Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 39
Man hat gelegentlich gesagt, die Inder gefielen sich in überschwänglicher Höllenphantasie. Aber leider ist nicht nur unser „Schwedentrunk“ einer teuflischen Wirklichkeit bedenklich nahegekommen. Zahllose Beispiele erscheinen als leibhaftige Zeugen, beweisen wie genau jene Alten ja nicht den satanischen sondern eben den menschlichen Geist auch auf diesem Gebiete beobachtet und geschildert haben. Wir Deutsche stehn da gar nicht so fern ab, wie man meinen möchte, und können uns schon etliche der Akten verrathen lassen, die Dr. /Lammert/ ein langes Leben hindurch aus Archiven und Urkunden unermüdlich zusammengetragen hat: und manche Zweifel an höllischer Objektität werden da schwinden. Man vergegenwärtige sich etwa folgende typische Fälle, aus tausenden gleicher herausgegriffen, und sei dabei der kantischen Lehre von der Idealität des Raumes und der Zeit wohl eingedenk. Der kgl. Bezirksarzt Dr. /Lammert/ also berichtet l. c. S. 174 f.: „So meldet die Augsburger Chronik am 17. Mai 1634: »Die speerreiterische Soldaten haussen in schwaben sehr tyrannisch, tractieren die bauren mit köpff Reitlen, wasser eingießen, die Mäuler bis auf die Ohren aufschneiden u. dergl.« S. 193 ff.: In Landau und Umgegend steigerte sich der Hunger so, dass die Leichen aus den Gräbern gestohlen und verzehrt wurden. »Auch Lebende wurden hin und her erschlagen und verzehrt; so schlachtete eine Frau ihr eigenes Kind, salzte es ein, verzehrte es; sie starb darüber im Gefängniss.« Nahe bei Zweibrücken stritten zwei Weiber um den Besitz eines von Würmern bedeckten Stückes Aas, wobei eine die andere erwürgte. Rudelweise durchzogen die Wölfe Elsass und Kurpfalz und die sonst blühenden Landstriche hatten das Aussehen verödeter Kirchhöfe. Der Rektor /Gottfried Andreä/ (von Worms) erzählt in seiner Lebensbeschreibung, dass sich die Leute vor den Bäckerläden einander todt gedrückt haben und dass der Magistrat auch hier den Kirchhof mit einer Wache hat versehen müssen; zur selben Zeit sah genannter Rektor vor dem Thore ein todtes Pferd liegen, »dabei sich eine Weibsperson befand, welche das Fleisch abschnitt, in ihr Fürtuch nahm und zugleich roh davon aß, dabei etliche Hunde, welche an der Mitte des Pferdes fraßen und auf dem Kopfe desselben unterschiedliche Raben.« Graf /Johann von Nassau-Saarbrücken/ sagt in seinem Schreiben an Kaiser /Ferdinand/ aus eigener Erfahrung, dass er in Städte, Flecken und Dörfer gekommen sei, da nicht ein Haus gefunden worden, darin nicht ein vor Hunger verschmachteter Körper gelegen wäre. »Ja, ich habe gesehen, dass die Leut vor Hunger nicht allein allerhand unnatürliche Speisen und sich untereinander selbst aufgefressen, sondern rasend worden, wie die unvernünftigen Thiere, die Sprach verloren, dagegen als Hund und Wölf geheult, nicht mehr aufrecht, sondern auf allen Vieren gelaufen.« /Calmet/ in seiner Geschichte von Lothringen berichtet aus dieser Zeit zum Jahre 1638: Der Hunger war so groß, dass die Menschen Aas, und zuletzt sich selbst aufzehrten. Der Sohn vergriff sich an der Leiche des Vaters, der Vater an jener des Kindes, die Mutter an der Leiche der Tochter, der Reisende schlief nicht sicher neben seinem Reisegefährten, aus Furcht, dass er ihn todtschlage, um an ihm den Hunger zu stillen. Auch in der Mainzer Gegend haben sie (nach /Khevenhiller/) »die Gottesäcker durchsucht, die Gräber aufgebrochen, die Hochgerichte erstiegen und die Todten zur Speise genommen.« S. 219: In Ruppertshofen und Castorf waren alle Männer gestorben. Die Kuhhirtin in Ruppertshofen »hat von ihrem todten Manne gerissen und geschnitten, solches gekocht und mit ihren Kindern gegessen; auch ihrem Vater die Schenkel abgehauen, gewaschen, gekocht, dergleichen den Kopf aufgethan, gesotten und gefressen. Als sie gefragt worden, wie es geschmeckt, hat sie geantwortet, wenn sie nur ein wenig Salz dazu gehabt hätte, hätt’ es gut geschmeckt.« Der Kommandant von Rheinfels, Junker /Georg Phil. von Buseck/, hat dies nach genauem Erforschen wahr befunden. Dergleichen Jammerszenen sollen auch in anderen Gegenden, am Rhein, Main, an der Lahn, Dill und Sieg vorgekommen sein. S. 228 f.: Im Fuldaischen und Koburgischen bildeten sich »sogar förmliche Mordbanden, welche in Höhlen oder leerstehenden Häusern wohnten und von diesen aus auf Menschenraub ausgingen.« »Wie im vergangenen, so schlachteten auch in diesem Jahre Mütter ihre Kinder und verzehrten sie, während sich andere ertränkten.« -- »Haufen Bettler lauerten auf die Vorübergehenden und tödteten sie, wie denn bei Worms eine solche Bande von ihrem Feuer verjagt und in den Töpfen die schaurigen Ueberbleibsel von Händen und Füßen gefunden wurden.« S. 239: Gefangene, im Stockhause verwahrte weimarische Soldaten, litten so große Noth, dass sie die vor Hunger gestorbenen Kameraden roh auffraßen. S. 132: Vernehmen wir, zu weiterer Beleuchtung des Zeitbildes, noch eine Stimme jener Leidensgenossen über die bestialische Raffiniertheit, mit welcher die schutzlosen Leute von den Mordgesellen gequält, geschunden und zum Tode gebracht wurden. »Zu dieser Zeit«, berichtet eine handschriftliche Chronik von Redwitz, »gieng jammer und Noth an in Unsrem Lande, vnd hat gewehret bis uff das 1637. Jahr, do man den baldt nichts anderst hörte, alss Rauben, stelen, Morden, brennen vnd sengen, die armen Leuth wurden niedergehauen, gestochen, geschossen, auch geraitelt, vielen die Augen ausgestochen, Arm vnd Beine entzwey geschlagen, Ohren vnd Nasen, auch Männliche Glieder vnd Säugende Brüst wurden ab- vnd ausgeschnitten, ettliche von Ferne beim Feuer gebratten, theils im Rauchschloth vffgehenket vnd Fever vnter sie geschieret, ettliche in die Backöffen gestossen, stroh fürgemacht vnd angezündet, Khün vnd schweffel vnter die Nägel gestecket vnd angezündet, die Daumen geschraubet, spitzige Knöbel ins Maul gestecket, dass das Bluth hauffenweiss herauss geloffen, hernacher den gantzen leib, durch den Mundt, mit Urin und Mistwasser gefüllet, die Fuesssohlen aufgeschnitten, hernach Salz hineingestreuet, Riemen auss den leibern geschnitten, und vielen die Rippen in den leib entzwey geschlagen, Jn Summa die grosse pein vnd vorhin unerhörte Martter (davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte) so sie den Menschen angethan, biss sie gestorben vnd verschmachtet oder presshaft worden, ist nicht zu schreiben.«“
Das wären denn einige flüchtige Streiflichter in unsere eigene Hölle einer verwichenen Zeit, gräulich genug, um uns die kokytischen Welten der Heiden nicht mehr so fremdartig wie dem Mephistopheles dämmern zu lassen. Andeutungen höllischer Phänomene aus der Gegenwart aber sind ebensowenig da wie dort verschieden: vergl. das unverblümte Wort im Wahrheitpfade ^{1}S. 155.]
[Fußnote 172: Vergl. des /Dionysius/ Ueberfahrt in das ungeschaffene Leben, bei /Eckhart/ p. 530.
Das schmerzlich bewegte Aufseufzen des Richters der Schatten, am Ende obiger Symphonia horrifica, erinnert im letzten fernen Grunde an das berühmte, von /Schopenhauer/, I § 57 i. m., interpretierte ῳμωξεν ιδων εις ουρανον ευρυν des unerbittlich vergeltenden Peliden, Mitte der XXI. Ilias. -- Cf. noch Lieder der Mönche v. 217/218.]
[Fußnote 173: Mit dem siam. Texte _taṃ viddhā_ zu lesen; cf. _Muṇḍakopan_. II, 2, _{2}: _tad veddhavyaṃ_ (_cetasā bhāvanīyam_), ib. _{4}: _apramattena veddhavyaṃ śaravat_.]
[Fußnote 174: Von _cando_ Mond; vergl. _Haimadhātupārāyaṇam_ I, 313 _candati dīpyate āhlādayati ca_, und die beliebten nom. person. deriv. _Candrasomaharidattādi_, e. g. auch _Theragāthā_ 299 _Candano_ und den _Candranavihāras_, bei /Foucher/, Iconographie bouddhique, Paris 1900, p. 62.]
[Fußnote 175: Von dem hier so oft genannten Kampfe ζξοχα πβντων gilt Asokos Wort vom _dhammavijayo_, dem wahren Siege, welchem gegenüber jeder andere, und noch so ungeheuere -- der König spricht als Eroberer ganz Hindustans, von Baktrien bis Zeilon, vom Ganges bis zum Indus -- nur von recht geringem Geschmacke ist; der _dhammavijayo_ allein, sagt Asoko als erfahrener Held auf dem XIII. Felsenedikt, Girnār l. 11, ist _sa-rasako_, mit ächtem Geschmacke begabt: und nur ihn kann man für sättigend und beschwichtigend halten, den wahren Sieg.
Das _maraṇaṃ suve_ = dem _śvomaraṇaṃ_ der _Smṛti_, e. g. _Mahābhāratam_ XII, 152, _{12}, »morgen todt«. -- Vergl. /Jakobs/ Epist. 4, _{14}, Korinther I, 15, _{30} & _{55}, und den Scheidegruß des Eremiten /Antonios/, Anm. 27, ferner das Adagium στιγμω χρονου, von /Demetrios Phalereus/ überliefert, und /Goethe/, Aus meinem Leben I, 3 i. m. Auch den schönen Spruch »Chi tempo aspetta, tempo perde«, bei /Rinaldo D’Aquino/, um 1250; sowie das Wort des Königs D. Rodrigo, im D. Quijote II, 26 i. m.:
Ayer fuí señor de España, Y hoy no tengo una almena Que pueda decir que es mia. ]
[Fußnote 176: Hier vergl. man die 57. Rede; sowie auch der 98sten drittletzten Vers, _kammunā vattatī loko_: vielleicht zeigt dieser Ausspruch, nächst den zur 57. Rede beigebrachten orakelartigen Stellen der _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_, die früheste und ergo schärfste Prägung des faustischen Wortes: »Im Anfang war die That.« -- Genau entsprechend hat der Pythagoriker /Timaios/ gelehrt: ταν ψυχαν των μεν δειλων ες γυναικεια σκανεα ποθ’ ὑβριν εκδιδομενα, των δε μιαιφονων ες θηριων σωματα ποτι κολασιν, λαγνων δ’ ες συων η καπρων μορφας, κουφων δε και μετεωρων ες πτηνων αεροπορων, αργων δε αι απρακτων αμαθων τε και ανοητων ες ταν των ενυδρων ιδεαν, De anima mundi i. f. Eine solche Palingenesie hat auch /Lao-tse/, Kap. 23, dargestellt; ja sogar unser /Meister Eckhart/, p. 333, 334, 589, der mit siegreicher Geisteskraft ausführt, wie die Natur aus einem Kraut, das im Garten wächst, allmälig den Menschen zu entwickeln vermag: den Menschen, der „aller Kreatur Wesen hat, mit den Steinen, mit den Bäumen, und fürbass mit allen anderen Kreaturen.“ In diesem Sinne will er auch seine 56., so geheimnissvolle, aus verborgenster Tiefe schöpfende Rede verstanden wissen, mit dem indo-aegypto-empedokleischen Thema: »Daz edelste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez wol wil; aber daz ergeste, daz an dem menschen ist, daz ist bluot, sô ez übel wil.« -- Vergl. noch die schöne Stelle in /Jakobs/ Ep. 3, _{13}: Τις σοφος και επιστημων εν ὑμιν, δειξατω εκ της καλης αναστροφης τα εργα αυτου εν πραϋτητι σοφιας, und insbesondere ib. 17 mit oben S. 366 dem Uebergange, der zur Anmuth führt.]
[Fußnote 177: Vergl. der 124. Rede Anfang, S. 251: und wiederum der 85. Rede Ende, S. 471. -- Beide modi sind _pariyāyena_ anwendbar, nach _Dhammapadam_ v. 64 u. 65, oder weil, nach /Hippokrates/, ὁ βιος βραχυς, ἡ δε τεχνη μακρη, ὁ δε καιρος οξυς, ἡ δε πειρα σφαλερη, ἡ δε κρισις χαλεπη, Aphor. I, 1.]
[Fußnote 178: Diese knappe, so kühn wie besonnen dargestellte Logik aller Möglichkeit ist zwar oft versucht worden, hat aber in der wichtigsten Frage, aus Mangel deutlicher Begriffe, nur paradoxe Thesen ergeben; so z. B. bei /Makarios/, nach /Floss/ p. 148, »qui se ipsum cogit ad omnia, is est monachus«, bei /Eckhart/ p. 358 u. 447, wo er sagt: »Socrates sprichet, daz tugende machent unmüglîchiu dinc müglich.« Cf. noch Lieder der Mönche v. 536 Anm. Negativ aber doch identisch ist auch der, freilich trivial gewordene, Satz /Lessings/ »Kein Mensch muss müssen.« Erst in der Lehre von der Vereinigung der Natur und Freiheit, der größten aller Leistungen des menschlichen Tiefsinns, wie /Schopenhauer/ sie nennt, hat /Kant/ die vollkommene Auflösung und Ausführung des Problems gegeben.
Zur heißen Busse, _ātappam_ etc. S. 376-378, cf. das vedische _tapas_, bez. die ebenso übermächtigende _dīkṣā_, von √(dakṣ) tüchtig sein: entspricht der ασκησις, bez. μελετη in der Anmerkung 101; auch dem αναμιμνησκεσθαι, σοχιαν τε και αρετην ασκειν /Platons/, und nicht minder /Goethes/
Allen Gewalten Zum Trutz sich erhalten, Nimmer sich beugen, Kräftig sich zeigen, Rufet die Arme Der Götter herbei.
Die geistige Einigung, der _cetosamādhi_, ibid., hat ein schönes Analogon in der pythagorischen συναρμογα und im gleichen ἑν γενεσθαι και τον ανθρωπον δει: und ist dann von unserem großen /Bruno/, wie mir /De Lorenzo/ mittheilt, sehr innig erkannt worden, da er im Spaccio, ziemlich gegen Ende, jene libertà di spirito preist, »a cui tal volta amministra il monachismo (non dico quello de’ cocchiaroni), l’eremo, la solitudine: che sogliono parturir quel divino sigillo, ch’ è la buona contrazione.« Es ist, im Grunde genommen, /Eckharts/ und /Laos/ Rückkehr zur Einfalt.]
[Fußnote 179: Ὁ τοιουτος παντα τα του κοσμου πραγματα ενδοξα, πλουτον και τρυφην, και πασαν απολαυσιν, αυτην αυτην τε την γμωσιν, και παντα τα του αιωνος τουτου βδελυκτα ἡγειται και μισητα, /Makarios/, Homil. IX § 8 i. f.]
[Fußnote 180: Cf. die 22. Rede, p. 140.]
[Fußnote 181: _purisadammo_; analog _puruṣapaśus_ in der _Chāndogyopaniṣat_ II, 6, und το θρεμμα ανθρωπος im /Platon/, De legibus p. 777.]
[Fußnote 182: Vergl. den »desiderio della bellezza«, nach /Platon/, bei /Michelangelo/, wie e. g. in den Rime e prose, Chieti 1847, p. 174.]
[Fußnote 183: Die _aṭṭha disā_ acht Richtungen bezeichnen s. v. a. die acht Freiungen _aṭṭha vimokhā_ der 77. Rede, passim; vergl. auch Lieder der Mönche, Anmerkung zu v. 1172. -- Die Makarismen /Matth/. V, 3-10, im Mittelalter _die aht saelekeiten_ genannt, bieten ein christliches Gegenstück dar; desgl. die, wiederum andersartigen, octo beatitudines der Scholastiker, vielleicht auch schon des /Irenäus/ Abhandlung περι ογδοαδος; mehr noch das Durchwandeln der sechserlei Bilder, in /Fritzlars/ Blume der Schauung. Ueber die Unmittelbarkeit, S. 392, sagt /Eckhart/, S. 5: Als nû ie ein meister wîser unde mehtiger ist, alsô ouch sîn werc unmitelîcher geschiht und einveldiger ist.
Zur ganzen Stelle oben S. 390, ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘, sei der geübteren Beobachtung ein gewiss analoger Spruch /Goethes/ empfohlen, aus der Säligen Sehnsucht, im West-östlichen Divan, 1. Buch, vorletzter Vers:
Und so lang du Das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunkeln Erde.
Der selbe Gedanke, »Dies um Das«, ist im _Tao-te-king_ wiederholt vorgetragen.
* * * * *
Die Reihenfolge der Thiere auf S. 394, wie im Gleichnisse der 125. Rede S. 258, ist auch auf den schönen Friesen und Reliefgruppen rein indischer Meisterskulptur noch ebenso erhalten: es geht der Elephant voran, dann folgt das Ross, der Stier etc. Cf. e. g. /Rea/, South Indian Buddhist Antiquities, Madras 1894, S. 36 und Tafel XXII. -- Vorzüglich ausgeführte Elephanten und Rosse bietet später die hochentwickelte Bildhauerkunst von Amarāvati, nahe der Krischna Mündung, etwa 600 Jahre nach Gotamo. Kräftig, anmuthig, edel, zugleich individuell sehr verschieden, je nach dem gewählten Moment, und immer ungemein anschaulich, lebendig, durchgeistigt, im ganzen und im einzelnen wie bei den besten Antiken feinsinnig beobachtet und fixiert: sei es nun in einem sanft blickenden oder aber wild anstürmenden Elephantenauge oder in der seiden glänzenden muskelgeschwellten Haut oder in der wogenden Macht der zermalmenden Vorderfüße; sei es wieder an den ausdrucksvoll erregten Ohren der Rosse, ihrem stolz geschwungenen Nacken, den beweglichen Nüstern, dem rhythmischen Tritt ihrer leichten zierlichen Hufe u. s. w., u. s. w. Photographien der Reste und Fragmente -- die Muhammedaner haben natürlich auch hier was sie konnten dem Erdboden gleichgemacht und kein einziges Stück unversehrt lassen, und die moderne Sammelwuth hat die Zerstörung so ziemlich vollendet -- findet man, freilich dazu noch in einem gar dürftig verkleinerten Maaßstabe, in /Fergussons/ Tree and Serpent Worship, London 1868: als Beispiel der Rosse namentlich auf Tafel 59, _{1}, 82, _{1}, 96, _{1}; der Elephanten auf Tafel 61, _{1}, 64, _{1}, 91, _{3}. Vergl. auch die z. Th. ergänzenden Blätter in /Burgess’/ Archaeological Survey of Southern India (Amarāvati and Jaggayyapeta), London 1887, e. g. No. 27, _{1}, _{2}, _{5}, etc.]
[Fußnote 184: Die letzten Ausführungen Mahākaccānos entsprechen dem _Bṛhadāraṇyakam_ IV, 3, _{17}: _Sa yad atra kiṃcit paśyaty, ananvāgatas tena bhavaty: asaṉgo hyayaṃ puruṣa ity. Evam evaitad Yājñavalkyādi._ Ebenso /Eckhart/ p. 144 l. 1-2. Cf. noch Faust v. 11954/57: Ohne Erdenrest, »Und wär’ er von Asbest, Er ist nicht reinlich.« Die Darstellung des innen zuständigen Herzens, S. 401 f., hat ein mythisch gegründetes Gegenstück in der Schilderung der Menschen auf dem siebenten der Neun Felsen im Buche /Merswins/, p. 103. -- Wie auch nur Gedanken nachspüren unförderlich sei wo Einigung noth, S. 400 ͂= _sarvacintāvivarjitas_, e. g. _Nādabindūp_. ed. Bomb. v. 51, hat unser /Walther/ schon tief und klar erkannt, 56, _{23}, _{24}:
Liezen mich gedanke frî, So ’nwiste ich niht umb’ ungemach. ]
[Fußnote 185: Vergl. _Maitryup._ VI, 25: _sarvabhāvaparityāgo yoga ityabhidhīyate_.]
[Fußnote 186: Zu _kāmasukham_, _mīḷhasukham_ etc. cf. der _̀Sruti_ und _Smṛti grāmyakāmān, grāmyasukham_ wie _Kuṇḍikop._ v. 3 etc. mit Anm. 45. Gegensatz _vīrasukham_, heroisches Wohl; dann das _asaṉkiliṭṭhaṃ yogakkhemam_ der 26. Rede: το αθογωτον καλλος des /Makarios Mg/., p. 85. Vergl. auch das klassische luto ludere, wie /Plautus/, Mil. glor. II, 3 gegen Ende; und /Bruno/, Spaccio II, 3 eb.: »Meditantur sua stercora scarabaei.« Die ganze Antinomie hat unser Divus /Bernardus Claraevallensis/ in einen, dem Gehalte wie der Form nach eigenthümlich indisch anmuthenden, Denkspruch gefasst: Modi diligendi sunt quatuor. Carnem amare carnaliter, spiritum carnaliter, carnem spiritualiter, spiritum spiritualiter: Sententiae et Soliloquia fol. 506 ed. Par. 1621. Sie ist schon in dem alten, von /Prodikos/ überlieferten, von /Leopardi/ übersetzten Gleichnisse »Herakles am Scheideweg« meisterhaft veranschaulicht.]
[Fußnote 187: Vergl. Bd. 2. Anm. 30. -- Noch spät allgemein indisch, e. g. _̀Sukasaptati_ 50: _na vaktavyaṃ pāpaṃ dṛṣṭaṃ śrutaṃ... kathāpi khalu pāpānām alam aśreyase yataḥ._ -- Aehnlich die pythagorische, der /Theano/ zugeschriebene Maxime: Περι ὡν λεγειν καλον, περι τουτων σιωπαν αισχρον· και περι ὡν αισχρον λεγειν, περι τουτων σιωπαν αμεινον; sowie die andere, von /Aristoxenos/ überlieferte: Μη ειναι προς παντας παντα ῥωτα. Auch von /S. Francesco/ heißt es, bei /Celano/ I^2, 3: Expertus namque fuerat, magnum fore malum, cuncta communicare cunctis. Besonders genau aber entspricht das sechste der Octo punctorum, meditantibus quibus pervenitur ad perfectionem etc., /S. Bernardi/ l. c. fol. 1755-1756, und ib. die zu Ende des vierten dargelegte salutis via und ihre principia: Fuge, tace, quiesce.]
[Fußnote 188: Βιας εφη· Μισει το ταχυ λαλειν, μη ἁμαρτῃς· μετανοια γαρ ακολουθει.]
[Fußnote 189: _Subhūti_ ist Glosse, nach _Aṉguttaranikāyo_ I, 14, 2, _{4}. -- Einen allgemeinen, κατ’ αθαμβιαν entsprechenden Kommentar zu dieser Rede mit der abschließenden Maxime »Keiner Beachtung würdigen« findet man vielleicht am schönsten im dritten Kapitel des vierten Buches der nikomacheischen Ethik des /Aristoteles/ bei Ausführung der Grundsätze Ὁ δε μεγαλοψυχος δικαιως καταφρονει, οἱ δε πολλοι τυχοντως, und Ουδεν γαρ μεγα αυτῳ εστιν, und Ου γαρ μεγαλοψυχου το απομνημονευειν, αλλως δε και κακα, αλλα μαλλον παροραν; und wieder anders und doch sehr ähnlich bei dem großartig versöhnenden Urtheile des aegyptischen /Antonios/ και πασι παντα συγχωρητομεν, Vita p. 29, dem wirklich vorgeprägten Stämpel zur berühmten, von /Schopenhauer/ gepriesenen Botschaft in der letzten Szene der Cymbeline »Pardon’s the word to all«, sowie auch in /Castillejos/ Diálogo entre Memoria y Olvido mit dem Facit:
Olvidar es lo mejor. ]
[Fußnote 190: Vergl. Bd. II, Anm. 142. -- Der Aufenthalt bei Hafnern, deren Handwerk ja frei von Tadel ist, wird von Asketen bevorzugt: cf. die _kulālaśālā_ in der _Jābālopaniṣat_ fine.]
[Fußnote 191: Lies _tena viññāṇena kiṃ vijānāti_.]
[Fußnote 192: Das selbe Gleichniss hat /Platon/, De Rep. IV, p. 435: Και ταχα αν γαρ’ αλληλα σκοπουντες και τριβοντες, ὡρπερ εκ πυρειων εκλαμψαι ποιησαιμεν την δικαιοσυνην. Cf. Anm. 89.]
[Fußnote 193: Der _āvusovādaccayo_ ist commentatio protreptica.]
[Fußnote 194: Wer in den langen schmalen indischen Gassen und Höfen nicht sehr auf der Hut ist kann im Gedränge von einer der zahlreichen Kühe leicht unversehens niedergestoßen oder tödtlich verletzt werden. -- Wie ein spezieller Kommentar dazu liest sich ein kürzlich vorgekommener Fall, den mir /De Lorenzo/ aus Neapel, nach dem _Pungolo_ vom 2. Januar 1902, berichtet: »Ieri sera fu trasportato all’ ospedale dei Pellegrini, con grave commozione generale, un giovanotto diciottenne, /Arnaldo Murolo/, ferito con un colpo di corna al petto da una delle vacche, che girano per la città, continuando una usanza barbara per quanto indecente.«]
[Fußnote 195: Der Schluss der Rede, S. 432, giebt das ächte Που στω an. -- Cf. vorher _Bṛhadāraṇyakam_ III. 4; IV, 3, _{17}; 4, _{16}:
kim icchan kasya kāmāya.
Vergl. noch /Eckhart/, p. 242: Ohne Dünken und Wähnen und Glauben, p. 284: »Und hier umbe sô bin ich geborn unde nâch mîner gebürtewîse, diu êwic ist, sô enmac ich niemer ersterben. Nâch mîner êwigen gebürtewîse sô bin ich êweclich gewesen unde bin nû unde sol êweclîche belîben. -- Dâ bin ich daz ich was, unde dâ nime ich weder abe noch zuo. -- Wer dise rede niht verstêt, der bekümber sîn herze niht damite. Wan als lange der mensche niht gelîch ist dirre wârheit, alsô lange wirt er dise rede niht verstên.« Vergl. /Kant/ KRV II, 2, _{2}, 2, _{9} (R. 432): »Die Kausalität der Vernunft im intelligibelen Charakter ~entsteht nicht~, etc.« Der berühmte, von /Pappos/ Lib. VIII propos. 11 prooem. überlieferte Ausruf Δος μοι που στω και κινω την γην ist von /Heath/ in seinem schönen Werke über /Archimedes/, Cambridge 1897, S. XIX, treulich erörtert. -- Noch einige Sigla ähnlicher Gattung werden durch eine Reihe entsprechender Bilder hie und da veranschaulicht: wie etwa _Aṉguttaranikāyo, Sattakanipāto_ p. 13 ed. Siam. _thale tiṭṭhati brāhmaṇo, Majjhimanikāyo_ No. 98 v. 42 _amatogadham anuppatto, Suttanipāto_ 359 _pāraṉgato ṭhitatto_.]
[Fußnote 196: _kālakiriyā, von kālaṃ karoti_ die Zeit erfüllen, wörtl. »die Zeit machen«, d. i. sterben [Augenblick des Todes]; vergl. das gegenüberstehende _kālaṃ gacchati_ die Zeit erlangen, wörtl. »in die Zeit gehn«, d. i. keimen [Augenblick der Empfängniss]: _Chāndogyopaniṣat_ II, 13, _{1}.]
[Fußnote 197: Vergl. Raṭṭhapālo vor König Koravyo, in der 82. Rede; = /THEOGNIS/ v. 727/8:
ουδ’ αν αποινα διδους θανατον ουδε βαρειας νουσους ουδε κακον γηρας επερχομενον. ]
[Fußnote 198: _ajjhattaṃ sampasādanam = nistaraṉgasamudravan (nirvātasthitadīpavad acalasampūrṇabhāvābhāvavihīnakaivalyajyotir bhavati): Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 3 im Anf.; cf. auch Bd. II, Anmerkung 4.]
[Fußnote 199: Das Exordium der buddhistischen Lehre, die heilige Wahrheit vom Leiden, S. 435-437 und sonst ausführlich begründet, ist mit anderen Worten als »Heiligthum des Schmerzes« von /GOETHE/ das Würdigste genannt worden, als »jene letzte Religion, die aus der Ehrfurcht vor dem, was unter uns ist, entspringt«, Wilhelm Meisters Wanderjahre, 2. Buch, 2. Kap. gegen Ende. Bei uns ist diese erste der heiligen Wahrheiten allerdings nur als Basis rechter Erkenntniss dargestellt, während die vierte ein Zenith erreicht, wo Leiden nicht mehr bestehn kann: »dâ kein leit stat enhât«, wie /Eckhart/, p. 42, erkannt. -- Cf. das Gleichniss vom Pfeilschmidt, in der 101. Rede, S. 19.]
[Fußnote 200: Vergl. _Dhammapadam_ 354a, _Sabbadānaṃ dhammadānaṃ jināti_ und ähnliche Stellen. Von Asoko auf dem IX. (Girnār-) und XI. Felsenedikt frei wiedergegeben: siehe /Bühlers/ Ausführungen in der Zeitschr. d. deutsch. morgenländ. Gesellsch. Bd. 48 S. 57 f. In diesem Sinne aber fasst der König seine Gedanken über den Werth des Gebens im allgemeinen zu Ende des kurzen VII. Felsenediktes in die Maxime zusammen: »Denn wer auch eine reiche Gabe nicht geben kann: sich selbst beherrschen, das Herz läutern, erkenntlich und rechtschaffen sein bleibt immer gültig.« --