Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band
Part 34
»Vier Arten der Nahrung, ihr Mönche, sind für die Wesen vorhanden, den entstandenen zur Erhaltung, den entstehenden zur Entwickelung; welche vier? Körperbildende Nahrung, grob oder fein, zweitens Berührung, drittens geistiges Innewerden, viertens Bewusstsein. Und wo, ihr Mönche, wurzeln diese vier Arten der Nahrung, woraus entspringen sie, woraus entstehn sie, woraus erwachsen sie? Diese vier Arten der Nahrung wurzeln im Durst, entspringen aus dem Durst, entstehn aus dem Durst, erwachsen aus dem Durst. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dieser Durst, woraus entspringt er, woraus entsteht er, woraus erwächst er? Der Durst wurzelt im Gefühl, entspringt aus dem Gefühl, entsteht aus dem Gefühl, erwächst aus dem Gefühl. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dieses Gefühl, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das Gefühl wurzelt in der Berührung, entspringt aus der Berührung, entsteht aus der Berührung, erwächst aus der Berührung. Und wo, ihr Mönche, wurzelt diese Berührung, woraus entspringt sie, woraus entsteht sie, woraus erwächst sie? Die Berührung wurzelt im sechsfachen Reich[31], entspringt aus dem sechsfachen Reich, entsteht aus dem sechsfachen Reich, erwächst ans dem sechsfachen Reich. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dieses sechsfache Reich, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das sechsfache Reich wurzelt in Bild und Begriff, entspringt aus Bild und Begriff, entsteht aus Bild und Begriff, erwächst aus Bild und Begriff. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dies Bild und Begriff, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Bild und Begriff wurzelt im Bewusstsein, entspringt aus dem Bewusstsein, entsteht aus dem Bewusstsein, erwächst aus dem Bewusstsein. Und wo, ihr Mönche, wurzelt dieses Bewusstsein, woraus entspringt es, woraus entsteht es, woraus erwächst es? Das Bewusstsein wurzelt in den Unterscheidungen, entspringt aus den Unterscheidungen, entsteht aus den Unterscheidungen, erwächst aus den Unterscheidungen. Und wo, ihr Mönche, wurzeln diese Unterscheidungen, woraus entspringen sie, woraus entstehn sie, woraus erwachsen sie? Die Unterscheidungen wurzeln im Unwissen, entspringen aus dem Unwissen, entstehn aus dem Unwissen, erwachsen aus dem Unwissen. So sind denn, ihr Mönche, durch Unwissen bedingt Unterscheidungen, ist durch Unterscheidungen bedingt Bewusstsein, durch Bewusstsein bedingt Bild und Begriff, durch Bild und Begriff bedingt sechsfaches Reich, durch sechsfaches Reich bedingt Berührung, durch Berührung bedingt Gefühl, durch Gefühl bedingt Durst, durch Durst bedingt Anhangen, durch Anhangen bedingt Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande.
»‚Durch Geburt bedingt ist Alter und Tod‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Geburt dem Alter und Tod verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Geburt, o Herr, bedingt ist Alter und Tod: so verhält es sich mit uns. Durch Geburt bedingt ist Alter und Tod.«
»‚Durch Werden bedingt ist Geburt‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Werden der Geburt verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Werden, o Herr, bedingt ist Geburt: so verhält es sich 262 mit uns. Durch Werden bedingt ist Geburt.«
»‚Durch Anhangen bedingt ist Werden‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Anhangen dem Werden verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Anhangen, o Herr, bedingt ist Werden: so verhält es sich mit uns. Durch Anhangen bedingt ist Werden.«
»‚Durch Durst bedingt ist Anhangen‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Durst dem Anhangen verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Durst, o Herr, bedingt ist Anhangen: so verhält es sich mit uns. Durch Durst bedingt ist Anhangen.«
»‚Durch Gefühl bedingt ist Durst‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Gefühl dem Durst verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Gefühl, o Herr, bedingt ist Durst: so verhält es sich mit uns. Durch Gefühl bedingt ist Durst.«
»‚Durch Berührung bedingt ist Gefühl‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Berührung dem Gefühl verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Berührung, o Herr, bedingt ist Gefühl: so verhält es sich mit uns. Durch Berührung bedingt ist Gefühl.«
»‚Durch sechsfaches Reich bedingt ist Berührung‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch sechsfaches Reich der Berührung verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch sechsfaches Reich, o Herr, bedingt ist Berührung: so verhält es sich mit uns. Durch sechsfaches Reich bedingt ist Berührung.«
»‚Durch Bild und Begriff bedingt ist sechsfaches Reich‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Bild und Begriff dem sechsfachen Reich verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Bild und Begriff, o Herr, bedingt ist sechsfaches Reich: so verhält es sich mit uns. Durch Bild und Begriff bedingt ist sechsfaches Reich.«
»‚Durch Bewusstsein bedingt ist Bild und Begriff‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Bewusstsein dem Bild und Begriff verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Bewusstsein, o Herr, bedingt ist Bild und Begriff: so verhält es sich mit uns. Durch Bewusstsein bedingt ist Bild und Begriff.«
»‚Durch Unterscheidungen bedingt ist Bewusstsein‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Unterscheidungen dem Bewusstsein verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Unterscheidungen, o Herr, bedingt ist Bewusstsein: so verhält es sich mit uns. Durch Unterscheidungen bedingt ist Bewusstsein.«
»‚Durch Unwissen bedingt sind Unterscheidungen‘, das ist da wohl gesagt worden; sind wir nun, ihr Mönche, durch Unwissen den Unterscheidungen verfallen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Unwissen, o Herr, bedingt sind Unterscheidungen: so verhält es sich mit uns. Durch Unwissen bedingt sind Unterscheidungen.«
»Wohl, ihr Mönche. Und somit, ihr Mönche, sprecht ihr es aus, und spreche ich es aus: Wenn Jenes ist, wird Dieses, 263 durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses, und zwar sind durch Unwissen bedingt Unterscheidungen, ist durch Unterscheidungen bedingt Bewußtsein, durch Bewusstsein bedingt Bild und Begriff, durch Bild und Begriff bedingt sechsfaches Reich, durch sechsfaches Reich bedingt Berührung, durch Berührung bedingt Gefühl, durch Gefühl bedingt Durst, durch Durst bedingt Anhangen, durch Anhangen bedingt Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande. Ist aber eben Unwissen ohne Reiz, ohne Ueberrest aufgelöst, werden Unterscheidungen aufgelöst, durch Auflösung der Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst, durch Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst, durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst, durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst, durch Auflösung der Berührung wird Gefühl aufgelöst, durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst, durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst, durch Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst, durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst, durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung gehn zugrunde: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Auflösung zustande.
»‚Durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung der Geburt die Auflösung von Alter und Tod, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Geburt, o Herr, wird Alter und Tod aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Werdens die Auflösung der Geburt, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Werdens, o Herr, wird Geburt aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Anhangens die Auflösung des Werdens, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Anhangens, o Herr, wird Werden aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Durstes die Auflösung des Anhangens, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Durstes, o Herr, wird Anhangen aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Gefühls die Auflösung des Durstes, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Gefühls, o Herr, wird Durst aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung der Berührung wird Gefühl aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch 264 Auflösung der Berührung die Auflösung des Gefühls, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Berührung, o Herr, wird Gefühl aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der Berührung wird Gefühl aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des sechsfachen Reichs die Auflösung der Berührung, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des sechsfachen Reichs, o Herr, wird Berührung aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung von Bild und Begriff die Auflösung des sechsfachen Reichs, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung von Bild und Begriff, o Herr, wird sechsfaches Reich aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Bewusstseins die Auflösung von Bild und Begriff, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Bewusstseins, o Herr, wird Bild und Begriff aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung der Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung der Unterscheidungen die Auflösung des Bewusstseins, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung der Unterscheidungen, o Herr, wird Bewusstsein aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung der Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst.«
»‚Durch Auflösung des Unwissens werden Unterscheidungen aufgelöst‘, das ist da wohl gesagt worden; erreichen wir nun, ihr Mönche, durch Auflösung des Unwissens die Auflösung der Unterscheidungen, oder wie verhält es sich hiermit?«
»Durch Auflösung des Unwissens, o Herr, werden Unterscheidungen aufgelöst: so verhält es sich mit uns. Durch Auflösung des Unwissens werden Unterscheidungen aufgelöst.«
»Wohl, ihr Mönche. Und somit, ihr Mönche, sprecht ihr es aus, und spreche ich es aus: Wenn Jenes nicht ist, wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst, und zwar: durch Auflösung des Unwissens werden Unterscheidungen aufgelöst, durch Auflösung der Unterscheidungen wird Bewusstsein aufgelöst, durch Auflösung des Bewusstseins wird Bild und Begriff aufgelöst, durch Auflösung von Bild und Begriff wird sechsfaches Reich aufgelöst, durch Auflösung des sechsfachen Reichs wird Berührung aufgelöst, durch Auflösung der Berührung wird Gefühl aufgelöst, durch Auflösung des Gefühls wird Durst aufgelöst, durch Auflösung des Durstes wird Anhangen aufgelöst, durch Auflösung des Anhangens wird Werden aufgelöst, durch Auflösung des Werdens wird Geburt aufgelöst, durch Auflösung der Geburt wird Alter und Tod aufgelöst, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung gehn zugrunde: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Auflösung zustande.
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, 265 in die Vergangenheit zurück forschen: ‚Waren wir in den vergangenen Zeiten -- waren wir nicht in den vergangenen Zeiten -- was waren wir wohl in den vergangenen Zeiten -- wie waren wir wohl in den vergangenen Zeiten -- was waren wir wohl während der vergangenen Zeiten gewesen --‘?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, in die Zukunft hinein forschen: ‚Werden wir in den zukünftigen Zeiten sein -- werden wir in den zukünftigen Zeiten nicht sein -- was werden wir wohl in den zukünftigen Zeiten sein -- wie werden wir wohl in den zukünftigen Zeiten sein -- was werden wir wohl die zukünftigen Zeiten hindurch geworden sein --‘?«
»Gewiss nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, euch jetzt über die Gegenwart bald diese bald jene Frage stellen: ‚Bin ich -- bin ich nicht -- was bin ich -- wie bin ich -- woher ist wohl dieses mein Wesen gekommen, wohin wird es gehn --‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, vielleicht sagen: ‚Dem Meister zollen wir Verehrung, aus Verehrung vor dem Meister reden wir also‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Werdet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, vielleicht sagen: ‚Ein Asket hat also zu uns gesprochen und Asketen, wir aber reden nicht also‘?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Möchtet ihr nun, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, vielleicht einen anderen Meister erwählen?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Oder wolltet ihr etwa, ihr Mönche, also erkennend, also verstehend, zu den Gelübden, Schwärmereien und Feierlichkeiten der gewöhnlichen Asketen und Priester als zum Heile zurückkehren?«
»Gewiß nicht, o Herr!«
»Wie nun, ihr Mönche: so sagt ihr einzig das, was ihr selbst durchdacht, selbst erkannt, selbst verstanden habt?«
»So ist es, o Herr!«
»Wohl, ihr Mönche. Belehnt seid ihr, meine Mönche, mit dieser klar sichtbaren Lehre, der zeitlosen, anregenden, einladenden, die Verständigen von selbst verständlich wird. ›Klar sichtbar, ihr Mönche, ist diese Lehre, zeitlos, anregend, einladend, jedem Verständigen von selbst verständlich‹: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
* * * * *
»Wenn Drei sich vereinen, ihr Mönche, bildet sich eine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter vereint, aber die Mutter hat nicht ihre Zeit, aber der Keimling ist nicht bereit, und so bildet sich keine Leibesfrucht. Da sind Vater und Mutter 266 vereint, und die Mutter hat ihre Zeit, aber der Keimling ist nicht bereit, und so bildet sich keine Leibesfrucht. Sind aber, ihr Mönche, Vater und Mutter vereint, und die Mutter hat ihre Zeit, und der Keimling ist bereit, so bildet sich durch der Drei Vereinigung eine Leibesfrucht. Eine solche Frucht, ihr Mönche, hegt die Mutter neun bis zehn Monate im Leibe, mit großer Angst, eine schwere Last. Eine solche Frucht, ihr Mönche, gebiert die Mutter nach Verlauf von neun bis zehn Monaten, in großen Aengsten, die schwere Last. Und wann dieser Sprössling geboren ist, ernährt sie ihn mit ihrem eigenen Blute. Blut sagt man, ihr Mönche, im Orden des Heiligen für Muttermilch. Dieses Kind nun, ihr Mönche, entwickelt sich nach und nach, reift nach und nach heran und pflegt alle die Spiele und Uebungen seiner Genossen, als wie Verstecken und Fangen, Klettern und Springen, Schleudern, Wagenlenken, Bogenschießen. Dieser Knabe nun, ihr Mönche, hat sich allmälig entwickelt, ist allmälig reif geworden und lebt und webt im Genusse der fünf Begehrungen: der durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; der durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, der ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden.
»Erblickt er nun mit dem Gesichte eine Form, so verfolgt 267 er die angenehmen Formen und verabscheut die unangenehmen, ohne Einsicht in das Wesen der Körperlichkeit verweilt er beschränkten Gemüthes, und nicht gedenkt er, der Wahrheit gemäß, jener Gemütherlösung, Weisheiterlösung, wo seine bösen, schlechten Eigenschaften sich restlos auflösen. So fällt er der Befriedigung und Unbefriedigung anheim, und was für ein Gefühl er auch fühlt, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, dieses Gefühl hegt er und pflegt er und klammert sich daran. Während er das Gefühl hegt und pflegt und sich daran klammert erhebt sich in ihm Genügen: dieses Genügehaben bei den Gefühlen, das ist Anhangen. Durch dieses Anhangen bedingt ist Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung hervor, also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande.
»Hört er nun mit dem Gehöre einen Ton,
»Riecht er nun mit dem Geruche einen Duft,
»Schmeckt er nun mit dem Geschmacke einen Saft,
»Tastet er nun mit dem Getaste eine Tastung,
»Erkennt er nun mit dem Gedenken ein Ding, so verfolgt er die angenehmen Dinge und verabscheut die unangenehmen, ohne Einsicht in das Wesen der Körperlichkeit verweilt er beschränkten Gemüthes, und nicht gedenkt er, der Wahrheit gemäß, jener Gemütherlösung, Weisheiterlösung, wo seine bösen, schlechten Eigenschaften sich restlos auflösen. So fällt er der Befriedigung und Unbefriedigung anheim, und was für ein Gefühl er auch fühlt, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, dieses Gefühl hegt er und pflegt er und klammert sich daran. Während er das Gefühl hegt und pflegt und sich daran klammert erhebt sich in ihm Genügen: dieses Genügehaben bei den Gefühlen, das ist Anhangen. Durch dieses Anhangen bedingt ist Werden, durch Werden bedingt Geburt, durch Geburt bedingt gehn Alter und Tod, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsal, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande.
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»Da erscheint, ihr Mönche, der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene. Er zeigt diese Welt mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, nachdem er sie selbst verstanden und durchdrungen hat. Er verkündet die Lehre, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, er legt das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum dar.
»Diese Lehre hört ein Hausvater, oder der Sohn eines Hausvaters, oder einer, der in anderem Stande neugeboren ward. Nachdem er diese Lehre gehört hat, fasst er Vertrauen zum Vollendeten. Von diesem Vertrauen erfüllt denkt und überlegt er also: ›Ein Gefängniss ist die Häuslichkeit, ein Schmutzwinkel; der freie Himmelsraum die Pilgerschaft. Nicht wohl geht es, wenn man im Hause bleibt, das völlig geläuterte, völlig geklärte Asketenthum Punkt für Punkt zu erfüllen. Wie, wenn ich nun, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit hinauszöge?‹ So giebt er denn später einen kleinen Besitz oder einen großen Besitz auf, hat einen kleinen Verwandtenkreis oder einen großen Verwandtenkreis verlassen, und ist mit geschorenem Haar und Barte, im fahlen Gewande von Hause fort in die Hauslosigkeit gezogen.
»Er ist nun Pilger geworden und hat die Ordenspflichten der Mönche auf sich genommen. Lebendiges umzubringen hat er verworfen, Lebendiges umzubringen liegt ihm fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Nehmen des Nichtgegebenen hält er sich fern: Gegebenes nimmt er, Gegebenes wartet er ab, nicht diebisch 268 gesinnt, rein gewordenen Herzens. Die Unkeuschheit hat er verworfen, keusch lebt er: fern zieht er hin, entrathen der Paarung, dem gemeinen Gesetze. Lüge hat er verworfen, von Lüge hält er sich fern: die Wahrheit spricht er, der Wahrheit ist er ergeben, standhaft, vertrauenswürdig, kein Häuchler und Schmeichler der Welt. Das Ausrichten hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern: was er hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu entzweien, und was er dort gehört hat erzählt er hier nicht wieder, um diese zu entzweien: so einigt er Entzweite, festigt Verbundene, Eintracht macht ihn froh, Eintracht freut ihn, Eintracht beglückt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht er. Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten hält er sich fern: Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er. Plappern und Plaudern hat er verworfen, vom Plappern und Plaudern hält er sich fern: zur rechten Zeit spricht er, den Thatsachen gemäß, auf den Sinn bedacht, der Lehre und Ordnung getreu, seine Rede ist reich an Inhalt, gelegentlich mit Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, ihrem Gegenstande angemessen.
»Sämereien und Pflanzungen anzulegen hat er verschmäht. Einmal des Tags nimmt er Nahrung zu sich, nachts ist er nüchtern, fern liegt es ihm zur Unzeit zu essen. Von Tanz, Gesang, Spiel, Schaustellungen hält er sich fern. Kränze, Wohlgerüche, Salben, Schmuck, Zierrath, Putz weist er ab. Hohe, prächtige Lagerstätten verschmäht er. Gold und Silber nimmt er nicht an. Rohes Getreide nimmt er nicht an. Rohes Fleisch nimmt er nicht an. Frauen und Mädchen nimmt er nicht an. Diener und Dienerinen nimmt er nicht an. Ziegen und Schaafe nimmt er nicht an. Hühner und Schweine nimmt er nicht an. Elephanten, Rinder und Rosse nimmt er nicht an. Haus und Feld nimmt er nicht an. Botschaften, Sendungen, Aufträge übernimmt er nicht. Von Kauf und Verkauf hält er sich fern. Von falschem Maaß und Gewicht hält er sich fern. Von den schiefen Wegen der Bestechung, Täuschung, Niedertracht hält er sich fern. Von Raufereien, Schlägereien, Händeln, vom Rauben, Plündern und Zwingen hält er sich fern.
»Er ist zufrieden mit dem Gewande, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch pilgert, nur mit dem Gewande und der Almosenschaale versehn pilgert er. Gleichwie da etwa ein beschwingter Vogel, wohin er auch fliegt, nur mit der Last seiner Federn fliegt, ebenso auch ist der Mönch mit dem Gewande zufrieden, das seinen Leib deckt, mit der Almosenspeise, die sein Leben fristet. Wohin er auch wandert, nur damit versehn wandert er.