Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band

Part 42

Chapter 423,463 wordsPublic domain

»Fünf giebt es, Brāhmane, der Hemmungen: welche fünf? Die Hemmung durch Wunscheswillen, die Hemmung durch Hassensgroll, die Hemmung durch matte Müde, die Hemmung durch stolzen Unmuth, die Hemmung durch Schwanken. Das sind, Brāhmane, die fünf Hemmungen. In diese fünf Hemmungen, Brāhmane, ist der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, eingeschlossen, eingeschnürt, verzogen und verwickelt. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. Fünf giebt es, Brāhmane, der Begehrungen: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, 636 entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Brāhmane, die fünf Begehrungen. Diesen fünf Begehrungen, Brāhmane, hat sich der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, verlockt, geblendet, anheimgefallen, ohne das Elend zu sehn, ohne an Entrinnung zu denken, hingegeben. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. -- Was meinst du wohl, Brāhmane: wenn Feuer, durch Heu und Holz genährt, entfacht würde; oder wenn Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfacht würde: welches von beiden hätte da Flamme und Glanz und Leuchtkraft?«

»Wär’ es möglich, o Gotamo, Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, zu entfachen, so hätte auch dieses Feuer Flamme und Glanz und Leuchtkraft.«

»Unmöglich ist es, Brāhmane, es kann nicht sein, dass Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfacht werde, es sei denn durch magische Macht. Gleichwie nun, Brāhmane, als ob man Feuer, durch regengetränktes Heu und Holz genährt, entfachte, erscheint mir, Brāhmane, eine Heiterkeit, durch die fünf Begehrungen genährt.[270] Gleichwie nun, Brāhmane, als ob man Feuer, durch Heu und Holz genährt, entfachte, erscheint mir, Brāhmane, eine Heiterkeit, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen. Was ist das aber, Brāhmane, für eine 637 Heiterkeit, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen? Da weilt, Brāhmane, ein Mönch, eben fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das ist nun, Brāhmane, eine Heiterkeit gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen.

»Weiter sodann, Brāhmane: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das ist nun, Brāhmane, eine Heiterkeit gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen.

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: welche davon erklären sie als die wirksamste, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben?«

»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: Entsagung erklären sie davon als am wirksamsten, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben.«

»Was meinst du wohl, Brāhmane: es habe da irgend ein Priester eine große Opferfeier vorbereitet, und es kämen zwei andere Priester heran: ›Wir wollen dem Opferfeste dieses Priesters beiwohnen.‹ Und der eine der beiden gedächte bei sich: ›Ach dass mir doch bei dem Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zufiele, und nicht etwa einem anderen Priester!‹ Möglich, Brāhmane, dass einem anderen Priester beim Mahle der beste Sitz, das beste Wasser, der beste Bissen zugetheilt werde, und nicht ihm. Und er würde erbittert und missvergnügt: ›Ein anderer Priester hat beim Mahle den besten 638 Sitz, das beste Wasser, den besten Bissen erhalten, nicht ich!‹ Was geben nun wohl, Brāhmane, die Priester als Vergeltung dafür an?«

»Nicht reichen ja, o Gotamo, die Priester also Almosen: ›Dadurch soll der Nächste erbittert und missvergnügt werden‹, sondern sie reichen, o Gotamo, eben aus Mitleid Almosen.«

»Ist es also, Brāhmane, so haben die Priester diesen sechsten Anlass Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«

»Also ist es, o Gotamo, dass die Priester diesen sechsten Anlass haben Gutes zu thun, nämlich aus Mitleid.«

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: wo hast du diese zumeist angetroffen, bei Hausleuten oder bei den Pilgern?«

»Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz und gar der Wahrhaftigkeit zugethan. Wer im Hause lebt, o Gotamo, ist ja viel bethätigt, viel beschäftigt, viel besorgt, viel bemüht, nicht jederzeit ganz und gar bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll. Wer aber dem Hause fern steht, o Gotamo, ist wenig bethätigt, wenig beschäftigt, wenig besorgt, wenig bemüht, jederzeit ganz 639 und gar der Buße, der Keuschheit, der Andacht, der Entsagung zugethan. Was da, o Gotamo, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: diese hab’ ich zumeist bei den Pilgern angetroffen, wenig bei Hausleuten.«

»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch wahrhaftig, und ›Ich bin wahrhaftig‹ weiß er und gewinnt Verständnis des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Da ist, Brāhmane, ein Mönch bußhaft, keusch, andächtig, entsagungsvoll, und er weiß es und gewinnt Verständniss des Sinnes, Verständniss der Wahrheit, verständnissreife Wahrheitwonne; und was da heilsame Wonne ist, das heiß’ ich des Herzens Geräth, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet. Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: des Herzens Geräthe heiße ich diese, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet.«

Nach diesen Worten wandte sich Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, also an den Erhabenen:

»Reden hab’ ich hören, o Gotamo: ›Der Asket Gotamo kennt den Weg, der zu Brahmā führt.‹« 640

»Was meinst du wohl, Brāhmane: ist Naḷakāram das Dorf nahebei, liegt es unweit von hier?«

»Freilich, Herr, ist Naḷakāram das Dorf nahebei, es liegt unweit von hier.«

»Was meinst du wohl, Brāhmane: es sei da ein Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, und man fragte ihn, wie weit es noch des Weges nach Naḷakāram sei: würde da etwa, Brāhmane, dieser Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, um den Weg nach Naḷakāram gefragt, irgend zögern oder zaudern?«

»Gewiss nicht, o Gotamo!«

»Und warum nicht?«

»Der Mann ist ja, o Gotamo, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen: so kennt er denn alle die Wege nach Naḷakāram genau.«

»Doch könnte, Brāhmane, dieser Mann, in Naḷakāram von Geburt auferwachsen, um den Weg nach Naḷakāram gefragt, irgend zögern oder zaudern: nicht aber kann der Vollendete, um die Brahmawelt oder den Pfad, der zur Brahmawelt führt, gefragt, irgend zögern oder zaudern. Den Brahmā kenn’ ich, Brāhmane, und die Brahmawelt und den Pfad, der zur Brahmawelt führt, und auf welche Weise man in brahmische Welt gelangt, auch das kenn’ ich.«

»Reden hab’ ich hören, o Gotamo: ›Der Asket Gotamo zeigt den Weg, der zu Brahmā führt.‹ O dass mir doch Herr Gotamo den Weg zeigte, der zu Brahmā führt!«

»Wohlan denn, Brāhmane, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, Herr!« erwiderte da aufmerksam Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, dem Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Was ist das also, Brāhmane, für ein Weg, der zu Brahmā führt? Da strahlt, Brāhmane, ein Mönch liebevollen Gemüthes weilend 641 nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. In also geübter liebevoller Gemütherlösung, Brāhmane, kann beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Gleichwie etwa, Brāhmane, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Brāhmane, kann in also geübter liebevoller Gemütherlösung beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Das aber ist, Brāhmane, der Weg, der zu Brahmā führt.

»Weiter sodann, Brāhmane: erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes, unbewegten Gemüthes weilend strahlt ein Mönch nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. In also geübter erbarmender, freudevoller, unbewegter Gemütherlösung, Brāhmane, kann beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, nicht mehr bestehn. Gleichwie etwa, Brāhmane, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Brāhmane, kann in also geübter erbarmender, freudevoller, unbewegter Gemütherlösung beschränktes Werk nicht mehr übrig bleiben, 642 nicht mehr bestehn. Das aber ist, Brāhmane, der Weg, der zu Brahmā führt.«

* * * * *

Nach dieser Rede sprach Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsternis brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar manigfach dargelegt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu. -- Wohlan denn, o Gotamo, jetzt wollen wir aufbrechen: manche Pflicht wartet unser, manche Obliegenheit.«

»Wie es dir nun, Brāhmane, belieben mag.«

Und Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand auf von seinem Sitze, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und entfernte sich.

Um diese Zeit aber fuhr Jāṇussoṇi der Priester in einem weißen Zeltwagen aus Sāvatthī hinaus, am Nachmittage. Da sah Jāṇussoṇi der Priester den jungen Brāhmanen Subho, den Sohn Todeyyos, von ferne herankommen, und als er ihn gesehn sprach er also zu ihm:

»Sieh’ da, wo kommt denn der verehrte Bhāradvājo[271] her, in der Sonne des Nachmittags?«[272]

»Von dort, Lieber, vom Asketen Gotamo komme ich.«

»Was meint wohl Herr Bhāradvājo: hat der Asket Gotamo große 643 Geisteskraft? Man hält ihn für weise.«

»Wer bin ich, Lieber, dass ich über die große Geisteskraft des Asketen Gotamo urtheilen sollte? Der müsste ihm wohl gleichen, der die große Geisteskraft des Asketen Gotamo kennte!«

»Gewaltig, fürwahr, preist Herr Bhāradvājo das Lob des Asketen Gotamo!«

»Wer bin ich, Lieber, dass ich den Asketen Gotamo preisen sollte? Von Gepriesenen gepriesen wird Herr Gotamo, der Höchste der Götter und Menschen. Und was da, Lieber, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: nur des Herzens Geräthe sind es, hat Herr Gotamo gesagt, wo das Herz ohne Grimm, ohne Groll darauf hinarbeitet.«

* * * * *

Also berichtet stieg Jāṇussoṇi der Priester von seinem weißen Zeltwagen herab, entblößte eine Schulter, verneigte sich ehrerbietig nach der Richtung wo der Erhabene weilte, und ließ dann den Gruß ertönen:

»Gesegnet ist König Pasenadi von Kosalo, Hochgesegnet ist König Pasenadi von Kosalo, In dessen Reiche Der Vollendete weilt, Der Heilige, vollkommen Erwachte.« [273]

100.

Zehnter Theil Zehnte Rede

SAṈGĀRAVO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande Kosalo von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet. 644

Um diese Zeit nun lebte Dhanañjānī, das Weib eines Priesters, zu Paccalakappam, gläubig ergeben dem Meister, der Lehre und den Jüngern.[274]

Da hielt denn Dhanañjānī das Priesterweib mit ihrer Arbeit inne und ließ dreimal den Gruß ertönen:

»Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!

»Verehrung dem Erhabenen, Dem heilig auferwachten Herrn!«

Damals aber war Saṉgāravo, ein junger Brāhmane, nach Paccalakappam gezogen, ein Meister der drei Veden, sammt ihrer Auslegung und Deutung, sammt ihrer Laut- und Formenlehre, und ihren Sagen zufünft, der Gesänge kundig und ein Erklärer, der die Merkmale eines großen Weltweisen aufwies.

Und Saṉgāravo der junge Brāhmane hatte gehört wie Dhanañjānī das Priesterweib also gesprochen, und er wandte sich zu ihr:

»Verkümmert ist dieses Priesterweib Dhanañjānī, verkommen ist dieses Priesterweib Dhanañjānī, das ja da, wo es Priester, Kenner der drei Veden giebt, jenen kahlgeschorenen Asketen preisen mag!«[275]

»Nicht kennst du ja doch, guter Freund, des Erhabenen Tugend und Weisheit: wenn du, guter Freund, des Erhabenen Tugend und Weisheit kenntest, so würdest du, guter Freund, nicht daran denken, Ihn, den Erhabenen zu schmähen und zu schelten.«

»Wohl denn, liebe Frau: wenn einmal der Asket Gotamo nach Paccalakappam kommt, so lass’ es mir sagen!«

»Gern, guter Freund!« erwiderte da Dhanañjānī das Priesterweib Saṉgāravo dem jungen Brāhmanen.

* * * * *

Und der Erhabene wanderte im Lande Kosalo von Ort zu Ort weiter und gelangte allmälig nach Paccalakappam.

Zu Paccalakappam weilte nun der Erhabene, im Mangohaine der 645 Todeyyer Priester.

Da hörte Dhanañjānī das Priesterweib reden: ›Der Erhabene ist in Paccalakappam angekommen, weilt bei Paccalakappam, im Mangohaine der Todeyyer Priester!‹

Und Dhanañjānī das Priesterweib begab sich zu Saṉgāravo dem jungen Brāhmanen hin und meldete ihm:

»Er ist hier, guter Freund! In Paccalakappam ist der Erhabene angekommen, weilt bei Paccalakappam, im Mangohaine der Todeyyer Priester: wie es dir nun, guter Freund, belieben mag.«

»Schön, liebe Frau!« sagte da freundlich Saṉgāravo der junge Brāhmane zu Dhanañjānī dem Priesterweib.

Und er begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Saṉgāravo der junge Brāhmane zum Erhabenen also:

»Es giebt, o Gotamo, manche Asketen und Priester, die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben. Zu welchen aber, o Gotamo, von diesen Asketen und Priestern, die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, gehört da Herr Gotamo?«

»Die der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben sind eben, sag’ ich, Bhāradvājo[276], verschieden geartet. Es giebt, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, die wissen vom Hörensagen her und glauben, durch Hörensagen der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben; gleichwie etwa die Dreivedenpriester. Es giebt auch, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, die ganz aus eigenem Dünken der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben; gleichwie etwa die Grübler und Forscher.[277] Es giebt, Bhāradvājo, manche Asketen und Priester, die bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit 646 eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben. Zu den Asketen und Priestern, Bhāradvājo, die da bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, zu denen gehör’ ich. Darum muss man es nun, Bhāradvājo, dem Verhältniss entsprechend beurtheilen, wie zu den Asketen und Priestern, die bei nie zuvor erfahrenen Dingen die Wahrheit eben selbst erkannt und der Erkenntniss letzte Vollendung, das Urasketenthum hienieden erreicht zu haben glauben, auch ich gehöre.«[278]

»Ernstlich hat sich wohl Herr Gotamo darum bemüht, ehrlich hat 664 sich wohl Herr Gotamo darum bemüht, wie das einem Heiligen, vollkommen Erwachten ansteht. -- Sagt mir doch, Herr Gotamo: giebt es Götter?«

»Deutlich merkt man es ja, Bhāradvājo, ob es Götter giebt.«

»Wie denn, o Gotamo: auf die Frage ›Giebt es Götter‹ antwortest du ›Deutlich merkt man es ja, Bhāradvājo, ob es Götter giebt‹; dann also ist es, o Gotamo, bloße Lüge?«

»‚Giebt es Götter‘, wer also, Bhāradvājo, gefragt, ›Es giebt Götter‹ sagte, und wer ›Deutlich merkt man es ja‹ sagte: ein verständiger Mann wird da wohl den nämlichen Schluss ziehn, ob es Götter giebt.«

»Warum aber hat mir Herr Gotamo nicht sogleich Bescheid gegeben?«

»Der Edle ist einig geworden, Bhāradvājo, in der Welt, ob es Götter giebt.«

* * * * *

Nach diesen Worten sprach Saṉgāravo der junge Brāhmane zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger 665 möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

ANMERKUNGEN

[* _Saṃyuttakanikāyo_ vol. III. p. 138 (übers. Buddhist. Anthol. S. 188). Aehnlich in der hundertsten Rede der vorliegenden Sammlung, gegen Ende, sowie an anderen Orten.]

[** Eine nicht unwillkommene Beglaubigung der einheimischen Urkunden haben jene vortrefflichen Griechen geliefert, die nach dem /Alexander/-Zuge sich längere Zeit in Indien aufhielten und indische Dinge eifrig und liebevoll studierten: so namentlich /Megasthenes/, der zu Beginn des dritten Jahrhunderts wiederholt in der Residenz des Großvaters Asokos, im Mittelpunkte des damaligen buddhistischen Lebens, zu _Pāṭaliputtam_ weilte. Mit scharfem Blicke hat dieser Forscher beobachtet und geschildert was er gesehn und erfahren, und die wenigen uns erhaltenen Bruchstücke seiner Aufzeichnungen hören sich manchmal wie wörtliche Quellenberichte an. Ich habe mich ihrer gelegentlich bedient und möchte hier nur, als Beispiel, die 38. Anmerkung erwähnen.]

[*** Proben aus den Werken dieses außerordentlichen Mannes hat uns /Grierson/ in sehr schöner Uebersetzung gegeben, Indian Antiquary, August-Oktober 1893; man wird schon da viele Gleichnissparallelen finden, die theils dem Genius des Dichters, theils aber auch der großen indischen Vergangenheit angehören.]

[† nach der _Smṛti_, e. g. _Mahābhāratam_ XIII, 108, 3 ff., _śuddhe satyatoye dhṛtihrade snātavyaṃ mānase tīrthe... sa bāhyābhyantaraḥ śuciḥ,_ i. q. _Majjhimanikāyo_ 7. Rede, p. 39, _antaraṃ sinānam._ Eine offenbare Blüthezeit des neogenen Buddhismus in Mittelindien noch vierzehnhundert Jahre nach seiner Entstehung hat /Bühler/ aus Inschriften des achten bis zehnten Jahrhunderts, die sich an jene des vorhergehenden Jahrtausends folgerecht anschließen, Epigraphia Indica vol. II. p. 366 ff., nachgewiesen. Ein von mir erworbenes Granitbildniss des Buddho im rein indischen _Jina_-Stil vom Tempel bei Gayā trägt die Inschrift

[ye dharmā he] tuprabhavā hetuṃ t[e]ṣām tathāgato [āha te]ṣā[ṃ] ca yo nirodha evamvādī mahā [śra[ma]ṇaḥ (||)

in Lettern des zehnten bis elften Jahrhunderts. Eine etwa zweihundert Jahre spätere Inschrift, »Nach des Erhabenen Vollendung Jahr 1813« datiert, vom heutigen Sonnentempel zu Gayā, hat /Cunningham/ im Archaeological Survey of India vol. I. p. 1 mitgetheilt und /Bhagwānlāl Indrājī/ im Indian Antiquary vol. X. p. 341-347 mit einem vorzüglichen Facsimile erklärt, ib. vol. XVII. p. 61 ff. /Kielhorn/ eine noch spätere buddhistische Inschrift vom _Jetavanam_ bei _Sāvatthī_ veröffentlicht. So ist auch von außen, schon für die gröbere Wahrnehmung, durch eine ununterbrochene Reihe sprechender Ruinen, von Asoko bis in die neueren Zeiten der muhammedanischen Wüthensherrschaft, das Bestehn des Buddhismus in Indien verbürgt. Vereinzelt haben sich in Bengālen buddhistische Herrscher bis in das sechzehnte Jahrhundert -- der Epoche des /Tul’sīdās/ -- gehalten; von /Kern/ in /Bühlers/ Grundriss III. 8. p. 134 historisch belegt.]

[Fußnote 1: zu _kasaṭam_ cf. _karṣū_.]

[Fußnote 2: Eine gute Uebersicht des unglaublich peinlichen Opferwesens hat /Hillebrandt/ in seiner »Rituallitteratur« gegeben, /Bühlers/ Grundriss III. 2. Vergl. daselbst p. 126 zum obigen _magavisāṇena piṭṭhiṃ kaṇḍūvamāno_, p. 110 zur Melksymbolik; zur _gāvī sarūpavacchā_ die _Gṛhyasūtren,_ e. g. _Śāṃkhāyanas_ 5. _{5}. _{7}.]

[Fußnote 3: _saṉkhalikhitam,_ das ich von _saṉkhya^0_ abgeleitet habe, kann möglicherweise doch auf _śaṉkha^0_ zurückgehn: also »angereihte _Gaurī_-Schnecken (Cypraea moneta)«, statt »der Reihe nach geschrieben«. Die Bedeutung ist in diesem wie jenem Falle die selbe: Punkt für Punkt.]

[Fußnote 4: _ajjhattaṃ sampasādanam;_ cf. _Chāndogyopaniṣat_ VIII, 3, 4: _Atha ya eṣa saṃprasādo... eṣa ātmā._ Entspricht der γαληνῃ ἑτυχιᾳ τε εν τῃ ψυχῃ /Platons/, De legibus 791a.

Vergl. Bd. 1, letzte Anm.]

[Fußnote 5: Cf. Asoko, VI. Säulenedikt i. f.: _E cu iyaṃ atunā pacūpagamane, se me mokhyamate._]

[Fußnote 6: Vergl. _Manus_ II, 245 f.]

[Fußnote 7: Die Stadt Aṭṭhakam ist auf der Sāñci-Stele No. 204 aus dem dritten vorchristlichen Jahrhundert, als Heimath eines Mönches Gaṉgadatto, bezeugt: Epigraphia Indica vol. II. p. 378.]

[Fußnote 8: Zu dieser Weihe des Hauses cf. den Spruch _Ṛgvedas_ VIII. 17. _{14}.]

[Fußnote 9: Lies mit dem siam. Texte _santharāpetvā_.]

[Fußnote 10: Obiger Spruch findet sich, wie /Trenckner/ bemerkt hat, auch in den anderen drei Sammlungen, und zwar im _Dīghanikāyo_ Mitte der dritten und besonders Ende der 27. Rede, im _Aṉguttaranikāyo_ XI., 1., Ende, im Saṃyuttakanikāyo XXI., 11., v. _{1.}, und VI, 2., _{1.} Ja /Bühler/ ist einem analogen Worte _Sanaṉkumāros_ sogar im _Mahābhāratam_ begegnet: worauf /Rhys Davids/ in seiner Uebersetzung des _Dīghanikāyo,_ vol. I. p. 121, hingewiesen hat. Eine wichtige, wörtliche Parallele bietet die _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ I., 4., _{23}]: _kṣatrāt paraṃ nāsti_.

Vergl. auch die 37. Rede, im 1. Bande.

Die bekannte Gegenbehauptung der Priester wird in der 84., 93. und 98. Rede erörtert.]

[Fußnote 11: Lies mit den barm. und siam. Texten _oropeyya_, von √(ruh)+_ava_.]

[Fußnote 12: Potaliyo ist Halbasket gewesen, wie etwa Keṇiyo in der 92. Rede: nach der _Smṛti_ zu den _kuṭīcakās_ gehörig, die sich noch einen gewissen Besitz, und sei es auch nur eine Hütte, erlauben.]

[Fußnote 13: _komārabhacco_, _kaumārabhṛtyas_, ist wohl insbesondere der Titel des Arztes im _rājorodho_. Der Kommentar, d. i. _Vinayapiṭakam_ vol. I. p. 269, trägt, wie gewöhnlich, Legenden vor.]

[Fußnote 14: Die Schlussfolgerung dieser Rede ist bei _Manus_ V, 51 in den Spruch zusammengefaßt: