Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, erster Band
Part 11
Zweiter Theil Zweite Rede
DAS HAARSTRÄUBEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Vesālī, außerhalb der Stadt, in der Umgebung, am Saume des Waldes. Eben damals nun war Sunakkhatto, ein Licchavier-Prinz, erst vor kurzem aus dieser Heilsordnung ausgetreten. Der ließ sich überall in Vesālī also vernehmen: »Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat; und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.«
Da nun begab sich der ehrwürdige Sāriputto, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach Vesālī. Und es hörte der ehrwürdige Sāriputto, wie der Licchavier-Prinz Sunakkhatto in ganz Vesālī erzählte: »Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat; und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.«
Nachdem nun der ehrwürdige Sāriputto in Vesālī von Haus zu Haus getreten war, kehrte er zurück, verzehrte sein Almosenmahl und ging hierauf zu der Stätte, wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Der Licchavier-Prinz Sunakkhatto, o Herr, der vor kurzem aus dieser Heilsordnung ausgetreten ist, der führt in ganz Vesālī solche Rede: ‚Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat; und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.‘«
»Zornig, Sāriputto, ist Sunakkhatto, der eitle Mann: und nur im Zorn hat er diese Worte gesprochen. ›Tadeln will ich‹ meint, Sāriputto, jener Sunakkhatto, der eitle Mann, und lobt gerade damit den Vollendeten. Ein Lob ja ist es, Sāriputto, 69 des Vollendeten, wenn einer sagt: ›Und der Zweck, warum er seine Lehre darlegt, ist einfach der, dass sie dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung ausreicht.‹
»Aber freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der auf manigfaltige Weise Machtentfaltung an sich erfahren mag: als nur einer etwa vielfach zu werden, und vielfach geworden wieder einer zu sein; oder sichtbar und unsichtbar zu werden; auch durch Mauern, Wälle, Felsen hindurchzuschweben wie durch die Luft; oder auf der Erde auf- und unterzutauchen wie im Wasser; auch auf dem Wasser zu wandeln ohne unterzusinken wie auf der Erde; oder auch durch die Luft sitzend dahinzufahren wie der Vogel mit seinen Fittichen; auch etwa diesen Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit der Hand zu befühlen und zu berühren; etwa gar bis zu den Brahmawelten den Körper in seiner Gewalt zu haben.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der mit dem himmlischen Gehör, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, beide Arten der Töne hört, die himmlischen und die irdischen, die fernen und die nahen.‹ Und freilich wird da, Sāriputto, Sunakkhatto, dem eitlen Mann, auch jene Ahnung der Wahrheit bei mir nicht aufgehn, derart zwar: ›Das ist der Erhabene, der der anderen Wesen, der anderen Personen Herz und Gemüth durchschaut und erkennt: das begehrliche Herz erkennt er als begehrlich und das begehrlose Herz als begehrlos, das gehässige Herz als gehässig und das hasslose Herz als hasslos, das irrende Herz als irrend und das irrlose Herz als irrlos, das gesammelte Herz als gesammelt und das zerstreute Herz als zerstreut, das hochstrebende Herz als hochstrebend und das niedrig gesinnte Herz als niedrig gesinnt, das edle Herz als edel und das gemeine Herz als gemein, das beruhigte Herz als beruhigt und das ruhelose Herz als ruhelos, das erlöste Herz erkennt er als erlöst und das gefesselte Herz als gefesselt.‹
»Zehn Tugenden sind es, Sāriputto, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche zehn? Da versteht, Sāriputto, der Vollendete das Aechte als ächt und das Falsche als falsch der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete Aechtes als ächt und Falsches als falsch der Wahrheit gemäß versteht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten 70 als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Handlungen ächte und wirkliche Folgen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als ächte und wirkliche Folgen vergangener, zukünftiger und gegenwärtiger Handlungen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete den Pfad, der überallhin führt, der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als überallhin führenden Pfad der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, weiß der Vollendete der Wahrheit gemäß, wie die Welt aus einzelnen Elementen, aus verschiedenen Elementen besteht. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Bestehn der Welt aus einzelnen Elementen, aus verschiedenen Elementen der Wahrheit gemäß weiß, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete der Wesen verschieden geartete Neigungen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als der Wesen verschieden geartete Neigungen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete das durch die Sinne gesetzte Maaß der anderen Wesen, der anderen Personen der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als durch die Sinne gesetztes Maaß der anderen Wesen, der anderen Personen der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, kennt der Vollendete Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden, Abgelösten, Vertieften der Wahrheit gemäß. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Schuld, Reinheit und Mündung der Schauenden, Abgelösten, Vertieften der Wahrheit gemäß kennt, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, erinnert sich der Vollendete an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, dann an drei Leben, dann an vier Leben, dann an fünf Leben, dann an zehn Leben, dann an zwanzig Leben, dann an dreißig Leben, dann an vierzig Leben, dann an fünfzig Leben, dann an hundert Leben, dann an tausend Leben, dann an hunderttausend Leben, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenvergehungen, dann an die Zeiten während mancher Weltenentstehungen-Weltenvergehungen. ›Dort war ich, jenen Namen hatte ich, jener Familie gehörte ich an, das war mein Stand, das mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; dort verschieden trat ich anderswo wieder ins Dasein: da war ich nun, diesen Namen hatte ich, dieser Familie gehörte ich an, dies war mein Stand, dies mein Beruf, solches Wohl und Wehe habe ich erfahren, so war mein Lebensende; da verschieden trat ich hier wieder ins Dasein.‹ So erinnert er sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Was da, Sāriputto, der Vollendete als manche verschiedene frühere Daseinsform der Wahrheit gemäß wiedersieht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, sieht der Vollendete mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in Thaten dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des 71 Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in untere Welt. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, gelangen sie auf gute Fährte, in sälige Welt.‹ So sieht er mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er erkennt wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Was da, Sāriputto, der Vollendete als Wiedererscheinen der Wesen je nach den Thaten der Wahrheit gemäß sieht, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen. Weiter sodann, Sāriputto, hat der Vollendete durch die Wahnversiegung die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. Was da, Sāriputto, der Vollendete durch die Wahnversiegung als wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen hat, das eben, Sāriputto, taugt dem Vollendeten als Tugend, eignet dem Vollendeten als Tugend, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Das, Sāriputto, sind die zehn Tugenden, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen. Gleichwie etwa, Sāriputto, ein Mönch, der Selbstbeherrschung, Vertiefung und Weisheit gewonnen hat, noch bei Lebzeiten zur Erkenntniss gelangen kann: so, sag’ ich, Sāriputto, mag wer diese Rede nicht bereut, diese Gedanken nicht verworfen, diese Ansicht nicht aufgegeben hat, wie er’s gefügt dem Abweg verfallen.
»Vier Arten der Zuversicht sind es, Sāriputto, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen: welche vier? ›Vollkommen erwacht nennst du dich zwar, aber diese Dinge hast du nicht erkannt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine 72 solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. -- ›Wahnversiegt nennst du dich zwar, aber dieser Wahn ist nicht versiegt‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. -- ›Was du nun gar als verderblich bezeichnest, das muss nicht dem Thäter verderblich sein‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. -- ›Und trägst du gleich in gewisser Absicht deine Lehre vor, so reicht sie doch nicht dem Grübler zur gänzlichen Leidensversiegung aus‹: dass mich da ein Asket oder ein Brāhmane, ein Gott oder ein Teufel, ein Brahmā oder irgend wer in der Welt mit Recht also abweisen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, sehe ich nicht. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich.
»Das, Sāriputto, sind die vier Arten der Zuversicht, die dem Vollendeten taugen, die dem Vollendeten eignen, um das Auffallende zu verstehn, um unter den Leuten den Löwenruf erschallen zu lassen, um das Reich der Heiligkeit zu begründen.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Acht Versammlungen giebt es, Sāriputto: was für acht? Die Versammlung der Krieger, die Versammlung der Priester, die Versammlung der Bürger, die Versammlung der Asketen, die Versammlung der Götter der vier Gegenden, die Versammlung der Götter der Dreiunddreißig, die Versammlung der sinnlichen Götter und die Versammlung der heiligen Götter. Das, Sāriputto, sind die acht Versammlungen. Mit jener vierfachen Zuversicht ausgerüstet, Sāriputto, geht der Vollendete hin zu den acht Versammlungen, begiebt sich unter sie. Und ich bekenne, Sāriputto, unter vielen hunderten von Kriegern gewesen zu sein: vor mir saßen sie da und ich sprach mit ihnen und wir wechselten also Rede und Gegenrede. Dass ich nun da in Bestürzung oder Verlegenheit gerathen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht vorhanden. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich. Und ich bekenne, Sāriputto, unter vielen hunderten von Priestern -- von Bürgern -- von Asketen -- unter vielen hunderten von Göttern der vier Gegenden -- von Göttern der Dreiunddreißig -- von sinnlichen Göttern und von heiligen Göttern gewesen zu sein: vor mir saßen sie da und ich sprach mit ihnen und wir wechselten also Rede und Gegenrede. Dass ich nun da in Bestürzung oder Verlegenheit gerathen könnte, eine solche Möglichkeit, Sāriputto, ist nicht vorhanden. Und weil ich, Sāriputto, keine solche Möglichkeit kenne, bleibe ich ruhig, unverstört, zuversichtlich.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also 73 Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Viererlei Schooße giebt es, Sāriputto: und welche sind es? Der Schooß des Eies, der Schooß des Leibes, der Schooß der Gährung, der Schooß der Erscheinung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß des Eies? Wenn da Wesen, Sāriputto, die Schaale des Eies durchbrechend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß des Eies. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß des Leibes? Wenn da Wesen, Sāriputto, aus der Hülle des Leibes hervortretend zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß des Leibes. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der Gährung? Wenn da Wesen, Sāriputto, in faulendem Fische entstehn oder in faulendem Fleische oder in faulender Speise, oder in Pfuhl oder Pfütze zur Welt kommen, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß der Gährung. Was ist aber, Sāriputto, der Schooß der Erscheinung? Wenn da Götter in die Tiefe sinken, und manche Menschen und manche Geister, so nennt man das, Sāriputto, den Schooß der Erscheinung. Das, Sāriputto, sind die vier Schooße.
»Wer nun zu mir, Sāriputto, dem also Erkennenden, also Erschauenden also spräche: ›Der Asket Gotamo besitzt nicht das überirdische reiche Heilthum der Wissensklarheit: eine grüblerisch vernagelte Lehre trägt der Asket Gotamo vor, die er selbst ersonnen und ausgedacht hat‹, und er bereute, Sāriputto, diese Rede nicht, verwürfe nicht diese Gedanken, gäbe diese Ansicht nicht auf, der möchte, wie er’s gefügt, dem Abweg verfallen.
»Fünf Fährten giebt es, Sāriputto: und was für welche? Den Abweg, den thierischen Schooß, das Gespensterreich, die Menschen und die Götter. Den Abweg kenn’ ich, Sāriputto, und den abwärts führenden Pfad und den abwärts führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zu Verderben und Unheil gelangt, an Orte der Quaal und des Jammers: diesen Weg kenne ich. Den thierischen Schooß kenn’ ich, Sāriputto, und den zum thierischen Schooße führenden Pfad und den zum thierischen Schooße führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum thierischen Schooße gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Das Gespensterreich kenn’ ich, Sāriputto, und den zum Gespensterreich führenden Pfad und den zum Gespensterreich führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zum Gespensterreich gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Menschen kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Menschenwelt führenden Pfad und den zur Menschenwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Menschheit gelangt: auch diesen Weg kenne ich. Die Götter kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Götterwelt führenden Pfad und den zur Götterwelt führenden Wandel, durch dessen Pflege man bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, an Orte himmlischer Freude gelangt: auch diesen Weg kenne ich. -- Und die Wahnerlöschung kenn’ ich, Sāriputto, und den zur Wahnerlöschung führenden Pfad und den zur Wahnerlöschung führenden Wandel, durch dessen Pflege 74 man nach Versiegung des Wahnes die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar macht, verwirklicht, erringt und besitzt: auch diesen Weg kenne ich.
»Und ich durchschau’ und erkenne Herz und Gemüth eines Menschen also, Sāriputto: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Grube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller glühender Kohlen, ohne Flammen, ohne Rauch; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Grube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in die glühenden Kohlen hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Kohlengrube drinnen, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf schlechte Fährte, in Verderben und Unheil gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechter Fährte, in Verderben und Unheil, einzig von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.
»Und ferner, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich Herz und Gemüth eines Menschen also: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Grenzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt. Gleichwie etwa, Sāriputto, wenn da eine Senkgrube wäre, tiefer als Manneshöhe, voller Unrath; und es käme einer heran, vom Sonnenbrande gebraten, 75 vom Sonnenbrande verzehrt, erschöpft, zitternd, dürstend, und schritte geraden Weges auf eben diese Senkgrube zu; den habe ein scharfsehender Mann erblickt und spräche nun: ›Derart handelt jener liebe Mann, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er mitten in den Koth hineinfallen wird‹; und er sähe ihn dann später in der Jauche drinnen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt: ebenso nun auch, Sāriputto, durchschau’ und erkenn’ ich da Herz und Gemüth eines Menschen: ›Derart handelt dieser Mensch, darauf arbeitet er hin, einen solchen Weg hat er genommen, dass er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen wird‹; und ich seh’ ihn dann später mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, in thierischen Schooß gerathen, von schmerzlichen, stechenden, brennenden Gefühlen erfüllt.