Bruders Nāthaputto erwiderte Dīghatapassī der Freie Bruder:

»Das gefällt mir wahrlich nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie Bruder, sei es du.«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach Dīghatapassī der Freie Bruder also zum Freien Bruder Nāthaputto:

»Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Der Asket Gotamo, o Herr, ist ja listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehre: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehre. Gehe du, Hausvater, und nimm den Asketen Gotamo in einem solchen Gespräche beim Wort: sei es ich eben, Hausvater, der den Asketen Gotamo beim Wort nimmt, sei es Dīghatapassī der Freie Bruder, sei es du.«

»Recht so, Herr!« entgegnete da Upāli der Hausvater dem Freien Bruder Nāthaputto. Dann stand er von seinem Stuhle auf, begrüßte den Freien Bruder Nāthaputto ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich nach dem Mangohaine Pāvārikos, dorthin wo 376 der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun Upāli der Hausvater also an den Erhabenen:

»Ist wohl, o Herr, Dīghatapassī der Freie Bruder hiergewesen?«

»Hiergewesen ist, Hausvater, Dīghatapassī der Freie Bruder.«

»Und hast du, o Herr, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein Gespräch geführt?«

»Ich habe, Hausvater, mit Dīghatapassī dem Freien Bruder ein Gespräch geführt.«

»Und was war das, o Herr, für ein Gespräch, das du mit Dīghatapassī dem Freien Bruder geführt hast?«

Da berichtete nun der Erhabene dem Hausvater Upāli Wort für Wort das ganze Gespräch mit Dīghatapassī dem Freien Bruder. Also berichtet erwiderte Upāli der Hausvater dem Erhabenen:

»Gut, gut ist, o Herr, Tapassī: wie ein erfahrener Jünger, der des Meisters Lehre von Grund aus versteht, hat eben da Dīghatapassī der Freie Bruder dem Erhabenen Bescheid gegeben. Was gilt wohl ein erbärmlicher Gedankenstreich im Vergleiche zu dem so gewichtigen Werkstreich? Vielmehr ist ein Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Wenn du dich, Hausvater, bei der Rede an die Wahrheit halten willst, so mag da unter uns ein Gespräch statthaben.«

»An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch statthaben!«

»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder, der unwohl, leidend, schwerkrank ist und frisches Wasser abweist, nur warmes Wasser gebraucht[17]; und weil er kein frisches Wasser erhielte stürbe er. Wo aber, Hausvater, sagt da der Freie Bruder Nāthaputto, erscheine ein solcher wieder?«

»Es giebt, o Herr, Götter, die heißen ›gedankenhaft‹: da erscheint ein solcher wieder.«

»Und warum das?«

»Weil er ja, o Herr, gedankenergeben gestorben ist.«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater, antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du, Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: es sei da ein Freier Bruder, 377 vierfach gezügelt in fester Zucht, der sich jeden Born verbietet, jeden Born verwehrt, jeden Born verweist, jeden Born versagt; und während er kommt und geht tritt er da viele kleine Wesen zutode. Was aber, Hausvater, sagt da der Freie Bruder Nāthaputto, sei die Folge davon?«

»Was ohne Absicht geschieht, o Herr, sagt der Freie Bruder Nāthaputto, ist nicht so sehr von Uebel.«

»Wenn es aber, Hausvater, mit Absicht geschieht?«

»Dann, o Herr, ist es sehr von Uebel.«

»Die Absicht aber, Hausvater, giebt der Freie Bruder Nāthaputto als was an?«

»Als Gedankenstreich, o Herr!«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater, antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du, Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: dieses Nāḷandā blüht und gedeiht, ist volkreich, von vielen Menschen bewohnt?«

»Gewiss, o Herr: dieses Nāḷandā blüht und gedeiht, ist volkreich, von vielen Menschen bewohnt.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Mann herankäme, mit einem gezückten Schwerdte in der Hand, und spräche also: ›Ich werde was es auch an Lebendigen hier in Nāḷandā giebt in einem Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei machen‹; was meinst du wohl, Hausvater: vermöchte nun etwa dieser Mann was es auch an Lebendigen hier in Nāḷandā giebt in einem Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei zu machen?«

»Selbst zehn Mann, o Herr, selbst zwanzig Mann, selbst dreißig Mann, selbst vierzig Mann, selbst fünfzig Mann reichten nicht hin was es hier in Nāḷandā an Lebendigen giebt in einem Augenblick, in einem Nu zu einer einzigen Masse Mus, zu einer einzigen Masse Brei zu machen: was gälte da nur ein erbärmlicher Mann?«

»Was meinst du wohl, Hausvater: wenn da ein Asket oder ein Priester herankäme, machtbegabt, geistesgewaltig, und spräche also: ›Ich werde dieses Nāḷandā mit einem einzigen Zorngedanken zu Asche machen‹; was meinst du wohl, Hausvater: vermöchte nun etwa ein solcher Asket oder Priester dieses Nāḷandā mit einem einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen?«

»Selbst zehn Nāḷandā, o Herr, selbst zwanzig Nāḷandā, selbst 378 dreißig Nāḷandā, selbst vierzig Nāḷandā, selbst fünfzig Nāḷandā vermöchte ein solcher Asket oder Priester mit einem einzigen Zorngedanken zu Asche zu machen: was gälte da nur ein erbärmliches Nāḷandā?«[18]

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater, antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du, Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch statthaben!‹«

»Wenn auch, o Herr, der Erhabene solches sagt, so ist gleichwohl der Werkstreich bei weitem der üblere, um böse That zu thun, um böse That zu begehn, und nicht so sehr der Wortstreich, und nicht so sehr der Gedankenstreich.«

»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du reden hören: ›Der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald ist öder Urwald geworden‹?«

»Gewiss, o Herr: ich habe reden hören: ›Der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald ist öder Urwald geworden.‹«

»Was meinst du wohl, Hausvater: hast du vielleicht reden hören, wodurch der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden ist?«

»Ich habe reden hören, o Herr: ›Durch der Seher Zorngedanken ist der Daṇḍaker-Wald, der Mejjher-Wald, der Kāliṉger-Wald, der Mātaṉger-Wald öder Urwald geworden‹.«

»Hausvater, Hausvater, denke wohl nach, und dann, Hausvater, antworte: denn es geht dir mit dem Ersten das Letzte nicht zusammen, oder mit dem Letzten nicht das Erste. Doch hast du, Hausvater, also gesprochen: ›An die Wahrheit, o Herr, werde ich mich bei der Rede halten: möge da unter uns ein Gespräch statthaben!‹«

»Schon durch das erste Gleichniss, o Herr, hat mich der Erhabene zufrieden und froh gemacht: aber ich wollte noch diese reichlichen Fragen und Erklärungen vom Erhabenen hören; und so dacht’ ich mir, ich dürfte dem Erhabenen Gegenrede geben.[19] -- Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre von vielen Seiten beleuchtet. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich 379 der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

»Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist bei wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.«[20]

»Dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene nur noch viel mehr zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir spricht: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist bei wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.‹ Denn als mich, o Herr, die anderen Asketen zum Jünger gewonnen, da mochten sie mich in ganz Nāḷandā als Fahne herumtragen: ›Upāli der Hausvater hat sich zu unserem Jüngerthum bekehrt!‹ Doch der Erhabene spricht nun also zu mir: ›Ueberleg’ es dir, Hausvater, gehörig: Ueberlegung ist bei wohlbekannten Leuten euersgleichen rathsam.‹ Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum zweiten Mal beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

»Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien Brüdern gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um Almosen zu dir kommen, milde gedenken mögst.«

»Auch dadurch hat mich, o Herr, der Erhabene noch viel mehr zufrieden und froh gemacht, dass der Erhabene also zu mir spricht: ›Lange Zeit ist, Hausvater, dein Thor den Freien Brüdern gastlich offen gewesen, so dass du ihrer, die um Almosen zu dir kommen, milde gedenken mögst.‹ Ich habe mir sagen lassen, o Herr: ›Der Asket Gotamo spricht also: ‚Mir nur ist Gabe darzubringen, nicht den anderen; nur meinen Jüngern ist Gabe darzubringen, nicht den Jüngern anderer; nur die mir dargebrachte Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den anderen dargebrachte Gabe; nur die meinen Jüngern dargebrachte Gabe lässt hohen Lohn erlangen, nicht die den Jüngern anderer dargebrachte Gabe.‘‹ Doch der Erhabene ermahnt mich nun, auch den Freien Brüdern Gabe zu geben. Gewiss, o Herr: wir werden da schon der Zeit achthaben. Und so nehm’ ich denn, o Herr, zum dritten Mal beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich der Erhabene betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

Da hat denn der Erhabene Upāli den Hausvater allmälig in das Gespräch eingeführt, sprach erst mit ihm vom Geben, von der Tugend, von säliger Welt, machte des Begehrens Elend, Ungemach, Trübsal, und der Entsagung Vorzüglichkeit offenbar. Als der Erhabene merkte, dass Upāli der Hausvater im Herzen bereitsam, geschmeidig, unbehindert, aufgerichtet, heiter geworden 380 war, da gab er die Darlegung jener Lehre, die den Erwachten eigenthümlich ist: das Leiden, die Entwicklung, die Auflösung, den Weg.

Gleichwie etwa ein reines Kleid, von Flecken gesäubert, vollkommen die Färbung annehmen mag, ebenso auch ging da Upāli dem Hausvater, während er noch da saß, das abgeklärte, abgespülte Auge der Wahrheit auf:

›Was irgend auch entstanden ist Muss alles wieder untergehn.‹

Und Upāli der Hausvater, der die Wahrheit gesehn, die Wahrheit gefasst, die Wahrheit erkannt, die Wahrheit ergründet hatte, zweifelentronnen, ohne Schwanken, in sich selber gewiß, auf keinen anderen gestützt im Orden des Meisters, der wandte sich nun an den Erhabenen also:

»Wohlan denn, jetzt, o Herr, wollen wir gehn: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, Hausvater, belieben mag.«

Und Upāli der Hausvater, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand auf von seinem Stuhle, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und begab sich nach Hause. Zu Hause angekommen befahl er dem Pförtner:

»Von heute an, guter Pförtner, ist meine Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern verschlossen: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen.[21] Wenn da ein Freier Bruder herankommt, so hast du einem solchen zu sagen: ›Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es dir hierher bringen.‹«

»Jawohl, Herr!« erwiderte da gehorsam der Pförtner Upāli dem Hausvater.

* * * * *

Es hörte nun Dīghatapassī der Freie Bruder das Gerede: ›Upāli, sagt man, der Hausvater, soll sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt haben!‹ Und Dīghatapassī der Freie Bruder begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto und sprach also zu ihm:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī 381 der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Das Gerücht, o Herr, ist mir zu Ohren gekommen, Upāli der Hausvater habe sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt.«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

»So will ich denn hingehn, o Herr, um zu erfahren, ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

»Gehe hin, Tapassī, und überzeuge dich, ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

Und Dīghatapassī der Freie Bruder machte sich nun auf den Weg zur Wohnung des Hausvaters Upāli. Es sah aber der Pförtner Dīghatapassī den Freien Bruder von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Bleibe, o Herr, wolle nicht eintreten: von heute an hat sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Verschlossen ist die Pforte den Freien Brüdern und Freien Schwestern: unverschlossen ist sie den Jüngern des Erhabenen, den Mönchen und Nonnen, den Anhängern und Anhängerinen. Wenn du, o Herr, Almosen bedarfst, so bleibe nur hier: man wird es dir hierher bringen.«

»Ich brauche, o Freund, kein Almosen« sagte er, kehrte um, begab sich zum Freien Bruder Nāthaputto zurück und sprach also zu ihm:

»Wahr ist es wirklich, o Herr, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt hat. Und du hast es mir, o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe.«

Und zum zweiten Mal, und zum dritten Mal sprach Dīghatapassī der Freie Bruder zum Freien Bruder Nāthaputto also:

»Es ist wirklich wahr, o Herr: Upāli der Hausvater hat sich zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt. Und du hast es mir, 382 o Herr, nicht zugestanden, als ich sagte: ›Es gefällt mir durchaus nicht, o Herr, dass Upāli der Hausvater den Asketen Gotamo beim Wort nehmen soll. Denn der Asket Gotamo, o Herr, ist listig, versteht verlockende List, wodurch er die Jünger anderer Asketen anlockt.‹ Und weggelockt ist dir, o Herr, Upāli der Hausvater worden vom Asketen Gotamo durch verlockende List!«

»Unmöglich ist es, wahrlich, Tapassī, es kann nicht sein, dass sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt habe: möglich aber ist es wohl, dass sich der Asket Gotamo zum Jüngerthum des Hausvaters Upāli bekehrt habe. So will ich denn hingehn, Tapassī, und mich selbst überzeugen, ob sich Upāli der Hausvater zum Jüngerthum des Asketen Gotamo bekehrt oder nicht bekehrt hat.«

Und der Freie Bruder Nāthaputto zog nun in Begleitung einer großen Schaar Freier Brüder zur Wohnung des Hausvaters Upāli hin. Und es sah der Pförtner den Freien Bruder Nāthaputto von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm: