Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 42

Chapter 423,366 wordsPublic domain

»So seh’ ich dich denn hier, Böser! Lass’ die Hoffnung fahren: ›Er sieht mich nicht‹, dort stehst du, Böser, an den Thürbalken gelehnt. -- Vor langen Zeiten, Böser, war ich einst Māro gewesen und hieß Dūsī, hatte eine Schwester, die hieß Kāḷī; deren Sohn warst du, bist damals mein Neffe gewesen. Zu jener Zeit nun, Böser, war Kakusandho der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte in der Welt erschienen. Kakusandho nun aber, Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, hatte ein Jüngerpaar, das unter dem Namen Wissenswalt und Lebenswalt bekannt war, ein hohes, erlauchtes Paar. Denn so viel Jünger auch, Böser, Kakusandho der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte besaß: keiner reichte da wohl an den ehrwürdigen Wissenswalt heran, wenn es galt die Satzung darzulegen. Und so geschah es, Böser, dass der ehrwürdige Wissenswalt nach und nach eben als ›Wissenswalt, Wissenswalt‹ bekannt wurde. Der ehrwürdige Lebenswalt dagegen, Böser, pflegte im Inneren des Waldes zu weilen, oder unter einem großen Baume, oder in leerer Klause, und versenkte sich gar leicht in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit. Eines Tages, Böser, hatte sich der ehrwürdige Lebenswalt, unter einem großen Baume sitzend, in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit versenkt. Da sahn nun, Böser, Hirten und Landleute den ehrwürdigen Lebenswalt, in die Auflösung der Wahrnehmbarkeit verloren, am Fuße eines großen Baumes sitzen, und wie sie ihn da fanden riefen sie erstaunt und bestürzt aus: ›Seht nur, welch ein Wunder! Sitzend ist dieser Asket da gestorben! Lasst ihn uns bestatten.‹ Und jene Hirten und Landleute, Böser, trugen Stroh und Reisig und trockenen Dünger herbei, bedeckten damit den Körper des Ehrwürdigen, legten Feuer an und gingen fort. Am nächsten Morgen nun, Böser, kam der ehrwürdige Lebenswalt aus seiner Vertiefung zurück, erhob sich, schüttelte sein Gewand, nahm Mantel und Schaale und begab sich ins Dorf um Almosenspeise. Da sahn nun, Böser, jene Hirten und Landleute den ehrwürdigen Lebenswalt von Haus zu Haus schreiten, und als sie ihn gesehn riefen sie erschreckt und entsetzt aus: ›Seht, o seht nur! Der Asket, der da sitzend gestorben ist, der ist nun wieder lebendig geworden!‹ Und so geschah es, Böser, dass der 334 ehrwürdige Lebenswalt nach und nach eben als ›Lebenswalt, Lebenswalt‹ bekannt wurde. -- Aber Dūsī der Māro, Böser, gedachte nun also: ›Ich weiß wahrhaftig nicht, woher diese tugendreinen, edelgearteten Mönche kommen und wohin sie gehn; wie, wenn ich nun Priester und Hausväter aufzureizen suchte: Geht mir mit eueren tugendreinen, edelgearteten Mönchen! Beschimpft sie, beleidigt sie, verjagt sie, verfolgt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn schon ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und Māro Dūsī, Böser, fuhr in die Priester und Hausväter hinein: ›Geht mir mit eueren tugendreinen, edelgearteten Mönchen! Beschimpft sie, beleidigt sie, verjagt sie, verfolgt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn schon ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und jene Priester und Hausväter, Böser, aufgehetzt von Dūsī dem Māro, beschimpften und beleidigten die tugendreinen, edelgearteten Mönche, verjagten und verfolgten sie: ›Da kommen sie ja, die Kahlköpfe, die Pfaffen, dieses dreiste Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen! Beschaulichkeit, Beschaulichkeit athmen sie aus, mit ihren gebeugten Schultern und gesenkten Blicken, wie süßen Mostes trunken, die schauen und hinschauen und herschauen und nachschauen. Gleichwie etwa die Eule am Ast eine Maus erspäht und schaut und hinschaut und herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa der Schackal am Bache nach Fischen auslugt und schaut und hinschaut und herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa die Katze im Kehrichtwinkel des Hofes der Ratte auflauert und schaut und hinschaut und herschaut und nachschaut, oder gleichwie etwa der Esel, vom Karren losgeschnallt, in den Hof, zum Kerichthaufen geht und schaut und hinschaut und herschaut und nachschaut: ebenso kommen sie da, diese Kahlköpfe von Pfaffen, das dreiste Gesindel, einer dem anderen auf den Fersen! Beschaulichkeit, Beschaulichkeit athmen sie aus, mit ihren gebeugten Schultern und gesenkten Blicken, wie süßen Mostes trunken, die schauen und hinschauen und herschauen und nachschauen.‹ Und die Menschen, Böser, die damals starben, die gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zumeist abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. -- Aber Kakusandho, 335 Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte ermahnte die Mönche: ›Angestiftet, ihr Mönche, sind Priester und Hausväter von Dūsī dem Māro: ‚Geht mir mit eueren tugendreinen, edelgearteten Mönchen! Beschimpft sie, beleidigt sie, verjagt sie, verfolgt sie: da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn schon ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‘ Gehet, ihr Mönche: liebevollen Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem euch wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Erbarmenden Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem euch wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Freudevollen Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem euch wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt mit freudevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. Unbewegten Gemüthes weilend strahlet nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem euch wiedererkennend durchstrahlet die ganze Welt mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.‹ Und jene Mönche, Böser, von Kakusandho dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten also belehrt, also gewiesen, zogen sich ins Innere des Waldes zurück, oder unter große Bäume, oder in leere Klausen: liebevollen Gemüthes, erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes und unbewegten Gemüthes weilend strahlten sie nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlten sie die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit erbarmendem Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe und mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem. -- Aber Dūsī der Māro, Böser, besann sich nun also: ›Auf diese Weise komm’ ich nicht weiter und kann nicht erfahren woher die Mönche, die tugendreinen, edelgearteten, kommen und wohin sie gehn: wie, wenn ich nun Priester und Hausväter antriebe: Seht doch die tugendreinen, edelgearteten Mönche! Haltet sie hoch, schätzt sie gebührend, achtet und ehrt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn gewiss ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und Māro Dūsī, Böser, fuhr in die Priester und Hausväter hinein: ›Seht doch die tugendreinen, edelgearteten Mönche! Haltet sie hoch, schätzt sie gebührend, achtet und 336 ehrt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn gewiss ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‹ Und jene Priester und Hausväter, Böser, bewogen von Dūsī dem Māro, hielten die tugendreinen, edelgearteten Mönche hoch, schätzten sie nach Gebühr, achteten und ehrten sie. Und die Menschen, Böser, die damals starben, die gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zumeist auf gute Fährte, in himmlische Welt. -- Aber Kakusandho, Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte ermahnte die Mönche: ›Angestiftet, ihr Mönche, sind Priester und Hausväter von Dūsī dem Māro: ‚Seht doch die tugendreinen, edelgearteten Mönche! Haltet sie hoch, schätzt sie gebührend, achtet und ehrt sie -- da wird sich bei solcher Behandlung ihr Sinn gewiss ändern und Māro Dūsī Eingang finden.‘ Gehet, ihr Mönche: betrachtet die Erbärmlichkeit des Körpers, gedenket des Ekels der Nahrung, gedenket der Freudlosigkeit an der ganzen Welt, gedenket der Flüchtigkeit aller Erscheinungen.‹ Und jene Mönche, Böser, von Kakusandho dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten also belehrt, also gewiesen, zogen sich ins Innere des Waldes zurück, oder unter große Bäume, oder in leere Klausen: dort weilend betrachteten sie die Erbärmlichkeit des Körpers, waren eingedenk des Ekels der Nahrung, eingedenk der Freudlosigkeit an der ganzen Welt, hielten sich die Flüchtigkeit aller Erscheinungen vor. -- Und Kakusandho, Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte stand rüstig auf, nahm Mantel und Schaale und ging gefolgt vom ehrwürdigen Wissenswalt, nach dem Dorfe um Almosenspeise. Und Dūsī der Māro, Böser, fuhr in einen Knaben, ergriff einen Scherben und warf ihn dem ehrwürdigen Wissenswalt an den Kopf, verletzte den Kopf. Und der ehrwürdige Wissenswalt, Böser, folgte nun mit zerschnittenem Kopfe und 337 strömendem Blute Kakusandho dem Erhabenen, dem Heiligen, vollkommen Erwachten Schritt um Schritt nach. Und Kakusandho, Böser, der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte blickte sich mit dem Blicke des Elephanten um:

›Wahrlich kein Maaß hat Māro gekannt hier.‹

Bei jenem Blicke, Böser, zerging aber Dūsī der Māro auf der Stelle und erschien in einer Erzhölle wieder; in einer Hölle, Böser, die mit dreierlei Namen genannt wird: als Hölle der Sechs Sinne[39], als Hölle der Lanzenstarre, als Hölle der Innigen Pein. Da traten nun, Böser, Höllenwächter zu mir heran und sprachen: ›So oft sich, Würdiger, zwei Lanzen in deinem Herzen kreuzen, wisse, dass tausend Jahre deiner Höllenquaal um sind.‹ Und so litt ich denn, Böser, viele Jahre, viele Jahrhunderte, viele Jahrtausende in jener Erzhölle: zehn Jahrtausende litt ich allein im Höllenpfuhle, das äußerste der Gefühle, wie man es nennt, empfindend. Und mein Leib war da, Böser, wie etwa der eines Menschen, und mein Kopf wie etwa der eines Fisches.

»Was war es für ein Höllenort Wo Māro Dūsī Quaalen litt Als Frevel er an Wissenswalt Und seinem hehren Herrn gethan?

»Es blitzten hundert Lanzen blank Und jede stach mit eignem Stich: Das war des Ortes arge Pein Wo Māro Dūsī Quaalen litt Als Frevel er an Wissenswalt Und seinem hehren Herrn gethan.

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Im Meere liegen Inseln hold, Ein Weltenalter stehn sie stand, Wie Edelsteine hell und rein, Ein funkelnd Feuer, glänzend klar: Und Nixen tanzen Tänze dort, Und jede lacht in eignem Licht.

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Wer auf Geheiß des wachen Herrn Im Angesicht der Jüngerschaar Den Quaadergrund am Hirschenstein Mit seiner Zeh’ erzittern ließ:

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Wer Sakkos Siegesbanner-Schloss Mit seiner Zeh’ erzittern ließ, Magiegewaltig witzbegabt Ein Götterbeben einst gebot:

»Wer dessen sich erinnern kann, 338 Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Wer dann im Siegesbanner-Saal Den Götterfürsten Sakko frug: ›Doch kennst du, lieber Vāsu, wohl Das Heil versiegter Lebenslust?‹ Und dem der Gott nun Punkt für Punkt Bescheid auf seine Frage gab:

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Wer fragend vor den Brahmā trat, im Saal der Säligen also sprach: ›Wähnst, Bruder, du hier immer noch Den Wahn, den du vorher gewähnt? Merkst nicht, dass auch der Glitterglanz Der Brahmawelt verwesen muss?‹

»Und dem nun Brahmā Punkt für Punkt, Wie sich’s gebühret, Antwort gab: ‚Nein, Würdiger, ich wähne nicht Den Wahn mehr, den ich einst gewähnt.

»‚Wohl merk’ ich, dass der Glitterglanz Der Brahmawelt verwesen muss; Wie achtlos hab’ ich doch geirrt, Zu wähnen, dass ich ewig sei!‘

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Wer höchsten Berges Gipfelgrat Als Heiliger erobert hielt, Den östlichen Videher-Wald. Der Erde tiefste Höllen fand:

»Wer dessen sich erinnern kann, Des Auferwachten treuer Sohn, Den lasse, Frevler, unversucht, Willst selber Leid nicht leiden du.

»Hat wohl das Feuer je gedacht: ›Versengen will den Thoren ich‹? Der Thor, der flacke Feuersgluth Erfassen will, versengt sich selbst.

»So willst nun, Māro, fassen du, Willst sehren den Vollendeten, Wirst aber sengen nur dich selbst, Ein Thor, der Feuer fassen will.

»Verderben schürst dir, Māro, an: Willst fassen den Vollendeten, Und hoffest, Frevler, hoffensfroh, Dein Frevel werde frommen dir?

»Des Frevlers Frevel schichten sich Zu langem Leid, Verworfener! Verzweifle, Tod, am wachen Herrn, Heb’ von den Jüngern dich hinweg.«

So hat im wilden Schreckenswald Ein Mönch dem Māro einst gewehrt: Und plötzlich war der wirre Geist Am selben Ort verschwunden da.

ANMERKUNGEN

[* Wie aus der, durch die Güte und Beharrlichkeit Mr. /Hugh Nevills/, G. A. C. S. Ceylon, mir zugegangenen Abschrift (15 folios = 4 Kapiteln, das letzte unvollständig) hervorgeht, erwähnt das, nebenbei gesagt, äußerst seltene Werk _Vinayapiṭakam_ und _Abhidhammapiṭakam_ mit keinem Worte, sondern giebt eine kurzgefasste, natürlich scholastische, doch sehr gute Hermenie zu den Lehren des Buddhismus, d. i. des _Suttapiṭakam_, auf Grund zahlreicher Citate aus demselben. Die Belegstellen sind verständig und sorgfältig gewählt, etwa je ein dutzend wohlbekannter Stücke aus dem _AN_, _SN_ und _MN_, auch etwas aus dem _DN_, insbesondere aber sind es Verse, gegen dreißig, ¾ davon solche des _Dhammapadam_. Bei der Darstellung der Vier heiligen Wahrheiten wird erklärt, wie bei genauer Prüfung »durchgängig im _Pañcanikāyo_« das Wort den Sinn und der Sinn das Wort erhelle. Das Werk war für Vorgeschrittenere bestimmt und setzt viel als bekannt voraus. Aus allem geht klar hervor, dass Kaccāyano, oder wer der Verfasser sonst gewesen sein mag, _Peṭakopadeso_ im Sinne von _Suttapiṭakopadeso_ gebraucht hat.]

[** cf. den Schluss des _Vinayapiṭakam_, vol. IV. p. 207 und 351: _Ettakaṃ tassa bhagavato suttāgataṃ suttapariyāpannam anvaddhamāsam uddesam āgacchati_ -- womit also dieser Kanon sich selbst schlank und schlicht als Auszug aus dem _Suttapiṭakam_ vorstellt.]

[*** zu den von /Rhys Davids/, SBE XI. 36^{2}, beigebrachten Stellen zur _ācariyamuṭṭhi_ cf. die ausgezeichnete Bestätigung /Burnells/, _Vaṃśabrāhmaṇam_, Mangalore 1873, p. XIV. s. v. _upadeśas_.]

FUSSNOTEN:

[Fußnote 1: _abhibhū_, der Uebermächtige, der Ueberwältiger, ist nicht etwa eine Hypostase Brahmās (die ja sammt und sonders ad absurdum geführt werden, e. g. _DN_ vol. I. p. 17 f., 221 f.), sondern es ist der Weltüberwinder, der _Jino_. Cf. _MN_ vol. I. p. 171.]

[Fußnote 2: _nibbānam:_ von √(van) wollen, wünschen, wähnen; siehe meinen »Wahrheitpfad«, 1. Aufl., p. 155. Zur Etymologie vergl. noch _Theragāthā_ v. 689 ff. _Manussabhūto sambuddho vanā nibbānam āgato_; zur Semasiologie _SN_ vol. II. p. 118 _Bhavanirodho nibbānan ti_.]

[Fußnote 3: _buddho_ erwacht; vergl. _paṭibuddho_ wiedererwacht, _MN_ vol. I. p. 365.]

[Fußnote 4: die Reihe _appicchatā_, _santuṭṭhī_, _sallekhā_, _subharatā_, _viriyārambhā_ weist auf die wahre Abstammung von _sallekhā_, _sallekho_ hin: nicht aus _likh°_, sondern aus _lagh°_ hat sich entwickelt _saṃlaghuka_, _sallahuka_, _sallaukha_, _salloekha_, _sallekho_. -- In _sallikhitagatto_, _SN_ vol. I., p. 82, ist das _i_ dialektische Differenzierung, wie bei _nisinno_ für _niṣaṇṇas_.]

[Fußnote 5: _pubbe ’va sambodhā anabhisambuddhassa bodhisattass’ eva sato: bodhisatto_ = _bodhi_ + _sakta_, √(sañj); cf. _āsatto_, _MN_ I., 120, 1; _AN_ I., 138, _SN_ I., 212 (_CV_ II., 156), _asatto_, _Suttanipāto_ v. 176 f. etc., _ādānasattam maccudheyyam_ v. 1104, auch _MN_ I, 376 _manosatto_ = _manopaṭibaddho_, _Suttanip_. v. 473 _mānasatto_, _SN_ IV., 23, 66 _bhavasatto_. Diese Ableitung war dem ursprünglichen Buddhismus so geläufig, dass er sie, metaphorisch, sogar auf _sattva_ bezogen hat, siehe _SN_ III., 190.]

[Fußnote 6: _anussaranti_, praesens praeteriti soliti; cf. _Ekaṃ samayaṃ... viharati_ u. a. m. -- /Whitney/, Ind. Gramm. § 777.]

[Fußnote 7: Die richtige Auslegung dieser Stelle verdanke ich /Georg Bühler/; vergl. auch /R. Otto Franke/ in der Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, vol. VII., p. 353. Zum Begriffe _anuggaho_ cf. übrigens _Ṛgvedaprātiśākhyam_ XI, 10, sammt Kommentar, mit /Wilsons/ _Viṣṇupurāṇam_ vol. I., p. 76 n. 1, und /Burnoufs/ _Bhāgavatapurāṇam_ VII, 9, 48.]

[Fußnote 8: ~Magen~ für _antam_ (von _antaram_) ergiebt sich aus _SN_ vol. II. p. 270, lin. ult.]

[Fußnote 9: Freie Brüder = _Nigaṇṭhā_, wörtlich Knotenlose, einer der Zweige der großen Sekte der _Jainās_ die noch heute in Indien besteht, gegründet von _Nāthaputto_, einem Zeitgenossen Gotamos. Vergl. Anm. 24.]

[Fußnote 10: Die tief im Wesen des Ordens begründete Geringschätzung aller Riten (vergl. die keineswegs seltene _Ehibhikkhu-upasampadā_) giebt sich auch hier, fast überraschend, zu erkennen: selbst die, _Vin._ vol. I. p. 159, klar normierte _Pavāraṇā_-Feier mag der Mönch, ganz nach Belieben, mitmachen oder nicht mitmachen, es gilt gleich; wie eben schon ein alter, dem _Śaṉkhas_ (_Saṇh._ VII, 16, 4) zugeschriebener Spruch sagt: _Hṛdi sarvam pratiṣṭhitam._]

[Fußnote 11: Hohe schlanke Bäume voller wohlriechender Blüthen; die köstliche Frucht, von außen wie eine große grüne Orange anzusehn, heißt Bilva.]

[Fußnote 12: _bhavābhavo_ ist hier zu erklären wie _kusalākusalam, sāvajjānavajjam, karaṇīyākaraṇīyam, maggāmaggo_ u. a., _AN_ vol. I. p. 129, 174, II. 37; vergl. insbes. das 49. _Itivuttakam, Suttanipāto_ v. 6 u. 514, _DN_ vol. I. p. 179.]

[Fußnote 13: Vergl. Anmerk. 28.]

[Fußnote 14: Die ersten sieben Gleichnisse werden in der 54. Rede näher erklärt: Ein kahler Knochen, ohne Fleisch, abgeschabt, blutbefleckt, vom Schlächter einem halbverhungerten Hunde zugeworfen; ein Fleischfetzen, von einem Geier gepackt, doch von anderen herniederstürzenden Geiern im Kampf auf Leben und Tod entrissen; eine Strohfackel, die gegen den Wind getragen gar bald Hand, Arm und Leib ergreift; eine Grube voll glühender Kohlen, die dem Hineingestoßenen jämmerliches Unheil bereitet; Gärten, Haine, Gewässer, die man im Traum gesehn hat, aber wiedererwacht (_paṭibuddho_) vergebens suchen würde; ein zusammengeborgter Schatz, mit dem man am Markte großthut: aber die Eigner kommen und nehmen ihn weg; Nüsse, die einer, der klettern kann, auf hoher Palme oben sitzend pflückt: aber ein anderer, der nicht klettern kann, kommt mit scharfem Beile versehn heran und hackt auf den Stamm los, die Nüsse zu kriegen. -- Die weiteren drei Gleichnisse kommen a. a. O. nicht vor, sind übrigens allgemein verständlich.]

[Fußnote 15: Der Text fügt hier als Kommentar, gleichsam in Klammern, hinzu: _suttaṃ geyyaṃ veyyākaraṇaṃ gātham udānam itivuttakaṃ jātakam abbhutadhammaṃ vedallaṃ_ -- eine augenfällige Interpolation.]

[Fußnote 16: _sabbasaṇkhārasamathāya_; cf. meine »Buddhistische Anthologie«, Leiden 1892, p. XXV.]

[Fußnote 17: _mārassa pāpimato_; cf. die 28. Anmerkung. _Māro_, personifiziert, ist der indische Große Pan.]

[Fußnote 18: Dieses Bewusstsein ist gleich dem inneren Sinn, d. h. dem Bewusstsein von der Unendlichkeit der Zeit.]

[Fußnote 19: _pubbāpayamāno: pubbe apayamāno_, von _payate_.]

[Fußnote 20: _Sahampati_ ist Eigenname dieses Brahmā, wie _Bako_, der Blitzstrahl, in der 49. Rede, oder _Sanaṉkumāro_, Der ewige Jüngling, in der 53. Rede (auch _DN_ No. 3, 27 und _SN_, vol. I. p. 153), Eigennamen anderer gleichzeitiger und gleichmächtiger Brahmās sind. _Sahampati_ ist nur par parum.]

[Fußnote 21: Die Umgebung von Benāres, wald- und wasserreich, ist flach: doch sieht man hier und da anmuthige kleine Erd- und Steintumuli, von mächtigen Bäumen und Baumgruppen umstanden. Ein solcher dürfte auch der Seherstein, _Isipatanam_, gewesen sein. Eine Tagereise Bahnfahrt ost-südöstlich liegt die uralte Gayāstadt, an der freundlichen, hellen Gayā, die heute Phalgu genannt wird; ein schöner Spaziergang den Fluss entlang führt zum berühmten Tempel des Dorfes Buddh’ Gayā. Ureli, einst Uruvelā, ist einen Tagemarsch weiter nach Süden gelegen, drüben, am rechten Ufer, an einem Knie der hier Lilañjā, früher Nerañjarā genannten mittleren Gayā. Die Landschaft mit ihren schattigen Auen und weiten Wiesen und sanften bewaldeten Hügeln und Felsen im Hintergrund erinnert, bei auffallend zurücktretender Tropenvegetation, an die untere Maingegend.]

[Fußnote 22: _sāvakā_: hier gleich _upāsakā_, gegenüber den späteren _samaṇā_; cf. Asokos Felsenedikt von _Rūpnāth_, l. 1, mit der entspr. Stelle von _Sahasarām_.]

[Fußnote 23: _tathāgatapadam._]

[Fußnote 24: Siṇh. Mss haben uns diese offenbar ältere und bessere Variante zu _nāta^0_ und _nāṭa^0_ erhalten; vergl. /Feer/ im Journal asiatique, April-Juni 1887, p. 314 Anm. 2; _SN_, vol. I, p. 68 Anm. 7, _AN_ I, 220 (B = SS?), _DN_ I, 49, 57 f., auch _Vinayapiṭakam_ I, 385. Nāthaputto ist »der Sohn aus fürstlichem Hause«, wörtlich »der junge Herr«, analog dem späteren Nāthakumāras; cf. auch die beliebten Namen _Viśvanāthas_, _Bhoganāthas_, _Rāmanāthas_, _Jagannāthas_, _Lokanāthas_, _Dharmanāthas_, _Yoganāthas_, _Bhāvanāthas_, _Viranāthas_ und noch ein dutzend ähnlicher. Die _Nāthakṣatriyās_ nun aus einem imaginierten _Jñātavaṃśas_ abzuleiten ist ein würdiges Kommentatorenstücklein, das denn auch unsere Jainologen gläubig hingenommen haben, ohne Kritik. Der allerdings befremdliche Uebergang des _ha_ in _ya_ ist nämlich, wenn nicht etwa bloß ein alter Irrthum vorliegt, zu erklären nach _Hemacandras_ I. 214 (vergl. 249, 250), _ta:ha_ = _ta:ya_. Es wurde also _nātha^0_ zunächst regelrecht _nāha^0_: dieses aber, nach _Hem._ l. c., hier fälschlich auf _nāta^0_ bezogen, musste _nāya^0_ ergeben. Eine volle Bestätigung von seiten der Inschriften wird sich vielleicht im Laufe der Zeiten finden. Einstweilen genüge /Bühlers/ Nachweisung verballhornter Namen, Ep. Ind. I. 378, ferner die Statue des 3. _Jinas Sambhavanāthas_, ib. 153, und endlich der alles eher als zufällig gewählte Name _Pārśvanāthas_ für _Nāthaputras’_ quasi Vorgänger. -- Der Dialektiker Saccako ist möglicherweise des Nigaṇṭhers bekannter Tochtermann (_jāmātā_), der das erste Schisma unter den _Jainās_ verursacht haben soll. Die Charakteristik in unserer 35. und 36. Rede trifft genau zu. _Jāmātā_ ~ _jāmas_, _jāmis_, mit dem prākṛtischen Personalsuffixe _li_ verziert, mag später Nom. propr. geworden sein; cf. _Jābāli_. Die irrige Uebertragung von Saccakos _gotram_ auf das seines Schwiegervaters und mütterlichen Oheims, _DN_ vol. I. p. 57, scheint darauf zu beruhen, dass man den Nigaṇṭhaputto für den leiblichen Sohn gehalten hat, ein verzeihliches Versehn, »als dan noch bey uns heutigen tag der brauch ist, dasz der schweher sein tochterman sein sun heist«: Aventin vol. IV. p. 728. -- Buddhaghosos Variante _Nigaṇṭhiputto_ weist übrigens direkt auf die Mutter hin; ob auf Grund geschichtlicher Ueberlieferung oder geschwätziger Allwissenheit, wage ich nicht zu entscheiden.]