Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 30
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Form werd’ ich anhangen, und keiner Form verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tone werd’ ich anhangen, und keinem Tone verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dufte werd’ ich anhangen, und keinem Dufte verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Safte werd’ ich anhangen, und keinem Safte verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastung werd’ ich anhangen, und keiner Tastung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Dinge werd’ ich anhangen, und keinem Dinge verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Sehbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Sehbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Hörbewusstsein werd’ ich anhangen, und 427 keinem Hörbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Riechbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Riechbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Schmeckbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Schmeckbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Tastbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Tastbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem Denkbewusstsein werd’ ich anhangen, und keinem Denkbewusstsein verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Sehberührung werd’ ich anhangen, und keiner Sehberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Hörberührung werd’ ich anhangen, und keiner Hörberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Riechberührung werd’ ich anhangen, und keiner Riechberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Schmeckberührung werd’ ich anhangen, und keiner Schmeckberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Tastberührung werd’ ich anhangen, und keiner Tastberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keiner Denkberührung werd’ ich anhangen, und keiner Denkberührung verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Sehberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Sehberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Hörberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Hörberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Riechberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Riechberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Schmeckberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Schmeckberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Tastberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Tastberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Keinem durch Denkberührung entstandenen Gefühle werd’ ich anhangen, und keinem durch Denkberührung entstandenen Gefühle verbunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Erdenart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Erdenart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der 428 Wasserart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Wasserart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Feuerart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Feuerart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Luftart werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Luftart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Raumart werd’ ich nicht anhangen und nicht an Raumart gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Art des Bewusstseins werd’ ich nicht anhangen, und nicht an Art des Bewusstseins gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Form werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Form gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Gefühle werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Gefühl gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Wahrnehmung gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Den Unterscheidungen werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Unterscheidungen gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Dem Bewusstsein werd’ ich nicht anhangen, und nicht an das Bewusstsein gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der unbegränzten Raumsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die unbegränzte Raumsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der unbegränzten Bewusstseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die unbegränzte Bewusstseinsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Nichtdaseinsphäre werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Nichtdaseinsphäre gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung werd’ ich nicht anhangen, und nicht an die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.
»Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht dieser Welt werd’ ich anhangen, und nicht an diese Welt gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: ›Nicht jener Welt werd’ ich anhangen, und nicht an jene Welt gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben. Da hast du denn, Hausvater, dich also zu üben: 429 ›Und was ich gesehn, gehört, gedacht, erkannt, untersucht, im Geiste erforscht habe, auch daran werd’ ich nicht hangen, und nicht daran gebunden sein wird mein Bewusstsein‹: also hast du dich, Hausvater, wohl zu üben.«
Auf diese Rede kam Anāthapiṇḍiko den Hausvater Seufzen an und Thränen traten ihm in die Augen. Da wandte sich denn der ehrwürdige Ānando also an Anāthapiṇḍiko den Hausvater:
»Beruhige dich, o Hausvater, beschwichtige dich, o Hausvater!«
»Ich kann mich, werther Ānando, nicht beruhigen, nicht beschwichtigen: hab’ ich doch lange Zeiten hindurch dem Meister gedient und geistesmächtigen Mönchen, und habe nie zuvor eine so tief gedachte Rede vernommen.«
»Es ist, o Hausvater, weiß gekleideten Hausleuten so tief gedachte Rede nicht klar genug: Asketen, Hausvater, ist sie klar genug.«
»Doch mag eben, werther Sāriputto, auch weiß gekleideten Hausleuten so tief gedachte Rede klar genug sein. Es giebt ja, werther Sāriputto, edle Söhne, die nicht ganz verdorben sind: hören die solche Dinge nicht, verlieren sie sich; die werden es verstehn.«
* * * * *
Als da nun Anāthapiṇḍiko der Hausvater mit dieser Belehrung belehrt worden, standen Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen von ihren Sitzen auf und entfernten sich.
Bald aber, nachdem Sāriputto und Ānando die Ehrwürdigen fortgegangen, starb Anāthapiṇḍiko der Hausvater und kehrte in Sälige Gestalt wieder.[201]
144.
Fünfzehnter Theil Zweite Rede
CHANNO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 431 Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen.
Um diese Zeit aber hielt sich der ehrwürdige Sāriputto und der ehrwürdige Mahācundo und der ehrwürdige Channo im Gebirge, am Geierkulm auf. Damals war nun der ehrwürdige Channo unwohl geworden, leidend, schwerkrank.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der ehrwürdige Mahācundo weilte, und er sprach also zu ihm:
»Komm’, Bruder Cundo, wir wollen den ehrwürdigen Channo besuchen, nach seinem Befinden uns erkundigen.« 432
»Gern, Bruder!« erwiderte da der ehrwürdige Mahācundo, dem ehrwürdigen Sāriputto gehorchend.
Und der ehrwürdige Sāriputto begab sich nun mit dem ehrwürdigen Mahācundo dorthin wo der ehrwürdige Channo weilte. Dort angelangt tauschten sie höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit einander und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun der ehrwürdige Sāriputto also an den ehrwürdigen Channo:
»Fühlst du dich, Bruder Channo, schon wohler, geht es dir etwas besser, nehmen die Schmerzen wieder ab und nicht zu, merkt man, dass sie nachlassen und nicht zunehmen?«
»Nicht fühl’ ich mich, Bruder Sāriputto, wohler, es geht mir nicht besser, heftig nehmen die Schmerzen zu und nicht ab, man merkt, dass sie zunehmen und nicht nachlassen. -- Zur Waffe, 433 Bruder Sāriputto, werde ich greifen[202], nicht länger begehr’ ich das Leben.«
»Nicht möge der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen möge sich der ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen Channo sich zu fristen. Wenn der ehrwürdige Channo geeigneter Nahrung ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo geeignete Nahrung zu verschaffen suchen; wenn der ehrwürdige Channo geeigneter Arzenei ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo geeignete Arzenei zu verschaffen suchen; wenn der ehrwürdige Channo entsprechender Aufwartung ermangelt, so werde ich dem ehrwürdigen Channo Aufwärter sein. Nicht möge der ehrwürdige Channo zur Waffe greifen, fristen möge sich der ehrwürdige Channo, wir bitten den ehrwürdigen Channo sich zu fristen.«
»Nein, Bruder Sāriputto, ich ermangle keiner geeigneten Nahrung, ermangle keiner geeigneten Arzenei, ermangle keiner entsprechenden Aufwartung. Doch ist nun, Bruder Sāriputto, der 434 Meister seit langem bedient, anmuthig nur, nicht unmuthig: das kommt ja, Bruder Sāriputto, einem Jünger zu, dass er den Meister nur anmuthig bediene, nicht unmuthig. ›Untadelhaft wird Channo der Mönch zur Waffe greifen‹: das magst du, Bruder Sāriputto, also dir merken.«
»Wir hätten noch einige Fragen an den ehrwürdigen Channo, wenn uns der ehrwürdige Channo darauf Antwort geben will.«
»Frage, Bruder Sāriputto: dann werden wir sehn.«
»Beim Auge, Bruder Channo, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen, gewahrst du da wohl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹? beim Ohre, Bruder Channo, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen, gewahrst du da wohl: ›Das gehört mir, das bin ich, das ist mein Selbst‹?«
»Beim Auge, Bruder Sāriputto, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen gewahr’ ich da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; beim Ohre, Bruder Sāriputto, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen gewahr’ ich da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹.«
»Beim Auge, Bruder Channo, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen hast du was gesehn, was verstanden und gewahrst da wohl: ›Das gehört mir nicht, 435 das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹? beim Ohre, Bruder Channo, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen hast du was gesehn, was verstanden und gewahrst da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹?«
»Beim Auge, Bruder Sāriputto, beim Sehbewusstsein, bei den durch das Sehbewusstsein bewusstbaren Dingen hab’ ich die Auflösung gesehn, die Auflösung verstanden und gewahre da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹; beim Ohre, Bruder Sāriputto, bei der Nase, bei der Zunge, beim Leibe, beim Denken, bei den Dingen, beim Denkbewusstsein, bei den durch das Denkbewusstsein bewusstbaren Dingen hab’ ich die Auflösung gesehn, die Auflösung verstanden und gewahre da wohl: ›Das gehört mir nicht, das bin ich nicht, das ist nicht mein Selbst‹.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Mahācundo also an den ehrwürdigen Channo:
»So magst du denn, Bruder Channo, auch diese Weisung von Ihm, dem Erhabenen, unwandelbar im Geiste bewahren: ›Eingepflanzt erzittert man: nicht eingepflanzt erzittert man nicht; erzittert man nicht, ist man still: still geworden neigt man sich nicht; neigt man sich nicht, kommt man und geht man nicht: kommt man und geht man nicht, erscheint und verschwindet man 436 nicht; erscheint und verschwindet man nicht, giebt es kein hüben und kein drüben noch beider inmitten sein: es ist eben das Ende vom Leiden.‹«
Als da nun der ehrwürdige Channo mit dieser Ansprache angesprochen worden, standen Sāriputto und Mahācundo die Ehrwürdigen von ihren Sitzen auf und schritten von dannen.
Bald aber, nachdem Sāriputto und Mahācundo die Ehrwürdigen fortgegangen, hat der ehrwürdige Channo zur Waffe gegriffen.
Da begab sich denn der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen hin, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Sāriputto zum Erhabenen also:
»Der ehrwürdige Channo, o Herr, hat zur Waffe gegriffen. Wo ist er jetzt, was ist aus ihm geworden?«
»Hat dir denn nicht, Sāriputto, Channo der Mönch selber schon untadelig sein erklärt?«
»Es liegt, o Herr, ein Ort, Pubbajiram geheißen, im Vajji-Gebiete. Dort wohnen die Freunde, wohnen die Genossen des ehrwürdigen Channo: denen gilt es als Tadel.«
»Es giebt ja wohl dort, Sāriputto, solche Freunde, solche Genossen von Channo dem Mönche, denen es als Tadel gilt. Ich sage nicht, Sāriputto, dass man darum Tadel habe. Wer da, Sāriputto, den einen Körper ablegt und einen anderen Körper annimmt, der, sag’ ich, ist tadelhaft. Das gilt von Channo dem Mönche nicht. Untadelhaft hat Channo der Mönch zur Waffe gegriffen.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Sāriputto über das Wort des Erhabenen.[203]
145.
Fünfzehnter Theil Dritte Rede
PUṆṆO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 437 Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Da nun begab sich der ehrwürdige Puṇṇo gegen Abend, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Puṇṇo zum Erhabenen also:
»Huldreich, o Herr, möge mir der Erhabene in der Kürze eine Anleitung geben, dass ich, vom Erhabenen recht gewiesen, einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste weilen kann.«
»Wohlan denn, Puṇṇo, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da der ehrwürdige Puṇṇo aufmerksam zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Es giebt, Puṇṇo, durch das Gesicht ins Bewusstsein tretende Formen, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in Liebe und Freude und Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in Liebe und Freude und Neigung sich zukehrt, Lust auf; ist Lust aufgegangen geht Leid auf: das, Puṇṇo, sage ich. Es giebt, Puṇṇo, durch das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, durch den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, durch den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, durch das Gedenken ins Bewusstsein tretende Dinge, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in Liebe und Freude und Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in Liebe und Freude und Neigung sich zukehrt, Lust auf; ist Lust aufgegangen geht Leid auf: das, Puṇṇo, sage ich. -- Es giebt, Puṇṇo, durch das Gesicht ins Bewusstsein 438 tretende Formen, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung sich zukehrt, Lust unter; ist Lust untergegangen geht Leid unter: das, Puṇṇo, sage ich. Es giebt, Puṇṇo, durch das Gehör ins Bewusstsein tretende Töne, durch den Geruch ins Bewusstsein tretende Düfte, durch den Geschmack ins Bewusstsein tretende Säfte, durch das Getast ins Bewusstsein tretende Tastungen, durch das Gedenken ins Bewusstsein tretende Dinge, ersehnte, geliebte, entzückende, angenehme, dem Begehren entsprechende, reizende; wenn der Mönch diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung zugekehrt ist, geht ihm, während er diesen in keiner Liebe, keiner Freude, keiner Neigung sich zukehrt, Lust unter; ist Lust untergegangen geht Leid unter: das, Puṇṇo, sage ich. -- So hab’ ich nun, Puṇṇo, dir in der Kürze eine Anleitung gegeben. In was für einem Lande wirst du weilen?«
»Da ich, o Herr, vom Erhabenen in der Kürze eine solche Anleitung erhalten, werde ich mich nach dem Lande der westlichen Suner, wie man sie nennt, begeben und dort weilen.«
»Ein wildes Volk, Puṇṇo, sind die westlichen Suner, ein rohes Volk, Puṇṇo, sind die westlichen Suner. Wenn dich, Puṇṇo, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, wie wird dir dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner schelten und beschimpfen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Fäusten schlagen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?« 439
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Fäusten schlagen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Steinen werfen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Steinen werfen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Stöcken prügeln.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Stöcken prügeln werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Säbeln treffen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbeln treffen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Wie gnädig sind doch diese westlichen Suner, wie so gnädig sind doch diese westlichen Suner, dass sie mich nicht mit Säbelhieben umbringen.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also 440 wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Wenn dich aber, Puṇṇo, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, wie wird dir wohl dann, Puṇṇo, zumuthe sein?«
»Wenn mich, o Herr, die westlichen Suner mit Säbelhieben umbringen werden, dann wird mir also zumuthe sein: ›Es giebt Jünger des Erhabenen, die Leib und Leben verabscheuen und verachten, tödtliche Waffe zu finden suchen: die hab’ ich nun, diese tödtliche Waffe, und ohne sie zu suchen, gefunden.‹ Also wird mir da, Erhabener, zumuthe sein, also wird mir da, Willkommener, zumuthe sein.«
»Recht so, recht so, Puṇṇo. Imstande sein wirst du, Puṇṇo, mit so milder Geduld begabt, im Lande der westlichen Suner zu weilen. Wie es dir nun, Puṇṇo, belieben mag.«
Und der ehrwürdige Puṇṇo, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, stand von seinem Sitze auf, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum, räumte sein Lager zusammen, nahm Mantel und Almosenschaale und zog hinweg, dem Lande der westlichen Suner entgegen. Von Ort zu Ort weiter wandernd kam er allmälig hin.
Da war denn nun der ehrwürdige Puṇṇo im Lande der westlichen Suner gesiedelt. Und der ehrwürdige Puṇṇo hatte da schon während der Regenzeit gegen fünfhundert Anhänger zu gewinnen vermocht, hatte da schon während der Regenzeit gegen fünfhundert Anhängerinen zu gewinnen vermocht, hatte da schon während der Regenzeit das dreifache Wissen sich offenbar gemacht.[204] Und der ehrwürdige Puṇṇo war nach einiger Zeit vom Wahne erloschen.
Aber gar manche Mönche begaben sich nun zum Erhabenen hin, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen sie zum Erhabenen also: