Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 39

Chapter 393,505 wordsPublic domain

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn gegen Ende des Sommers ein kriechendes Schlinggewächs Frucht trüge, und es fiele ein Saamenkorn an die Wurzel eines Prachtbaumes. Da würde, ihr Mönche, die Gottheit die in dem Baume lebt, erschreckt und bestürzt, in Aufregung gerathen. Aber nun kämen, ihr Mönche, Freunde und Verwandte der Gottheit herbei, die Haingottheiten, die Waldgottheiten, die Baumgottheiten, alle die Götter die Kräuter, Gräser und Wipfel beleben versammelten sich und sprächen tröstend im Chore: ›Fürchte dich nicht, Lieber! Fürchte dich nicht, Lieber! Ganz sicher wird ja dieses Saamenkorn von einem Fasan verschlungen oder von einem Reh zerkaut oder bei einem Forstbrand vernichtet oder von Waldarbeitern aufgelesen oder von Termiten fortgeschleppt werden, oder es wird überhaupt nicht keimen.‹ Doch dieses Saamenkorn, ihr Mönche, würde weder von einem Fasan verschlungen noch von einem Reh zerkaut noch bei einem Forstbrand vernichtet noch von Waldarbeitern aufgelesen noch von Termiten fortgeschleppt werden, sondern würde keimen. Während der Regenzeit wände es sich empor, wüchse sich völlig aus, wäre Liane geworden, jung, geschmeidig, flaumig, Ranken treibend, und süchtig umklammerte diese den Prachtbaum. Da wäre nun, ihr Mönche, der Gottheit die in diesem Baume lebt also zu Muthe: ›Warum haben doch meine lieben Freunde und Verwandten, die Haingottheiten, die Waldgottheiten, die Baumgottheiten, die Götter der Kräuter, Gräser und Wipfel kommende Schreckniss vom Saamenkorne befürchtet und insgesammt also mir zugesprochen: ‚Fürchte dich nicht, Lieber! Fürchte dich nicht, Lieber! Ganz sicher wird ja dieses Saamenkorn von einem Fasan verschlungen oder von einem Reh zerkaut oder bei einem Forstbrand vernichtet oder von Waldarbeitern aufgelesen oder von Termiten fortgeschleppt werden, oder es wird überhaupt nicht keimen‘: süß ist es ja, von dieser jungen, geschmeidigen, flaumigen Liane umrankt zu werden!‹ Und sie schlängelte sich um den Prachtbaum herum, um den Prachtbaum herumgeschlängelt verzweigte sie sich oben, oben verzweigt wirkte sie einen Rankenschleier herab, und mit diesem Rankenschleier erstickte sie dann die mächtigen, mächtigen Stämme des Prachtbaumes. Da wäre nun, ihr Mönche, der Gottheit die in diesem Baume lebt also zu Muthe: ›Das ist das Schreckliche, das meine lieben Freunde und Verwandten, die Haingottheiten, die Waldgottheiten, die Baumgottheiten, die Götter der Kräuter, Gräser und Wipfel vorausgesehn haben, und desshalb haben sie mich alle zusammen trösten wollen: denn jenes Saamenkorn ist die Ursache, dass 307 ich schmerzliche, brennende, stechende Gefühle empfinde!‹ --: Ebenso nun auch, ihr Mönche, sagen und lehren da manche Asketen und Brāhmanen: ›Wir finden kein Arg an der Lust.‹ Sie lassen der Lust freien Lauf, pflegen Umgang mit lockigen Nonnen und sagen: ›Warum haben doch jene lieben Asketen und Brāhmanen aus Vorsicht vor kommender Schreckniss Verleugnung der Lust gepredigt, Ueberwindung der Lust gelehrt? Süß ist die Umarmung mit dieser jungen, geschmeidigen, flaumigen Nonne!‹ So reden sie und lassen die Lust gewähren. Haben sie die Lust gewähren lassen, so gelangen sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil, und empfinden schmerzliche, brennende, stechende Gefühle. Dann sagen sie: ›Dieses Schreckliche da haben jene lieben Asketen und Brāhmanen vorausgesehn und Verleugnung der Lust gepredigt, Ueberwindung der Lust gelehrt: denn Lust ist der Grund, Lust ist die Ursache, dass wir jetzt schmerzliche, brennende, stechende Gefühle empfinden!‹ Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt? Da ist einer, ihr Mönche, ein Unbekleideter, ein Ungebundener, ein Handverköster[35], kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattet keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, späht beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter, nicht in den Kessel hinein, nimmt nicht von zu zweit Speisenden an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden, nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten, nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her schwärmen, isst keinen Fisch, kein Fleisch, trinkt keinen Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim. Er geht zu einem Hause und begnügt sich mit einer handvoll Almosenspeise; geht zu zwei Häusern und begnügt sich mit zwei handvoll Almosenspeise; geht zu sieben Häusern und begnügt sich mit sieben handvoll Almosenspeise. Er fristet sein Leben durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Er nimmt nur jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet er streng diese bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung. Oder er 308 lebt von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristet sich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebt von abgefallenen Früchten. Auch trägt er das hänfene Hemd, trägt das härene Hemd, trägt einen Rock, geflickt aus den im Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllt sich in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtet sich mit Flechten aus Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, birgt die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze, unter einem Eulenflügel. Und er rauft sich Haupt- und Barthaar aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; ist ein Stetigsteher, verwirft Sitz und Lager; ist ein Fersensitzer, übt die Zucht der Fersensitzer; ist Dornenseitiger und legt sich zur Seite auf ein Dornenlager; steigt allabendlich zum dritten Mal herab ins Büßerbad. So übt er sich gar vielfach in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt.

»Was ist das aber, ihr Mönche, für eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt? Da ist einer, ihr Mönche, von Natur aus heftigem Begehren geneigt, und das Begehren lässt ihn oft Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur aus heftigem Hasse geneigt, und der Hass lässt ihn oft Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur aus heftigem Wahne geneigt, und der Wahn lässt ihn oft Schmerz und Quaal empfinden. Und nur mit Schmerzen, nur mit Quaalen, nur unter bitteren Thränen kann er das lautere, reine Leben der Heiligkeit führen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt.

»Und was für eine Lebensführung ist es, ihr Mönche, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt? Da ist einer, ihr Mönche, von Natur aus heftigem Begehren nicht geneigt, und das Begehren lässt ihn selten Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur aus heftigem Hasse nicht geneigt, und der Hass lässt ihn selten Schmerz und Quaal empfinden; ist von Natur aus heftigem Wahne nicht geneigt, und der Wahn lässt ihn 309 selten Schmerz und Quaal empfinden. Gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen weilt er in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt er die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt. Das sind, ihr Mönche, die vier Arten der Lebensführung.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

46.

Fünfter Theil Sechste Rede

DIE LEBENSFÜHRUNG

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Die meisten Menschen, ihr Mönche, hegen das Verlangen, hegen den Wunsch, hegen die Absicht: ›Ach, möchte sich doch das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche mindern und das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche mehren!‹ Und diesen Menschen, ihr Mönche, die solches Verlangen, solchen Wunsch, solche Absicht hegen, mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche, mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche. Was gebt ihr da, Mönche, als Grund an?«

»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht 310 es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr, wenn nur der Erhabene jenen eigenthümlichen Umstand erklären wollte! Das Wort des Erhabenen werden wir bewahren.«

»Wohlan denn, ihr Mönche, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Da ist einer, ihr Mönche, ein unerfahrener gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich, kennt weder die zu pflegenden Dinge noch die nicht zu pflegenden Dinge, kennt weder die würdigen Dinge noch die nichtswürdigen Dinge. Unbekannt mit den zu pflegenden Dingen, unbekannt mit den nicht zu pflegenden Dingen, unbekannt mit den würdigen Dingen, unbekannt mit den nichtswürdigen Dingen pflegt er die nicht zu pflegenden Dinge und pflegt die zu pflegenden Dinge nicht, würdigt er die nichtswürdigen Dinge und würdigt die würdigen Dinge nicht. Und indem er nicht zu pflegende Dinge pflegt und zu pflegende Dinge nicht pflegt, nichtswürdige Dinge würdigt und würdige Dinge nicht würdigt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Doch der erfahrene heilige Jünger, ihr Mönche, das Heilige verstehend, der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, das Edle verstehend, der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich, kennt die zu pflegenden Dinge und kennt die nicht zu pflegenden Dinge, kennt die würdigen Dinge und kennt die nichtswürdigen Dinge. Bekannt mit den zu pflegenden Dingen, bekannt mit den nicht zu pflegenden Dingen, bekannt mit den würdigen Dingen, bekannt mit den nichtswürdigen Dingen pflegt er die nicht zu pflegenden Dinge nicht und pflegt die zu pflegenden Dinge, würdigt er die nichtswürdigen Dinge nicht und würdigt die würdigen Dinge. Und indem er nicht zu pflegende Dinge nicht pflegt und zu pflegende Dinge pflegt, nichtswürdige Dinge nicht würdigt und würdige Dinge würdigt, mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Vier Arten der Lebensführung giebt es, ihr Mönche: welche vier? Die Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und 311 künftiges Wehe bringt, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt, und die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt, so begreift diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie pflegt und ihr nicht entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt, so begreift diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie pflegt und ihr nicht entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt, so begreift diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie nicht pflegt und ihr entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt, so begreift diese der Unverständige nicht, erkennt nicht der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt.‹ Da er sie nicht begreift, nicht versteht, nicht der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie nicht pflegt und ihr entsagt mehrt sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche 312 und mindert sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer unwissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt, so begreift diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie nicht pflegt und ihr entsagt mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt, so begreift diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie nicht, entsagt ihr. Und indem er sie nicht pflegt und ihr entsagt mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte. Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt, so begreift diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie pflegt und ihr nicht entsagt mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Was nun, ihr Mönche, die Lebensführung anlangt, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt, so begreift diese der Verständige, erkennt der Wahrheit gemäß: ›Das ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt.‹ Da er sie begreift, versteht, der Wahrheit gemäß erkennt, pflegt er sie, entsagt ihr nicht. Und indem er sie pflegt und ihr nicht entsagt mindert sich das Unersehnte, Unerwünschte, Unerfreuliche und mehrt sich das Ersehnte, Erwünschte, Erfreuliche, und warum? Weil es eben also, ihr Mönche, geschehn muss, wenn einer wissend ist.

»Wie ist aber, Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges 313 Wehe sowie künftiges Wehe bringt? Da ist einer, ihr Mönche, unter Schmerzen und Quaalen ein Mörder und empfindet seines Mordes wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein Dieb und empfindet seines Diebstahls wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein Wüstling und empfindet seines Wüstens wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein Lügner und empfindet seiner Lüge wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen ein Verleumder und empfindet seiner Verleumdung wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen barsch und empfindet seiner Barschheit wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen geschwätzig und empfindet seiner Geschwätzigkeit wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen selbstsüchtig und empfindet seiner Selbstsucht wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen boshaft und empfindet seiner Bosheit wegen Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen falsch und empfindet seiner Falschheit wegen Schmerzen und Quaalen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt.

»Wie ist aber, Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt? Da ist einer, ihr Mönche, mit Lust und Genügen ein Mörder und genießt seinen Mord mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Dieb und genießt seinen Diebstahl mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Wüstling und genießt sein Wüsten mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Lügner und genießt seine Lüge mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen ein Verleumder und genießt seine Verleumdung mit Lust und Genügen, ist mit 314 Lust und Genügen barsch und genießt seine Barschheit mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen geschwätzig und genießt seine Geschwätzigkeit mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen selbstsüchtig und genießt seine Selbstsucht mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen boshaft und genießt seine Bosheit mit Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen falsch und genießt seine Falschheit mit Lust und Genügen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl und künftiges Wehe bringt.

»Wie ist aber, Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt? Da hält sich einer, ihr Mönche, unter Schmerzen und Quaalen vom Morde zurück und seine Verwerfung des Mordes kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Diebstahl zurück und seine Verwerfung des Diebstahls kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Wüsten zurück und seine Verwerfung des Wüstens kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Lügen zurück und seine Verwerfung des Lügens kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Verleumden zurück und seine Verwerfung des Verleumdens kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Barschsein zurück und seine Verwerfung der Barschheit kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen vom Schwatzen zurück und seine Verwerfung des Schwatzens kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen von der Selbstsucht zurück und seine Verwerfung der Selbstsucht kostet ihn Schmerzen und Quaalen, hält sich unter Schmerzen und Quaalen von der Bosheit zurück und seine Verwerfung der 315 Bosheit kostet ihn Schmerzen und Quaalen, ist unter Schmerzen und Quaalen wahrhaft und seine Wahrhaftigkeit kostet ihn Schmerzen und Quaalen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe und künftiges Wohl bringt.

»Und wie ist, ihr Mönche, die Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt? Da hält sich einer, ihr Mönche, mit Lust und Genügen vom Morde zurück und seine Verwerfung des Mordes gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen vom Diebstahl zurück und seine Verwerfung des Diebstahls gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen vom Wüsten zurück und seine Verwerfung des Wüstens gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen von der Lüge zurück und seine Verwerfung der Lüge gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen vom Verleumden zurück und seine Verwerfung des Verleumdens gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen vom Barschsein zurück und seine Verwerfung der Barschheit gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen vom Schwatzen zurück und seine Verwerfung des Schwatzens gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen von der Selbstsucht zurück und seine Verwerfung der Selbstsucht gewährt ihm Lust und Genügen, hält sich mit Lust und Genügen von der Bosheit zurück und seine Verwerfung der Bosheit gewährt ihm Lust und Genügen, ist mit Lust und Genügen wahrhaft und seine Wahrhaftigkeit gewährt ihm Lust und Genügen. Der gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt. Das nennt man, ihr Mönche, eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wohl sowie künftiges Wohl bringt. Das sind, ihr Mönche, die vier Arten der Lebensführung.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn man eine Kürbissflasche da hätte, mit Gift versetzt, und es käme ein Mann herbei, der leben, nicht sterben will, der Wohlsein wünscht und Wehe verabscheut, und man spräche also zu ihm: ›Lieber Mann, diese Kürbissflasche ist mit Gift versetzt: wenn du willst, so 316 trinke. Aber dieser Trank wird dir nicht behagen, weder an Farbe, noch an Geruch und Geschmack, und nach dem Genusse wirst du sterben oder tödtliche Schmerzen erleiden.‹ Doch unbesonnen tränke er ihn, wiese ihn nicht zurück. Und der Trank behagte ihm weder an Farbe noch an Geruch und Geschmack, und nachdem er ihn getrunken, stürbe er oder erlitte tödtliche Schmerzen: -- Dem zu vergleichen, sag’ ich, ihr Mönche, ist eine Lebensführung, die gegenwärtiges Wehe sowie künftiges Wehe bringt.