Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band

Part 12

Chapter 123,427 wordsPublic domain

»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf schlechtem Erdreich ein Baum gewachsen wäre, mit verkümmertem Laube, spärlichem Grün, gesprengeltem Schatten; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Baume gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später im Schatten dieses Baumes sitzen oder liegen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, ins Gespensterreich gerathen, von manchem Schmerzgefühle erfüllt.

»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da auf gutem Erdreich ein Baum gewachsen wäre, mit breitem Laubdach, dichtem Grün, tiefem Schatten; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Baum zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Baume gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später im Schatten dieses Baumes sitzen oder liegen, von manchem Wohlgefühle erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, als Mensch wiedererscheinen, von manchem Wohlgefühle erfüllt.

»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen 76 also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Landhaus stände, mit luftiger Terrasse, zierlich gebohnt und geglättet, mit gefälligem Geländer versehn, vor den Fensterbogen duftige Matten, und ein Lager befände sich dort, aus flockigen, wollenen Decken gepolstert, mit zartesten Antilopenfellen behangen, zu beiden Seiten purpurne Kissen; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben dieses Landhaus zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade zu diesem Landhaus herankommen wird‹; und er sähe ihn dann später in diesem Landhause, auf der Terrasse, auf dem Lager sitzen oder liegen, nur von Wohlgefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orten himmlischer Freude, nur von Wohlgefühlen erfüllt.

»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen haben, einzig von Wohlgefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da ein Lotusweiher läge, mit klarem Spiegel, mild, kühl, glitzernd, leicht zugänglich, erquickend, und nahe am Wasser tiefe Waldesgründe; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diesen Lotusweiher zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er gerade an diesen Lotusweiher gelangen wird‹; und er sähe ihn dann später, nachdem er im See gebadet, getrunken und alle Quaal und Pein der Erschöpfung beschwichtigt hat, im Waldeshaine sitzen oder 77 liegen, einzig von Wohlgefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen wird‹; und ich seh’ ihn dann später nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen haben, einzig von Wohlgefühlen erfüllt.

»Das, Sāriputto, sind die fünf Fährten. Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg verfallen.

»Und ferner bekenn’ ich, Sāriputto, die Zeiten der vierfach geübten Askese:

Inbrünstig bin ich gewesen, Inbrünstig wie noch kein andrer;

Rauhsinnig bin ich gewesen, Rauhsinnig wie noch kein andrer;

Wehmüthig bin ich gewesen, Wehmüthig wie noch kein andrer;

Abgelöst bin ich gewesen, Abgelöst wie noch kein andrer.

»Da hab’ ich denn, Sāriputto, also Inbrunst geübt: ein Unbekleideter war ich, ein Ungebundener, ein Handverköster, kein Ankömmling, kein Abwärtling, gestattete keine Darreichung, keine Vergünstigung, keine Einladung, spähte beim Empfangen des Almosens nicht nach dem Topfe, nicht nach der Schüssel, nicht über die Schwelle, nicht über das Gitter, nicht in den Kessel hinein, nahm nicht von zu zweit Speisenden an, nicht von einer Schwangeren, nicht von einer Säugenden, nicht von einer, die vom Manne kommt, nicht von Beschmutzten, nicht wo ein Hund dabei steht, nicht wo Fliegen hin und her schwärmen, aß keinen Fisch, kein Fleisch, trank keinen Wein, kein gebranntes Wasser, keinen gegohrenen Haferschleim. Ich ging zu einem Hause und begnügte mich mit einer handvoll Almosenspeise; ging zu zwei Häusern und begnügte mich mit zwei handvoll Almosenspeise; ging zu sieben Häusern und begnügte mich mit sieben handvoll 78 Almosenspeise. Ich fristete mein Leben durch die Mildthätigkeit von nur einer Spenderin, von nur zwei Spenderinen, von nur sieben Spenderinen. Ich nahm nur jeden ersten Tag Nahrung ein, nur jeden zweiten Tag, nur jeden siebenten Tag. Solcherart wechselnd beobachtet’ ich streng diese bis auf einen halben Monat ausgedehnte Fastenübung.

»Und ich lebte von Kräutern und Pilzen, von wildem Reis und Korn, von Saamen und Kernen, von Pflanzenmilch und Baumharz, von Gräsern, von Kuhmist, fristete mich von Wurzeln und Früchten des Waldes, lebte von abgefallenen Früchten.

»Und ich trug das hänfene Hemd, trug das härene Hemd, trug einen Rock, geflickt aus den im Leichenhof und auf der Straße gefundenen Fetzen, hüllte mich in Lumpen, in Felle, in Häute, gürtete mich mit Flechten aus Gras, mit Flechten aus Rinde, mit Flechten aus Laub, barg die Blöße unter pelzigem Schurze, unter borstigem Schurze, unter einem Eulenflügel.

»Und ich raufte mir Haupt- und Barthaar aus, die Regel der Haar- und Bartausraufer befolgend; war ein Stetigsteher, verwarf Sitz und Lager; war ein Fersensitzer, übte die Zucht der Fersensitzer; war ein Dornenseitiger und legte mich zur Seite auf ein Dornenlager; stieg allabendlich zum dritten Mal herab ins Büßerbad. So übte ich mich gar vielfach in des Körpers inbrünstiger Schmerzensaskese. Und das, Sāriputto, ist meine Inbrunst gewesen.

»Und ich habe da, Sāriputto, also Rauhsinn gepflegt: vieljährigen Schmutz und Staub ließ ich am Körper ansammeln, bis zum herabfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, am Stumpfe des Ebenholzbaumes die Staubschicht sich von Jahr zu Jahr verdichtet, bis zum herabfallen: ebenso nun auch, Sāriputto, hatte sich an meinem Körper vieljähriger Schmutz und Staub angesammelt, bis zum herabfallen. Und es kam mir da, Sāriputto, kein solcher Gedanke: ›Ach könnte ich mich doch endlich von diesem Staub und Schmutze säubern, oder möchten es andere thun!‹ Ein solcher Gedanke, Sāriputto, kam mir nicht. Und das, Sāriputto, ist mein Rauhsinn gewesen.

»Und ich habe da, Sāriputto, also Wehmuth gehegt: jeder meiner Schritte, Sāriputto, war von klarem Bewusstsein geleitet, von klarem Bewusstsein gelenkt, und selbst ein Tropfen Wassers erregte in mir das Mitleid: ›O dass ich den kleinen verirrten Wesen ja nicht Schaden zufüge!‹ Und das, Sāriputto, ist meine Wehmuth gewesen.

»Und ich habe da, Sāriputto, also Ablösung gelernt: ich ging 79 in irgend einen Wald hinein und verweilte dort; bemerkt’ ich aber einen Rinderhirten oder Viehtreiber, einen Kräutersucher oder Reisigsammler oder einen Holzknecht, so floh ich von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg: und warum das? Jene sollten mich nicht sehn, und ich mochte sie nicht sehn. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Wild des Waldes, wenn es Menschen gesehn hat, von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg flieht: ebenso nun, Sāriputto, floh auch ich, wenn ich da einen Rinderhirten oder Viehtreiber, einen Kräutersucher oder Reisigsammler oder einen Holzknecht bemerkt hatte, von Forst zu Forst, von Hain zu Hain, von Thal zu Thal, von Berg zu Berg: und warum das? Jene sollten mich nicht sehn, und ich mochte sie nicht sehn. Und das, Sāriputto, ist meine Ablösung gewesen.

»Und ich ging dann, Sāriputto, wenn die Knechte fort waren, zu den Hürden hinab, zu den angebundenen Kühen, und sammelte in meinem irdenen Topfe Mist von den jungen, säugenden Kälbern und lebte davon. Und was da, Sāriputto, als mein eigener Koth und Harn unverdaut blieb, auch das nahm ich ein. Und das, Sāriputto, ist mein großer Hefekelch gewesen.

»Und ich habe mich dann, Sāriputto, in einen anderen, in grauenvollen Wald begeben, dort zu verweilen. In jener grässlichen Wildniss, Sāriputto, herrschte solches Entsetzen, dass jedem ungeheiligten Wanderer alsbald die Haare sich sträubten. Und während der kalten, eisigen Nächte im Winter, zur Zeit des Frostes, hielt ich mich nachts in einer Lichtung auf und tags im Dickicht; und im Sommer, zur Zeit der Hitze, hielt ich mich tags in einer Lichtung auf und nachts im Dickicht. Und es leuchtete mir, Sāriputto, dieser naturgemäße Spruch auf, der nie zuvor gehörte:

›Im Sommerbrand, im Wintersturm Allein im wilden Schreckensforst Sinnt ohne Feuer, ohne Herd Ein nackter Dulder selbstvertieft.‹

»Und ich wanderte, Sāriputto, zu einer Leichenstätte hin und lagerte mich auf einem Haufen fauler Gebeine. Und da kamen, Sāriputto, Hirtenkinder herbei, spieen auf mich und benässten mich und bewarfen mich mit Unrath und fuhren mir mit spitzigen Halmen in die Ohren. Doch erinnere ich mich nicht, Sāriputto, dass mir ein böser Gedanke gegen sie aufgestiegen wäre. Und das, Sāriputto, ist mein Gleichmuth gewesen.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: 80 ›Die Nahrung läutert.‹ Und sie ermahnen: ›Lasst uns von Steinäpfeln leben.‹ Und sie verzehren Steinäpfel, essen Steinäpfelmus, trinken Steinäpfelsaft, genießen allerlei Gerichte aus Steinäpfeln. Ich erinnere mich, Sāriputto, nur einen Steinapfel als tägliche Nahrung genossen zu haben. Nun möchtest du wohl, Sāriputto, meinen, es habe damals auch größere Steinäpfel gegeben. Doch wäre eine solche Meinung, Sāriputto, unrichtig: auch damals wurden Steinäpfel nur ebenso groß wie heute. Und indem ich, Sāriputto, nur einen Steinapfel als tägliche Nahrung zu mir nahm wurde mein Körper außerordentlich mager.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Nahrung läutert.‹ Und sie ermahnen: ›Lasst uns von Bohnen leben‹, ›Lasst uns von Sesam leben‹, ›Lasst uns von Reis leben.‹ Und sie verzehren Reis, essen Reisbrei, trinken 81 Reiswasser, genießen allerlei Gerichte aus Reis. Ich erinnere mich, Sāriputto, nur ein Reiskorn als tägliche Nahrung genossen zu haben. Nun möchtest du wohl, Sāriputto, meinen, es habe damals auch größeren Reis gegeben. Doch wäre eine solche Meinung, Sāriputto, unrichtig: auch damals wurde der Reis nur ebenso groß wie heute. Und indem ich, Sāriputto, nur ein Reiskorn als tägliche Nahrung zu mir nahm wurde mein Körper außerordentlich mager.

»Wie dürres, welkes Rohr wurden da meine Arme und Beine durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme, wie ein Kameelhuf wurde da mein Gesäß durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme, wie eine Kugelkette wurde da mein Rückgrat mit den hervor- und zurücktretenden Wirbeln durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme, wie sich die Dachsparren eines alten Hauses queerkantig abheben, hoben sich da meine Rippen queerkantig ab durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme, wie in einem tiefen Brunnen die unten liegenden Wasserspiegel verschwindend klein erscheinen, so erschienen da in meinen Augenhöhlen die tiefliegenden Augensterne verschwindend klein durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme, wie ein Bitterkürbiss, frisch angeschnitten, in heißer Sonne hohl und schrumpf wird, so wurde da meine Kopfhaut hohl und schrumpf durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme. Und indem ich, Sāriputto, die Bauchdecke befühlen wollte traf ich auf das Rückgrat, und indem ich das Rückgrat befühlen wollte traf ich wieder auf die Bauchdecke. So nahe war mir, Sāriputto, die Bauchdecke ans Rückgrat gekommen durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme. Und ich wollte, Sāriputto, Koth und Harn entleeren, da fiel ich vornüber hin durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme. Um nun diesen Körper da zu stärken, Sāriputto, rieb ich mit der Hand die Glieder. Und indem ich also, Sāriputto, mit der Hand die Glieder rieb, fielen die wurzelfaulen Körperhaare aus durch diese äußerst geringe Nahrungaufnahme.

»Und auch dieser Pfad, diese Zucht, diese harte Askese, Sāriputto, brachte mich dem überirdischen, reichen Heilthum der Wissensklarheit nicht näher: und warum nicht? Weil ich eben jene heilige Weisheit nicht errungen hatte, jene heilige Weisheit, deren Errungenschaft sich als heilige Weihe erweist, dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung.

* * * * *

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Der Kreislauf läutert.‹ Doch ist der Kreislauf, Sāriputto, 82 durchaus kein leichter, den ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern kreisen: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Geburt läutert.‹ Doch ist die Geburt, Sāriputto, durchaus keine leichte, die ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern geboren werden: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Das Leben läutert.‹ Doch ist das Leben, Sāriputto, durchaus kein leichtes, das ich auf dieser langen Fahrt nirgends gefunden habe als etwa bei den Reinen Göttern. Und sollt’ ich auch, Sāriputto, nur unter Reinen Göttern leben: ich mag in diese Welt nicht wiederkehren.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Die Spende läutert.‹ Doch ist die Spende, Sāriputto, durchaus keine leichte, die ich auf dieser langen Fahrt nicht geben konnte, es sei denn als gesalbter Kriegerkönig oder als mächtiger Brāhmane.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Das Feueropfer läutert.‹ Doch ist das Feueropfer, Sāriputto, durchaus kein leichtes, das ich auf dieser langen Fahrt nicht darbringen konnte, es sei denn als gesalbter Kriegerkönig oder als mächtiger Brāhmane.

»Manche Asketen und Brāhmanen, Sāriputto, sagen und lehren: ›Solange dieser liebe Mann da frisch und kräftig ist, glänzend dunkelhaarig, im Genusse der glücklichen Jugend, im ersten Mannesalter, solange besitzt er auch die höchsten Geisteskräfte. Ist aber dieser liebe Mann alt und greis geworden, hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, ein Achtziger oder Neunziger oder Hundertjähriger, dann schwinden ihm jene Geisteskräfte.‹ Doch ist das, Sāriputto, nicht schlechthin gültig. Ich bin ja, Sāriputto, jetzt alt geworden und greis und hochbetagt, dem Ende nahe, ausgelebt, stehe im achtzigsten Jahre. Gesetzt aber, Sāriputto, ich hätte da vier Jünger, die hundert Jahre alt würden, hundert Jahre lebten, höchst innig, tugendhaft und stark, mit den höchsten Geisteskräften begabt. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein sehniger Bogenschütze, wohl geschult, geübt und erprobt, einen leichten Pfeil mit geringer Mühe über den Schatten einer Palme hinausschießen könnte: ebenso wären diese gar sehr innig, tugendhaft und stark und 83 mit den höchsten Geisteskräften begabt. Und sie stellten mir Frage auf Frage, von den Vier Pfeilern der Einsicht an, und ich gäbe ihnen Erklärung auf Erklärung, und sie bewahrten was ich erklärt hätte als erklärt und fragten mich keine Frage zum zweiten Mal, nur rastend beim Essen und Trinken, Kauen und Schlürfen, beim Entleeren von Koth und Harn und während der Pausen des Schlafes und der Müdigkeit. Unausgeführt bliebe da wohl, Sāriputto, des Vollendeten Zeugniss der Wahrheit, unausgeführt bliebe da wohl des Vollendeten Zeichnung des Wahrheitpfades, unausgeführt bliebe da wohl des Vollendeten Klärung der Fragen: denn jene vier Jünger, die hundert Jahre alt geworden wären, hundert Jahre gelebt hätten, stürben mir dann weg. Und wenn ihr mich auf dem Bette herbeitragen werdet, Sāriputto: die Geisteskraft des Vollendeten wird unverändert sein.

»Wer nun, Sāriputto, mit Recht von einem Manne sagen kann: ›Ein wahnloses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen‹, der kann eben von mir mit Recht sagen: ›Ein wahnloses Wesen ist in der Welt erschienen, vielen zum Wohle, vielen zum Heile, aus Erbarmen zur Welt, zum Nutzen, Wohle und Heile für Götter und Menschen.‹«

Während dieser Zeit nun hatte der ehrwürdige Nāgasamālo hinter dem Erhabenen gestanden und dem Erhabenen Kühlung gefächelt. Da wandte sich der ehrwürdige Nāgasamālo an den Erhabenen und sprach:

»Wunderbar ist es, o Herr, außerordentlich: denn während ich da, o Herr, dieser Darlegung lauschte, haben sich mir die Haare gesträubt. Wie soll, o Herr, diese Rede heißen?«

»Wohlan denn, Nāgasamālo, so bewahre sie unter dem Namen der Rede des Haarsträubens.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Nāgasamālo über das Wort des Erhabenen.

13.

Zweiter Theil Dritte Rede

DIE LEIDENSVERKETTUNG

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Da nun begaben sich viele Mönche, zeitig gerüstet, mit Mantel und 84 Schaale versehn, auf den Weg zur Stadt, um Almosenspeise. Aber jene Mönche überlegten alsbald: ›Zu früh ist’s noch, in die Stadt um Almosenspeise zu gehn; wie, wenn wir jetzt den Garten der andersfährtigen Pilger aufsuchten?‹ Und jene Mönche begaben sich zum Garten der andersfährtigen Pilger, wechselten höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihnen und setzten sich seitwärts hin. Hierauf wandten sich die andersfährtigen Pilger an die Mönche und sprachen:

»Der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Begehren von Grund aus, auch wir untersuchen das Begehren von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Körperliche von Grund aus, auch wir untersuchen das Körperliche von Grund aus; der Asket Gotamo, Brüder, untersucht das Gefühl von Grund aus, auch wir untersuchen das Gefühl von Grund aus: was für eine Beschränkung, ihr Brüder, was für Eigenart und Verschiedenheit besteht da wohl zwischen dem Asketen Gotamo und uns, sei es nun in Beziehung auf Vortrag oder Gebot?«

Doch die Mönche wurden durch diese Worte der andersfährtigen Pilger weder befriedigt noch verstimmt; ohne Befriedigung, ohne Verstimmung erhoben sie sich und gingen fort:

»Beim Erhabenen werden wir den Sinn dieser Worte verstehn.«

Und sie wanderten nach Sāvatthī, traten von Haus zu Haus um Almosenspeise, kehrten zurück, nahmen ihr Mahl ein und begaben sich alsdann zum Erhabenen. Dort angelangt begrüßten sie den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts hin. Seitwärts sitzend sprachen nun jene Mönche zum Erhabenen also: