Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, zweiter Band
Part 14
»Da weilt, Udāyī, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Das aber nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da verweilt, Udāyī, ein Mönch in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da erwirkt, Udāyī, ein Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes. Das ist hier die Ueberwindung.[54] Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da gewinnt, Udāyī, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da erreicht, Udāyī ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Das ist hier die Ueberwindung. Auch das nenn’ ich, Udāyī, 456 unzulänglich, und sage ›Verwerft es‹, sage ›Ueberwindet es‹: und was ist hier die Ueberwindung? Da erreicht, Udāyī, ein Mönch nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Das ist hier die Ueberwindung. Und so sag’ ich denn, Udāyī, dass auch die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung zu überschreiten sei. Siehst du etwa, Udāyī, eine Fessel, fein oder gemein, die zu lassen ich nicht geheißen habe?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Udāyī über das Wort des Erhabenen.[55]
67.
Siebenter Theil Siebente Rede
VOR CĀTUMĀ
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Cātumā, im Āmalakīwalde.[56]
Zu dieser Zeit nun waren mit Sāriputto und Moggallāno gegen fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn. Und diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden Mönchen freundlich begrüßten und denen Sitz und Lagerstatt angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wurde, machten lauten Lärm, großen Lärm. Da nun wandte sich der Erhabene an den ehrwürdigen Ānando:
»Was ist das nur, Ānando, für lauter Lärm, großer Lärm? Als ob Fischer um die Beute rauften.«
»Es sind da, o Herr, mit Sāriputto und Moggallāno gegen fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn. Und diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden Mönchen freundlich begrüßen und denen Sitz und Lagerstatt angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wird, machen lauten Lärm, großen Lärm.«
»So geh’ denn, Ānando, und sage den Mönchen in meinem Namen: Der Meister lässt euch Ehrwürdige rufen.«
»Wohl, o Herr!« erwiderte der ehrwürdige Ānando, dem Erhabenen gehorchend, und begab sich dorthin wo jene Mönche weilten. Dort angelangt sprach er also zu ihnen: »Der Meister lässt euch Ehrwürdige rufen.«
»Gut, o Bruder, wir kommen!« erwiderten jene Mönche dem ehrwürdigen Ānando und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig 457 und setzten sich seitwärts nieder. Und zu den Mönchen, die da seitwärts saßen, sprach der Erhabene also:
»Was macht ihr nur, Mönche, für lauten Lärm, großen Lärm? Als ob Fischer um die Beute rauften.«
»Es sind hier, o Herr, mit Sāriputto und Moggallāno gegen fünfhundert Mönche in Cātumā angekommen, den Erhabenen zu sehn. Und eben diese ankommenden Mönche, die sich mit den anwesenden Mönchen freundlich begrüßen und denen Sitz und Lagerstatt angewiesen und Mantel und Schaale abgenommen wird, machen lauten Lärm, großen Lärm.«
»Geht weiter, Mönche, ich entlass’ euch: nicht sollt ihr bei mir sein.«
»Also, Herr!« erwiderten jene Mönche, dem Erhabenen gehorchend, standen von ihren Sitzen auf, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig, schritten rechts herum, brachten ihr Lager in Ordnung, nahmen Mantel und Schaale und zogen von dannen.
Um diese Zeit nun waren die Sakyerfürsten von Cātumā im städtischen Herrenhause zusammengekommen, irgend eine Angelegenheit zu berathen. Es sahn aber die Sakyerfürsten von Cātumā jene Mönche wie sie von ferne heranzogen, und als sie die Mönche gesehn gingen sie ihnen entgegen und sprachen sie also an:
»Ei, wo geht ihr denn, Ehrwürdige, wieder hin?«
»Der Erhabene, ihr Lieben, hat die Mönchgemeinde entlassen.«
»So nehmt doch, Ehrwürdige, eine Weile hier Platz: vielleicht gelingt es uns den Erhabenen zu versöhnen.«
»Gern, ihr Lieben!« erwiderten jene Mönche den Sakyerfürsten von Cātumā.
Und die Sakyerfürsten von Cātumā begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen nun die Sakyerfürsten von Cātumā zum Erhabenen also:
»Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden! Es sind hier, o Herr, neue Mönche, erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, zarte Schößlinge ohne Wasser zu bekommen verkümmern und verderben möchten, ebenso nun auch, o 458 Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, ein zartes Kalb von der Mutter getrennt verkümmern und verderben möchte, ebenso nun auch, o Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden!«
Nun aber gewahrte Brahmā Sahampati des Erhabenen Herzenserwägung im Herzen; und so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, verschwand er da aus der Brahmawelt und erschien vor dem Erhabenen. Und Brahmā Sahampati entblößte eine Schulter, faltete die Hände zum Erhabenen und sprach zum Erhabenen also:
»Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden! Es sind hier, o Herr, neue Mönche, erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, zarte Schößlinge ohne Wasser zu bekommen verkümmern und verderben möchten, ebenso nun auch, o Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Gleichwie etwa, o Herr, ein zartes Kalb von der Mutter getrennt verkümmern und verderben möchte, ebenso nun auch, o Herr, giebt es hier neue Mönche, die erst seit kurzem Asketen, eben erst in diese Lehre und Ordnung eingetreten sind: und wenn diese den Erhabenen nicht zu sehn bekämen, so möchten sie verkümmern, möchten verderben. Annehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde, aufnehmen möge, o Herr, der Erhabene die Mönchgemeinde! Gleichwie da, o Herr, der Erhabene früher die Mönchgemeinde begnadet hat, ebenso nun auch 459 möge der Erhabene jetzt die Mönchgemeinde begnaden!«
Und es gelang den Sakyerfürsten von Cātumā und Brahmā Sahampati den Erhabenen zu versöhnen, durch das Gleichniss vom Schößling und durch das Gleichniss vom Kalbe.[57] Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno wandte sich an die Mönche:
»Steht auf, ihr Brüder, und nehmt Mantel und Schaale: versöhnt ist der Erhabene von den Sakyerfürsten aus Cātumā und von Brahmā Sahampati, durch das Gleichniss vom Schößling und durch das Gleichniss vom Kalbe.«
»Wohl, o Bruder!« sagten da jene Mönche, dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno willfahrend; und sie standen auf, nahmen Mantel und Schaale und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Und zum ehrwürdigen Sāriputto, der an der Seite saß, sprach der Erhabene also:
»Was dachtest du, Sāriputto, da ich die Mönchgemeinde entließ?«
»Also dacht’ ich, o Herr, da der Erhabene die Mönchgemeinde entließ: ›Selbstgenugsam will jetzt der Erhabene säliger Gegenwart genießen, und auch wir wollen jetzt selbstgenugsam säliger Gegenwart genießen.‹«
»Gehe du, Sāriputto, gehe du, Sāriputto: und nicht wieder, Sāriputto, sollst du einen solchen Gedanken hegen.«
Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno:
»Was dachtest du, Moggallāno, da ich die Mönchgemeinde entließ?«
»Also dacht’ ich, o Herr, da der Erhabene die Mönchgemeinde entließ: ›Selbstgenugsam will jetzt der Erhabene säliger Gegenwart genießen, ich aber und der ehrwürdige Sāriputto werden uns jetzt der Mönchgemeinde annehmen.‹«
»Gut, gut, Moggallāno: sei es eben ich, der sich da der Mönchgemeinde annimmt, sei es eben Sāriputto und Moggallāno.«
Und der Erhabene wandte sich nun an die Mönche:
»Vier Gefahren, ihr Mönche, sind da bei einem Badenden zu gewärtigen: welche vier? Die Gefahr der Woge, die Gefahr des Krokodils, die Gefahr des Strudels, die Gefahr des Haies. Das, ihr Mönche, sind die vier Gefahren, die bei einem Badenden zu gewärtigen sind. Ebenso nun auch, ihr Mönche, sind da vier Gefahren bei manchem Menschen zu gewärtigen, der in diese Lehre und Ordnung, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist: welche vier? Die Gefahr der Woge, die Gefahr des Krokodils, die 460 Gefahr des Strudels, die Gefahr des Haies.
»Was ist aber, ihr Mönche, die Gefahr der Woge? Da ist, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹[58] Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt, und seine Ordensbrüder belehren ihn, ermahnen ihn: ›So sollst du herzugehn, so sollst du hinweggehn, so sollst du aufblicken, so sollst du wegblicken, so sollst du dich neigen, so sollst du dich heben, so sollst du des Ordens Gewand und Almosenschaale tragen.‹ Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir früher als Hausleute lebten, haben andere belehrt und ermahnt: und diese, die wohl unsere Kinder, wohl unsere Enkel sein könnten, meinen uns belehren und ermahnen zu müssen!‹ Und er giebt die Askese auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche, sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr der Woge die Askese aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr der Woge‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für Zorn und Verzweiflung.
»Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Krokodils? Da ist, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt, und seine Ordensbrüder belehren ihn, ermahnen ihn: ›Das darfst du kauen, das darfst du nicht kauen, das darfst du essen, das darfst du nicht essen, das darfst du schmecken, das darfst du nicht schmecken, das darfst du trinken, das darfst du nicht trinken; Geziemendes darfst du kauen, Ungeziemendes darfst du nicht kauen, Geziemendes darfst du essen, Ungeziemendes darfst du nicht essen, Geziemendes darfst du schmecken, Ungeziemendes darfst du nicht schmecken, Geziemendes darfst du trinken, Ungeziemendes darfst du nicht trinken; zur Zeit darfst du kauen, zur Unzeit darfst du nicht kauen, zur Zeit darfst du essen, zur Unzeit darfst du nicht essen, zur Zeit darfst du schmecken, zur Unzeit darfst du nicht schmecken, zur Zeit darfst du trinken, zur Unzeit darfst du nicht trinken.‹ Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir 461 früher als Hausleute lebten, haben gekaut was wir wollten, und was wir nicht wollten, das haben wir nicht gekaut, haben gegessen was wir wollten, und was wir nicht wollten, das haben wir nicht gegessen, haben geschmeckt was wir wollten, und was wir nicht wollten, das haben wir nicht geschmeckt, haben getrunken was wir wollten, und was wir nicht wollten, das haben wir nicht getrunken; Geziemendes haben wir gekaut, und Ungeziemendes haben wir gekaut, Geziemendes haben wir gegessen, und Ungeziemendes haben wir gegessen, Geziemendes haben wir geschmeckt, und Ungeziemendes haben wir geschmeckt, Geziemendes haben wir getrunken, und Ungeziemendes haben wir getrunken; zur Zeit haben wir gekaut, und zur Unzeit haben wir gekaut, zur Zeit haben wir gegessen, und zur Unzeit haben wir gegessen, zur Zeit haben wir geschmeckt, und zur Unzeit haben wir geschmeckt, zur Zeit haben wir getrunken, und zur Unzeit haben wir getrunken. Wenn uns gläubige Hausleute mittags zur Unzeit an Speise und Trank Gutes darreichen, so halten uns diese hier gleichsam den Mund zu!‹ Und er giebt die Askese auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche, sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Krokodils die Askese aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr des Krokodils‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für Gefräßigkeit.
»Was aber, ihr Mönche, ist die Gefahr des Strudels? Da ist, ihr Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt, und er geht, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Dorfe oder nach der Stadt um Almosenspeise, aber ohne den Körper zu hüten, ohne die Rede zu hüten, ohne die Einsicht gewärtig zu halten, ohne die Sinne gezügelt zu haben. Und da erblickt er einen Hausvater, oder den Sohn eines Hausvaters, mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt. Und es wird ihm also zumuthe: ›Wir, die wir früher als Hausleute lebten, waren mit dem Besitz und Genuss der fünf Begehrungen begabt. Wir sind reich zuhause: man kann den Reichthum genießen und Gutes thun!‹ Und er giebt die Askese auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche, sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Strudels die Askese aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr des Strudels‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für die fünf Begehrungen.
»Und was ist, ihr Mönche, die Gefahr des Haies? Da ist, ihr 462 Mönche, ein edler Sohn von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Mit solcher Gesinnung hat er der Welt entsagt, und er geht, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, nach dem Dorfe oder nach der Stadt um Almosenspeise, aber ohne den Körper zu hüten, ohne die Rede zu hüten, ohne die Einsicht gewärtig zu halten, ohne die Sinne gezügelt zu haben. Und da erblickt er ein Weib, halb angekleidet nur oder nur halb verhüllt. Und weil er ein Weib gesehn hat, halb angekleidet nur oder nur halb verhüllt, wird sein Herz von Gier geschwellt. Und weil sein Herz von Gier geschwellt ist, giebt er die Askese auf und kehrt zur Gewohnheit zurück. Ein solcher, ihr Mönche, sagt man, hat aus Furcht vor der Gefahr des Haies die Askese aufgegeben und ist zur Gewohnheit zurückgekehrt. ›Die Gefahr des Haies‹, ihr Mönche: das ist eine Bezeichnung für das Weib.
»Das sind, ihr Mönche, die vier Gefahren, die man da, bei manchem Menschen, der in diese Lehre und Ordnung, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen ist, zu gewärtigen hat.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
68.
Siebenter Theil Achte Rede
VOR NAḶAKAPĀNAM
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Reiche der Kosaler, bei Naḷakapānam, im Laubwalde.[59]
Zu dieser Zeit nun waren gar viele wohlbekannte, wohlangesehne edle Söhne um des Erhabenen willen, von Zutrauen bewogen, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen[60], der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo, der ehrwürdige Bhagu und der ehrwürdige Kuṇḍadhāno, der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando, und noch andere wohlbekannte, wohlangesehne edle Söhne.
Da saß denn einst der Erhabene, von der Mönchgemeinde umgeben, unter freiem Himmel. Und der Erhabene wandte sich, in Beziehung 463 auf jene edlen Söhne, also an die Mönche:
»Jene edlen Söhne, ihr Mönche, die um meinetwillen, von Zutrauen bewogen, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert sind, vielleicht sind, ihr Mönche, diese Mönche mit dem Asketenthum wohlzufrieden.«
Auf diese Worte blieben die Mönche schweigsam. Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal wandte sich der Erhabene, in Beziehung auf jene edlen Söhne, also an die Mönche:
»Jene edlen Söhne, ihr Mönche, die um meinetwillen, von Zutrauen bewogen, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gewandert sind, vielleicht sind, ihr Mönche, diese Mönche mit dem Asketenthum wohlzufrieden.«
Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal verharrten die Mönche in Schweigen. Und der Erhabene sprach zu sich: ›Wie, wenn ich nun diese edlen Söhne selbst fragte?‹ Und der Erhabene wandte sich also an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Seid ihr denn, Anuruddher, mit dem Asketenthum wohlzufrieden?«
»Freilich, o Herr, sind wir mit dem Asketenthum wohlzufrieden.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Das steht euch an, Anuruddher, die ihr als edle Söhne von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gegangen, dass ihr mit dem Asketenthum wohlzufrieden seid. Die glückliche Jugend, Anuruddher, die euch in erster Mannesblüthe glänzend dunkelhaarig die Welt genießen lassen könnte, diese glückliche Jugend, Anuruddher, hat euch in erster Mannesblüthe glänzend dunkelhaarig aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinausziehn heißen. Denn euch, Anuruddher, hat ja kein König gezwungen aus dem Hause in die Hauslosigkeit zu wandern, kein Räuber, keine Schuldenlast, keine Furcht, keine Lebensnothdurft hat euch vermocht aus dem Hause in die Hauslosigkeit fortzuziehn, sondern ihr habt gemerkt: ›Versunken bin ich in Geburt, in Altern und Sterben, in Wehe, Jammer und Leiden, in Gram und Verzweiflung, in Leiden versunken, in Leiden verloren! O dass es doch etwa möglich wäre dieser ganzen Leidensfülle ein Ende zu machen!‹ Seid ihr, Anuruddher, nicht also von Zuversicht bewogen aus dem Hause in die Hauslosigkeit gegangen?«
»Ja, o Herr!«
»Und wer also entsagt hat, Anuruddher, als edler Sohn, was mag der zu thun haben? Wer fern, Anuruddher, von Wünschen, fern von Schlechtem, keine heitere Säligkeit findet oder Anderes, noch Besseres, dessen Gemüth wird von Gier erfasst und gefesselt, wird von Hass erfasst und gefesselt, wird von matter Müde erfasst und gefesselt, wird von stolzem Unmuth erfasst und gefesselt, wird von schwankender Ungewissheit erfasst und gefesselt, wird von Unlust erfasst und gefesselt, wird von 464 Trägheit erfasst und gefesselt; fern, Anuruddher, von Wünschen, fern von Schlechtem findet er keine heitere Säligkeit oder Anderes, noch Besseres: wer fern, Anuruddher, von Wünschen, fern von Schlechtem heitere Säligkeit findet und Anderes, noch Besseres, dessen Gemüth wird von keiner Gier erfasst und gefesselt, wird von keinem Hass erfasst und gefesselt, wird von keiner matten Müde erfasst und gefesselt, wird von keinem stolzen Unmuth erfasst und gefesselt, wird von keiner schwankenden Ungewissheit erfasst und gefesselt, wird von keiner Unlust erfasst und gefesselt, wird von keiner Trägheit erfasst und gefesselt; fern, Anuruddher, von Wünschen, fern von Schlechtem findet er heitere Säligkeit und Anderes, noch Besseres.
»Vielleicht, Anuruddher, meint ihr von mir: ›Der Wahn, der besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende, der ist vom Vollendeten nicht überstanden; darum mag der Vollendete eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen.‹«
»Nicht doch, o Herr, denken wir vom Erhabenen also: ›Der Wahn, der besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende, der ist vom Vollendeten nicht überstanden; darum mag der Vollendete eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen‹, sondern also denken wir, o Herr, vom Erhabenen: ›Der Wahn, der besudelnde, Wiederdasein säende, entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugende, der ist vom Vollendeten überstanden; darum mag der Vollendete eins mit Bedacht pflegen, und eins mit Bedacht dulden, eins mit Bedacht fliehn, und eins mit Bedacht bekämpfen.‹«