Die Radierung: Ein Leitfaden und Ratgeber
Part 1
Anmerkungen zur Transkription
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des Buches.
Die Radierung.
Die Radierung
Ein Leitfaden und Ratgeber
von
Professor Alois Leopold Seibold
Maler und Radierer in Wien
Vierte vermehrte und verbesserte Auflage
Mit 10 Kunstbeilagen und 16 Abbildungen im Text
Eßlingen a. N. Paul Neff Verlag (Max Schreiber) 1922
Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N.
Meinem hochgeschätzten Meister,
Professor Viktor Jasper in Wien
in dankbarer Verehrung zugeeignet
_Alois L. Seibold_
Vorwort zur ersten Auflage.
Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen, doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor Entmutigung zu bewahren.
Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient.
Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen, ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren.
Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe -- der Erste -- über die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem Gebiete aufzuweisen hat.
Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan; die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es, die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne.
Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu haben.
Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu haben.
Prag, im September 1909.
=Der Verfasser.=
Vorwort zur 3. und 4. Auflage.
Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not und Verwirrung, die uns die letzten Jahre gebracht, geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren sicheren Weg.
Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am Schönen, können im gesunden Volke nicht untergraben werden; das sind unverlierbare Schätze, Quellen, die immer fließen.
* * * * *
Nach kaum drei Jahren -- es waren bisher die ärgsten -- ward die dritte Auflage notwendig, nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist groß und stolz.
Und nun zum viertenmal hinaus!
In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und Schaffenslust!
Und das Weggeleit ist die verständnisvolle Freundschaft, die dem Büchlein beschieden ist; möge sie ihm erhalten bleiben!
Wien, im Juni 1922.
=Der Verfasser.=
Inhalt.
_Vorwort_
Seite
1. _Über das Wesen der Radierung_ 1
2. _Vorbereitung zum Arbeiten_ 6
~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung 6
~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes 8
~c~) Das Grundieren der Kupferplatte 11
~d~) Das Anrauchen 15
3. _Das eigentliche Radieren_ 20
~a~) Von der Wahl des Motives 20
~b~) Das Aufbringen der Konturen 21
~c~) Die Radiernadeln 24
~d~) Über die Führung der Nadel 25
4. _Der Ätzprozeß_ 28
~a~) Die Bereitung des Ätzwassers 28
~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen 31
~c~) Die Bereitung von Ätzwachs 34
~d~) Die erste Ätzung 35
~e~) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis) 38
~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme 41
~g~) Das Reinigen der Platte 43
5. _Das Abdrucken von der Platte_ 45
~a~) Über die Bedeutung des Handabdrucks 45
~b~) Das Druckpapier 46
~c~) Die Druckfarbe 48
~d~) Das Einschwärzen der Platte 50
~e~) Der Abdruck 52
~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege 57
6. _Retouche-Arbeiten_ 62
7. _Über Mißerfolge_ 68
8. _Abschleifen der Platte_ 74
9. _Strich und Ton_ 77
10. _Wege und Ziele_ 84
11. _Das fertige Blatt_ 92
_Schlußwort_ 94
_Alphabetisches Verzeichnis_ 100
Kunstbeilagen.
Original-Radierungen von Alois L. Seibold.
I. »Christnacht« Titelbild
II. »Das Gehölz« S. 40/41
III. »Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges S. 56/57
IV. »Motiv aus Obersteiermark« S. 60/61
V. »Bildnisstudie« S. 68/69
VI. »Karlskirche in Wien« S. 80/81
VII. »Überfahrt« S. 84/85
VIII. »Pieta« S. 88/89
IX. »Im Sturm« S. 92/93
X. »Der heilige Franziskus« S. 96/97
1. Über das Wesen der Radierung.
Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von Salpetersäure aufgelöst wird. Es geht mit ihr eine Verbindung ein, welche in Wasser leicht löslich ist und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von Gasbläschen auf. (Giftige Dämpfe!)
(3~Cu~+8~HNO~_{3} = 3~Cu~(~NO~_{3})_{2}+4~H~_{2}~O~+2~NO~.)
Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage der Radierung. Das Kupfer kommt hierbei in Form von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis zur feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält nun einen dünnen säurefesten Überzug von eigens hierzu bereitetem Firnis, welcher die darunterliegende Kupferfläche vor Zerstörung durch die Salpetersäure schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener Form, der sogenannten _Radiernadeln_, wird nun eine Zeichnung in diesen Firnis geritzt, so daß das Kupfer an den betreffenden Stellen frei zutage tritt. Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. Diese rein künstlerische Tätigkeit nennt man das »_Radieren_«; nach ihr hat die ganze Technik überhaupt ihren Namen »_Radierung_« erhalten.
Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, so kann letztere ihre Wirkung nur an jenen Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet; es sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den Firnisüberzug gerissen hat. Diese Striche haben in den meisten Fällen das Kupfer gar nicht geritzt, sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und das Niveau der blanken Kupferplatte wird dadurch an diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung der Säure aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso größer, je länger der chemische Prozeß andauert. Diesen Vorgang nennt man den »_Ätzprozeß_« oder die »_Ätzung_«. Beendet wird dieser Prozeß dadurch, daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser von der letzten Spur der Säure befreit wird. Sobald die Platte trocken ist, wird der Firnis mit Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt nun, nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, wieder ihre blanke Oberfläche; aus den Strichen der Zeichnung aber sind infolge der Wirkung der Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die Platte gegen das Licht gehalten wird, dunkel von der glänzenden Fläche abheben. Diese Rinnen nun sind weit verschieden von solchen, welche in die Platte mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert worden wären; denn während die auf letzterem Wege erzeugte Furche infolge der glättenden Wirkung der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, sondern was sehr wichtig ist für die resultierende Bildwirkung, eine Aufrauhung der vertieften Rinne an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche.
Wird eine also behandelte Kupferplatte mit Kupferdruckschwärze eingerieben, so füllen sich die vertieften Striche mit Farbe, während diese über das blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte abgewischt werden, in den Strichen sitzt sie fest.
Also vorbereitet, wird die Platte mit einem Blatt gefeuchteten Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, belegt; auf dieses kommt noch ein Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun zwischen zwei Stahlwalzen[1] unter großem Drucke durchgezogen, so daß das feuchte Papier mittelst des weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen des Druckpapieres haftet die Farbe auf dem Papier und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der Druck ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser Schärfe, jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, ein Umstand, der beim Entwerfen der Zeichnung auf der Platte bereits berücksichtigt werden muß, wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter Form aus dem Druck hervorgehen soll.
[1] In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung.
Das von der Platte gelieferte Bild heißt _Abzug_, _Druck_ oder zur Spezifizierung der Art, in der es hergestellt wurde, »_Radierung_«. Das ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »_Tiefdruckes_«, eine Bezeichnung für alle diejenigen graphischen Techniken, bei deren Ausübung die bilderzeugenden Elemente (Striche, Punkte und dergl.) in die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle Vorrichtung zur Herstellung aller Arten des Tiefdruckes heißt »_Kupferdruckpresse_«, das handwerkliche Verfahren: »der _Kupferdruck_«. Den Gegensatz dazu bildet der »_Hochdruck_«. Obwohl er eigentlich in den Rahmen dieser Arbeit nicht gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser Druckart bleiben die Striche der Zeichnung auf der Platte erhaben, während alles, was weiß bleiben soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend vertieft wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche durch kräftiges Reiben mit Druckfarbe gefüllt, so genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise ein Übergehen desselben mit einer Farbwalze, um alle Striche zu schwärzen.
Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen Tiefdruck und Hochdruck wieder deutlich: Während beim Tiefdruck das Papier in die Striche hineingepreßt werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten Druckstockes das Abfärben auf das Papier und somit die Bilderzeugung.
Zur ersten Gattung gehören: der _Kupferstich_, der _Stahlstich_ in allen seinen Abarten, die _Radierung_ und andere Verfahren, die jedoch mit unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) und sich von künstlerischen Fertigkeiten in den Mitteln wesentlich unterscheiden. (Zum »_Hochdruck_« gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der Stempeldruck, die Zinkhochätzung, Autotypie -- Zinkotypie -- u. s. w.)[2].
[2] Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei Kampmann’s »Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf das angelegentlichste empfohlen.
2. Vorbereitung zum Arbeiten.
~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung.
Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine besondere liebe Aufgabe ist, den Anfänger unmittelbar ins Praktische der Technik einzuführen und ihn mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig ist, zu verschonen. Deshalb auch habe ich es vermieden, mich in langen technologischen Abhandlungen über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei den heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich nicht schwer, zu der einwandfreien Reinheit und Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu haben. Nun zur Sache!:
Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die _Kupferplatte_ anzusehen. Sie wird in größeren Metallhandlungen aus gewalzten Kupferplatten geschnitten und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt. Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, sei folgendes erwähnt:
1. Die Platte soll etwa 1½--3 ~mm~ dick sein.
2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format ist 13 × 18 ~cm~. Dem Anfänger ist dringend zu raten, bei seinen ersten Versuchen über dieses Maß nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte Bequemlichkeit bei allen folgenden Hantierungen bietet. Bei erlangter Sicherheit steigert sich von selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal ja die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage ohnehin nicht mit dem ersten Versuch erreicht (und auch gar nicht bezweckt) wird.
3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten schwankt und beträgt ungefähr 8·7--8·9. Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes der Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 ~cm~, 3 ~mm~ dick, wiegt also:
13 × 18 × 0·3 × 8·9 104 --- 234 × 0·3 ---- 70·2 × 8·9 ---- 5616 6318 ------ 624·78; das sind also 624·78 Gramm. =======
Der Preis des Kupfers schwankt stetig im Handel. Nach obigen Daten und Kenntnis des Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun einem geschickten Kupferschmied oder noch besser einer Plattieranstalt übergeben. Hier wird die Platte »gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung der Schräge soll ungefähr 45° betragen; je dicker die Platte ist, desto flacher muß diese Neigung sein, damit die Oberwalze beim Drucken die Platte leicht anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, daß das Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger Platte zerschnitten wird. Die Ecken können abgerundet werden. Diese Schräge heißt _Facette_, die Arbeit: das _Facettieren_. Die Bildfläche soll den feinsten Schliff -- frei von jeder Spur eines Ritzes -- zeigen, vor allzu spiegelglatter _Polierung_ ist jedoch zu warnen, da eine solche Fläche für das spätere Arbeiten zuweilen Ursache von Mißlichkeiten werden kann (siehe Mißerfolge).
Hat man die Platte in diesem Zustand, so überzeuge man sich durch vorsichtiges Auflegen derselben auf eine Spiegelscheibe, von ihrer wirklichen Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und läßt sie sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, dann wird dieses Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, erfolgen. Um sie vor dem Zerkratztwerden zu schützen, lege man in eine flache Schachtel ein Flanelltuch und auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten.
Man bekommt fertig hergerichtete Platten in allen gangbaren Formaten in größeren Mal- und Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese Beschaffung aber etwas teurer stellen.
~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes.
Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung dieses wichtigen Materials gibt, will ich dennoch von ihrer Anführung absehen, um nicht durch verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein der Wahl zu überlassen, wenn ein erprobtes Rezept ihm gutes Gelingen gewährleistet!
Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen:
1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten Säuren;
2. leichte Schmelzbarkeit;
3. festes Haften an der Metallfläche;
4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis nicht zersplittern, sondern ihn nur glatt durchschneiden.
Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch Asphalt, die zweite durch Bienenwachs, die dritte durch Mastix, die vierte durch ganz homogenes Gefüge des Gemisches. Dieses wird nach folgendem Rezept bereitet:
weißes Wachs 3 } Mastix 2 } Gewichtsteile. echter _Syrischer_ Asphalt 4 }
Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto härter und wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, aber auch desto undurchsichtiger. Deshalb setzt man dort, wo man auf dessen Durchsichtigkeit Gewicht legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem Rezept etwa 2 Gewichtsteile.)
Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, welche ja nicht zu klein gewählt werden dürfen. Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute Dienste. Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, jedoch hübsch abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet werden kann. Eine Zange oder ein feuchtes Tuch liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe.
Die runden Körnchen des Mastix werden mit dem zerstoßenen Kolophonium zuerst geschmolzen; erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit einem Blechlöffel oder dergl. bewirkt die vollkommene Mischung. Man darf den Topf auch nicht aus den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem Rauchen das Gemisch sofort von der Hitze wegrücken. Das Rauchen ist übrigens schon ein bedenkliches Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame Behandlung überhaupt vermieden werden. Diese Masse läßt man nun bei etwa 100° Celsius abseits stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. Unter großer Vorsicht und stetem Umrühren gießt man das Gemisch in einigen Absätzen in den bereits vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das Ganze bei sehr mäßiger Hitze noch etwa 5 bis 10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte Homogenität der Masse ganz sicher erreicht werde. Hierauf gießt man die flüssige Masse in ein großes Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier erstarrt sie sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem Wasser lassen sich diese wie Teig kneten und die Finger fühlen leicht jedes Knötchen oder Körnchen, welches sich vielleicht noch in der Masse befindet; alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse entfernt werden; dann werden aus dem also gereinigten Ätzgrund Walzen oder Kugeln geformt und erkalten gelassen.
Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen länglichen Blechbüchsen aufbewahrt, wie man sie mit diversen Pulvern oder dergl. in den Geschäften als Verpackung bekommt.
Man hüte sich die Masse trocken, also außer Wasser zu lange zu kneten, da sie sonst an der Hand festklebt und diese nur durch energisches Reiben mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann.
~c~) Das Grundieren der Kupferplatte.
Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist zur Aufnahme des Ätzgrundes noch nicht geeignet, da sie noch einen Hauch von Fett besitzt, welcher den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis nicht zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte Wasser auf, so sehen wir, daß es wie Quecksilber in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch ein Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu entfernen, bereiten wir in einer Schale einen Brei von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton mit Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch auf der Platte tüchtig aufgerieben und bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist dieser Anstrich trocken geworden, so wird er mit einem ganz trockenen, frischgewaschenen Leinwandlappen von der Platte abgerieben. Die Schlemmkreide hat alles Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum Grundieren bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da ihre Unterlassung später ein Abblättern des Firnisses leicht zur Folge haben könnte. (Siehe »Über Mißerfolge« Nr. 8, Ursache ~b~).
Es handelt sich nun darum, den Ätzgrund in feiner Schicht auf die Platte zu bringen. Man nennt diesen Vorgang das »Aufbringen« des Ätzgrundes; er wird damit eingeleitet, daß die Platte gleichmäßig und gelinde über einer Spiritus- oder Gasflamme erhitzt wird. Zum bequemen Halten der Platte dient eine Beißzange oder eine Feilklobe, welche man in die Platte festschrauben kann. Gegen das Zerkratzen des Kupfers schützt eine zwischen den Angriffsstellen angebrachte Einlage von mehrfach gefaltetem Filtrierpapier oder dickem, weichem Leder. Man kann sich auch aus sehr starkem Draht einen Rost mit Handhabe machen lassen (Abb. 1). Die Kupferplatte wird -- Schliff nach oben -- darauf gelegt und so über die Flamme gehalten.
Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte zu bewirken, bewege man sie über der Flamme hin und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers zu dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; länger darf man nicht warten, denn das bald eintretende Farbenspiel von Orange, Karminrot bis Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung und ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren Platten erzielt man eine ausreichende Erhitzung, wenn man sie etwa 5 ~cm~ über den Zylinder einer brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch auf ein sehr reines Brett gelegt (Schliffläche oben) und mit der Asphaltmasse erst vorsichtig am Rande hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja nicht zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre ein sicheres Zeichen von Überhitzung! In einem solchen Falle muß ein Sinken der Hitze abgewartet werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der Masse über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch nicht zu reichlich, ein vollkommenes Bestreichen der Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig; man streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei großen Platten eventuell noch zwischen ihnen ein paar Striche. Der geschmolzene Ätzgrund wird nun mit der Grundierwalze (Abb. 2) auf der ganzen Fläche ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende Haut auf dem Kupfer in gleichmäßiger Feinheit erscheint.
Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder von etwa 5 ~cm~ Länge und 3 ~cm~ Durchmesser, welcher mit dünnem, glattem Leder derart überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). Denselben Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, doch ist Leder unbedingt vorzuziehen. Diese Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um ihre Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei ist darauf zu achten, daß die Schraubenköpfe ~A~ und ~B~ die Walze daran verhindern müssen, mit der _Gabel_ in Berührung zu kommen, weil sie sonst stecken bliebe, wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten tritt. Deshalb muß überhaupt auch ein genügender Raum beiderseits zwischen Walze und Gabel frei bleiben. Man erhält Grundierwalzen auch gebrauchsfertig zu kaufen. (Große Platten erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.) Ist die Walze neu, so tut man gut daran, sie erst auf irgend einem heißen Blech mit Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende Ätzgrund wird nie davon entfernt, bei kleineren Platten genügt dieser oft allein zum Grundieren. Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht weggelegt werden, da sie infolge des noch klebrigen Ätzgrundes überall haften und Staub und dergl. an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf einen Gegenstand so, daß die Walze frei in der Luft bleibt.