Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 17
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, mag des Erwachsamen Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr anwandeln, und nicht mehr kann des Erwachsamen Mutter von irgend einem Manne in Leidenschaft umfangen werden.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr anwandeln mag, und des Erwachsamen Mutter nicht mehr von irgend einem Manne in Leidenschaft umfangen werden kann, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, ist des Erwachsamen Mutter mit den fünf Begehrungen begabt und wird in ihrem 234 Gebrauche gehegt und gepflegt.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter mit den fünf Begehrungen begabt ist und in ihrem Gebrauche gehegt und gepflegt wird, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, wird des Erwachsamen Mutter von keinerlei Krankheit befallen, wohl befindet sich des Erwachsamen Mutter, ohne körperliche Gebrechen, und erblickt den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Ānando, ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, um den ein Faden geschlungen wäre, ein blauer oder ein gelber, ein rother oder ein weißer oder ein grüner, und ein scharfsehender Mann habe ihn an die Hand gesteckt und betrachtete ihn: ‚Das ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, und dieser Faden ist herumgeschlungen, der blaue oder der gelbe, der rothe oder der weiße oder der grüne‘: ebenso nun auch, Ānando, erblickt des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des Erwachsamen Mutter von keinerlei Krankheit befallen wird, sich wohl befindet, ohne körperliche Gebrechen, und den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen sieht, mit allen Gliedern begliedert, sinnenfällig, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[115]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Sieben Tage nach der Geburt, Ānando, des Erwachsamen stirbt des Erwachsamen Mutter und kehrt in Sälige Gestalt empor.‹ Dass aber, o Herr, sieben Tage nach der Geburt des Erwachsamen des Erwachsamen Mutter stirbt und in Sälige Gestalt emporkehrt, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von 235 Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando, neun oder zehn Monde die Frucht im Leibe tragen und dann gebären, doch nicht also den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter: zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen im Leibe getragen gebiert sie.‹ Dass aber, o Herr, zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen im Leibe getragen gebiert, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando, sitzend oder liegend gebären, doch nicht also den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter: stehend nur gebiert den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter.‹ Dass aber, o Herr, den Erwachsamen des Erwachsamen Mutter nur stehend gebiert, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[116]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, wird er zuerst von Göttern entgegengenommen, hernach von Menschen.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, zuerst von Göttern entgegengenommen wird, hernach von Menschen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, berührt der Erwachsame nicht den Boden, sondern von vier Göttersöhnen empfangen wird er der Mutter dargebracht: ‚Besäligt sei, o Königin, ein hochbegabter Sohn ist dir geboren.‘‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, nicht den Boden berührt, sondern von vier Göttersöhnen empfangen der Mutter dargebracht wird, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[117]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus 236 dem Leibe der Mutter hervorkehrt, kehrt er makellos hervor, unbefleckt von Nässe, unbefleckt von Schleim, unbefleckt von Blut, unbefleckt von irgend welcher Unsauberkeit, rein und abgeklärt. Gleichwie etwa, Ānando, wenn eine kostbare Perle in ein seidenes Tuch eingehüllt ist, weder die kostbare Perle das seidene Tuch befleckt noch auch das seidene Tuch die kostbare Perle: und warum nicht? weil beide rein sind: ebenso nun auch, Ānando, kehrt der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, makellos hervor, unbefleckt von Nässe, unbefleckt von Schleim, unbefleckt von Blut, unbefleckt von irgend welcher Unsauberkeit, rein und abgeklärt.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame also aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[118]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, ergießen sich zwei Regenströme aus den Wolken herab, einer kühl, einer warm, woraus dem Erwachsamen der Wasserguss gemischt wird und der Mutter.‹[119] Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, zwei Regenströme sich aus den Wolken herabergießen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Alsbald nach der Geburt, Ānando, fasst der Erwachsame mit beiden Füßen zugleich Boden, wendet das Antlitz gegen Norden und schreitet mit sieben Schritten geradeaus, während ein weißer Schirm ober ihm schwebt[120]: und er blickt nach allen Seiten hin und spricht das gewaltige Wort:
Der Höchste bin ich in der Welt, Der Hehrste bin ich in der Welt, Der Erste bin ich in der Welt, Das letzte Leben leb’ ich, Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
Dass aber, o Herr, der Erwachsame alsbald nach der Geburt also 237 das gewaltige Wort spricht, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, erhebt sich wiederum in der Welt mit ihren Göttern, mit ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht.[121] Und auch die Zwischenwelten, die traurigen, trostlosen, finsteren, finster umnachteten, wo selbst dieser Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen, mit ihrem Scheine nicht hindringen, auch dort erhebt sich ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht. Die aber dort als Wesen weilen, die erschauen in diesem Glanze sich selber und sagen: ‚Andere sind es ja noch der Wesen, die hier weilen!‘ Diese zehntausendfache Welt aber wankt und erbebt und erzittert, und es erhebt sich aus ihr ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter göttliche Pracht.‹ Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, ein solcher Glanz erscheint, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.«
»Wohlan denn, Ānando, so magst du auch diese Eigenschaft des Vollendeten als erstaunlich und außerordentlich dir merken: da steigen, Ānando, Gefühle dem Vollendeten bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter; steigen Wahrnehmungen bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter; steigen Gedanken bewusst auf, bewusst halten sie an, bewusst gehn sie unter. Eben das ist, Ānando, eine Eigenschaft des Vollendeten, die du als erstaunlich und außerordentlich dir merken magst.«
»Dass freilich, o Herr, Gefühle dem Erhabenen bewusst 238 aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn; Wahrnehmungen bewusst aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn; Gedanken bewusst aufsteigen, bewusst anhalten, bewusst untergehn: auch das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.«
* * * * *
Also sprach der ehrwürdige Ānando. Zugestimmt hatte der Meister. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des ehrwürdigen Ānando.[122]
124.
Dreizehnter Theil Vierte Rede
BAKKULO
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der ehrwürdige 239 Bakkulo bei Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Da nun begab sich der Nackte Büßer[123] Kassapo, ein ehemaliger Hausgenosse des ehrwürdigen Bakkulo, dorthin wo der ehrwürdige Bakkulo weilte, wechselte höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend sprach nun der Nackte Büßer Kassapo zum ehrwürdigen Bakkulo also:
»Wie lang ist es her, Bruder Bakkulo, dass du Pilger bist?«
»Achtzig Jahre, Bruder, bin ich Pilger.«
»Während dieser achtzig Jahre aber, Bruder Bakkulo, hast du wie oft der Paarung gepflegt?«
»Nicht wohl darfst du mich, Bruder Kassapo, also befragen, sondern die Frage kannst du mir stellen: ›Während dieser achtzig Jahre aber, Bruder Bakkulo, ist dir wie oft eine begehrliche Wahrnehmung zuerst aufgestiegen?‹ Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner begehrlichen Wahrnehmung, die mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einer begehrlichen Wahrnehmung, die zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«[124]
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner gehässigen, keiner rachgierigen Wahrnehmung, die mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einer gehässigen, einer rachgierigen Wahrnehmung, die zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich 240 von keinem begehrlichen Gedanken, der mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einem begehrlichen Gedanken, der zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinem gehässigen, keinem rachgierigen Gedanken, der mir zuerst aufgestiegen wäre.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von einem gehässigen, einem rachgierigen Gedanken, der zuerst aufgestiegen wäre, nichts mehr weiß, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinem bürgerlichen Kleide, das ich angenommen hätte.«
»Dass aber der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren von keinem bürgerlichen Kleide weiß es angenommen zu haben, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner Scheere, mit der ich mir den Mantel zugeschnitten, von keiner Nadel, mit der ich mir den Mantel genäht, von keiner Farbe, mit der ich mir den Mantel gefärbt, von keinem Flecken, mit dem ich mir den Mantel geflickt hätte, weiß nicht, dass ich mit den Ordensbrüdern die Kleidung ausgebessert hätte.[125] Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner Einladung, der ich zugesagt hätte, von keinerlei Gedanken, der mir etwa gekommen wäre, ›O dass mich doch jemand einlüde‹, weiß nicht, dass ich in einem Hause gesessen, in einem Hause gegessen hätte. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich nicht, dass ich ein Weib erblickend es angesehn hätte, weiß nicht, dass ich einem Weibe die Lehre dargelegt, und wär’ es auch nur ein Spruch von vier Silben gewesen. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner Nonnenzelle, der ich genaht wäre, von keiner Nonne, keiner Jüngerin, keiner 241 Schülerin, der ich die Lehre dargelegt hätte.[126] Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keiner Aufnahme, keiner Ordensweihe, die von mir ertheilt worden, weiß nicht, dass ich beigestanden wäre, dass von mir ein Schüler unterwiesen worden[127]. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich nicht, dass ich im Badhause gebadet, ein Seifenpulver gebraucht, von den Ordensbrüdern mich abreiben hätte lassen. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich von keinerlei Krankheit, die mich etwa befallen, und wär’ es auch nur ein Hustenreiz in der Gurgel gewesen[128], weiß von keinem Heilkraute, das ich genommen, und wär’ es auch nur ein Grashalm gewesen. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich nicht auf der Seite gelegen zu sein, mich niedergelegt zu haben. Die achtzig Jahre, Bruder Kassapo, wo ich Pilger bin, weiß ich nicht, dass ich über die Regenzeit in der Nähe eines Dorfes Obdach aufgesucht hätte.«
»Dass freilich der ehrwürdige Bakkulo seit achtzig Jahren also gelebt hat, eben das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.«
»Sieben Tage erst hatt’ ich da, Bruder Kassapo, als Asket Almosenbissen genossen, als am achten die Gewissheit aufging.«
»Dass eben da der ehrwürdige Bakkulo sieben Tage erst als Asket Almosenbissen genossen, als am achten die Gewissheit aufging, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken. Könnte ich doch, Bruder Bakkulo, in diese Lehre und Ordnung aufgenommen, mit der Weihe belehnt werden!«
Und der Nackte Büßer Kassapo wurde in diese Lehre und Ordnung aufgenommen, wurde mit der Weihe belehnt.
Nicht lange aber war der ehrwürdige Kassapo in den Orden aufgenommen, da hatte er, einsam, abgesondert, unermüdlich, in heißem, innigem Ernste gar bald was edle Söhne gänzlich 242 vom Hause fort in die Hauslosigkeit lockt, jenes höchste Ziel des Asketenthums noch bei Lebzeiten sich offenbar gemacht, verwirklicht und errungen. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ verstand er da. Auch einer war nun der ehrwürdige Kassapo der Heiligen geworden.
* * * * *
Und der ehrwürdige Bakkulo begab sich nach einiger Zeit, in seinen weiten Mantel gehüllt, von Klause zu Klause und sprach also: ›Schreitet herbei, ihr Brüder, schreitet herbei, ihr Brüder: heute werd’ ich vom Wahne vollkommen erlöschen.‹ Dass aber der ehrwürdige Bakkulo, in seinen weiten Mantel gehüllt, von Klause zu Klause gegangen ist und gesagt hat: ›Schreitet herbei, ihr Brüder, schreitet herbei, ihr Brüder: heute werd’ ich vom Wahne vollkommen erlöschen‹, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.
Und der ehrwürdige Bakkulo ist, in der Mitte der Ordensbrüder sitzend, vom Wahne vollkommen erloschen. Dass aber der ehrwürdige Bakkulo, in der Mitte der Ordensbrüder sitzend, vom Wahne vollkommen erloschen ist, auch das wollen wir uns als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des ehrwürdigen Bakkulo merken.[129]
125.
Dreizehnter Theil Fünfte Rede
RANG DER GEBÄNDIGTEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 243 Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese Zeit aber lebte Aciravato, ein junger Asket, im Walde, in einer Hütte.
Da kam denn Jayaseno der Königsohn, auf einem Spaziergange sich ergehend, dorthin wo Aciravato der junge Asket weilte. Dorthin gekommen tauschte er höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun Jayaseno der Königsohn also an Aciravato den jungen Asketen:
»Sagen lassen hab’ ich mir, o Aggivessano, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
»Also ist es, Königsohn, also ist es, Königsohn, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
»Gut wär’ es, wollte mir Herr Aggivessano die Lehre, wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen.«
»Nicht kann ich dir, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen. Denn wollt’ ich dir gleich, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen, und du den Sinn meiner Rede nicht verständest, hätt’ ich nur Mühe, hätte nur Plage.«
»Möge mir Herr Aggivessano die Lehre, wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen, auf dass ich doch etwa den Sinn seiner Rede verstehn könnte.«
»Mag ich dir nun, Königsohn, die Lehre, wie sie von mir gehört, von mir aufgefasst worden, darlegen, und du kannst da den Sinn meiner Rede verstehn, so soll es recht sein; kannst du aber den 244 Sinn meiner Rede nicht verstehn, so magst du deinen Glauben behalten und mich darum nicht weiter befragen.«
»Möge mir Herr Aggivessano die Lehre wie sie von ihm gehört, von ihm aufgefasst worden, darlegen: und kann ich da den Sinn seiner Rede verstehn, so soll es recht sein; kann ich aber den Sinn seiner Rede nicht verstehn, so werd’ ich meinen Glauben behalten und Herrn Aggivessano darum nicht weiter befragen.«
Da gab denn Aciravato der junge Asket dem Königsohne Jayaseno eine Darlegung der Lehre, wie er sie gehört, wie er sie aufgefasst hatte. Also berichtet sagte nun Jayaseno der Königsohn zu Aciravato dem jungen Asketen:
»Unmöglich ist es, o Aggivessano, es kann nicht sein, dass da ein Mönch, der ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, Einigung des Herzens finden mag.«
Als nun Jayaseno der Königsohn Aciravato dem jungen Asketen Unmöglichkeit vorgehalten, stand er von seinem Sitze auf und ging weiter. Aciravato aber, der junge Asket, begab sich, bald nachdem Jayaseno der Königsohn fortgegangen, dorthin wo der Erhabene weilte. Dort angelangt begrüßte er den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend erzählte da Aciravato der junge Asket dem Erhabenen Wort um Wort das ganze Gespräch, das er mit Jayaseno dem Königsohne geführt hatte. Nach diesem Berichte wandte sich nun der Erhabene also an Aciravato den jungen Asketen:
»Woher denn, Aggivessano, sollt’ es möglich sein, dass was durch Entsagung erkennbar, durch Entsagung ersehbar, durch Entsagung erreichbar, durch Entsagung erwirkbar ist, etwa auch 245 von Jayaseno dem Königsohne, der mitten in Begehren lebt, Begehren genießt, von begehrlichen Gedanken verzehrt wird, von begehrlichem Fieber entzündet ist, eifrig dem Begehren nachgeht, erkannt oder ersehn oder erreicht oder verwirklicht werden könnte? Das ist unmöglich.[130] Gleichwie etwa, Aggivessano, wenn da zwei junge Elephanten oder junge Rosse oder junge Stiere wären, wohlgebändigt, wohlabgerichtet, und zwei junge Elephanten oder junge Rosse oder junge Stiere, ungebändigt, unabgerichtet; was meinst du nun, Aggivessano: jene beiden jungen Elephanten oder jungen Rosse oder jungen Stiere, die wohlgebändigten, wohlabgerichteten, würden die wohl als gebändigte thun was Gebändigten zukommt, als gebändigte den Rang der Gebändigten einnehmen?«
»Gewiss, o Herr!«
»Aber die beiden anderen jungen Elephanten oder jungen Rosse oder jungen Stiere, die ungebändigten, unabgerichteten, würden die wohl als ungebändigte thun was Gebändigten zukommt, als ungebändigte den Rang der Gebändigten einnehmen, gleichwie etwa jene ersteren?«
»Gewiss nicht, o Herr!«