Die Physiologie Und Psychologie Des Lachens Und Des Komischen E
Chapter 4
Je höher die Bildung, die wirkliche Herzensbildung, um so mehr treten die sittlichen und religiösen und weiterhin die ästhetischen Ideen, sowie gleichzeitig die logischen Normen in den Vordergrund und spielen bei der Erregung von Gefühlen eine wesentliche Rolle. Während daher der Ungebildete sich an dem Leiden Anderer weiden und ergötzen kann, in der Freude über die Verschonung seiner eigenen Person, wird der Gebildete dabei mit innerem Weh erfüllt, weil die Vorstellung von dem Leiden überhaupt mit seinen mehr ausgebildeten ethischen und ästhetischen Ideen in lebhaften Widerspruch tritt. -- Während der Eine, von materiellem Egoismus befangen, geduldig in schmachvoller Unterdrückung und Knechtschaft lebt, so lange nur sein Leib und Gut nicht gefährdet ist, wird der Andere Feinfühlige von Grimm erfüllt, trotz äusserlich glänzender Lage, bei blossen Vorstellungen, die mit seiner Freiheits- oder Rechtsidee in Gegensatz treten.
In den bisher betrachteten Fällen von Aufnahme neuer Vorstellungen war gewissermaassen vorausgesetzt, dass dieselben ein momentan nicht in lebhafter Thätigkeit begriffenes Vorstellungsleben antreffen, und nach den angedeuteten Gesetzen die Vorstellungen, mit denen sie in Harmonie oder Contrast treten, erst selbst bestimmen, dieselben erst wecken. Etwas anders gestalten sich nun aber die Verhältnisse, wenn zur Zeit, wo eine neue Vorstellung in uns erzeugt wird, eine andere Vorstellung resp. ein Vorstellungskreis das Bewusstsein beherrscht, uns momentan sehr lebhaft beschäftigt. In diesem Fall wird die Assimilationsfähigkeit der neuen Vorstellung fast allein davon bestimmt, ob dieselbe mit jener momentan herrschenden Vorstellungsreihe übereinstimmt oder nicht, sich
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also gerade mit dieser in leichte oder schwere Association setzt. -- Nach dem Satz von der Enge des Bewusstseins kann nämlich in einem bestimmten Augenblicke nur eine Vorstellung unser Denken ganz ausfüllen. Tritt uns eine neue Vorstellung entgegen, so muss sie erst die augenblicklich im Bewusstsein vorhandene verdrängen, sofern sie nicht mit ihr in _eine_ Vorstellungsthätigkeit verschmelzen kann. -- Dies Verdrängen aber, bei vorhandener Disharmonie zwischen den beiden Vorstellungen wird unter allen Umständen, selbst wenn die neue Vorstellung etwa mit den logischen oder ideellen Normen harmonirend uns an sich durchaus angenehm berühren würde, eine Verzögerung der Assimilation veranlassen und daher zunächst ein unangenehmes Gefühl hervorrufen, das später freilich, wenn die neue Vorstellung sich nach Ueberwindung dieser Schwierigkeiten mit dem gesammten Vorstellungscomplex in die richtigen Beziehungen gesetzt hat, unter Umständen in ein angenehmes Gefühl übergehen kann. -- Im umgekehrten Fall dagegen, wenn die beiden Vorstellungen oder Vorstellungsreihen leicht mit einander in Verbindung treten, und in einen Denkact verschmelzen können, wird die Assimilation sehr wesentlich gefördert, da einer ihrer Acte, das Wecken" der ähnlichen Vorstellung, in Wegfall kommt. Die Beziehungen zwischen beiden Vorstellungen brauchen daher in diesem Fall, um schon ein angenehmes Gefühl hervorzurufen, nur entfernte zu sein, und sich z. B. nur auf ganz äussere Aehnlichkeit wie Gleichklang der Worte u. dgl. zu beschränken, _wo sonst die mit der Association verbundene Gefühlserregung zu schwach zu sein pflegt, um überhaupt noch empfunden zu werden_.
Wir erklären hieraus z. B. den angenehmen Einfluss, den der Reim auf unser Gefühl ausübt. Es werden uns bei demselben in den beiden gereimten Versen zwei Vorstellungsreihen geboten, deren Association mit einander durch den Gleichklang der letzten Worte ganz erheblich erleichtert wird und daher ein angenehmes Gefühl hervorruft. Es ist ja eine bekannte Thatsache, dass gereimte Verse sich leichter behalten das heisst eben doch leichter assimilirt und reproducirt werden) als Prosa. Ja schon das blosse Metrum reicht hiezu aus, indem die _Aehn_-
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_lichkeit_ des Sylbenfalls die Assimilation erleichtert. In gleicher Weise wirkt auch die Uebereinstimmung zweier Vorstellungen nach den Gesetzen der Coexistenz oder Succession, die allein für sich selten ein starkes Gefühl zu produciren vermögen, sehr entschieden angenehm. Zwei Worte, die wir oft hinter einander gehört haben, hören wir für die Folge auch gern zusammen. Es verursacht für den nach dem Lutherschen Katechismus Unterrichteten ein gar nicht wegzuleugnendes angenehmes Gefühl, wenn er die Worte: Augen, Ohren; Vernunft und alle Sinne; Kleider und Schuhe; Essen und Trinken; Haus und Hof; Weib und Kind etc. nach alter Katechismusreminiscenz zusammenstellt. -- Doppelt angenehm wirken die noch dazu durch Alliteration einander _ähnlichen_ Wortverbindungen, wie: Mann und Maus, Kind und Kegel, Stock und Stein (auch Haus und Hof gehört hierher), -- die ja auch das Volk mit einer gewissen Vorliebe gebraucht. Noch lebhafter als die angenehmen Gefühle bei Uebereinstimmung der neuen Vorstellungsreihe mit der schon vorhandenen resp. kurz vorher gegebenen, können unter Umständen die unangenehmen Gefühle bei mangelnder Harmonie sein. Es gehört hierher namentlich das unangenehme Gefühl getäuschter Erwartung, bei der eine neue Vorstellung eine kurz vorher angeregte Vorstellungsrichtung plötzlich unterbricht. Es ist in diesen Fällen die Assimilation der neuen Vorstellung unendlich erschwert, selbst dann, wenn diese eine angenehme ist. Denken wir, es wird uns ein Besuch angemeldet, der uns übrigens ziemlich gleichgültig lässt, oder gar unangenehm berührt, auf dessen Eintreten wir aber mit einer gewissen Spannung warten; statt der angemeldeten Person tritt jedoch ein anderer uns äusserst lieber Besuch ins Zimmer. Trotz der angenehmeren Situation wird doch im ersten Augenblick die Empfindung eine peinliche sein -- um freilich bei dem Einen schneller, bei dem Andern langsamer dem ungemischten Gefühl der Freude Platz zu machen. Man sagt von Menschen, bei denen die Assimilationsfähigkeit selbst conträrer Vorstellungen eine grosse ist, sie können sich schnell fassen".
Stellen wir jetzt noch einmal die Ursachen der angenehmen und unangenehmen Gefühle zusammen, die, wie eben erörtert,
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aus der geförderten, respective gehemmten Association und Assimilation hervorgehen, so erkennen wir:
A. _Als Quelle angenehmer Gefühle_
1) die Harmonie einer Vorstellung mit einer erst zu weckenden nach den Normen der Gleichzeitigkeit, Reihenfolge und Aehnlichkeit; 2) die Coincedenz mit den logischen, praktischen und ideellen Normen; 3) die Uebereinstimmung mit der momentan das Bewusstsein beherrschenden Vorstellungsreihe.
B. _Als Quelle unangenehmer Gefühle_
die Disharmonie in den genannten drei Punkten. --
Versuchen wir jetzt, die hier gewonnenen psychologischen Resultate zur Theorie des Lächerlichen zu verwerthen. Wir hatten oben für unsere Untersuchung das Ziel gesteckt, den Nachweis zu liefern, dass die im komischen Object enthaltenen Vorstellungen durch ihre Einwirkung auf unsere Seele sowohl die angenehmen wie unangenehmen Gefühle hervorrufen, welche zusammengenommen das Wesen des Komischen ausmachen. Wir haben nun gesehen, was wir unter Lust und Unlust verstehen und wie diese Gefühle zu Stande kommen und wollen jetzt zunächst die Probe zu machen suchen, ob wir wirklich im Komischen jene beiden Factoren in obigem Sinne nachweisen können. Sehen wir uns nach Beispielen um, so finden wir zunächst, dass man das Komische in eine grössere oder beschränktere Zahl von Hauptgruppen eingetheilt hat. Schopenhauer kennt nur zwei Hauptformen des Lächerlichen, nämlich: die sog. Narrheit und den Witz. Vischer dagegen unterscheidet das objectiv Komische oder die Posse, das subjectiv Komische oder den Witz, das absolut Komische oder den Humor. In Bezug auf die ersten beiden Formen stimmt er mit Schopenhauer überein. In Rücksicht auf die letzte Form bemerke ich dass nach Lazarus, dem ich mich vollkommen anschliesse, der Humor sich dem Komischen nicht unterordnet, sondern eine Stelle neben demselben einnimmt, wie wir später sehen werden.
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Wir behalten demnach als die bisher gebräuchlichsten und anerkennenswerthen Formen nur die Narrheit (oder Posse) und den Witz übrig. Aus diesen beiden Formen wollen wir nun Beispiele wählen, und an diesen zunächst unsere obige Behauptung vorläufig zu erweisen suchen. Es wird dann eine Eintheilung des Komischen folgen, in der unsere Theorie des Lächerlichen durch weitere Beispiele noch näher erläutert werden soll.
In der Form des Komischen, welche Vischer das objectiv Komische nennt, erwähnt er als Beispiele niedrigsten Grades zunächst die in der Posse am häufigsten als Gegenstand des Gelächters dienenden Körpergebrechen. Das Volk lacht da über einen Höcker, einen dicken Bauch oder über tölpelhafte Ungeschicklichkeit u. dergl. Auf dieses Lachen findet die schon oben erwähnte Hobbes'sche Erklärung ihre Anwendung. Uebertragen wir dieselbe in unsere psychologische Form, so finden wir den Grund dieses Lächerlichen in Folgendem: Die durch den Anblick eines Buckligen u. dergl. entstandene Vorstellung seiner Hässlichkeit tritt mit unseren ästhetischen Ideen in Gegensatz und erzeugt ein unangenehmes Gefühl. Andererseits aber wird dadurch, dass sich _dieselbe Vorstellung_ mit der auf unser eigenes Selbst bezüglichen niedrigsten Entwickelungsstufe der ethischen und praktischen Normen in Beziehung setzt und mit diesen übereinstimmt, das angenehme Gefühl der Verschonung der eigenen Person, des Sichbesserdünkens" erregt. --
Also Unlust und Lust gehen beide aus den verschiedenen Beziehungen hervor, in welche diese _eine_ Vorstellung des Hässlichen einerseits zu unseren ästhetischen Ideen, andererseits zu unseren mangelhaft entwickelten ethischen und praktischen Normen tritt. -- Keineswegs aber spielt, wie wir schon sagten, das Gefühl der Ueberlegenheit bei allen Arten des Komischen dieselbe Rolle; Ja, wir können sogar über die nämlichen eben angeführten Körpergebrechen und Schönheitsfehler in ganz anderm Sinne lachen, indem das angenehme Gefühl sich aus einer von der vorigen vollständig verschiedenen Quelle herleitet. -- Wenn wir als gebildete Menschen den dicken Hans Fallstuff, ganz abgesehen von seinem trefflichen Witz und Humor, bloss seiner
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unförmigen Erscheinung wegen belachen, so spielt gewiss das Gefühl unserer Ueberlegenheit dabei nur eine verschwindend kleine Rolle; dagegen tritt hier zur Erzeugung des angenehmen Gefühls ein ganz anderes Moment in Wirksamkeit. Ausser der Vorstellung der Hässlichkeit wird uns nämlich durch die Erscheinung unseres Helden die durch sein Reden und Thun bestätigte Vorstellung von seiner maasslosen Schlemmerei und Völlerei aufgedrungen. Diese seine Untugenden beleidigen ebenfalls unser Gefühl, andererseits treten nun diese beiden Vorstellungen, d. h. die von seiner unnatürlichen und ihm selbst höchst lästigen Körperfülle und die von seiner Völlerei in eine leichte Verbindung, indem der zwischen beiden sich herstellende ursächliche Zusammenhang unserer Gerechtigkeitsidee entspricht. Wir sehen seine Dicke als die gerechte Strafe für seine Unmässigkeit an, daraus aber erzeugt sich ein angenehmes Gefühl. --
Spielt in den eben angeführten Beispielen zur Erzeugung der Gefühle die Harmonie resp. Disharmonie mit den ideellen Normen eine Rolle, so sehen wir im folgenden Beispiele die Normen der Ideenassociation sich betheiligen. Bei den uns lächerlich erscheinenden Anachronismen, wo wir z. B. auf einem Bilde Kanonen vor Troja erblicken, entsteht das unangenehme Gefühl durch die nach der Norm der Gleichzeitigkeit uns unmöglich gemachte Vereinigung der beiden uns dargebotenen Vorstellungen (Troja und Kanonen). Das angenehme Gefühl dagegen geht wieder aus der Beziehung jener Vorstellungen zu unserem Selbstgefühl hervor. Unser Besserwissen Macht uns Freude. --
Wir haben also durch die bisherigen Beispiele vorläufig bestätigt gefunden, dass im Komischen, wenigstens in der ersten Form desselben (der sog. Narrheit oder Posse), ein Inhalt steckt, der nach dem oben ausführlich abgeleiteten Gesetz einerseits ein angenehmes, andererseits ein unangenehmes Gefühl verursacht. Dass auch in allen nur denkbaren Beispielen des Komischen dasselbe Gesetz sich bestätigt, werden wir bald sehen, wenn wir die einzelnen Formen ableiten. Wir haben jetzt weiter nachzuweisen, dass auch für den Witz das oben Gesagte Geltung hat. Ich bringe zuerst ein Beispiel von der
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einfachsten und ursprünglichsten Art der Witze, nämlich von den Klangwitzen, wie sie in den sogenannten Frageräthseln der Kinder gebräuchlich sind: Welche Tracht kleidet am besten? -- die Eintracht. -- Welche Ringe sind nicht rund? -- die Häringe etc. -- In Frage und Antwort sind die beiden dargebotenen Vorstellungen enthalten. Dieselben lassen sich in Bezug auf die logischen Normen nicht mit einander vereinigen: Tracht und Eintracht -- Ring und Häring haben rücksichtlich ihrer Bedeutung nicht das Geringste mit einander zu schaffen, und durch den erzwungenen Zusammenhang, in den sie gebracht sind, entsteht ein unangenehmes Gefühl. Andererseits aber gehen diese Worte vermöge ihrer Klangähnlichkeit (also nach der 3. Norm der Ideenassociation) doch leicht eine Verbindung mit einander ein und erregen dadurch ein Lustgefühl. Als 2. Beispiel führe ich einen guten Witz von Kant an, der einmal in einer Damengesellschaft die scherzhafte Behauptung aufstellte, dass Frauen nicht in den Himmel kämen, denn in der Offenbarung Johannis stehe geschrieben, es sei im Himmel eine Stille von einer halben Stunde gewesen; eine solche Stille aber sei, wo Frauen anwesend sich befinden, nicht möglich.
Wir haben hier 2 Vorstellungsreihen (die Bibelstelle und den daraus gezogenen Schluss), die sich nach den logischen Normen nicht mit einander vereinigen lassen, denn jene Schriftstelle steht mit Kant's Behauptung eigentlich in gar keinem Zusammenhang. Andererseits aber ist durch die geschickte Auslegung in Rücksicht auf unsere Wahrheitsidee doch eine leichte Verbindung zwischen diesen beiden Vorstellungsreihen möglich gemacht.
Also auch beim Witz finden wir die oben aufgedeckten Quellen der Lust und Unlust wieder. Wir konnten aber auch schon an diesen einfachen Beispielen eine weitere Bemerkung machen, _dass nämlich die Ursachen der beiderseitigen Gefühle häufig mehrfache sind_. In den späteren Beispielen werden wir dies noch in höherem Maasse bestätigt finden. Natürlich steigert sich durch diese Häufung der Gefühlsgegensätze die komische Wirkung im Allgemeinen, gleichzeitig wird daraus aber auch die Thatsache verständlich, dass drei bis vier Personen über dasselbe Object lachen können, jeder aus
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einem andern Grunde. Es kommt deshalb in jedem einzelnen Falle einerseits darauf an, alle möglichen Auffassungsweisen in's Auge zu fassen, und die einander entsprechenden angenehmen und unangenehmen Gefühle zu sondern, andererseits aber auch die den Umständen entsprechenden hauptsächlich wirkenden Factoren, die einem vorliegenden Beispiele seinen eigentlichen Charakter gehen, herauszuheben. Natürlich habe ich zunächst, da es mir darauf ankam, die Elemente des Komischen zu demonstriren, solche Beispiele wählen müssen, die möglichst einfach sind. In einer Anekdote der gewöhnlichsten Art stecken häufig 6-8 verschiedene Gefühlsquellen.
Es würde jetzt weiter die Frage entstehen, ob die angenehmen wie unangenehmen Gefühle aus *jeder* der oben angegebenen Ursachen in den komischen Contrast eingehen können. Wäre dies der Fall, so würden wir durch einfache Combinirung der möglichen Quellen der beiden Gefühlsgegensätze verschiedene Formen des Komischen herleiten können. Die Erfahrung lehrt, dass dies nicht _unbedingt_ der Fall ist und als Grund dafür müssen wir eine Thatsache anführen, deren Beweis erst später folgt, dass nämlich jene beiden entgegengesetzten Gefühle _in einem bestimmten Verhältnisse der Stärke zu einander stehen müssen_, und zwar so, dass keines vor dem andern das unbedingte Uebergewicht erlangt. Es würde nämlich sonst das stärkere Gefühl ohne Weiteres das schwächere auslöschen, zum Verschwinden bringen und höchstens dadurch von seiner eigenen Kraft etwas einbüssen; ein Kampf der beiden Gefühle aber, wie wir ihn zum Zustandekommen des Lächerlichen als nothwendig erkennen werden, könnte nicht entstehen. Nehmen wir diese Thatsachen von der nothwendig erforderlichen, annähernd gleichen Stärke der beiden Gefühle vorläufig als feststehend an, so müssen wir in Erinnerung an das oben Gesagte _eine_ Quelle derselben sofort streichen. Wir sahen nämlich schon oben, dass die erleichterte Association einer gegebenen Vorstellung mit einer erst nach den Normen der Ideenassociation zu weckenden in der Regel ein kaum merkliches Gefühl hervorruft und es wird uns deshalb natürlich scheinen, dass dasselbe etwa einer Verletzung der ideellen Normen nicht das Gleichgewicht halten kann. Vielmehr muss in solchem Fall das angenehme Ge-
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fühl, um überhaupt in den komischen Contrast eingehen zu können, noch aus anderer Quelle her eine Unterstützung erfahren, und zwar dadurch, dass die eine Vorstellung die andere mit ihr zu associirende als eine im Bewusstsein schon vorhandene, herrschende, d. h. durch die komische Situation und Erzählung selbst dargebotene, antrifft. Dasselbe gilt für das aus gleichen Quellen fliessende unangenehme Gefühl. Durch diese Einschränkung modificirt sich aber unsere obige Aufstellung der Gefühle in folgender Weise. --
Als zum komischen Contrast tauglich kennen wir:
A. _Angenehme Gefühle_,
1) aus der Coincidenz _einer_ im komischen Object enthaltenen Vorstellung mit den logischen, praktischen oder ideellen Normen;
2) aus der Uebereinstimmung _zweier_ dargebotenen Vorstellungen unter einander -- in Rücksicht auf die logischen, praktischen und ideellen Normen oder auf die Normen der Ideenassociation.
B. _Unangenehme Gefühle_,
1) aus der Disharmonie _einer_ im komischen Object enthaltenen Vorstellung mit den logischen, praktischen und ideellen Normen; und
2) aus der Disharmonie _zweier_ im Komischen mitgetheilten Vorstellungen in Rücksicht auf die logischen, praktischen und ideellen Normen oder auf die Normen der Ideenassociation.
Combiniren wir nun die Gefühle, so erhalten wir durch Gegenüberstellung der angenehmen und unangenehmen Gefühle folgende 4 Formen:
1) A. 1. -- B. 1. 2) A. 2. -- B. 1. 3) A. 1. -- B. 2. 4) A. 2. -- B. 2.
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Bewähren sich dieselben als wirklich vorhanden, so ist damit gewissermaassen indirect auch der Beweis geliefert, dass unsere Behauptung von der nothwendig annähernd gleichen Stärke der beiden Gefühlsgegensätze begründet war. -- Wie wir sehen werden, lassen sich aber diese 4 Formen wirklich festhalten, und was weiter zu jenem Beweise nothwendig ist, es lassen sich in ihnen auch alle Beispiele des Komischen unterbringen.
Betrachten wir nun diese Hauptformen näher.
In der ersten Hauptform, die wir das _einfach Komische_ nennen wollen, soll sich also das angenehme wie unangenehme Gefühl erzeugen, aus _einer_ vorhandenen Vorstellung (oder Vorstellungsreihe) die mit einzelnen logischen, praktischen oder ideellen Normen übereinstimmt, mit anderen aber nicht.
Die zweite Hauptform: _Das Komische mit zwei vereinbaren Vorstellungen_, lässt das angenehme Gefühl aus der leichten Verschmelzung _zweier_ im komischen Object enthaltenen Vorstellungen in Rücksicht auf die Normen hervorgehen, während das unangenehme Gefühl dadurch erzeugt wird, dass _eine_ der beiden gegebenen Vorstellungen mit einer der Normen nicht übereinstimmt.
Die dritte Hauptform: _Das Komische mit zwei unvereinbaren Vorstellungen_, enthält ein unangenehmes Gefühl, welches aus der in Rücksicht auf die Normen unmöglichen Vereinigung _zweier_ im komischen Object enthaltenen Vorstellungen entsteht, während das angenehme Gefühl auf der Uebereinstimmung einer der beiden Vorstellungen mit den logischen, praktischen oder ideellen Normen beruht.
Die vierte Hauptform endlich: _Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellungen oder der Witz_ entsteht dadurch, dass _zwei_ dargebotene Vorstellungen in Rücksicht auf eine der Normen übereinstimmen und dadurch das angenehme Gefühl bilden, in Rücksicht auf andere Normen sich aber nicht mit einander vereinigen lassen und in Folge dessen ein unangenehmes Gefühl erzeugen.
Wir werden später sehen, dass bei veränderter Auffassung eines bestimmten Falles derselbe aus einer Form in die andere übergehen kann. Doch ist diese Thatsache keineswegs etwa geeignet unsere Eintheilung umzustürzen, sondern dient der-
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selben vielmehr, wie sich herausstellen wird, zur wesentlichen Stütze. --
Innerhalb der genannten vier Hauptformen lassen sich nun aber wieder verschiedene Nebenformen abgrenzen, durch Auflösung der einzelnen Gesetze und Normen. Ich werde die wichtigsten derselben anführen.
Wir müssen ferner innerhalb des Komischen noch eine gewisse Rangordnung unterscheiden, bei welcher der sittliche Standpunkt der maassgebende ist. Sehr bemerkenswerth ist, dass hierbei lediglich die Entstehungsursachen des _angenehmen_ Gefühls eine Rolle spielen. _Nur_ diese bedingen in einem gegebenen Fall die Höhe des Komischen und zwar lässt sich hierüber folgender Satz aufstellen: _Je edler die Quelle ist, aus welcher das_ *angenehme* _Gefühl hervorgeht, um so höher stehend und edler ist die Form des Komischen selbst; während dieselbe umgekehrt um so niedriger steht, je weniger ein sittliches Wohlgefallen im Spiele ist_. -- Wie wenig der Ursprung des unangenehmen Gefühls in's Gewicht fällt, sehen wir am Besten daraus, dass in der höchststehenden Form des Komischen, in dem _Naiven_, gerade am häufigsten grobe Verletzungen sittlicher Ideen vorkommen, die aber durch die Harmonie mit noch höher stehenden sittlichen Normen völlig aufgewogen werden. --
Aus dem oben Gesagten ist es leicht verständlich, dass wir aus der Thatsache, ob ein bestimmter Gefühlscontrast Lachen erregend wirkt oder nicht, einen Maassstab für den absoluten sowie namentlich individuellen Werth der dabei concurrirenden Gefühle, und für den Werth und die Entwickelungshöhe der ihnen zu Grunde liegenden Normen gewinnen, und mit vollem Rechte können wir darum den Satz aufstellen:
Sage mir, worüber Du lachst, und ich will Dir sagen, wer Du bist." --
Wenden wir uns jetzt zur Besprechung der oben aufgestellten Hauptformen.
*I. Das einfach Komische.*
Aus einer Vorstellung und ihrer einerseits leichten, andererseits unmöglichen Vereinigung mit den logischen und ideellen
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Normen hervorgehend, bietet uns diese Gruppe, wenn wir die Leiter des Komischen von unten hinauf steigen, zunächst:
*1. Das niedrig Komische,*