Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 35

Chapter 353,159 wordsPublic domain

[Fußnote 19: der siam. Text hat richtig _jānamāno_; für _anupādiseso_ ist _saupādiseso_ zu setzen. -- Der Schluss der ärztlichen Rathschläge findet sich ebenso fein in einem Gleichnisse des /Aristoteles/ beobachtet: Ουτε γαρ ιατρος σκοπει ει δει ὑριεινειν η μη, αλλ ει περιπατειν η μη: Ethic. Eudem. lib. II. cap. XI. Zur ärztlichen Kunst, von welcher hier eine hübsche Probe gegeben, cf. auch die 75. Rede und No. 129 Anmerkung 157. -- Einer der berühmtesten Aerzte ist bekanntlich unser _Jīvako_ gewesen, zugleich ein feinsinnig gebildeter Geist, als den ihn die 55. Rede kundgiebt. Sein offizieller Rang als _kaumārabhṛtyas_, _komārabhacco_ ist von _kumāras_ Prinz abzuleiten: also der Prinzenarzt, d. i. der Hofarzt. Kaum nöthig zu betonen, dass _kumāras_ der Titel für Prinz ist; wie denn auch Asoko das Wort nur in diesem Sinne anwendet: cf. Dhauli No. I, 23, II, 1, Säulenedikt VII, 2, _{6} und /Bühlers/ Anmerkung _l_ hierzu, Epigraphia Indica II, 274. _Kumāras_ heißt wohl auch »Kind«, aber in demselben höfischen Sinne wie unser kint Ortlieb, Gîselher daz kint, wo erwachsene Prinzen gemeint sind, Nib. 1961, 1098, oder wie altenglisch Childe (cf. Harold). _Kaumārabhṛtyas_ etwa streng fachsimpelhaft als »Kinderarzt« ausweisen, wie noch /Jolly/, Medizin p. 68, ist daher nicht anders als ob man /D. Carlos/, Infant von Spanien, als »Kind von Spanien« übersetzen wollte. Barbarische Machwerke vom Schlage der /Bower/-Mss. etc., die nicht nur den Begriff des _kumāras_ verkannt haben, sind überhaupt für die Kunde der ächten wissenschaftlichen Medizin der Inder recht unfruchtbar, dienen vielmehr als Materialien zu einem Kodex der Quacksalberei, auch der Zaubermittel und Horoskopien, sowie einer indianisch germanistischen Kritiklosigkeit, die alles, altes und neues, meisterhafte Diagnosen wie scharlatanische Alfanzereien kunterbunt durcheinanderstreicht. Die Geschichte der indischen Medizin kann von keinem Philologen und von keinem Arzte, nur von einem, der beides ist und dazu noch ein halbes Gran vom Geiste /Bichats/ mitbringt, vielleicht einmal geschrieben werden: so nämlich wie /Colebrooke/ jetzt vor hundert Jahren mit der indischen Jurisprudenz den Anfang gemacht.]

[Fußnote 20: Vergl. die 67. Rede S. 205, die 22ste S. 260 der Uebersetzung. Dazu das patristische und dann das klassische Citat im Speculum monachorum /Bernardi Casinensis/, III 1 B 4 e: Lubricus est antiquus serpens et, nisi capite teneatur, statim totus illabitur. Et ideo dicit poeta [/Ovidius/]:

Principiis obsta; sero medicina paratur, Cum mala per longas convaluere moras. ]

[Fußnote 21: Lies mit dem siam. Texte _alañ ca me_.]

[Fußnote 22: Gesicht, Gehör, Geruch, Geschmack, Getast, Gedenken.]

[Fußnote 23: Eine Parataxis wie sie der zweite Theil der Rede giebt, _taṇhā sallam, avijjā visadoso, chandarāgavyāpādena ruppati_, erscheint gleichartig in der _Maitryupaniṣat_ VI i. m., _dhanuḥ śarīram, om ityetaccharaḥ, śikhā ’sya manas, tamo lakṣaṇam_. Vergl. auch Anm. 173. -- Das _nibbānam_, die Wahnerlöschung, Wunschlosigkeit, von √(van), _vana, vani_ = _vāna, vāni_, ist, wie /Robert L’Orange/ erkannt hat, zwar in die _Smṛti_ als _nirvāṇam_ übergegangen, wurde aber bald unverständlich, wie z. B. unsere 75. Rede zeigt, und daher später durch _brahmanirvāṇam_, i. e. _paramanirvāṇam_, nach dem Muster _brahmaṃ yānam_ = _paramaṃ yānam_, oder auch durch _bhoganirvāṇam_, wie _Harakelināṭake_ Taf. II Z. 36, glossiert. /Eckhart/, p. 578, hat das Selbe, aber positiv, gesagt: »Der allen sînen willen hât unde sînen wunsch, der hât fride.« Das Gleichniss von der Gesundheit findet sich bei ihm wieder, wenn er von uns kranken Leuten, von der kranken Natur und von dieser kranken Welt redet; ausführlich und merkwürdig genau unserem Texte entsprechend schon bei /Makarios/, dem Jünger des /Antonios/ und ersten christlichen Mönche, unter dessen Namen -- bereits /Eckhart/, p. 366, sagt »die heiligen veter Macharius unde die andern« -- uns Aufzeichnungen erhalten sind, De patientia et discretione cap. IX. Auch /Sokrates/ hat ganz ähnlich im Gorgias gesprochen.]

[Fußnote 24: Cf. Bd. 2, Anm. 76. Auch im 36. _Divyāvadānam_ als _Kalmāṣadamyam_ erhalten. Vielleicht auf der Humus das heutige Kamasin, im _Kurukṣetram_ der Jamna-Ebene, eine Tagesfahrt westlich von Allahabad. Schon bei /Ptolemaeus/ ist der Ort schlechthin als Καρμαρα, ungenau aber deutlicher als andere, überliefert, Geogr. Lib. VII. cap. I. § 91, No. 7.]

[Fußnote 25: Lies... _upādāya, sabbaṃ rūpam_. -- Die vier Hauptstoffe sind Erde, Wasser, Feuer, Luft. Vergl. die 28. Rede; besonders die Uebungen der 62sten.]

[Fußnote 26: Lies _nāhaṃ kvacani kassaci kiñcanatasmiṃ, na ca mama kvacani kismiñci: kiñcanaṃ nātthi_. -- »Er mir niht und ich ime niht« und »unbewegelîcher werden denne niht« sagt /Eckhart/, p. 508 u. 510.]

[Fußnote 27: Eine ähnlich wichtige und meisterhafte Darstellung der Gedanken dieser Rede ist im _Aṉguttaranikāyo_ X No. 29 theilweise weiter ausgeführt. Vergl. auch _Suttanipāto_ v. 759-761.

Die abschließende Mahnung _mā pamādattha_, wie noch in Nr. 8, 19 und 152, entspricht den letzten Worten Gotamos, als _appamādena sampādetha_ im _Dīghanikāyo_ Nr. 16 überliefert. Achthundert Jahre später vom großen /Antonios/ dem Eremiten wiederholt als μη εκκακειν εν τῃ ασκησει, nach des /Athanasios/ autoptischer Biographie, p. 56 der Ausgabe von 1611: und noch einmal als frohen Scheidegruß vor seinem Ende, den Jüngern zum Vermächtnisse, treu bewahrt von den andächtigen Freunden, χαιρον διελεγετο και παρηγγειλεν αυτοις· μη ολιγωρειν εν τοις πονοις, μη δε εκκακειν τῃ ασκησει, αλλ ὡς καθ’ ἡμεραν αποθνησκοντας ζῃν, ib. p. 116. -- Die vielmehr hindustanische als palaestinensische Natur dieses ächten /Antonios/ der Augenzeugen, der allerdings dem Zerrbilde frommer Lügner, Zeloten und Legendenjäger recht unähnlich sieht, kommt in der Sterbestunde ganz unverkümmert zum Vorschein, wo er allein mit den beiden Hauptjüngern, _aggasāvakā_ möchte man sagen, /Makarios/ und /Ammatas/, wieder auf seine entlegene Bergfeste zurückgezogen die Abmachung trifft, ihn verborgen zu begraben (vergl. Lieder der Mönche v. 919), und ihnen endlich den ebenso unchristlichen als rein buddhistischen Rath ertheilt, ζησατε προσεχοντες ἑαυτοις, και μνημονευοντες ὡν ηκουσατε παρ’ εμου παραινεσεων, l. c. p. 117, d. i. _attadīpā viharatha attasaraṇā anaññasaraṇā, dhammadīpā dhammasaraṇā anaññasaraṇā_: also die wörtliche Paraphrase eines der letzten Rathschläge Gotamos an Ānando, wiederum _Dīghanikāyo_ No. 16, 2. Abschnitt i. f.]

[Fußnote 28: »Willst du beschieden sein rechter Nothdurft?« -- »Ja.« -- »Das ist Brunnen und Brot und ein Rock: das ist rechte leibliche Nothdurft.« /Eckhart/, p. 461. -- Vergl. noch _Mahābhāratam_ XIV, 46, _{23} und _{32}.]

[Fußnote 29: ανθρωποι κενεης οιησιος εμπλεοι ασκοι: /Timonis Phliasii/ Sillus 14.]

[Fußnote 30: Die Pforten der Sinne verschlossen haben, sagt /Eckhart/, p. 624; auch hat er nach den fünf Sinnen das Denken als sechsten Sinn richtig erkannt, p. 109, 590.]

[Fußnote 31: Cf. Lieder der Mönche Seite 306 Anm. 1. -- _̀Sukasaptati_ 52:

Prajñāvisphāritākṣāṇāṃ vidravanti vipattayaḥ hastodyatapradīpānām andhakāra ivāgrataḥ. ]

[Fußnote 32: Ein ganz erstaunliches, bis in die feineren Einzelheiten deutlich erkennbares Spiegelbild dieser Rede stellt /Platons/ Menon dar; sogar findet man da, auch gegen Ende des Dialogs, unseren Weg nach _Rājagaham_ als Weg nach Larisa, und unseren Wegweiser, _maggakkhāyī_, als ἡγεμων επι το ορθον wieder.

Zum liebevollen Herzen, S. 78 passim, cf. zumal die 62. Rede S. 144 bis 146 und die vier Allegorien der 21. Rede. Dieselben wurden, z. Th. wörtlich, in die ̀Sruti aufgenommen; so die zweite, vom weiten, tiefen, unbeschränkten, himmelsraumgleichen Gemüthe, als _vyomavannirupādhikaḥ_ in die _Varāhopaniṣat_ II, 53. Letzteres Bild auch bei /Eckhart/, p. 222: »Der himel enmac keinen fremden îndruk enpfangen, ime mac kein pînlîchiu nôt în gedrücket werden daz in entsetze: alsô muoz diu sêle gevestet unde bestêtet sîn« etc. Vergl. noch die 127. Rede, Anm. 134.]

[Fußnote 33: Lies mit dem Texte _dhammasāmaggiyā_.]

[Fußnote 34: Im Text ist hier eine Wiederholung von Frage und Antwort interpoliert.]

[Fußnote 35: Ebenso /Eckhart/ ‚hören und behalten‘; fünfmal auf einer Seite, 290.]

[Fußnote 36: Ein Gleiches berichtet der Doctor seraphicus vom Professor paupertatis, Vita, cap. V. vorletzter Absatz.]

[Fußnote 37: Και γαρ και τουτο μν μεγα της ασκησεως του Αντωνιου, ὡτι χαρισμα διακρισεως πνευματων εχων, επεγινωσκεν αυτων τα κινηματα· και προς ὁ τις αυτων ειχε την σπουδην ηαι την ὁρμην, τουτο ουκ ηγνοει]: /Athanasios/ p. 113.]

[Fußnote 38: Vergl. /Makarios/, Homil. XXXIII fin. & XIV § 6 i. f.: ουτε ... ὁραται τοις σαρκικοις οφθαλμοις, τοις δε πνευματικοις φαινεται, τῳ οφθαλμῳ της καρδιας, και ἡ σατανικη του σκοτους και ἡ φωτεινη της θεοτητος.]

[Fußnote 39: Νυν δ’ εμοι μεν ὡρα ποι ιεναι: von /Platon/, ebenso gern wie bei uns, am Ende gewisser Dialoge idiomatisch gebraucht, bei Menon, Theaitetos, Protagoras, Laches etc.]

[Fußnote 40: Der Topus vom himmlischen Gehör, S. 88, ist auf _Chāndogyopaniṣat_ V, 1, _{4} gegründet: _Yo ha vai sampadaṃ veda, saṃ hāsmai kāmāḥ padyante daivāśca mānuṣāśca: śrotraṃ vā va sampat_. Ja, er reicht in eine weit fernere Vergangenheit hinauf, da wir schon im _Sāmavidhānabrāhmaṇam_ (I, 8) beide Arten der Töne, die himmlischen und die irdischen, die der Götter und die der Menschen, zugleich mit den fünf übrigen der diatonischen Skala, der Reihe nach absteigend bis zu den Geistern, Thieren, Dämonen, Bäumen und Kräutern, als Substrat der ganzen Welt -- wie später den _praṇavas (om)_ oder den pythagorischen αριθμος -- genannt hören.

Dem einsam nachdenkenden Hüter und Hirten, S. 91, steht der thätig erfahrene Hüter und Hirt der 33. u. 34. Rede gegenüber: ὁ ποιμην ὁ καλος des Ev. Joh. X. 12-18 (Luk. XV, 4-6), der ebenso beliebte als problematische »gute Hirt«, schon auf einem Fresko der Lucina-Krypte zu Rom aus dem Anfange des 2. Jahrh. pompejanisch anmuthig nachgebildet; während auf den etwa 300-350 Jahre älteren asokischen Skulpturen zu Sāñci, Barāhat etc. anstelle der Heerdenbehütung das strengere Motiv der Einsamkeit im Wildparke prototypisch behandelt ist.]

[Fußnote 41: Das Axiom _eso ’ham asmi_ ›Das bin ich‹ kann auf _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ I, 4, _{1} so _’ham asmi_ etc. Bezug haben; _n’etam mama_ ›Das gehört mir nicht‹ ιδιον τε μηδεν ἡγεισθαι, /Pythagoras/ bei /Diog. Laert./ VIII, 23. Ebenso »Thou art not thyself«, Measure for Measure III, 1, _{19}. -- Die topische Frage und Antwort am Schlusse dieser und ähnlicher Reden (vergl. namentlich die 146ste) ist der Strophe und Gegenstrophe im chorischen Dialog am Schlusse der Perser des /Aischylos/ vollkommen koordinat.]

[Fußnote 42: Cf. _Manus_ II, 147 f; _opapātiko: utpādayati yasmiṃ saḥ_. Vergl. bes. noch _Vasiṣṭhas_ II, 5.]

[Fußnote 43: Zum _ādiśrautam_ von der Saat und Ernte cf. die Rede nebst Anm. 176. Bekanntlich in die synoptischen Evangelien aufgenommen; bei uns am schönsten von /Gottfried/ im Tristan ausgesprochen, ed. pr. v. 12239 f.:

Wir muezen snîden unde maejen Daz selbe, daz wir dar gesaejen.

Die Bemerkung, dass Gute gleich und ungleich, Schlechte auch nicht gleich und gleich zu erkennen vermögen -- ähnlich wie Korinth. I, 2, _{14, 15} eine Vertiefung des antiken Axioms vom Gleichen für Gleiches, das z. B. bei uns im ersten Theile der 105. Rede, S. 56-59, ausgeführt ist -- wird von den beiden Asketen gegen Ende des vierten Aktes der _̀Sakuntalā_ bestätigt, _vanaukaso ’pi santo laukikajñā vayam_, und _na khalu dhīmatāṃ kaścid aviṣayo nāma_; bei uns vom ehrwürdigen Illuministen /Merswin/, im Buche von den Neun Felsen p. 115: »dis sint menschen, die der welte unbekant sint, abber die weit ist diesen menschen gar wol bekant.«

Das Hauptergebniss, ‚Den Guten gesellt sein‘, eine Erinnerung, die in unseren Texten immer wiederkehrt, ist am Ende der 75. Rede mit lakonischer Meisterschaft entwickelt. Es ist derselbe Satz, den /Aristophanes/ in den Sphekes 1238 citiert, τους αγαθους φιγει, und den der Chor 1457/61 ausführt:

το γαρ αποστηναι χαλεπον φυσεος, ὁν εχοι τις αει. Καιτοι πολλοι ταυτ’ επαθον· ξυνοντες γνωμαις ἑτερον μετεβαλλοντο τους τροπσυς. ]

[Fußnote 44: Analog von /Diogenes/ deutlich erkannt, ὁς ελεγε, μητε εν πολει πλουσιᾳ μητε εν οικιᾳ αρετην οικειν δυνασθαι, /Stob/. Flor. XCIII, 35.]

[Fußnote 45: _gāmadhammo_ gemein, im _Rāmāyaṇam_ und _Bhāratam_ ebenso _grāmyadharmas_, ein recht zutreffender Ausdruck, wörtlich: dorfartig, d. i. (mhd) doerperlich; nämlich αγροικος, rusticus, villanus, villano, vilain: country matters, wie Hamlet (III, 2) dieselbe Sache ebenso bezeichnend sagt. Dagegen _agrāmyatā_ »Ungemeinheit«, d. i. edle Sitte, hovischeit, kurtoisîe.]

[Fußnote 46: _porī_ wörtlich: städtisch, πολιτικος; nämlich αστειος, urbanus, also nach heutigem Sprachgebrauche höflich, poli: auch dem bäuerisch u. s. w. widergesetzt, aber nur formal, _kṛtrimam_, gegenüber dem realen Begriffe, _svābhāvikam_, der vorangehenden Erklärung.]

[Fußnote 47: Cf. /Makarios/, Homil. XXX § 6 i. f.: Η ὡσπερ πετεινον, επαν εν ὑψει πετασθῃ, αμεριμνον εστιν, κτλ. Ein ähnliches Gleichniss von der Seele als einer unbeschwerten Flaumfeder bei /Eckhart/ p. 360. Vergl. noch Relations etc. de la Trappe, Paris 1702, I. p. 11: »Je suis comme une feuille, que le vent enleve de dessus la terre«; Lieder der Mönche v. 104.]

[Fußnote 48: Vergl. /Athanasios/ über /Antonios/, Vita p. 92: Ουδεποτε γαρ εταραττετο, γαληνιωσης αυτου της ψυχης· ουδεποτε σκυθρωπος εγινετο, χαιρουσης αυτον της διανοιας. Dann /Celano/ (Vita II, cap. 65 & 68) über /S. Francesco/: Tutissimum remedium contra mille inimici astutias laetitiam spiritualem sanctus iste firmabat. -- Studebat proinde sanctus in iubilo cordis semper existere, servare unctionem spiritus oleumque laetitiae. Morbum accidiae pessimum summa cura vitabat. -- Pro generali commonitione in quodam capitulo scribi fecit haec verba: Caveant fratres, ne se ostendant extrinsecus nubilosos et hypocritas tristes, sed ostendant se gaudentes in Domino, hilares et iucundos, et convenienter gratiosos. -- Wie sein »lieber herre sant Franciscô« hat in diesem Sinne auch Meister /Eckhart/ (p. 467) gesagt, »daz der mensche nimmer cleglich wort gesprichet... daz er nimmer mê ervrewet wird: er ist selber diu vreude.«]

[Fußnote 49: τον εσωτεραν ερημον Αντωνιου, p. 68.]

[Fußnote 50: Der siam. Text hat richtig _samanupassāma_. -- Zum Topus _kataṃ karaṇīyam_, »Gewirkt das Werk«, cf. Lieder der Mönche v. 541 Anm.; und die selben Worte /S. Francescos/ in seinen letzten Tagen: »Ego quod meum est feci.« -- Die Unterscheidung, bez. Unterscheidungen, S. 119 passim, entsprechen ganz prachtvoll der ειδοποιος διαφορα, bez. den διαφοραι des /Aristoteles/; auch der platonischen επιστημη διαφορτητος. Vergl. noch p. XXIII-XXV meiner Buddhistischen Anthologie; und die letzte Anmerkung zur 64. Rede. Gegensatz: »Ein ding ân’ underscheide«, wie es bei uns schon /Gottfried/ als höchsten Begriff der Einheit giebt, Tristan v. 18358. Ueber das Anhangen, bez. die fünf Stücke des Anhangens, ibid., sagte mir einmal /Robert L’Orange/: »Die ‚Theologia deutsch‘ enthält das häufig wiederkehrende Wort ‚Annehmen‘, ‚Sich-einer-Sache-annehmen‘, und unter diesem Wort beschreibt der Frankfurter das buddhistische _upādānam_.« Ebenso spricht der Hochheimer, der große /Eckehart/: »Dir ist nôt vor allen dingen, daz dû dich nihtesniht annemest« p. 22; p. 634 mit dem Gleichnisse vom Hagedorn, der nur glatt geschlichtet durch das Heu dieser kranken Welt ohne anzuhaften hindurchgezogen wird; p. 561: »waz an dir und in dir ist, ez ist allez gar siech unde verdorben.« Etc. Endlich sei noch auf /Merswins/ Buch von den Neun Felsen verwiesen, wo p. 105 das ledig und unangenommen stehn erörtert ist.]

[Fußnote 51: Es ist gleich _uḷārabhogakulā_ zu lesen; vergl. die 96. Rede, ed. Siam. p. 592. -- Cf. das _kulagṛham_, _Ṛtusaṃhāre_ VI, 21, zumal die _kulīnatā_, _Harṣacarite_ ^{2}p. 168. Die Liste seltener Wörter aus dem zweitgenannten Werke, die /Thomas/ im Journal Roy. As. Soc. 1899 p. 485-517 zusammengestellt hat, weist denn auch manche lehrreiche Pālizismen auf, wie _piṇḍapātī_ u. a. Letzteres Wort ist mir noch _Yogaśikhopaniṣadi_ I, v. 124 begegnet, ed. Bomb.]

[Fußnote 52: Das _bāhusaccam_, bez. _diṭṭhupādānam_ im allgemeinen, den Hang zur Vielwisserei, hat /Robert L’Orange/ treffend erklärt als »die Gelehrtenkünstlerdichterphilosophenweiseneitelkeit, das sich zueignen jeder intellektuellen Eigenschaft, von der falschen, aber blendenden und vor der Welt glänzenden Philosophie des _puthujjano_ bis zur Weisheit des _dhammānusārī_«.]

[Fußnote 53: _piṇḍapātiko_, der von Haus zu Hause schweigend hintritt, einen Brocken, einen Bissen abzuwarten, einzusammeln; cf. _Theragāthā_ 849 f. -- Vergl. /Celano/ (Vita II, cap. 17) über /S. Francesco/: Pater sanctus utebatur eleemosynis ostiatim quaesitis multo libentius quam oblatis; verecundiam mendicandi inimicam saluti dicebat, verecundiam in mendicando eam, quae pedem non retrahit, sanctam esse confirmans.]

[Fußnote 54: Cf. die 65. Rede, Anfang. -- Ησθιεν τε ἁπαξ της ἡμερας: /Antonii/ Eremitae Vita p. 13.]

[Fußnote 55: »Sit vobis, fratres, non cibus sed caritas in exemplum«, hat /S. Francesco/ gesagt und es, wie oben, den Brüdern oft wiederholt: »De omni eo quod peccator potest, nemo sibi debet iniquo applausu blandiri. Peccator ieiunare potest, orare, plangere, carnemque propriam macerare; hoc solum non potest, Domino scilicet suo esse fidelis.« /Bonaventura/ cap. 5-6; /Celano/ II, 74. Gleichwohl aber hat auch /S. Francesco/ als guter Mensch die strenge Observanz geübt: cum quandoque corpusculum suum somni beneficio recrearet, sedens saepius nec aliter se deponens dormiebat, pro cervicali ligno vel lapide utens. /Celano/ I, 19.]

[Fußnote 56: Zum Unbestand cf. das Unzulänglich der 66. Rede, in fine; dann auch die 28., die, nebenbei gesagt, in der recht buddhistischen Einleitung zum 3. Buche der _Yājñavalkyasmṛti_ gut monographiert ist: _gantrī vasumatī nāśam udadhir daivatāni cādi._ -- Es ist mit dem siam. Texte _agammayatā_ zu lesen; die Variante _atammayatā_ ‚Unmittelbarkeit‘ (vergl. die 137. Rede gegen Ende) passt hier nicht, wäre _sīlasmiṃ_, wie _tammayo_ in der 47., _sīlamayo_ in der 78. Rede. Aehnlich _Tejabindūpaniṣat_ v. 4: _agamyagamyakartā: a^0, yadanyair agamyaṃ sthalaṃ tad api prayatnena gamyaṃ karoti yaḥ saḥ._ Desgl. /Merswin/, bei den Neun Felsen. -- Der Spruch = _Suttanipāto_ 588, 757 _a b_. Die _ariyāvāsāgammayatā_ mag nach dem Ende der 53. Rede, p. 358, _vijjāsampanne_ gelten: die vorangehende _paṭipadā_ aber _caraṇasampanne_; beide zusammen also _vijjācaraṇasampanne_.]

[Fußnote 57: Cf. das Gleichniss von den reflektierten Sonnenstrahlen, _Saṃyuttakanikāyo_ vol. V. p. 218.]

[Fußnote 58: Der letzte Absatz ͂= _Bṛhadāraṇyakopaniṣat_ II, 4, letzter Absatz.

Das Gesetz der Wandelbarkeit, von dem diese Rede handelt, arbeitet eigentlich schon mit den variablen Infinitesimalen, wie sie den Indern von alters her geläufig waren (cf. _kuṭṭakādi_); das selbe Gesetz wird in der 137sten, bei Darstellung der sechsunddreißig Fesselpfade, seinem Inhalte nach genau gekennzeichnet. Es ist, beiläufig bemerkt, auch von /Epicharmos/ richtig erkannt worden, Fragm. philos. Graec. ed. /Mullach/ vol. I. p. 142:

εν μεταλλαγᾳ δε παντες εντι παντα τον χρονον· ὁ δε μεταλλασσει κατα φυτιν κωυποκ’ εν τωυτῳ μενει.

Desgleichen von /Seneca/ in seinem durchaus indischen 36. Briefe: omnia quae videntur perire mutari.]

[Fußnote 59: Mit _antamaso mālāguṇaparikkhittā pi_, bis herab zu der blumengeschmückten Tänzerin, vergl. man die Parallele _antamaso tiracchānagatāya[*] pi_, bis herab zur thierischen Liebe, nämlich mit einer Dirne -- nicht etwa „mit einem Thier“, wie noch /Oldenberg/ hat, Buddha, 3. Aufl. S. 401, nach /Spiegel/, _Kammavākyam_ p. 9, etc. Diese Berichtigung stammt von /Robert L’Orange/.]

[*: _tiracchānagatā_ = gemeine Person, cf.: _tiracchānakatthā_ = gemeines Gespräch.]

[Fußnote 60: Vergl. _Yājñavalkyadharmaśāstre_ II, 77: _na dadāti ca yaḥ sākṣyaṃ jānannapi_ etc.]

[Fußnote 61: Κρατης λεγεται ὁ Θηβαιος τοις στασιαζουσιν οικοις επιφοιτων λογοις ειρηνης διακρινειν τας εριδας.]

[Fußnote 62: Ein solches Betragen wie hier dargestellt, und wie es Asoko vom ersten bis zum letzten seiner Edikte praktisch verherrlicht, hat /Platon/ als Orphisches Leben beschrieben; wozu /Erasmus/ in den Adagia s. v. sehr schön bemerkt: »Orphicam vitam /Plato/ libro de legibus sexto [_p. 782_] dixit vitam innoxiam, et a luxu sanguinolentisque dapibus puram. -- Videtur /Orpheus/ hoc connatus apud Thraces, quod /Pythagoras/ tentavit apud Ionios, /Numa/ apud Romanos.« Unter den Thrakern sind vornehmlich die asketischen Κτισται zu verstehn, von denen /Poseidinios/, bei /Strabo/ p. 296, ausführlich berichtet und sie δικαιοτατους ανθρωπους nennt.[**] In diesem Zusammenhange darf hier noch an die trefflichen beiden Reden /Plutarchs/ über die Sarkophagie erinnert und endlich auch der drei Merkmale gedacht werden, die /Manes/, der Brāhmane und Jünger des _Buddas_, als welchen ihn /Suidas/ bezeichnet, dem Christenthum viel zu edel und unkirchlich zugrunde legen mochte.]

[**: Das Lob jener rechtschaffenen Menschen ist schon in der Ilias XIII Anf. gepriesen, bei /Strabo/ nur wiederholt.]

[Fußnote 63: _atthi yiṭṭham_ = _yaṣṭavyam iti nirṇayas_, 60. Kap. _̀Sāntiparvaṇi_.]

[Fußnote 64: Es ist richtig, wie vol. I. p. 390, passim, 0_bajjham_ zu lesen. Zum Begriffe des _pariniṭṭhitabhāvo_ cf. den _pariniṣṭhitakāryas_ im _̀Sāntiparva_, loc. cit. v. 20. -- Das heilsame Bemühn ähnlich bei /Pindar/, letzte Pythionike i. f.: ει δε τις ολβος εν ανθρωποισιν, ανευ καματου | ου φαινεται.]

[Fußnote 65: Ausführung und Wiederholung gehört in die Sphäre des späteren _Vaipulyam_.]

[Fußnote 66: Mit dem Inhalte dieser Rede ist die siebzehnte des ersten Bandes zu vergleichen; auch das _Dvayatānupassanāsuttam_ des _Suttanipāto_.

Der Topus von der kurzen und von der ausgeführten Darstellung, _saṉkhittena_ und _vitthārena_, wie oben und oft gebraucht, ist auch bei Asoko auf seinem letzten Felsenedikte als _saṃkhitena_ und _vistat[e]na_ wiederzufinden.]

[Fußnote 67: Aehnlich bei /Seneca/, epist. LXXV. i. f., des Weisen tranquillitas animi et, expulsis erroribus, absoluta libertas; non homines timere, non deos; in se ipsum habere maximam potestatem: inaestimabile bonum est suum fieri. Kürzer und noch genauer von /Demokritos/ als σοφιη αθαμβος αξιη παντων gekennzeichnet, τιμιωτατη εουσα. -- Vergl. Anm. 132; Lieder der Mönche v. 187.]

[Fußnote 68: Vergl. die 9. Rede, S. 86 der Uebersetzung.]

[Fußnote 69: Der Text der P. T. S. ist hier, wie passim, unbrauchbar.]

[Fußnote 70: _nāmarūpam_, ein _dvaṃdvasamāsas_, dessen letztes, nach indischem Usus wichtigere Glied voran zu übersetzen ist. -- Die Erläuterungen der Kommentatoren, wie _Buddhaghoso_ im _Visuddhimaggo_, haben natürlich wenig Werth; vielmehr die schönen _nāmarūpam_-Parallelen und -Gleichnisse der alten Upanischaden, die man nach /Jacobs/ _Upaniṣadvākyakośas_ aufsuchen mag: wo eben wie bei uns »Bild und Begriff« überall zutrifft. Cf. auch Anmerkung 90 und Längere Sammlung Bd. II, S. 99.]

[Fußnote 71: Vergl. _Mahābhāratam_ XIV, 44, 20: _sarvaṃ kṛtaṃ vināśāntam_, und _Yogasūtram_ II, 15: _pariṇāmatāpasaṃskāraduḥkhair, guṇavṛttivirodhācca, sarvaṃ duḥkham eva vivekinaḥ_.]

[Fußnote 72: »alle crêatûre tragent inne bitterkeit«: /Eckhart/ p. 300.]

[Fußnote 73: »each thing’s a thief« heißt es, positiv, im Timon IV, 3, gegen Ende.]

[Fußnote 74: der Erderoberer, _cakkavattī_, schon _Maitryupaniṣat_ I, 4 genannt und als _sārvabhaumas_ erklärt; in späteren Zeiten dafür _pṛthivīvallabhas_ allgemeines _virudam_. Cf. /Fleet/ in der Epigraphia Indica vol. VI, p. 168, Anm. 6, zu welcher man noch _Vikramorvaśīyam_ IV, v. 19 beifügen mag, wo sich der König zu erkennen giebt als

svayaṃ vṛtaḥ patir dvābhyām, Urvaśyā ca bhuvā ca yaḥ. ]