Die Piccolomini

Part 6

Chapter 6 3,379 words Public domain Markdown

Götz. (zu Tiefenbach) Herr Bruder! Prosit Mahlzeit!

Tiefenbach. Das war ein königliches Mahl!

Götz. Ja, die Frau Gräfin Versteht's. Sie lernt' es ihrer Schwieger ab, Gott hab' sie selig! Das war eine Hausfrau!

Isolani. (will weggehen) Lichter! Lichter!

Terzky. (kommt mit der Schrift zu Isolani) Herr Bruder! Zwei Minuten noch. Hier ist Noch was zu unterschreiben.

Isolani. Unterschreiben, Soviel Ihr wollt! Verschont mich nur mit Lesen.

Terzky. Ich will Euch nicht bemühn. Es ist der Eid, Den Ihr schon kennt. Nur einige Federstriche.

(Wie Isolani die Schrift dem Octavio hinreicht.)

Wie's kommt! Wen's eben trifft! Es ist kein Rang hier.

(Octavio durchläuft die Schrift mit anscheinender Gleichgültigkeit. Terzky beobachtet ihn von weitem.)

Götz. (zu Terzky) Herr Graf! Erlaubt mir, daß ich mich empfehle.

Terzky. Eilt doch nicht so--Noch einen Schlaftrunk--He!

(Zu den Bedienten.)

Götz. Bin's nicht im Stand.

Terzky. Ein Spielchen.

Götz. Excusiert mich!

Tiefenbach. (setzt sich) Vergebt, ihr Herrn. Das Stehen wird mir sauer.

Terzky. Macht's Euch bequem, Herr Generalfeldzeugmeister!

Tiefenbach. Das Haupt ist frisch, der Magen ist gesund, Die Beine wollen aber nicht mehr tragen.

Isolani. (auf seine Korpulenz zeigend) Ihr habt die Last auch gar zu groß gemacht.

(Octavio hat unterschrieben und reicht Terzky die Schrift, der sie dem Isolani gibt. Dieser geht an den Tisch, zu unterschreiben.)

Tiefenbach. Der Krieg in Pommern hat mir's zugezogen, Da mußten wir heraus in Schnee und Eis, Das werd ich wohl mein Lebtag nicht verwinden.

Götz. Jawohl! Der Schwed' frug nach der Jahreszeit nichts.

(Terzky reicht das Papier an Don Maradas; dieser geht an den Tisch, zu unterschreiben.)

Octavio. (nähert sich Buttlern) Ihr liebt die Bacchusfeste auch nicht sehr, Herr Oberster! Ich hab es wohl bemerkt, Und würdet, deucht mir, besser Euch gefallen Im Toben einer Schlacht als eines Schmauses.

Buttler. Ich muß gestehen, es ist nicht in meiner Art.

Octavio. (zutraulich näher tretend) Auch nicht in meiner, kann ich Euch versichern, Und mich erfreut's, sehr würd'ger Oberst Buttler, Daß wir uns in der Denkart so begegnen. Ein halbes Dutzend guter Freunde höchstens Um einen kleinen, runden Tisch, ein Gläschen Tokaierwein, ein offnes Herz dabei Und ein vernünftiges Gespräch--so lieb ich's!

Buttler. Ja, wenn man's haben kann, ich halt es mit.

(Das Papier kommt an Buttlern, der an den Tisch geht, zu unterschreiben. Das Proszenium wird leer, so daß beide Piccolomini, jeder auf seiner Seite, allein stehen bleiben.)

Octavio. (nachdem er seinen Sohn eine Zeitlang aus der Ferne stillschweigend betrachtet, nähert sich ihm ein wenig) Du bist sehr lange ausgeblieben, Freund.

Max. (wendet sich schnell um, verlegen) Ich--dringende Geschäfte hielten mich.

Octavio. Doch, wie ich sehe, bist du noch nicht hier?

Max. Du weißt, daß groß Gewühl mich immer still macht.

Octavio. (rückt ihm noch näher) Ich darf nicht wissen, was so lang dich aufhielt?

(Listig.)

--Und Terzky weiß es doch.

Max. Was weiß der Terzky?

Octavio. (bedeutend) Er war der einz'ge, der dich nicht vermißte.

Isolani. (der von weitem achtgegeben, tritt dazu.) Recht, alter Vater! Fall ihm ins Gepäck! Schlag die Quartier' ihm auf! Es ist nicht richtig.

Terzky. (kommt mit der Schrift) Fehlt keiner mehr? Hat alles unterschrieben?

Octavio. Es haben's alle.

Terzky. (rufend) Nun! Wer unterschreibt noch?

Buttler. (zu Terzky) Zähl nach! Just dreißig Namen müssen's sein.

Terzky. Ein Kreuz steht hier.

Tiefenbach. Das Kreuz bin ich.

Isolani. (zu Terzky) Er kann nicht schreiben, doch sein Kreuz ist gut Und wird ihm honoriert von Jud und Christ.

Octavio. (pressiert zu Max) Gehn wir zusammen, Oberst. Es wird spät.

Terzky. Ein Piccolomini ist nur aufgeschrieben.

Isolani. (auf Max zeigend) Gebt acht! Es fehlt an diesem steinernen Gast, Der uns den ganzen Abend nichts getaugt.

(Max empfängt aus Terzkys Händen das Blatt, in welches er gedankenlos hineinsieht.)

Siebenter Auftritt

Die Vorigen. Illo kommt aus dem hintern Zimmer, er hat den goldnen Pokal in der Hand und ist sehr erhitzt, ihm folgen Götz und Buttler, die ihn zurückhalten wollen.

Illo. Was wollt ihr? Laßt mich.

Götz und Buttler. Illo! Trinkt nicht mehr.

Illo. (geht auf den Octavio zu und umarmt ihn, trinkend) Octavio! Das bring ich dir! Ersäuft Sei aller Groll in diesem Bundestrunk! Weiß wohl, du hast mich nie geliebt--Gott straf' mich, Und ich dich auch nicht! Laß Vergangenes Vergessen sein! Ich schätze dich unendlich, (ihn zu wiederholten Malen küssend) Ich bin dein bester Freund, und, daß ihr's wißt! Wer mir ihn eine falsche Katze schilt, Der hat's mit mir zu tun.

Terzky. (beiseite) Bist du bei Sinnen? Bedenk doch, Illo, wo du bist!

Illo. (treuherzig) Was wollt Ihr? Es sind lauter gute Freunde.

(Sich mit vergnügtem Gesicht im ganzen Kreise umsehend.)

Es ist kein Schelm hier unter uns, das freut mich.

Terzky. (zu Buttler, dringend) Nehmt ihn doch mit Euch fort! Ich bitt Euch, Buttler.

(Buttler führt ihn an den Schenktisch.)

Isolani. (zu Max, der bisher unverwandt, aber gedankenlos in das Papier gesehen) Wird's bald, Herr Bruder? Hat Er's durchstudiert?

Max. (wie aus einem Traum erwachend) Was soll ich?

Terzky und Isolani. (zugleich) Seinen Namen drunter setzen.

(Man sieht den Octavio ängstlich gespannt den Blick auf ihn richten.)

Max. (gibt es zurück) Laßt's ruhn bis morgen. Es ist ein Geschäft, Hab heute keine Fassung. Schickt mir's morgen.

Terzky. Bedenk' Er doch--

Isolani. Frisch! Unterschrieben! Was! Er ist der jüngste von der ganzen Tafel, Wird ja allein nicht klüger wollen sein Als wir zusammen? Seh' Er her! Der Vater Hat auch, wir haben alle unterschrieben.

Terzky. (zum Octavio) Braucht Euer Ansehn doch. Bedeutet ihn.

Octavio. Mein Sohn ist mündig.

Illo. (hat den Pokal auf den Schenktisch gesetzt) Wovon ist die Rede?

Terzky. Er weigert sich, das Blatt zu unterschreiben.

Max. Es wird bis morgen ruhen können, sag ich.

Illo. Es kann nicht ruhn. Wir unterschrieben alle, Und du mußt auch, du mußt dich unterschreiben.

Max. Illo, schlaf wohl.

Illo. Nein! So entkömmst du nicht! Der Fürst soll seine Freunde kennenlernen.

(Es sammeln sich alle Gäste um die beiden.)

Max. Wie ich für ihn gesinnt bin, weiß der Fürst, Es wissen's alle, und der Fratzen braucht's nicht.

Illo. Das ist der Dank, das hat der Fürst davon, Daß er die Welschen immer vorgezogen!

Terzky. (in höchster Verlegenheit zu den Kommandeurs, die einen Auflauf machen) Der Wein spricht aus ihm! Hört ihn nicht, ich bitt euch.

Isolani. (lacht) Der Wein erfindet nichts, er schwatzt's nur aus.

Illo. Wer nicht ist mit mir, der ist wider mich. Die zärtlichen Gewissen! Wenn sie nicht Durch eine Hintertür, durch eine Klausel--

Terzky. (fällt schnell ein) Er ist ganz rasend, gebt nicht acht auf ihn.

Illo. (lauter schreiend) Durch eine Klausel sich salvieren können. Was Klausel? Hol' der Teufel diese Klausel--

Max. (wird aufmerksam und sieht wieder in die Schrift) Was ist denn hier so hoch Gefährliches? Ihr macht mir Neugier, näher hinzuschaun.

Terzky. (beiseite zu Illo) Was machst du, Illo? Du verderbest uns!

Tiefenbach. (zu Colalto) Ich merkt' es wohl, vor Tische las man's anders.

Götz. Es kam mir auch so vor.

Isolani. Was ficht das mich an? Wo andre Namen, kann auch meiner stehn.

Tiefenbach. Vor Tisch war ein gewisser Vorbehalt Und eine Klausel drin von Kaisers Dienst.

Buttler. (zu einem der Kommandeurs) Schämt euch, ihr Herrn! Bedenkt, worauf es ankommt. Die Frag' ist jetzt, ob wir den General Behalten sollen oder ziehen lassen? Man kann's so scharf nicht nehmen und genau.

Isolani. (zu einem der Generale) Hat sich der Fürst auch so verklausuliert, Als er dein Regiment dir zugeteilt?

Terzky. (zu Götz) Und Euch die Lieferungen, die an tausend Pistolen Euch in einem Jahre tragen?

Illo. Spitzbuben selbst, die uns zu Schelmen machen! Wer nicht zufrieden ist, der sag's! Da bin ich!

Tiefenbach. Nun! Nun! Man spricht ja nur.

Max. (hat gelesen und gibt das Papier zurück) Bis morgen also!

Illo. (vor Wut stammelnd und seiner nicht mehr mächtig, hält ihm mit der einen Hand die Schrift, mit der andern den Degen vor) Schreib--Judas!

Isolani. Pfui, Illo!

Octavio, Terzky, Buttler. (zugleich) Degen weg!

Max. (ist ihm rasch in den Arm gefallen und hat ihn entwaffnet, zu Graf Terzky) Bring ihn zu Bette!

(Er geht ab. Illo, fluchend und scheltend, wird von einigen Kommandeurs gehalten, unter allgemeinem Aufbruch fällt der Vorhang.)

Fünfter Aufzug

Szene: Ein Zimmer in Piccolominis Wohnung. Es ist Nacht.

Erster Auftritt

Octavio Píccolomini. Kammerdiener leuchtet. Gleich darauf Max Piccolomini.

Octavio. Sobald mein Sohn herein ist, weiset ihn Zu mir--Was ist die Glocke?

Kammerdiener. Gleich ist's Morgen.

Octavio. Setzt Euer Licht hieher--Wie legen uns Nicht mehr zu Bette, Ihr könnt schlafen gehn.

(Kammerdiener ab. Octavio geht nachdenkend durchs Zimmer. Max Piccolomini tritt auf, nicht gleich von ihm bemerkt, und sieht ihm einige Augenblicke schweigend zu.)

Max. Bist du mir bös, Octavio? Weiß Gott, Ich bin nicht schuld an dem verhaßten Streit. --Ich sah wohl, du hattest unterschrieben; Was du gebilliget, das konnte mir Auch recht sein--doch es war--du weißt--ich kann In solchen Sachen nur dem eignen Licht, Nicht fremdem folgen.

Octavio. (geht auf ihn zu und umarmt ihm) Folg ihm ferner auch, Mein bester Sohn! Es hat dich treuer jetzt Geleitet als das Beispiel deines Vaters.

Max. Erklär dich deutlicher.

Octavio. Ich werd es tun. Nach dem, was diese Nacht geschehen ist, Darf kein Geheimnis bleiben zwischen uns.

(Nachdem beide sich niedergesetzt.)

Max, sage mir, was denkst du von dem Eid, Den man zur Unterschrift uns vorgelegt?

Max. Für etwas Unverfänglich's halt ich ihn, Obgleich ich dieses Förmliche nicht liebe.

Octavio. Du hättest dich aus keinem andern Grunde Der abgedrungnen Unterschrift geweigert?

Max. Es war ein ernst Geschäft--ich war zerstreut-- Die Sache selbst erschien mir nicht so dringend--

Octavio. Sei offen, Max. Du hattest keinen Argwohn--

Max. Worüber Argwohn? Nicht den mindesten.

Octavio. Dank's deinem Engel, Piccolomini! Unwissend zog er dich zurück vom Abgrund.

Max. Ich weiß nicht, was du meinst.

Octavio. Ich will dir's sagen: Zu einem Schelmenstück solltest du den Namen Hergeben, deinen Pflichten, deinem Eid Mit einem einz'gen Federstrich entsagen.

Max. (steht auf) Octavio!

Octavio. Bleib sitzen. Viel noch hast du Von mir zu hören, Freund, hast jahrelang Gelebt in unbegreiflicher Verblendung. Das schwärzeste Komplott entspinnet sich Vor deinen Augen, eine Macht der Hölle Umnebelt deiner Sinne hellen Tag-- Ich darf nicht länger schweigen, muß die Binde Von deinen Augen nehmen.

Max. Eh' du sprichst, Bedenk es wohl! Wenn von Vermutungen Die Rede sein soll--und ich fürchte fast, Es ist nichts weiter--Spare sie! Ich bin Jetzt nicht gefaßt, sie ruhig zu vernehmen.

Octavio. So ernsten Grund du hast, dies Licht zu fliehn, So dringendern hab ich, daß ich dir's gebe. Ich konnte dich der Unschuld deines Herzens, Dem eignen Urteil ruhig anvertraun, Doch deinem Herzen selbst seh ich das Netz Verderblich jetzt bereiten--Das Geheimnis, (ihn scharf mit den Augen fixierend) Das du vor mir verbirgst, entreißt mir meines.

Max. (versucht zu antworten, stockt aber und schlägt den Blick verlegen zu Boden)

Octavio. (nach einer Pause) So wisse denn! Man hintergeht dich--spielt Aufs schändlichste mit dir und mit uns allen. Der Herzog stellt sich an, als wollt' er die Armee verlassen; und in dieser Stunde Wird's eingeleitet, die Armee dem Kaiser --Zu stehlen und dem Feinde zuzuführen!

Max. Das Pfaffenmärchen kenn ich, aber nicht Aus deinem Mund erwartet' ich's zu hören.

Octavio. Der Mund, aus dem du's gegenwärtig hörst, Verbürget dir, es sei kein Pfaffenmärchen.

Max. Zu welchem Rasenden macht man den Herzog! Er könnte daran denken, dreißigtausend Geprüfter Truppen, ehrlicher Soldaten, Worunter mehr denn tausend Edelleute, Von Eid und Pflicht und Ehre wegzulocken, Zu einer Schurkentat sie zu vereinen?

Octavio. So was nichtswürdig Schändliches begehrt Er keinesweges--Was er von uns will, Führt einen weit unschuldigeren Namen. Nichts will er, als dem Reich den Frieden schenken; Und weil der Kaiser diesen Frieden haßt, So will er ihn--er will ihn dazu zwingen! Zufriedenstellen will er alle Teile Und zum Ersatz für seine Mühe Böhmen, Das er schon innehat, für sich behalten.

Max. Hat er's um uns verdient, Octavio, Daß wir--wir so unwürdig von ihm denken?

Octavio. Von unserm Denken ist hier nicht die Rede. Die Sache spricht, die kläresten Beweise. Mein Sohn! Dir ist nicht unbekannt, wie schlimm Wir mit dem Hofe stehn--doch von den Ränken, Den Lügenkünsten hast du keine Ahnung, Die man in Übung setzte, Meuterei Im Lager auszusäen. Aufgelöst Sind alle Bande, die den Offizier An seinen Kaiser fesseln, den Soldaten Vertraulich binden an das Bürgerleben. Pflicht--und gesetzlos steht er gegenüber Dem Staat gelagert, den er schützen soll, Und drohet, gegen ihn das Schwert zu kehren. Es ist so weit gekommen, daß der Kaiser In diesem Augenblick vor seinen eignen Armeen zittert--der Verräter Dolche In seiner Hauptstadt fürchtet--seiner Burg; Ja im Begriffe steht, die zarten Enkel Nicht vor den Schweden, vor den Lutheranern --Nein! vor den eignen Truppen wegzuflüchten.

Max. Hör auf! Du ängstigest, erschütterst mich. Ich weiß, daß man vor leeren Schrecken zittert; Doch wahres Unglück bringt der falsche Wahn.

Octavio. Es ist keinWahn. Der bürgerliche Krieg Entbrennt, der unnatürlichste von allen, Wenn wir nicht, schleunig rettend, ihm begegnen. Der Obersten sind viele längst erkauft, Der Subalternen Treue wankt; es wanken Schon ganze Regimenter, Garnisonen. Ausländern sind die Festungen vertraut, Dem Schafgotsch, dem verdächtigen, hat man Die ganze Mannschaft Schlesiens, dem Terzky Fünf Regimenter, Reiterei und Fußvolk, Dem Illo, Kinsky, Buttler, Isolan Die bestmontierten Truppen übergeben.

Max. Uns beiden auch.

Octavio. Weil man uns glaubt zu haben, Zu locken meint durch glänzende Versprechen. So teilt er mir die Fürstentümer Glatz Und Sagan zu, und wohl seh ich den Angel, Womit man dich zu fangen denkt.

Max. Nein! Nein! Nein, sag ich dir!

Octavio. Oh! öffne doch die Augen! Weswegen, glaubst du, daß man uns nach Pilsen Beorderte? Um mit uns Rat zu pflegen? Wann hätte Friedland unsers Rats bedurft? Wir sind berufen, uns ihm zu verkaufen, Und weigern wir uns--Geisel ihm zu bleiben. Deswegen ist Graf Gallas weggeblieben-- Auch deinen Vater sähest du nicht hier, Wenn höhre Pflicht ihn nicht gefesselt hielt.

Max. Er hat es keinen Hehl, daß wir um seinetwillen Hieher berufen sind--gestehet ein, Er brauche unsers Arms, sich zu erhalten. Er tat so viel für uns, und so ist's Pflicht, Daß wir jetzt auch für ihn was tun!

Octavio. Und weißt du, Was dieses ist, das wir für ihn tun sollen? Des Illo trunkner Mut hat dir's verraten. Besinn dich doch, was du gehört, gesehn. Zeugt das vefälschte Blatt, die weggelaßne, So ganz entscheidungsvolle Klausel nicht, Man wollte zu nichts Gutem uns verbinden?

Max. Was mit dem Blatte diese Nacht geschehn, Ist mir nichts weiter als ein schlechter Streich Von diesem Illo. Dies Geschlecht von Mäklern Pflegt alles auf die Spitze gleich zu stellen. Sie sehen, daß der Herzog mit dem Hof Zerfallen ist, vermeinen ihm zu dienen, Wenn sie den Bruch unheilbar nur erweitern. Der Herzog, glaub mir, weiß von all dem nichts.

Octavio. Es schmerzt mich, deinen Glauben an den Mann, Der dir so wohlgegründet scheint, zu stürzen. Doch hier darf keine Schonung sein--du mußt Maßregeln nehmen, schleunige, mußt handeln. --Ich will dir also nur gestehn--daß alles, Was ich dir jetzt vertraut, was so unglaublich Dir scheint, daß--daß ich es aus seinem eignen, --Des Fürsten Munde habe.

Max. (in heftiger Bewegung) Nimmermehr!

Octavio. Er selbst vertraute mir--was ich zwar längst Auf anderm Weg schon in Erfahrung brachte: Daß er zum Schweden wolle übergehn Und an der Spitze des verbundnen Heers Den Kaiser zwingen wolle--

Max. Er ist heftig, Es hat der Hof empfindlich ihn beleidigt; In einem Augenblick des Unmuts, sei's! Mag er sich leicht einmal vergessen haben.

Octavio. Bei kaltem Blute war er, als er mir Dies eingestand; und weil er mein Erstaunen Als Furcht auslegte, wies er im Vertraun Mir Briefe vor, der Schweden und der Sachsen, Die zu bestimmter Hilfe Hoffnung geben.

Max. Es kann nicht sein! kann nicht sein! kann nicht sein! Siehst du, daß es nicht kann! Du hättest ihm Notwendig deinen Abscheu ja gezeigt, Er hätt' sich weisen lassen, oder du --Du stündest nicht mehr lebend mir zur Seite!

Octavio. Wohl hab ich mein Bedenken ihm geäußert, Hab dringend, hab mit Ernst ihn abgemahnt; --Doch meinen Abscheu, meine innerste Gesinnung hab ich tief versteckt.

Max. Du wärst So falsch gewesen? Das sieht meinem Vater Nicht gleich! Ich glaubte deinen Worten nicht, Da du von ihm mir Böses sagtest; kann's Noch wen'ger jetzt, da du dich selbst verleumdest.

Octavio. Ich drängte mich nicht selbst in sein Geheimnis.

Max. Aufrichtigkeit verdiente sein Vertraun.

Octavio. Nicht würdig war er meiner Wahrheit mehr.

Max. Noch minder würdig deiner war Betrug.

Octavio. Mein bester Sohn! Es ist nicht immer möglich, Im Leben sich so kinderrein zu halten, Wie's uns die Stimme lehrt im Innersten. In steter Notwehr gegen arge List Bleibt auch das redliche Gemüt nicht wahr-- Das eben ist der Fluch der bösen Tat, Daß sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären. Ich klügle nicht, ich tue meine Pflicht, Der Kaiser schreibt mir mein Betragen vor. Wohl wär' es besser, überall dem Herzen Zu folgen, doch darüber würde man Sich manchen guten Zweck versagen müssen. Hier gilt's, mein Sohn, dem Kaiser wohl zu dienen, Das Herz mag dazu sprechen, was es will.

Max. Ich soll dich heut nicht fassen, nicht verstehn. Der Fürst, sagst du, entdeckte redlich dir sein Herz Zu einem bösen Zweck, und du willst ihn Zu einem guten Zweck betrogen haben! Hör auf! ich bitte dich--du raubst den Freund Mir nicht--Laß mich den Vater nicht verlieren!

Octavio. (unterdrückt seine Empfindlichkeit) Noch weißt du alles nicht, mein Sohn. Ich habe Dir noch was zu eröffnen. (Nach einer Pause.) Herzog Friedland Hat seine Zurüstung gemacht. Er traut Auf seine Sterne. Unbereitet denkt er uns Zu überfallen--mit der sichern Hand Meint er den goldnen Zirkel schon zu fassen. Er irret sich--Wir haben auch gehandelt. Er faßt sein bös geheimnisvolles Schicksal.

Max. Nichts Rasches, Vater! Oh! bei allem Guten Laß dich beschwören. Keine Übereilung!

Octavio. Mit leisen Tritten schlich er seinen bösen Weg, So leis und schlau ist ihm die Rache nachgeschlichen. Schon steht sie ungesehen, finster hinter ihm, Ein Schritt nur noch, und schaudernd rühret er sie an. --Du hast den Questenberg bei mir gesehn; Noch kennst du nur sein öffentlich Geschäft-- Auch ein geheimes hat er mitgebracht, Das bloß für mich war.

Max. Darf ich's wissen?

Octavio. Max! --Des Reiches Wohlfahrt leg ich mit dem Worte, Des Vaters Leben dir in deine Hand. Der Wallenstein ist deinem Herzen teuer, Ein starkes Band der Liebe, der Verehrung Knüpft seit der frühen Jugend dich an ihn-- Du nährst den Wunsch--Oh! laß mich immerhin Vorgreifen deinem zögernden Vertrauen-- Die Hoffnung nährst du, ihm viel näher noch Anzugehören.

Max. Vater--

Octavio. Deinem Herzen trau ich, Doch, bin ich deiner Fassung auch gewiß? Wirst du's vermögen, ruhigen Gesichts Vor diesen Mann zu treten, wenn ich dir Sein ganz Geschick nun anvertrauet habe?

Max. Nachdem du seine Schuld mir anvertraut!

Octavio. (nimmt ein Papier aus der Schatulle und reicht es ihm hin)

Max. Was? Wie? Ein offner kaiserlicher Brief.

Octavio. Lies ihn.

Max. (nachdem er einen Blick hineingeworfen) Der Fürst verurteilt und geächtet!

Octavio. So ist's.

Max. Oh! das geht weit! O unglücksvoller Irrtum!

Octavio. Lies weiter! Faß dich!

Max. (nachdem er weitergelesen, mit einem Blick des Erstaunens auf seinen Vater) Wie? Was? Du? Du bist--

Octavio. Bloß für den Augenblick--und bis der König Von Ungarn bei dem Heer erscheinen kann, Ist das Kommando mir gegeben--

Max. Und glaubst du, daß du's ihm entreißen werdest? Das denke ja nicht--Vater! Vater! Vater! Ein unglückselig Amt ist dir geworden. Dies Blatt hier--dieses! willst du geltendmachen? Den Mächtigen in seines Heeres Mitte, Umringt von seinen Tausenden, entwaffnen? Du bist verloren--Du, wir alle sind's!

Octavio. Was ich dabei zu wagen habe, weiß ich. Ich stehe in der Allmacht Hand; sie wird Das fromme Kaiserhaus mit ihrem Schilde Bedecken und das Werk der Nacht zertrümmern. Der Kaiser hat noch treue Diener, auch im Lager Gibt es der braven Männer gnug, die sich Zur guten Sache munter schlagen werden. Die Treuen sind gewarnt, bewacht die andern, Den ersten Schritt erwart ich nur, sogleich--

Max. Auf den Verdacht hin willst du rasch gleich handeln?

Octavio. Fern sei vom Kaiser die Tyrannenweise! Den Willen nicht, die Tat nur will er strafen. Noch hat der Fürst sein Schicksal in der Hand-- Er lasse das Verbrechen unvollführt, So wird man ihn still vom Kommando nehmen, Er wird dem Sohne seines Kaisers weichen. Ein ehrenvoll Exil auf seine Schlösser Wird Wohltat mehr als Strafe für ihn sein. Jedoch der erste offenbare Schritt--

Max. Was nennst du einen solchen Schritt? Er wird Nie einen bösen tun.--Du aber könntest (Du hast's getan) den frömmsten auch mißdeuten.