Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
Part 15
»Recht so, recht so, Anuruddher. Der Vollendete, Anuruddher, hat den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden, überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann. Gleichwie etwa, Anuruddher, eine Palme, der man die Krone abgeschnitten hat, nicht wieder emporwachsen kann, ebenso auch, Anuruddher, hat der Vollendete den Wahn, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden, überstanden, an der Wurzel abgeschnitten, einem Palmstumpf gleichgemacht, so dass er nicht mehr keimen, nicht mehr sich entwickeln kann; darum mag der Vollendete eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen.[61]
»Was meint ihr wohl, Anuruddher: welcher Umstand veranlasst den Vollendeten die Jünger, die dahingegangen, gestorben sind, je nach ihrer Auferstehung zu offenbaren: ›Jener ist da auferstanden, dieser ist dort auferstanden‹?«
»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht 465 es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr, wenn doch der Erhabene den Sinn solcher Rede erklären wollte! Das Wort des Erhabenen werden die Mönche bewahren.«
»Nicht eben, Anuruddher, für die Neugier der Leute, nicht zum Gerede der Leute, nicht um Almosen, Ehre und Ruhm zu erlangen, nicht in der Absicht[62]: ›Man soll mich erkennen!‹, offenbart der Vollendete die Jünger, die dahingegangen, gestorben sind, je nach ihrer Auferstehung: ›Jener ist da auferstanden, dieser ist dort auferstanden‹, sondern weil es, Anuruddher, edle Söhne giebt, die Zuversicht hegen, hohe Begeisterung, hohe Freude; und haben die das gehört, so wenden sie das Herz dahin: denen, Anuruddher, gereicht es lange zum Wohle, zum Heile.
»Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Gewiss bestanden.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Mönch sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Mönch sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert, wird er nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein 466 Mönch sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Mönch reden: Der und der Mönch ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln wird er zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Mönch sälige Ruhe.
»Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Gewiss bestanden.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert, wird sie nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Nonne reden: Die und die Nonne ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln wird sie zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und 467 sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Nonne sälige Ruhe.
»Da hört, Anuruddher, ein Anhänger reden: Der und der Anhänger ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Anhänger sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Anhänger reden: Der und der Anhänger ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert, wird er nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Anhänger sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, ein Anhänger reden: Der und der Anhänger ist gestorben, und der Erhabene hat von ihm offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln wird er zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und er hat jenen Ehrwürdigen selbst gesehn, oder es ist ihm berichtet worden: ›Also lebte jener Ehrwürdige, so und so, also lehrte jener Ehrwürdige, so und so, also wusste jener Ehrwürdige, so und so, also weilte jener Ehrwürdige, so und so, also löste sich jener Ehrwürdige, so und so.‹ Und indem er seiner Zuversicht und seiner Tugend, seiner Erfahrung und Entsagung und seiner Weisheit gedenkt, wendet er das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt ein Anhänger sälige Ruhe.
»Da hört, Anuruddher, eine Anhängerin reden: Die und die Anhängerin ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der fünf niederzerrenden Fesseln emporgestiegen, um von dort aus zu erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer 468 Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Anhängerin reden: Die und die Anhängerin ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre erleichtert, fast schon geläutert, wird sie nur einmal wiederkehren, nur einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe. -- Da hört, Anuruddher, eine Anhängerin reden: Die und die Anhängerin ist gestorben, und der Erhabene hat von ihr offenbart: ›Nach Vernichtung der drei Fesseln wird sie zur Hörerschaft gelangen, dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung entgegeneilen.‹ Und sie hat jene Schwester selbst gesehn, oder es ist ihr berichtet worden: ›Also lebte jene Schwester, so und so, also lehrte jene Schwester, so und so, also wusste jene Schwester, so und so, also weilte jene Schwester, so und so, also löste sich jene Schwester, so und so.‹ Und indem sie ihrer Zuversicht und ihrer Tugend, ihrer Erfahrung und Entsagung und ihrer Weisheit gedenkt, wendet sie das Herz dahin. Und auch auf solche Weise, Anuruddher, gewinnt eine Anhängerin sälige Ruhe.
»Und somit, Anuruddher, ist es nicht für die Neugier der Leute, nicht zum Gerede der Leute, nicht um Almosen, Ehre und Ruhm zu erlangen, nicht in der Absicht: ›Man soll mich erkennen!‹, dass der Vollendete Jünger, die dahingegangen, gestorben sind, je nach ihrer Auferstehung offenbart: ›Jener ist da auferstanden, dieser ist dort auferstanden‹, sondern weil es, Anuruddher, edle Söhne giebt, die Zuversicht hegen, hohe Begeisterung, hohe Freude; und haben die das gehört, so wenden sie das Herz dahin: denen, Anuruddher, gereicht es lange zum Wohle, zum Heile.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Anuruddho über das Wort des Erhabenen.
69.
Siebenter Theil Neunte Rede
GULISSĀNI
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 469 Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Um diese Zeit nun war ein Mönch Namens Gulissāni, ein Waldeinsiedler, ein Höhlenasket, zu den Ordensbrüdern auf Besuch gekommen, zu irgend einem Zwecke. Da nun wandte sich der ehrwürdige Sāriputto, in Beziehung auf den Mönch Gulissāni, also an die Mönche:
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat die Ordensasketen mit Achtung zu behandeln und Ergebenheit. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, die Ordensasketen ohne Achtung behandelt und ohne Ergebenheit, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er seine Ordensbrüder ohne Achtung behandelt und ohne Ergebenheit!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, die Ordensasketen mit Achtung zu behandeln und Ergebenheit.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat zu wissen wie man Platz nimmt, so zwar: ›Die alten Mönche werd’ ich nicht aufstehn lassen um mich zu setzen, die jungen Mönche nicht von ihren Sitzen gehn heißen.‹ Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, nicht weiß wie man Platz nimmt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er nicht einmal die Regeln des Betragens kennt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, zu wissen wie man Platz nimmt.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat nicht zur Unzeit nach dem Dorfe zu gehn, nicht bis Mittag auszubleiben. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, zur Unzeit nach dem Dorfe geht, bis Mittag ausbleibt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er zur Unzeit nach dem Dorfe geht, bis Mittag ausbleibt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, nicht zur Unzeit nach dem Dorfe zu gehn, nicht bis Mittag auszubleiben.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat nicht vor dem Mahl und nach dem Mahl 470 bei den Häusern um Almosen zu stehn. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, vor dem Mahl und nach dem Mahl bei den Häusern um Almosen steht, so sagt man von ihm: ›Nun hat sich gar dieser Waldeinsiedler, der allein im Walde für sich lebt, an den Gang zur Unzeit gewöhnt; selbst als Ordensasket lässt er sich verleiten!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, nicht vor dem Mahl und nach dem Mahl bei den Häusern um Almosen zu stehn.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat weder stolz zu sein noch unstet. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, stolz ist und unstet, so sagt man von ihm: ›Nun hat sich gar dieser Waldeinsiedler, der allein im Walde für sich lebt, an Stolz und Unstete gewöhnt; selbst als Ordensasket lässt er sich verleiten!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, weder stolz zu sein noch unstet.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat nicht gesprächig zu sein und vielrednerisch. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, gesprächig ist und vielrednerisch, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er gesprächig ist und vielrednerisch!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, nicht gesprächig zu sein und vielrednerisch.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat sanft zu reden und gütig. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, beißend redet und boshaft, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er beißend redet und boshaft!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, sanft zu reden und gütig.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, hat die Thore der Sinne zu hüten. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, der den Orden aufsucht, im Orden verweilt, die Thore der Sinne nicht hütet, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er die Thore der Sinne nicht 471 hütet!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler die Thore der Sinne zu hüten.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat beim Essen Maaß zu halten. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler beim Essen kein Maaß kennt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er beim Essen kein Maaß kennt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler beim Essen Maaß zu halten.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich der Wachsamkeit zu weihen. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler die Wachsamkeit versäumt, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er die Wachsamkeit versäumt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat sich ein Waldeinsiedler der Wachsamkeit zu weihen.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich eifrig zu üben. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler feige verzagt ist, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er feige verzagt ist!‹: also spricht man von ihm. Darum hat sich ein Waldeinsiedler eifrig zu üben.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat sich die Einsicht gewärtig zu halten. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler der Einsicht vergisst, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er der Einsicht vergisst!‹: also spricht man von ihm. Darum hat sich ein Waldeinsiedler die Einsicht gewärtig zu halten.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat gesammelt zu sein. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler zerstreut ist, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er zerstreut ist!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler gesammelt zu sein.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat weise zu sein. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler thörig ist, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er 472 allein im Walde für sich lebt, da er thörig ist!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler weise zu sein.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über die Lehre und über die Regel ernstlich nachzudenken. Es kommt vor, ihr Brüder, dass man einem Waldeinsiedler über die Lehre und über die Regel Fragen stellt. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über die Lehre und über die Regel befragt, nicht zu antworten weiß, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er, über die Lehre und über die Regel befragt, nicht zu antworten weiß!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler über die Lehre und über die Regel ernstlich nachzudenken.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, ernstlich nachzudenken. Es kommt vor, ihr Brüder, dass man einem Waldeinsiedler über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, Fragen stellt. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, befragt, nicht zu antworten weiß, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er, über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, befragt, nicht zu antworten weiß!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler über jene heiligen Erlösungen, die, jenseit der Formen, keinerlei Form behalten, ernstlich nachzudenken.
»Ein Waldeinsiedler, ihr Brüder, hat über die Dinge, die jenseit menschlichen Ermessens liegen, ernstlich nachzudenken. Es kommt vor, ihr Brüder, dass man einem Waldeinsiedler über die Dinge, die jenseit menschlichen Ermessens liegen, Fragen stellt. Wenn, ihr Brüder, ein Waldeinsiedler, über die Dinge, die jenseit menschlichen Ermessens liegen, befragt, nicht zu antworten weiß, so sagt man von ihm: ›Was taugt es wohl diesem ehrwürdigen Waldeinsiedler, dass er allein im Walde für sich lebt, da er ja das Ziel, warum er hinausgezogen ist, nicht einmal kennt!‹: also spricht man von ihm. Darum hat ein Waldeinsiedler über die Dinge, die jenseit menschlichen Ermessens liegen, ernstlich nachzudenken.«
Nach dieser Rede wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an den ehrwürdigen Sāriputto und sprach:
»Und hat wohl nur ein Waldeinsiedler, Bruder Sāriputto, diese Dinge insgesammt zu beobachten, oder auch ein Landpilger?«
»Ein Waldeinsiedler hat wohl, Bruder Moggallāno, diese Dinge 473 insgesammt zu beobachten: wie erst ein Landpilger!«
70.
Siebenter Theil Zehnte Rede
VOR KĪṬĀGIRI
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene im Lande der Benāreser von Ort zu Ort, von vielen Mönchen begleitet. Da nun wandte sich der Erhabene an die Mönche:
»Ich nehme, ihr Mönche, nur zu anderer Zeit und nicht am Abend Nahrung ein: und weil ich nun, ihr Mönche, nur zu anderer Zeit und nicht am Abend Nahrung einnehme, wahr’ ich mir Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein. So nehmet auch ihr denn, Mönche, nur zu anderer Zeit und nicht am Abend Nahrung ein: nur zu anderer Zeit, ihr Mönche, und nicht am Abend Nahrung einnehmend werdet auch ihr Gesundheit und Frische, Munterkeit, Stärke und Wohlsein euch wahren.«
»Gern, o Herr!« erwiderten da jene Mönche dem Erhabenen gehorsam.
Und der Erhabene wanderte im Lande der Benāreser von Ort zu Ort weiter und kam in die Nähe von Kīṭāgiri, einer Burg im Gebiete von Benāres.
Vor Kīṭāgiri weilte nun der Erhabene, vor der benāresischen Burg. Und gerade damals hielten sich die Jünger Assaji und Punabbasu mit ihren Mönchen bei Kīṭāgiri auf.
Da nun begaben sich viele Mönche dorthin wo Assaji und Punabbasu mit ihren Mönchen weilten. Dort angelangt sprachen sie also zu ihnen: