Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band

Part 23

Chapter 233,468 wordsPublic domain

»Gleichwie etwa, Udāyī, ein See mit unterirdischer Quelle, in den sich kein Bach von Osten oder Westen, von Norden oder Süden ergösse, keine Wolke von Zeit zu Zeit mit tüchtigem Gusse darüber hinwegzöge, in welchem nur die kühle Quelle des Grundes emporwellte und diesen See völlig durchdränge, durchtränkte, erfüllte und sättigte, sodass nicht der kleinste Theil des Sees von kühlem Wasser ungesättigt bliebe: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, Udāyī: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Diesen Körper da durchdringt und durchtränkt, erfüllt 332 und sättigt er mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, in einem Lotusweiher einzelne blaue oder rothe oder weiße Lotusrosen im Wasser entstehn, im Wasser sich entwickeln, unter dem Wasserspiegel bleiben, aus der Wassertiefe Nahrung aufsaugen und ihre Blüthen und ihre Wurzeln von kühlem Wasser durchdrungen, durchtränkt, erfüllt und gesättigt sind, sodass nicht der kleinste Theil jeder blauen oder rothen oder weißen Lotusrose von kühlem Nass ungesättigt bleibt: ebenso nun auch, Udāyī, durchdringt und durchtränkt, erfüllt und sättigt der Mönch diesen Körper da mit entsäligter Heiterkeit, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von entsäligter Heiterkeit ungesättigt bleibt.

»Weiter sodann, Udāyī: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Er setzt sich hin und bedeckt diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, geklärtem, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn sich ein Mann vom Scheitel bis zur Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt niedersetzte, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem weißen Mantel unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, Udāyī, setzt sich der Mönch nieder und hat diesen Körper da mit geläutertem Gemüthe, mit geklärtem, überzogen, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt 333 bleibt.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger also erkennen: ›Das ist mein Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein Bewusstsein, daran gebunden, daran geknüpft.‹

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da ein Juwel wäre, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, klar, durchsichtig, mit jeder Eigenschaft begabt; und ein Faden wäre daran befestigt, ein blauer, oder ein gelber, ein rother, oder ein weißer, ein grauer Faden; und es hätte ihn ein scharfsehender Mann um die Hand geschlungen und betrachtete ihn: ›Das ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, klar, durchsichtig, mit jeder Eigenschaft begabt; und ein Faden ist daran befestigt, ein blauer, oder ein gelber, ein rother, oder ein weißer, ein grauer Faden‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger also erkennen: ›Das ist mein Leib, der gestaltet, aus den vier Hauptstoffen entstanden, von Vater und Mutter gezeugt, durch Speise und Trank entwickelt, dem Vergehn, dem Untergang, der Aufreibung, Auflösung, der Zerstörung verfallen ist; das hingegen ist mein Bewusstsein, daran gebunden, daran geknüpft.‹

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger aus diesem Körper einen anderen Körper hervorgehn lassen, formhaft, geistig gestaltet, mit 334 allen Gliedern begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann einem Rohre den Halm auszöge und sich sagte: ›Das ist das Rohr, das ist der Halm, eins ist das Rohr, eins ist der Halm: aus dem Rohre hab’ ich ja den Halm gezogen‹; oder gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann das Schwerdt aus der Scheide zöge und sich sagte: ›Das ist das Schwerdt, das ist die Scheide, eins ist das Schwerdt, eins ist die Scheide: aus der Scheide hab’ ich ja das Schwerdt gezogen‹; oder gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann eine Schlange aus dem Korbe nähme und sich sagte: ›Das ist die Schlange, das ist der Korb, eins ist die Schlange, eins ist der Korb: aus dem Korbe hab’ ich ja die Schlange genommen‹[113]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger aus diesem Körper einen anderen Körper hervorgehn lassen, formhaft, geistig gestaltet, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise Machtentfaltung erfahren mögen: als nur einer etwa vielfach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein, oder sichtbar und unsichtbar zu werden, auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser, auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die 335 so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in ihrer Gewalt zu haben. Gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Töpfer oder Töpfergeselle was immer auch für Thonsachen er wollte aus wohlbereitetem Thon anfertigen und herstellen könnte; oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Drechsler oder Drechslergeselle was immer auch für Elphenbeinsachen er wollte aus wohlbereitetem Elphenbein anfertigen und herstellen könnte; oder gleichwie etwa, Udāyī, ein geschickter Goldschmidt oder Goldschmidtgeselle was immer auch für Goldsachen er wollte aus wohlbereitetem Gold anfertigen und herstellen könnte: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger auf manigfaltige Weise Machtentfaltung erfahren mögen.[114]

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Gehör, 336 dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen. Gleichwie etwa, Udāyī, ein kräftiger Trompeter gar mühelos nach den vier Seiten posaunen kann, ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hören, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger der anderen Wesen, der anderen Personen Herz im Herzen schauen und erkennen, das begehrliche Herz als begehrlich und das begehrlose Herz als begehrlos, das gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos, das irrende Herz als irrend und das irrlose Herz als irrlos, das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das niedrig gesinnte Herz als niedrig gesinnt, das edle Herz als edel und das gemeine Herz als gemein, das beruhigte Herz als 337 beruhigt und das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt. Gleichwie etwa, Udāyī, ein Weib oder ein Mann, jung, frisch, gefallsam, in einem Spiegel oder in einer reinen, lauteren, hellen Wasserfläche das Bild des eigenen Antlitzes prüfend betrachten und, ist es nicht sauber, als nicht sauber, und ist es sauber, als sauber erkennen kann: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger der anderen Wesen, der anderen Personen Herz im Herzen schauen und erkennen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an 338 fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn ein Mann von seinem Orte nach einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach einem anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen Orte zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich bin von meinem Orte nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von jenem Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin ich nun also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem eigenen Orte wieder zurückgegangen‹[115]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger sich an manche verschiedene frühere Daseinsform erinnern.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung 339 reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sehn sie mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen, kommen und gehn[116]: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und 340 unglückliche, erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Weiter sodann, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen. Gleichwie etwa, Udāyī, wenn da am Ufer eines Alpensees von klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein scharfsehender Mann stände und hinblickte auf die Muscheln und Schnecken, auf den Kies und Sand und die Fische, wie sie dahingleiten und stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar ist diese Wasserfläche, durchsichtig, ungetrübt; ich sehe darunter die Muscheln und Schnecken, den Kies und Sand und die Fische, die dahingleiten oder ruhn‹: ebenso nun auch, Udāyī, hab’ ich den Jüngern die Pfade gewiesen, auf deren Stegen meine Jünger den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen.

»Da haben denn meine Jünger der Erkenntniss letzte Vollendung reichlich erreicht.

»Das ist, Udāyī, die fünfte Eigenschaft, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.

»Das sind, Udāyī, die fünf Eigenschaften, warum die Jünger mich werthhalten, hochschätzen, achten und ehren und auch des Vertrauens würdigen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Sakuludāyī der 341 Pilger über das Wort des Erhabenen.

78.

Achter Theil Achte Rede

DER SOHN DER SAMAṆAMUṆḌIKĀ

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Um diese Zeit nun hielt sich der Pilger Uggāhamāno, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, im Redesaal der ebenholzverschaalten Großen Halle in Mallikās Garten auf, in Gesellschaft vieler Pilger, von etwa dreihundert Pilgern umgeben.[117]

Da ging nun Pañcakaṉgo der Baumeister eines Nachmittags von Sāvatthī hinaus, den Erhabenen besuchen. Doch Pañcakaṉgo der Baumeister gedachte alsbald: ›Es ist noch nicht Zeit den Erhabenen zu besuchen, zurückgezogen weilt der Erhabene; und auch die geistig thätigen Mönche besuchen ziemt sich jetzt nicht, zurückgezogen wirken die Mönche geistiges Werk. Wie, wenn ich nun den Redesaal aufsuchte, die ebenholzverschaalte Große Halle, den Garten Mallikās, wo Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, weilt?‹ Und Pañcakaṉgo der Baumeister begab sich zum Garten der Mallikā, zur ebenholzverschaalten Großen Halle, zum Redesaal hin.

Um diese Zeit aber war Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samanamuṇḍikā, im weiten Kreise der Pilgerschaar sitzend, in lebhaftem Gespräche begriffen; und sie machten lauten Lärm, 342 großen Lärm, und unterhielten sich über allerhand gemeine Dinge, als wie über Könige, über Räuber, über Fürsten und Soldaten, über Krieg und Kampf, über Speise und Trank, über Kleidung und Bett, über Blumen und Düfte, über Verwandte, über Fuhrwerk und Wege, über Dörfer und Burgen, über Städte und Länder, über Weiber und Weine, über Straßen und Märkte, über die Altvorderen und über die Veränderungen, über Volksgeschichten und Seegeschichten, über dies und das und dergleichen mehr.

Und Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, sah Pañcakaṉgo den Baumeister von ferne herankommen, und als er ihn gesehn mahnte er die Umsitzenden zur Ruhe:

»Seid nicht so laut, ihr Lieben, macht keinen Lärm, ihr Lieben: da kommt ein Jünger des Asketen Gotamo heran, Pañcakaṉgo der Baumeister! Von jenen Jüngern des Asketen Gotamo, die da als Hausleute, weiß gekleidet, in Sāvatthī wohnen, ist dieser auch einer, Pañcakaṉgo der Baumeister. Und sie lieben nicht lauten Lärm, diese Herren, Ruhe ist ihnen recht, Ruhe preisen sie; vielleicht mag ihn der Anblick einer lautlosen Versammlung bewegen, seine Schritte hierher zu lenken.«

Und so schwiegen denn diese Pilger still. Und Pañcakaṉgo der Baumeister kam näher zu Uggāhamāno dem Pilger, dem Sohne der Samaṇamuṇḍikā, heran. Dort angelangt wechselte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Und zu Pañcakaṉgo dem Baumeister, der da zur Seite saß, sprach nun Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, also:

»Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut 343 begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben: welche vier? Da begeht er, Baumeister, keine böse That in Werken, redet kein böses Wort, hegt keine böse Gesinnung, lebt kein böses Leben. Diese vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben.«

Aber Pañcakaṉgo der Baumeister war durch die Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, weder befriedigt noch verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung stand er von seinem Sitze auf und ging fort: ›Beim Erhabenen werd’ ich den Sinn dieser Worte verstehn.‹

Und Pañcakaṉgo der Baumeister begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend berichtete nun Pañcakaṉgo der Baumeister dem Erhabenen Wort für Wort alles was Uggāhamāno der Pilger, der Sohn der Samaṇamuṇḍikā, gesagt. Als er geendet, wandte sich der Erhabene zu ihm und sprach:

»Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß. Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Werken: woher sollt’ er gar böse That in Werken begehn, es sei denn dass er um sich schlägt. Denn ein 344 zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Worten: woher sollt’ er gar böses Wort reden, es sei denn dass er schreit. Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Gesinnung: woher sollt’ er gar böse Gesinnung hegen, es sei denn dass er zornig ist.[118] Denn ein zarter Knabe, Baumeister, ein unvernünftiger Säugling, weiß ja nichts von Leben: woher sollt’ er gar böses Leben leben, es sei denn dass er Muttermilch nimmt. Ist es also, Baumeister, dann mag ein zarter Knabe, ein unvernünftiger Säugling, gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, dem Worte des Pilgers Uggāhamāno, des Sohnes der Samaṇamuṇḍikā, gemäß.

»Vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen noch nicht gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, sondern nur bis zu jenem zarten Knaben, dem unvernünftigen Säugling, heranreichen: welche vier? Da begeht er, Baumeister, keine böse That in Werken, redet kein böses Wort, hegt keine böse Gesinnung, lebt kein böses Leben. Diese vier Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen noch nicht gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben, sondern nur bis zu jenem zarten Knaben, dem unvernünftigen Säugling, heranreichen.

»Zehn Dinge, Baumeister, sag’ ich, lassen den Menschen gut begabt sein, höchstes Gut, besten Gewinn gewonnen, den Asketenkampf bestanden haben.

»‚So ist üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man 345 wissen. ‚Daher kommt üble Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gehabung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang übler Gehabung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist gute Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt gute Gehabung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht gute Gehabung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang guter Gehabung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist üble Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt üble Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht üble Gesinnung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang übler Gesinnung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚So ist gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Daher kommt gute Gesinnung‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Da geht gute Gesinnung ohne Ueberrest unter‘: das, Baumeister, sag’ ich, muss man wissen. ‚Also wandelnd geht man dem Untergang guter Gesinnung entgegen‘: das, Baumeister, sag’ 346 ich, muss man wissen.

»Was ist aber, Baumeister, üble Gehabung? Ueble That in Werken, üble That in Worten, böses Leben: das heißt man, Baumeister, üble Gehabung. Und woher, Baumeister, kommt diese üble Gehabung? Spricht man von ihrer Herkunft, so hat man zu sagen: aus dem Herzen kommt sie her.[119] Welcher Art ist das Herz? Das Herz ist eben gar vielfältig, manigfach, unterschiedlich; das Herz, das Gier, Hass und Irre birgt[120], da kommt die üble Gehabung her. Und wo, Baumeister, geht diese üble Gehabung ohne Ueberrest unter? Spricht man von ihrem Untergange, so gilt es, Baumeister, dass der Mönch üblen Wandel in Werken verlasse und guten Wandel in Werken erfülle, üblen Wandel in Worten verlasse und guten Wandel in Worten erfülle, üblen Wandel in Gedanken verlasse und guten Wandel in Gedanken erfülle, falsches Leben verlasse und auf rechte Weise das Leben friste: da geht jene üble Gehabung ohne Ueberrest unter. Wie aber wandelt man, Baumeister, dem Untergang übler Gehabung entgegenzugehn? Da weckt, Baumeister, der Mönch seinen Willen, dass er unaufgestiegene üble, unheilsame Dinge nicht aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene üble, unheilsame Dinge vertreibe, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er unaufgestiegene heilsame Dinge aufsteigen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit; weckt seinen Willen, dass er aufgestiegene heilsame Dinge sich festigen, nicht lockern, weiterentwickeln, erschließen, entfalten, erfüllen lasse, er müht sich darum, muthig bestrebt, rüstet das Herz, macht es kampfbereit. Also wandelt man, Baumeister, dem Untergang 347 übler Gehabung entgegenzugehn.