Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 36

Chapter 363,290 wordsPublic domain

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann vom Scheitel bis zur Sohle in einen weißen Mantel eingehüllt sich niedersetzte, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem 278 weißen Mantel unbedeckt bliebe: ebenso nun auch, ihr Mönche, setzt sich der Mönch nieder und hat nun diesen Körper mit geläutertem Gemüthe, mit geklärtem, überzogen, sodass nicht der kleinste Theil seines Körpers von dem geläuterten Gemüthe, dem geklärten, unbedeckt bleibt.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein‹: so erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann von seinem Orte nach einem anderen Orte ginge und von diesem Orte wieder nach einem anderen Orte und von diesem Orte nach seinem eigenen Orte zurückkehrte; der sagte sich nun: ›Ich bin von meinem Orte nach jenem Orte gegangen, dort bin ich also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; von jenem Orte bin ich aber nach diesem Orte gegangen, da bin ich nun also gestanden, also gesessen, habe also gesprochen, also geschwiegen; dann bin ich von diesem Orte nach meinem eigenen Orte wieder zurückgegangen‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, erinnert sich der Mönch an manche verschiedene frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese 279 lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da zwei Häuser wären, mit Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und verlassen, kommen und gehn: ebenso nun auch, ihr Mönche, sieht der Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ versteht er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ versteht er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da am Ufer eines Alpensees von klarem, durchsichtigem, ungetrübtem Wasser ein scharfsehender Mann stände und hineinblickte auf die Muscheln und Schnecken, auf den Kies und Sand und die Fische, wie sie dahingleiten und stillestehn; der sagte sich nun: ›Klar ist diese Wasserfläche, durchsichtig, ungetrübt; ich sehe darunter die Muscheln und Schnecken, den Kies und Sand und 280 die Fische, die dahingleiten oder ruhn‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, versteht da der Mönch der Wahrheit gemäß: ›Das ist das Leiden.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Leidensentwicklung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Leidensauflösung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der Wahn.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnentwicklung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist die Wahnauflösung.‹ Er versteht der Wahrheit gemäß: ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad.‹ Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Ein solcher Mönch, ihr Mönche, wird ›Büßer‹ genannt, wird ›Heiliger‹ genannt, wird ›Reiner‹ genannt, wird ›Kenner‹ genannt, wird ›Fertiger‹ genannt, wird ›Herr‹ genannt, wird ›Hehrer‹ genannt.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Büßer? Abgebüßt hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Büßer.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Heiliger? Geheilt hat er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Heiliger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Reiner? Gereinigt hat er sich von den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Reiner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Kenner? Er kennt die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Kenner.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Fertiger? Fertig ist er mit den bösen, den schlechten Dingen, den besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Fertiger.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Herr? Herausgetrieben hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Herr.

»Wie aber, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer? Herausgetrieben hat er die bösen, die schlechten Dinge, die besudelnden, Wiederdasein säenden, entsetzlichen, Leiden ausbrütenden, wiederum Leben, Altern und Sterben erzeugenden. Also, ihr Mönche, wird der Mönch ein Hehrer.«[32]

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

40.

Vierter Theil Zehnte Rede

VOR ASSAPURAM

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene in 281 Bengalen, bei einer Stadt der Bengalier Namens Assapuram. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»‚Asketen, Asketen sind’s‘: so denken, ihr Mönche, von euch die Leute. Ihr aber, wenn ihr gefragt werdet: ›Was seid ihr?‹, bekennet: ›Wir sind Asketen.‹ Die ihr also bekannt seid, ihr Mönche, die ihr euch also bekennet, ihr habt auch die Pflichten zu üben: ›Den geraden Weg des Asketenthums, den werden wir wandeln. Und so soll dieser Name, den man uns giebt, wahr und unser Bekenntniss wirklich sein. Und für das Almosen von Kleidung, Speise, Obdach und Arzenei, dafür sollen die Geber bei uns hohen Lohn haben, hohe Förderung. Unsere Pilgerschaft aber soll nicht unfruchtbar bleiben, sondern Zweck und Ziel erwirken.‹

»Wie aber, ihr Mönche, wandelt der Mönch den geraden Weg des Asketenthums nicht? Ein Mönch, der da gierig die Gier nicht verleugnet hat, gehässig den Hass nicht verleugnet hat, zornig den Zorn nicht verleugnet hat, feindsälig die Feindschaft nicht verleugnet hat, häuchlerisch die Häuchelei nicht verleugnet hat, neidisch den Neid nicht verleugnet hat, eifernd die Eifersucht nicht verleugnet hat, selbstsüchtig die Selbstsucht nicht verleugnet hat, listig die List nicht verleugnet hat, gleißnerisch die Gleißnerei nicht verleugnet hat, boshaft die Bosheit nicht verleugnet hat, falsch die Falschheit nicht verleugnet hat: der wandelt, sage ich, ihr Mönche, weil er diese Flecken, Schäden und Schwären des Asketenthums, diese abwärts, zum Verderben führenden Eigenschaften nicht verleugnet hat, den geraden Weg des Asketenthums nicht. Wie eine Mordwaffe, ihr Mönche, zur Schlacht geeignet, zweischneidig, blinkend geschliffen, und mit einer Kutte umhangen, umhüllt: so erscheint mir, ihr Mönche, eines solchen Mönches Pilgerschaft.

»Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Kuttenträger, weil er die Kutte trägt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Unbekleideten, weil er unbekleidet ist, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Schmutzbeschmierten, weil er schmutzbeschmiert ist, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Wasserbesprenger, weil er sich mit Wasser besprengt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Waldeinsiedler, weil er im Walde wohnt, 282 das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Feldeinsiedler, weil er auf dem Felde wohnt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Stetigsteher, weil er sich nicht setzt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Fastenpfleger, weil er Fasten pflegt, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Spruchgewaltigen, weil er Sprüche in seiner Gewalt hat, das Asketenthum zu. Nicht spreche ich, ihr Mönche, einem Flechtenträger, weil er Flechten trägt, das Asketenthum zu.

»Wenn durch das Tragen der Kutte, ihr Mönche, des gierigen Kuttenträgers Gier verschwinden könnte, des gehässigen Hass verschwinden könnte, des zornigen Zorn verschwinden könnte, des feindsäligen Feindschaft verschwinden könnte, des häuchlerischen Häuchelei verschwinden könnte, des neidischen Neid verschwinden könnte, des eifernden Eifersucht verschwinden könnte, des selbstsüchtigen Selbstsucht verschwinden könnte, des listigen List verschwinden könnte, des gleißnerischen Gleißnerei verschwinden könnte, des boshaften Bosheit verschwinden könnte, des falschen Falschheit verschwinden könnte, würden Blutsverwandte und Freunde einem Neugeborenen die Kutte bringen, nur die Kutte verleihen: ›Komm’, du Glückskind, sei Kuttenträger! Als Kuttenträger wird dir, dem Gierigen, durch das Tragen der Kutte die Gier schwinden, dem Gehässigen der Hass schwinden, dem Zornigen der Zorn schwinden, dem Feindsäligen die Feindschaft schwinden, dem Häuchlerischen die Häuchelei schwinden, dem Neidischen der Neid schwinden, dem Eifernden die Eifersucht schwinden, dem Selbstsüchtigen die Selbstsucht schwinden, dem Listigen die List schwinden, dem Gleißnerischen die Gleißnerei schwinden, dem Boshaften die Bosheit schwinden, dem Falschen die Falschheit schwinden!‹ Da ich nun aber, ihr Mönche, auch manchen Träger der Kutte hier sehe, der gierig, gehässig, zornig, feindsälig, häuchlerisch, neidisch, eifersüchtig, selbstsüchtig, listig, gleißnerisch, boshaft, falsch ist, so spreche ich keinem Träger der Kutte, weil er die Kutte trägt, das Asketenthum zu.

»Wenn durch Unbekleidetsein, ihr Mönche, durch Schmutzbeschmierung, durch Wasserbesprengen, durch Waldeinsiedlerthum, durch Feldeinsiedlerthum, durch Stetigstehn, durch Fastenpflege, durch Spruchgewalt, durch Flechtentragen des gierigen Unbekleideten, des gierigen Schmutzbeschmierten, des gierigen Wasserbesprengers, des gierigen Waldeinsiedlers, des gierigen Feldeinsiedlers, des gierigen Stetigstehers, des gierigen Fastenpflegers, des gierigen Spruchgewaltigen, des gierigen Flechtenträgers Gier verschwinden könnte, des gehässigen Hass, des zornigen Zorn, des feindsäligen Feindschaft, des häuchlerischen Häuchelei, des neidischen Neid, des eifernden Eifersucht, des selbstsüchtigen Selbstsucht, des listigen List, des gleißnerischen Gleißnerei, des boshaften Bosheit, des falschen Falschheit verschwinden könnte, würden Blutsverwandte und Freunde dem Neugeborenen Unbekleidetsein vorschreiben, Schmutzbeschmierung, Wasserbesprengung, Waldeinsiedlerthum, Feldeinsiedlerthum, Stetigstehn, Fastenpflege, Spruchgewalt, Flechtentragen, würden ihn damit belehnen: ›Komm’, du Glückskind, sei unbekleidet, sei schmutzbeschmiert, sei wasserbesprengt, werde Waldeinsiedler, werde Feldeinsiedler, werde ein Stetigsteher, werde ein Fastenpfleger, werde Spruchgewaltiger, werde Flechtenträger! Also wird dir, dem Gierigen, die Gier 283 schwinden, dem Gehässigen der Hass, dem Zornigen der Zorn, dem Feindsäligen die Feindschaft, dem Häuchlerischen die Häuchelei, dem Neidischen der Neid, dem Eifernden die Eifersucht, dem Selbstsüchtigen die Selbstsucht, dem Listigen die List, dem Gleißnerischen die Gleißnerei, dem Boshaften die Bosheit, dem Falschen die Falschheit schwinden!‹ Da ich nun aber, ihr Mönche, auch manchen Unbekleideten, Schmutzbeschmierten, Wasserbesprenger, Waldeinsiedler, Feldeinsiedler, Stetigsteher, Fastenpfleger, Spruchgewaltigen, Flechtenträger hier sehe, der gierig, gehässig, zornig, feindsälig, häuchlerisch, neidisch, eifersüchtig, selbstsüchtig, listig, gleißnerisch, boshaft, falsch ist, so spreche ich keinem solchen aus solchem Grunde das Asketenthum zu.

»Wie aber, ihr Mönche, wandelt der Mönch den geraden Weg des Asketenthums? Ein Mönch, der da gierig die Gier verleugnet hat, gehässig den Hass verleugnet hat, zornig den Zorn verleugnet hat, feindsälig die Feindschaft verleugnet hat, häuchlerisch die Häuchelei verleugnet hat, neidisch den Neid verleugnet hat, eifernd die Eifersucht verleugnet hat, selbstsüchtig die Selbstsucht verleugnet hat, listig die List verleugnet hat, gleißnerisch die Gleißnerei verleugnet hat, boshaft die Bosheit verleugnet hat, falsch die Falschheit verleugnet hat: der wandelt, sage ich, ihr Mönche, weil er diese Flecken, Schäden und Schwären des Asketenthums, diese abwärts, zum Verderben führenden Eigenschaften verleugnet hat, den geraden Weg des Asketenthums. Er merkt, dass er von all diesen bösen, schlechten Dingen geläutert ist, dass er befreit ist. Dieses Merken durchwonnigt ihn. Der Durchwonnigte wird besäligt. Des Besäligten Körper wird still. Der Körpergestillte fühlt Heiterkeit. Des Heiteren Herz wird einig.

»Liebevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

»Erbarmenden Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

»Freudevollen Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit freudevollem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

»Unbewegten Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit unbewegtem Gemüthe, mit weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Lotusweiher mit klarem, süßem, kühlem Wasser, hell spiegelnd, leicht zugänglich, 284 entzückend gelegen: wenn da von Osten ein Mann herankäme, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend; der gelangte nun zu dem Lotusweiher und löschte den Durst, löschte die quälende Gluth; wenn da von Westen oder von Norden oder von Süden ein Mann herankäme, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend; der gelangte nun zu dem Lotusweiher und löschte den Durst, löschte die quälende Gluth: ebenso nun auch, ihr Mönche, erlangt, wer da aus einem Kriegergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist und also die Liebe, das Erbarmen, die Freude, den Gleichmuth gezeugt hat, die eigene Ebbung. Weil er die eigene Ebbung erlangt hat, sage ich, wandelt er den geraden Weg des Asketenthums. Wer da aus einem Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte oder aus was immer für einem Geschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen und zu des Vollendeten dargelegter Lehre und Ordnung gekommen ist und also die Liebe, das Erbarmen, die Freude, den Gleichmuth gezeugt hat, erlangt die eigene Ebbung. Weil er die eigene Ebbung erlangt hat, sage ich, wandelt er den geraden Weg des Asketenthums.

»Wenn da einer aus einem Kriegergeschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen ist und durch die Wahnversiegung die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen hat, so wird er durch die Wahnversiegung Asket. Wenn da einer aus einem Priestergeschlechte oder Bürgergeschlechte oder Dienergeschlechte oder aus was immer für einem Geschlechte vom Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen ist und durch die Wahnversiegung die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen hat, so wird er durch die Wahnversiegung Asket.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

FÜNFTER THEIL

ZWEITES BUCH DER PAARE

41.

Fünfter Theil Erste Rede

DIE BRĀHMANEN VON SĀLĀ

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit wanderte der Erhabene 285 im Lande Kosalo von Ort zu Ort und kam, von vielen Mönchen begleitet, in die Nähe eines kosalischen Brāhmanendorfes Namens Sālā. Und es hörten die brāhmanischen Bürger in Sālā reden: ›Der Asket, wahrlich, Herr Gotamo, der Sakyersohn, der dem Erbe der Sakyer entsagt hat, wandert in unserem Lande von Ort zu Ort und ist mit vielen Mönchen in Sālā angekommen. Diesen Herrn Gotamo aber begrüßt man allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ‚Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar. Glücklich wer da nun solche Heilige sehn kann!‘‹

Und jene brāhmanischen Bürger von Sālā begaben sich nun dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt verneigten sich einige vor dem Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder, andere wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, einige wieder falteten die Hände gegen den Erhabenen und setzten sich zur Seite nieder, andere wieder gaben beim Erhabenen Namen und Stand zu erkennen und setzten sich zur Seite nieder, und andere setzten sich still zur Seite nieder. Hierauf nun sprachen jene brāhmanischen Bürger von Sālā zum Erhabenen also:

»Was ist wohl, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass da manche Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf einen Abweg, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen? Und was ist wiederum, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass da manche Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt gelangen?«

»Weil sie falsch und unrecht leben, ihr Bürger, desshalb gelangen da manche Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf einen Abweg, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Weil sie wahr und recht leben, ihr Bürger, desshalb gelangen da manche Wesen bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in sälige Welt.«

»Den ganzen Sinn dieser kurzgefassten Worte des verehrten 286 Gotamo, den verstehn wir nicht; gut wär’ es, wenn uns der verehrte Gotamo die Satzung dergestalt zeigen wollte, dass wir den ganzen Sinn dieser kurzgefassten Worte verstehn könnten.«

»Wohlan denn, Bürgen, so höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da die brāhmanischen Bürger von Sālā dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also: