Die Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischen. Ein Beitrag zur experimentellen Psychologie für Naturforscher, Philosophen und gebildete Laien.

Part 6

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reisst. Sobald wir aber sehen, dass der Fallende sich ein Bein gebrochen, oder sich sonst erheblich verletzt hat, so werden wir nicht mehr lachen, da die ihn treffende Strafe das uns gerecht erscheinende Maass bei Weitem überschritten hat. Das hat wohl Aristoteles mit seinem anôdunon ou phthartikon auch eigentlich sagen wollen: Ein Schmerz oder Schaden muss wohl vorhanden sein, derselbe darf aber über ein gewisses Maass nicht hinausgehen und muss verdient erscheinen. Um ein weiteres hierher gehöriges Beispiel anzuführen, erinnere ich an jenes Bild, einen Bauer darstellend, der damit beschäftigt ist, einen Baumast abzusägen, auf dessen äusserstem Ende er selbst sitzt. Die komische Wirkung dieser Darstellung beruht offenbar darauf, dass einerseits die Dummheit des Bauern, d. h. der Contrast seiner Handlung mit der Idee von praktischer Klugheit uns unangenehm berührt, während andererseits der in dem Bilde als unabwendbar bevorstehend gezeigte Fall aus der mässigen Höhe uns als Strafe für jene Thorheit gerecht erscheint, und somit wegen seiner leichten Verbindung mit jener ersten Vorstellung in Bezug auf die Gerechtigkeitsidee unserem Gefühle zusagt. Denken wir uns nun aber das Bild so verändert, dass jener Baumast über einem gähnenden Abgrunde schwebe, in welchen der Mensch nun hineinzufallen droht, so lachen wir nicht mehr, weil die Strafe für seine Dummheit bei Weitem das entsprechende Maass überschreitet und unsere Gerechtigkeitsidee dadurch umgekehrt gerade beleidigt würde. Der Umstand übrigens -- das sei zum Schlusse noch erwähnt -- dass die eine Vorstellung (die des Herabfallens) nicht unmittelbar im Bilde vorhanden ist, thut nichts zur Sache, und ändert die Auffassung dieser Form nicht. Es wird diese Vorstellung jedenfalls durch das Bild hervorgerufen, und geht mit in den komischen Contrast ein; ganz ebenso wie in den ersten Beispielen die rothe Nase uns ohne Weiteres die Vorstellung des Trinkens erweckt und diese nun ganz so wie eine unmittelbar dargebotene sich an dem Contrast betheiligt [1]. Auch dadurch endlich verfällt die Dummheit oft dem Gelächter, selbst der Gebildeten, dass sie sich, mit vielem Selbstgefühl gepaart, den

[1] Schopenhauer l. c. p. 107.

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Anschein besonderer Klugheit geben will, sich aber natürlich nun um so mehr bloss stellt. Wie vorher erscheint uns jetzt die den Dummen treffende Blamage wegen der Ansprüche, die er erhoben hat, als eine wohl verdiente.

Wir kommen nunmehr zur Besprechung der dritten Hauptform, welche wir nannten:

*III. Das Komische mit zwei unvereinbaren Vorstellungen.*

Wie bei der vorigen Form sind auch bei dieser zur Erzeugung des einen Gefühls (hier aber des _un_angenehmen) zwei Vorstellungen im Komischen selbst enthalten, die sich in der dargebotenen Form nicht mit einander verbinden wollen, während andererseits in Folge der Harmonie einer der beiden Vorstellangen mit irgend einer Norm ein angenehmes Gefühl erzeugt wird. -- Zu dieser Gruppe gehören zahlreiche Nebenformen, von denen ich die wichtigsten anführe. Als einfachste der hierher gehörigen Formen nenne ich zuerst:

*1. Das Komische der getäuschten Erwartung.*

Wie oben mitgetheilt, will Kant beim Komischen stets eine in Nichts aufgelöste Erwartung nachweisen können, und stützt darauf seine Definition. Richtig ist allerdings, dass die getäuschte Erwartung beim Lächerlichen sehr häufig angetroffen wird, doch spielt sie, wie sich leicht nachweisen lässt, in den meisten Fällen nur eine ganz nebensächliche Rolle, und dient höchstens dazu, die komische Wirkung zu steigern. Schon das erste Beispiel, das Kant zur Stütze seiner Definition selbst anführt, spricht gegen ihn. Lassen wir Kant selbst reden: „Wenn Jemand erzählt, dass ein Indianer, der an der Tafel eines Engländers in Surate eine Bouteille mit Ale öffnen und alles dies Bier in Schaum verwandelt herausdringen sah, mit vielen Ausrufen seine grosse Bewunderung anzeigte, und auf die Frage des Engländers, was ist denn hier sich so zu verwundern? antwortete: _Ich wundere mich auch nicht darüber, dass es herausgeht, sondern wie ihr's habt herein kriegen können_; so lachen wir und es macht uns eine recht herzliche Lust, nicht, weil wir uns etwa klüger finden, als diesen Un-

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wissenden, oder sonst über etwas, was uns der Verstand hierin Wohlgefälliges bemerken liesse, sondern unsere Erwartung war gespannt und verschwindet plötzlich in Nichts." --

Dass eine gewisse Spannung unserer Erwartung in diesem Falle vorliegt, will ich nicht leugnen; Wir denken etwa: „welch wichtigen Grund seines Erstaunens wird der Indianer wol vorbringen?" Doch dient dies Moment hier offenbar nur dazu, die komische Wirkung, _die auch ohne dies vorhanden_ wäre, durch die geschickte Form des Vortrages zu erhöhen. Die Aeusserung bleibt auch komisch, wenn wir einfach den Indianer ohne weitere Vorbereitung verwundert fragen lassen: „Sagt mir nur, wie habt Ihr das Alles in die Flasche hineinbekommen?" -- Die Frage ist, wie leicht ersichtlich, eine pseudonaive und die komische Wirkung erklärt sich bei dieser Auffassung leicht. Während die eigentlich dumme Aeusserung des Indianers unser Gefühl einerseits beleidigt, entdecken wir andererseits in derselben doch viel Ueberlegung und Klugheit, wenn wir uns auf den Standpunkt der bei einem Indianer ganz erklärlichen Unkenntniss in Bezug auf die beim Schäumen des Bieres wirkenden Verhältnisse stellen. --

Nebenbei freuen wir uns -- obschon Kant es nicht wahr haben will -- doch etwas unseres Besserwissens. Uebrigens bringt Kant noch eine Bemerkung, aus der sich die richtige Auffassung ahnen lässt. Er sagt nämlich: „Merkwürdig ist, dass in allen solchen Fällen der Spass immer etwas in sich enthalten muss, welches auf einen Augenblick täuschen kann. Denn wenn Jemand uns mit der Erzählung einer Geschichte grosse Erwartung erregt und wir beim Schluss die Unwahrheit derselben sofort einsehen, so macht es uns Missfallen." --

Doch wir haben nun, da sich das Kant'sche Beispiel für die hier zu besprechende Form nicht als brauchbar erwiesen hat, noch Beispiele anzuführen, in denen die getäuschte Erwartung wirklich ein _wesentliches_ Glied bei Erzeugung des komischen Affects darstellt. Als allgemeines Schema dafür können wir das bekannte: parturiunt montes nascitur _ridiculus_ mus anführen, zu dem unter Anderem der folgende Schwank, den der Clown im Circus oft ausübt, einen speciellen Fall bildet. Der Clown stellt sich an, als ob er über ein ziemlich hochgehaltenes Seil

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hinüber springen will, nimmt einen gewaltigen Anlauf, um dann plötzlich unter dem Seile hindurchzukriechen. In der Regel belohnt unauslöschliches Gelächter, namentlich im Olymp, diese Farce. Suchen wir den Grund dieses Lachens auf, so finden wir das zum Lächerlichen erforderliche unangenehme Gefühl hervorgehend aus der plötzlich getäuschten Erwartung. Das angenehme Gefühl dagegen entsteht einerseits aus dem befriedigten Selbstgefühl, indem dasselbe durch die Vorstellung, dass der Clown jener Aufgabe doch nicht gewachsen war, gehoben wird, andererseits wirkt die berechtigte Schadenfreude mit, indem wir dem Clown die Blamage, die er sich (wenn auch nur scheinbar) zugezogen hat, als eine verdiente gönnen; endlich drittens spielt eine gewisse objectivirende Schadenfreude, die wir über uns selbst empfinden, eine nicht unwesentliche Rolle. Während eigentlich der Clown uns auslachen könnte, dass wir uns durch ihn haben dupiren lassen, schwingen wir uns schnell zu einer Objectivität auf, in der wir im Stande sind, über uns selbst zu lachen. Da wo diese Objectivität nicht vorhanden ist, überwiegt leicht die Kränkung des Selbstgefühls, und es entsteht statt Lachen Aerger. --

Eine zweite hierher gehörige Form:

*2. Den komischen Anachronismus*

haben wir schon bei den vorläufigen Beispielen erwähnt. Wenn wir also, um noch einige andere Beispiele anzuführen, auf Raphael'schen Bildern den Stammvater Abraham mit eiserner Karst in der Hand, Gott Apollo mit einer Geige, auf anderen Bildern Soldaten, unter dem Kreuze Christi, Karten spielend und Tabak rauchend, Ferngläser in der Hand römischer Feldherren, Christus auf seinem Gange nach Golgatha von einem betenden Kapuziner begleitet sehen, so wirkt das Alles komisch, weil uns zwei Vorstellungen zusammen geboten werden, die sich nach der Norm der Gleichzeitigkeit nicht mit einander vereinigen lassen und durch ihre erzwungene Zusammenstellung ein unangenehmes Gefühl erzeugen, während das angenehme Gefühl auf der unserm Selbstgefühl schmeichelnden Vorstellung von unserem Besserwissen beruht.

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*3. Das Komische der Darstellung oder das Burleske und Heroisch- Komische*

leitet sein unangenehmes Gefühl her aus der Disharmonie zwischen der poetischen Darstellung und dem Inhalt. Beim Burlesken werden ernste, wichtige und erhabene Dinge in einer unwürdigen und sie herabsetzenden Weise vorgetragen. Als Beispiel mag Offenbach's „Orpheus in der Unterwelt" gelten. Beim Heroisch-Komischen werden ganz unbedeutende Gegenstände durch die Sprache als bedeutende dargestellt, wie z. B. in Blumauers Aeneïde. --

So lange das Burleske und Heroisch-Komische nicht zugleich witzig ist (was aber meist der Fall ist) steht der, aus der oben genannten Quelle fliessenden Unlust, ein Lustgefühl gegenüber, das wie bei der vorigen Form nur aus dem gesteigerten Selbstgefühl des Besserwissens entspringt.

Wir kommen jetzt zur letzten Hauptform des Komischen, die wir nannten:

*IV. Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellungen oder den Witz.*

_Der Witz_ ist eine der ausgedehntesten Formen des Komischen und erfreut sich gerade bei den Gebildeten einer besonderen Beliebtheit und doch steht er dem grössten Theile seines Inhalts nach auf keiner hohen Stufe, indem bei ihm das angenehme Gefühl (in der Regel) ohne Betheiligung sittlichen Wohlgefallens zu Stande kommt. Die logischen Normen und die Normen der Ideenassociation sind es vorwiegend, die bei ihm eine Rolle spielen, während die Beziehungen zu den ethischen oder ästhetischen Normen meistens ausserhalb des Witzes, neben diesem vorhanden sind und die komische Wirkung nur erhöhen. -- Es hat daher etwas für sich, wenn Vischer in seiner ersten Schrift [1] den Witz: das Komische des Verstandes oder der Reflexion nennt und hervorhebt, dass die Untersuchung des Witzes theilweise mit der Lehre von den Gesetzen der Ideenassociation zusammenfalle. Das wesentlichste Merkmal des Witzes allen übrigen Formen des Komischen gegenüber ist aber Folgendes:

[1] Erhab. u. Komische p. 196 u. 198.

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_Beim Witz entsteht die Unlust wie die Lust aus_ *zwei* _Vorstellungen, deren Unvereinbarkeit, und doch wiederum mögliche Vereinbarkeit mit einander_, die Quelle der Gefühle bildet, während bei den übrigen Formen entweder nur _eine_ Vorstellung beide Gefühle erzeugte, oder zwei dargebotene Vorstellungen doch nur zur Erregung des _einen_ der Gefühlsgegensätze thätig waren.

Indem die zwei dargebotenen Vorstellungen zunächst nur unter einander und nicht zu unserem ganzen Ich (zu den ideellen etc. Normen) in Beziehung treten, regt der Witz unsere Interessen viel weniger an, als alle übrigen Formen des Komischen. Ganz richtig sagt deshalb Jean Paul von ihm: „er achtet nichts und verachtet nichts, Alles ist ihm gleich, sobald es gleich und ähnlich wird".

Sehen wir davon ab, dass der Unterschied des Witzes von den übrigen Formen des Komischen mir bisher nirgend so scharf präcisirt zu sein scheint, so ist er doch im Ganzen von den Autoren am richtigsten aufgefasst. Jean Paul bringt auch über ihn ungemein viel Treffendes, wenn schon er mit seiner eigentlichen Definition nicht glücklich war und den Mangel wissenschaftlicher Schärfe auch hier verräth. -- Seine gelegentlichen Bemerkungen z. B., wenn er ihn den verkleideten Priester nennt, der jedes Paar copulirt, sind viel bezeichnender als seine Definition, nach welcher er die alte, in der That unzureichende Auffassung: Der Witz sei eine Fertigkeit, Aehnlichkeiten zwischen Unähnlichem zu finden, in der Art verändert, dass er den Begriff der Vergleichung substituirt, welche eine theilweise Gleichheit bei grösserer Ungleichheit entdeckt. Viel entsprechender ist die Definition von Vischer, der jene alte dahin erweitert: „Der Witz ist eine Fertigkeit mit einer überraschenden Schnelle mehrere Vorstellungen, die nach ihrem inneren Gehalt und dem Nexus, dem sie angehören, einander eigentlich fremd sind, zu Einer zu verbinden." -- In dieser Definition ist freilich ungesagt, dass diese Verbindung in gewissen Hinsichten eine gerechtfertigte und uns angenehm berührende sein muss.

Doch berichtigt Vischer wenigstens seine in dem ersten Werke ausgesprochene Ansicht, dass _kein_ Witz einen eigentlichen Sinn habe, in seiner Aesthetik dahin, dass der Sinn zwar

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nicht innerlich organisch im Witz enthalten sei, doch in vielen Fällen von Aussen hinzukomme [1]. Vollständig treffend, wenn wir die darin enthaltenen Begriffe, Gleichheit und Verschiedenheit, mit unseren obigen Normen in Beziehung bringen, ist die schon erwähnte Definition von Lazarus, die eigentlich auf das Komische überhaupt gemünzt ist, aber, wie wir sehen, im Besonderen auf den Witz passt. Es sollen zwei Vorstellungen vorhanden sein, die einmal wegen ihrer Gleichheit zu einem einzigen Denkacte verschmelzen, während sie nach anderer Richtung hin, wieder ganz und gar verschieden sind, „die Möglichkeit und die Unmöglichkeit der Verschmelzung tritt zu gleicher Zeit ein". Das ist in der That das Charakteristicum des Witzes.

Die Schopenhauer'sche Definition werde ich bei Gelegenheit einer besonderen Form der Witze erwähnen, zu der wiederum alle von ihm aufgestellten Beispiele gehören.

Am ausführlichsten und in vieler Beziehung sehr glücklich hat in neuester Zeit Kuno Fischer [2] den Witz behandelt. Seine Darstellung, die halb vom psychologischen halb vom metaphysisch-ästhetischen Standpunkte ausgeht, weicht aber von der meinigen vor allen Dingen darin ab, dass Fischer ganz entsprechend seiner Auffassung des Thema's hauptsächlich die Frage erörtert, wie der Witz entsteht, auf welchem Boden er aufspriesst und wie er geformt wird. -- Das Material, aus dem er besteht, behandelt Fischer nur gelegentlich. Darum ist selbstverständlich seine ganze Eintheilung eine andere, wenn ich auch in einzelnen Formen mit ihm übereinstimme. Entspringend auf dem Boden der ästhetischen Freiheit, die sich vom Begehren und Wollen fern hält und aus dem ungedruckten Selbstgefühl hervorgeht, ist nach Fischer's kurzer und knapper Definition der Witz ein spielendes Urtheil, welches die Fehler und Gebrechen, d. h. das Unfreie im intellectuellen Reich unserer Gedanken und Vorstellungen plötzlich aufdeckt, und mit unserem erhöhten und freien Selbstgefühl in den komischen Contrast bringt. Der Witz muss nach F. ganz entlegene, nicht gleichartige, sondern entgegengesetzte,

[1] l. c. p. 426. [2] Ueber die Entstehung u. die Entwickelungsformen des Witzes. Zwei Vorträge etc. Heidelberg 1871.

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nicht bekannte, sondern einander fremde Vorstellungen mit einander verknüpfen, dieselben aber plötzlich in der Pointe zusammenstossen lassen. „Was noch nie vereint war, ist mit einem Male verbunden und in demselben Augenblicke, wo uns dieser Widerspruch noch frappirt, überrascht uns schon die sinnvolle Erleuchtung". -- Sehr mit Recht betont Fischer, wie auch Vischer, besonders das Plötzliche des Zusammenstosses der beiden Vorstellungen, d. h. die Pointe. Wir müssen auf diesen Punkt, der zwar indirect in unserer Aufstellung schon enthalten ist, am Schlusse noch einmal zurückkommen. Zunächst wollen wir die einzelnen Formen des Witzes untersuchen und durch Beispiele erläutern.

Wir können innerhalb des Witzes zwei inhaltreiche Hauptgruppen aufstellen, die sich durch die Entstehung des angenehmen Gefühls von einander unterscheiden; in der einen Gruppe ist dasselbe abhängig von der leichten Vereinbarkeit der beiden dargebotenen Vorstellungen in Rücksicht auf die _logischen_ Normen; bei der andern Gruppe entsteht die Lust aus der leichten Verbindung der beiden Vorstellungen nach irgend einer _der drei Normen der Ideen- Association_.

In der ersten Gruppe spielt der doppelte Sinn, die zweifache Bedeutung und Beziehung, welche in einer der beiden dargebotenen Vorstellungen steckt und in Rücksicht auf welche die Vereinigung mit der in der vorliegenden Situation enthaltenen zweiten Vorstellung, einmal möglich, das andere Mal unmöglich ist, eine Hauptrolle. Ich will deshalb der bequemeren Bezeichnung halber den Namen „_Doppelsinn-Witze_" dafür einführen, während ich die andere Gruppe (_Ideen-_) _Associations-Witze_ nenne.

Wir behandeln zuerst die

*1. Associations-Witze*

als die tiefer stehende Form. Es werden hier also zwei Vorstellungen mit einander in einen Zusammenhang gebracht, der gegen die Normen der Logik verstösst, und dadurch Unlust verursacht, während andererseits die Verbindung derselben beiden Worte in Rücksicht auf eine der drei Normen der Ideenassociation eine leichte ist und dadurch das Lustgefühl begründet. Je

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nachdem das Gesetz der Aehnlichkeit, das der Gleichzeitigkeit oder das der Zeitfolge die Association erleichtert, erhalten wir drei verschiedene Unterklassen der Associationswitze. In der erstgenannten _Unterklasse_, die ihr _angenehmes Gefühl auf die Aehnlichkeit der beiden Worte stützt_, nehmen die sogenannten *Klangwitze* das weiteste Gebiet ein. Bei ihnen ist die äussere Aehnlichkeit des Klanges massgebend. Wir haben schon oben unter den vorläufigen Beispielen auch von dieser Form einige angeführt: (Tracht -- Eintracht; Ring -- Hering.) Man nennt diese Sorte von Witzen auch „Kalauer" und achtet sie ziemlich gering; trotzdem hat selbst Shakespeare sie nicht verschmäht, indem er z. B. dem dicken Hans Falstaff folgende in den Mund legt. „Allerdings hat mein Wanst es weit in die Dicke gebracht, aber es ist hier nicht die Rede von _Wänsten_, sondern von _Gewinnsten_, nicht von _Dicke_, sondern von _Tücke_". -- Nicht der geringste logische Zusammenhang besteht zwischen diesen, doch in eine enge Verbindung gebrachten Worten; nur der Gleichklang hält sie zusammen.

Ich erwähne hier ferner jenes schon bei Gelegenheit des Pseudonaiven angeführte Beispiel, wo das Kind, dem das Vaterunser gelehrt wird, fragt, ob der Vater Unser mit dem Onkel Unzen verwandt sei. Wir können diese Aeusserung auch als einen Witz auffassen, bei welchem das angenehme Gefühl (allerdings viel schwächer als bei der vorigen Auffassung) lediglich aus dem Gleichklang der beiden Worte Unser und Unzer hervorgeht, die sonst gar nichts mit einander zu thun haben, und deren Zusammenbringung unser Gefühl beleidigt. Jene Aeusserung steht, als pseudonaive aufgefasst, bedeutend höher, als wenn wir sie als Witz ansehen.

Zuweilen erhält die einerseits unsinnige Zusammenstellung klangähnlicher Worte durch äussere Nebenbeziehungen eine Art von Sinn, und diese Witze stehen dann um ein Weniges höher. Beispiele zu dieser Art liefern Fischart und Abraham a Santa Clara in grosser Fülle.

Dem letzteren nachgebildet sind die bekannten Klangwitze des Kapuziners in Wallenstein:

Kümmert sich mehr um den _Krug_ als den _Krieg_, Wetzt lieber den _Schnabel_ als den _Sabel_,

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Hetzt sich lieber herum mit der Dirn, Frisst den _Ochsen_ lieber als den _Ochsenstirn_ etc. Das römische Reich, dass Gott erbarm, Sollte jetzt heissen römisch arm. Der _Rheinstrom_ ist geworden zu einem _Peinstrom_, Die _Bisthümer_ sind verwandelt in _Wüstthümer_, Die _Abteien_ und _Stifter_ Sind _Raubteien_ und _Diebesklüfter_, Und alle die gesegneten _deutschen Länder_ Sind verwandelt worden in _Elender_.

Im Anschluss hieran muss ich noch eine Abart der Klangwitze erwähnen, die sich von der gewöhnlichen Form dadurch unterscheidet, dass von den beiden Vorstellungen, deren Vereinbarkeit und Unvereinbarkeit eben den Witz erzeugt, nur die eine direct, die andere aber indirect gegeben ist. Hierher gehört besonders die theils absichtliche, theils unabsichtliche Verstümmelung der Fremdwörter, wie sie zum Beispiel von Onkel Bräsig in hohem Maasse geübt wird: Er spricht von dem Existent (statt Assistent) des Wasserdoctors, der nicht als Gregorius (Chirurgus) qualifikacirt war und keine Operamente (Operationen) machen durfte, ihm dagegen eine Extra-Einwickelung apoplexirte. Hier findet der Wettstreit zwischen dem wirklich ausgesprochenen und dem eigentlich gemeinten Wort statt, das wir sofort errathen müssen. In Bezug auf die logischen Normen haben diese beiden Worte, die nicht nur in Verbindung gebracht sind, _sondern von denen eins sogar für's andere substituirt_ ist, nicht das Geringste mit einander zu thun, ihre Klangähnlichkeit aber erleichtert andererseits die Association. -- Man kann diese Confusionen (wie es mit dem gerade angeführten Beispiel wol gewöhnlich geschehen wird) auch als einfach komisch und nicht als witzig auffassen, indem man dabei weniger den Wettstreit der beiden Vorstellungen berücksichtigt, sondern vielmehr die komische Situation in's Auge fasst, dass Jemand, der sich aus Eitelkeit einen Anstrich von Bildung geben will und daher Fremdworte anwendet, nun durch Verstümmelung derselben doch seine Unbildung verräth, sich blamirt und auf diese Weise unser Gerechtigkeitsgefühl befriedigt. Dagegen werden wir die folgenden Confusionen schon eher als witzig auffassen: Finis coronat opium;

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tres faciunt collodium; Omnia mea mecum portemonnaie; exempla sunt spirituosa, mundus vult deficit etc. Hierher gehören vor allen Dingen auch die witzigen Verdeutschungen fremder Worte, die sich bei Fischart in so überaus reichlicher Zahl finden und die einerseits zwar von seiner kecken und oft zu weit gehenden muthwilligen Laune Zeugniss ablegen, andererseits aber auch wie Kurz in seiner Geschichte der deutschen Literatur richtig anführt, die ächt volksmässige Schöpfungskraft in ihm erkennen lassen, welche das fremde Wort zwar beibehält, ihm aber deutsche Form und deutsche Bedeutung giebt, wie in unseren Worten Opfern (von dem lat. offerre), Körper (corpus) etc. So bildet Fischart maulhenkolisch (für melancholisch), Pfotengram (Podagra), Affrich (Afrika), Notnar (Notar), Jesuwider (Jesuit), Untenamend (Fundament), Amend (Amen) u. s. w.

Die Aehnlichkeit der beiden zusammengebrachten Worte braucht sich aber nicht immer auf den äusseren _Klang_ zu beziehen, sondern kann auch in anderen Verhältnissen stattfinden. So entsteht z. B. in dem „doppelten Kinderlöffel für Zwillinge", den Lichtenberg in seinem bekannten Auctionsverzeichniss ausbietet, das angenehme Gefühl durch die wegen ihrer inneren Aehnlichkeit leicht vor sich gehende Association der beiden Begriffe _doppelter_ Löffel und _Zwillinge_, während das Unsinnige der Zusammenstellung uns Unlust macht. In wieder anderen Fällen ist die Aehnlichkeit eine ganz versteckte und nur partielle und wird erst durch den Witz aufgefunden und hervorgehoben. Für diese Fälle passt die alte Definition, dass der Witz eine Fertigkeit sei, versteckte Aehnlichkeiten zu finden. Als Beispiel diene folgende Witzreihe von Heine, der von einer auffallend hässlichen Frau sagt: „Diese Frau glich in vielen Punkten der Venus von Melos, sie ist auch ausserordentlich alt, hat ebenfalls keine Zähne und auf der gelblichen Oberfläche ihres Körpers einige weisse Flecken etc." Wir fühlen einerseits, dass dieser Vergleich zweier ganz heterogenen Gegenstände (einer hässlichen Frau mit der Venus) ein völlig unpassender ist -- werden aber doch durch die wirklich vorgefundenen partiellen Aehnlichkeiten angenehm überrascht. Ein im gewissen Sinne umgekehrtes Beispiel wie das vorliegende bildet die _witzige Carricatur_, bei der wir in toto wohl die Aehnlichkeit des Bildes mit dem

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