Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band
Part 14
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren streiten Könige mit Königen, Fürsten mit Fürsten, Priester mit Priestern, Bürger mit Bürgern, streitet die Mutter mit dem Sohne, der Sohn mit der Mutter, der Vater mit dem Sohne, der Sohn mit dem Vater, streitet Bruder mit Bruder, Bruder mit Schwester, Schwester mit Bruder, Freund mit Freund. Also in Zwist, Zank und Streit gerathen gehn sie mit Fäusten aufeinander los, mit Steinen, Stöcken und Schwerdtern. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, von beiden Seiten der Schlachtordnung in den Kampf, und die Pfeile schwirren und die Speere sausen und die Schwerdter blitzen. Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren stürzen sie sich, Schild und Schwerdt in den Händen, gegürtet mit Köcher und Bogen, auf die schlüpfrig getünchten Wälle, und die Pfeile schwirren und die Speere sausen und die Schwerdter 87 blitzen. Und sie durchbohren sich mit Pfeilen, durchbohren sich mit Speeren, schütten glühenden Sand herunter, schleudern zerschmetternde Blöcke herab, spalten sich mit den Schwerdtern die Köpfe. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren brechen sie Verträge, rauben fremdes Gut, stehlen, betrügen, verführen Ehefrauen. Da lassen die Könige einen solchen ergreifen und verhängen mancherlei Strafen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die Enthauptung. Und so eilen sie dem Tode entgegen oder tödtlichem Schmerze. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die offenbare Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
»Weiter sodann, Mahānāmo: von Begehren getrieben, von Begehren gereizt, von Begehren bewogen, eben nur aus eitel Begehren wandeln sie in Thaten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Worten den Weg des Unrechts, wandeln sie in Gedanken den Weg des Unrechts. Und in Thaten auf dem Wege des Unrechts, in Worten auf dem Wege des Unrechts, in Gedanken auf dem Wege des Unrechts gelangen sie bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil. Das aber, Mahānāmo, ist Elend des Begehrens, ist die verborgene Leidensverkettung, durch Begehren entstanden, durch Begehren gefügt, durch Begehren erhalten, durch Begehren schlechthin bedingt.
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»Einstmals weilte ich da, Mahānāmo, zu Rājagaham, am Geierkulm, im Gebirge. Zu jener Zeit nun lebten viele Freie Brüder[9] am Abhange des Sehergipfels, am Schwarzenfels, und übten Askese als Stetigsteher, verwarfen Sitz und Lager, und schmerzliche, stechende, brennende Gefühle bemächtigten sich ihrer. Da begab ich mich eines Abends, Mahānāmo, nach Aufhebung der Gedenkensruhe an den Abhang des Sehergipfels, auf den Schwarzenfels, zu den Freien Brüdern und sprach also zu ihnen:
›Warum, liebe Freie Brüder, übt ihr denn die Askese als Stetigsteher, verwerft Sitz und Lager, erduldet überwältigenden Schmerz, stechende, brennende Gefühle?‹
»Auf diese Frage, Mahānāmo, erwiderten mir die Freien Brüder Folgendes:
›Der Freie Bruder Nāthaputto, Lieber, weiß alles, versteht alles, bekennt unbeschränkte Wissensklarheit: ‚Ob ich geh’ oder stehe, schlaf’ oder wache, jederzeit hab’ ich die 93 gesammte Wissensklarheit gegenwärtig.‘ Und er sagt: ‚Ihr habt da, Freie Brüder, ehedem Böses gethan; das büßt ihr durch diese bittere Schmerzensaskese ab. Denn weil ihr jetzt in dieser Zeit Thaten, Worte und Gedanken bezwinget, lasset ihr Böses ferner nicht mehr aufkommen. So findet durch Büßung und Tilgung alter und Vermeidung neuer Thaten ferner kein Zufluss mehr statt. Weil ferner kein Zufluss mehr stattfindet, kommt er zur Thatenversiegung, durch die Thatenversiegung zur Leidenversiegung, durch die Leidenversiegung zur Gefühlversiegung, und mit der Gefühlversiegung wird alles Leid überstanden sein.‘ Das aber leuchtet uns ein, und wir billigen es und geben uns damit zufrieden.‹
»Auf diese Worte, Mahānāmo, sagte ich zu den Freien Brüdern:
›So wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Wir sind schon ehedem gewesen, nicht sind wir nicht gewesen‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr wohl, liebe Freie Brüder: ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr etwa, liebe Freie Brüder: ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›Oder wisset ihr vielleicht, liebe Freie Brüder, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann?‹
›Wir wissen’s nicht, Bruder.‹
›So gesteht ihr, liebe Freie Brüder, ihr wisst nicht ‚Wir sind schon ehedem gewesen, nicht sind wir nicht gewesen‘, ihr wisst nicht ‚Wir haben schon ehedem Böses gethan, wir sind nicht schuldlos geblieben‘, ihr wisst nicht ‚Diese und jene böse That haben wir begangen‘, ihr wisst nicht ‚Ein Stück Leiden ist überstanden, ein anderes noch zu überstehn; ist aber ein Stück Leiden überstanden, so wird alles Leid überstanden werden‘, wisst nicht, wie man noch bei Lebzeiten das Falsche verleugnen und das Rechte gewinnen kann. Dann also, liebe Freie Brüder, gehn Weltverfluchte, Blutbefleckte, als Verbrecher geborene Menschen unter die Freien Brüder.‹
›Man kann eben nicht, Bruder Gotamo, Wohl um Wohl gewinnen: um Wehe lässt sich Wohl gewinnen. Wär’ es möglich, Bruder Gotamo, 94 Wohl um Wohl zu gewinnen, so könnte der König von Magadhā, Seniyo Bimbisāro das Wohl gewinnen; dem König von Magadhā Seniyo Bimbisāro ist wohler als dem Mönche Gotamo.‹
›Ohne Zweifel haben jetzt die ehrwürdigen Freien Brüder voreilig und unüberlegt gesprochen. Denn nun muss ich eben fragen: welchem der beiden Ehrwürdigen ist wohler, dem König von Magadhā oder dem Mönche Gotamo?‹
›Vielleicht haben wir, Bruder Gotamo, voreilig und unüberlegt gesprochen. Aber sei es drum, jetzt bitten wir den ehrwürdigen Gotamo um Antwort: welchem von beiden Ehrwürdigen ist wohler, dem König von Magadhā oder dem Mönche Gotamo?‹
›Da will ich nun an euch, liebe Freie Brüder, eine Frage richten, die ihr nach euerem Ermessen beantworten sollt. Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: kann der König von Magadhā ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden sieben Tage und Nächte sich vollkommen wohl fühlen?‹
›Das kann er nicht, Bruder.‹
›Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: kann der König von Magadhā ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden sechs Tage und Nächte, fünf Tage und Nächte, vier Tage und Nächte, drei Tage und Nächte, zwei Tage und Nächte, einen Tag und Nacht sich vollkommen wohl fühlen?‹
›Er kann es nicht, Bruder.‹
›Ich aber, liebe Freie Brüder, kann ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden einen Tag und Nacht mich vollkommen wohl fühlen. Ich aber, liebe Freie Brüder, kann ohne körperliche Bewegung, ohne ein Wort zu reden zwei Tage und Nächte, drei Tage und Nächte, vier Tage und Nächte, fünf Tage und Nächte, sechs Tage und Nächte, sieben Tage und Nächte mich vollkommen wohl fühlen. Was meinet ihr, liebe Freie Brüder: wem ist da wohler, dem König von Magadhā oder mir?‹
›Da ist freilich dem ehrwürdigen Gotamo wohler als dem König 95 von Magadhā.‹«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich Mahanāmo der Sakker über das Wort des Erhabenen.
15.
Zweiter Theil Fünfte Rede
DAS MAASS
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige Mahāmoggallāno im Lande der Bhagger, bei der Stadt Suṃsumāragiram, im Forste des Bhesakaḷā-Waldes. Dort nun wandte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno an die Mönche: »Brüder Mönche!« -- »Bruder!« erwiderten da aufmerksam jene Mönche dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno. Der ehrwürdige Mahāmoggallāno sprach also:
»Fordert, ihr Brüder, ein Mönch auf: ›Warnen mögen mich die Ehrwürdigen, ich bedarf ihrer Verwarnung‹, und es steht misslich um ihn, missliche Dinge machen sich geltend, er ist ungeduldig und nimmt eine Belehrung ungeziemend auf, so können ihn eben die Ordensbrüder kaum einer Warnung oder Belehrung werth halten, können eine solche Person vertrauten Umgangs nicht würdig erachten.
»Welche Dinge nun, Brüder, machen sich misslich geltend? Da ist, Brüder, ein Mönch boshaft und folgt dem Triebe böser Regungen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch boshaft ist und dem Triebe böser Regungen folgt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch brüstet sich und verachtet die anderen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch sich brüstet und die anderen verachtet, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist zornig und zornverzehrt. Wenn aber, Brüder, ein Mönch zornig ist und zornverzehrt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist zornig und aus Zorn feindsälig. Wenn aber, Brüder, ein Mönch zornig ist und aus Zorn feindsälig, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist zornig und flucht aus Zorn. Wenn aber, Brüder, ein Mönch zornig ist und aus Zorn flucht, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist zornig und lässt zornverwandte Worte hören. Wenn aber, Brüder, ein Mönch zornig ist und zornverwandte Worte hören lässt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch fährt auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losfährt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch beleidigt auf eine Ermahnung den Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: 96 ein Mönch widerspricht auf eine Ermahnung dem Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung dem Ermahner widerspricht, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch zieht den Ermahner von einem ins andere, schweift vom Gegenstande ab und legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Wenn aber, Brüder, ein Mönch den Ermahner von einem ins andere zieht, vom Gegenstande abschweift und Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch giebt auf eine Ermahnung Verstöße nicht zu. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung Verstöße nicht zugiebt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist häuchlerisch und neidisch. Wenn aber, Brüder, ein Mönch häuchlerisch ist und neidisch, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist eifernd und selbstsüchtig. Wenn aber, Brüder, ein Mönch eifernd ist und selbstsüchtig, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist listig und gleißnerisch. Wenn aber, Brüder, ein Mönch listig ist und gleißnerisch, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist störrisch und eitel. Wenn aber, Brüder, ein Mönch störrisch ist und eitel, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch hat nur für das vor Augen Liegende Sinn, greift mit beiden Händen zu, lässt sich schwer abweisen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nur für das vor Augen Liegende Sinn hat, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, so ist das eben ein Ding, das sich misslich geltend macht. Das nennt man, Brüder, Dinge, die sich misslich geltend machen.
»Fordert aber, ihr Brüder, ein Mönch nicht auf[10]: ›Warnen mögen mich die Ehrwürdigen, ich bedarf ihrer Verwarnung‹, und es steht günstig um ihn, günstige Dinge machen sich geltend, er ist geduldig und nimmt eine Belehrung geziemend auf, so können ihn eben die Ordensbrüder wohl einer Warnung oder Belehrung werth halten, können eine solche Person vertrauten Umgangs würdig erachten.
»Welche Dinge nun, Brüder, machen sich günstig geltend? Da ist, Brüder, ein Mönch nicht boshaft, folgt nicht dem Triebe böser Regungen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht boshaft ist, dem Triebe böser Regungen nicht folgt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch brüstet sich nicht, verachtet nicht die anderen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch sich nicht brüstet und die anderen nicht verachtet, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, nicht zornverzehrt. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht zornverzehrt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, nicht feindsälig aus Zorn. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht feindsälig aus Zorn, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, flucht nicht aus Zorn. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und nicht flucht aus Zorn, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist nicht zornig, lässt keine zornverwandten Worte hören. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht zornig ist und keine zornverwandten Worte hören lässt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch fährt nicht auf eine Ermahnung gegen den Ermahner los. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung nicht gegen den Ermahner losfährt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch beleidigt nicht auf eine Ermahnung den Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung den Ermahner nicht beleidigt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, 97 Brüder: ein Mönch widerspricht nicht auf eine Ermahnung dem Ermahner. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung dem Ermahner nicht widerspricht, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch zieht den Ermahner nicht von einem ins andere, schweift nicht vom Gegenstande ab und legt nicht Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Wenn aber, Brüder, ein Mönch den Ermahner nicht von einem ins andere zieht, vom Gegenstande nicht abschweift, keine Verdrossenheit, keinen Hass und kein Misstrauen an den Tag legt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch leugnet nicht auf eine Ermahnung Verstöße. Wenn aber, Brüder, ein Mönch auf eine Ermahnung Verstöße nicht leugnet, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Häuchelei und Neid. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Häuchelei und Neid, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Eiferung und Selbstsucht. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Eiferung und Selbstsucht, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Listigkeit und Gleißnerei. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Listigkeit und Gleißnerei, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch ist frei von Starrsinn und Eitelkeit. Wenn aber, Brüder, ein Mönch frei ist von Starrsinn und Eitelkeit, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Weiter sodann, Brüder: ein Mönch hat nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn, greift nicht mit beiden Händen zu, lässt sich leicht abweisen. Wenn aber, Brüder, ein Mönch nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn hat, nicht mit beiden Händen zugreift, sich leicht abweisen lässt, so ist das eben ein Ding, das sich günstig geltend macht. Das nennt man, Brüder, Dinge, die sich günstig geltend machen.
»Nun, Brüder, hat ein Mönch mit folgendem Maaße sich selber zu messen: ›Eine Person, welche boshaft ist und dem Triebe böser Regungen folgt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber boshaft wäre und dem Triebe böser Regungen folgte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht boshaft sein, nicht dem Triebe böser Regungen folgen. -- Eine Person, welche sich brüstet und die anderen verachtet, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber mich brüstete und die anderen verachtete, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will mich nicht brüsten, die anderen nicht verachten. -- Eine Person, welche zornig ist und zornverzehrt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und zornverzehrt, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht zornverzehrt. -- Eine Person, welche zornig ist und aus Zorn feindsälig, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und aus Zorn feindsälig, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht feindsälig aus Zorn. -- Eine Person, welche zornig ist und aus Zorn flucht, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und aus Zorn fluchte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, nicht fluchen aus Zorn. -- Eine Person, welche zornig ist und zornverwandte Worte hören lässt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber zornig wäre und zornverwandte Worte hören ließe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht zornig sein, keine zornverwandten Worte hören lassen. -- Eine Person, welche auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losfährt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losführe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich 98 will nicht auf eine Ermahnung gegen den Ermahner losfahren. -- Eine Person, welche auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht auf eine Ermahnung den Ermahner beleidigen. -- Eine Person, welche auf eine Ermahnung dem Ermahner widerspricht, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung dem Ermahner widerspräche, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht auf eine Ermahnung dem Ermahner widersprechen. -- Eine Person, welche den Ermahner von einem ins andere zieht, vom Gegenstande abschweift und Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber den Ermahner von einem ins andere zöge, vom Gegenstande abschweifte, und Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legte, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will den Ermahner nicht von einem ins andere ziehn, nicht vom Gegenstande abschweifen, keine Verdrossenheit, keinen Hass, kein Misstrauen an den Tag legen. -- Eine Person, welche auf eine Ermahnung Verstöße nicht zugiebt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber auf eine Ermahnung Verstöße nicht zugäbe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will auf eine Ermahnung Verstöße nicht leugnen. -- Eine Person, welche häuchlerisch ist und neidisch, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber häuchlerisch wäre und neidisch, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht häuchlerisch sein, nicht neidisch. -- Eine Person, welche eifernd ist und selbstsüchtig, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber eifernd wäre und selbstsüchtig, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht eifernd sein, nicht selbstsüchtig. -- Eine Person, welche listig ist und gleißnerisch, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber listig wäre und gleißnerisch, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht listig sein, nicht gleißnerisch. -- Eine Person, welche störrisch ist und eitel, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber störrisch wäre und eitel, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht störrisch sein, nicht eitel. -- Eine Person, welche nur für das vor Augen Liegende Sinn hat, mit beiden Händen zugreift, sich schwer abweisen lässt, die ist mir unliebsam, unangenehm; wenn ich nun aber nur für das vor Augen Liegende Sinn hätte, mit beiden Händen zugriffe, mich schwer abweisen ließe, so würde ja ich den anderen unliebsam, unangenehm werden.‹ Ein also erkennender Mönch, ihr Brüder, hat den Herzensentschluss zu erzeugen: ›Ich will nicht nur für das vor Augen Liegende Sinn haben, nicht mit beiden Händen zugreifen, mich leicht abweisen lassen.‹