Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 33

Chapter 333,360 wordsPublic domain

»Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ›Kein Ding ist der Mühe werth.‹ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ›Kein Ding ist der Mühe werth‹, so betrachtet er jedes Ding; und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei sich selbst zur Erlöschung: ›Versiegt ist die Geburt, vollendet 252 das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen.«

Da war nun Sakko, der Götter König, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und verschwand von diesem Orte.

Zu jener Zeit nun hatte der ehrwürdige Mahāmoggallāno nicht fern vom Erhabenen Platz genommen. Da nun kam dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Ist wohl dieser Geist durch des Erhabenen Rede vollauf befriedigt worden, oder nicht? Wie, wenn ich nun diesen Geist prüfte, ob er durch des Erhabenen Rede vollauf befriedigt wurde, oder aber nicht?‹ Da verschwand nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno, so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, von Mutter Migāros Terrasse im Osthain und erschien bei den Dreiunddreißig Göttern.

Zu jener Zeit nun erging sich Sakko, der Götter König, im Garten der weißen Lotusblüthe, dem Genusse der fünfhundertstimmigen Himmelsmusik hingegeben. Da erblickte Sakko, der Götter König, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno wie von ferne herankommen. Als er ihn gesehn winkte er jener fünfhundertstimmigen Himmelsmusik ab, ging dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno entgegen und sprach also zu ihm:

»Komm’, o würdiger Moggallāno, sei gegrüßt, würdiger Moggallāno! Lange schon, würdiger Moggallāno, habe ich auf die Gunst dieses Besuches gehofft! Setze dich, würdiger Moggallāno, nimm hier Platz.«

Es setzte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno auf den angebotenen Sitz. Sakko aber, der Götter König, nahm einen anderen, niederen Stuhl und setzte sich zur Seite. Den zur Seite sitzenden Sakko, den König der Götter, sprach nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an:

»Auf welche Weise hat dir denn, Kosiyo, der Erhabene die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt? Gut wär’ es, wenn auch wir dieser Rede theilhaftig würden und sie hörten.«

»Wir haben, o würdiger Moggallāno, viele Pflichten, wir haben viele Obliegenheiten zu erfüllen, sowohl in eigener Sache als auch in Beziehung auf die Dreiunddreißig Götter. Aber, würdiger Moggallāno, es ist gar wohl verstanden, wohl 253 begriffen, wohl gemerkt, wohl aufbewahrt, so dass es nicht so bald vergessen sein wird. -- Es war einmal, würdiger Moggallāno, ein Kampf zwischen Göttern und Unholden zum Ausbruch gekommen. In jenem Kampfe nun, würdiger Moggallāno, siegten die Götter und verloren die Unholde. Nachdem ich nun, würdiger Moggallāno, jenen Kampf glücklich beendet hatte und siegreich wieder zurückgekehrt war, erbaute ich ein Schloss und nannte es Siegesbanner. Und das Siegesbanner-Schloss, o würdiger Moggallāno, hat hundert Thore: auf jedem der Thore sind siebenmal siebenhundert Terrassen, auf jeder der Terrassen befinden sich siebenmal sieben Nymphen, und jede der Nymphen hat ein Gefolge von siebenmal sieben Gespielinen. Wünschest du nicht, würdiger Moggallāno, die Wonnen des Siegesbanner-Schlosses zu sehn?«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Mahāmoggallāno die Bitte.

Da nun begaben sich Sakko, der Götter König, und Vessavaṇo, der Große Herrscher, unter dem Vortritt des ehrwürdigen Mahāmoggallāno zum Siegesbanner-Schlosse. Und es sahn des Götterkönigs Sakko Trabanten, wie der ehrwürdige Mahāmoggallāno von ferne herankam, und als sie ihn gesehn errötheten sie, schämten sich und zogen sich in ihre Gemächer zurück. Gleichwie etwa eine Schwiegertochter, den Schwiegervater erblickend, erröthet und sich schämt, so auch errötheten da des Götterkönigs Sakko Trabanten als sie den ehrwürdigen Mahāmoggallāno gesehn, schämten sich und zogen sich in ihre Gemächer zurück. Da nun führten Sakko, der Götter König, und Vessavaṇo, der Große Herrscher, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno im Siegesbanner-Schlosse umher, geleiteten ihn dahin und dorthin: »Sieh’ nur, würdiger Moggallāno, diese Wonne des Siegesbanner-Schlosses, sieh’ nur, würdiger Moggallāno, jene Wonne des Siegesbanner-Schlosses!«

»Dieses Glück glänzt dem ehrwürdigen Kosiyo, weil er früher Gutes gethan. Die Menschen sagen ja, wenn sie irgend etwas Entzückendes sehn: ›Ach das glänzt wie bei den Dreiunddreißig Göttern!‹ Dieses Glück glänzt dem ehrwürdigen Kosiyo, weil er früher Gutes gethan.«

Da kam dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Allzu leicht lebt wohl dieser Geist dahin; wie, wenn ich ihn nun erschütterte?‹ Da ließ nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno eine magische Erscheinung von solcher Art erscheinen, als ob er mit der großen Zehe das Siegesbanner-Schloss zum Wanken, zum Beben, zum Erzittern brächte. Da wurden Sakko, der Götter König, und 254 Vessavaṇo, der Große Herrscher, und die Dreiunddreißig Götter durch den außerordentlichen, wunderbaren Vorgang im Innersten getroffen: ›Ach wie erstaunlich, wie doch so wunderbar ist des Asketen hohe Macht, hohe Gewalt! Sogar Himmelspaläste kann er da mit der großen Zehe zum Wanken, zum Beben, zum Erzittern bringen!‹ Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno Sakko, den König der Götter, erschüttert und gesträubten Haares dastehn sah, sprach er also zu ihm:

»Auf welche Weise hat dir denn, Kosiyo, der Erhabene die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt? Gut wär’ es, wenn auch wir dieser Rede theilhaftig würden und sie hörten.«

»Ich hatte mich, würdiger Moggallāno, zum Erhabenen begeben, den Erhabenen ehrerbietig begrüßt und seitwärts hingestellt. Seitwärts stehend sprach ich nun, würdiger Moggallāno, zum Erhabenen also: ›Inwiefern ist wohl, o Herr, ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen?‹ -- Hierauf, würdiger Moggallāno, erwiderte mir der Erhabene: ›Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ‚Kein Ding ist der Mühe werth.‘ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ‚Kein Ding ist der Mühe werth‘, so betrachtet er jedes Ding; und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei sich selbst zur Erlöschung: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen.‹ Auf solche Weise hat mir, würdiger Moggallāno, der Erhabene die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt.«

Da war nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno durch Sakkos, des 255 Götterkönigs, Rede erfreut und befriedigt. Und so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, verschwand er da von den Dreiunddreißig Göttern und erschien auf der Terrasse Mutter Migāros im Osthain.

Da nun sagten die Trabanten des Götterkönigs Sakko, kurz nachdem sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno entfernt hatte, zu Sakko dem König der Götter:

»Der bei dir war, Würdiger, das war wohl Er, der Erhabene, der Meister?«

»Nein, ihr Würdigen, nicht Er, der Erhabene, der Meister war bei mir, sondern ein Jünger, der ehrwürdige Mahāmoggallāno.«

»Heil dir, Würdiger, der du einen Jünger von so hoher Macht, von so hoher Gewalt kennst: ach, wie mag dir erst Er, der Erhabene, der Meister erschienen sein!«

Da begab sich nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno zum Erhabenen, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite hin. Zur Seite sitzend wandte sich nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno an den Erhabenen:

»Bestätigt wohl, o Herr, der Erhabene eben zuvor einem gewissen großmächtigen Geiste die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt zu haben?«

»Ich bestätige es, Moggallāno. Sakko, der Götter König, kam da zu mir, begrüßte mich ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend, Moggallāno, sprach nun Sakko, der Götter König, also zu mir: ›Inwiefern ist wohl, o Herr, ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen?‹ -- Hierauf, Moggallāno, erwiderte ich dem Götterkönige Sakko: ›Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ‚Kein Ding ist der Mühe werth.‘ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ‚Kein Ding ist der Mühe werth‘, so betrachtet er jedes Ding; und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei sich selbst zur Erlöschung: ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ 256 versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen.‹ Auf solche Weise bestätige ich, Moggallāno, dem Götterkönige Sakko kurzgefasst die Erlösung durch Versiegung des Durstes dargelegt zu haben.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno über das Wort des Erhabenen.

38.

Vierter Theil Achte Rede

VERSIEGUNG DES DURSTES

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Zu jener Zeit nun hatte ein Mönch Namens Sāti, der Sohn eines Fischers, folgende verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Es kam nun vielen Mönchen zu Ohren, dass ein Mönch Namens Sāti, der Sohn eines Fischers, diese verkehrte Meinung gefasst habe. Da begaben sich nun jene Mönche dorthin wo sich Sāti der Mönch, der Fischersohn, aufhielt, und sprachen hierauf also zu ihm:

»Ist es wahr, wie man sagt, Bruder Sāti, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharre, unveränderlich‹?«

»So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.«

Da nun wollten jene Mönche Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten sich zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: »Nicht also rede, Bruder Sāti, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Sāti, wurde die bedingte Natur des Bewusstseins vom Erhabenen erklärt: ‚Ohne 257 zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘«

Sāti der Mönch aber, der Sohn eines Fischers, obzwar von jenen Mönchen also angegangen, angesprochen und belehrt, hielt an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: »Ich, fürwahr, ihr Brüder, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.«

Als nun jene Mönche Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers, von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten, begaben sie sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprachen jene Mönche zum Erhabenen also:

»Ein Mönch Namens Sāti, o Herr, der Sohn eines Fischers, hat folgende verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Hiervon erhielten wir Kunde, o Herr, begaben uns zu Sāti und fragten ihn, ob das Gerücht wahr sei. Auf unsere Frage, o Herr, erwiderte uns Sāti der Mönch, der Fischersohn: ›So ist es, ihr Brüder, allerdings fasse ich die vom Erhabenen verkündete Lehre dahin auf, dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Da nun wollten wir, o Herr, Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers, von seiner verkehrten Meinung abbringen, wandten uns zu ihm, sprachen zu ihm, belehrten ihn: Nicht also rede, Bruder Sāti, den Erhabenen verbessere nicht, nicht ist es gut den Erhabenen verbessern, nicht kann der Erhabene solches gesagt haben. Auf manigfaltige Weise, Bruder Sāti, wurde die bedingte Natur des Bewusstseins vom Erhabenen erklärt: ‚Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘ Obzwar nun, o Herr, solcherart von uns angegangen, angesprochen und belehrt, hielt Sāti der Mönch, der Sohn eines Fischers, an dieser seiner verkehrten Meinung zähe fest: ›Ich aber, Brüder, fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass es dieses unser Bewusstsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.‹ Da wir nun, o Herr, Sāti den Mönch, den Sohn eines Fischers, von dieser verkehrten Meinung nicht abbringen konnten, beschlossen wir, die Sache dem Erhabenen vorzutragen.«

Da nun wandte sich der Erhabene an einen der Mönche:

»Gehe, o Mönch, und sage in meinem Namen Sāti dem Mönche, dem 258 Sohn eines Fischers: der Meister ruft dich, Bruder Sāti.«

»Wohl, o Herr!« erwiderte jener Mönch, dem Erhabenen gehorchend, begab sich dorthin wo Sāti der Mönch, der Fischersohn, weilte, und sprach hierauf also zu ihm:

»Der Meister ruft dich, Bruder Sāti.«

»Gut, o Bruder, ich komme!« erwiderte Sāti der Mönch, der Fischersohn, jenem Mönche, begab sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Hierauf nun sprach zu Sāti dem Mönche, dem Sohn eines Fischers, der Erhabene also:

»Ist es wahr, wie man sagt, Sāti, du habest diese verkehrte Meinung gefasst: ›Also verstehe ich die vom Erhabenen verkündete Lehre, dass nämlich dieses unser Bewusstsein im Kreislauf des Wandelseins beharre, unveränderlich‹?«

»So ist es allerdings, o Herr: ich fasse die vom Erhabenen verkündete Lehre also auf, dass es dieses unser Bewußtsein ist, welches im Kreislauf des Wandelseins beharrt, unveränderlich.«

»Was ist das für ein Bewusstsein, Sāti?«

»Was da wieder als selbes, sag’ ich, o Herr, da und dort den Lohn guter und böser Werke genießt.«

»Von wem hast du denn, du bethörter Mann, gehört, dass ich eine solche Lehre verkündet hätte? Habe ich nicht, o Thor, auf manigfaltige Weise die bedingte Natur des Bewußtseins erklärt: ›Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein‹? Aber missverständigen Sinnes, o Thor, willst du uns verbessern und gräbst dir selbst das Grab und schaffst dir schwere Schuld. Das wird dir, o Thor, lange zum Unheil, zum Leiden gereichen.«

Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:

»Was meinet ihr wohl, Mönche? Hat dieser Mönch Sāti, der Fischersohn, in unserer Heilsordnung nicht etwa Brand gestiftet?«

»Wie wäre das möglich, o Herr, nein, wahrlich nicht, o Herr!«

Auf diese Worte setzte sich Sāti der Mönch, der Sohn eines Fischers, verstummt und verstört, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos nieder. Als nun der Erhabene sah, wie Sāti der Mönch, der Sohn eines Fischers, verstummt und verstört dasaß, gebeugten Rumpfes, gesenkten Hauptes, das Antlitz von brennender Röthe übergossen, wortlos, sprach er also zu ihm: »Dies wird sich als deine eigene verkehrte Meinung erweisen, o du Bethörter; ich werde nun die Mönche befragen.«

Und der Erhabene wandte sich an die Mönche:

»Versteht auch ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also, wie dieser Mönch Sāti, der Fischersohn, der missverständigen 259 Sinnes uns verbessert und sich selbst das Grab gräbt und schwere Schuld schafft?«

»Nicht so, o Herr! Auf manigfaltige Weise hat uns ja, o Herr, der Erhabene die bedingte Natur des Bewusstseins erklärt: ‚Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‘«

»Wohl, ihr Mönche, wohl, dass ihr, meine Mönche, die verkündete Lehre also verstehet. Freilich habe ich euch, ihr Mönche, auf manigfaltige Weise die bedingte Natur des Bewusstseins erklärt: ›Ohne zureichenden Grund entsteht kein Bewusstsein.‹ Aber dieser Mönch Sāti, der Sohn eines Fischers, will uns missverständigen Sinnes verbessern und gräbt sich selbst das Grab und schafft sich schwere Schuld. Das wird diesem bethörten Manne lange zum Unheil, zum Leiden gereichen.

»Aus was für einem Grunde, ihr Mönche, Bewusstsein entsteht, gerade durch diesen und nur durch diesen kommt es zustande. Durch das Gesicht und die Formen entsteht Bewusstsein: gerade ›Sehbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gehör und die Töne entsteht Bewusstsein: gerade ›Hörbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch den Geruch und die Düfte entsteht Bewusstsein: gerade ›Riechbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch den Geschmack und die Säfte entsteht Bewusstsein: gerade ›Schmeckbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Getast und die Tastungen entsteht Bewusstsein: gerade ›Tastbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gedenken und die Dinge entsteht Bewusstsein: gerade ›Denkbewusstsein‹ kommt da zustande. Gleichwie etwa Feuer, ihr Mönche, aus was für einem Grund es brennt, gerade durch diesen und nur durch diesen zustande kommt: durch Holz wird es genährt und gerade ›Holzfeuer‹ kommt da zustande, durch Reisig wird es genährt und gerade ›Reisigfeuer‹ kommt da zustande, durch Heu wird es genährt und gerade ›Heufeuer‹ kommt da zustande, durch Dünger wird es genährt und gerade ›Dungfeuer‹ kommt da zustande, durch Spreu wird es genährt und gerade ›Spreufeuer‹ kommt da zustande, durch Kehricht wird es genährt und gerade ›Kehrichtfeuer‹ kommt da zustande: ebenso nun auch, ihr Mönche, kommt Bewusstsein, aus was für einem Grund es entsteht, gerade durch diesen und nur durch diesen zustande. Durch das Gesicht und die Formen entsteht Bewusstsein: gerade ›Sehbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gehör und die Töne entsteht Bewusstsein: gerade ›Hörbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch den Geruch und die Düfte entsteht Bewusstsein: gerade ›Riechbewusstsein‹ 260 kommt da zustande. Durch den Geschmack und die Säfte entsteht Bewusstsein: gerade ›Schmeckbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Getast und die Tastungen entsteht Bewusstsein: gerade ›Tastbewusstsein‹ kommt da zustande. Durch das Gedenken und die Dinge entsteht Bewusstsein: gerade ›Denkbewusstsein‹ kommt da zustande.

»‚Entstanden ist dieses‘: begreift ihr das, Mönche?«

»Ja, o Herr!«

»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: begreift ihr das, Mönche?«

»Ja, o Herr!«

»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem Gesetze der Auflösung verfallen‘: begreift ihr das, Mönche?«

»Freilich, o Herr!«

»‚Vielleicht ist dieses nicht entstanden‘: wer also schwankt, ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«

»Gewiss, o Herr!«

»‚Vielleicht nicht durch solche Nahrung gebildet‘: wer also schwankt, ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«

»Gewiss, o Herr!«

»‚Vielleicht ist durch die Auflösung solcher Nahrung, was entstanden, dem Gesetze der Auflösung doch nicht verfallen‘: wer also schwankt, ihr Mönche, beginnt zu zweifeln.«

»Gewiss, o Herr!«

»‚Entstanden ist dieses‘: wenn man das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet dann jeder Zweifel?«

»Freilich, o Herr!«

»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: wenn man das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet dann jeder Zweifel?«

»Freilich, o Herr!«

»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem Gesetze der Auflösung verfallen‘: wenn man das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit begreift, schwindet dann jeder Zweifel?«

»Freilich, o Herr!«

»‚Entstanden ist dieses‘: hegt ihr hierüber, ihr Mönche, den leisesten Zweifel?«

»Nein, o Herr!«

»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: hegt ihr hierüber, ihr Mönche, den leisesten Zweifel?«

»Nein, o Herr!«

»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem Gesetze der Auflösung verfallen‘: hegt ihr hierüber, ihr Mönche, den leisesten Zweifel?«

»Nein, o Herr!«

»‚Entstanden ist dieses‘: habt ihr das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«

»Ja, o Herr!«

»‚Durch solche Nahrung gebildet‘: habt ihr das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«

»Ja, o Herr!«

»‚Durch die Auflösung solcher Nahrung ist, was entstanden, dem Gesetze der Auflösung verfallen‘: habt ihr das, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar erkannt?«

»Ja, o Herr!«

»Wenn ihr euch nun, ihr Mönche, an diese Erkenntniss, die also geläuterte, also geklärte, anklammern, an ihr ergetzen, sie liebgewinnen und als eigen schätzen wolltet: würdet ihr da wohl, ihr Mönche, die verkündete Lehre wie ein Floss betrachten, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Wenn ihr euch aber, ihr Mönche, an diese Erkenntniss, die also geläuterte, also geklärte, nicht anklammern, nicht an ihr 261 ergetzen, sie nicht liebgewinnen, nicht als eigen schätzen wolltet: würdet ihr da wohl, ihr Mönche, die verkündete Lehre wie ein Floss betrachten, zum Entrinnen tauglich, nicht zum Festhalten?«

»Gewiss, o Herr!«

* * * * *