Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band
Part 28
»Wer da zuerst von uns, o Herr, vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, der bereitet die Plätze und setzt Trinkwasser, Waschwasser und den Spülnapf vor. Wer zuletzt vom Almosengang aus dem Dorfe zurückkehrt, und es ist noch Speise übrig, und er verlangt danach, so nimmt er davon; wo nicht, so wirft er sie fort, auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser. Dann ordnet er die Sitze, räumt Trinkwasser, Waschwasser und Spülnapf weg und fegt den Speiseplatz rein. Wer bemerkt, dass man den Trinknapf oder den Waschkrug oder den Mistkübel nicht mehr braucht, der stellt ihn gesäubert auf. Wenn er es allein nicht kann, so winkt er einen Zweiten herbei, und wir kommen und helfen, ohne dass wir, o Herr, aus solchem Grunde das Schweigen brächen. Und jeden fünften Tag, o Herr, sitzen wir die ganze Nacht hindurch in Gesprächen über die Lehre beisammen. Also, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, die ihr also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilet, ein überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o Herr, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Dies, o Herr, ist von uns, den ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich Verweilenden, errungen worden, ein überirdisches, reiches Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes 208 überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erwirken wir nach Belieben, o Herr, nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da verweilen wir nach Belieben, o Herr, in heiterer Ruhe gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfinden wir im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirken wir die Weihe der dritten Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener 209 Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da gewinnen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum, sälige Ruhe.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, nach Ersteigung und Ueberwindung dieser Warte noch ein anderes überirdisches, reiches Heilthum der Wissensklarheit errungen, sälige Ruhe?«
»Wie denn nicht, o Herr! Da erreichen wir nach Belieben, o Herr, nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und der weise Sehenden Wahn ist aufgehoben. Nach Ersteigung und Ueberwindung jener Warte, o Herr, erscheint dieses andere überirdische, reiche Heilthum der Wissensklarheit, sälige Ruhe. Und eine andere sälige Ruhe, höher oder herrlicher als diese, o Herr, kennen wir nicht.«
»Recht so, recht so, Anuruddher. Eine andere sälige Ruhe, höher oder herrlicher als diese, Anuruddher, giebt es nicht.«
Als nun der Erhabene den ehrwürdigen Anuruddho, den ehrwürdigen Nandiyo und den ehrwürdigen Kimbilo in lehrreichem Gespräche ermuntert, ermuthigt, erregt und erheitert hatte, stand er von seinem Sitze auf und ging fort. Der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo gaben nun dem Erhabenen das Geleite und kehrten dann wieder zurück. Da wandte sich der ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo an den 210 ehrwürdigen Anuruddho:
»Wie ist es doch? Haben wir dem ehrwürdigen Anuruddho gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, da uns der ehrwürdige Anuruddho vor dem Erhabenen als bis zur Wahnversiegung gelangt dargestellt hat?«
»Nein, wahrlich, die Ehrwürdigen haben mir nicht gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen wir uns‹, aber ich habe es im Herzen der Ehrwürdigen gelesen und gesehn: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹ Und auch Gottheiten haben es mir gesagt: ›Dieser und jener Heilstufen erfreuen sich diese Ehrwürdigen.‹ Den Fragen des Erhabenen gemäß hab’ ich geantwortet.«
Da nun begab sich Dīgho, ein Fremder, ein Geist, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun Dīgho, der Fremde, der Geist, zum Erhabenen also:
»Gesegnet sind die Vajjīner, o Herr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimme Dīghos, des Fremden, des Geistes, vernehmend hallten die Stimmen der Erdgötter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Erdgötter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der Vier großen Könige wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Götter der Vier großen Könige vernehmend hallten die Stimmen der Dreiunddreißig Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Dreiunddreißig Götter vernehmend hallten die Stimmen der Schattengötter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Schattengötter vernehmend hallten die Stimmen der Säligen Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Säligen Götter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der unbeschränkten Freude wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Götter der unbeschränkten Freude vernehmend hallten die Stimmen der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
Die Stimmen der Jenseit der unbeschränkten Freude weilenden Götter vernehmend hallten die Stimmen der Götter der Brahmawelt wieder:
»Gesegnet sind die Vajjīner, fürwahr, hochgesegnet das Vajjī-Volk, wo der Vollendete weilt, der Heilige, vollkommen Erwachte, und diese drei edlen Söhne, der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo, der ehrwürdige Kimbilo!«
So waren da jene Ehrwürdigen in einem Augenblick, in einem Nu bis in die Brahmawelt wahrgenommen worden.
* * * * *
»So ist es, Dīgho, so ist es, Dīgho. Wenn die Familie, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn der Familienkreis, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch 211 ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Dorf, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn die Stadt, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn die Hauptstadt, Dīgho, aus der jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihr lange zum Wohle, zum Heile. Wenn das Land, Dīgho, aus dem jene edlen drei Söhne vom Hause fort in die Hauslosigkeit hinausgezogen sind, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es auch ihm lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Adeligen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Geistlichen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Bürgerlichen, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn auch alle Dienenden, Dīgho, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächten, so gereicht’ es jedem von ihnen lange zum Wohle, zum Heile. Wenn selbst die Welt, Dīgho, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, jener edlen drei Söhne in Liebe gedächte, so gereicht’ es selbst der Welt, mit ihren Göttern, ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Büßern und Priestern, Göttern und Menschen, lange zum Wohle, zum Heile.
»Siehe, Dīgho, wie weit jene edlen drei Söhne vielen zum Wohle, vielen zum Heile wirken, aus Erbarmen zur Welt: zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.«
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Dīgho, der Fremde, der Geist, über das Wort des Erhabenen.
32.
Vierter Theil Zweite Rede
IM GOSIṈGAM-WALDE
-- II --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im 212 Forste des Gosiṉgam-Waldes, mit gar manchen wohlbekannten Oberen, wohl bekannten Jüngern, mit dem ehrwürdigen Sāriputto und dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno, mit dem ehrwürdigen Mahākassapo und dem ehrwürdigen Anuruddho, mit dem ehrwürdigen Revato und dem ehrwürdigen Ānando und mit anderen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jüngern zusammen.
Als nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno gegen Abend die Gedenkensruhe beendet hatte, begab er sich dorthin wo der ehrwürdige Mahākassapo weilte, und sprach zum ehrwürdigen Mahākassapo also:
»Komm’, Bruder Kassapo, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören.«
»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Mahākassapo dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno.
Und der ehrwürdige Mahāmoggallāno und der ehrwürdige Mahākassapo wie auch der ehrwürdige Anuruddho begaben sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören. Der ehrwürdige Ānando aber erblickte diese Ehrwürdigen, wie sie sich zum ehrwürdigen Sāriputto begaben, die Lehre zu hören, und nachdem er sie gesehn ging er zum ehrwürdigen Revato und sprach also zu ihm:
»Es begeben sich, Bruder Revato, jene Edlen dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilt, die Lehre zu hören; komm’, Bruder Revato, lass’ uns zum ehrwürdigen Sāriputto gehn, die Lehre zu hören.«
»Gern, Bruder«, erwiderte der ehrwürdige Revato dem ehrwürdigen Ānando.
Und der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando begaben sich nun dorthin wo der ehrwürdige Sāriputto weilte, die Lehre zu hören.
Da sah der ehrwürdige Sāriputto den ehrwürdigen Revato und den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und nachdem er sie gesehn sprach er zum ehrwürdigen Ānando also:
»Willkommen sei der ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?« 213
»Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtnis, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern[26] die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Revato:
»Der ehrwürdige Ānando, Bruder Revato, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Revato: Entzückend, Bruder Revato, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Revato, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da wird, Bruder Sāriputto, ein Mönch durch die Gedenkensruhe erquickt und beglückt, erkämpft innigen Geistesfrieden, widerstrebt nicht der Schauung, gewinnt durchdringenden Blick, ist ein Freund leerer Klausen. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Anuruddho:
»Der ehrwürdige Revato, Bruder Anuruddho, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Anuruddho: Entzückend, Bruder Anuruddho, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Anuruddho, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da blickt, Bruder Sāriputto, ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Gleichwie etwa, Bruder Sāriputto, ein scharfsehender Mann von der Zinne eines hohen Thurmes tausend Gehöfte im Kreise überblicken mag: ebenso auch, Bruder Sāriputto, blickt ein Mönch mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, über tausend Welten hin. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Mahākassapo:
»Der ehrwürdige Anuruddho, Bruder Kassapo, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahākassapo: Entzückend, Bruder Kassapo, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Kassapo, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da ist, Bruder Sāriputto, ein Mönch selbst Waldeinsiedler und 214 preist das Waldeinsiedlerthum, lebt selbst von Almosenspeise und preist das Leben von Almosenspeise, trägt selbst die geflickte Fetzenkutte und preist das Tragen der geflickten Fetzenkutte, besitzt nur drei Kleidungstücke und preist das bloße Besitzthum dreier Kleidungstücke[27], hat selbst wenig Bedürfnisse und preist die Bedürfnisslosigkeit, ist selbst zufrieden und preist die Zufriedenheit, ist selbst zurückgezogen und preist die Zurückgezogenheit, flieht selbst die Welt und preist die Weltflucht, ist selbst standhaft und preist die Standhaftigkeit, ist selbst ordenstüchtig und preist die Ordenstugend, hat selbst das Glück der Vertiefung errungen und preist das Glück der Vertiefung, hat selbst die Weisheit errungen und preist die Errungenschaft der Weisheit, hat selbst die Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der Erlösung, hat selbst die Wissensklarheit der Erlösung errungen und preist die Errungenschaft der wissensklaren Erlösung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an den ehrwürdigen Mahāmoggallāno:
»Der ehrwürdige Mahākassapo, Bruder Moggallāno, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Mahāmoggallāno: Entzückend, Bruder Moggallāno, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da halten, Bruder Sāriputto, zwei Mönche ein Gespräch über die Lehre, stellen sich Fragen, und nachdem sie die Fragen gegenseitig beantwortet haben, gehn sie auseinander, jeder für sich, und lehrreich war ihr Gespräch und anregend. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Und nun wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an den ehrwürdigen Sāriputto:
»Jeder von uns, Bruder Sāriputto, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Jetzt fragen wir den ehrwürdigen Sāriputto: Entzückend, Bruder Sāriputto, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?«
»Da hat, Bruder Moggallāno, ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, 215 dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Gleichwie etwa, Bruder Moggallāno, ein König oder ein Fürst aus einer Truhe voller verschiedenfarbiger Gewänder gerade das Gewand für den Morgen auswählen würde, das er morgens tragen will, gerade das Gewand für den Mittag auswählen würde, das er mittags tragen will, gerade das Gewand für den Abend auswählen würde, das er abends tragen will: ebenso auch, Bruder Moggallāno, hat ein Mönch das Herz in seiner Gewalt und nicht ist er in der Gewalt des Herzens. Welcher Vertiefung er sich morgens erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich morgens, welcher Vertiefung er sich mittags erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich mittags, welcher Vertiefung er sich abends erfreuen will, dieser Vertiefung erfreut er sich abends. Ein solcher Mönch, Bruder Moggallāno, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.«
Und der ehrwürdige Sāriputto wandte sich nun zu jenen Ehrwürdigen und sprach also:
»Jeder von uns, ihr Brüder, hat nach seinem Begriffe geantwortet. Kommt, ihr Brüder, lasst uns zum Erhabenen gehn und die Sache dem Erhobenen berichten: wie uns der Erhabene antworten wird, so wollen wir es halten.«
»So sei es, Bruder«, erwiderten da jene Ehrwürdigen dem ehrwürdigen Sāriputto.
Und jene Mönche begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Da hatten sich, o Herr, der ehrwürdige Revato und der ehrwürdige Ānando dorthin begeben wo ich weilte, die Lehre zu hören. Ich sah den ehrwürdigen Revato und den ehrwürdigen Ānando von ferne herankommen, und nachdem ich sie gesehn sprach ich zum ehrwürdigen Ānando also: ›Willkommen sei der 216 ehrwürdige Ānando, gegrüßt der ehrwürdige Ānando, der des Erhabenen wartet, dem Erhabenen nahe ist. Entzückend, Bruder Ānando, ist der Gosiṉgam-Wald, herrlich die klare Mondnacht, die Bäume stehn in voller Blüthe, himmlische Düfte, meint man, wehn umher. Was für ein Mönch, Bruder Ānando, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen?‹ -- Hierauf, o Herr, erwiderte mir der ehrwürdige Ānando: ‚Da hat, Bruder Sāriputto, ein Mönch viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre; und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung. Ein solcher Mönch, Bruder Sāriputto, mag dem Gosiṉgam-Walde Glanz verleihen.‘«
»Gut, gut, Sāriputto, wie es eben Ānando recht beantworten kann. Denn Ānando, Sāriputto, hat viel gehört, ist Behälter des Wortes, Hort des Wortes der Lehre: und was da am Anfang begütigt, in der Mitte begütigt, am Ende begütigt und sinn- und wortgetreu das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum überliefert: das kennt er, behält er, beherrscht er mit der Rede, bewahrt es im Gedächtniss, hat es von Grund aus verstanden. Er legt den vier Arten von Hörern die Lehre dar, im Ganzen, im Einzelnen und im Zusammenhang, zur völligen Wunschesvertilgung.«