Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 38
[Fußnote 148: Vergl. /Bakchylides/, Theseus v. 42-45: δικας αδικοισιν οφρα μησεται -- παντ’ εν τῳ δολιχῳ χρονῳ τελειται. Auch Hamlet I, 5, _{10-22}; namentlich die der Schlussfolge obiger Absätze merkwürdig entsprechende Stelle:
...... confined to fast in fires, Till the foul crimes done in my days of nature Are burnt and purg’d away. ]
[Fußnote 149: Die Opferpriester gefräßigen Hunden vergleichen ist nicht etwa ironische Erfindung unserer Texte, vielmehr schon im 12. Kapitel des 1. Buches der _Chāndogyopaniṣat_ mit dramatischem Humor dargestellt, ganz analog der kostbaren Szene in des /Aristophanes/ Eirene v. 1043 ff., wann der Mantis Hierokles κατα την κνισαν εισεληλυθεν.]
[Fußnote 150: Vergl. _Chāndogyopaniṣat_ V, 10, 8 die _kṣudrāṇi bhūtāni_ und ihr _jāyasva mriyasvetyetattṛtīyaṃ sthānam_.]
[Fußnote 151: Vergl. die _kuṇimāhāraneraiyā_ der _Jainās_, wie _Aupapātikasūtre_ § 56; wo auch, beiläufig gesagt, unser _Cūḷasīlam_ neben anderem sorgsam rezipiert erscheint.]
[Fußnote 152: Dieser Kampf ums Dasein ist schon im _Vedas_ erkannt worden, _̀Satapathabrāhmaṇam_ I, 8, 1, _{3}. -- Das Gleichniss von der Schildkröte und der Reuse scheint das Original zu jener mühsäligen, kaum verständlichen Parabel vom Kameel und dem Nadelöhr abzugeben, wie /De Lorenzo/ in der Flegrea vom 5. Juni 1901 S. 410 f. des näheren ausführt. Doch was nach indischer Anschauung unschwer begreiflich, ist, durch diverse Medien und Metamorphosen mehr und mehr verdunkelt, im N. T. endlich zu einer Art Hieroglyphe geworden, mit der die Exegese, die sogar einen vikarierenden Elephanten aufgefunden, nicht fertig werden konnte, da ihr eben die ursprüngliche, in der Natur begründete, wenn auch hyperbolische Eikasie unseres Gleichnisses nicht zugänglich war; daher denn auch der sinnige /Makarios Mg/. es vorgezogen hat, καμηλος von καμειν abzuleiten und auf die πενια zu beziehen, ed. /Blondel/ p. 58/59. Aber in einem der ältesten christlichen Briefe und zwar des /Barnabas/, den freilich die Kirchentyrannis gerade seiner unzweideutig überirdischen Gesinnung wegen infam wie /Petrus/ verleugnet, findet man unsere obige Anschauung unvertrübt wieder, ohne Möglichkeit zu opportunem Missverstehn und theokratischer Umwerthung, in der Mitte des X. Kapitels, wo /Barnabas/ die Schlechten und Frevler den Polypen und anderen Thieren der Seetiefe vergleicht, ὡς και ταυτα τα ιχθυδια μονα επικαταρατα εν τῳ βυθῳ νηχεται, μη κολυμβωντα ὡς τα λοιπα, αλλ’ εν τῃ γῃ κατω του βυθου κατοικει. -- Noch mag hier bemerkt sein, dass bei /Vergil/, wann er den ατερπεα χωρον des /Empedokles/ abbildet, die Stelle von der Schwierigkeit zum Menschenthum zu gelangen wiederkehrt, Aen. VI, 703-751. Bis in die Gegenwart hat sich im Volke ein solches, man möchte sagen metaphysische Gefühl hie und da erhalten. »Ziemlich verbreitet«, erzählt uns z. B. /Vernaleken/ in seinen Mythen und Bräuchen des Volkes in Oesterreich S. 119 f., »ist in Steiermark die Meinung, dass die Soldaten nicht in den Himmel kämen, sondern die ‚grüne Wiese‘ zu ihrem Sammelplatz hätten. Dort auf der ‚grünen Wiese‘ harren sie, bis der Tag kommt, an welchem sie in der Welt wieder erscheinen werden.« Diese grüne Wiese nun gleicht aber mehr noch als den _prata_ der Aeneis dem ασφοδελος λειμων der Odyssee, und dieser wiederum mehr dem heillos tiefen Sacer Oceanus, aus dem die uralte Schildkröte aufsteigt. Eine wunderbare Ahnung darum hat unseren /Wolfram/, im Titurel Str. 166, von »jâmersôten« reden lassen, nachdem er, Str. 120, das Gleichniss gegeben:
Ez ’n wart ûf mer geworfen ûz kocken noch ûz kiele nie anker alsô swaere der ze tal durch wâc sô tiefe geviele, als mîn herze in jâmer ist versenket. ]
[Fußnote 153: Genau entsprechend sagt /Sokrates/, im Gorgias p. 522: Πολλων γαρ αδικηματων γεμοντα την εις Ἁιδου αφικεσθαι παντων εσχατον κακων εστιν.]
[Fußnote 154: Ist das ευ ακουειν /Pindars/. 1. Pythionike i. f., 4. Isthmionike v. 13: das bene audire, der gute Ruf; oder wie unser /Hartmann/ den Îwein gar schön eröffnet:
Swer an rehte güete Wendet sîn gemüete, Dem volget saelde unde êre.
Vergl. die 60. u. 76. Rede und _Dhammapadam_ v. 1-2.]
[Fußnote 155: Es ist, wie im _Brahmāyusuttam_ p. 514, zu lesen: _tass’ imāni satta ratanāni bhavanti, seyyathīdamādi_. Die spectamina munditiae gehören in den Kommentar, der, wie gewöhnlich, manches missverstanden, manches recht volksthümlich weiter ausgeführt hat. Diesem entspricht denn auch ihre Darstellung im Relief, so zu Amarāvati, vorbuddhaghosisch.]
[Fußnote 156: Vergl. der _Smṛti_ Urbild: _abhibhavati nṛpaḥ sarvabhūtāni tejasā_, wie _Manus_ VII, 5 etc. Auch das homerische Seitenstück, Od. II, 230/31: προφρων αγανος και ηπιος εστω σκηπτουχοσ βασιλευς, φρεσιν αισιμα ειδως. Dann des /Plinius/ Glückwunsch an /Traian/ zur Thronbesteigung: Fortem te et hilarem, imperator optime, et privatim et publice opto; sowie das Ideal im Rolandslied, v. 531/33:
l’emperere est ber: tant nel vus sai ne preisier ne loer, que plus n’i ait d’onur e de bontet. ]
[Fußnote 157: Vergl. Bd. 2, S. 405, 470, 517. Zur antiken Auffassung der Gesundheit als einer gleichmäßigen Kräfte- und Säftemischung ist bekanntlich die neueste Medizin wiederzurückgekehrt. -- Aehnlich hat /Shakespeare/, Julius Caesar i. f., Brutus preisen lassen:
His life was gentle, and the elements So mix’d in him that Nature might stand up And say to all the world: This was a man.
Imgleichen hat er, als höchstes Lob Horatios, blood and judgment well commingled, Hamlet III, 2, _{74}; während /Simonides/ den ganzen Begriff anmuthig epigraphiert, fragm. 116:
ουδε καλας σοφιας εστιν φαρις, ει μη τις εχει σεμναν ὑγιειαν. ]
[Fußnote 158: Der viermächtige Heerbann, _caturaṉginī senā_, das _caturaṉgam balam_ der _Smṛti_, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem /Alexander/, /Attila/, /Napoleon/ auch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve des _Naciketās_ bis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titel _cakkavattī_ populär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. -- Hier sei noch eine andere Eigenheit eines _cakkavattī_ besser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe von _jālahatthapādo_ war ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes der _̀Sakuntalā_ wird nämlich unser obiges Merkmal eines _dhammarājā_ oder _cakkavattī_ richtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus: _kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asya_
_pralobhyavastupraṇayaprasārito vibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ, alakṣyapatrāntaram iddharāgayā navoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam._
_Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamo_ heißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« -- Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel des _Lalitavistaras_: _jālāṉgulihastapādaḥ_.
Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen /San Francescos/, die /Celano/ in seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).]
[Fußnote 159: Cf. die Parallele in der _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ IV, 3, _{32-39}: _Sa yo manuṣyānāṃ rāddhaḥ samṛddho bhavatyanyeṣām adhipatiḥ, sarvair mānuṣyakair bhogaiḥ saṃpannatamaḥ, sādi._ -- /Merswin/, Neun Felsen, p. 120.
Zu der, wie oben ausgeführt, kaum gleichnissweise andeutbaren Art der Extreme des Daseins mögen hier einige Worte von /Robert L’Orange/ mitgetheilt sein: »Was würde dieser (Philosoph) sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Abscheuliches und obendrein dem Geiste lauter Widersprüche, Undinge, Wahnsinnsvorstellungen dargeboten würden? Und was würde er anderseits sagen, wenn man ihn an einen Ort versetzte, wo allen Sinnen dauernd nur Erfreuliches dargeboten würde und obendrein dem Geiste das, was er sieht, harmonisch, verständlich erschiene? Dass beide Orte existieren, daran dürfen wir nicht zweifeln, nach so vielen, zum Theil wörtlich übereinstimmenden, unabhängigen Zeugnissen glaubwürdiger Menschen -- zumal kein Grund a priori dagegen spricht.« Er fügte dann noch hinzu: »Vergleiche übrigens die Worte /Jakob Böhmes/: Wenn alle Berge Bücher wären und alle Seen Tinte und alle Bäume Schreibfedern: noch wäre es nicht genug, um all den Schmerz zu beschreiben.« Indischer Prägnanz in grässlicher Nāśa-Nekadologie zunächstgekommen ist freilich /Aischylos/ mit seinem απεραντος ταρταρος und απεραντον ηικτυον ατης, Prom. 153, 1078. Beide Orte werden von /Makarios/ wundervoll tief dahin ausgelegt, ει ουν ἡ καρδια βαθος τι εχει απεραντον, εκει τρικλινοι και κοιτωνες, θυραι και προθυρα, και διακονιαι πολλαι και διεξοδοι· εκει εστι το εργαστηριον της δικαιοσυνης και αδικιας· εκει εστιν ὁ θανατος, εκει εστιν ἡ ζωη· εκει εστιν ἡ αγαθη εμπορια και ἡ εναντα: Homil. XV § 32 fine, XLIII § 8; ein vollkommen indischer Kommentar zu dem Spruche _cittaṃ kāraṇam arthānāṃ_ | _tasmintsati jagattrayaṃ_ | _tasmin kṣīṇe jagatkṣīṇaṃ_ | _taccikitsyaṃ prayatnataḥ_ |: _Yogaśikhopaniṣat_ VI, 59.]
[Fußnote 160: Der Weise, _paṇḍito_, ist hier als der Kluge nach der Seite möglicher Zuträglichkeit, wie vorher _bālo_, der Thor, _pariyāyena_ entwickelt. -- Zum Gleichniss vom Würfelspiele cf. die 60. Rede S. 104-115, Lieder der Mönche v. 462; _Chāndogyopaniṣat_ IV, 1. u. 3. Kapitel. Dieses drastische Bild hat denn auch Asoko wiederholt dargestellt, namentlich auf dem IX. Felsenedikt i. f.: _Tato ubhayasa ladhaṃ bhoti, iha ca so aṭho paratra ca anaṃtaṃ puñaṃ prasavati tena dharma[ma]ṃgalena._ Item: XI., XIII. Felsened., III. Säulenedikt. -- In der gräko-italischen Kultur ist das Gleichniss nicht minder beliebt gewesen, von /Epicharmos/, frgm. v. 280 κυβους απο τυχας βαλειν, bis auf /Cäsars/ »Iacta alea est« herab. Weitere interessante Nachweise findet man in den Adagia des /Erasmus/ s. v. alea, und in /Schraders/ Reallexikon der indogerm. Alterthumskunde s. v. Spiele. Die selbe, bei uns weniger gebrauchte Metapher vom großen Wurfe hat /Schiller/ angewandt, in der Ode an die Freude. In neuerer Zeit ist dafür das große Loos und der Haupttreffer, schon bei /Jean Paul/ zu begegnen, volksthümlich geworden. Vergl. auch /Pascals/ »Il faut parier«, Pensées II, 3, _{5}.
Es verdient Beachtung, dass die Todesstrafe, von der oben S. 309 und besonders wichtig im zweiten Bande S. 434 die Rede ist, auch in Indien für schwere Vergehn stets allgemein üblich gewesen. Nicht als ob man sich etwa zu wundern hätte, den milden Hindu, wie man gern spöttisch sagt, doch nicht so ganz modern nachsichtig, sogar zu Zeiten von antiker Grausamkeit erkennen zu müssen; vielmehr die indischen Juristen, die zumeist von der ehrlichen Anschauung ausgehn, hier eine Ausnahme, gleichsam einen salto mortale machen zu sehn. Denn ein solcher wäre es für den unbiblischen Rechtsverstand, auf Menschenmord Todesstrafe zu setzen, solange der Thiermord, z. B. Metzgerei, Jagd, völlig straflos, ja in gewisser Sanktion bleibt. Oder mit anderen Worten: da der Inder, entgegen dem Christen, das Leben des Menschen im Durchschnitte keineswegs als unendliche Werthgröße betrachtet, sondern nur als das was es ist, nämlich eine dem Grade nach höhere Wesenstufe, dürfte man konsequent erwarten, bei geduldetem Thiermord auch den Menschenmord eben nur geduldet (Krieg, Duell), bez. graduell bestraft zu finden (impetus, dolus). Das ist nun in Indien wirklich, und zwar von den frühesten Rechtslehrern bis zu den spätesten Kasuisten, wenigstens theilweise, zu normieren versucht worden. So sehn wir also hier das ius talionis durchaus nicht unantastbar bestehn; und noch Asoko, der kein stammelnder Moralprediger, wofür ihn der Unverstand hält, sondern selbstbewusst wie /Alexander/ jeder Zoll ein König war, dieser in Krieg und Frieden gleich große, man muss wirklich sagen ideale Monarch berichtet auf seinem V. Säulenedikt i. f., er habe fünfundzwanzigmal seit seiner Thronbesteigung (d. i. jedes Jahr) eine Anzahl Verbrecher begnadigt. Aber eben nur eine Anzahl: wie die Stelle im IV. Säulenedikt besagt, wo _nāsaṃtaṃ_ als acc. sing. part. praes. act. von √(naś) zu erklären ist, und _jīvitāye tānaṃ nāsaṃtaṃ va nijhapayitave_ wörtlich heißt, man lässt (die Hinzurichtenden, _patavadhā_) an das eilige Schwinden ihrer Lebensfrist denken, d. h., wie Asoko des näheren ausführt, drei Tage lang in Gesellschaft ihrer Angehörigen auf den Tod sich vorbereiten, durch Einkehr in sich, Hingabe des letzten Besitzes und Fasten im Anblick des nahen Endes. »Denn mein Wunsch ist es«, so schließt der König dieses Edikt, »dass man also selbst bei der Hinrichtung sich mit dem Jenseits versöhnen kann. Das Volk aber gedeihe vielfach im rechten Wandel, beherrsche sich, reiche Almosen dar.«]
[Fußnote 161: Das selbe Gleichniss »ex domo in domum videri migrare« bei /Cornelius Nepos/, Atticus i. f.]
[Fußnote 162: _na kulejeṭṭhāpaccāyī_, i. e. _na kule jeṭṭhā[ya] paccāyī_. -- Vergl. das sinngemäße _gurūnaṃ apaciti, vuḍh[ā]naṃ suśruṣ[ā]_ etc. bei Asoko, Felsenedikt IX, IV, Säulenedikt VII, 2, _{8}.]
[Fußnote 163: _mahallako_, wörtlich: groß geworden, d. i. in das Alter der Reife eingetreten sein: nicht etwa in das Greisenalter, wie die nordbuddhistischen Lexikographen vermeint haben. Vergl. _mahilā_ = adulta; _āyuṣmān_, in aetatem esse, etc. -- Aehnlich heißt bei uns »zu seinen Jahren gekommen sein« zunächst nur, das Alter der Pubertät erreicht haben: wie z. B. der Sachsenspiegel 1, 42 ausdrücklich erklärt.]
[Fußnote 164: Genau so der platonische Mythos, den /Sokrates/, im Gorgias p. 523/4, vorträgt, wo /Rhadamanthys/, »der Richter aus Asien«, den nackten Geist des Verstorbenen, ερημον παντων των συγγενον και καταλιποντα επι της γης παντα εκεινον τον κοσμον, der gerechten Krisis überantwortet. Noch schöner, ohne Mythos, nur klar _Manus_ IV, 239-241; Raṭṭhapālo in der 82. Rede.
Jene häufige Übereinstimmung mit den Griechen ist schon dem feinsinnigen Forscher und Beobachter /Megasthenes/ aufgefallen, der da, bei /Strabo/ p. 713, von den Indern sagt: περι πολλων δε τοις Ἑλλησιν ὁμοδοξεινπαραπ, und bald darauf, gerade als ob er unsere obige Stelle im Sinne hätte, fortfährt: παραπλεκουσι δε και μυθους, ὡσπερ και Πλατων περι τε αφθαρσιας ψυχης ~και των παθ’ ᾁδου κρισεων~, και αλλα τοιαυτα. -- Vergl. übrigens das altägyptische Todtengericht.
Geistesverwandt sind bei /Shakespeare/ the visible spirits of the heavens, the ~justicers~, Lear IV, 2.]
[Fußnote 165: Zum letzten Götterboten, dem Lehrer Tod, dem Musageten der Philosophie, wie er von /Schopenhauer/ nach der berühmten sokratischen Definition genannt wird, cf. Lieder der Mönche Seite 285 Anm. 1. -- Wie oben der Richter der Schatten im Dialoge die reflektierende Frage stellt, genau entsprechend lässt /Petrarca/ im ersten Dialoge De contemptu mundi seinen Augustinus, als ob er eben jene Frage vernommen, antworten: »dum aequaevum quisque comitatur ad sepulchrum, necesse est, ipse etiam ad alieni casus praecipitium contremiscat, et de se incipiat esse sollicitus. -- Eo autem vehementius movebitur qui iuniorem, qui validiorem formosioremque videat repentina morte subtractum, sese ante circumspiciet et dicet: securius hic habitare videbatur, et tamen eiectus est, nec aetas profuit nec forma nec robur: mihi securitatem quis spopondit deusve magusve? Mortalis sum profecto.« -- Und merkwürdig: die selbe Anschauung findet sich, etwa ein viertel Jahrtausend später, beim gewaltigen Demiourgen des Rinascimento, dem Künstler, von dem /Vasari/ gesagt hat, »non nasceva pensiero in lui, che non vi fusse scolpita la morte«, also bei /Michelangelo/ wieder, der, gleichfalls in einem seiner Dialoge, nachdem er in bekannter Weise tiefernst gelächelt, »Io vi dico che in questo mondo è da piangere«, dann fortfährt: »bisogna pensare alla morte. Questo pensiero è solo quello che ci fa riconoscere noi medesimi, che ci mantiene in noi uniti, senza lasciarci rubare dai parenti, dagli amici, dai gran maestri, dall’ ambizione, dall’ avarizia, e dagli altri vizii e peccati, che l’uomo all’uomo rubano, e lo tengono disperso e dissipato, senza mai lasciarlo ritrovarsi e riunirsi. Ed è meraviglioso l’effetto di questo pensiero della morte; il quale, distruggendo ella per natura sua tutte le cose, conserva e mantiene coloro che a lei pensano, e da tutte le umane passioni li difende.« Und noch einmal merkwürdig: wiederum etwa ein viertel Jahrtausend später hat der herrlichste aller Melodiker, also /Mozart/, dessen Werk allmälig von /Köchel/ und /Jahn/ erschlossen zwar heute noch recht ungekannt ist, in der Blüthe seines 31. Jahres genau das Selbe ausgesprochen, hat den Tod als »Schlüssel zu unserer wahren Glücksäligkeit« bezeichnet, und gesagt: »da der Tod, genau zu nehmen, der wahre Endzweck unseres Lebens ist, so habe ich mich seit ein paar Jahren mit diesem wahren, besten Freunde des Menschen so bekannt gemacht, dass sein Bild nicht allein nichts Schreckendes mehr für mich hat, sondern recht viel Beruhigendes und Tröstendes.«
Den schlichtesten Auszug der letzten Götterbotschaft geben vielleicht die Lieder der Mönche Seite 173, wo es heißt »Ein einzig Tüchlein deckt ihn, das ist alles, Am Hingeschiednen haftet keine Habe« etc.; sowie der alte Spruch:
Povre et riche, par tout le mont, De tout l’avoir qu’assamblé ont, Qu’enportent ils quant ils s’en vont? Un drapelet tant seulement. ]
[Fußnote 166: Vergl. /Platon/, Rep. X. No. 14; die Höllenschilderung und den Feuerwirbelsturm im _Faust_, 2. Theil, bei der Grablegung,
Die rothe Brandung schlägt hervor etc. ]
[Fußnote 167: Ειτα βορβορον πολυν και σκωρ αεινων· εν δε τουτῳ κειμενους κτλ. /Aristophanes/, Batr. 145/6. Von /Platon/ als alte Ueberlieferung bezeichnet Phaid. p. 69.]
[Fußnote 168: Ir vleisch die maden âzen | unz ûf daz gebeine. /Konrad/, Der werlte lôn 222/3.]
[Fußnote 169: _kukkulanirayo_, _kukkuranirayo_ = _sārameyādanam_, der Hundehölle des _Bhāgavatapurāṇam_ V, 26, _{7}; cf. die uralten Höllenhunde des _Ṛg-_ und _Atharvavedas_, auch den hesiodischen Κερβερον ωμηστην Αϊδεω κυνα πεντηκοντακεφαλον. Dann: Aen. VI. 417 ff.; Inferno VI, 13 ff.: »Cerbero, fiera crudele e diversa... graffia gli spirti gli scuoia, ed isquatra.« Ebenso hat /Dante/ die anderen mehr oder minder traumhaften Höllen, die gleichfalls im _Bhāgavatapurāṇam_ l. c., bei _Manus_ etc. etc. kurz angedeutet sind, wahrscheinlich vermittelst der sog. Paulusapokalypse überkommen und seiner katholischen Komödie kunstvoll eingefügt. -- Auch die höllischen »dogs of war« im Julius Caesar, III, 1, _{273}, gehören hierher.]
[Fußnote 170: Vergl. die Stygia unda, Aen. VI, 385, bis hinauf zur δεινη Στυξ des /Hesiod/, Theog. 776 ͂= dem _vāḍavam der Smṛti_.]
[Fußnote 171: Vergl. _Manus_ VIII, 271: _niḥkṣepyo ’yomayaḥ śaṉkur jvalann āsye daśāṉgulaḥ_, mit dem Kommentar _lohakīlo ’gninā pradīpto daśāṉgulo mukheṣu kṣeptavyaḥ._ -- Analog bei uns der nicht etwa nur dantesk visionäre sondern realchristliche »Schwedentrunk«, im dreißigjährigen Kriege vom rechtgläubigen Soldaten dem geplünderten Bauer mit Vorliebe verabfolgt, indem er ihn fesselte, zu Boden warf, ihm ein Sperrholz in den Mund steckte, einen Melkkübel Mistjauche in den Magen goß und ihm dann auf den Bauch trat, dass es wieder herausspritzte: cf. /Grimms/ Wörterbuch s. v. Schwedentrunk, Simplicissimus I, 4, und zumal des Dr. /Lammert/ Geschichte der Seuchen, Hungers- und Kriegsnoth etc. Wiesbaden 1890, S. 132, wo aus einer handschriftlichen Chronik noch viel andere, jeder Phantasie spottende Gräuel enthüllt werden, »unerhörte Martter, davon auch der teuffel in der höll mit Wissenschaft haben mochte, so sie den Menschen angethan.« Auch aus neuerer Zeit erzählen Augenzeugen wie treu noch unsere vereinigten apostolischen Streiter in China höllische Art bewährt haben.