Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band

Part 24

Chapter 243,677 wordsPublic domain

»Wie aber, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin? ›So will ich einst mein Gesicht haben, so die Formen‹: so hat man das Herz auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz darauf gerichtet ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, hofft man auf die Zukunft hin. ›So will ich einst mein Gehör haben, so die Töne‹, ›So will ich einst meinen Geruch haben, so die Düfte‹, ›So will 337 ich einst meinen Geschmack haben, so die Säfte‹, ›So will ich einst mein Getast haben, so die Tastungen‹, ›So will ich einst mein Gedenken haben, so die Dinge‹: so hat man das Herz auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz darauf gerichtet ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, hofft man auf die Zukunft hin. Also, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunft hin? ›So will ich einst mein Gesicht haben, so die Formen‹: so hat man das Herz nicht auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz nicht darauf gerichtet ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, hofft man nicht auf die Zukunft hin. ›So will ich einst mein Gehör haben, so die Töne‹, ›So will ich einst meinen Geruch haben, so die Düfte‹, ›So will ich einst meinen Geschmack haben, so die Säfte‹, ›So will ich einst mein Getast haben, so die Tastungen‹, ›So will ich einst mein Gedenken haben, so die Dinge‹: so hat man das Herz nicht auf die Erlangung des Unerlangten gerichtet; und weil das Herz nicht darauf gerichtet ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, hofft man nicht auf die Zukunft hin. Also, ihr Brüder, hofft man nicht auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht? Gesicht, ihr Brüder, und Formen: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht. Gehör, ihr Brüder, und Töne, Geruch, ihr Brüder, und Düfte, Geschmack, ihr Brüder, und Säfte, Getast, ihr Brüder, und Tastungen, Gedenken, ihr Brüder, und Dinge: beides ist gegenwärtig; weil 338 es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein mit Willensbegier gefesselt ist, hat man daran Befriedigung; und weil man daran Befriedigung hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der Fassung gebracht.

»Wie aber, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht? Gesicht, ihr Brüder, und Formen: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein nicht mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht. Gehör, ihr Brüder, und Töne, Geruch, ihr Brüder, und Düfte, Geschmack, ihr Brüder, und Säfte, Getast, ihr Brüder, und Tastungen, Gedenken, ihr Brüder, und Dinge: beides ist gegenwärtig; weil es aber gegenwärtig ist, wird das Bewusstsein nicht mit Willensbegier daran gefesselt; und weil das Bewusstsein nicht mit Willensbegier gefesselt ist, hat man keine Befriedigung daran; und weil man keine Befriedigung daran hat, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht. Also, ihr Brüder, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der Fassung gebracht.

»Das, ihr Brüder, betrachte ich als den ausführlich dargelegten Inhalt jener Andeutung, die uns der Erhabene in kurzer Fassung gegeben hat. Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht ist, so gehet 339 hin und befragt den Erhabenen selbst hierüber: wie es uns der Erhabene erklärt wollet es behalten.«

Da waren nun jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend berichteten da jene Mönche dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung, die sie mit dem ehrwürdigen Mahākaccāno 340 gehabt hatten: »Da hat uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno auf solche Weise, in solcher Art, mit solchen Bestimmungen den Inhalt dargestellt.«

»Weise, ihr Mönche, ist Mahākaccāno, wissensmächtig, ihr Mönche, ist Mahākaccāno. Wolltet ihr mich, ihr Mönche, um Aufklärung angehn, ich würde den Gegenstand genau so erläutern, wie ihn Mahākaccāno erläutert hat: denn eben das ist der Inhalt, und den sollt ihr derart bewahren.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.

134.

Vierzehnter Theil Vierte Rede

LOMASAKAṈGIYO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun weilte der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.

Da ließ nun bei einbrechender Dämmerung Candano[174] der 341 Göttersohn die ganze Umgegend des Feigenparkes in immer hellerem Glanze erstrahlen und kam bis dorthin wo der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo weilte. Dort angelangt stand er beiseite, und beiseite stehend sprach er den ehrwürdigen Lomasakaṉgiyo also an:

»Kennst du, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Nein, o Bruder, ich kenne des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen nicht: du aber, Bruder, kennst du des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen?«

»Auch ich, o Mönch, kenne nicht des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: kennst du aber, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang?«

»Nein, o Bruder, ich kenne den glücksäligeinsamen Sang nicht: du aber, Bruder, kennst du den glücksäligeinsamen Sang?«

»Ich kenne, o Mönch, den glücksäligeinsamen Sang.«

»Woher denn aber, Bruder, kennst du den glücksäligeinsamen Sang?«

»Es war einmal, o Mönch, da weilte der Erhabene bei den Dreiunddreißig Göttern, im Schatten des himmlischen Baumes, am weißen Flockenfels. Dort nun hat der Erhabene den Dreiunddreißig Göttern des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen aufgewiesen. Also kenne ich, o Mönch, 342 den glücksäligeinsamen Sang. Erforsche du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, erfasse du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, bewahre du, Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen: sinnreich ist, o Mönch, des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen, urasketenthümlich.«

Also sprach Candano der Göttersohn. Als er das gesagt, war er alsbald verschwunden.

Wie es nun Tag geworden, brach der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo sein Lager ab, nahm Mantel und Almosenschaale und begab sich auf die Wanderung nach Sāvatthī. Von Ort zu Ort weiterziehend näherte er sich der Stadt. Und er kam in den Siegerwald, in den Garten Anāthapiṇḍikos, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend erzählte nun der ehrwürdige Lomasakaṉgiyo dem Erhabenen Wort um Wort die ganze Begegnung, die er da vorher, im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume, mit jenem Göttersohne gehabt hatte. Dann sprach er also:

»Gut wär’ es, o Herr, wollte mir der Erhabene des 343 Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen aufweisen.«

»Weißt du aber, Mönch, wer jener Göttersohn war?«

»Nein, o Herr, ich weiß nicht, wer jener Göttersohn war.«

»Candano geheißen, Mönch, ist jener Göttersohn. Candano, Mönch, der Göttersohn, hat achtsam, aufmerksam, mit ganzem Gemüthe hingegeben, offenen Ohres der Lehre gelauscht. Wohlan denn, Mönch, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam jener Mönch zum 344 Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit, Kein Hoffen auf die Zukunft hin; Ist abgethan was vorher war Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um Ding Gewärtig in der Gegenwart: Was keiner rauben, rütteln kann, Durchbohrend finden mag man das.

»Noch heute gilt der heiße Kampf: Ob morgen todt, wer weiß es wohl? Es muss die Schlacht geschlagen sein, Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagt Und unermüdlich Tag und Nacht, Glücksäligeinsam ist er da, Der stille Denker, wie man sagt.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige 345 Lomasakaṉgiyo über das Wort des Erhabenen.[175]

135.

Vierzehnter Theil Fünfte Rede

KENNZEICHNUNG DER WERKE

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Da begab sich denn Subho, ein junger Brāhmane, der Sohn Todeyyos, dorthin wo der Erhabene weilte, wechselte mit dem Erhabenen höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:

»Was ist wohl, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass man auch unter menschlichen Wesen, die als Menschen geboren sind, Verkommenheit und Vorzüglichkeit findet? Man sieht, o Gotamo, kurzlebige Menschen und man sieht langlebige, man sieht bresthafte und man sieht rüstige, man sieht unschöne und man sieht schöne, man sieht wenig vermögende und man sieht viel vermögende, man sieht wenig besitzende und man sieht viel besitzende, man sieht niedrig gestellte und man sieht hoch gestellte, man sieht stumpfsinnige und man sieht scharfsinnige: 347 was ist da, o Gotamo, der Anlass, was ist der Grund, dass man auch unter menschlichen Wesen, die als Menschen geboren sind, Verkommenheit und Vorzüglichkeit findet?«

»Eigner der Werke, Brāhmane, sind die Wesen, Erben der Werke, Kinder der Werke, Geschöpfe der Werke, Knechte der Werke: das Werk scheidet die Wesen ab, nach Verkommenheit und Vorzüglichkeit.«

»Nicht kann ich was da Herr Gotamo in Kürze gesagt, nicht ausführlich dargestellt hat, dem ganzen Sinne nach verstehn; gut wär’ es, wenn mir Herr Gotamo die Satzung dergestalt zeigen wollte, dass ich den ganzen Sinn dieser kurzgefassten Worte verstehn könnte.«

»Wohlan denn, Brāhmane, so höre und achte wohl auf meine Rede.«

»Ja, Herr!« sagte da Subho, der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, aufmerksam zum Erhabenen. Der Erhabene sprach also:

»Da bringt, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann Lebendiges um, ist grausam und blutgierig, an Mord und Todtschlag gewohnt, ohne Mitleid gegen Mensch und Thier. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, kurzlebig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu kurzem Leben führt, dass man da Lebendiges umbringt, grausam und blutgierig ist, an Mord und Todtschlag gewohnt, ohne Mitleid gegen Mensch und Thier.

»Da hat wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann das Tödten verworfen, vom Tödten hält er sich fern: ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme, hegt er zu allen 348 lebenden Wesen Liebe und Mitleid. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, langlebig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu langem Leben führt, dass man da das Tödten verworfen hat, vom Tödten sich fernhält, ohne Stock, ohne Schwerdt, fühlsam, voll Theilnahme zu allen lebenden Wesen Liebe und Mitleid hegt.

»Da behandelt, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann die Wesen heftig und quaalvoll, geht mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vor. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, bresthaft sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu Gebresten führt, dass man da die Wesen heftig und quaalvoll behandelt, mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vorgeht.

»Da behandelt wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann die Wesen nicht heftig und quaalvoll, geht nicht mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vor. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, rüstig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu Rüstigkeit führt, dass man da die Wesen nicht heftig und quaalvoll behandelt, nicht mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit 349 Waffen gegen sie vorgeht.

»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann zornig gesinnt, macht viel Geschrei; wenn ihm auch wenig gesagt wird fährt er auf, erregt sich, ärgert sich, widersetzt sich, legt Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, unschön sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zur Unschönheit führt, dass man da zornig gesinnt ist, viel Geschrei macht, wenn einem auch wenig gesagt wird auffährt, sich erregt, sich ärgert, sich widersetzt, Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt.

»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht zornig gesinnt, macht nicht viel Geschrei; wenn ihm auch viel gesagt wird fährt er nicht auf, erregt sich nicht, ärgert sich nicht, widersetzt sich nicht, legt nicht Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, anmuthig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zur Anmuth führt, dass man da nicht zornig gesinnt ist, nicht viel Geschrei macht, wenn einem auch viel gesagt wird nicht auffährt, sich nicht erregt, sich nicht 350 ärgert, sich nicht widersetzt, nicht Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt.

»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann eifersüchtig: wenn andere Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet, geehrt, gefeiert werden, ist er neidig, missgünstig, fröhnt der Eifersucht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, wenig vermögen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu wenig vermögen führt, dass man da eifersüchtig ist, wenn andere Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet, geehrt, gefeiert werden, neidig, missgünstig ist, der Eifersucht fröhnt.

»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht eifersüchtig: wenn andere Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet, geehrt, gefeiert werden, ist er nicht neidig, nicht missgünstig, fröhnt keiner Eifersucht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, viel vermögen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu viel vermögen führt, dass man da nicht eifersüchtig ist, wenn andere Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet, geehrt, gefeiert werden, nicht neidig, nicht missgünstig ist, keiner Eifersucht fröhnt.

»Da wendet, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann Asketen oder Priestern keine Gabe zu, Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, 351 abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, wenig besitzen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu wenig Besitz führt, dass man da Asketen oder Priestern keine Gabe zuwendet, Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht.

»Da wendet wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann Asketen oder Priestern Gaben zu, Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, viel besitzen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu viel Besitz führt, dass man da Asketen oder Priestern Gaben zuwendet, Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht.

»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann trotzig und hochmüthig, grüßt keinen, der Gruß verdient, erhebt sich vor keinem, vor dem man sich erheben soll, bietet keinen Sitz an wem ein Sitz gebührt, weicht auf dem Wege nicht aus wem auszuweichen ist, hält einen Werthzuhaltenden nicht werth, schätzt einen Hochzuschätzenden nicht hoch, achtet keinen Achtbaren, ehrt keinen Ehrwürdigen. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht 352 dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, niedrig gestellt sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu niedriger Stellung führt, dass man da trotzig und hochmüthig ist, keinen grüßt, der Gruß verdient, sich vor keinem erhebt, vor dem man sich erheben soll, keinen Sitz anbietet wem ein Sitz gebührt, auf dem Wege nicht ausweicht wem auszuweichen ist, einen Werthzuhaltenden nicht werthhält, einen Hochzuschätzenden nicht hochschätzt, keinen Achtbaren achtet, keinen Ehrwürdigen ehrt.

»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht trotzig, nicht hochmüthig, grüßt, wenn einer Gruß verdient, erhebt sich, wenn man sich vor einem erheben soll, bietet Sitz an wem ein Sitz gebührt, weicht auf dem Wege aus wem auszuweichen ist, hält einen Werthzuhaltenden werth, schätzt einen Hochzuschätzenden hoch, achtet einen Achtbaren, ehrt einen Ehrwürdigen. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, hoch gestellt sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu hoher Stellung führt, dass man da nicht trotzig, nicht hochmüthig ist, grüßt, wenn einer Gruß verdient, sich erhebt, wenn man sich vor einem erheben soll, Sitz anbietet wem ein Sitz gebührt, auf dem Wege ausweicht wem auszuweichen ist, einen Werthzuhaltenden werthhält, einen Hochzuschätzenden hochschätzt, einen Achtbaren achtet, einen Ehrwürdigen ehrt.

»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann einem Asketen oder einem Priester begegnet und erkundigt sich nicht: ›Was ist 353 heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben? Was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum Wohle, zum Heile gereichen?‹ Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, unverständig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zur Unverständigkeit führt, dass man da einem Asketen oder einem Priester begegnet und sich nicht erkundigt: ›Was ist heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben; was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum Wohle, zum Heile gereichen.‹

»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann einem Asketen oder einem Priester begegnet und erkundigt sich: ›Was ist heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben? Was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum Wohle, zum Heile gereichen?‹ Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird 354 er, wo er da neugeboren wird, wissensmächtig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zur Wissensmacht führt, dass man da einem Asketen oder einem Priester begegnet und sich erkundigt: ›Was ist heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben; was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum Wohle, zum Heile gereichen.‹

»So lässt denn, Brāhmane, der Uebergang, der zu kurzem Leben führt, kurzlebig werden; der Uebergang, der zu langem Leben führt, langlebig werden; der Uebergang, der zu Gebresten führt, bresthaft werden; der Uebergang, der zu Rüstigkeit führt, rüstig werden; der Uebergang, der zur Unschönheit führt, unschön werden; der Uebergang, der zur Anmuth führt, anmuthig werden; der Uebergang, der zu wenig vermögen führt, wenig vermögend werden; der Uebergang, der zu viel vermögen führt, viel vermögend werden; der Uebergang, der zu wenig Besitz führt, wenig besitzend werden; der Uebergang, der zu viel Besitz führt, viel besitzend werden; der Uebergang, der zu niedriger Stellung führt, niedrig gestellt werden; der Uebergang, der zu hoher Stellung führt, hoch gestellt werden; der Uebergang, der zur Unverständigkeit führt, unverständig werden; der Uebergang, der zur Wissensmacht führt, wissensmächtig werden. Eigner der Werke, Brāhmane, sind die Wesen, Erben der Werke, Kinder der Werke, Geschöpfe der Werke, Knechte der Werke: das Werk scheidet die Wesen ab, nach Verkommenheit und Vorzüglichkeit.«

* * * * *

Nach dieser Rede sprach Subho der junge Brāhmane, der Sohn Todeyyos, zum Erhabenen also:

»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie 355 etwa, o Gotamo, als ob einer Umgekehrtes aufkehrte, oder Verborgenes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar manigfach dargelegt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[176]

136.

Vierzehnter Theil Sechste Rede

KENNZEICHNUNG DER WERKE