Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
Part 41
»Als Kenner sind wir anerkannt, In drei der Veden eingeweiht: Pokkharasāti lehrte mich, Tārukkho Diesen, meinen Freund.
»Was Vedendeuter kundgethan, Vollkommen haben wir’s gemerkt, Behalten sinnig Satz um Satz Und sprechen wie ein Meister spricht.
»Als von Geburt die Rede war Erstand ein Streit uns, Gotamo: ‚Ein Priester ist man durch Geburt‘, Behauptet Bhāradvājo hier, Ich aber sage: durch die That; Du sollst es wissen, Seherfürst!
»Und keiner können beide wir Zufrieden mit einander sein: Den Herrn zu fragen sind wir da, Den Auferwachten, hochberühmt.
»Gleichwie der vollgewordne Mond, Hervorgekommen, fromm begrüßt Vom Volke, froh gefeiert wird, So preisen sie auch deinen Preis.[260]
»Das Auge, das der Welt erwuchs, Befragt sei von uns Gotamo: Ist man ein Priester durch Geburt, Ist man es durch die That allein? Die Ungewissen weise du, Auf dass den Priester wir verstehn.«
Der Herr:
»So will ich denn erklären euch Der Reihe nach und recht genau Der Wesen mancherlei Geburt, 621 Von einer Art zur andern Art.[261]
»Das Gras, ihr kennt es, kennt den Baum, Doch euch erkennen diese nicht: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Die Kerfe dann, was kriecht und fliegt, Ameisen, Asseln insgesammt: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Vierfüß’ge Thiere, klein und groß, Auch sind euch diese wohlbekannt: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Bauchläufer kennt ihr, was da schleicht Als Schlange hin, als Echse her: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Und Fische kennt ihr, was da schwimmt Und schweifend in Gewässern west: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Die Vögel kennt ihr, was da schwebt, Auf Schwingen durch die Lüfte zieht: Ihr Stamm ist von Geburt bestimmt, Von einer Art zur andern Art.
»Wie nun bei diesen Arten hier Bestimmt ist einzeln jeder Stamm, So gilt es bei den Menschen nicht, Dass einzeln sei der Stamm bestimmt.
»An Haaren nicht, am Haupte nicht, An Ohren und an Augen nicht, Am Munde nicht, an Lippen nicht, An Nase nicht, an Brauen nicht,
»Am Halse nicht, an Schultern nicht, Am Bauche nicht, am Rücken nicht, An Brust nicht und an Hüften nicht, An After nicht und nicht an Schaam,
»An Händen und an Füßen nicht, An Fingern und an Nägeln nicht, 622 An Schienen und an Schenkeln nicht, Nicht an Gestalt und Stimme nicht Ist einzeln jeder Stamm bestimmt Wie bei den andern Arten hier.
»Gemeinsam ist ein jeder Mensch Mit seinem Leibe so begabt[262]: Was Menschen unterschieden macht, Es ist ein Name, den man giebt.
»Wer es von Menschen immer sei, Der von der Viehzucht sich ernährt, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Bauer heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der durch ein Handwerk sich erhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Handwerker heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der sich durch Handel unterhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Händler heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der sich in Andrer Dienst erhält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Dienstmann heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der nimmt was ihm nicht angehört, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Räuber heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der sich um Sold verdungen hat, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Söldner heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der Opferamt bei Hofe hält, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein Opfrer heißt er; Priester nicht.
»Wer es von Menschen immer sei, Der über Land und Leute herrscht, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl: Ein König heißt er; Priester nicht. 623
»Nicht kann als Priester gelten mir Ein fleischgeborner Muttersohn; Wohl spricht er andre eifrig an[263] Und strebt nach diesem, strebt nach dem: Wer nichts erstrebt, wer nichts mehr nimmt, Als Priester gelten kann mir der.
»Wer jedes Band durchschnitten hat, Wer nimmer bange Furcht erfährt, Der Ueberwinder, fesselfrei, Als Priester gelten kann mir der.
»Wer Band und Riemen, Strang und Seil Mit Macht zerschnitten hat entzwei Und, auferwacht, den Riegel hebt: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer Schmähung, Schläge, Haft und Tod Geduldig, ruhig, sanft erträgt, Der Dulderheld, der herrlich taugt: Als Priester gelten kann mir der.
»Der unerzürnbar schlichte Mann,[264] Der alles aushält, nichts verwünscht, Der sanft das letzte Dasein lebt: Als Priester gelten kann mir der.
»Dem Tropfen gleich am Lotusblatt, Dem Senfkorn gleich an spitzem Pfriem: Wer an der Lust nicht hängen bleibt, Als Priester gelten kann mir der.
»Der Leiden Ende, wer es da Hienieden noch an sich erfährt, Von Lasten ledig, Fesseln frei: Als Priester gelten kann mir der.
»Der tief bedacht ist, weise will, Den Weg und Abweg deutlich schaut, Das höchste Gut errungen hat: Als Priester gelten kann mir der.
»Der Welt entfremdet, Brüdern fremd, Sich keinen Menschen schließend an, Zufrieden ohne Heim und Haus: Als Priester gelten kann mir der.
»Verwerfend jede Waff’ und Wehr, Nicht Thieren feind, nicht Pflanzen feind: 624 Wer weder tödtet, weder schlägt, Als Priester gelten kann mir der.
»Wuthlos in dieser Wüthenswelt, Wehrlos in dieser Waffenwelt, Wunschlos in dieser Wunscheswelt: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer abgeworfen Gier und Hass Und Hochmuth und Scheinheiligkeit, Senfsaamen gleich von spitzem Pfriem: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer ohne Aerger, ohne Grimm Der Wahrheit klare Sprache spricht, Wodurch er keinen kränken kann: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer da nicht Großes, Kleines nicht, Was fein ist, grob, schön, unschön ist, Wer nichts von allem nehmen mag: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer nichts erhofft von dieser Welt, Wer nichts erhofft von jener Welt, Von Hoffnung heil ist, fesselfrei: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer nirgend haften, hangen kann, In Weisheit nimmer ungewiss, Am ew’gen Ufer angelangt: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer guter That und böser That, Wer beiden Fesseln sich entwand, Geläutert, ohne Gier und Gram: Als Priester gelten kann mir der.[265]
»Dem reinen vollen Monde gleich, Der klar und heiter herrlich strahlt: Wer Gnügelust versiegen ließ, Als Priester gelten kann mir der.
»Wer diesem Irrweg, diesem Sumpf, Dem Wahn der Wandelwelt entrann, Gerettet, welterlöst, vertieft, Unwandelbar, unzweifelhaft, Erloschen ohne Ueberrest: Als Priester gelten kann mir der.
»Wer da der Liebe Glück verschmäht 625 Und haus- und heimlos weiterzieht, Wer Liebeslust versiegen ließ, Als Priester gelten kann mir der.
»Wer Durst nach Dasein da verschmäht Und haus- und heimlos weiterzieht, Wer Durst nach Dasein hat versiegt, Als Priester gelten kann mir der.
»Entronnen diesem Menschenreich, Entgangen aller Götterwelt, Von jedem Joche losgelöst: Als Priester gelten kann mir der.
»Der Lust und Unlust abgewandt, Verglommen nirgend haftend an, Der Ueberwinder aller Welt: Als Priester gelten kann mir der.
»Der Wesen Schwinden, wer es merkt, Und ihr Erscheinen allzumal, Unhaftbar, sälig, auferwacht: Als Priester gelten kann mir der.
»Von dem nicht Götter, Geister nicht Und Menschen nicht die Spur erspähn: Der Wahnversieger, Weiheherr, Als Priester gelten kann mir der.
»Wem nichts mehr gilt Vergangenheit, Nichts Zukunft und nichts Gegenwart, Wer nichts erstrebt, wer nichts mehr nimmt: Als Priester gelten kann mir der.
»Der Hehre, allerbeste Held, Der hohe Seher, siegesreich, Vollendet, ewig, auferwacht: Als Priester gelten kann mir der.
»Vergangen Dasein, wer das kennt, So Unterwelt wie Oberwelt, Und die Geburten hat versiegt: Als Priester gelten kann mir der.
»Nur Name ist es in der Welt 626 Den Stand und Titel darzuthun, Von alters überkommen uns, Gegeben weiter fort und fort.
»Was lange Zeiten man geglaubt, Das Wort Unweiser, ihr Gebot, Man spricht es also noch uns vor: ‚Ein Priester ist man durch Geburt.‘
»Geburt macht nicht den Priester aus, Geburt lässt nicht Unpriester sein: Die That macht einen Priester aus, Die That lässt ihn Unpriester sein.
»Ein Bauer ist man durch die That, Ist durch die That ein Handwerksmann, Ein Händler ist man durch die That, Ist durch die That im Dienste Knecht,
»Ein Räuber ist man durch die That, Ist durch die That ein Kriegsoldat, Ein Opfrer ist man durch die That, Ist durch die That ein Landesherr.
»Getreu der Wahrheit, wohlbewährt, Betrachten Denker so die That; Wie eines aus dem andern folgt Verstehn sie, was die That erwirkt.
»Durch Thaten ist die Welt bedingt, Bedingt durch Thaten ist das Volk; Um Thaten dreht sich jedes um, Wie um die Achse rollt das Rad.
»Ein heißer Ernst, ein keuscher Sinn, Genugsamkeit und Selbstverzicht, Das macht den Menschen Priester sein, Ist allerhöchste Priesterschaft.
»Der Wissen dreifach in sich trägt, Gestillt versiegt hat Wiedersein, Verstehe da, Vāseṭṭho, wohl, Ist Brahmā, Sakko, recht erkannt.«
* * * * *
Also belehrt sagten da die jungen Brāhmanen Vāseṭṭho und Bhāradvājo zum Erhabenen:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge uns Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens 627 getreu.«[266]
99.
Zehnter Theil Neunte Rede
SUBHO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Um diese Zeit nun hielt sich Subho, ein junger Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zu Sāvatthī auf, in der Wohnung eines gewissen Hausvaters, irgend eines Geschäftes halber.
Wie sich nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, bei jenem Hausvater dort befand sprach er also zu ihm:
»Ich habe, Hausvater, reden hören, viel besucht werde Sāvatthī von Heiligen: was für einen Asketen oder Priester sollen wir da heute aufsuchen?«
»Es weilt da, o Herr, der Erhabene zu Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos: Ihn, o Herr, den Erhabenen sollst du aufsuchen.«
Da begab sich denn Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, auf den Rath jenes Hausvaters zum Erhabenen hin. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts 628 sitzend sprach nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:
»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Wer im Hause bleibt kann Aechtes erwirken, heilsames Recht; wer vom Hause fortzieht kann es nicht.‹ Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Mancherlei sag’ ich, Brāhmane, darüber aus, nicht sag’ ich darüber einerlei aus. Ob einer, Brāhmane, im Hause bleibt, oder ob einer vom Hause fortzieht: lebt er falsch, so lob’ ich es nicht. Denn wer im Hause bleibt, Brāhmane, und wer vom Hause fortzieht: lebt er falsch, so kann er um seines falschen Lebens willen nicht Aechtes erwirken, heilsames Recht. Ob einer, Brāhmane, im Hause bleibt, oder ob einer vom Hause fortzieht: lebt er recht, so lob’ ich es. Denn wer im Hause bleibt, Brāhmane, und wer vom Hause fortzieht: lebt er recht, so kann er um seines rechten Lebens willen Aechtes erwirken, heilsames Recht.«
»Die Priester, o Gotamo, reden also: ›Die viel gewichtige, viel geschäftige, viel sorghafte, viel mühsame Thätigkeit des Hauslebens trägt viel ein; die wenig gewichtige, wenig geschäftige, wenig sorghafte, wenig mühsame Thätigkeit des Pilgerlebens trägt wenig ein.‹[267] Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Auch darüber sag’ ich, Brāhmane, mancherlei aus, nicht sag’ ich darüber einerlei aus. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Es giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. Es 629 giebt, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt. Was ist das aber, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt? Der Ackerbau ist, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Und was ist es, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt? Wiederum ist der Ackerbau, Brāhmane, eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Was ist das aber, Brāhmane, für eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt? Der Handel ist, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. Und was ist es, Brāhmane, für eine Thätigkeit die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt? Wiederum ist der Handel, Brāhmane, eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt.
»Gleichwie nun, Brāhmane, der Ackerbau eine Thätigkeit ist, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Hausleben eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam misslingend wenig einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, wiederum der Ackerbau eine Thätigkeit ist, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt: ebenso auch, Brāhmane, 630 ist das Hausleben eine Thätigkeit, die viel gewichtig, viel geschäftig, viel sorghaft, viel mühsam gelingend viel einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, der Handel eine Thätigkeit ist, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Pilgerleben eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam misslingend wenig einträgt. Gleichwie nun, Brāhmane, wiederum der Handel eine Thätigkeit ist, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt: ebenso auch, Brāhmane, ist das Pilgerleben eine Thätigkeit, die wenig gewichtig, wenig geschäftig, wenig sorghaft, wenig mühsam gelingend viel einträgt.«
»Die Priester, o Gotamo, geben fünf Bedingungen an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben.«
»Was da, Brāhmane, die Priester als fünf Bedingungen angeben, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben: wenn es dir nicht schwer fällt magst du wohl diese fünf Bedingungen der Versammlung hier mittheilen.«
»Es fällt mir, o Gotamo, nicht schwer, wo so Ehrwürdige versammelt sind, oder ihnen Aehnliche.«
»Wohlan denn, Brāhmane, so rede.«
»Wahrhaftigkeit, o Gotamo, geben die Priester als erste Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Buße, o Gotamo, geben die Priester als zweite Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Keuschen Wandel, o Gotamo, geben die Priester als dritte Bedingung an, um Gutes zu thun, 631 Heilsames zu erwerben. Andacht, o Gotamo, geben die Priester als vierte Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Entsagung, o Gotamo, geben die Priester als fünfte Bedingung an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Die Priester, o Gotamo, geben diese fünf Bedingungen an, um Gutes zu thun, Heilsames zu erwerben. Was hält nun Herr Gotamo davon?«
»Was glaubst du, Brāhmane: giebt es unter den Priestern auch nur einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»Was glaubst du, Brāhmane: giebt es unter den Priestern auch nur einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»Was glaubst du, Brāhmane: die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: haben etwa diese gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹?«
»Wohl nicht, o Gotamo!«
»So giebt es denn, Brāhmane, unter den Priestern auch nicht einen Priester, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den 632 Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; giebt es unter den Priestern auch nicht einen Meister, oder Meister und Altmeister, bis zum siebenten Großmeisterahnen hinauf, der da gesagt hat: ›Ich selber kann den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen‹; und die da vormals der Priester Seher waren, die Verfasser der Sprüche, Verkünder der Sprüche, deren uralte Spruchlieder, wie sie gesungen, ausgesprochen, gesammelt wurden, die Priester heute und hier ihnen nachsingen, ihnen nachsagen, das Gesagte weitersagen, das Gelehrte weiterlehren, als da waren Aṭṭhako, Vāmako, Vāmadevo, Vessāmitto, Yamataggi, Aṉgiraso, Bhāradvājo, Vāseṭṭho, Kassapo, Bhagu: auch diese haben nicht gesagt: ›Wir selber können den Erfolg dieser fünf Bedingungen als erfahren und verwirklicht aufweisen.‹ Gleichwie etwa, Brāhmane, eine Reihe Blinder, einer dem anderen angeschlossen, und kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht: ebenso nun auch, Brāhmane, als eine Reihe Blinder will mir das Reden der Priester erscheinen, wo kein vorderer sieht, und kein mittlerer sieht, und kein letzterer sieht.«
So berichtet wurde Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos -- vom Erhabenen mit dem Gleichnisse von der Blindenreihe belehrt -- unwillig und unzufrieden; und den Erhabenen lästernd und den Erhabenen tadelnd und den Erhabenen warnend -- ›Ob wohl der Asket Gotamo vollbracht hat‹ -- sprach er also zum Erhabenen:[268]
»Pokkharasāti, o Gotamo, der Priester, der Opamaññer von Subhagavanam, hat gesagt: ›Ebenso auch behaupten da gar manche Asketen und Priester ein überirdisches, reiches Heilthum der 633 Wissensklarheit zu besitzen: denen gereicht diese Rede nur zum Spotte, zum bloßen Namen, erweist sich ganz eitel und nichtig. Denn wie sollte wohl ein Erdensohn ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen? Das ist unmöglich.‹«
»Wie denn, Brāhmane: kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, auch aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«
»Freilich, o Gotamo, nicht einmal bei seiner Magd Puṇṇikā kann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer von Subhagavanam, das Herz im Herzen schauen und erkennen: woher sollt’ er denn gar aller Asketen und Priester Herz im Herzen schauen und erkennen?«
»Gleichwie etwa, Brāhmane, wenn da ein Blindgeborener wäre: der sähe keine schwarzen und keine weißen Gegenstände, keine blauen und keine gelben, keine rothen und keine grünen, er sähe nicht was gleich und was ungleich ist, sähe keine Sterne und nicht Mond und nicht Sonne. Und er spräche also: ›Es giebt nichts Schwarzes und Weißes, es giebt keinen, der Schwarzes und Weißes sähe; es giebt nichts Blaues und Gelbes, es giebt keinen, der Blaues und Gelbes sähe; es giebt nichts Rothes und Grünes, es giebt keinen, der Rothes und Grünes sähe; es giebt nichts 634 Gleiches und Ungleiches, es giebt keinen, der Gleiches und Ungleiches sähe; es giebt keine Sterne, es giebt keinen, der Sterne sähe; es giebt weder Mond noch Sonne, es giebt keinen, der Mond und Sonne sähe. Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht.‹ Würde der wohl, Brāhmane, also redend recht aussagen?«
»Gewiss nicht, o Gotamo! Es giebt Schwarzes und Weißes, und man sieht es; es giebt Blaues und Gelbes, und man sieht es; es giebt Rothes und Grünes, und man sieht es; es giebt Gleiches und Ungleiches, und man sieht es; es giebt Sterne und Mond und Sonne, und man sieht sie. ›Ich selber weiß nichts davon, ich selber seh’ nichts davon: darum ist es nicht‹: also redend, o Gotamo, würde jener Mann gewiss nicht recht aussagen.«
»Ebenso nun auch, Brāhmane, ist der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, blind und augenlos. Dass der etwa ein überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit verstehn oder erkennen oder verwirklichen würde, ist unmöglich. -- Was meinst du wohl, Brāhmane: jene hochmögenden kosalischen Priester, als da sind Caṉkī der Priester, Tārukkho der Priester, Pokkharasāti der Priester, Jāṇussoṇi der Priester, oder dein Vater Todeyyo: welche gelten bei denen als besser, die da mit Zusammenhang reden können, oder ohne 635 Zusammenhang?«[269]
»Mit Zusammenhang, o Gotamo!«
»Welche gelten ihnen als besser, die da mit Bedacht reden können, oder ohne Bedacht?«
»Mit Bedacht, o Gotamo!«
»Welche gelten ihnen als besser, die da mit Begründung reden können, oder ohne Begründung?«
»Mit Begründung, o Gotamo!«
»Welche gelten ihnen als besser, die da sinnig reden können, oder unsinnig?«
»Sinnig, o Gotamo!«
»Was meinst du wohl, Brāhmane: ist es also, hat dann der Priester Pokkharasāti, der Opamaññer aus Subhagavanam, mit Zusammenhang geredet, oder ohne Zusammenhang?«
»Ohne Zusammenhang, o Gotamo!«
»Mit Bedacht geredet, oder ohne Bedacht?«
»Ohne Bedacht, o Gotamo!«
»Mit Begründung geredet, oder ohne Begründung?«
»Ohne Begründung, o Gotamo!«
»Sinnig geredet, oder unsinnig?«
»Unsinnig, o Gotamo!«