Die Piccolomini

Part 5

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(Max reißt sich aus ihren Armen und geht, die Gräfin begleitet ihn. Thekla folgt ihm anfangs mit den Augen, geht unruhig durch das Zimmer und bleibt dann in Gedanken versenkt stehen. Eine Gitarre liegt auf dem Tisch, sie ergreift sie, und nachdem sie eine Weile schwermütig präludiert hat, fällt sie in den Gesang.)

Siebenter Auftritt

Thekla. (spielt und singt) Der Eichwald brauset, die Wolken ziehn, Das Mägdlein wandelt an Ufers Grün, Es bricht sich die Welt mit Macht, mit Macht, Und sie singt hinaus in die finstre Nacht. Das Auge von Weinen getrübet. Das Herz ist gestorben, die Welt ist leer, Und weiter gibt sie dem Wunsche nichts mehr. Du Heilige, rufe dein Kind zurück, Ich habe genossen das irdische Glück, Ich habe gelebt und geliebet.

Achter Auftritt

Gräfin kommt zurück. Thekla.

Gräfin. Was war das, Fräulein Nichte? Fy! Ihr werft Euch Ihm an den Kopf. Ihr solltet Euch doch, dächt' ich, Mit Eurer Person ein wenig teurer machen.

Thekla. (indem sie aufsteht) Was meint Ihr, Tante?

Gräfin. Ihr sollt nicht vergessen, Wer Ihr seid, und wer er ist. Ja, das ist Euch Noch gar nicht eingefallen, glaub ich.

Thekla. Was denn?

Gräfin. Daß Ihr des Fürsten Friedland Tochter seid.

Thekla. Nun? und was mehr?

Gräfin. Was? Eine schöne Frage!

Thekla. Was wir geworden sind, ist er geboren. Er ist von alt lombardischem Geschlecht, Ist einer Fürstin Sohn!

Gräfin. Sprecht Ihr im Traum? Fürwahr! Man wird ihn höflich noch drum bitten, Die reichste Erbin in Europa zu beglücken Mit seiner Hand.

Thekla. Das wird nicht nötig sein.

Gräfin. Ja, man wird wohl tun, sich nicht auszusetzen.

Thekla. Sein Vater liebt ihn, Graf Octavio Wird nichts dagegen haben--

Gräfin. Sein Vater! Seiner! Und der Eure, Nichte?

Thekla. Nun ja! Ich denk, Ihr fürchtet seinen Vater, Weil Ihr's vor dem, vor seinem Vater, mein ich, So sehr verheimlicht.

Gräfin. (sieht sie forschend an) Nichte, Ihr seid falsch.

Thekla. Seid Ihr empfindlich, Tante? Oh! seid gut!

Gräfin. Ihr haltet Euer Spiel schon für gewonnen-- Jauchzt nicht zu frühe!

Thekla. Seid nur gut!

Gräfin. Es ist noch nicht so weit.

Thekla. Ich glaub es wohl.

Gräfin. Denkt Ihr, er habe sein bedeutend Leben In kriegerischer Arbeit aufgewendet, Jedwedem stillen Erdenglück entsagt, Den Schlaf von seinem Lager weggebannt, Sein edles Haupt der Sorge hingegeben, Nur um ein glücklich Paar aus euch zu machen? Um dich zuletzt aus deinem Stift zu ziehn, Den Mann dir im Triumphe zuzuführen, Der deinen Augen wohlgefällt?--Das hätt' er Wohlfeiler habe können! Diese Saat Ward nicht gepflanzt, daß du mit kind'scher Hand Die Blume brächest und zu leichten Zier An deinen Busen stecktest!

Thekla. Was er mir nicht gepflanzt, das könnte doch Freiwillig mir die schönen Früchte tragen. Und wenn mein gütig freundliches Geschick Aus seinem furchtbar ungeheuren Dasein Des Lebens Freude mir bereiten will--

Gräfin. Du siehst's wie ein verliebtes Mädchen an. Blick um dich her. Besinn dich, wo du bist-- Nicht in ein Freudenhaus bist du getreten, Zu keiner Hochzeit findest du die Wände Geschmückt, der Gäste Haupt bekränzt. Hier ist Kein Glanz als der von Waffen. Oder denkst du, Man führte diese Tausende zusammen, Beim Brautfest dir den Reihen aufzuführen? Du siehst des Vaters Stirn gedankenvoll, Der Mutter Aug' in Tränen, auf der Waage liegt Das große Schicksal unsers Hauses! Laß jetzt des Mädchens kindische Gefühle, Die kleinen Wünsche hinter dir! Beweise, Daß du des Außerordentlichen Tochter bist! Das Weib soll sich nicht selber angehören, An fremdes Schicksal ist sie fest gebunden; Die aber ist die Beste, die sich Fremdes Aneignen kann mit Wahl, an ihrem Herzen Es trägt und pflegt mit Innigkeit und Liebe.

Thekla. So wurde mir's im Kloster vorgesagt. Ich hatte keine Wünsche, kannte mich Als seine Tochter nur, des Mächtigen, Und seines Lebens Schall, der auch zu mir drang, Gab mir kein anderes Gefühl als dies: Ich sei bestimmt, mich leidend ihm zu opfern.

Gräfin. Das ist dein Schicksal. Füge dich ihm willig. Ich und die Mutter geben dir das Beispiel.

Thekla. Das Schicksal hat mir den gezeigt, dem ich Mich opfern soll; ich will ihm freudig folgen.

Gräfin. Dein Herz, mein liebes Kind, und nicht das Schicksal.

Thekla. Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Ich bin die Seine. Sein Geschenk allein Ist dieses neue Leben, das ich lebe. Er hat ein Recht an sein Geschöpf. Was war ich, Eh' seine schöne Liebe mich beseelte? Ich will auch von mir selbst nicht kleiner denken Als der Geliebte. Der kann nicht gering sein, Der das Unschätzbare besitzt. Ich fühle Die Kraft mit meinem Glücke mir verliehn. Ernst liegt das Leben vor der ernsten Seele. Daß ich mir selbst gehöre, weiß ich nun. Den festen Willen hab ich kennen lernen, Den unbezwinglichen, in meiner Brust, Und an das Höchste kann ich alles setzen.

Gräfin. Du wolltest dich dem Vater widersetzen, Wenn er es anders nun mit dir beschlossen? --Ihm denkst du's abzuzwingen? Wisse, Kind! Sein Nam' ist Friedland.

Thekla. Auch der meinige. Er soll in mir die echte Tochter finden.

Gräfin. Wie? Sein Monarch, sein Kaiser zwingt ihn nicht, Und du, sein Mädchen, wolltest mit ihm kämpfen?

Thekla. Was niemand wagt, kann seine Tochter wagen.

Gräfin. Nun wahrlich! Darauf ist er nicht bereitet. Er hätte jedes Hindernis besiegt, Und in dem eignen Willen seiner Tochter Sollt' ihm der neue Streit entstehn? Kind! Kind! Noch hast du nur das Lächeln deines Vaters, Hast seines Zornes Auge nicht gesehen. Wird sich die Stimme deines Widerspruchs, Die zitternde, in seine Nähe wagen? Wohl magst du dir, wenn du allein bist, große Dinge Vorsetzen, schöne Rednerblumen flechten, Mit Löwenmut den Taubensinn bewaffnen. Jedoch versuch's! Tritt vor sein Auge hin, Das fest auf dich gespannt ist, und sag nein! Vergehen wirst du vor ihm, wie das zarte Blatt Der Blume vor dem Feuerblick der Sonne. --Ich will dich nicht erschrecken, liebes Kind! Zum Äußersten soll's ja nicht kommen, hoff ich-- Auch weiß ich seinen Willen nicht. Kann sein, Daß seine Zwecke deinem Wunsch begegnen. Doch das kann nimmermehr sein Wille sein, Daß du, die stolze Tochter seines Glücks, Wie ein verliebtes Mädchen dich gebärdest, Wegwerfest an den Mann, der , wenn ihm je Der hohe Lohn bestimmt ist, mit dem höchsten Opfer, Das Liebe bringt, dafür bezahlen soll!

(Sie geht ab.)

Neunter Auftritt

Thekla. (allein) Dank dir für deinen Wink! Er macht Mir meine böse Ahnung zur Gewißheit. So ist's denn wahr? Wir haben keinen Freund Und keine treue Seele hier--wir haben Nichts als uns selbst. Uns drohen harte Kämpfe. Du, Liebe, gib uns Kraft, du göttliche! Oh! sie sagt wahr! Nicht frohe Zeichen sind's, Die diesem Bündnis unsrer Herzen leuchten. Das ist kein Schauplatz, wo die Hoffnung wohnt. Nur dumpfes Kriegsgetöse rasselt hier, Und selbst die Liebe, wie in Stahl gerüstet, Zum Todeskampf gegürtet, tritt sie auf. Es geht ein finstrer Geist durch unser Haus, Und schleunig will das Schicksal mit uns enden. Aus stiller Freistatt treibt es mich heraus, Ein holder Zauber muß die Seele blenden. Es lockt mich durch die himmlische Gestalt, Ich seh sie nah und seh sie näher schweben, Es zieht mich fort mit göttlicher Gewalt, Dem Abgrund zu, ich kann nicht widerstreben. (Man hört von ferne die Tafelmusik.) Oh! wenn ein Haus im Feuer soll vergehn, Dann treibt der Himmel sein Gewölk zusammen, Es schießt der Blitz herab aus heitern Höhn, Aus unterird'schen Schlünden fahren Flammen, Blindwütend schleudert selbst der Gott der Freude Den Pechkranz in das brennende Gebäude! (Sie geht ab.)

Vierter Aufzug

Szene: Ein großer, festlich erleuchteter Saal, in der Mitte desselben und nach der Tiefe des Theaters eine reich ausgeschmückte Tafel, an welcher acht Generale, worunter Octavio Piccolomini, Terzky und Maradas, sitzen. Rechts und links davon, mehr nach hinten zu, noch zwei andere Tafeln, welche jede mit sechs Gästen besetzt sind. Vorwärts steht der Kredenztisch, die ganze vordere Bühne bleibt für die aufwartenden Pagen und Bedienten frei. Alles ist in Bewegung, Spielleute von Terzkys Regiment ziehen über den Schauplatz um die Tafel herum. Noch ehe sie sich ganz entfernt haben, erscheint Max Piccolomini; ihm kommt Terzky mit einer Schrift, Isolani mit einem Pokal entgegen.

Erster Auftritt

Terzky. Isolani. Max Piccolomini.

Isolani. Herr Bruder, was wir lieben! Nun, wo steckt Er? Geschwind an Seinen Platz! Der Terzky hat Der Mutter Ehrenweine preisgegeben, Es geht hier zu, wie auf dem Heidelberger Schloß. Das Beste hat Er schon versäumt. Sie teilen Dort an der Tafel Fürstenhüte aus, Des Eggenberg, Slawata, Lichtenstein, Des Sternbergs Güter werden ausgeboten Samt allen großen böhm'schen Lehen; wenn Er hurtig macht, fällt auch für Ihn was ab. Marsch! Setz' Er sich!

Colalto und Götz. (rufen an der zweiten Tafel) Graf Piccolomini!

Terzky. Ihr sollt ihn haben! Gleich!--Lies diese Eidesformel, Ob dir's gefällt, so wie wir's aufgesetzt. Es haben's alle nach der Reih' gelesen, Und jeder wird den Namen drunter setzen.

Max. (liest) "Ingratis servire nefas."

Isolani. Das klingt wie ein latein'scher Spruch--Herr Bruder, Wie heißt's auf deutsch?

Terzky. Dem Undankbaren dient kein rechter Mann!

Max. "Nachdem unser hochgebietender Feldherr, der Durchlauchtige Fürst von Friedland, wegen vielfältig empfangener Kränkungen, des Kaisers Dienst zu Verlassen gemeint gewesen, auf unser einstimmiges Bitten aber sich bewegen lassen, noch länger bei der Armee zu verbleiben, und ohne unser Genehmhalten sich Nicht von uns zu trennen; als verpflichten wir uns wieder ingesamt, und jeder für sich insbesondere, anstatt eines körperlichen Eides--auch bei ihm ehrlich und getreu zu halten, uns auf keinerlei Weise von ihm zu trennen, und für denselben alles das Unsrige, bis auf den letzten Blutstropfen, aufzusetzen, so weit nämlich unser dem Kaiser geleisteter Eid es erlauben wird. (Die letzten Worte werden von Isolani nachgesprochen.) Wie wir denn auch, wenn einer oder der andre, von uns, diesem Verbündnis zuwider, sich von der gemeinen Sache Absondern sollte, denselben als einen bundesflüchtigen Verräter erklären, und an seinem Hab und Gut, Leib und Leben Rache dafür zu nehmen verbunden sein wollen. Solches bezeugen wir mit Unterschrift unsers Namens."

Terzky. Bist du gewillt, dies Blatt zu unterschreiben?

Isolani. Was sollt' er nicht! Jedweder Offizier Von Ehre kann das--muß das--Dint' und Feder!

Terzky. Laß gut sein, bis nach der Tafel.

Isolani. (Max fortziehend) Komm' Er, komm' Er!

(Beide gehen an die Tafel.)

Zweiter Auftritt

Terzky. Neumann.

Terzky. (winkt dem Neumann , der am Kredenztisch gewartet, und tritt mit ihm vorwärts) Bringst du die Abschrift, Neumann? Gib! Sie ist Doch so verfaßt, daß man sie leicht verwechselt?

Neumann. Ich hab sie Zeil' um Zeile nachgemalt, Nichts als die Stelle von dem Eid blieb weg, Wie deine Exzellenz es mir geheißen.

Terzky. Gut! Leg sie dorthin, und mit dieser gleich Ins Feuer! Was sie soll, hat sie geleistet.

(Neumann legt die Kopie auf den Tisch und tritt wieder zum Schenktisch.)

Dritter Auftritt

Illo kommt aus dem zweiten Zimmer. Terzky.

Illo. Wie ist es mit dem Piccolomini?

Terzky. Ich denke, gut. Er hat nichts eingewendet.

Illo. Er ist der einz'ge, dem ich nicht recht traue, Er und der Vater--Habt ein Aug' auf beide!

Terzky. Wie sieht's an Eurer Tafel aus? Ich hoffe, Ihr haltet Eure Gäste warm?

Illo. Sie sind Ganz kordial. Ich denk, wir haben sie. Und wie ich's Euch vorausgesagt--Schon ist Die Red' nicht mehr davon, den Herzog bloß Bei Ehren zu erhalten. Da man einmal Beisammen sei, meint Montecuculi, So müsse man in seinem eignen Wien Dem Kaiser die Bedingung machen. Glaubt mir, Wär's nicht um diese Piccolomini, Wir hätten den Betrug uns können sparen.

Terzky. Was will der Buttler? Still!

Vierter Auftritt

Buttler zu den Vorigen.

Buttler. (von der zweiten Tafel kommend) Laßt Euch nicht stören. Ich hab Euch wohl verstanden, Feldmarschall. Glück zum Geschäfte--und was mich betrifft, (geheimnisvoll) So könnt Ihr auf mich rechnen.

Illo. (lebhaft) Können wir's?

Buttler. Mit oder ohne Klausel! gilt mir gleich! Versteht Ihr mich? Der Fürst kann meine Treu' Auf jede Probe setzen, sagt ihm das. Ich bin des Kaisers Offizier, solang ihm Beliebt, des Kaisers General zu bleiben, Und bin des Friedlands Knecht, sobald es ihm Gefallen wird, sein eigner Herr zu sein.

Terzky. Ihr treffet einen guten Tausch. Kein Karger, Kein Ferdinand ist's, dem Ihr Euch verpflichtet.

Buttler. (ernst) Ich biete meine Treu' nicht feil, Graf Terzky, Und wollt' Euch nicht geraten haben, mir Vor einem halben Jahr noch abzudingen, Wozu ich jetzt freiwillig mich erbiete. Ja, mich samt meinem Regiment bring ich Dem Herzog, und nicht ohne Folgen soll Das Beispiel bleiben, denk ich, das ich gebe.

Illo. Wem ist es nicht bekannt, daß Oberst Buttler

Dem ganzen Heer voran als Muster leuchtet!

Buttler. Meint Ihr, Feldmarschall? Nun, so reut mich nicht Die Treue, vierzig Jahre lang bewahrt, Wenn mir der wohlgesparte gute Name So volle Rache kauft im sechzigsten!-- Stoßt euch an meine Rede nicht, ihr Herrn. Euch mag es gleichviel sein,wie ihr mich habt, Und werdet, hoff ich, selber nicht erwarten, Daß euer Spiel mein grades Urteil krümmt-- Daß Wankelsinn und schnell bewegtes Blut Noch leichte Ursach' sonst den alten Mann Vom langgewohnten Ehrenpfade treibt. Kommt! Ich bin darum minder nicht entschlossen, Weil ich es deutlich weiß, wovon ich scheide.

Illo. Sagt's rund heraus, wofür wir Euch zu halten--

Buttler. Für einen Freund! Nehmt meine Hand darauf, Mit allem, was ich hab, bin ich der Eure. Nicht Männer bloß, auch Geld bedarf der Fürst. Ich hab in seinem Dienst mir was erworben, Ich leih es ihm, und überlebt er mich, Ist's ihm vermacht schon längst, er ist mein Erbe. Ich steh allein da in der Welt und kenne Nicht das Gefühl, das an ein teures Weib Den Mann und an geliebte Kinder bindet; Mein Name stirbt mit mir, mein Dasein endet.

Illo. Nicht Eures Gelds bedarf's--ein Herz, wie Euers, Wiegt Tonnen Goldes auf und Millionen.

Buttler. Ich kam, ein schlechter Reitersbursch, aus Irland Nach Prag mit einem Herrn, den ich begrub. Vom niedern Dienst im Stalle stieg ich auf, Durch Kriegsgeschick, zu dieser Würd' und Höhe, Das Spielzeug eines grillenhaften Glücks. Auch Wallenstein ist der Fortuna Kind, Ich liebe einen Weg, der meinem gleicht.

Illo. Verwandte sind sich alle starken Seelen.

Buttler. Es ist ein großer Augenblick der Zeit, Dem Tapfern, dem Entschloßnen ist sie günstig. Wie Scheidemünze geht von Hand zu Hand, Tauscht Stadt und Schloß den eilenden Besitzer. Uralter Häuser Enkel wandern aus, Ganz neue Wappen kommen auf und Namen; Auf deutscher Erde unwillkommen wagt's Ein nördlich Volk sich bleibend einzubürgern. Der Prinz von Weimar rüstet sich mit Kraft, Am Main ein mächtig Fürstentum zu gründen; Dem Mansfeld fehlte nur, dem Halberstädter Ein längres Leben, mit dem Ritterschwert Landeigentum sich tapfer zu erfechten. Wer unter diesen reicht an unsern Friedland? Nichts ist so hoch, wornach der Starke nicht Befugnis hat die Leiter anzusetzen.

Terzky. Das ist gesprochen wie ein Mann!

Buttler. Versichert euch der Spanier und Welschen, Den Schotten Leßly will ich auf mich nehmen. Kommt zur Gesellschaft! Kommt!

Terzky. Wo ist der Kellermeister? Laß aufgehn, was du hast! die besten Weine! Heut gilt es. Unsre Sachen stehe gut.

(Gehen, jeder an seine Tafel.)

Fünfter Auftritt

Kellermeister mit Neumann vorwärts kommend. Bediente gehen ab und zu.

Kellermeister. Der edle Wein! Wenn meine alte Herrschaft, Die Frau Mama, das wilde Leben säh', In ihrem Grabe kehrte sie sich um!-- Ja! Ja! Herr Offizier! Es geht zurück Mit diesem edeln Haus--Kein Maß noch Ziel! Und die durchlauchtige Verschwägerung Mit diesem Herzog bringt uns wenig Segen.

Neumann. Behüte Gott! Jetzt wird der Flor erst angehn.

Kellermeister. Meint Er? Es ließ' sich vieles davon sagen.

Bedienter. (kommt.) Burgunder für den vierten Tisch!

Kellermeister. Das ist Die siebenzigste Flasche nun, Herr Leutnant.

Bedienter. Das macht, der deutsche Herr, der Tiefenbach, Sitzt dran. (Geht ab.)

Kellermeister. (zu Neumann fortfahrend) Sie wollen gar zu hoch hinaus. Kurfürsten Und Königen wollen sie's im Prunke gleichtun, Und wo der Fürst sich hingetraut, da will der Graf, Mein gnäd'ger Herre, nicht dahintenbleiben. (Zu den Bedienten.) Was steht ihr horchen? Will euch Beine machen. Seht nach den Tischen, nach den Flaschen! Da! Graf Palffy hat ein leeres Glas vor sich!

Zweiter Bedienter. (kommt) Den großen Kelch verlandt man, Kellermeister, Den reichen, güldnen, mit dem böhm'schen Wappen, Ihr wißt schon welchen, hat der Herr gesagt.

Kellermeister. Der auf des Friedrichs seine Königskrönung Vom Meister Wilhelm ist verfertigt worden, Das schöne Prachtstück aus der Prager Beute?

Zweiter Bedienter. Ja, den! Den Umtrunk wollen sie mit halten.

Kellermeister. (mit Kopfschütteln, indem er den Pokal hervorholt und ausspült) Das gibt nach Wien was zu berichten wieder!

Neumann. Zeigt! Das ist eine Pracht von einem Becher! Von Golde schwer und in erhabner Arbeit Sind kluge Dinge zierlich drauf gebildet. Gleich auf dem ersten Schildlein, laßt mal sehn! Die stolze Amazone da zu Pferd, Die übern Krummstab setzt und Bischofsmützen, Auf einer Stange trägt sie einen Hut, Nebst einer Fahn', worauf ein Kelch zu sehn. Könnt Ihr mir sagen, was das all bedeutet?

Kellermeister. Die Weibsperson, die ihr da seht zu Roß, Das ist die Wahlfreiheit der böhm'schen Kron'. Das wird bedeutet durch den runden Hut Und durch das wilde Roß, auf dem sie reitet. Des Menschen Zierat ist der Hut, denn wer Den Hut nicht sitzen lassen darf vor Kaisern Und Königen, der ist kein Mann der Freiheit.

Neumann. Was aber soll der Kelch da auf der Fahn'?

Kellermeister. Der Kelch bezeugt die böhm'sche Kirchenfreiheit, Wie sie gewesen zu der Väter Zeit. Die Väter im Hussitenkrieg erstritten Sich dieses schöne Vorrecht übern Papst, Der keinem Laien gönnen will den Kelch. Nichts geht dem Utraquisten übern Kelch, Es ist sein köstlich Kleinod, hat dem Böhmen Sein teures Blut in mancher Schlacht gekostet.

Neumann. Was sagt die Rolle, die da drüber schwebt?

Kellermeister. Den böhm'schen Majestätsbrief zeigt sie an, Den wir dem Kaiser Rudolf abgezwungen, Ein köstlich unschätzbares Pergament, Das frei Geläut' und offenen Gesang Dem neuen Glauben sichert wie dem alten. Doch seit der Grätzer über uns regiert, Hat das ein End', und nach der Prager Schlacht, Wo Pfalzgraf Friedrich Kron' und Reich verloren, Ist unser Glaub' um Kanzel und Altar, Und unsre Brüder sehen mit dem Rücken Die Heimat an, den Majestätsbrief aber Zerschnitt der Kaiser selbst mit seiner Schere.

Neumann. Das alles wißt Ihr! Wohl bewandert seid Ihr In Eures Landes Chronik, Kellermeister.

Kellermeister. Drum waren meine Ahnherrn Taboriten Und dienten unter dem Prokop und Ziska. Fried' sei mit ihrem Staube! Kämpften sie Für eine gute Sache doch--Tragt fort !

Neumann. Erst laßt mich noch das zweite Schildlein sehn. Sieh doch, das ist, wie auf dem Prager Schloß Des Kaisers Räte Martinitz, Slawata Kopf unter sich herabgestürzet werden. Ganz recht! Da steht Graf Thurn, der es befiehlt.

(Bedienter geht mit dem Kelch.)

Kellermeister. Schweigt mir von diesem Tag, es war der drei- Undzwanzigste des Mais, da man eintausen- Sechshundert schrieb und achtzehn. Ist mir's doch, Als wär' es heut, und mit dem Unglückstag Fing's an, das große Herzeleid des Landes. Seit diesem Tag, es sind jetzt sechzehn Jahr, Ist nimmer Fried' gewesen auf der Erden-- (An der zweiten Tafel wird gerufen:) Der Fürst von Weimar! (An der dritten und vierten Tafel:) Herzog Bernhard lebe! (Musik fällt ein.)

Erster Bedienter. Hört den Tumult!

Zweiter Bedienter. (kommt gelaufen) Habt ihr gehört? Sie lassen den Weimar leben!

Dritter Bedienter. Östreichs Feind!

Erster Bedienter. Den Lutheraner!

Zweiter Bedienter. Vorhin, da bracht' der Deodat des Kaisers Gesundheit aus, da blieb's ganz mäuschenstille.

Kellermeister. Beim Trunk geht vieles drein. Ein ordentlicher Bedienter muß kein Ohr für so was haben.

Dritter Bedienter. (beiseite zum vierten) Paß ja wohl auf, Johann, daß wir dem Pater Quiroga recht viel zu erzählen haben; Er will dafür uns auch viel Ablaß geben.

Vierter Bedienter. Ich mach mir an des Illo seinem Stuhl Deswegen auch zu tun, soviel ich kann, Der führt dir gar verwundersame Reden.

(Gehen zu den Tafeln.)

Kellermeister. (zu Neumann) Wer mag der schwarze Herr sein mit dem Kreuz, Der mit Graf Palffy so vertraulich schwatzt?

Neumann. Das ist auch einer, dem sie zu viel trauen, Maradas nennt er sich, ein Spanier.

Kellermeister. 's ist nichts mit den Hispaniern, sag ich Euch, Die Welschen alle taugen nichts.

Neumann. Ei! Ei! So solltet Ihr nicht sprechen, Kellermeister. Es sind die ersten Generale drunter, Auf die der Herzog just am meisten hält.

(Terzky kommt und holt das Papier ab, an den Tafeln entsteht eine Bewegung.)

Kellermeister. (zu den Bedienten) Der Generalleutnant steht auf. Gebt acht! Sie machen Aufbruch. Fort und rückt die Sessel.

(Die Bedienten eilen nach hinten, ein Teil der Gäste kommt vorwärts.)

Sechster Auftritt

Octavio Piccolomini kommt im Gespräch mit Maradas, und beide stellen sich ganz vorne hin auf eine Seite des Proszeniums. Auf die entgegengesetzte Seite tritt Max Piccolomini, allein, in sich gekehrt und ohne Anteil an der übrigen Handlung. Den mittlern Raum zwischen beiden, doch einige Schritte mehr zurück, erfüllen Buttler, Isolani, Götz, Tiefenbach, Colalto und bald darauf Graf Terzky.

Isolani. (während daß die Gesellschaft vorwärts kommt) Gut' Nacht!--Gut' Nacht, Colalto--Generalleutnant, Gut' Nacht! Ich sagte besser, guten Morgen.