Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 25

Chapter 253,562 wordsPublic domain

»Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht sucht er einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn er vom Almosengange zurückgekehrt ist, setzt er sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht. Er hat weltliche Begierde verworfen und verweilt begierdelosen Gemüthes, von Begierde läutert er sein Herz. Gehässigkeit hat er verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt er, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läutert er sein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hat er verworfen, von matter Müde ist er frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läutert er sein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hat er verworfen, er ist frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läutert er sein Herz von stolzem Unmuth. Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewissheit ist er entronnen; er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken läutert er sein Herz.

»Er hat nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hat die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt er in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten[23] genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem 182 Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Denn ferner noch, Brāhmane: nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt der Mönch die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Denn ferner noch, Brāhmane: in heiterer Ruhe verweilt der Mönch gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten Schauung.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Denn ferner noch, Brāhmane: nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erreicht der Mönch die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Lehen, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich mancher verschiedenen früheren Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die 183 Jüngerschaft.‹ Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, sieht er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Leibes, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Doch hier kommt wahrlich der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntnis der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß.

»Das aber wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Und auch hier ist der heilige Jünger noch nicht zu dem Schlusse gekommen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft‹, aber er kommt nun zum Schlusse. Denn also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom 184 Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntnis geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.

»Das wird, Brāhmane, die Spur des Vollendeten genannt, wird die Fährte des Vollendeten genannt, wird die Kerbe des Vollendeten genannt.

»Und hier ist nun, Brāhmane, der heilige Jünger zum Schlusse gekommen: ›Vollkommen erwacht ist der Erhabene, wohlkundgethan vom Erhabenen die Satzung, wohlvertraut die Jüngerschaft.‹ Und hier ist nun, Brāhmane, der Vergleich mit der Elephantenspur vollständig ausgeführt.«

* * * * *

Nach diesen Worten sprach der Brāhmane Jāṇussoṇi zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie etwa, o Gotamo, als ob einer Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat Herr Gotamo die Lehre auf manigfaltige Weise dargelegt. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft, als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«

28.

Dritter Theil Achte Rede

DIE ELEPHANTENSPUR

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der ehrwürdige Sāriputto an die Mönche: »Brüder Mönche!« -- »Bruder!« antworteten da jene Mönche dem ehrwürdigen Sāriputto aufmerksam. Der ehrwürdige Sāriputto sprach also:

»Gleichwie etwa, ihr Brüder, alles Lebendige, Bewegliche, Fußbegabte in der Elephantenspur mit fortkommt, die Elephantenspur ist ja der Größe wegen als die vornehmste ihrer Art bekannt: ebenso nun auch, ihr Brüder, stellt sich alles Gute in den vier heiligen Wahrheiten ein; in welchen vier? In der heiligen Wahrheit vom Leiden, in der heiligen Wahrheit 185 von der Leidensentwicklung, in der heiligen Wahrheit von der Leidensauflösung, in der heiligen Wahrheit von dem zur Leidensauflösung führenden Pfade.

»Was ist aber, Brüder, die heilige Wahrheit vom Leiden? Geburt ist Leiden, Alter ist Leiden, Sterben ist Leiden, Kummer, Jammer, Schmerz, Gram und Verzweiflung sind Leiden, was man begehrt nicht erlangen, das ist Leiden, kurz gesagt: die fünf Stücke des Anhangens sind Leiden. Was sind aber, Brüder, die fünf Stücke des Anhangens? Es ist da ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewußtsein. Was ist aber, Brüder, das Stück Anhangen an der Form? Die vier Hauptstoffe und was durch die vier Hauptstoffe als Form besteht. Was sind aber, Brüder, die vier Hauptstoffe? Die Erdenart, die Wasserart, die Feuerart, die Luftart.

»Was ist nun, Brüder, die Erdenart? Die Erdenart mag innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die innerliche Erdenart? Was sich innerlich einzeln fest und hart dargestellt hat, als wie Kopfhaare, Körperhaare, Nägel, Zähne, Haut, Fleisch, Sehnen, Knochen, Mark, Nieren, Herz, Leber, Zwerchfell, Milz, Lunge, Magen, Eingeweide, Weichtheile, Koth, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln fest und hart dargestellt hat: das nennt man, Brüder, innerliche Erdenart. Was es nun da an innerlicher Erdenart und was es an äußerlicher Erdenart giebt, ist Erdenart. Und: ›Das gehört mir nicht, das hin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Erdenart satt, löst den Sinn von der Erdenart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Wasser rasen, und verschwunden ist dann die äußere Erde. Dieser äußerlichen Erdenart, der so ungeheueren, Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt in Wirklichkeit.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einen solchen Mönch tadeln, verurtheilen, verfolgen, angreifen, so denkt er dabei: ›Entstanden ist mir da dieses Wehegefühl, durch Gehörberührung hervorgerufen, und es ist bedingt, nicht unbedingt; wodurch 186 bedingt? Durch Berührung bedingt.‹ Und: ›Die Berührung ist vergänglich‹ merkt er, ›Das Gefühl ist vergänglich‹ merkt er, ›Die Wahrnehmung ist vergänglich‹ merkt er, ›Die Unterscheidungen sind vergänglich‹ merkt er, ›Das Bewusstsein ist vergänglich‹ merkt er. Sein Gemüth, das die Elemente also zerlegt, erhebt sich, erheitert sich, wird stark und standhaft.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einem solchen Mönche unhöflich, lieblos, rauh begegnen, ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen, so denkt er dabei: ›So beschaffen ist ja dieser Körper, dass man ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen kann! Und das Wort des Erhabenen im Gleichniss von der Säge lautet: ‚Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen.‘ Gestählt aber wird meine Kraft sein, unbeugsam, gewärtig die Einsicht, unverrückbar, beruhigt der Körper, unregsam, vertieft das Gemüth, einig. Wollen sie, nun so sollen sie diesen Körper mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen: erfüllt werde jene Weisung der Erwachten.‹

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt, so wird er befangen, geräth in Aufregung: ›Unmöglich ist’s mir, es ist mir ja nicht möglich! Kaum kann ich’s ertragen, wie schwer ist es, ach, dass mir, der ich also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenke, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt!‹ Gleichwie etwa, ihr Brüder, die Schwiegertochter, dem Schwiegervater begegnend, befangen wird, in Aufregung geräth: ebenso nun auch, ihr Brüder, wird da ein Mönch befangen, geräth in Aufregung, wenn ihm, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt.

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber, 187 ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Was ist nun, Brüder, die Wasserart? Die Wasserart mag innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die innerliche Wasserart? Was sich innerlich einzeln flüssig und wässerig dargestellt hat, als wie Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Lymphe, Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Gelenköl, Urin, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flüssig und wässerig dargestellt hat: das nennt man, Brüder, innerliche Wasserart. Was es nun da an innerlicher Wasserart und was es an äußerlicher Wasserart giebt, ist Wasserart. Und: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Wasserart satt, löst den Sinn von der Wasserart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Wasser rasen, wo sie ein Dorf fortreißen, eine Stadt fortreißen, eine Residenz fortreißen, ein Land wegspülen, Länder und Reiche wegspülen. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die Gewässer des großen Meeres hunderte von Meilen tief sind, wo sie sechshundert Meilen, neunhundert Meilen, zwölfhundert Meilen, fünfzehnhundert Meilen, achtzehnhundert Meilen tief sind. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des großen Meeres sieben Palmen hoch steht, wo es sechs Palmen, wo es fünf Palmen, wo es vier Palmen, wo es drei Palmen, wo es zwei Palmen, wo es eine Palme hoch steht. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des großen Meeres sieben Mannestiefen hat, wo es sechs Mannestiefen, wo es fünf Mannestiefen, wo es vier Mannestiefen, wo es drei Mannestiefen, wo es zwei Mannestiefen, wo es eine Mannestiefe hat. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des großen Meeres halbe Manneshöhe erreicht, wo es bis zur Hüfte, wo es bis zum Knie, wo es bis zum Knöchel reicht. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo das Wasser des großen Meeres kein Nass von der Höhe eines Fingergliedes besitzt. Dieser äußerlichen Wasserart, der so ungeheueren, 188 Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt in Wirklichkeit.

»Wenn da dem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber, ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Was ist nun, ihr Brüder, die Feuerart? Die Feuerart mag innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die innerliche Feuerart? Was sich innerlich einzeln flammig und feurig dargestellt hat, als wie wodurch Wärme erzeugt wird, wodurch man verdaut, wodurch man sich erhitzt, wodurch gekaute Speise und geschlürfter Trank einer vollkommenen Umwandlung erliegen, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flammig und feurig dargestellt hat: das nennt man, Brüder, innerliche Feuerart. Was es nun da an innerlicher Feuerart und was es an äußerlicher Feuerart giebt, ist Feuerart. Und: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Feuerart satt, löst den Sinn von der Feuerart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Feuer rasen, wo sie ein Dorf verzehren, eine Stadt verzehren, eine Residenz verzehren, ein Land verzehren, Länder und Reiche verzehren, wo sie Wiesen und Anger, Wälder und Auen und blühende Gefilde ergreifen und erst erlöschen, wenn alles ausgebrannt ist. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo man mit einer Hahnenfeder oder mit einem Bindfaden Feuer anzuglimmen sucht. Dieser äußerlichen Feuerart, der so ungeheueren, Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt in Wirklichkeit.

»Wenn da dem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber, ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Was ist nun, Brüder, die Luftart? Die Luftart mag innerlich sein oder äußerlich. Was ist aber, Brüder, die innerliche Luftart? Was sich innerlich einzeln flüchtig und luftig dargestellt hat, als wie die aufsteigenden und die absteigenden Winde, die Winde des Bauches und Darmes, die Winde, die jedes Glied durchströmen, die Einathmung und die Ausathmung: dies, oder was sich irgend sonst noch innerlich einzeln flüchtig und luftig dargestellt hat, das nennt man, Brüder, innerliche Luftart. Was es nun da an innerlicher Luftart und was es an äußerlicher Luftart giebt, ist Luftart. Und: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹: so ist das, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit anzusehn. Hat man das also, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit erkannt, wird man der Luftart satt, löst den Sinn von der Luftart ab.

»Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, wo die äußeren Lüfte rasen, 189 wo sie ein Dorf fortreißen, eine Stadt fortreißen, eine Residenz fortreißen, ein Land verwehen, Länder und Reiche verwehen. Es giebt, ihr Brüder, eine Zeit, im letzten Monat des Sommers, wo man mit einem Palmenwedel, mit einem Fächer Wind anwehen muss, wo selbst an fließendem Wasser kein Halm sich regt. Dieser äußerlichen Luftart, der so ungeheueren, Vergänglichkeit wird sich also, ihr Brüder, zeigen, zeigen wird es sich, dass sie den Gesetzen der Zerstörung, der Auflösung, der Veränderung unterworfen ist: und von diesem Körper da, der acht Spannen hoch ist, ein Gemächte des Durstes, von dem gälte vielleicht ›Ich‹ oder ›Mein‹ oder ›Bin‹? Vielmehr ›Nichts ist sein‹ gilt in Wirklichkeit.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einen solchen Mönch tadeln, verurtheilen, verfolgen, angreifen, so denkt er dabei: ›Entstanden ist mir da dieses Wehegefühl, durch Gehörberührung hervorgerufen, und es ist bedingt, nicht unbedingt; wodurch bedingt? Durch Berührung bedingt.‹ Und: ›Die Berührung ist vergänglich‹ merkt er, ›Das Gefühl ist vergänglich‹ merkt er, ›Die Wahrnehmung ist vergänglich‹ merkt er, ›Die Unterscheidungen sind vergänglich‹ merkt er, ›Das Bewusstsein ist vergänglich‹ merkt er. Sein Gemüth, das die Elemente also zerlegt, erhebt sich, erheitert sich, wird stark und standhaft.

»Wenn die Leute, ihr Brüder, einem solchen Mönche unhöflich, lieblos, rauh begegnen, ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen, so denkt er dabei: ›So beschaffen ist ja dieser Körper, dass man ihn mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen kann! Und das Wort des Erhabenen im Gleichniss von der Säge lautet: ‚Wenn auch, ihr Mönche, Räuber und Mörder mit einer Baumsäge Gelenke und Glieder abtrennten, so würde wer da in Wuth geriethe nicht meine Weisung erfüllen.‘ Gestählt aber wird meine Kraft sein, unbeugsam, gewärtig die Einsicht, unverrückbar, beruhigt der Körper, unregsam, vertieft das Gemüth, einig. Wollen sie, nun so sollen sie diesen Körper mit Fäusten schlagen, mit Steinen werfen, mit Stöcken prügeln, mit Schwerdtern treffen: erfüllt werde jene Weisung der Erwachten.‹

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt, so wird er befangen, geräth in Aufregung: ›Unmöglich ist’s mir, es ist mir ja nicht möglich! Kaum kann ich’s ertragen, wie schwer ist es, ach, 190 dass mir, der ich also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenke, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt!‹ Gleichwie etwa, ihr Brüder, die Schwiegertochter, dem Schwiegervater begegnend, befangen wird, in Aufregung geräth: ebenso nun auch, ihr Brüder, wird da ein Mönch befangen, geräth in Aufregung, wenn ihm, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit versagt.

»Wenn diesem Mönche, ihr Brüder, der also des Erwachten, also der Lehre, also der Jünger gedenkt, der Gleichmuth edler Standhaftigkeit ausdauert, so ist er beglückt. Insofern aber, ihr Brüder, hat ein Mönch viel geleistet.

»Gleichwie etwa, ihr Brüder, vermittelst der Balken und Binsen, des Strohs und Lehms ein begränzter Raum, eben ›das Haus‹ zustande kommt: geradeso nun, ihr Brüder, kommt vermittelst der Knochen und Sehnen, des Fleisches und der Haut ein begränzter Raum, eben ›die Form‹ zustande.

»Ist von innen das Gesicht, ihr Brüder, ungebrochen, und treten von außen die Formen nicht in den Gesichtskreis, so findet auch kein entsprechendes Ineinandergreifen statt, und es kommt zu keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.

»Ist von innen das Gesicht, ihr Brüder, ungebrochen, und treten von außen die Formen in den Gesichtskreis, und es findet kein entsprechendes Ineinandergreifen statt, so kommt es auch zu keiner Bildung des entsprechenden Theiles Bewusstseins.