Die Piccolomini

Part 2

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Max. Und eine Lust ist's, wie er alles weckt Und stärkt und neu belebt um sich herum, Wie jede Kraft sich ausspricht, jede Gabe Gleich deutlicher sich wird in seiner Nähe! Jedwedem zieht er seine Kraft hervor, Die eigentümliche, und zieht sie groß, Läßt jeden ganz das bleiben, was er ist, Er wacht nur drüber, daß er's immer sei Am rechten Ort; so weiß er aller Menschen Vermögen zu dem seinigen zu machen.

Questenberg. Wer spricht ihm ab, daß er die Menschen kenne, Sie zu gebrauche wisse! Überm Herrscher Vergißt er nur den Diener ganz und gar, Als wär' mit seiner Würd' er schon geboren.

Max. Ist er's denn nicht? Mit jeder Kraft dazu Ist er's, und mit der Kraft noch obendrein, Buchstäblich zu vollstrecken die Natur, Dem Herrschtalent den Herrschplatz zu erobern.

Questenberg. So kommt's zuletzt auf seine Großmut an, Wieviel wir überall noch gelten sollen!

Max. Der seltne Mann will seltenes Vertrauen. Gebt ihm den Raum, das Ziel wird er sich setzen.

Questenberg. Die Proben geben's.

Max. Ja! so sind sie! Schreckt Sie alles gleich, was eine Tiefe hat; Ist ihnen nirgends wohl, als wo's recht flach ist.

Octavio. (zu Questenberg) Ergeben Sie sich nur in gutem, Freund! Mit dem da werden Sie nicht fertig.

Max. Da rufen sie den Geist an in der Not, Und grauet ihnen gleich, wenn er sich zeigt. Das Ungemeine soll, das Höchste selbst Geschehn wie das Alltägliche. Im Feld, Da dringt die Gegenwart--Persönliches Muß herrschen, eignes Auge sehn. Es braucht Der Feldherr jedes Große der Natur, So gönne man ihm auch, in ihren großen Verhältnissen zu leben. Das Orakel In seinem Innern, das lebendige-- Nicht tote Bücher, alte Ordnungen, Nicht modrigte Papiere soll er fragen.

Octavio. Mein Sohn! Laß uns die alten, engen Ordnungen Gering nicht achten! Köstlich unschätzbare Gewichte sind's, die der bedrängte Mensch An seiner Dränger raschen Willen band; Denn immer war die Willkür fürchterlich-- Der Weg der Ordnung, ging' er auch durch Krümmmen, Er ist kein Umweg. Grad aus geht des Blitzes, Geht des Kanonballs fürchterlicher Pfad-- Schnell, auf dem nächsten Wege, langt er an, Macht sich zermalmend Platz, um zu zermalmen. Mein Sohn! Die Straße, die der Mensch befährt, Worauf der Segen wandelt, diese folgt Der Flüsse Lauf, der Täler freien Krümmen, Umgeht das Weizenfeld, den Rebenhügel, Des Eigentums gemeßne Grenzen ehrend-- So führt sie später, sicher doch zum Ziel.

Questenberg. Oh! hören Sie den Vater--hören Sie Ihn, der ein Held ist und ein Mensch zugleich.

Octavio. Das Kind des Lagers spricht aus dir, mein Sohn. Ein fünfzehnjähr'ger Krieg hat dich erzogen, --Du hast den Frieden nie gesehn! Es gibt Noch höhern Wert, mein Sohn, als kriegerischen; Im Kriege selber ist das Letzte nicht der Krieg. Die großen, schnellen Taten der Gewalt, Des Augenblicks erstaunenswerte Wunder, Die sind es nicht, die das Beglückende, Das ruhig, mächtig Dauernde erzeugen. In Hast und Eile bauet der Soldat Von Leinwand seine leichte Stadt, da wird Ein augenblicklich Brausen und Bewegen, Der Markt belebt sich, Straßen, Flüsse sind Bedeckt mit Fracht, es rührt sich das Gewerbe. Doch eines Morgens plötzlich siehet man Die Zelte fallen, weiter rückt die Horde, Und ausgestorben, wie ein Kirchhof, bleibt Der Acker, das zerstampfte Saatfeld liegen, Und um des Jahres Ernte ist's getan.

Max. Oh! laß den Kaiser Friede machen, Vater! Den blut'gen Lorbeer geb ich hin mit Freuden Fürs erste Veilchen, das der März uns bringt, Das duftige Pfand der neuverjüngten Erde.

Octavio. Wie wird dir? Was bewegt dich so auf einmal?

Max. Ich hab den Frieden nie gesehn?--Ich hab ihn Gesehen, alter Vater , eben komm ich-- Jetzt eben davon her--er führte mich Der Weg durch Länder, wo der Krieg nicht hingekommen--oh! das Leben, Vater, Hat Reize, die wir nie gekannt.--Wir haben Des schönen Lebens öde Küste nur Wie ein umirrend Räubervolk befahren, Das, in sein dumpfig-enges Schiff gepreßt, Im wüsten Meer mit wüsten Sitten haust, Vom großen Land nichts als die Buchten kennt, Wo es die Diebeslandung wagen darf. Was in den innern Tälern Köstliches Das Land verbirgt, oh! davon--davon ist Auf unsrer wilden Fahrt uns nichts erschienen.

Ocatvio. (wird aufmerksam) Und hätt' es diese Reise dir gezeigt?

Max. Es war die erste Muße meines Lebens. Sag mir, was ist der Arbeit Ziel und Preis, Der peinlichen, die mir die Jugend stahl, Das Herz mir öde ließ und unerquickt Den Geist, den keine Bildung noch geschmücket? Denn dieses Lagers lärmendes Gewühl, Der Pferde Wiehern, der Trompete Schmettern, Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, Die Waffenübung, das Kommandowort-- Dem Herzen gibt es nichts, dem lechzenden. Die Seele fehlt dem nichtigen Geschäft-- Es gibt ein andres Glück und andre Freuden.

Octavio. Viel lerntest du auf diesem kurzen Weg, mein Sohn!

Max. O schöner Tag! wenn endlich der Soldat Ins Leben heimkehrt, in die Menschlichkeit, Zum frohen Zug die Fahnen sich entfalten, Und heimwärts schlägt der sanfte Friedensmarsch. Wenn alle Hüte sich und Helme schmücken Mit grünen Maien, dem letzten Raub der Felder! Der Städte Tore gehen auf, von selbst, Nicht die Petarde braucht sie mehr zu sprengen; Von Menschen sind die Wälle rings erfüllt, Von friedlichen, die in die Lüfte grüßen-- Hell klingt von allen Türmen das Geläut, Des blut'gen Tages frohe Vesper schlagend. Aus Dörfern und aus Städten wimmelnd strömt Ein jauchzend Volk, mit liebend emsiger Zudringlichkeit des Heeres Fortzug hindernd-- Da schüttelt, froh des noch erlebten Tags, Dem heimgekehrten Sohn der Greis die Hände. Ein Fremdling tritt er in sein Eigentum, Das längstverlaßne, ein; mit breiten Ästen Deckt ihn der Baum bei seiner Wiederkehr, Der sich zur Gerte bog, als er gegangen, Und schamhaft tritt als Jungfrau ihm entgegen, Die er einst an der Amme Brust verließ. Oh! glücklich, wem dann auch sich eine Tür, Sich zarte Arme sanft umschlingend öffnen--

Questenberg. (gerührt) Oh! daß Sie von so ferner, ferner Zeit, Und nicht von morgen, nicht von heute sprechen!

Max. (mit Heftigkeit sich zu ihm wendend) Wer sonst ist schuld daran als ihr in Wien?-- Ich will's nur frei gestehen, Questenberg! Als ich vorhin Sie stehen sah, es preßte Der Unmut mir das Innerste zusammen-- Ihr seid es, die den Frieden hinder, ihr! Der Krieger ist's, der ihn erzwingen muß. Dem Fürsten macht ihr's Leben sauer, macht Ihm alle Schritte schwer, ihr schwärzt ihn an-- Warum? Weil an Europas großem Besten Ihm mehr liegt als an ein paar Hufen Landes, Die Östreich mehr hat oder weniger-- Ihr macht ihn zum Empörer und, Gott weiß! Zu was noch mehr, weil er die Sachsen schont, Beim Feind Vertrauen zu erwecken sucht, Das doch der einz'ge Weg zum Frieden ist; Denn hört der Krieg im Kriege nicht schon auf, Woher soll Friede kommen?--Geht nur, geht! Wie ich das Gute liebe, haß ich euch-- Und hier gelob ich's an, verspritzen will ich Für ihn, für diesen Wallenstein, mein Blut, Das letzte meines Herzens, tropfenweis, eh' daß Ihr über seinen Fall frohlocken sollt! (Er geht ab.)

Fünfter Auftritt

Questenberg. Octavio Piccolomini.

Questenberg. O weh uns! Steht es so? (Dringend und ungeduldig.) Freund, und wir lassen ihn in diesem Wahn Dahingehn, rufen ihn nicht gleich Zurück, daß wir die Augen auf der Stelle Ihm öffnen?

Octavio. (aus einem tiefen Nachdenken zu sich kommend) Mir hat er sie jetzt geöffnet, Und mehr erblick ich, als mich freut.

Questenberg. Was ist es, Freund?

Octavio. Fluch über diese Reise!

Questenberg. Wieso! Was ist es?

Octavio. Kommen Sie! Ich muß Sogleich die unglückselige Spur verfolgen, Mit meinen Augen sehen--Kommen Sie--

(Will ihn fortführen.)

Questenberg. Was denn? Wohin?

Octavio. (pressiert) Zu ihr!

Questenberg. Zu--

Octavio. (korrigiert sich) Zum Herzog! Gehn wir. Oh! ich fürchte alles. Ich seh' das Netz geworfen über ihn, Er kommt mir nicht zurück, wie er gegangen.

Questenberg. Erklären Sie mir nur--

Octavio. Und konnt' ich's nicht Vorhersehn? Nicht die Reise hintertreiben? Warum verschwieg ich's ihm?--Sie hatten recht, Ich mußt' ihn warnen--Jetzo ist's zu spät.

Questenberg. Was ist zu spät? Besinnen Sie sich, Freund, Daß Sie in lauter Rätseln zu mir reden.

Octavio. (gefaßter). Wir gehn zum Herzog. Kommen Sie. Die Stunde Rückt auch heran, die er zur Audienz Bestimmt hat. Kommen Sie!-- Verwünscht! dreimal verwünscht sei diese Reise! (Er führt ihn weg. Der Vorhang fällt.)

Zweiter Aufzug

Saal beim Herzog von Friedland

Erster Auftritt

Bediente setzen Stühle und breiten Fußteppiche aus. Gleich darauf Seni, der Astrolog, wie ein italienischer Doktor schwarz und etwas phantastisch gekleidet. Er tritt in die Mitte des Saals, ein weißes Stäbchen in der Hand, womit er die Himmelsgegenden bezeichnet.

Bedienter. (mit einem Rauchfaß herumgehend) Greift an! Macht, daß ein Ende wird! Die Wache Ruft ins Gewehr. Sie werden gleich erscheinen.

Zweiter Bedienter. Warum denn aber ward die Erkerstube, Die rote, abbestellt, die doch so leuchtet?

Erster Bedienter. Da frag den Mathematikus. Der sagt, Es sei ein Unglückszimmer.

Zweiter Bedienter. Narrenspossen! Das heißt die Leute scheren. Saal ist Saal. Was kann der Ort viel zu bedeuten haben?

Seni. (mit Gravität) Mein Sohn! Nichts in der Welt ist unbedeutend. Das Erste aber und Hauptsächlichste Bei allem ird'schen Ding ist Ort und Stunde.

Dritter Bedienter. Laß dich mit dem nicht ein, Nathanael. Muß ihm der Herr doch selbst den Willen tun.

Seni. (zählt die Stühle) Eilf! Eine böse Zahl. Zwölf Stühle setzt, Zwölf Zeichen hat der Tierkreis; Fünf und Sieben, Die heil'gen Zahlen, liegen in der Zwölfe.

Zweiter Bedienter. Was habt Ihr gegen Eilf? Das laßt mich wissen.

Seni. Eilf ist die Sünde. Eilfe überschreitet Die zehn Gebote.

Zweiter Bedienter. So? Und warum nennt Ihr Die Fünfe eine heil'ge Zahl?

Seni. Fünf ist Des Menschen Seele. Wie der Mensch aus Gutem Und Bösem ist gemischt, so ist die Fünfe Die erste Zahl aus Grad' und Ungerade.

Erster Bedienter. Der Narr!

Dritter Bedienter. Ei, laß ihn doch! Ich hör ihm gerne zu, Denn mancherlei doch denkt sich bei den Worten.

Zweiter Bedienter. Hinweg! Sie kommen! Da! zur Seitentür hinaus.

(Sie eilen fort. Seni folgt langsam.)

Zweiter Auftritt

Wallenstein. Die Herzogin.

Wallenstein. Nun, Herzogin? Sie haben Wien berührt, Sich vorgestellt der Königin von Ungarn?

Herzogin. Der Kaiserin auch. Bei beiden Majestäten Sind wir zum Handkuß zugelassen worden.

Wallenstein. Wie nahm man's auf, daß ich Gemahlin, Tochter Zu dieser Winterszeit ins Feld beschieden?

Herzogin. Ich tat nach Ihrer Vorschrift, führte an, Sie hätten über unser Kind bestimmt Und möchten gern dem künftigen Gemahl Noch vor dem Feldzug die Verlobte zeigen.

Wallenstein. Mutmaßte man die Wahl, die ich getroffen?

Herzogin. Man wünschte wohl, sie möch' auf keinen fremden Noch lutherischen Herrn gefallen sein.

Wallenstein. Was wünschen Sie , Elisabeth?

Herzogin. Ihr Wille, wissen Sie, war stets der meine.

Wallenstein. (nach einer Pause) Nun--Und wie war die Aufnahm' sonst am Hofe? (Herzogin schlägt die Augen nieder und schweigt.) Verbergen Sie mir nichts--Wie war's damit?

Herzogin. Oh! mein Gemahl--Es ist nicht alles mehr Wie sonst--Es ist ein Wandel vorgegangen.

Wallenstein. Wie? Ließ man's an der alten Achtung fehlen?

Herzogin. Nicht an der Achtung. Würdig und voll Anstand War das Benehmen--aber an die Stelle Huldreich vertraulicher Herablassung War feierliche Förmlichkeit getreten. Ach! und die zarte Schonung, die man zeigte, Sie hatte mehr vom Mitleid als der Gunst. Nein! Herzog Albrechts fürstliche Gemahlin, Graf Harrachs edle Tochter, hätte so-- Nicht eben so empfangen werden sollen!

Wallenstein. Man schalt gewiß mein neuestes Betragen?

Herzogin. O hätte man's getan!--Ich bin's von lang her Gewohnt, Sie zu entschuldigen, zufrieden Zu sprechen die entrüsteten Gemüter-- Nein, niemand schalt Sie--Man verhüllte sich In ein so lastend feierliches Schweigen. Ach! hier ist kein gewöhnlich Mißverständnis, keine Vorübergehende Empfindlichkeit-- Etwas unglücklich, unersetzliches ist Geschehn--Sonst pflegte mich die Königin Von Ungarn immer ihre liebe Muhme Zu nennen, mich beim Abschied zu umarmen.

Wallenstein. Jetzt unterließ sie's?

Herzogin. (ihre Tränen trocknend, nach einer Pause) Sie umarmte mich, Doch erst, als ich den Urlaub schon genommen, schon Der Türe zuging, kam sie auf mich zu, Schnell, als besänne sie sich erst, und drückte Mich an den Busen, mehr mit schmerzlicher Als zärtlicher Bewegung.

Wallenstein. (ergreift ihre Hand) Fassen Sie sich!-- Wie war's mit Eggenberg, mit Lichtenstein Und mit den andern Freunden?

Herzogin. (den Kopf schüttelnd) Keinen sah ich.

Wallenstein. Und der hispanische Conte Ambassador, Der sonst so warm für mich zu sprechen pflegte?

Herzogin. Er hatte keine Zunge mehr für Sie.

Wallenstein. Die Sonnen also scheinen uns nicht mehr, Fortan muß eignes Feuer uns erleuchten.

Herzogin. Und wär' es? Teurer Herzog, wär's an dem, Was man am Hofe leise flüstert, sich Im Lande laut erzählt--was Pater Lamormain Durch einige Winke--

Wallenstein. (schnell) Lamormain! Was sagt der?

Herzogin. Man zeihe Sie verwegner Überschreitung Der anvertrauten Vollmacht, freventlicher Verhöhnung höchster, kaiserlicher Befehle. Die Spanier, der Bayern stolzer Herzog Stehen auf als Kläger wider Sie-- Ein Ungewitter zieh' sich über Ihnen Zusammen, noch weit drohender als jenes, Das Sie vordem zu Regenspurg gestürzt. Man spreche, sagt er--ach! ich kann's nicht sagen--

Wallenstein. (gespannt). Nun? Herzogin. Von einer zweiten-- (Sie stockt.)

Wallenstein. Zweiten--

Herzogin. Schimpflichern --Absetzung.

Wallenstein. Spricht man? (Heftig bewegt durch das Zimmer gehend.) Oh! sie zwingen mich, sie stoßen Gewaltsam, wider meinen Willen, mich hinein.

Herzogin. (sich bittend an ihn schmiegend) Oh! wenn's noch Zeit ist, mein Gemahl--Wenn es Mit Unterwerfung, mit Nachgiebigkeit Kann abgewendet werden--Geben Sie nach-- Gewinnen Sie's dem stolzen Herzen ab, Es ist Ihr Herr und Kaiser, dem Sie weichen. Oh! lassen Sie es länger nicht geschehn, Daß hämische Bosheit Ihre gute Absicht Durch giftige, verhaßte Deutung schwärze. Mit Siegeskraft der Wahrheit stehen Sie auf, Die Lügner, die Verleumder zu beschämen. Wir haben so der guten Freunde wenig. Sie wissen's! Unser schnelles Glück hat uns Dem Haß der Menschen bloßgestellt--Was sind wir, Wann kaiserliche Huld sich von uns wendet!

Dritter Auftritt

Gräfin Terzky, welche die Prinzessin Thekla an der Hand führt, zu den Vorigen.

Gräfin. Wie, Schwester? Von Geschäften schon die Rede Und, wie ich seh, nicht von erfreulichen, Eh' er noch seines Kindes froh geworden? Der Freude gehört der erste Augenblick. Hier, Vater Friedland! das ist deine Tochter! (Thekla nähert sich ihm schüchtern und will sich auf seine Hand beugen; er empfängt sie in seinen Armen und bleibt einige Zeit in ihrem Anschauen verloren stehen.)

Wallenstein. Ja! Schön ist mir die Hoffnung aufgegangen. Ich nehme sie zum Pfande größern Glücks.

Herzogin. Ein zartes Kind noch war sie, als Sie gingen, Das große Heer dem Kaiser aufzurichten. Hernach, als Sie vom Feldzug heimgekehrt Aus Pommern, war die Tochter schon im Stifte, Wo sie geblieben ist bis jetzt.

Wallenstein. Indes Wir hier im Feld gesorgt, sie groß zu machen, Das höchste Irdische ihr zu erfechten, Hat Mutter Natur in stillen Klostermauern Das Ihrige getan, dem lieben Kind Aus freier Gunst das Göttliche gegeben Und führt sie ihrem glänzenden Geschick Und meiner Hoffnung schön geschmückt entgegen.

Herzogin. (zur Prinzessin) Du hättest deinen Vater wohl nicht wieder Erkannt, mein Kind? Kaum zähltest du acht Jahre, Als du sein Angesicht zuletzt gesehn.

Thekla. Doch, Mutter, auf den ersten Blick--mein Vater Hat nicht gealtert--Wie sein Bild in mir gelebt, So steht er blühend jetzt vor meinen Augen.

Wallenstein. (zur Herzogin) Das holde Kind! Wie fein bemerkt und wie Verständig! Sieh, ich zürnte mit dem Schicksal, Daß mir's den Sohn versagt, der meines Namens Und meines Glückes Erbe könnte sein, In einer stolzen Linie von Fürsten Mein schnell verlöschtes Dasein weiter leiten. Ich tat dem Schicksal Unrecht. Hier auf dieses Jungfräulich blühende Haupt will ich den Kranz Des kriegerischen Lebens niederlegen; Nicht für verloren acht ich's, wenn ich's einst, In einen königlichen Schmuck verwandelt, Um diese schöne Stirne flechten kann.

(Er hält sie in seinen Armen, wie Piccolomini hereintritt.)

Vierter Auftritt

Max Piccolomini und bald darauf Graf Terzky zu den Vorigen.

Gräfin. Da kommt der Paladin, der uns beschützte.

Wallenstein. Sei mir willkommen, Max. Stets warst du mir Der Bringer irgendeiner schönen Freude, Und, wie das glückliche Gestirn des Morgens, Führst du die Lebenssonne mir herauf.

Max. Mein General--

Wallenstein. Bis jetzt war es der Kaiser, Der dich durch meine Hand belohnt. Heut hast du Den Vater dir, den glücklichen, verpflichtet, Und diese Schuld muß Friedland selbst bezahlen.

Max. Mein Fürst! Du eiltest sehr, sie abzutragen. Ich komme mit Beschämung, ja mit Schmerz; Denn kaum bin ich hier angelangt, hab Mutter Und Tochter deinen Armen überliefert, So wird aus deinem Marstall, reich geschirrt, Ein prächt'ger Jagdzug mir von dir gebracht, Für die gehabte Müh' mich abzulohnen. Ja, ja, mich abzulohnen. Eine Müh', Ein Amt bloß war's! Nicht eine Gunst, für die Ich's vorschnell nahm und dir schon volles Herzens Zu danken kam--Nein, so war's nicht gemeint, Daß mein Geschäft mein schönstes Glück sein sollte!

(Terzky tritt herein und übergibt dem Herzog Briefe, welche dieser schnell erbricht.)

Gräfin. (zu Max) Belohnt er Ihre Mühe? Seine Freude Vergilt er Ihnen. Ihnen steht es an, So zart zu denken; meinem Schwager ziemt's, Sich immer groß und fürstlich zu beweisen.

Thekla. So müßt' auch ich an seiner Liebe zweifeln, Denn seine gütigen Hände schmückten mich, Noch eh' das Herz des Vaters mir gesprochen.

Max. Ja, er muß immer geben und beglücken! (er ergreift der Herzogin Hand, mit steigender Wärme.) Was dank ich ihm nicht alles--oh! was sprech ich Nicht alles aus in diesem teuren Namen Friedland! Zeitlebens soll ich ein Gefangner sein Von diesem Namen--darin blühen soll Mir jedes Glück und jede schöne Hoffnung-- Fest, wie in einem Zauberringe, hält Das Schicksal mich gebannt in diesem Namen.

Gräfin. (welche unterdessen den Herzog sorgfältig beobachtet, bemerkt, daß er bei den Briefen nachdenkend geworden). Der Bruder will allein sein. Laßt uns gehen.

Wallenstein. (wendet sich schnell um, faßt sich und spricht heiter zur Herzogin.) Noch einmal, Fürstin, heiß ich Sie im Feld willkommen. Sie sind die Wirtin dieses Hofs--Du, Max, Wirst diesmal noch dein altes Amt verwalten, Indes wir hier des Herrn Geschäfte treiben.

(Max Piccolomini bietet der Herzogin den Arm, Gräfin führt die Prinzessin ab.)

Terzky. (ihm nachrufend) Versäumt nicht, der Versammlung beizuwohnen.

Fünfter Auftritt

Wallenstein. Terzky.

Wallenstein. (in tiefem Nachdenken zu sich selbst) Sie hat ganz recht gesehn--So ist's und stimmt Vollkommen zu den übrigen Berichten-- Sie haben ihren letzten Schluß gefaßt In Wien, mir den Nachfolger schon gegeben. Der Ungarn König ist's, der Ferdinand, Des Kaisers Söhnlein, der ist jetzt ihr Heiland, Das neu aufgehende Gestirn! Mit uns Gedenkt man fertig schon zu sein, und wie Ein Abgeschiedner sind wir schon beerbet. Drum keine Zeit verloren!

(Indem er sich umwendet, bermerkt er den Terzky und gibt ihm einen Brief.)

Graf Altringer läßt sich entschuldigen, Auch Gallas--Das gefällt mir nicht.

Terzky. Und wenn du Noch länger säumst, bricht einer nach dem andern.

Wallenstein. Der Altringer hat die Tiroler Pässe, Ich muß ihm einen schicken, daß er mir Die Spanier aus Mailand nicht hereinläßt. --Nun! der Sesin, der alte Unterhändler, Hat sich ja kürzlich wieder blicken lassen. Was bringt er uns vom Grafen Thurn?

Terzky. Der Graf entbietet dir, Er hab' den schwed'schen Kanzler aufgesucht Zu Halberstadt, wo jetzo der Konvent ist: Der aber sagt' , er sei es müd und wolle Nichts weiter mehr mit dir zu schaffen haben.

Wallenstein. Wieso?

Terzky. Es sei dir nimmer Ernst mit deinen Reden, Du wollst die Schweden nur zum Narren haben, Dich mit den Sachsen gegen sie verbinden, Am Ende sie mit einem elenden Stück Geldes Abfertigen.

Wallenstein. So! Meint er wohl, ich soll ihm Ein schönes deutsches Land zum Raube geben, Daß wir zuletzt auf eignem Grund und Boden Selbst nicht mehr Herren sind? Sie müssen fort, Fort, fort! Wir brauchen keine solche Nachbarn.

Terzky. Gönn ihnen doch das Fleckchen Land, geht's ja Nicht von dem deinen! Was bekümmert's dich, Wenn du das Spiel gewinnest, wer es zahlt.

Wallenstein. Fort, fort mit ihnen--das verstehst du nicht. Es soll nicht von mir heißen, daß ich Deutschland Zerstücket hab', verraten an den Fremdling, Um meine Portion mir zu erschleichen. Mich soll das Reich als seinen Schirmer ehren, Reichsfürstlich mich erweisend, will ich würdig Mich bei des Reiches Fürsten niedersetzen. Es soll im Reiche keine fremde Macht Mir Wurzel fassen, und am wenigsten Die Goten sollen's, diese Hungerleider, Die nach dem Segen unsers deutschen Landes Mit Neidesblicken raubbegierig schauen. Beistehen sollen sie mir in meinen Planen Und dennoch nichts dabei zu fischen haben.

Terzky. Doch mit den Sachsen willst du ehrlicher Verfahren? Sie verlieren die Geduld, Weil du so krumme Wege machst-- Was sollen alle diese Masken? sprich! Die Freunde zweifeln, werden irr an dir-- Der Oxenstirn, der Arnheim, keiner weiß, Was er von deinem Zögern halten soll. Am End' bin ich der Lügner, alles geht Durch mich. Ich hab nicht einmal deine Handschrift.