Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 37
Noch bei der Königskrönung in der karolingischen Sage von Reinolt etc., ed. /Pfaff/ v. 1201/03,
kamen vier engel von her oben iglich in einer tuben wyß geflogen und brachten, das man han solt. ]
[Fußnote 118: Im gleichen Sinne ist die Beata Maria Virgo in der Lauretanischen Litanei als »Mater purissima, Mater intemerata, Mater admirabilis, Vas spirituale, Domus aurea« gepriesen. Letzteres Bild wird zwar auf Lib. Reg. I [III], 6, _{22} gedeutet, gehört aber dem _Mahāmāyāsupinam_ des _Avidūrenidānam_ zu, wo es dem _kanakavimānam_ entspricht, _yam pavisitvā... kucchim paviṭṭhasadiso ahosi bodhisatto_: _Jātakam_ vol. I, p. 50. -- Die Vermittelung scheint über Mesopotamien erfolgt zu sein. »Omnino nulla fere ecclesia tam constanter et unanimiter anhamartesiam S. Mariae semper docuit, quam syriaca«, sagt /Bickell/ in seiner Ausgabe der Nisibena p. 29 und fügt p. 30 den zahlreichen ephraemitischen und anderen Sentenzen noch die Stimme eines folgenden Patriarchen hinzu, die gar deutlich dem _Lalitavistaras_ nachklingt: »Si fuisset in anima Mariae ulla macula aut defectus, aliam utique, eamque immaculatam matrem elegisset sibi Dominus.«]
[Fußnote 119: Diese mehr oder minder symbolische Taufe kommt bekanntlich schon in den Gṛhyasūtren vor, e. g. _Gobhilas_ II, 8, _{1}, _saśiraskaṃ kumāram āplāvya_; sie reicht übrigens in praehistorische Zeiten hinauf. -- Vergl. _Iacobi Sarugensis_, bei /Zingerle/ S. 22 f., /Jesu/ Jordantaufe, »auch die Abgründe erbebten bei deinem Herabkommen, und die Wolken ergossen Wasser.« (/Jesu/ Epiphanie hat neuerdings /Jacoby/ ausführlich besprochen. Ein bisher unbeachteter apokrypher Bericht über die Taufe Jesu, Straßburg 1902, namentlich S. 43 f.)
Ein ungemein schönes indo-baktrisches Hochrelief dieser Szene, ächt künstlerisch komponiert und ausgeführt, im Swāt-Gebiete gefunden, ist bei /Grünwedel-Burgess/, Buddhist Art in India, London 1901, als No. 92 wiedergegeben. Noch andere bedeutende Momente, ähnlich ausgezeichnet behandelt, ib. No. 40, 65, 7. -- Zur Sache: Lieder der Mönche S. 327 Anm. 2.]
[Fußnote 120: Symbol der Königsmacht: _lokajit, yasya chattraṃ sitam_, wie es z. B. _Ṛtusaṃhāram_ v. ult. heißt. Im _Bhāgavatapurāṇam_ hält _Hanumān_ diesen Schirm zuhäupten des siegreichen _Rāmas_ IX. 10. _{42}., u. s. w., namentlich auf Inschriften alter wie neuer Zeit stereotyp. -- Lies mit dem siam. Texte _anuhīramāne_, von _harati_; vorher _sattapadavītihārena_. Das _sāptapadam_ weist vielleicht schon auf eine symbolische Darstellung der _saptarṣayas_ (Sieben Weisen, Siebengestirn, Septemtrio maior) zurück; vergl. auch das _traivikramam_. -- Der weiße Schirm, dem athenischen σκιρον parallel, ist im Christenthum zur weißen Taube geworden; wohl missverständlich, weil man das ursprüngliche Symbol nicht mehr zu deuten vermochte, _śvetacchattram_, den weißen Schirm, mit _śvetacchadas_, dem weißen Fittich, verwechselte.]
[Fußnote 121: Quasi eine Illustration dieser Art ist es wohl, wenn man noch heute auf Zeilon, z. B. im Vidyodayapariveṇa, auf dem blumenbekränzten Altar eine krystallene Buddho-Statuette mit einem Lämpchen dahinter ein mildes und zugleich strahlendes Licht ringsumher verbreiten sieht.]
[Fußnote 122: Der urasketenthümliche Abschluss dieser Rede, so außerordentlich in seinem tiefen Humor, möchte erstaunen lassen, wären wir eben nicht schon längst gewohnt der wunderbarsten Dinge, da gerade an unseren Texten des /Augustinus/ feine Bemerkung, Civ. XXI. 4., sich oft bestätigt: »Quarum vero rerum ante nostros oculos cotidiana documenta versantur, non genere minus mirabili, sed ipsa assiduitate vilescunt, ita ut ex ipsa India, quae remota est pars orbis a nobis, desierimus nonnulla mirari, quae ad nos potuerunt miranda perduci.«]
[Fußnote 123: Zu den Nackten Büßern cf. der 71. Rede letzte Anmerkung. Schon /Augustinus/ hat diese Asketen -- _Ājīvikās_, keine _Digambarajainās_ -- richtig beschrieben, Civ. XIV. 17. i. f.: »Per opacas quoque Indiae solitudines, cum quidam nudi philosophentur, unde gymnosophistae nominantur, adhibent tamen genitalibus tegmina, quibus per cetera membrorum carent.«]
[Fußnote 124: Ebenso vom hundertjährigen /Apollonios von Tyana/ berichtet, bei /Philostrat/ Lib. I. cap. X. i. f., De mira eius castitate. Auch /Makarios/, Homil. XV § 51, hat erklärt: Εισι δε τινες κρατουμενοι ὑπο θειας δυναμεως, ὁτι εαν ιδωσι τινα μετα γυμαικος νεον, οὑτοι ει και διαλογιζνται τκνα, ὁμως ου μιαινεται ὁ νους αυτων, ουτε δπιτελει ενον ἁμαρτιαν, während /Dositheos/ der Kilikier, das Haupt der Enkratiten, Apotaktiten und Eremiten, in einem lapidaren Satze, von /Makarios Mg/. ed. /Blondel/ p. 151 überliefert, eigentlich und ehrlich Zweck und Ziel schon angegeben hatte: Δια μεν κοινωνιας ὁ κοσμος την αρχην εσχε· δια δε της εγκρατειας το τελος θελει θαβειν. -- Vergl. noch /Eckhart/, p. 460: »Ez ist ein vrâge under den meistern, ob der mensche dâ zuo müge komen, daz er niht sünden müge in diesem lîbe? Die besten meister sprechent: jâ. Daz sult ir alsô verstân. Die liute hânt sich alsô durchüebet innen und ûzen, daz sie sich zuo keime gebresten geneigen mügent.«]
[Fußnote 125: Nec vero saccum /Hilarion/, quo semel amictus est, umquam aut lavit aut mutavit, cum supervacaneum esse diceret, munditias in cilicio quaerere: Breviar. Rom. d. XXI Oct. Pariter iam eiusdem magister, Actis Sanctorum Ian. t. II, 116, _{48} ac 119, _{66}.]
[Fußnote 126: Vergl. _Nāradaparivrājakopaniṣat_ IV, 3: _Na sambhāṣet striyaṃ kāṃcit_ | _pūrvadṛṣṭāṃ ca na smaret_ | _kathāṃ ca varjayet tāsāṃ_ | _na paśyellikhitām api_. -- /Bonaventura/, Vita S. Francisci cap. V.: Mulierum familiaritates, colloquia et aspectus, quae multis occasio sunt ruinae, sollicitius evitari iubebat, asserens, per huiusmodi debilem frangi et fortem saepe spiritum infirmari.]
[Fußnote 127: Cf. /Sozomeni/ lib. I cap. 13, De /S. Antonio/ in AASS l. c. 119, _{64} i. f.: Litteras neque novit neque magni aestimavit; sed puram mentem, utpote litteris antiquiorem et earum inventricem, laudavit plurimum. -- Vergl. noch die Ablehnung und endlich nur durch das stille Beispiel gewährte Aufnahme, die /Paulus Simplicissimus/ als beharrlicher Antonianer schweigsam nachfolgend gefunden, l. c. 147-148.]
[Fußnote 128: zu _gaddu_ Gurgel, Kehle cf. Anmerk. 7; von √(gard) = γαργαρειν. _Gaddūhanamattam pi_ dann gelegentlich schlechthin ein Ausdruck für »auch noch so gering«. An _dadrughnādi_, /Trenckner/, Pāli Miscellany p. 59, ist nicht zu denken.]
[Fußnote 129: Ein Leben wie Bakkulo hat der aegyptische/Paulos/, »Eremitarum auctor et magister«, wie ihn die christliche Kirche zu rühmen beliebt, bis zu seinem Tode, im Alter von hundertdreizehn Jahren, geführt: und gleichwie Bakkulo dem Kassapo hat er es, am letzten Tage vom neunzigjährigen /Antonios/ aufgesucht, diesem noch berichtet. Der heitere Abschied unseres Bakkulo hat gleichsam eine Gegenstrophe im säligen Scheidegruß der aegyptischen /Maria/, nach vierzigjähriger Buße, der sie treu in Wüsten blieb, von ihr im Sande niedergeschrieben, wie /Goethe/ sie nach den Acta Sanctorum (Apr. I, 82, _{38}) gegen Ende des Faust bekennen lässt; während ein anderer achtzigjähriger Meister, /Michelangelo/ in einem Briefe an /Vasari/ uns das alte, ächt solonische Motiv dazu insofern leichter verstehn lehrt, wenn er die festliche Feier einer Geburt nicht eher und nicht anders begangen haben will als »con quella allegrezza che s’à a serbare alla morte di chi è ben vissuto.«
Die unbeugsame Stärke bakkulischer und verwandter Geister mahnt allenthalben an die Gestalten der älteren Thebais: so deutlich, dass der letzteren historische Ahnen weiter als in Jerusalem aufgesucht werden möchten. Eine in den Acta Sanctorum vom 17. Jan. De /S. Antonio/ Magno fol. 113 § 7 i. f. beigebrachte Bemerkung des /Ioannes Damascenus/, der Ruhm der aegyptischen Eremiten sei bis an die Gränzen der Erde gedrungen, »ipsisque didita Indis esset, eos quoque ad eiusdem (sc. monasticae) vitae studium excitavit«, erheitert zunächst durch die ungeahnte Heuristik des biederen Kirchenvaters, dient aber sodann uns drüben stehenden als fein richtig weisender chrysorrhoischer Index. Namentlich nun sind es die mancherlei makarischen Denkmale, die immer wieder ihre indische Abstammung anzeigen. Die Ausgabe von /Pritius/ bietet eine Hülle und Fülle der schönsten Beispiele. Hier folge als kürzeres Musterstück ein parabolischer Dialog, den man bei /Floss/ p. 63 findet. »Frater convenit abbatem Macarium Aegyptium, cui: Abba, inquit, effare mihi verbum, quonam modo salvus ero? Ait senex: Vade in sepulchrum et maledictis mortuos impete. Abiens igitur frater eos conviciis et lapidibus appetiit, reversusque annuntiavit seni. Qui ab eo quaerit: Nihilne tibi responderunt? Frater: Nihil. Tum senex: Iterum, inquit, proficiscere cras, laudibus eos effer. Pergens itaque frater collaudavit eos vocans: Apostoli, sancti, iusti. Tum adiit senem dixitque: Laudavi. Qui: Nihilne, inquit, tibi responderunt? Frater: Nihil. Tunc senex infit: Nosti, quantis eos contumeliis affeceris, nec quidquam responderunt tibi, et quantis eosdem laudibus ornaveris, nihilque ad te prolocuti sunt: ita etiam tu, si salutem consequi desideras, mortuus fias, nec iniurias hominum nec laudes eorum cogites instar mortuorum; sic enim poteris salvus fieri.« Diese Thebais konnte nun freilich keine längere Blüthe erleben, und es folgte, wie eben überall, rascher Verfall, Auflösung, Umwandlung, abusus optimi als pessimus, auf den Helden und Heros der Zelot und Hesychiast, der Monk of Misrule, Abbot of Unreason und eine »affenheit« anstelle der »wîsheit«; oder um zur makarischen Parabel den speziellen Beleg zu liefern, die jesuitische Lehre vom Gehorsam perinde ac si cadaver. -- Hier hinken manche Pfaffen an, sagt Meister /Eckhart/.
Die erstaunliche Rüstigkeit unseres Bakkulo, der von keinerlei Krankheit wusste, wie oben S. 254 gesagt, ist später sprichwörtlich geworden, im _Aṉguttaranikāyo_ I, 14, 4, _{8} bestätigt, wo er der gesündeste aller Jünger geheißen wird. Sein Andenken, zwar nur mehr der Name, ist noch im _Lalitavistaras_ I im Anf. erhalten.]
[Fußnote 130: Der selbe Gedanke oft im /Makarios/, e. g. Homil. XVII § 3 & XV § 41-42, XXVII § 20.]
[Fußnote 131: _Aggivessano_ ist _Aciravatos_ nomen patronymicum, der Zuname.
Der auf S. 259 und sonst, wie z. B. im 1. Bande S. 142, 313 etc., im 2. Bande S. 503 etc., mit unübertrefflicher Prägnanz geschilderten indischen Landschaft darf die ebenso rein anschaulich stilisierte Landschaft /Ruisdaels/ als nahe verwandtes Kunstwerk verglichen werden.
Eine Art Auszug der großen Elephantenperipetie, oben S. 261-267, giebt Vers 320-324 des _Dhammapadam_. Cf. auch die anderen Elephantenparabeln, wie z. B. in der 61. u. 66., 27. u. 28. Rede. Das Muster der letzteren ist, nebenbei bemerkt, wörtlich in das _Mahābhāratam_ aufgenommen worden, XII, 63, _{25}: _Yathā hastipade padāni saṃlīyante sarvasattvodbhavāni, evaṃ dharmān rājadharmeṣu sarvān_ etc.
Zum Gleichnisse von den gebändigten und den ungebändigten Rossen, S. 258, cf. /Diog. Laert/. II, 69: Ερωτηθεις (Αριστιππος), τινι διαφερουσιν οἱ πεπαιδευμενοι των απαιδευτον, εφη· Ὡσπερ οἱ δεδαμασμενοι ἱπποι των αδαμαστον. Schon /Sokrates/, im Gorgias p. 516: Ουκουν οἱ γε δικαιοι ἡμεροι, ὡς εφη Ὁμηρος. Aber geradezu emblematisch genau, bis in die Einzelheiten entsprechend, ist es im unerschöpflichen /Makarios/ wiederzufinden, als Thema seiner 23. Homilie, § 2-3.
Ueber die Bedeutung von _saṉkhalikhitam_ »Punkt für Punkt«, S. 264, hat neuerdings /Ludwig/ in der Wiener Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenl. Bd. 15 S. 307-310 geschrieben. Seine durch eine Glosse des _Viśvalocanas_ angeregte, recht moderne Ableitung von _śaṉkhas_, dem Schläfenschwibbogen, ist nicht ohne Geist, doch bei dem hohen Alter des überlieferten _brahmacariyaṃ saṉkhalikhitam_ unhaltbar. Eine mögliche Etymologie findet man Ende der 48. Rede Anmerk. 36, Lieder der Mönche S. 336: wahrscheinlich wird aber die in der 3. Anmerkung des 2. Bandes gegebene besser begründet sein. -- Als letzten Ausläufer des _saṉkhalikhitam_ kann man das Muschelabzeichen auch noch unserer heutigen Wallfahrer betrachten: ein längst vergessenes Symbol strenger Asketenschaft, das auf die jakobitischen Mönche des 6. Jahrh. und daher wohl auf ihren Stifter /Iakobos Zanzalos/ zurückreicht, der als Eremit in der Fetzenkutte Syrien durchzogen und viele Jünger hinterlassen hatte, Nachfolger in Aegypten, Arabien, Persien bis in die Zeiten der Kreuzzüge; woher dann endlich jenes ursprünglich indische, auf den ältesten Skulpturen schon dargestellte Büßerwappen, freilich arg verkannt, uns überkommen ist. Noch im 17. Jahrh. sind übrigens unter den »Muschelträgern« an sich die »Jakobsbrüder« verstanden worden, so im Simplicissimus; während es im Tasso, vorletzter Auftritt, mehr allgemein anschaulich heißt:
Die Pilgermuschel und den schwarzen Kittel, Den langen Stab erwählst du dir und gehst Freiwillig arm dahin.
cf. auch Hamlet IV. 5, 25 f.
By his cockle hat and staff And his sandal shoon. ]
[Fußnote 132: Von der Hoffnung im weiteren Sinne handelt die 131.-134. Rede. Gegensatz: _Chāndogyopaniṣat_ VII, 14, _{2}: _āśayāsya sarve kāmāḥ samṛdhyanti, amoghā hāsyāśiṣo bhavanti_. -- /Thales/: Τι κοινοτατον; ελπις· και γαρ οἱς αλλο μηθεν, αὑτη παρεστι. /Lucanus/ II, 15: Liceat sperare timenti /Shakespeare/: The miserable have no other medicine, But only hope: Measure for Measure III, 1.
_Anacchariyam_ »unzweifelhaft«, »unerstaunlich«, hat mir /Hikkaḍuwe Sumaṉgala/ recht hübsch als _thokam abbhutam_ erklärt, /Subhūti/ dagegen künstlich gezwungen als _an-uccāriyam_. -- Das nur im Pāli, und auch da nur in einigen Reden erhaltene Wort _assutapubbam_ »nie zuvor gehört« hat dem Dichter _Bāṇas_ gar sehr gefallen, so dass er es in sein _Harṣacaritam_ als _aśrutapūrvatvam_ aufgenommen. Cf. Anm. 51.]
[Fußnote 133: Die selbe Gepflogenheit im Umgang mit Menschen von griechischen Weisen oft empfohlen; so von /Solon/: Σφραγιζε τουζ μεν λογους σιγῃ. Desgleichen sehr schön von /Makarios/: Ὁ νεν γαρ σιγων ωφελει, Apophthegm. ed. /Pritius/ p. 235. Auch von /S. Francesco/ als Evangelicum silentium der Brüder, »ut videlicet ab omni otioso verbo omni tempore abstinerent sollicite«, wie /Bonaventura/ im 5. Kapitel der Vita berichtet. -- Cf. Anm. 212.]
[Fußnote 134: Cf. Bd. II, Anm. 14; _Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 4 i. f.: _sarvaṃ jagad ātmatvena paśyaṃs tyaktāhaṉkāro brahmāham asmīti cintayann, idaṃ sarvaṃ yad ayam ātmeti bhāvayan, kṛtakṛtyo bhavati_. Kurz als Monogramm: _sarvatrātmaiveti paśyanti, Bhikṣukop._ i. f. -- Unter den heiligen Anachoreten der Bergschluchten, in Wald, Fels, Einöde gebirgauf vertheilt, gelagert zwischen Klüften, ertönt aus der tiefen Region des Pater profundus durch seine innig umfassende Naturerschauung zu Beginn der letzten Szene des Faust ein gleicher Vorklang empor:
So ist es die allmächtige Liebe, Die Alles bildet, Alles hegt. ]
[Fußnote 135: Cf. _Chāndogyopaniṣat_ III, 11, _{6}: _imām adbhiḥ parigṛhītāṃ dhanasya pūrṇām_. Eine gleiche Zonognosie bekanntlich in der Ilias und in der Edda.]
[Fußnote 136: altvedisches Gleichniss, e. g. im _Ṛk_ IV, 45, _{4}; cf. /Geldner/ in /Pischels/ Vedischen Studien 2. Bd. S. 180.]
[Fußnote 137: einer der drei begleitenden Mönche, mit welchen Anuruddho, wie eingangs erwähnt, selbviert geladen war.]
[Fußnote 138: Hiermit vergl. man die ähnlich gesteigerten, immer sublimierter, immer reinlicher befriedigenden Begriffe des sokratischen Eros, im Symposion des /Platon/ p. 210-212.]
[Fußnote 139: Vergl. _Theragāthā_ 927, _Yogacūḍāmaṇyupaniṣat_ v. 80 ͂= Theaitetos p. 144.]
[Fußnote 140: Vergl. Bd. 2, Anm. 70 über das _Kevaṭṭasuttantam_. Auch die verwandte _Tripādvibhūtimahānārāyaṇopaniṣat_ VI i. f., wo der _upāsakas_ immer höhere Gegenden ersteigend, immer höhere Kreise und Himmel erkundend endlich den _Ādinārāyaṇas_ antrifft, von ihm begrüßt wird »Du bist Brahmā: ich bin Brahmā« -- worauf dieser verschwindet und er selbst sich seiner bewusst ist. Ebenso /Eckharts/ Darstellung des „Klimmenden Geistes“, p. 275, und den Gang in den eigenen Grund, wo der Mensch einig geworden als vor tausend Jahren und als nach tausend Jahren und als im Nu verkehren und mitwirken mag: »unt daz ist wîsen liuten ze wizzene unde groben ze gloubenne«, p. 189-190. -- Vergl. schon das altvedische Aufsteigen zum Sonnenrade, e. g. _̀Satapathabrāhm._ I, 9, 3, _{15}: und wiederum /Eckharts/ Fliegen an das Rad der »gewâren sunnen«, p. 303.
Zum Gleichnisse von der hell brennenden Oellampe cf. _Triśikhibrāhmaṇopaniṣat_ v. 157: _nivātadīpasadṛśaḥ_ und ein Scholion zu _Maitryupaniṣat_ VI i. m.: _nirvātadeśasthapradīpaśikhāvadacalatayā’vasthānaṃ samādhiḥ_. Aehnlich noch _Maṇḍalabrāhmaṇopaniṣat_ II, 3 im Anf. (cf. Anm. 198), _Yogatattvop._ II, 4, _Bhagavadgītā_ VI, 19, etc. Auch /Makarios/, bei /Floss/ p. 197: »Sicut lampas splendida in loco tenebroso... sic monachus perfectus in sobrietate et castitate« etc. -- Form und Technik der indischen Lampe entspricht genau der griechischen. Von der antiken bis zur modernen Welt hat man die Metapher der Lampe immer gern gebraucht; auch in anderer Gestalt, z. B. in der 43., bez. 146. Rede unserer Sammlung, ferner in den Liedern der Mönche v. 906, der Nonnen v. 116, woselbst weitere Belege angemerkt sind. Wie beliebt solche Gleichnisse in Rom gewesen sein müssen erhellt aus dem 30. Briefe /Senecas/, wo er haec non tamquam nova, sed tamquam in rem praesentem perductus mit Wohlgefallen anführt, indem er, ganz wie Lieder der Mönche v. 702, das schöne Bild entwickelt: »Ignis qui valentem materiam occupavit aqua et interdum ruina extinguendus est; ille qui alimentis deficitur sua sponte subsidit.« Vergl. auch das Testament /Ephraems/ im Anf. Aus neueren Zeiten seien hier noch zwei Stellen aus den Relations de la mort de quelques réligieux de l’abbaye de la Trappe, Paris 1702, I. p. 171 u. II. p. 227 gegeben, wo es vom abbé /De Chastillon/ heißt »il cessa de vivre comme une lampe qui s’éteint et qui cesse d’éclairer«, und vom frère /Achilles/ »on le voioit diminuer de jour en jour et s’éteindre, pour ainsi dire, comme une lampe qui manque d’huile.«]
[Fußnote 141: »Krieget man mit mir und ich gibe ime als vil worte wider, daz er geswîgen muoz, sô hân ich niht überwunden, sô bin ich überwunden. Aber geswîgen ich von rehter diemüetikeit, sô hân ich überwunden. Mit überwindenne ist man überwunden, überwunden bliben hêt man überwunden.« /Eckhart/, p. 639. -- Zum ersten Verse cf. /Persius/ V, 52-53:
Mille hominum species et rerum discolor usus: Velle suum cuique est, nec voto vivitur uno. ]
[Fußnote 142: _Bālakaloṇakāragāmo._]
[Fußnote 143: Aehnlich hat das altlombardische Rittergeschlecht der /Trivulzio/ drei Gesichter, tre volti, im Wappen mit der Legende _mens unica_. Bemerkenswerth noch, wenn auch vielleicht hyperbolisch, ist was /Celano/ in seiner Vita S. Francisci, I, 8, genau so von den ursprünglichen Clarissinen berichtet: Praecipue namque ante omnia in eis viget virtus mutuae ac continuae charitatis, quae ita ipsarum in unum copulat voluntates, ut cum quadraginta vel quinquaginta pariter alicubi morentur, idem velle ac idem nolle unum in eis spiritum faciat de diversis. Der eigenen Einsicht aber sei endlich der ausführlichere, wundervolle Bericht über unsere Fünf Gottesfreunde vom Oberlande, um 1370, empfohlen, der wohl das innigste, zarteste, feinste Gegenstück zu den Anuruddhern darbietet und in solcher Vollkommenheit ohnegleichen dasteht: bei /Preger/, Gesch. der deutsch. Mystik Bd. III, S. 364-367.]
[Fußnote 144: Cf. /Celano/, l. c. 17: Dicebat enim (fratribus) eis ipse beatus pater, veram obedientiam fore non solum prolatam sed excogitatam, non solum imperatam sed desideratam; hoc est, si frater fratris praelati subditus non solum audiat vocem, sed comprehendat voluntatem, statim ad obedientiam totum se debet colligere ac facere quod eum velle signo aliquo comprehendet. Bald darauf berichtet er weiter: Sic enim eos repleverat sancta simplicitas, sic eos cordis puritas possidebat, ut duplicitatem animi penitus ignorarent; quia sicut una fides, ita unus spiritus erat in eis, una voluntas, una charitas, animorum cohaerentia, semper morum concordia, virtutum cultus, conformitas mentis, et pacis actionum. Ebenso auch schon /Makarios/, in der III. Homilie: Οφειλουσιν ουν οἱ αδελφοι, ει τι ποιουσι, εν αγαπῃ και χαρᾳ ειναι μετ’ αλληλων, κτλ.]
[Fußnote 145: _dassanañ ca rūpānam_: _rūpam_ = ειδος, Bild, Form, Umriss; cf. /Böthlingk-Roth/ ^{1}s. v. 1_e_. Es ist eine geistige Wahrnehmung der Grundbegriffe, d. i. der Urbilder der Dinge.]
[Fußnote 146: Wie einst ist auch heute noch schatzgraben in manchen Gegenden, z. B. an den alten, längst unter Wüstensand verschütteten, ehedem so blühenden gräko-buddhistischen Kulturstätten im Taklamakan des östlichen Turkestan gebräuchlich und zuweilen recht ergiebig. Cf. /Hoernles/ interessante Belege in seinen Antiquities from Central Asia, Journ. As. Soc. Bengal. Extra No. 1, 1899, p. XXVII.]
[Fußnote 147: Zum Anblick der Umrisse, der geistigen Wahrnehmung der Urbilder der Dinge, S. 297-303, cf. /Platons/ Ideenlehre; sowie Fausts Abstieg in den allertiefsten Grund, zur Gestaltung und Umgestaltung bei den Müttern (_Mahāmātaras_, _Lokamātaras_, Μεγαλαι θεαι, Matres materiae; Magna Mater, Mater deum Aestiorum, Nerthus, Nornen); dann _Tao-te-king_ Kap. 21. -- Vergl. auch die spätere Darstellung der Mütter in den Felsenhöhlen der Tempel, Ruinen und Torsi, so zu Elurā.
Es mag nebenher angemerkt sein, dass recht eigentlich hier das nachspürende, aufschürfende, sehr allmälig vordringende Verständniss jüngerer Epochen indischer Architektur und Skulptur, der autochthonen Meisterwerke, -- der Dutzenddurchschnitt und die barbarisch, d. i. fremdartig, persisch oder griechisch oder chinesisch behandelte Schablone verdient nur kulturhistorische Betrachtung -- einfahren und anbohren muss: weil eben zumal der indische Künstler geheimnissvoll wie die Natur einzig von innen nach außen geschaffen, gebildet, gestaltet hat und so bei all dem Ueberflusse und der unendlichen Fülle noch immer großartig, ja erhaben zu wirken vermag; und nun trotz der scheinbaren Regellosigkeit, die den erstaunten Gast oft wie bei /Rembrandt/ befremden wird, wirklich doch eine höhere Einheit und Ordnung erreicht ist. Aber wenn man große Maler ohne Anschauung der Originale kaum verstehn lernen, wenn man sich Pyramiden und Amenophien durch Bilder oder Modelle schwerlich gut vorstellen kann, viel weniger erst die Art und Wirkung jener hindustanischen Denkmale, die gar tief gegründet in der heimischen Erde wurzeln, aus dem Schooße ihrer Felsenklüfte und -grüfte emporgewachsen, hinangewölbt, so zu sagen aus dem Reiche der indischen Mütter an den Tag hervorgestiegen scheinen. Immerhin einen mächtigen Kontrast zur Wirkung dieser Architektur bieten unsere gothischen Dome, in Straßburg, Rheims, in Mailand, Toledo etc., deren felsige Gestalt bekanntlich als freie Weiterentwickelung des hindustanischen Grottenstils anzusehn, uns in Europa von den Arabern und Mauren maskiert übermittelt worden ist. Denn wo der Islam dabei irgend selbständig zuwerke gehn wollte, hat er lediglich zierlich nette Kleinschmiedearbeit zustande gebracht, nicht mehr und nicht weniger, selbst in den ungeheueren Dimensionen der mogulischen Moscheen und Mausoleen zu Delhi und Agra: während schon der erste beste gewöhnliche indische oder gothische Thurm unser Gemüth bedeutsam wie die Natur anspricht, als ein Monolith vor dem Altar der Gabenmutter Demeter oder der unerschöpflich reichen Diana der Epheser. Wenn also /Schopenhauer/ die, freilich zu seiner Zeit ganz unzulänglich gekannte, hindustanische Skulptur als bloß symbolisch bezeichnet hat, so wäre hier eben bei »des Lebens Bildern, regsam, ohne Leben«, wo »Alles Melodie wird« und Säulenschaft und Triglyphe klingen, vielleicht noch eine höhere, fast unbeschreibliche Aussicht und Einsicht erreichbar und etwa der Erinnerung zu gedenken:
Alles Vergängliche Ist nur ein Gleichniss. ]