Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 34

Chapter 343,251 wordsPublic domain

Da begab sich denn Uttaro, ein junger Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, zum Erhabenen hin, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit dem Erhabenen und setzte sich seitwärts nieder. An Uttaro den jungen Brāhmanen, den Schüler Pārāsariyos, der da zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:

»Lehrt, Uttaro, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«

»Es lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«

»Auf welche Weise, Uttaro, lehrt wohl Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben?«

»Da sieht man, o Gotamo, mit dem Auge keine Form und hört mit dem Ohre keinen Ton: also lehrt, o Gotamo, Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben.«[216]

»Ist es also, Uttaro, dann mag ein Blinder Gewalt über die Sinne haben, und mag ein Tauber Gewalt über die Sinne haben, dem Worte des Priesters Pārāsariyo gemäß: denn ein Blinder, Uttaro, sieht mit dem Auge keine Form, und ein Tauber hört mit dem Ohre keinen Ton.«

Also beschieden blieb Uttaro, der junge Brāhmane, der Schüler Pārāsariyos, verstummt und verstört, die Schultern gebeugt, den Kopf gesenkt, sprachlos vor sich hinstarrend sitzen. Und der Erhabene sah wie Uttaro also dasaß und wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:

»Auf andere Weise, Ānando, lehrt eben Pārāsariyo der Priester den Jüngern die Sinne in der Gewalt haben, und auf andere 489 Weise wieder hat man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.«

»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit, dass der Erhabene zeige, wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat: des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«

»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Wie also hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein scharfsehender Mann blicks die Augen aufschlagen und schließen, blicks die Augen schließen und aufschlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden 490 bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann gar leicht einen Schnalzer schlagen kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Nase einen Duft gerochen und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, auf einem leicht geneigten Lotusblatte Wassertropfen herabgleiten, keinen Halt finden: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit der Zunge einen Saft geschmeckt und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, 491 wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann an der Spitze der Zunge einen Speichelball ansammeln und ohne Mühe ausspeien kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säften.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Leibe eine Tastung getastet und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, ein kräftiger Mann seinen eingezogenen Arm ausstrecken oder seinen ausgestreckten Arm einziehn kann: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen.

»Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird 492 angenehm und unangenehm bewegt. Und er erkennt: ›Bewegt worden bin ich da angenehm, bewegt worden unangenehm, bewegt worden angenehm und unangenehm: das aber ist zusammengesetzt, ist grob geartet, bedingt entstanden; es giebt eine Ruhe, es giebt ein Ziel, und zwar den Gleichmuth.‹ Und das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein hört bei ihm auf, der Gleichmuth hält an. Gleichwie etwa, Ānando, wenn ein Mann auf eine tagüber am Feuer glühende eiserne Pfanne zwei oder drei Wassertropfen herabträufeln ließe -- langsam, Ānando, wäre der Fall der Tropfen, aber gar eilig würden sie aufgelöst und verschwunden sein --: ebenso nun auch, Ānando, kann wer da also rasch, also eilig, also mühelos das angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein bei sich aufhören lässt den Gleichmuth anhalten lassen. Das heißt man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt haben, bei den durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen. -- So aber hat man, Ānando, im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt.

* * * * *

»Wie aber ist man, Ānando, als Kämpfer vorgeschritten? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. Er hat mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und vor diesem angenehm bewegt sein, unangenehm bewegt sein, angenehm und unangenehm bewegt sein kommt ihn ein Grauen an, Entsetzen an, Abscheu an. So aber ist man, Ānando, als 493 Kämpfer vorgeschritten.

»Wie aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig? Da hat, Ānando, ein Mönch mit dem Auge eine Form gesehn und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahr bleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. Weiter sodann, Ānando, hat ein Mönch mit dem Ohre einen Ton gehört, mit der Nase einen Duft gerochen, mit der Zunge einen Saft geschmeckt, mit dem Leibe eine Tastung getastet, mit dem Geiste ein Ding gedacht und wird angenehm bewegt, wird unangenehm bewegt, wird angenehm und unangenehm bewegt. Und wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Widerwärtigem und Unwiderwärtigem will ich unwiderwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei unwiderwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Bei Unwiderwärtigem und Widerwärtigem will ich widerwärtig gewahrbleiben‹, so bleibt er dabei widerwärtig gewahr; wenn er sich wünscht: ›Widerwärtiges 494 und Unwiderwärtiges, beides will ich von mir weisen und gleichmüthig bleiben, besonnen, klar bewusst‹, so bleibt er dabei gleichmüthig, besonnen, klar bewusst. So aber ist man, Ānando, als Heiliger sinnesgewaltig.

* * * * *

»Und so hab’ ich, Ānando, gezeigt wie man im Orden des Heiligen die Sinne in höchster Gewalt hat, gezeigt wie man als Kämpfer vorgeschritten ist, gezeigt wie man als Heiliger sinnesgewaltig ist. Was ein Meister, Ānando, den Jüngern aus Liebe und Theilnahme, von Mitleid bewogen, schuldet, das habt ihr von mir empfangen. Da laden, Ānando, Bäume ein, und dort leere Klausen. Wirket Schauung, Ānando, auf dass ihr nicht lässig werdet, später nicht Reue empfindet: das haltet als unser Gebot.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.

ANMERKUNGEN

[Fußnote 1: _Devadaham_, i. e. Deorum lacuna. Der Ort ist auch im _Mahāvaṃso_ II, v. 16 als _Devadaho_, im _Mahāvastu_ I, p. 355 f. als _Devaḍaho_, und _Jātakam_ I, p. 52 als _Devadahanagaram_ gut überliefert. Noch heute führt die Straße über die Ruinen von _Kapilavatthu_ nach Rummin-deī, dem einstigen _Luṃminī_, und von da ein paar weitere Tagereisen hinauf ins Gebirge bis zur sakkischen Gränzfeste, der stolz emporragenden Burgstadt Deonyagarh, wie sie gegenwärtig heißt. Die Angabe eines chinesischen Pilgers, der Weg von _Kapilavatthu_ nach _Devadaham_ betrage 800 _li_ (ca. 350 km), von /Watters/ im Journal Roy. As. Soc. 1898 p. 547 mitgetheilt, wird daher der Wahrheit ziemlich nahegekommen sein. -- Vergl. unser Göttweig, von vicus, wîch: der Götter Hof, hoch auf steilem Felsen, gegenüber Stein an der Donau gelegen; (schott.) Lochnagar, Interlaken, Laach etc., von lacus. Die Ruinen von _Devadaham_ mögen dermaleinst unter dem heutigen Deonyagarh aufgefunden werden, sobald nur erst Männer wie /Prinsep/ oder /Cunningham/ wieder am Werke sind. Wenn Babu /Mukherji/ noch jüngst nahe bei Rummin-deī danach gesucht, Report on etc. Antiquities in the Tarai etc. (Archaeological Survey of India XXVI 1 Imp. Ser.), Kalkutta 1901, S. 58, so hat er eben den gänzlich unwissenschaftlichen, bloß willkürlichen Behauptungen von Leuten wie Major /Waddell/ und /Vincent A. Smith/ muthlos gehorcht, ohne auch nur den Versuch eigener Quellenuntersuchung zu wagen: weil ja historisches Forschen und Verstehnlernen mehr noch als dem alten dem modernen Inder versagt ist. Die neu von ihm gelieferten, leider nur spärlichen photographischen Aufnahmen in situ der zumeist schon von dem ehemaligen Jesuiten und trotz der argen Anschuldigungen immerhin verdienstvollen /A. Führer/ entdeckten Reste und Alterthümer aus der sakkischen, künstlerisch ungemein hoch stehenden Periode sollen dagegen mit lebhaftem Danke begrüßt werden. -- Auf Tafel XXVIII findet man die in der 109. Anmerkung erwähnte krystallene Phiole sowie die Urne mit der Inschrift nebst den anderen drei im selben Sarkophage (_salilanidhanam_ Leichenschrein) verwahrt gewesenen Reliquiengefäßen photograviert. Die von mir a. a. O. vorgebrachte Hypothese einer geographischen Differenzierung von _Sakko_ und _Sakyo_ lässt sich durch unsere Manuskripte und Inschriften doch wohl nicht genügend stützen.]

[Fußnote 2: »ez ist allez ein vorgewürket dinc«, sagt Meister /Eckhart/, ed. /Pfeiffer/ p. 487, in Uebereinstimmung mit dieser alten, auch nach _Aupapātikasūtram_ § 129-155 und _Sarvadarśanasaṃgrahas_ 3. Kap. gegen Ende, von den _Jainās_ angenommenen Upanischadenlehre, die, im _Bṛhadāraṇyakam_ noch als Geheimniss behandelt, später Gemeinplatz wurde, wie e. g. im _Kathāsaritsāgaras_ 40, _{113} _prākkarmopārjitaṃ sarvam eva śubhāśubham_, fast wörtlich wie oben ib. _{41} _sarvaṃ tiṣṭhati pūrvakarmavaśād eva_.]

[Fußnote 3: Zu _sallena savisena gāḷhapalepanena_ cf. _Ṛgvedas_ X, 87, _{23} _viṣeṇa tigmena śociṣā_. -- In Griechenland die philoktetischen Pfeile; im /Horaz/ die venenatis gravida sagittis pharetra, Carm. I, 22. Auch parabolisch: »glühend bittre Pfeile«, wie Faust II im Anf.]

[Fußnote 4: _Puna ca param_ bis _parisodheti_ ist hier, wo bereits der Mönch dargestellt, übernommene Einschaltung: lies _Puna ca param bhikkhave bhikkhu vivicc’ eva kāmehi viviccādi_. -- Zum vorhergehenden Gleichnisse cf. die 109. Anmerkung.]

[Fußnote 5: Diese Rede ist eine gründliche, wenn auch nicht allzu leicht verständliche Exposition ideal immanenter Betrachtung gegenüber der real transscendenten der Freien Brüder. Laetus in praesens animus quod ultra est oderit curare. Vergl. auch den 14., 56. und andere verwandte Dialoge.

Die Schmerzensaskese der Freien Brüder, Stetigsteher und anderer Büßer findet man insbesondere in der 45. und 57. Rede ausführlich geschildert: Gebräuche, die noch heute in Indien und gelegentlich, en miniature, sogar bei uns üblich sind; wie z. B. die alljährliche Springprozession zu Echternach zeigt. Και ταυτη Ινδων επανεληλυθυια, nach /Suidas/ über /Theophilos/.

Zur Lehre _āyatim anavassavo_ »Ferner kein Zufluss« cf. die 67. Rede S. 202 u. d. Anm. 58; auch _Annapūrṇopaniṣat_ V, v. 71 _duḥkhasyāvasaras_ und des apokritischen /Makarios/ θαλαττα του βιου und πελαγος της θνητης ζωης, ed. /Blondel/ p. 72, des /Makarios/ Aigyptios διελθειν και ὑπερβηναι και διαπερασαι την πικραν θαλασσαν της ἁμαρτιας, Homil. XLIV § 6, ed. /Pritius/ p. 508.

Gute, unseren und den jinistischen Texten entsprechende Darstellungen büßend beharrender Stetigsteher, d. i. Freier Brüder, bieten die zahlreichen Kolossalstatuen in den Felsenwänden und -grotten auf dem Wege zur Gwaliorburg, einer der großartigsten natürlichen Festungen, die ich gesehn. Zumal die Gruppen am östlichen und am südlichen Abhange, ungefähr je zwanzig gewaltige, meist zehn, aber auch bis zwanzig Meter hohe Gestalten, zeichnen sich durch erhabene Schönheit aus; daher denn auch ein Missionar des 16. Jahrh. eine dieser Gruppen, freudig überrascht und nicht blöde, als Christus und seine Jünger beanspruchen wollte --

Virtutis verae custos rigidusque satelles. ]

[Fußnote 6: Dieses Gleichniss, das man fast als eine gewisse Humoreske nicht unschicklich ansehn könnte, hat /Sokrates/ ganz ebenso naiv, zu Ende des Gesprächs im Euthyphron, gebraucht: Εμπορικη αρα τις αν ειη τεχνη ἡ ὁσιοτης θεοις και ανθρωποις παρ’ αλληλων. Ja auch /Eckhart/, p. 34: Diz sint allez koufliute... wan sie wellent daz eine umbe daz ander geben unde wellent alsô koufen mit unserm herren.]

[Fußnote 7: _sā gaddulabandho_, »ein Hund mit einem Kehlbande«. Vergl. _Saṃyuttakanikāyo_ vol. III. p. 150, _taṇhāgaddulam_, _Niddeso_ II. p. 11.]

[Fußnote 8: Der Text hat richtig _nibbānasappāyam_.]

[Fußnote 9: Cf. die 1. Rede des 1. Bandes. -- _Tao-te-king_, ed. /Julien/, 1. Buches letztes Kap. i. f.

Das Erforschen der Vergangenheit und der Zukunft aufgeben ist öfters eingehend behandelt, wie _Saṃyuttakanikāyo_ vol. V. p. 263/4, oder _Theragāthā_ 397: _yathā pure tathā pacchā | yathā pacchā tathā pure|_. Vergl. die vedische _Gāthā_: _yad asya pūrvam aparaṃ tad asya | yadvasyāparaṃ tadvasya pūrvam|_: _Aitareyabrāhmaṇam_ III, 43. Zu den Antinomien, S. 28 passim, finden sich mancherlei scholastische Beispiele im 3. Kap. des _Sarvadarśanasaṃgrahas_. Näher steht das schöne Wort des /Demonax/: Εξεταζοντων τινων, ει ὁ κοσμος εμψυχος, και αυθις, ει σφαιροειδης· Ὑμεις, εφη, περι δε της ἑαυτων βκοσμιας ου φροντιζετε. Aehnlich /Sokrates/ in der Einleitung zum Phaidros.

[Fußnote 10: lies _abhiṇham._ -- Zur Sache cf. die 77. Rede.]

[Fußnote 11: _diṭṭhipaḷāso_, _paḷāso_ = _parāśas_, von √(śaṃs) (/L’Orange/).]

[Fußnote 12: Der Stelle S. 37, »dem Sinne nach und dem Worte nach«, _atthato ca vyañjanato ca_, entspricht das Ende des dritten Felsenediktes, wo Asoko, an unseren Texten herangebildet, in schlichter Würde und ihm so eigenthümlich gewordener Umsicht bestimmt: _Parisā pi yute āñapayisati gaṇanāyaṃ hetuto ca vyaṃjanato ca_, »Die Behörden aber werden das Gebührende veranlassen unter den Leuten, der Wirklichkeit nach und dem Worte nach.« -- Vergl. den alten Spruch _Yathāvādī tathākārī_, wie _Theragāthā_ 1277; oder bei uns im Speculum monachorum /Bernardi Casinensis/, II i. f.:

Voci vita non discordet: Cum vox vitam non remordet Dulcis est symphonia. ]

[Fußnote 13: Unter sumpfiger Ablagerung heute begraben, darüber wahrscheinlich der Weiler Sāma-devī, wie /Führer/ vermuthet, vier bis fünf Stunden südwestlich vor Niglīvā gelegen: cf. Tafel II in dessen Monograph on Buddha Sakyamuni’s Birth Place in the Nepalese Tarai, Allahabad 1897, und ib. p. 37.]

[Fußnote 14: Das Gleichniss von der Lehre als Kuppelbau, als geistiges Obdach, ein wahres Denkmal, wohl zu hüten, wie es die 89. Rede weiter ausführt, hat uns /Arrian/ vortrefflich überliefert: Λεγεται δε και ταδε, μνημηια ὁτι Ινδοι τοισι τελευτησασιν ου ποιεουσιν, αλλα τας αρετας γαρ των ανδρων ἱκανας ες μνημην τιθενται τοισν αποθανουσι, και τας ῳδας αἱ αυτοισιν επᾳδονται: Indica § 10.]

[Fußnote 15: Der Text hat richtig _patissayamānarūpā_. -- Vergl. _Maitryupaniṣat_ VII, 9 die _mūḍhāḥ paṇḍitaṃmanyamānāḥ_, i. e. _ātmānaṃ_ p^0.]

[Fußnote 16: Zu _gihipaṭisaṃyuttam_ cf._ tyaktaṃ sannyāsayogena gṛhadharmādikaṃ vratam, Sannyāsopaniṣat_ v. 89; vergl. auch die Anmerkungen 45 u. 186.]

[Fußnote 17: Der Ausdruck _dhammanetti_, Richtschnur der Lehre, S. 47, ist noch im _Mahāvastu_ gut erhalten, vol. III. p. 234 als _dharmanetrī_ und _saddharmanetrī_, vol. II. p. 373: _pralujyamāne jinavaraśāsanasmiṃ | dhāreti śāstu varadharmanetrī_. Zu _netti_ in anderer Komposition und allgemein cf. /Hardy/, _Nettipakaraṇam_ p. VII f. und Lieder der Mönche Anm. zu v. 135.

Der _sāmukkaṃsiko vinayo_ der beiden letzten Reden erinnert einigermaaßen an die correptio fraterna, wie sie /S. Antonio da Padova/ geübt wissen wollte. Ist auch natürlich bei ihm jene Klarheit nicht zu finden, so zeigt sich doch eine ähnlich eindringende, sorgfältig abwägende, liebevoll prüfende, mannhaft nüchterne Behandlung von Fall zu Fall wie bei uns, und immer eingedenk des hohen Zieles. Als ein Gegenstück z. B. der Geständnissannahme, oben S. 49, folge hier die korrelate kurze Stelle aus dem Sermo der feria tertia hebdom. tert. in Quadrag., ed /De La Haye/ 1739 fol. 87: »Debet haec correctio esse de praeterito, admonitio pro futuro, ut scilicet dicatur his verbis, Tale quid commisisti? sed super praeteritum admonitio non cadit: igitur caveas de futuro.«

Zum gesammten ursprünglichen _vinayo_, der radikal einfach gegründet, erst später aus dem _śrautamūlam_ zu einem _ārbudaghoṣadharmaśāstraśākhāntarajāṉgalam_ entwickelt wurde, cf. die wichtige 65. Rede S. 178 der Uebersetzung, ‚je schlechter der Orden, desto mehr der Regeln‘: ein Motto, das genau einem solchen des /Tacitus/ entspricht, »corruptissima re publica plurimae leges.« Vorher nämlich hatte der große Beobachter der Menschen und Dinge dieses Verhältniss schon ganz in unserem Sinne, eben der indischen und der antiken Anschauung überall gemäß, erklärt: »Vetustissimi mortalium, nulla adhuc mala libidine, sine probro, scelere, eoque sine poena aut coercitionibus agebant, neque praemiis opus erat, cum honesta suopte ingenio peterentur; et ubi nihil contra morem cuperent, nihil per metum vetabantur.« Ab exc. Aug. III, 26, 27. -- Cf. dazu die Anm. 62.]

[Fußnote 18: Zum Reich des Nichtdaseins cf. die _̀Sruti_-Stellen, die im 2. Bande Anm. 169 angegeben sind. Ein »demgemäßes Gespräch« hat /Platon/, als ein Gleicher Gleiches darstellend, im Parmenides vollendet ausgeführt. Die Hauptstelle darin, p. 160, Ουδεν γαρ ἡτιον γιγνωσκεται τι το λεγομενον μη ειναι, και ὁτι διαφορον των αλλων, begründet nicht nur die logische Berechtigung, sondern quasi die geistige Vorstellbarkeit einer solchen Sphäre: mit höchster poetischer Kraft schon im _Ṛgvedas_ X, 90, _{3-4} vom Seher gezeigt. Erstaunlich tief erschlossen von /Eckhart/ in der 99. Rede; vergl. auch den vorhergehenden drittletzten Absatz i. f.: »Ein meister sprichet: der himel hât kein lieht, er ist ze hoch dar zuo.«]