Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band
Part 12
»Da hat, Ānando, ein Mönch diese Kenntniss: ›Wenn Jenes ist 160 wird Dieses, durch die Entstehung von Jenem entsteht Dieses; wenn Jenes nicht ist wird Dieses nicht, durch die Auflösung von Jenem wird Dieses aufgelöst. Und zwar: aus Unwissen entstehn Unterscheidungen, aus Unterscheidungen entsteht Bewusstsein, aus Bewusstsein entsteht Bild und Begriff[70], aus Bild und Begriff entsteht sechsfaches Gebiet, aus sechsfachem Gebiet entsteht Berührung, aus Berührung entsteht Gefühl, aus Gefühl entsteht Durst, aus Durst entsteht Anhangen, aus Anhangen entsteht Werden, aus Werden entsteht Geburt, aus Geburt gehn Altern und Sterben, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsinn, Verzweiflung hervor: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Entwicklung zustande. Ist aber eben Unwissen ohne Reiz, ohne Ueberrest aufgelöst lösen sich Unterscheidungen auf, sind Unterscheidungen aufgelöst löst sich Bewusstsein auf, ist Bewusstsein aufgelöst löst sich Bild und Begriff auf, ist Bild und Begriff aufgelöst löst sich sechsfaches Gebiet auf, ist sechsfaches Gebiet aufgelöst löst sich Berührung auf, ist Berührung aufgelöst löst sich Gefühl auf, ist Gefühl aufgelöst löst sich Durst auf, ist Durst aufgelöst löst sich Anhangen auf, ist Anhangen aufgelöst löst sich Werden auf, ist Werden aufgelöst löst sich Geburt auf, ist Geburt aufgelöst lösen sich Altern und Sterben, Schmerz und Jammer, Leiden, Trübsinn, Verzweiflung auf: also kommt dieses gesammten Leidensstückes Auflösung zustande.‹ Insofern kann man, Ānando, als der bedingten Entstehung kundig einen Mönch bezeichnen.«
»Und inwiefern kann man, o Herr, als des Möglichen und Unmöglichen kundig einen Mönch bezeichnen?«
»Da weiß, Ānando, ein Mönch: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend eine 161 Unterscheidung als unvergänglich angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[71]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch irgend eine Unterscheidung als unvergänglich angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹ Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend eine Unterscheidung als erfreulich angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[72]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch irgend eine Unterscheidung als erfreulich angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹ Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch irgend ein Ding als eigen angehn mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹[73]; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch irgend ein Ding als eigen angehn mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
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»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch die Mutter oder den Vater des Lebens berauben mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch die Mutter oder den Vater des Lebens berauben mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein erkenntnissbegabter Mensch einen Heiligen des Lebens berauben oder in übler Absicht das Blut eines Vollendeten vergießen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch einen Heiligen des Lebens berauben oder in übler Absicht das Blut eines Vollendeten vergießen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass ein 162 erkenntnissbegabter Mensch unter den Brüdern Zwietracht anstiften oder einen anderen Meister erwählen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der gemeine Mensch unter den Brüdern Zwietracht anstiften oder einen anderen Meister erwählen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass in ein und derselben Weltordnung zwei Heilige, vollkommen Erwachte zugleich auftreten mögen: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass in ein und derselben Weltordnung ein Heiliger, vollkommen Erwachter auftreten mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
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»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass in ein und derselben Weltordnung zwei Könige als Erderoberer zugleich auftreten mögen[74]: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass in ein und derselben Weltordnung ein König als Erderoberer auftreten mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass das Weib einen Heiligen, vollkommen Erwachten oder einen König Erderoberer darstellen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der Mann einen Heiligen, vollkommen Erwachten oder einen König Erderoberer darstellen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass das Weib Herrschaft über den Himmel, Herrschaft über die Natur, Herrschaft über die Geister erlangen mag[75]: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass der 163 Mann Herrschaft über den Himmel, Herrschaft über die Natur, Herrschaft über die Geister erlangen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass aus schlechtem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine ersehnte, erwünschte, erfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass aus schlechtem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine unersehnte, unerwünschte, unerfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
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»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass aus gutem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine unersehnte, unerwünschte, unerfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass aus gutem Wandel in Werken, Worten oder Gedanken eine ersehnte, erwünschte, erfreuliche Ernte hervorgehen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass wer schlechten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass wer schlechten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung 164 des Körpers, nach dem Tode, auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Er weiß: ›Unmöglich ist es und kann nicht sein, dass wer guten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf den Abweg, auf schlechte Fährte, zur Verderbniss, in höllische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt nicht vor‹; er weiß: ›Möglich aber ist es wohl, dass wer guten Wandel in Werken, Worten oder Gedanken angenommen eben daher, eben darum bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische Welt gerathen mag: ein solcher Fall kommt vor.‹
»Insofern kann man, Ānando, als des Möglichen und Unmöglichen kundig einen Mönch bezeichnen.«
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Nach dieser Rede wandte sich der ehrwürdige Ānando also an den 165 Erhabenen:
»Erstaunlich, o Herr, außerordentlich, o Herr! Welchen Namen, o Herr, soll diese Darstellung führen?«
»Wohlan denn, Ānando, so bewahre diese Darstellung unter dem Namen Viel der Artungen, oder bewahre sie als die Vierfache Reihe, oder bewahre sie als den Spiegel der Lehre, oder bewahre sie als die Trommel der Ewigkeit, oder bewahre sie als den Unvergleichlichen Siegeskampf.«[76]
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Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.
116.
Zwölfter Theil Sechste Rede
AM SEHERSCHLUNDE
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 166 Rājagaham, am Seherschlunde, im Gebirge. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Seht ihr wohl, Mönche, dort den Brockenstein?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jener Brockenstein, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Graue Horn?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jenes Graue Horn, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Breite Joch?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jenes Breite Joch, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort den Geierkulm?«
»Ja, o Herr!«
»Aber jener Geierkulm, ihr Mönche, war noch anders genannt, anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, diesen Berg, den Seherschlund?«
»Ja, o Herr!«
»Dieser Berg nun, ihr Mönche, der Seherschlund, ist noch ebenso genannt, ebenso geheißen.[77]
»Einst hatten, ihr Mönche, fünf der hunderte einzeln Erwachter[78] an diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch sich angesiedelt. Diese hatte man zum Berge hinschreiten sehn und nicht mehr wiederkehren. Und die Leute blickten nach ihm und sagten: ›Der Berg hat die Seher verschlungen‹ -- Seherschlund, Seherschlund wurde er eben da 167 genannt.
»Aufweisen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter, kundmachen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter, angeben will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter: höret es und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Kämpe war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Oberkämpe war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Kronenscheitel war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Ruhmeswerth war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Gerngesehn war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Gnadenreich war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Elfenleicht war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Bettelarm war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Oberheld war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Tieferborn[79] war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Sogewahr war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Ohrenzeuge war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, 168 der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Eigenwart war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.
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»Die wahrhaft weilten, ohne Harm und Hoffen, Je einzeln einst Erwachung sich gewannen, Das Ziel des Menschen marterlos ermaaßen, Die Nahmen solcher sollt ihr nun vernehmen.
»Ein Kämpe, Oberkämpe, Kronenscheitelhaupt, Ein Ruhmeswerth, ein Gerngesehn, ein Gnadenreich, Ein Elfenleicht und Bettelarm und Oberheld, Ein Tieferborn und Sogewahr, Ein Ohrenzeuge, Eigenwart.
»Das waren, und noch andre, Machtgebieter, 169 Erwacht je einzeln, Daseinsquellversieger, Urseher, allen Zwanges Ueberwinder: Den Wahnerloschnen Gruß, den Unbegränzten.«[80]
117.
Zwölfter Theil Siebente Rede
VIERZIGMÄCHTIG
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 170 Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Heilige, ihr Mönche, rechte Vertiefung will ich euch weisen, mit ihrem Gefolge, mit ihrer Begleitung: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was ist also, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung mit ihrem Gefolge, mit ihrer Begleitung? Es ist da rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht: eine von diesen sieben Gliedern, ihr Mönche, begleitete Einheit des Herzens, die heißt man, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung, und zwar mit ihrem Gefolge, und zwar mit ihrer Begleitung.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Erkenntniss gewahrt man als falsche Erkenntniss, rechte Erkenntniss gewahrt man als rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Erkenntniss? ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden -- es ist alles eitel; es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich 171 vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, falsche Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Erkenntniss? Rechte Erkenntniss, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, Weisheit, fähige Weisheit, vermögende Weisheit ist, Ergründung der Wahrheit, die zur Erwachung führt, eine rechte Erkenntniss, die auf dem Wege zu finden ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche Erkenntniss zu verlieren, rechte Erkenntniss zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsche Erkenntniss hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Erkenntniss aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht. 172
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Gesinnung gewahrt man als falsche Gesinnung, rechte Gesinnung gewahrt man als rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Gesinnung? Sinnende Lust, sinnender Groll, sinnende Wuth: das ist, ihr Mönche, falsche Gesinnung. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Gesinnung? Rechte Gesinnung, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Entsagung sinnen, keinen Groll hegen, keine Wuth hegen: das ist, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, Denken und Bedenken, Nachsinnen, Greifen und Begreifen, geistiges Ausgestalten und Zwiegespräch ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche Gesinnung zu verlieren, rechte Gesinnung zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen läßt man falsche Gesinnung hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem 173 diese drei Dinge um die rechte Gesinnung aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Rede gewahrt man als falsche Rede, rechte Rede gewahrt man als rechte Rede: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Rede? Lüge, Verleumdung, barsche Worte, Geschwätz: das ist, ihr Mönche, falsche Rede. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Rede? Rechte Rede, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Lüge vermeiden, Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden, Geschwätz vermeiden: das ist, ihr Mönche, eine rechte Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben den vier Arten übler Rede gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche 174 Rede zu verlieren, rechte Rede zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsche Rede hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Rede: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Rede aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Handeln gewahrt man als falsches Handeln, rechtes Handeln gewahrt man als rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsches Handeln? Lebendiges umbringen, Nichtgegebenes nehmen, Ausschweifung begehn: das ist, ihr Mönche, falsches Handeln. Was ist nun, ihr Mönche, rechtes Handeln? Rechtes Handeln, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Man kann, ihr Mönche, Lebendiges umzubringen vermeiden, Nichtgegebenes zu nehmen vermeiden, Ausschweifung zu begehn vermeiden: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben den drei Arten üblen Handelns gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig 175 bemüht falsches Handeln zu verlieren, rechtes Handeln zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsches Handeln hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um das rechte Handeln aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Wandeln gewahrt man als falsches Wandeln, rechtes Wandeln gewahrt man als rechtes Wandeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsches Wandeln? Hintergehn, verrathen, bezichtigen, auskundschaften, Vortheil um Vortheil erwuchern: das ist, ihr Mönche, falsches Wandeln. Was ist nun, ihr Mönche, rechtes Wandeln? Rechtes Wandeln, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Da hat, ihr Mönche, der heilige Jünger falschen Wandel verlassen und fristet sein Leben auf rechte Weise: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, eben dem falschen Wandeln gegenüber sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsches Wandeln zu verlieren, rechtes Wandeln zu gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsches Wandeln hinter sich, 176 besonnen gewinnt und erreicht man rechtes Wandeln: das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um das rechte Wandeln aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn, rechte Einsicht.
»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Dem recht Erkennenden, ihr Mönche, kommt rechte Gesinnung zu, dem recht Gesinnten kommt rechte Rede zu, dem recht Redenden kommt rechtes Handeln zu, dem recht Handelnden kommt rechtes Wandeln zu, dem recht Wandelnden kommt rechtes Mühn zu, dem recht Bemühten kommt rechte Einsicht zu, dem recht Besonnenen kommt rechte Vertiefung zu, dem recht Vertieften kommt rechtes Wissen zu, dem recht Bewussten kommt rechte Erlösung zu. So wird, ihr Mönche, der achtfach gerüstete Kämpfer zum zehnfach gerüsteten Heiligen.