Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 32

Chapter 323,553 wordsPublic domain

»‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein. ‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die dritte Sechsheit.

»‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch den Geschmack und die 462 Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung. ‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die vierte Sechsheit.

»‚Sechs fühlsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt. ‚Sechs fühlsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die fünfte Sechsheit.

»‚Sechs durstsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Durch das Gesicht und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl bedingt ist der Durst; durch das Gehör und die Töne entsteht das Hörbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch den Geruch und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch den Geschmack und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch das Getast und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt; durch das Gedenken und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der 463 Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung ist das Gefühl bedingt, durch das Gefühl ist der Durst bedingt. ‚Sechs durstsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die sechste Sechsheit. --

»‚Das Auge ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Auge wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Auge ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge nicht das Selbst. -- ‚Die Formen sind das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei den Formen wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Die Formen sind das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge nicht das Selbst, sind die Formen nicht das Selbst. -- ‚Das Sehbewusstsein ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Sehbewusstsein wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Sehbewusstsein ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge nicht das Selbst, sind die Formen nicht das Selbst, ist das Sehbewusstsein nicht das Selbst. -- ‚Die Sehberührung ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei der Sehberührung wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Die Sehberührung ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge nicht das Selbst, sind die Formen nicht das Selbst, ist das Sehbewusstsein nicht das Selbst, ist die Sehberührung nicht das Selbst. -- ‚Das Gefühl ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Gefühle wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Gefühl ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge 464 nicht das Selbst, sind die Formen nicht das Selbst, ist das Sehbewusstsein nicht das Selbst, ist die Sehberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst. -- ‚Der Durst ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Durste wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Der Durst ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist das Auge nicht das Selbst, sind die Formen nicht das Selbst, ist das Sehbewusstsein nicht das Selbst, ist die Sehberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst, ist der Durst nicht das Selbst.

»‚Das Ohr ist das Selbst‘ -- ‚Die Nase ist das Selbst‘[210] -- ‚Die Zunge ist das Selbst‘ -- ‚Der Leib ist das Selbst‘ -- ‚Der Geist ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Geiste wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Der Geist ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst. -- ‚Die Gedanken sind das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei den Gedanken wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht 465 an ‚Die Gedanken sind das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst. -- ‚Das Denkbewusstsein ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Denkbewusstsein wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Denkbewusstsein ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst. -- ‚Die Denkberührung ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; bei der Denkberührung wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Die Denkberührung ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst. -- ‚Das Gefühl ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Gefühle wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Das Gefühl ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst. -- ‚Der Durst ist das Selbst‘, eine solche Behauptung, die kann nicht angehn; beim Durste wird ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen; wobei nun aber ein Entstehn und Vergehn wahrgenommen wird, muss einer ‚Mein Selbst entsteht und vergeht‘ als Ergebniss 466 gelten lassen; darum geht es nicht an ‚Der Durst ist das Selbst‘ zu behaupten: somit ist der Geist nicht das Selbst, sind die Gedanken nicht das Selbst, ist das Denkbewusstsein nicht das Selbst, ist die Denkberührung nicht das Selbst, ist das Gefühl nicht das Selbst, ist der Durst nicht das Selbst.

»Das aber ist, ihr Mönche, der Pfad, der zur Entstehung der Persönlichkeit hinführt: ›Das Auge‹, sagt man sich, ›das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹ ›Die Formen‹, sagt man sich, ›das Sehbewusstsein, die Sehberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹ ›Das Ohr‹, sagt man sich, ›die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist, die Gedanken, das Denkbewusstsein, die Denkberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst.‹

»Das aber ist, ihr Mönche, der Pfad, der zur Auflösung der Persönlichkeit hinführt: ›Das Auge‹, sagt man sich, ›das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ ›Die Formen‹, sagt man sich, ›das Sehbewusstsein, die Sehberührung, 467 das Gefühl, der Durst: das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹ ›Das Ohr‹, sagt man sich, ›die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist, die Gedanken, das Denkbewusstsein, die Denkberührung, das Gefühl, der Durst: das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst.‹

»Durch das Gesicht, ihr Mönche, und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man Freude, Befriedigung, Ergetzen daran, und begehrliche Anwandlung kommt einen an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man bekümmert, beklommen, man jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung nicht der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung nicht verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung nicht von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung nicht ausgetilgt, Unwissen nicht verloren, Wissen nicht erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist 468 unmöglich.

»Durch das Gehör, ihr Mönche, und die Töne entsteht das Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein: durch den Geschmack, ihr Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man Freude, Befriedigung, Ergetzen daran, und begehrliche Anwandlung kommt einen an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man bekümmert, beklommen, man jammert, schlägt sich stöhnend die Brust, geräth in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung nicht der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung nicht verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung nicht von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung nicht ausgetilgt, Unwissen nicht verloren, Wissen nicht erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist unmöglich.

»Durch das Gesicht, ihr Mönche, und die Formen entsteht das Sehbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man da keine Freude, keine Befriedigung, 469 kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man da nicht bekümmert, nicht beklommen, man jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende Anwandlung kommt einen nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet, beim wehen Gefühle widerwillige Anwandlung von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung ausgetilgt, Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.

»Durch das Gehör, ihr Mönche, und die Töne entsteht das Hörbewusstsein; durch den Geruch, ihr Mönche, und die Düfte entsteht das Riechbewusstsein; durch den Geschmack, ihr Mönche, und die Säfte entsteht das Schmeckbewusstsein; durch das Getast, ihr Mönche, und die Tastungen entsteht das Tastbewusstsein; durch das Gedenken, ihr Mönche, und die Dinge entsteht das Denkbewusstsein, der Einschlag der drei giebt Berührung, durch die Berührung entsteht eine Empfindung von Wohl, oder von Wehe, oder weder von Wehe noch von Wohl. Von einem wohligen Gefühle getroffen empfindet man da keine Freude, keine Befriedigung, kein Ergetzen, und begehrliche Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem wehen Gefühle getroffen wird man da nicht bekümmert, nicht beklommen, man jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, und widerwillige Anwandlung kommt einen nicht an. Von einem weder wehen noch wohligen Gefühle getroffen mag man dieser Empfindung Beginn und Vergehn, Labsal und Elend und Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn, und unwissende 470 Anwandlung kommt einen nicht an. Dass aber einer, ihr Mönche, der beim wohligen Gefühle begehrliche Anwandlung verleugnet, beim wehen Gefühle unwillige Anwandlung von sich gewiesen, beim weder wehen noch wohligen Gefühle unwissende Anwandlung ausgetilgt, Unwissen verloren, Wissen erworben hat, noch bei Lebzeiten dem Leiden ein Ende machen werde: das ist möglich.

»Bei solcher Betrachtung, ihr Mönche, wird der erfahrene heilige Jünger des Auges überdrüssig, der Formen überdrüssig, des Sehbewusstseins überdrüssig, der Sehberührung überdrüssig, des Gefühles überdrüssig, des Durstes überdrüssig; er wird des Ohres, der Nase, der Zunge, des Leibes, des Geistes überdrüssig, der Töne, der Düfte, der Säfte, der Tastungen, der Gedanken überdrüssig, des Hörbewusstseins, des Riechbewusstseins, des Schmeckbewusstseins, des Tastbewusstseins, des Denkbewusstseins überdrüssig, der Hörberührung, der Riechberührung, der Schmeckberührung, der Tastberührung, der Denkberührung überdrüssig, des Gefühles überdrüssig, des Durstes überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

Während aber diese Darlegung stattgefunden, hatte sich bei etwa sechzig Mönchen das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.[211]

149.

Fünfzehnter Theil Siebente Rede

MÄCHTIGE ABZEICHEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 471 Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Mächtige Abzeichen will ich euch Mönchen vom sechsfachen Gebiete angeben: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagten da aufmerksam jene Mönche zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Wer das Auge, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Formen nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Sehbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Sehberührung nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Auge ergetzt, an den Formen ergetzt, am Sehbewusstsein ergetzt, an der Sehberührung ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt, sich verlocken lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen körperliche Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen weiter, wachsen körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige Quaalen weiter, wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen geistige Brünste weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen Schmerz erfährt er an sich.

»Wer das Ohr, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer die Nase, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer die Zunge, ihr Mönche, nicht 472 der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Leib, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht; wer den Geist, ihr Mönche, nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Gedanken nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Denkbewusstsein nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Denkberührung nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das nicht der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Geiste ergetzt, an den Gedanken ergetzt, am Denkbewusstsein ergetzt, an der Denkberührung ergetzt, was da durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben daran ergetzt. Weil er ergetzt ist, sich anschließt, sich verlocken lässt, das Labsal beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin auf; und sein Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der wächst ihm weiter. Dem wachsen körperliche Spaltungen weiter, wachsen geistige Spaltungen weiter, wachsen körperliche Quaalen weiter, wachsen geistige Quaalen weiter, wachsen körperliche Brünste weiter, wachsen geistige Brünste weiter; und körperlichen Schmerz und geistigen Schmerz erfährt er an sich.

* * * * *

»Wer das Auge, ihr Mönche, der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Formen der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, das Sehbewusstsein der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, die Sehberührung der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch Wohl, eben das der Wahrheit gemäß erkennt und versteht, wird am Auge nicht ergetzt, an den Formen nicht ergetzt, am Sehbewusstsein nicht ergetzt, an der Sehberührung nicht ergetzt, was da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht als Wohl, oder Wehe, oder weder Wehe noch 473 Wohl, eben daran nicht ergetzt. Weil er nicht ergetzt ist, sich nicht anschließt, sich nicht verlocken lässt, das Elend beharrlich erspäht, schichten sich ihm die fünf Stücke des Anhangens weiterhin ab; und der Durst, der Wiederdasein säende, gnügensgierverbundene, bald da bald dort sich ergetzende, der schwindet ihm weg. Dem schwinden körperliche Spaltungen weg, schwinden geistige Spaltungen weg, schwinden körperliche Quaalen weg, schwinden geistige Quaalen weg, schwinden körperliche Brünste weg, schwinden geistige Brünste weg; und körperliches Wohl und geistiges Wohl erfährt er an sich.

»Was ein Dahingelangter erkennt, das gilt ihm als rechte Erkenntniss; was ein Dahingelangter ersinnt, das gilt ihm als rechte Gesinnung; was ein Dahingelangter sich müht, das gilt ihm als rechtes Mühn; was ein Dahingelangter einsieht, das gilt ihm als rechte Einsicht; was ein Dahingelangter ertieft, das gilt ihm als rechte Vertiefung; schon vorher aber war er in Werken, in Worten, im Wandel durchaus lauter geworden: und so wird dieser heilige achtfältige Weg von ihm zur Vollendung gebracht. Während er also diesen heiligen achtfältigen Weg vollendet, werden die vier Pfeiler der Einsicht von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier gewaltigen Kämpfe von ihm zur Vollendung gebracht; werden die vier Machtgebiete von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Fähigkeiten von ihm zur Vollendung gebracht; werden fünf der Vermögen von ihm zur Vollendung gebracht; werden die sieben Erweckungen von ihm zur Vollendung gebracht. Da dienen ihm zwei Dinge als doppelte Rüstung: Ruhe und Klarsicht. Was für Dinge da weise zu durchschauen sind, diese Dinge durchschaut er weise; was für Dinge da weise zu verleugnen sind, diese Dinge verleugnet er 474 weise; was für Dinge da weise zu vollenden sind, diese Dinge vollendet er weise; was für Dinge da weise zu verwirklichen sind, diese Dinge verwirklicht er weise.

»Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu durchschauen? Die fünf Stücke des Anhangens, sei geantwortet; und zwar ein Stück Anhangen an der Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein Stück Anhangen am Bewusstsein: diese Dinge sind weise zu durchschauen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind da weise zu verleugnen? Unwissen und Durst nach Dasein: diese Dinge sind weise zu verleugnen. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu vollenden? Ruhe und Klarsicht: diese Dinge sind weise zu vollenden. Was für Dinge aber, ihr Mönche, sind weise zu verwirklichen? Wissen und Erlösung: diese Dinge sind weise zu verwirklichen.