Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 31

Chapter 313,564 wordsPublic domain

»Der da, o Herr, Puṇṇo genannt war, der edle Sohn, dem der 441 Erhabene in der Kürze eine Anleitung gegeben hatte, der ist gestorben. Wo ist er jetzt, was ist aus ihm geworden?«

»Weise, ihr Mönche, ist Puṇṇo der edle Sohn gewesen, nachgefolgt ist er der Lehre gelehrig, und nicht hat er an meiner Belehrung Anstoß genommen. Vom Wahne erloschen, ihr Mönche, ist Puṇṇo der edle Sohn.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[205]

146.

Fünfzehnter Theil Vierte Rede

NANDAKO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da nun begab sich Mahāpajāpatī die Gotamidin, gefolgt von einer Schaar von fünfhundert Nonnen, zum Erhabenen hin, bot ehrerbietigen Gruß dar und stellte sich seitwärts. Seitwärts stehend sprach nun Mahāpajāpatī die Gotamidin zum Erhabenen also:

»Belehren möge, o Herr, der Erhabene die Nonnen, unterrichten möge, o Herr, der Erhabene die Nonnen, spenden möge, o Herr, der Erhabene den Nonnen ein lehrreiches Gespräch!«

Damals nun lag es den Ordensälteren, der Reihe nach, ob, den Nonnen Vortrag zu halten. Als aber die Reihe an den ehrwürdigen Nandako gekommen war, mochte dieser den Nonnen keinen Vortrag halten.

Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:

»An wem ist doch, Ānando, heute die Reihe, den Nonnen Vortrag zu halten?«

»Wir alle, o Herr, haben schon der Reihe nach den Nonnen 442 Vortrag gehalten. Der ehrwürdige Nandako hier, o Herr, der mag den Nonnen keinen Vortrag halten.«

Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Nandako:

»Belehre, Nandako, die Nonnen, unterrichte, Nandako, die Nonnen, spende du, Heiliger, den Nonnen ein lehrreiches Gespräch.«

»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Nandako, dem Erhabenen gehorchend. Und er rüstete sich beizeiten, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise. Als er dort, von Haus zu Hause tretend, Almosen erhalten, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann selbander nach dem Königsgarten.

Es sahn aber jene Nonnen den ehrwürdigen Nandako von ferne herankommen, und als sie ihn gesehn stellten sie einen Stuhl zurecht und Wasser für die Füße. Es setzte sich der ehrwürdige Nandako auf den angebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Nonnen boten nun dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar und setzten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts saßen, sprach der ehrwürdige Nandako also:

»Ein Gespräch, ihr Schwestern, mit Frage und Antwort mag stattfinden. Da habt ihr, versteht ihr es, ›Wir verstehn es‹ zu sagen; versteht ihr es nicht, ›Wir verstehn es nicht‹ zu sagen. Hat aber eine etwa einen Zweifel oder ein Bedenken, so bin ich eben da um gefragt zu werden: ›Wie ist das, o Herr, was ist der Sinn davon?‹«

»Wir wissen es, o Herr, dem ehrenreichen Nandako gar froh zu Danke, dass uns der ehrenreiche Nandako dies gestattet.«

»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Auge unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?« 443

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Ohr, die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs inneren Gebiete vergänglich.‹«

»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Was meint ihr wohl, Schwestern: sind die Formen unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meint ihr wohl, Schwestern: sind die Töne, die Düfte, die Säfte, die Tastungen, die Gedanken unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon 444 behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs äußeren Gebiete vergänglich.‹«

»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Sehbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meint ihr wohl, Schwestern: ist das Hörbewusstsein, das Riechbewusstsein, das Schmeckbewusstsein, das Tastbewusstsein, das Denkbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Wir haben es ja schon vormals, o Herr, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit klar gesehn: ›So und so sind bei mir die sechs bewusstsamen Reiche vergänglich.‹«

»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, bei 445 einer brennenden Oellampe das Oel vergänglich, wandelbar ist, der Docht vergänglich, wandelbar ist, die Flamme vergänglich, wandelbar ist, der Schein vergänglich, wandelbar ist; wer da nun, ihr Schwestern, etwa sagte: ›Bei dieser brennenden Oellampe ist zwar Oel und Docht und Flamme vergänglich, wandelbar, aber ihr Schein, der ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Bei dieser brennenden Oellampe, o Herr, ist ja Oel und Docht und Flamme vergänglich, wandelbar: wie erst ihr Schein!«

»Ebenso nun auch, ihr Schwestern, wenn einer etwa sagte: ›Die sechs inneren Gebiete sind bei mir vergänglich, wandelbar: was mich aber da auf Grund der inneren Gebiete Wohl und Weh oder weder Weh noch Wohl empfinden lässt, das ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der etwa, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Durch eine also und also bedingte Ursache, o Herr, kommt eine also und also bedingte Empfindung zustande: durch einer also und also bedingten Ursache Auflösung wird eine also und also bedingte Empfindung aufgelöst.«

»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, bei einem großen, kernig dastehenden Baume die Wurzel vergänglich, wandelbar ist, der Stamm vergänglich, wandelbar ist, Ast- und 446 Laubwerk vergänglich, wandelbar ist, der Schatten vergänglich, wandelbar ist; wer da nun, ihr Schwestern, etwa sagte: ›Bei diesem großen, kernig dastehenden Baume ist zwar Wurzel und Stamm, Ast- und Laubwerk vergänglich, wandelbar, aber sein Schatten, der ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«[206]

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Bei diesem großen, kernig dastehenden Baume, o Herr, ist ja Wurzel und Stamm, Ast- und Laubwerk vergänglich, wandelbar: wie erst sein Schatten!«

»Ebenso nun auch, ihr Schwestern, wenn einer etwa sagte: ›Die sechs äußeren Gebiete sind bei mir vergänglich, wandelbar: was mich aber da auf Grund der äußeren Gebiete Wohl und Weh oder weder Weh und Wohl empfinden lässt, das ist unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar‹: würde der etwa, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Durch eine also und also bedingte Ursache, o Herr, kommt eine also und also bedingte Empfindung zustande: durch einer also und also bedingten Ursache Auflösung wird eine also und also bedingte Empfindung aufgelöst.«

»Recht so, recht so, ihr Schwestern. Also, freilich, ihr Schwestern, sieht es der heilige Jünger der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit an. Gleichwie etwa, ihr Schwestern, wenn ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle eine Kuh schlachtete und mit scharf geschliffenem Messer die Kuh zerlegte, ohne die inneren Fleischtheile zu zerreißen, ohne das äußere Fell zu zerreißen; und was innen an Muskeln, innen an Flechsen, innen an Sehnen da ist, eben das mit dem 447 scharf geschliffenen Messer abtrennte, abschnitte, rings herabschnitte; und nachdem er es abgetrennt, abgeschnitten, rings herabgeschnitten, das äußere Fell losgelöst hätte, mit eben diesem Felle die Kuh wieder bedeckte und nun sagte: ›Ganz wiederverbunden ist hier die Kuh mit ihrem Felle‹: würde der wohl, ihr Schwestern, solches mit Recht sagen?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Und warum nicht?«

»Mag auch, o Herr, ein geschickter Schlächter oder Schlächtergeselle eine Kuh schlachten und mit scharf geschliffenem Messer die Kuh zerlegen, ohne die inneren Fleischtheile zu zerreißen, ohne das äußere Fell zu zerreißen; und was innen an Muskeln, innen an Flechsen, innen an Sehnen da ist, eben das mit dem scharf geschliffenen Messer abtrennen, abschneiden, rings herabschneiden; und nachdem er es abgetrennt, abgeschnitten, rings herabgeschnitten, das äußere Fell losgelöst hätte, mit eben diesem Felle die Kuh wieder bedecken, und mag er nun gleich sagen: ›Ganz wiederverbunden ist hier die Kuh mit ihrem Felle‹: so ist da die Kuh eben nicht mehr verbunden mit ihrem Felle.«

»Ein Gleichniss habe ich da, ihr Schwestern, gegeben, um den Sinn zu erklären. Das aber ist nun der Sinn. Die inneren Fleischtheile: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der sechs inneren Gebiete. Das äußere Fell: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der sechs äußeren Gebiete. Innen die Muskeln, innen die Flechsen, innen die Sehnen: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der Lustbegier. Das scharf geschliffene Messer: das ist, ihr Schwestern, eine Bezeichnung der heiligen Weisheit, jener heiligen Weisheit, die was innen an Klammern, innen an Fesseln, innen an Sehnen ist abtrennt, abschneidet, rings herabschneidet.[207]

»Sieben Erweckungen sind es, ihr Schwestern, durch deren 448 Uebung und Ausbildung ein Mönch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen kann: und welche sieben? Da übt, ihr Schwestern, ein Mönch der Einsicht Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt des Tiefsinns Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Kraft Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Heiterkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Lindheit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Innigkeit Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht; übt des Gleichmuths Erweckung, die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte, die in Endsal übergeht. Das sind, ihr Schwestern, die sieben Erweckungen, durch deren Uebung und Ausbildung ein Mönch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und erringen kann.«

Nachdem nun der ehrwürdige Nandako jene Nonnen also aufgeklärt hatte, ermahnte er sie:

»Geht nun, ihr Schwestern, es ist an der Zeit.«

Da waren denn jene Nonnen durch des ehrwürdigen Nandako Rede erfreut und befriedigt; und sie standen von ihren Sitzen auf, boten dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt boten sie dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar und stellten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts standen, sprach der Erhabene also:

»Geht nun, ihr Nonnen, es ist an der Zeit.«

Und jene Nonnen boten dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und entfernten sich.

Da wandte sich denn der Erhabene, bald nachdem jene Nonnen fortgegangen, an die Mönche:

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, am Feiertage, in der Nacht vor dem Vollmonde, gar manche Leute in Zweifel und Bedenken gerathen, 449 ›Nimmt der Mond noch zu, oder ist er schon voll geworden?‹, aber es nimmt eben der Mond noch zu: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind jene Nonnen durch Nandakos Darlegung der Lehre zwar erfreut worden, doch nicht vollkommen zufriedengestellt.« Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Nandako: »Darum magst du nur auch morgen, Nandako, ebendieselbe Aufklärung den Nonnen angedeihen lassen.«

»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Nandako, dem Erhabenen gehorchend. Und der ehrwürdige Nandako rüstete sich am nächsten Tage beizeiten, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise. Als er dort, von Haus zu Hause tretend, Almosen erhalten, kehrte er zurück, nahm das Mahl ein und begab sich dann selbander nach dem Königsgarten.

Es sahn aber jene Nonnen den ehrwürdigen Nandako von ferne herankommen, und als sie ihn gesehn stellten sie einen Stuhl zurecht und Wasser für die Füße. Es setzte sich der ehrwürdige Nandako auf den angebotenen Sitz, und als er saß spülte er sich die Füße ab. Jene Nonnen boten nun dem ehrwürdigen Nandako ebrerbietigen Gruß dar und setzten sich seitwärts hin. Und der ehrwürdige Nandako ließ jenen Nonnen, die da seitwärts saßen, Wort um Wort ebendieselbe Aufklärung angedeihen wie am Tage vorher. Nachdem nun der ehrwürdige Nandako jene Nonnen aufgeklärt hatte, ermahnte er sie:

»Geht nun, ihr Schwestern, es ist an der Zeit.«

Da waren denn jene Nonnen durch des ehrwürdigen Nandako Rede erfreut und befriedigt; und sie standen von ihren Sitzen auf, boten dem ehrwürdigen Nandako ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt boten sie dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß 456 dar und stellten sich seitwärts hin. Zu jenen Nonnen, die da seitwärts standen, sprach der Erhabene also:

»Geht nun, ihr Nonnen, es ist an der Zeit.«

Und jene Nonnen boten dem Erhabenen ehrerbietigen Gruß dar, schritten rechts herum und entfernten sich.

Da wandte sich denn der Erhabene, bald nachdem jene Nonnen fortgegangen, an die Mönche:

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, am Feiertage, in der vollen Mondnacht, gar manche Leute nicht mehr in Zweifel und Bedenken gerathen, ›Nimmt der Mond noch zu, oder ist er schon voll geworden?‹, sondern es ist eben der Mond schon voll geworden: ebenso nun auch, ihr Mönche, sind jene Nonnen durch Nandakos Darlegung der Lehre erfreut worden und vollkommen zufriedengestellt. Wer da, ihr Mönche, jener fünfhundert Nonnen geringste Nonne ist, ist zur Hörerschaft gelangt, dem Verderben entronnen, eilt zielbewusst der vollen Erwachung entgegen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[208]

147.

Fünfzehnter Theil Fünfte Rede

RĀHULO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da kam dem Erhabenen in einsamer Abgeschiedenheit der Gedanke in den Sinn: ›Reif geworden sind bei Rāhulo Dinge, die Erlösung reif werden lassen; wie, wenn ich nun Rāhulo mehr noch zur Wahnversiegung bereit machte?‹

Und der Erhabene, zeitig gerüstet, nahm Mantel und Schaale und ging nach Sāvatthī um Almosenspeise, erhielt in der Stadt, von Haus zu Hause tretend, das Almosen, kehrte zurück, nahm das Mahl ein und wandte sich dann an den ehrwürdigen Rāhulo:

»Versieh’ dich, Rāhulo, mit der Strohmatte: wir wollen nach dem 457 Dunkeln Walde gehn, dort bis gegen Abend verweilen.«

»Wohl, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Rāhulo, dem Erhabenen gehorchend; und er versah sich mit der Strohmatte und folgte dem Erhabenen Schritt um Schritt nach.

Um diese Zeit aber war der Erhabene von einer vieltausendfachen Geisterschaar gefolgt: ›Heute wird der Erhabene den ehrwürdigen Rāhulo mehr noch zur Wahnversiegung bereit machen.‹

Und der Erhabene zog sich ins Innere des Dunkeln Waldes zurück und setzte sich am Fuß eines Baumes, an geeignetem Orte nieder. Und auch der ehrwürdige Rāhulo nahm, nach des Erhabenen Begrüßung, an der Seite Platz. An den ehrwürdigen Rāhulo, der da zur Seite saß, wandte sich nun der Erhabene also:

»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Auge unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: sind die Formen unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Sehbewusstsein unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist die Sehberührung unvergänglich 458 oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: was auch da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, ist eben das unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Ohr, die Nase, die Zunge, der Leib, der Geist unvergänglich oder vergänglich? Sind die Töne, die Düfte, die Säfte, die Tastungen, die Gedanken unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Was meinst du wohl, Rāhulo: ist das Hörbewusstsein, das Riechbewusstsein, das Schmeckbewusstsein, das Tastbewusstsein, das Denkbewusstsein unvergänglich oder vergänglich? Ist die 459 Hörberührung, die Riechberührung, die Schmeckberührung, die Tastberührung, die Denkberührung unvergänglich oder vergänglich? Was meinst du wohl, Rāhulo: was auch da durch Hörberührung, durch Riechberührung, durch Schmeckberührung, durch Tastberührung, durch Denkberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, ist eben das unvergänglich oder vergänglich?«

»Vergänglich, o Herr!«

»Was aber vergänglich, ist das weh’ oder wohl?«

»Weh’, o Herr!«

»Was aber vergänglich, wehe, wandelbar ist, kann man etwa davon behaupten: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«

»Gewiss nicht, o Herr!«

»Bei solcher Betrachtung, Rāhulo, wird der erfahrene heilige Jünger des Auges überdrüssig, der Formen überdrüssig, des Sehbewusstseins überdrüssig, der Sehberührung überdrüssig: und was auch da durch Sehberührung bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, eben dessen wird er überdrüssig; er wird des Ohres, der Nase, der Zunge, des Leibes, des Geistes überdrüssig, der Töne, der Düfte, der Säfte, der Tastungen, der Gedanken überdrüssig, des Hörbewusstseins, des Riechbewusstseins, des Schmeckbewusstseins, des Tastbewusstseins, des Denkbewusstseins überdrüssig, der Hörberührung, der Riechberührung, der Schmeckberührung, der Tastberührung, der Denkberührung überdrüssig: und was auch da durch Hörberührung, durch Riechberührung, durch Schmeckberührung, durch Tastberührung, durch Denkberührung 460 bedingt an Gefühl hervorgeht, an Wahrnehmung hervorgeht, an Unterscheidung hervorgeht, an Bewusstsein hervorgeht, eben dessen wird er überdrüssig. Ueberdrüssig wendet er sich ab. Abgewandt löst er sich los. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Rāhulo über das Wort des Erhabenen.

Während da nun diese Darlegung stattgefunden, hatte sich beim ehrwürdigen Rāhulo das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.

Jener vieltausendfachen Geisterschaar aber war das abgeklärte, abgespülte Auge der Wahrheit aufgegangen:

›Was irgend auch entstanden ist Muss alles wieder untergehn.‹[209]

148.

Fünfzehnter Theil Sechste Rede

SECHSFACHE SECHSHEIT

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Die Lehre werd’ ich euch Mönchen aufweisen, deren Anfang begütigt, deren Mitte begütigt, deren Ende begütigt, die sinn- und wortgetreue, das vollkommen geläuterte, geklärte Asketenthum werde ich darlegen; und zwar die sechsfache Sechsheit: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagten da aufmerksam jene Mönche zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Sechs innere Gebiete sind zu merken und sechs äußere Gebiete, sechs bewusstsame Reiche sind zu merken und sechs berührsame Reiche, sechs fühlsame Reiche sind zu merken und sechs 461 durstsame Reiche.

»‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet des Gesichts, das Gebiet des Gehörs, das Gebiet des Geruchs, das Gebiet des Geschmacks, das Gebiet des Getastes, das Gebiet des Gedenkens. ‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die erste Sechsheit.

»‚Sechs äußere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet der Formen, das Gebiet der Töne, das Gebiet der Düfte, das Gebiet der Säfte, das Gebiet der Tastungen, das Gebiet der Gedanken. ‚Sechs äußere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt. Das ist die zweite Sechsheit.