Die Protozoen als Krankheitserreger des Menschen und der Hausthiere Für Ärzte, Thierärzte und Zoologen

Part 1

Chapter 12,786 wordsPublic domain

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Anmerkungen zur Transkription:

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DIE

PROTOZOEN ALS KRANKHEITSERREGER

DES

MENSCHEN UND DER HAUSTHIERE

FÜR

+ÄRZTE, THIERÄRZTE UND ZOOLOGEN+

VON

PROFESSOR DR. GEORG SCHNEIDEMÜHL PRIVATDOCENT DER THIERMEDIZIN AN DER UNIVERSITÄT KIEL

_MIT 37 ABBILDUNGEN IM TEXT_

LEIPZIG

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN

1898.

Von demselben Verfasser sind erschienen:

=Lehrbuch der vergleichenden Pathologie und Therapie des Menschen und der Hausthiere= für Thierärzte, Aerzte und Studirende. gr. 8.

+Erste Lieferung:+ Die Infektionskrankheiten des Menschen und der Hausthiere. 1895.

M. 5.--.

+Zweite Lieferung:+ Die Vergiftungen. Die durch thierische Parasiten hervorgerufenen Krankheiten des Menschen und der Thiere. Die Konstitutionskrankheiten. Die Hautkrankheiten. 1896.

M. 6.--.

+Dritte Lieferung:+ Die Krankheiten der Verdauungsorgane. Die Krankheiten der Athmungsorgane. Die Krankheiten der Cirkulationsorgane. Die Krankheiten des Nervensystems. 1897.

M. 6.--.

+Vierte+ (Schluss-) +Lieferung:+ Die Krankheiten des Nervensystems. Die Krankheiten der Schilddrüse. Krankheiten der Harnorgane. Krankheiten der Geschlechtsorgane. Nachträge. (Erscheint im Mai 1898.)

(Verlag von +Wilhelm Engelmann+ in +Leipzig+.)

=Lage der Eingeweide bei den Haussäugethieren= nebst Anleitung zur Exenteration für anatomische und pathologisch-anatomische Zwecke und Angaben zur Ausführung der Präparirübungen für Studirende und Thierärzte bearbeitet. +Zweite Auflage.+ Hannover. 1894. 196 Seiten.

geb. M. 3.--.

=Repetitorium der Muskellehre bei den Haussäugethieren,= gleichzeitig ein Leitfaden für die Präparirübungen, für Studirende und Thierärzte bearbeitet. +Zweite Auflage.+ Hannover. 1894. 80 Seiten.

M. 1.50.

=Das Fleischbeschauwesen im Deutschen Reiche, nebst Vorschlägen für dessen gesetzliche Regelung.= Leipzig. 1892. 78 Seiten.

M. 1.50.

=Das Thierarzneiwesen Deutschlands und seiner Einzelstaaten.= Ein Handbuch für Thierärzte, Staats- und Gemeindebehörden, Schlachthofverwaltungen, Medicinalbeamte, Richter und Rechtsanwälte. Leipzig. 1893. 506 Seiten.

M. 12.--; geb. M. 13.50.

=Das thierärztliche Unterrichtswesen Deutschlands in seiner geschichtlichen Entwickelung und Bedeutung für den thierärztlichen Stand.= Ein Gedenkblatt, aus Anlass der Feier des 100jährigen Bestehens der thierärztlichen Hochschule zu Berlin bearbeitet. Mit einem Portrait des Geh. Med.-Rath Gerlach. Leipzig. 1890. 244 Seiten.

M. 2.--.

DIE

PROTOZOEN ALS KRANKHEITSERREGER

DES

MENSCHEN UND DER HAUSTHIERE

FÜR

+ÄRZTE, THIERÄRZTE UND ZOOLOGEN+

VON

PROFESSOR DR. GEORG SCHNEIDEMÜHL

+PRIVATDOCENT DER THIERMEDIZIN AN DER UNIVERSITÄT KIEL+

_MIT 37 ABBILDUNGEN IM TEXT_

LEIPZIG

+VERLAG VON WILHELM ENGELMANN+

1898.

Druck der Kgl. Universitätsdruckerei von H. Stürtz in Würzburg.

Vorrede.

Wer die Fortschritte der allgemeinen und vergleichenden Pathologie in den letzten 10 Jahren verfolgt hat, wird unschwer erkannt haben, dass neben den niedrigsten pflanzlichen Organismen auch die niedrigsten thierischen Lebewesen -- die Protozoen -- eine bedeutende Rolle in der Pathogenese des Menschen und der Thiere spielen. Ist diese Bedeutung besonders beim Menschen auch nicht annähernd so gross, wie diejenige der pflanzlichen Organismen, so lehren doch die Untersuchungen der letzten Jahre, dass die Protozoen jedenfalls eine viel grössere Berücksichtigung in der Pathologie verdienen, als ihnen bisher zu Theil wurde.

Schon bei der Bearbeitung des Abschnittes über Protozoen in meinem Lehrbuche der vergleichenden Pathologie und Therapie des Menschen und der Hausthiere (Leipzig 1898) empfand ich das Bedürfniss nach dem Vorhandensein einer besonderen Schrift über die Protozoen als Krankheitserreger recht lebhaft. Noch lebhafter trat dieser Wunsch an mich heran, als ich mich entschloss, eine Vorlesung über die Protozoen als Krankheitserreger der Thiere und des Menschen anzukündigen. Ein geeignetes Buch fehlte, da die vorhandenen Schriften theils nur die Protozoen als Krankheitserreger beim Menschen erörtern, theils vom rein zoologischen Standpunkte bearbeitet und nicht in erster Linie direkt für die Bedürfnisse des Arztes und Thierarztes berechnet sind. Bei einer Durchsicht der Litteratur zeigte sich auch, wie sehr zerstreut das theilweise recht umfangreiche Material in verschiedenen Schriften des In- und Auslandes niedergelegt ist.

Da ich selbst seit einer Reihe von Jahren fortgesetzt Studien über einzelne pathogene Protozoen angestellt habe, so entschloss ich mich endlich, den vorliegenden Gegenstand zu bearbeiten. Um den weiteren Forschern auf diesem Gebiete die Arbeit etwas zu erleichtern, habe ich am Schlusse des Buches auch die Litteratur übersichtlich und nach Jahrgängen zusammengestellt.

Es ist mir schliesslich noch eine angenehme Pflicht, Herrn Maler +Fürst+, welcher den grössten Theil der Abbildungen nach meinen Vorlagen gezeichnet hat, sowie ganz besonders der Verlagsbuchhandlung meinen wärmsten Dank auszusprechen für das fortgesetzte Entgegenkommen, welches mir dieselbe auch bei der Verlagsübernahme dieser Schrift gezeigt hat.

Ich würde mich freuen, wenn die Arbeit Anregung zu weiteren Forschungen geben und zur Verbreitung der Kenntnisse über die Bedeutung der Protozoen als Krankheitserreger beitragen möchte.

+Kiel+, Ostern 1898.

=Georg Schneidemühl.=

Inhalt.

Seite

+Einleitung und Geschichtliches+ 1

Allgemeine Bemerkungen über die Technik der Untersuchung 3

+Allgemeines über Protozoen+ 5

=I. Klasse: Rhizopoden= 9

Amöben als Krankheitserreger 9

Züchtung der Amöben 10

1. Amoeba koli 16

2. Amöben der Mundhöhle 22

3. Amöben des Urogenitalapparates des Menschen 22

4. Amöbenähnliche Rhizopoden in der Ascitesflüssigkeit des lebenden Menschen 23

=II. Klasse: Sporozoen= 24

1. +Ordnung+: +Gregarinen+ 26

2. +Ordnung+: +Myxosporidien+ 28

3. +Ordnung+: +Koccidien+ 31

Koccidien als Krankheitserreger 35

1. Koccidium oviforme 35

Koccidium oviforme beim Menschen 36

Koccidienkrankheit der Kaninchen 36

Die rothe Ruhr des Rindes 39

2. Koccidium perforans 43

Koccidium perforans beim Menschen 44

Koccidium perforans bei Thieren 44

3. Koccidium bigeminum 45

4. Anderweitiges Vorkommen von Koccidien in inneren Organen 46

Durch Koccidien hervorgerufene Erkrankungen des Geflügels 47

Epithelioma gregarinosum avium 48

Molluskum kontagiosum des Menschen 49

Schrotausschlag der Schweine 51

Koccidien in der Niere beim Menschen und bei Thieren 59

Koccidien bei Fischen 60

Koccidien als Ursache der Geschwülste 60

4. +Ordnung+: +Sarkosporidien+ 73

Geschichtliches 73

Bau, Gestalt und Entwickelung der Sarkosporidien 74

Toxische Wirkung der Sarkosporidien 80

a) Sarkosporidien beim Menschen 83

b) Sarkosporidien bei Thieren 84

Sarkosporidien beim Schwein 84

sog. Muskelstrahlenpilze beim Schwein 91

Sarkosporidien beim Pferde 95

Eisballenkrankheit der jungen Pferde 99

Sarkosporidien bei den Rindern 101

Sarkosporidien bei Schafen und Ziegen 104

5. +Ordnung: Hämosporidien+ 113

Geschichtliches 114

Verbreitung und Sitz der Hämosporidien 115

Vermehrung und Entwickelung 116

Eintheilung 117

6. +Ordnung: Acystosporidien (Gymnosporidien)+ 118

Verbreitung, Sitz, Gestalt, Bau und Entwickelung 119

a) Hämamöbiden 121

Haemamoeba Laverani. Malaria des Menschen 123

Malariaerkrankungen bei Thieren 130

Texasseuche 132

Hämoglobinurie der Rinder und Schafe 137

Schwarzwasserfieber beim Menschen 144

sog. biliöse Typhoid des Menschen 147

+Anhang+:

Hämamöben bei Syphilis 148

Hämamöben bei Masern 148

Hämamöben bei den Pocken 150

Mikrosporidien 153

Pebrinekrankheit der Seidenspinnerraupen 153

=III. Klasse: Infusorien (Aufgussthierchen)= 154

1. +Ordnung: Flagellaten (Geisselthierchen)+ 154

Parasitische Flagellaten beim Menschen und bei Thieren 155

Trichomonas 155

1. Cerkomonas hominis 155

2. Trichomonas vaginalis 156

Flagellaten bei Lungenerkrankungen 156

Lamblia 158

Lamblia intestinalis. Cerkomonas intestinalis 158

2. +Ordnung: Ciliaten (Wimperinfusorien)+ 161

Balantidium koli 162

+Nachtrag+:

1. Ueber die systematische Stellung der Miescher’schen Schläuche und deren Züchtung 165

2. Die Organismen der Tollwuth 167

+Litteraturübersicht+ 171

+Sachregister+ 194

Einleitung und Geschichtliches.

Wie die Bakterien im Pflanzenreich so nehmen bekanntlich die Protozoen im Thierreich die niedrigste Stufe ein und stellen die einfachsten Formen dar. Auch ist es diesen thierischen Lebewesen ergangen wie den pflanzlichen. Ihre Stellung war lange Zeit eine ganz unsichere, und es ist ausserordentlich interessant, dass während die schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts von +Leeuwenhoek+ gesehenen Bakterien wegen ihrer Eigenbewegung noch bis um die Mitte dieses Jahrhunderts für kleinste Thierchen gehalten wurden, bis +Perty+ und +Cohn+ ihre pflanzliche Natur mit Sicherheit erkannten, die thierische Natur der Protozoen, und ganz besonders der wichtigen Gruppe der Sporozoen noch bis in die neueste Zeit von manchen Autoren bezweifelt wurde. Die Thatsache jedoch, dass Protozoen bei verschiedenen Krankheiten vorkommen und auch theilweise in ursächlicher Beziehung zu den Krankheiten stehen ist schon seit längerer Zeit bekannt. Von den Krankheiten des Menschen sei erwähnt, dass +R. Wagner+[1] (1836) über das Vorkommen von Monaden beim Lippenkrebs berichtet, +Donné+[2] (1837) Trichomonas vaginalis im Scheidensekret luetischer Frauen fand und die Thiere anfänglich für die Ursache der Syphilis hielt. Von späteren Autoren führe ich an, dass +Wedl+[3] (1854) Monaden bei Geschwüren beschrieben hat, +Hassel+[4], +Junker+[5], +Davaine+[6] und Andere Protozoen in den Stuhlgängen von Cholera- und Typhuskranken gefunden haben. +Malmsten+[7] fand (1857) Paramaecium coli in grosser Menge bei Lienterie und +Lambl+[8] konstatirte (1859) zahlreiche Amöben im Darminhalte eines an Enteritis verstorbenen Kindes.

Von weiteren Arbeiten und Untersuchungen über Protozoen als Krankheitserreger sind dann besonders die Mittheilungen von +Pasteur+[9] über die Pébrine der Seidenraupen (1870) zu nennen. Es handelte sich im letzteren Falle um eine unter den Seidenraupen verheerend auftretende Krankheit, welche damals die gesammte Seidenindustrie Frankreichs zu vernichten drohte. +Pasteur+ konnte nun nachweisen, dass diese Krankheit durch kleinste Organismen, welche +Leydig+ und +Cornalia+ bereits entdeckt und für Psorospermien[10] erkannt hatten, hervorgerufen werde. +Pasteur+ fand dann die Sporen dieser Parasiten, die schon früher als +Cornalia+’sche Körper bezeichnet wurden, sowohl in den Raupen, wie auch in den Schmetterlingen und selbst in den Eiern der kranken Thiere und konnte so auch auf die +erbliche+ Uebertragung dieser Krankheit hinweisen. +Pasteur+ machte dann den sehr zweckmässigen Vorschlag, nur Eier von solchen Schmetterlingen zur Aufzüchtung von Seidenraupen zu benutzen, in deren Körper bei nachträglich vorgenommener Untersuchung jene Körperchen (Sporen) nicht gefunden worden waren. In der That wurde durch diesen sachgemässen Vorschlag erreicht, dass weiterer Schaden von der französischen Seidenindustrie ferngehalten wurde.

Während nun allerdings +Pasteur+ nicht zur Entscheidung brachte, ob die von ihm gefundenen Gebilde pflanzlicher oder thierischer Natur sind, zeigte dann später +Balbiani+[11], dass es sich bei jenen Organismen in der That um Protozoen handelte, wie dies schon +Leydig+ vorher ausgesprochen hatte.

Als dann die bahnbrechenden Arbeiten +Robert Koch+’s gelehrt hatten, dass bei vielen Infektionskrankheiten pflanzliche Organismen die Ursache sind, und als derselbe geniale Forscher auch gezeigt hatte, wie man auf exaktem Wege diese Organismen erkennt und als spezifische Krankheitserreger nachweisen kann, da musste es mit Recht befremden, wie +Hauser+[12] zutreffend sagt, dass gerade für die typischsten Infektionskrankheiten, welche schon seit alter Zeit als eminent ansteckende Seuchen erkannt worden waren, wie die Syphilis, die schwarzen Blattern und insbesondere die akuten Exantheme, wie Scharlach, Masern, und andere ansteckende Krankheiten, auch mittels der +Koch+’schen Untersuchungsmethoden bis heute noch keine pflanzlichen Mikroorganismen als die sicheren Erreger dieser Krankheiten nachgewiesen werden konnten.

Es trat deshalb in der neueren Zeit immer mehr die Meinung in den Vordergrund, dass es sich bei diesen und einigen anderen Krankheitsprozessen überhaupt nicht um die Wirkung pflanzlicher Organismen, sondern um Protozoen handeln könnte. Dazu kam, dass +Laveran+, +Marchiafava+ und +Celli+ in dem Blute von +Malaria+kranken in der That Protozoen gefunden hatten, welche mit Sicherheit als die Erreger der Krankheit erkannt wurden. Für die menschliche Pathologie war eigentlich erst durch diesen Befund zuerst der Beweis erbracht worden, dass Protozoen überhaupt eine typische Infektionskrankheit hervorrufen könnten. Vielleicht haben diese Befunde bei Malaria die Anregung dazu gegeben, dass man um diese Zeit begann den Protozoen als Krankheitserregern wieder erhöhtes Interesse entgegenzubringen. Besonders ist es das Verdienst +L. Pfeiffer+’s in Weimar durch seine Arbeiten[13] die Protozoen-Forschung in hervorragender Weise wieder angeregt zu haben. So ist in den letzten Jahren eine ganz umfangreiche Litteratur über die Protozoen als Krankheitserreger beim Menschen und bei Thieren entstanden, welche, soweit von besonderem Interesse, auch im Nachfolgenden citirt werden soll[14].

Allgemeine Bemerkungen über die Technik der Untersuchung.

Im Allgemeinen muss man bei der Untersuchung frischer Objekte daran festhalten, die Parasiten möglichst in demselben Medium zur Untersuchung zu bringen, in welchem der Parasit lebt. So habe ich Muskelpräparate meist noch lebenswarm untersucht und später nur physiologische Kochsalzlösung hinzugefügt, wenn die mikroskopischen Präparate in der warmen Zimmerluft auszutrocknen begannen. Um Protozoen im Darm aufzufinden genügt es in Fällen, wo man frisches Material untersuchen will, kleine Stückchen der Darmwand zu zerzupfen und in physiologischer Kochsalzlösung zu untersuchen. Auch eine Eiweisslösung (20 ccm Hühnereiweiss + 1 g Kochsalz + 200 ccm Wasser) wird für eine solche Untersuchung benutzt. Cysten erhält man am besten bei Untersuchung des Kothes der Thiere, was bei kleinen Hausthieren (Kaninchen, Hunden) im Ganzen leicht ausführbar ist. In einer mittels einer Glasschale mit Wasser aufgefangenen kleineren Kothmenge kann man die Cysten schon bei schwacher Vergrösserung und bei einiger Uebung mit blossem Auge als mattweisse oder grauweisse runde Gebilde erkennen. Bei anderen Thieren (Schafen) kann man das Rektum in 10–20 cm langen Stückchen abbinden und dann jedes herausgeschnittene Stück in der genannten Weise untersuchen.

Für +Dauerpräparate+, +Fixirung+ und +Färbung+ sind verschiedene Verfahren in Gebrauch. Zur +Fixirung+ wird Osmiumsäurelösung, Sublimat und Pikrinessigsäure (100 Theile konzentrirte Pikrinsäurelösung, 200 Theile destillirtes Wasser und 3 Theile Eisessig) benutzt. Zur +Färbung+ wird Essigkarmin, Pikrokarmin oder Safraninlösung verwendet. Ich habe vorwiegend Pikrokarmin benutzt und muss aussprechen, dass die in dieser Färbung aufbewahrten Gewebsschnitte (Muskel, Darm) noch nach Jahren die Parasiten sehr gut gefärbt erkennen lassen. Allerdings muss das Pikrokarmin sehr lange einwirken. Ausserdem wird +Goldchlorür+ und +Silbernitratlösung+ benutzt; die letztere macht die fadenförmigen Anhänge der Sporen deutlich. (+Wasielewski+).

Um +Haemosporidien+ lebend zu färben wird Methylenblau (1 Theil Methylenblau in 100 Theilen physiologischer Kochsalzlösung) benutzt und die Lösung mit etwas Fliesspapier durch das Präparat gesaugt. Für die Fixirung und Färbung dieser Protozoen wird das lufttrockne Deckglas durch die Flamme gezogen und dann gefärbt. Zur Färbung benutzt man Methylenblau-Eosin. Wie +Czenzinski+ angiebt mischt man zu diesem Zweck 2 Theile konzentrirter wässriger Methylenblaulösung und 4 Theile Wasser für sich, sowie 1 Theil Eosin mit 100 Theilen 60 proz. Alkohols. Darauf nimmt man von der ersten Lösung einen Theil und von der zweiten zwei Theile und färbt mit diesen etwa 24 Stunden.

Neuerdings wollen +Leyden+ und +Schaudinn+[15] Protozoen in der Ascitesflüssigkeit eines lebenden Menschen gefunden haben. Um die zelligen Elemente in der Ascitesflüssigkeit schnell zu sedimentiren wurden sie meistens zentrifugirt, doch wurden zur Kontrolle auch Präparate von nichtzentrifugirtem, durchgeschütteltem Ascites angefertigt. Für die Beobachtung der +lebenden+ Amöben wurde ein Tropfen der Flüssigkeit auf den Objektträger gebracht, mit einem Deckglase bedeckt, das durch Umschmelzen der Ecken in der Gasflamme verhindert wurde, einen Druck auf die darunter befindlichen Objekte auszuüben und schnell mit Wachs umrandet. Die Amöben blieben in diesen Präparaten, bei einer Zimmertemperatur von 24–25° C., meistens 4–5 Stunden, auch ohne Anwendung des heizbaren Objekttisches, lebendig. +Dauerpräparate+ wurden von den genannten Autoren in der Weise angefertigt, dass Deckgläser mit Ascitesflüssigkeit bestrichen und schnell in eine heisse Mischung von 2 Theilen konzentrirter wässeriger Sublimatlösung mit 1 Theil absoluten Alkohols gelegt wurden. Wegen des Eiweissgehaltes blieben meistens eine ganze Anzahl Amöben auf dem Deckglase haften und wurde letzteres mit 63% Jodalkohol ausgewaschen, gefärbt und in Kanadabalsam eingeschlossen.

Allgemeines über Protozoen[16].

Als Protozoen bezeichnet man thierische Organismen, welche sich während ihres ganzen Lebens nicht über das einzellige Stadium erheben oder einfache Kolonien gleichartiger, einzelliger Thiere sind. Das zähflüssige, schwachkörnig getrübte Protoplasma der lebenden Zellen kann verschieden gestaltete Fortsätze (Pseudopodien) entsenden und besitzt in der äusseren hüllenbildenden Schicht theils Wimpern (Cilien), theils Geisseln (Flagellen), theils Saugröhrchen. Bei einzelnen sind auch ösophagus-ähnliche Spalten und lichtempfindende Organe Pigmentflecke (Augen) nachweisbar. Oft findet auch eine Ablagerung verschiedener Substanzen (Pigmentkörnchen, Oeltropfen, Krystalle) statt oder es werden Gerüstsubstanzen abgeschieden. Die +Nahrung+ besteht gewöhnlich aus kleinen thierischen oder pflanzlichen Organismen; die parasitischen Arten ernähren sich ausser durch aufgenommene feste Nahrung auch auf endosmotischem Wege. Die +Vermehrung+ der Protozoen erfolgt auf dem Wege der Theilung oder der von dieser abzuleitenden Knospung. Bei der Theilung, welcher die Kerntheilung auf direkte, seltener mitotische Weise vorangeht, zerfällt der Leib in zwei oder auch mehrere, selbst sehr viele Theilstücke; dabei geht die ganze Leibessubstanz in den Nachkommen auf oder es bleibt ein kleiner Restkörper übrig, der sich nicht weiter theilt und schliesslich zu Grunde geht. Bei der zur Knospung modifizirten Theilung tritt gewöhnlich eine grössere Zahl von Knospen, sei es auf der äusseren Oberfläche oder im Innern des Thieres, auf. Wo Theilungen und Knospungen rasch aufeinander folgen, ohne dass die Theilstücke sich gleich nach ihrem Auftreten trennen, kommt es zur Ausbildung sehr zahlreicher den Mutterthieren unähnlicher Produkte, die man Schwärmer resp. Sporen nennt. Unvollständig ausgeführte Theilungen führen zur Ausbildung von Kolonien, Protozoenstöcken. (+Braun.+)

Die Theilungen werden meist nur im encystirten Zustande vollzogen. Vorher werden oft zwei (selten mehr) Individuen ein oder mehrere Male mit einander vereinigt (Konjugation). Diese Konjugation kann dauernd sein und führt dann zu einer völligen Verschmelzung der Leibessubstanz beider Paarlinge -- seien es nun Jugendstadien oder erwachsene Formen -- oder die Konjugation ist (wie z. B. bei den Infusorien) eine vorübergehende, die Paarlinge trennen sich wieder und theilen sich später jedes für sich. (+Braun.+)

+Braun theilt die Protozoen nach folgendem System ein+:

I. Klasse: =Rhizopoden= oder Sarkodina. Protozoen, deren Leibessubstanz Pseudopodien bildet, meist mit chitinösen, kalkigen oder kieseligen Gehäusen.