Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
Part 25
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, kann er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Das aber ist, Udāyī, ein besseres und vorzüglicheres Ding, um dessen Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.
»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, 363 richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Das ist, Udāyī, ein besseres und vorzüglicheres Ding, um dessen Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.
»Das sind, Udāyī, die besseren und vorzüglicheren Dinge, um deren Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.«
Nach diesen Worten wandte sich Sakuludāyī der Pilger also an den Erhabenen:
»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre gar vielfach gezeigt. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: möge mir, o Herr, der Erhabene 364 Aufnahme gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«
So sprach Sakuludāyī der Pilger. Aber seine Jünger wandten sich also an ihn:
»Nicht darf Herr Udāyī beim Asketen Gotamo das Asketenleben führen, nicht darf Herr Udāyī, längst ein Lehrer, als Schüler in die Lehre gehn! Gleichwie etwa wenn man, längst geschmückt, einen jeden Schmuck ablegte, ebenso würde das Herrn Udāyī anstehn.[129] Nicht darf Herr Udāyī beim Asketen Gotamo das Asketenleben führen, nicht darf Herr Udāyī, längst ein Lehrer, als Schüler in die Lehre gehn!«
* * * * *
Und so hielten denn Sakuludāyī den Pilger seine Jünger vom Asketenleben beim Erhabenen ab.[130]
80.
Achter Theil Zehnte Rede
VEKHANASO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich Vekhanaso, ein Pilger, dorthin wo der Erhabene weilte, tauschte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend ließ nun Vekhanaso der Pilger vor dem Erhabenen den Ausspruch vernehmen:
»Das ist der höchste Glanz, das ist der höchste Glanz.«
»Warum denn, Kaccāno[131], sagst du: ›Das ist der höchste Glanz, das ist der höchste Glanz‹? Was ist das für ein höchster Glanz?«
»Ein Glanz, o Gotamo, über den es keinen größeren und helleren 365 giebt, das ist der höchste Glanz.«
»Und was ist das, Kaccāno, für ein höchster Glanz, über den es keinen größeren und helleren giebt?«
»Jener Glanz, o Gotamo, über den es keinen größeren und helleren giebt, das ist der höchste Glanz.«
»Lange noch kannst du also, Kaccāno, fortfahren, wenn du sagst ›Jener Glanz, o Gotamo, über den es keinen größeren und helleren giebt, das ist der höchste Glanz‹, und diesen Glanz nicht erklärst. Gleichwie etwa, Kaccāno, wenn ein Mann also spräche: ›Ich habe nach ihr, die da im ganzen Lande die Schönste ist, Verlangen, habe Sehnsucht nach ihr‹; und man fragte ihn: ›Lieber Mann, die Schönste des Landes, nach der du verlangst und dich sehnst, kennst du diese, ob es eine Fürstin oder eine Priestertochter, ein Bürgermädchen oder eine Dienerin ist?‹; und er gäbe ›Nein‹ zur Antwort; und man fragte ihn: ›Lieber Mann, die Schönste des Landes, nach der du verlangst und dich sehnst, kennst du diese, weißt du wie sie heißt, wo sie herstammt oder hingehört, ob sie von großer oder von kleiner oder von mittlerer Gestalt ist, ob ihre Hautfarbe schwarz oder braun oder gelb ist, in welchem Dorf oder welcher Burg oder welcher Stadt sie zuhause ist?‹; und er gäbe ›Nein‹ zur Antwort; und man fragte ihn: ›Lieber Mann, die du nicht kennst und nicht siehst, nach der verlangst du, sehnst dich nach ihr?‹; und er gäbe ›Ja‹ zur Antwort; was meinst du wohl, 366 Kaccāno: hätte nun nicht, bei solcher Bewandtniss, jener Mann unbegreifliche Antwort gegeben?«
»Allerdings hätte, o Gotamo, bei solcher Bewandtniss jener Mann unbegreifliche Antwort gegeben.«
»Ebenso nun auch, Kaccāno, hast du gesagt ›Jener Glanz, o Gotamo, über den es keinen größeren und helleren giebt, das ist der höchste Glanz‹, und hast diesen Glanz nicht erklärt.«
»Gleichwie etwa, o Gotamo, ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, auf lichter Decke liegend leuchtet und funkelt und strahlt, ebenso glänzend ist die Seele, nach dem Tode genesen.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: ein Juwel, ein Edelstein, der von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet ist, auf lichter Decke liegend leuchtet und funkelt und strahlt, oder aber ein Glühwurm, ein Leuchtkäfer in dunkler, finsterer Nacht: wer von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Ein Glühwurm, o Gotamo, in dunkler, finsterer Nacht, ein Leuchtkäfer, dieser von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: ein Glühwurm in dunkler, finsterer Nacht, ein Leuchtkäfer, oder aber eine Oellampe in dunkler, finsterer Nacht: wer von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Eine Oellampe, o Gotamo, in dunkler, finsterer Nacht, diese von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: eine Oellampe in dunkler, 367 finsterer Nacht, oder aber eine mächtige Fackel in dunkler, finsterer Nacht: wer von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Eine mächtige Fackel, o Gotamo, in dunkler, finsterer Nacht, diese von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: eine mächtige Fackel in dunkler, finsterer Nacht, oder aber der Morgenstern in dämmernder Frühe, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind: wer von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Der Morgenstern, o Gotamo, in dämmernder Frühe, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, dieser von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: der Morgenstern in dämmernder Frühe, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, oder aber am Feiertage im halben Monat, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, unbeschränkt um Mitternacht der Mond: wer von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Der Mond, o Gotamo, am Feiertage im halben Monat, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, unbeschränkt um Mitternacht, dieser von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Was meinst du wohl, Kaccāno: der Mond am Feiertage im halben Monat, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, unbeschränkt um Mitternacht, oder aber im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, unbeschränkt um Mittag die Sonne: wer 368 von den beiden hat größeren und helleren Glanz?«
»Die Sonne, o Gotamo, im letzten Monat der Regenzeit, im Herbste, wann die Wolken und Nebel verzogen und verschwunden sind, unbeschränkt um Mittag, diese von beiden hat da größeren und helleren Glanz.«
»Nun sind es zwar, Kaccāno, mehr als viele der Götter, deren Licht sich mit dem von Sonne und Mond nicht vergleichen lässt, und ich kenne sie: dennoch aber sag’ ich nicht ›Ein Glanz, über den es keinen größeren und helleren giebt‹; während, Kaccāno, du dagegen von jenem Glanze, der dem Glühwurm, dem Leuchtkäfer nachsteht, unterlegen ist, sagst ›Das ist der höchste Glanz‹, und diesen Glanz nicht erklärst. --
»Fünf Begehrungen, Kaccāno, giebt es: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden: die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Kaccāno, die fünf Begehrungen. Was da, Kaccāno, Wohl und Erwünschtes diesen fünf Begehrungen gemäß geht, das nennt man Begierdengenuss. So kommt von Begierden Begierdengenuss, von Begierdengenuss Begierdenhochgenuss, der da hochgeschätzt wird.«
Auf diese Worte sprach Vekhanaso der Pilger zum Erhabenen also:
»Wunderbar, o Gotamo, außerordentlich ist es, o Gotamo, wie da Herr Gotamo so richtig gesagt hat: ›Von Begierden kommt Begierdengenuss, von Begierdengenuss Begierdenhochgenuss, der da hochgeschätzt wird.«
»Schwer wirst du, Kaccāno, dieses verstehn, ohne Deutung, 369 ohne Geduld, ohne Hingabe, ohne Anstrengung, ohne Lenkung, was Begierde und Begierdengenuss und Begierdenhochgenuss ist. Die da, Kaccāno, heilige Mönche, Wahnversieger, Endiger sind, das Werk gewirkt, die Bürde abgelegt, das Heil errungen, die Daseinsfesseln zerstört haben, in vollkommener Weisheit erlöst sind, die mögen es verstehn, was Begierde und Begierdengenuss und Begierdenhochgenuss ist.«
So berichtet wurde Vekhanaso der Pilger unwillig und unzufrieden: und den Erhabenen lästernd und den Erhabenen tadelnd und den Erhabenen warnend -- ›Ob wohl der Asket Gotamo vollbracht hat‹ -- sprach er also zum Erhabenen:
»Ebenso auch reden da gar manche Asketen und Priester, die vom Anfang nichts wissen, das Ende nicht sehn, und dabei ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ von sich behaupten: denen gereicht diese Rede nur zum Spotte, zum bloßen Namen, erweist sich ganz eitel und nichtig.«
»Die da, Kaccāno, Asketen und Priester sind, und vom Anfang nichts wissen, das Ende nicht sehn, und dabei ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ von sich behaupten, denen freilich kommt diese Rüge mit Recht zu. Aber, Kaccāno, sei es um den Anfang, sei es um das Ende: willkommen sei mir ein verständiger Mann, kein Häuchler, kein Gleißner, ein gerader Mensch; ich führ’ ihn 370 ein, ich lege die Satzung dar. Der Führung folgend wird er in gar kurzer Zeit eben selber merken, selber sehn, dass man also ganz von der Fessel befreit wird, nämlich von der Fessel des Nichtwissens.
»Gleichwie etwa, Kaccāno, wenn ein zarter Knabe, ein unvernünftiger Säugling, mit dem Nacken zufünft in Fesseln eingewickelt, eingeschnürt wäre; und wie er erwüchse und die Sinne sich weiterentwickelten, befreite man ihn von den Fesseln; und ›Frei bin ich‹ merkte er da, und keine Fessel: ebenso nun auch, Kaccāno, sei mir ein verständiger Mann willkommen, kein Häuchler, kein Gleißner, ein gerader Mensch. Ich führ’ ihn ein, ich lege die Satzung dar. Der Führung folgend wird er in gar kurzer Zeit eben selber merken, selber sehn, dass man also ganz von der Fessel befreit wird, nämlich von der Fessel des Nichtwissens.«
* * * * *
Nach diesen Worten wandte sich Vekhanaso der Pilger also an den Erhabenen:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[132]
NEUNTER THEIL
BUCH DER KÖNIGE
81.
Neunter Theil Erste Rede
GHAṬĪKĀRO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im 371 Lande Kosalo von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet. Und der Erhabene bog ab vom Wege und ließ, an eine bestimmte Stelle gekommen, ein Lächeln sehn. Und der ehrwürdige Ānando gedachte da: ›Was ist wohl der Grund, was ist die Ursach, dass der Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht ohne Anlass lächeln Vollendete.‹ Und der ehrwürdige Ānando schlug den Oberrock um die eine Schulter, faltete die Hände gegen den Erhabenen und sprach also:
»Was ist wohl, o Herr, der Grund, was ist die Ursach, dass der Erhabene ein Lächeln gezeigt hat? Nicht ohne Anlass lächeln Vollendete.«
»Einst war, Ānando, hier im Umkreis eine Burgstadt gebaut, Vebhaliṉgam genannt, blühend, gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt. Nahe bei dieser Burgstadt aber, Ānando, hielt sich Kassapo auf, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte. Und hier, Ānando, war Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Gartenbereich; und hier, Ānando, pflegte Kassapo, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, zu sitzen[133] und seine Jünger zu lehren.«
Und der ehrwürdige Ānando legte den Mantel, vierfach gefaltet, zu Boden und wandte sich also an den Erhabenen:
»Wohlan denn, o Herr, möge der Erhabene Platz nehmen: da wird dieser Ort zwei Heiligen, vollkommen Erwachten gedient haben.«[134]
Es setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Platz. Und als der Erhabene saß sprach er also zum ehrwürdigen Ānando:
»Einst war, Ānando, hier im Umkreis eine Burgstadt gebaut, 372 Vebhaliṉgam genannt, blühend, gedeihend, volkreich, von vielen Menschen bewohnt. Nahe bei dieser Burgstadt aber, Ānando, hielt sich Kassapo auf, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte. Und hier, Ānando, war Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten, Gartenbereich; und hier, Ānando, pflegte Kassapo, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, zu sitzen und seine Jünger zu lehren. Zu Vebhaliṉgam nun, Ānando, der Burgstadt, lebte ein Hafner Namens Ghaṭīkāro; der war Kassapo, dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, zugethan, ganz besonders zugethan. Und Ghaṭīkāro, Ānando, der Hafner, hatte Jotipālo, einen jungen Brāhmanen, zum Freunde, zum Lieblingsfreunde. Da berief denn, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo den jungen Brāhmanen:
›Gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Auf diese Worte, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:
›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes kahlköpfigen Pfaffen?‹
Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando, sprach Ghaṭīkāro der Hafner also zu Jotipālo dem jungen Brāhmanen:
›Gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:
›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes 373 kahlköpfigen Pfaffen?‹
›Wohlan denn, bester Jotipālo, lass’ uns Schwamm und Seife[135] nehmen und nach dem Flusse gehn, zu baden.‹
›Gern, Bester!‹ entgegnete da, Ānando, Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner. Und sie gingen, Ānando, versehn mit Schwamm und Seife, nach dem Flusse, zu baden. Da wandte sich nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner also an Jotipālo den jungen Brāhmanen:
›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Auf diese Worte, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:
›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes kahlköpfigen Pfaffen?‹
Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando, sprach Ghaṭīkāro der Hafner also zu Jotipālo dem jungen Brāhmanen:
›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Und ein zweites Mal, Ānando, und ein drittes Mal, Ānando, erwiderte Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro dem Hafner:
›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes 374 kahlköpfigen Pfaffen?‹
Da rieb nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo den jungen Brāhmanen mit Seife ein und sprach also zu ihm:
›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Und Jotipālo, Ānando, der junge Brāhmane, wusch die Seife nun ab und sprach also zu Ghaṭīkāro dem Hafner:
›Genug, bester Ghaṭīkāro: was soll uns der Anblick jenes kahlköpfigen Pfaffen?‹
Da streichelte nun, Ānando, Ghaṭīkāro der Hafner Jotipālo dem jungen Brāhmanen das Haar des gebadeten Hauptes und sprach also zu ihm:
›Ganz in der Nähe, bester Jotipālo, liegt der Garten Kassapos, des Erhabenen, des Heiligen, vollkommen Erwachten; gehn wir, bester Jotipālo, wir wollen Kassapo den Erhabenen sehn, den Heiligen, vollkommen Erwachten aufsuchen: glücklich ist ja, denk’ ich, wer Ihn, den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten sehn kann!‹
Da gedachte nun, Ānando, Jotipālo der junge Brāhmane: ›Wunderbar, wahrlich, außerordentlich ist es, dass da dieser Hafner Ghaṭīkāro, der von minderer Geburt ist[136], vermeint, das Haar unseres gebadeten Hauptes streicheln zu müssen: das kann nichts Gewöhnliches bedeuten!‹; und er sprach also zu ihm:
›Gar so sehr drängt es dich, bester Ghaṭīkāro?‹[137]
›Gar so sehr drängt es mich, bester Jotipālo! Denn ich weiß ja wie glücklich man ist, Ihn sehn zu können, den Erhabenen, den 375 Heiligen, vollkommen Erwachten.‹
›Wohlan denn, bester Ghaṭīkāro, rüste dich: wir wollen gehn.‹
Und sie gingen, Ānando, dorthin wo Kassapo der Erhabene weilte, der Heilige, vollkommen Erwachte. Dort angelangt begrüßte Ghaṭīkāro der Hafner Kassapo den Erhabenen ehrerbietig, den Heiligen, vollkommen Erwachten, und setzte sich seitwärts nieder; während Jotipālo der junge Brāhmane höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit Kassapo dem Erhabenen wechselte, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, und dann seitwärts niedersaß. Seitwärts sitzend, Ānando, wandte sich nun Ghaṭīkāro der Hafner also an Kassapo den Erhabenen, den Heiligen, vollkommen Erwachten:
›Das ist, o Herr, Jotipālo, ein junger Brāhmane, mein Freund, mein Lieblingsfreund: ihm möge der Erhabene die Lehre darlegen!‹
Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte Ghaṭīkāro den Hafner und Jotipālo den jungen Brāhmanen in lehrreichem Gespräche. Und Ghaṭīkāro, Ānando, der Hafner, und Jotipālo der junge Brāhmane, von Kassapo dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert, standen von ihren Sitzen auf, erfreut und befriedigt durch des Erhabenen Rede, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, gingen rechts herum und entfernten sich.
Da fragte nun, Ānando, Jotipālo der junge Brāhmane Ghaṭīkāro den Hafner:
›Diese Lehre, o bester Ghaṭīkāro, hast du vernommen, und du 376 ziehst nicht vom Hause in die Hauslosigkeit hinaus?‹
›Weißt du denn nicht, bester Jotipālo, dass ich meine greisen, erblindeten Eltern ernähre?‹
›Nun, so will ich, bester Ghaṭīkāro, aus dem Hause in die Hauslosigkeit ziehn!‹
Und Ghaṭīkāro, Ānando, der Hafner, und Jotipālo der junge Brāhmane kehrten zu Kassapo dem Erhabenen zurück, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, boten ehrerbietigen Gruß dar und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend, Ānando, sprach nun Ghaṭīkāro der Hafner also zu Kassapo dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten:
›Hier bring’ ich, o Herr, Jotipālo den jungen Brāhmanen, meinen Freund, meinen Lieblingsfreund: den möge der Erhabene aufnehmen!‹
Und aufgenommen, Ānando, wurde Jotipālo der junge Brāhmane, belehnt mit der Ordensweihe von Kassapo dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten.
* * * * *
Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, begab sich nun, da er nach Belieben in Vebhaliṉgam geweilt hatte, nicht lange nach der Aufnahme des jungen Brāhmanen Jotipālo, vierzehn Tage nach der Ordensweihe, auf die Wanderung nach Benāres, von Ort zu Ort wandernd näherte er sich der Stadt.
Zu Benāres, Ānando, weilte nun Kassapo der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, am Sehersteine, im Wildparke. Da kam es, Ānando, Kikī, dem König von Benāres[138], zu Ohren: ›Kassapo, sagt man, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, ist in Benāres angekommen, weilt zu Benāres, am Sehersteine, im Wildparke!‹
Und Kikī, Ānando, der König von Benāres, ließ viele prächtige 377 Wagen bespannen, bestieg selbst einen solchen und fuhr also mit überaus reichem königlichen Gepränge aus der Stadt hinaus, Kassapo den Erhabenen zu besuchen, den Heiligen, vollkommen Erwachten. So weit gefahren als man fahren konnte, stieg er vom Wagen ab und ging dann zu Fuße dorthin wo Kassapo weilte, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, bot ehrerbietigen Gruß dar und setzte sich seitwärts nieder. Und Kikī, Ānando, der König von Benāres, der da zur Seite saß, wurde von Kassapo dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten, in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert; und er sprach also zu ihm:
›Gewähre mir, o Herr, der Erhabene die Bitte, morgen mit den Mönchen bei mir zu speisen!‹
Schweigend, Ānando, gewährte Kassapo die Bitte, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte.
Als nun Kikī, Ānando, der König von Benāres, der Zustimmung Kassapos, des Erhabenen, sicher war, stand er von seinem Sitze auf, bot ehrerbietigen Gruß dar, ging rechts herum und entfernte sich.
Da ließ nun, Ānando, Kikī der König von Benāres am nächsten Morgen in seiner Behausung ausgewählte feste und flüssige Speise auftragen, ein Gericht aus frischem, zartem[139], gesichtetem Reis, saftig und würzig bereitet, und sandte einen 378 Boten an den Erhabenen mit der Meldung: ›Es ist Zeit, o Herr, das Mahl ist bereit.‹
Und Kassapo, Ānando, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Almosenschaale und begab sich zum Wohnhause Kikīs, des Königs von Benāres. Dort angekommen nahm der Erhabene mit den Mönchen auf den angebotenen Sitzen Platz. Und Kikī, Ānando, der König von Benāres, bediente und versorgte eigenhändig Kassapo den Erwachten und seine Jünger mit ausgewählter fester und flüssiger Speise.