Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 27

Chapter 273,522 wordsPublic domain

»Wie aber wird, ihr Brüder, das Herz als innen unzuständig bezeichnet? Da hat, ihr Brüder, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht nach, wird von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht verlockt, von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht gefangen, von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille erwirkt, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht nach, wird von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht verlockt, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht gefangen, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, verweilt der Mönch in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt dem Gleichmuthe nicht nach, wird von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht verlockt, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht gefangen, von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt dem leidlos Freudlosen nicht nach, wird von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht verlockt, von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht gefangen, von dem anziehenden leidlos Freudlosen nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz. Also wird, ihr Brüder, das Herz als innen 383 unzuständig bezeichnet.

»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert? Da hat einer, ihr Brüder, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und betrachtet die Form als sich selbst, oder sich selbst als formähnlich, oder in sich selbst die Form, oder in der Form sich selbst. Nun wandelt sich ihm seine Form um, verändert sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der Form herum. Aus dem Herumdrehn um den Wandel der Form gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, hervor, umspannen ihm rings das Herz. Weil ihm das Herz rings umspannt ist, kommt ihn Zittern und Quaal und Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er erschüttert. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein betrachtet er als sich selbst, oder sich selbst als bewusstseinähnlich, oder in sich selbst das Bewusstsein, oder im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel des Bewusstseins herum. Aus dem Herumdrehn um den Wandel des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, hervor, umspannen ihm rings das Herz. Weil ihm das Herz rings umspannt ist, kommt ihn Zittern und Quaal und Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er erschüttert. Also wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert.

»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen nicht erschüttert? Da hat einer, ihr Brüder, als erfahrener heiliger Jünger das Heilige gemerkt, ist der heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, hat das Edle gemerkt, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich und betrachtet die Form nicht als sich selbst, noch sich selbst als formähnlich, noch in sich selbst die Form, noch in der Form sich selbst. Nun wandelt sich ihm seine Form 384 um, verändert sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der Form nicht herum. Ohne Herumdrehn um den Wandel der Form gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz. Weil ihm das Herz nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern, keine Quaal, kein Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein betrachtet er nicht als sich selbst, noch sich selbst als bewusstseinähnlich, noch in sich selbst das Bewusstsein, noch im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel des Bewusstseins nicht herum. Ohne Herumdrehn um den Wandel des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen, nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz. Weil ihm das Herz nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern, keine Quaal, kein Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert. Also wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen unerschütterlich.

»Das, ihr Brüder, scheinen mir die ausgeführten Abzeichen jenes Stämpels zu sein, den uns der Erhabene im Umrisse dargestellt hat: ›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben, dass ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche, das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden 385 künftig nicht mehr finden.‹ Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht ist, so gehet hin und befragt den Erhabenen selbst hierüber: wie es uns der Erhabene erklärt wollet es behalten.«

Da waren denn jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend berichteten nun jene Mönche dem Erhabenen Wort um Wort 386 die ganze Begegnung, die sie mit dem ehrwürdigen Mahākaccāno gehabt hatten. »Da hat uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno auf solche Weise, in solcher Art, mit solchen Bestimmungen den Inhalt dargestellt.«

»Weise, ihr Mönche, ist Mahākaccāno, wissensmächtig, ihr Mönche, ist Mahākaccāno. Wolltet ihr mich, ihr Mönche, um Aufklärung angehn, ich würde den Gegenstand genau so erläutern, wie ihn Mahākaccāno erläutert hat: denn eben das ist der Inhalt, und den sollt ihr derart bewahren.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[184]

139.

Vierzehnter Theil Neunte Rede

STREITLOSE ABZEICHEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 387 Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Streitlose Abzeichen will ich euch Mönchen weisen: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen: eben diese beiden Enden hat der Vollendete beiseite gelassen und den mittleren Pfad aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird, der zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt. Zurede kennen und Abrede kennen; weil man Zurede kennt und Abrede kennt, weder zureden noch abreden: die Satzung eben aufweisen. Wohl ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht, innigem Wohle sich hingeben. Heimlich keine Rede führen, öffentlich keine flüsternde Sprache; und ohne sich zu eilen reden und nicht eilfertig. Was die Leute zu sagen belieben keiner Beachtung würdigen, den Namen nicht überschätzen. Das ist der Stämpel der streitlosen Abzeichen.

»‚Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wann Begierden ergetzen vergnüglich sich hingeben, 388 gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig, unheilsam, das ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn. Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn. Der Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn. Der selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn. ‚Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Eben diese beiden Enden hat der Vollendete beiseite gelassen und den mittleren Pfad aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird, der zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um ebendiesen heiligen achtfältigen Weg, der da ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte Einigung. ‚Eben diese beiden Enden hat der Vollendete beiseite gelassen und den mittleren Pfad aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird, der zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt‘: wurde 389 das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Zurede kennen und Abrede kennen; weil man Zurede kennt und Abrede kennt, weder zureden noch abreden: die Satzung eben aufweisen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wie redet man also, ihr Mönche, zu, und wie redet man ab, und wie weist man die Satzung nicht auf? ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen ab. ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen zu. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen ab. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen zu. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins nicht abgestreift hat, ein jeder solche hat Leid, hat Quaal, hat Jammer, hat Schmerz, ist verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen ab. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins abgestreift hat, ein jeder solche hat kein Leid, keine Quaal, keinen Jammer, keinen Schmerz, ist recht vorgegangen‘[185]: also sprechend redet man so manchen zu. Also, ihr Mönche, redet man zu, und redet man ab, und weist man die Satzung nicht auf. 390

»Wie aber wird, ihr Mönche, weder zugeredet noch abgeredet, nur die Satzung aufgewiesen? ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Die Hingabe freilich, das ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Keine Hingabe freilich, das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Die Hingabe freilich, das ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Keine Hingabe freilich, das ist ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins nicht abgestreift hat, ein jeder solche hat Leid, hat Quaal, hat Jammer, hat Schmerz, ist verkehrt vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Ist freilich die Fessel des Daseins nicht abgestreift, ist das Dasein nicht abgestreift worden‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins abgestreift hat, ein jeder solche hat kein Leid, keine Quaal, keinen Jammer, keinen Schmerz, ist recht vorgegangen‘: das sagt man nicht. ‚Ist freilich die Fessel des Daseins abgestreift, ist das Dasein abgestreift worden‘: also sprechend weist man eben die Satzung auf. Also 391 wird, ihr Mönche, weder zugeredet noch abgeredet, nur die Satzung aufgewiesen. ‚Zurede kennen und Abrede kennen; weil man Zurede kennt und Abrede kennt, weder zureden noch abreden: die Satzung eben aufweisen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Wohl ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht, innigem Wohle sich hingeben‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Fünf Begehrungen, ihr Mönche, giebt es: welche fünf? Die durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, ihr Mönche, die fünf Begehrungen. Was da, ihr Mönche, Wohl und Erwünschtes diesen fünf Begehrungen gemäß geht, das nennt man Begierdenwohl, kothiges Wohl, gemeines Menschenwohl, unheiliges Wohl.[186] Nicht zu pflegen, nicht zu hegen, nicht zu mehren ist es: zu hüten hat man sich vor solchem Wohle, sag’ ich. -- Da weilt, ihr Mönche, ein Mönch, gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung. Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens erwirkt er die innere Meeresstille, die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. In heiterer Ruhe verweilt er gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung. Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt er die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Das nennt man Wohl 392 der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Beruhigung, Wohl der Erwachung. Zu pflegen und zu hegen und zu mehren ist es: nicht zu hüten hat man sich vor solchem Wohle, sag’ ich. ‚Wohl ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht, innigem Wohle sich hingeben‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Heimlich keine Rede führen, öffentlich keine flüsternde Sprache‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wer da, ihr Mönche, von einer heimlichen Rede weiß, dass sie unwahr, unächt, unheilsam ist, soll diese heimliche Rede gewiss nicht sagen. Weiß man aber von einer heimlichen Rede, dass sie wahr und ächt und unheilsam ist, soll man eben bestrebt sein, sie nicht zu sagen. Weiß man dagegen von einer heimlichen Rede, dass sie wahr und ächt und heilsam ist, mag man da die Zeit ermessen, diese heimliche Rede zu sagen. Wer da, ihr Mönche, von öffentlichem Geflüster weiß, dass es unwahr, unächt, unheilsam ist, soll dieses öffentliche Geflüster gewiss nicht sagen. Weiß man aber von einem öffentlichen Geflüster, dass es wahr und ächt und unheilsam ist, soll man eben bestrebt sein, es nicht zu sagen. Weiß man dagegen von einem öffentlichen Geflüster, dass es wahr und ächt und heilsam ist, mag man da die Zeit ermessen, dieses öffentliche Geflüster zu sagen. ‚Heimlich keine Rede führen, öffentlich keine flüsternde Sprache‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.[187]

»‚Und ohne sich zu eilen reden und nicht eilfertig‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wer da, ihr Mönche, in Eile redet, wird körperlich müde, geistig matt, die Stimme versagt, die Kehle wird heiser: undeutlich ist und unverständlich des Eilfertigen Rede. Wer da, ihr Mönche, ohne Eile redet, wird nicht körperlich müde, nicht geistig matt, die Stimme versagt nicht, die Kehle wird nicht heiser: deutlich ist 393 und verständlich die Rede dessen, der nicht eilt. ‚Und ohne sich zu eilen reden und nicht eilfertig‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.[188]

»‚Was die Leute zu sagen belieben keiner Beachtung würdigen, den Namen nicht überschätzen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Wie also wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben der Beachtung gewürdigt und der Name überschätzt? Da wird man, ihr Mönche, wie es eben in mancherlei Gegenden üblich ist, ‚Beschützer‘ genannt, ‚Behüter‘ genannt, ‚Behälter‘ genannt, ‚Geschirr‘ genannt, ‚Geschmeiß‘ genannt, ‚Schmarotzer‘ genannt, ‚Geziefer‘ genannt, ‚Gesindel‘ genannt. Wie man bald so und bald so in diesen und jenen Gegenden genannt wird, giebt man da mehr und mehr genau und geflissentlich acht: ‚Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‘ Also wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben der Beachtung gewürdigt und der Name überschätzt.

»Wie aber wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben keiner Beachtung gewürdigt und der Name nicht überschätzt? Da wird man, ihr Mönche, wie es eben in mancherlei Gegenden üblich ist, ‚Beschützer‘ genannt, ‚Behüter‘ genannt, ‚Behälter‘ genannt, ‚Geschirr‘ genannt, ‚Geschmeiß‘ genannt, ‚Schmarotzer‘ genannt, ‚Geziefer‘ genannt, ‚Gesindel‘ genannt. Wie man bald so und bald so in diesen und jenen Gegenden genannt wird, giebt man in dem Gedanken ›Das bringen wohl die Ehrwürdigen in Beziehung auf mich vor‹ minder und minder geflissentlich acht. Also wird, ihr Mönche, was die Leute zu sagen belieben keiner 394 Beachtung gewürdigt und der Name nicht überschätzt. ‚Was die Leute zu sagen belieben keiner Beachtung würdigen, den Namen nicht überschätzen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

* * * * *

»Da ist nun, ihr Mönche, wann Begierden ergetzen vergnüglich sich hingeben, gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig, unheilsam, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding. Da ist nun, ihr Mönche, der Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, der selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, der mittlere Pfad, den der Vollendete aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird, der zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, zureden und abreden und nicht die Satzung aufweisen ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, weder zureden 395 noch abreden, nur die Satzung aufweisen ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, Begierdenwohl, kothiges Wohl, gemeines Menschenwohl, unheiliges Wohl ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, Wohl der Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Beruhigung, Wohl der Erwachung ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, heimliche Rede, die unwahr, unächt, unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, heimliche Rede, die wahr und ächt und unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, heimliche Rede, die wahr und ächt und heilsam ist, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.

»Da ist nun, ihr Mönche, öffentliches Geflüster, das unwahr, unächt, unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, öffentliches Geflüster, das wahr und ächt und unheilsam ist, ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn, ist darum ein streithaftes Ding. Da ist nun, ihr Mönche, öffentliches Geflüster, das wahr und ächt und heilsam ist, ein Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, 396 ohne Schmerz, rechtes Vorgehn, ist darum ein streitloses Ding.