Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie
Part 18
Alle diese Beobachtungen zusammengenommen führen zu der Meinung, daß die Blutkörperchen des arteriellen Blutes eine mit Sauerstoff gesättigte Eisenverbindung enthalten, welche im lebendigen Blute beim Durchgang durch die Capillargefäße ihren Sauerstoff verliert; dasselbe geschieht, wenn das Blut vom Körper genommen sich zu zersetzen anfängt (zu faulen beginnt); die an Sauerstoff reiche Verbindung geht also durch Sauerstoffabgabe (Reduction) in eine sauerstoffarme Verbindung über. Eins der Oxydationsproducte, welches hierbei gebildet wird, ist Kohlensäure. Die Eisenverbindung des venösen Bluts besitzt die Fähigkeit, sich mit Kohlensäure zu verbinden; es ist klar, daß die Blutkörperchen des arteriellen Blutes, wenn sie nach Abgabe von einem Theile ihres Sauerstoffs Kohlensäure vorfinden, sich mit dieser Kohlensäure verbinden werden.
In der Lunge angelangt werden sie den verlornen Sauerstoff wieder aufnehmen, für jedes Volumen Sauerstoff wird eine entsprechende Menge Kohlensäure wieder austreten, sie werden in ihren ursprünglichen Zustand wieder zurückkehren, d. h. das Vermögen wieder erhalten, Sauerstoff abzugeben.
Für jedes Volum Sauerstoff, was die Blutkörperchen abzugeben vermögen, wird (da die Kohlensäure ihr gleiches Volum Sauerstoff ohne Condensation enthält) nicht mehr und nicht weniger als ein Volumen kohlensaures Gas gebildet werden können; für jedes Volumen Sauerstoff, was sie aufzunehmen fähig sind, kann nicht mehr Kohlensäure abgeschieden werden, als überhaupt aus diesem Volum Sauerstoff erzeugbar ist.
Wenn ein kohlensaures Eisenoxydul durch Aufnahme von Sauerstoff in Eisenoxyd übergeht, so werden für jedes Volum Sauerstoff, was zum Uebergang in Eisenoxyd gehört, vier Volumina Kohlensäure abgeschieden.
Für ein Volumen Sauerstoff kann sich aber nur ein Volumen Kohlensäure bilden, es kann also auch nicht mehr abgeschieden werden; die ihres Sauerstoffs beraubte Verbindung muß aber die Fähigkeit haben, noch Kohlensäure aufzunehmen, und wir sehen in der That, daß das Blut in keinem Zustande des Lebens mit Kohlensäure gesättigt ist, daß es zu der Kohlensäure, die es schon enthält, noch eine Menge Kohlensäure aufzunehmen vermag, ohne daß damit die Function der Blutkörperchen gestört erscheint. (Nach dem Trinken von moussirenden Weinen, Bier, Mineralwasser muß nothwendig mehr Kohlensäure ausgeathmet werden.) In allen Fällen, wo der Sauerstoff der Blutkörperchen nicht zur Bildung von Kohlensäure gedient hat, wird stets nur eine der erzeugten Kohlensäure entsprechende Menge ausgeathmet werden können; bei Genuß von Fett und Wein jedenfalls weniger, wie nach dem Genuß von Champagner.
Nach der so eben entwickelten Vorstellung geben die Blutkörperchen des arteriellen Blutes, bei ihrem Durchgang durch die Capillargefäße, Sauerstoff an gewisse Bestandtheile des Thierkörpers ab. Ein kleiner Theil dieses Sauerstoffs dient zur Hervorbringung des Stoffwechsels und bedingt das Austreten belebter Körpertheile, so wie die Bildung und Erzeugung der Secrete, der größte Theil dieses Sauerstoffs wird zur Verwandlung der, den belebten Körpertheilen nicht mehr angehörenden Substanzen, in Sauerstoffverbindungen verwendet.
Auf ihrem Wege nach dem Herzen hin, verbinden sich die Blutkörperchen, welche ihren Sauerstoff abgegeben haben, mit Kohlensäuregas zu venösem Blut, in der Lunge angelangt, findet ein Austausch statt.
Die organische Eisenverbindung des venösen Blutes nimmt in der Lunge und der Luft den verlornen Sauerstoff wieder auf, und in Folge dieser Sauerstoffaufnahme scheidet sich alle damit verbundene Kohlensäure wieder ab.
Alle in dem venösen Blute vorhandenen Materien, welche Verwandtschaft zum Sauerstoff besitzen, verwandeln sich in der Lunge, ähnlich wie die Blutkörperchen, in höhere Sauerstoffverbindungen, es entsteht eine gewisse Quantität Kohlensäure, von der stets ein Theil in der Blutflüssigkeit gelös’t bleibt.
Die Quantität der gelös’ten (oder der an Natron gebundenen) Kohlensäure muß in beiden Blutarten, da sie einerlei Temperatur besitzen, gleich sein, allein das arterielle Blut muß, sich selbst überlassen, nach kurzer Zeit eine größere Menge Kohlensäure enthalten, wie das venöse, weil der aufgenommene Sauerstoff zur Bildung von Kohlensäure verwendet wird.
In dem Organismus des Thieres finden mithin zwei Oxydationsprocesse statt, der eine in der Lunge, der andere in den Capillargefäßen. Durch den erstern wird, trotz der starken Abkühlung und gesteigerten Verdunstung, die constante Temperatur der Lunge, durch den andern die constante Temperatur in den übrigen Körpertheilen hervorgebracht.
Ein Mensch, welcher täglich 27,8 Loth Kohlenstoff in der Form von Kohlensäure ausathmet, verzehrt in 24 Stunden 74 Loth Sauerstoff (64 Loth = 1 Kilogramm), welche den Raum von 807 Litres = 51648 hessische Kubikzoll (64 = 1 Litre) einnehmen.
Rechnet man auf die Minute 18 Athemzüge, so haben wir in 24 Stunden 25920 Athemzüge und bei jedem Athemzug werden demnach ⁵¹⁶⁸⁴/₂₅₉₂₀ = 1,99 Kubikzoll Sauerstoff in das Blut aufgenommen.
In einer Minute treten 18 × 1,99 = 35,8 Kubikzoll Sauerstoff zu den Bestandtheilen des Blutes, welche bei gewöhnlicher Temperatur etwas weniger wie 12 Gran (802,8 Milligramm) wiegen.
Nehmen wir nun an, daß in einer Minute 10 Pfund Blut (5 Kilogramm) (Müller, Physiologie Bd ~I.~ S. 345) durch die Lunge gehen und diese den Raum von 320 Kubikzoll einnehmen, so verbindet sich 1 Kubikzoll Sauerstoff sehr nahe mit 9 Kubikzoll Blut.
Nach den Untersuchungen von _Denis_, _Richardson_, _Nasse_ (Handwörterbuch der Physiologie Bd. I. S. 138) enthalten 10000 Blut 8 Theile Eisenoxyd. 76800 Gran (10 Pfd.) Blut enthalten demnach 61,54 Gran Eisen_oxyd_ im arteriellen oder 55,14 Eisen_oxydul_ im venösen Blut.
Nehmen wir nun an, das Eisen in den Blutkörperchen des venösen Blutes sei als Eisenoxydul, das im arteriellen Blut als Eisenoxyd enthalten, so nehmen 55,14 Gran Eisenoxydul bei ihrem Durchgang durch die Lunge in einer Minute 6,40 Gran Sauerstoff auf; da nun in dieser Zeit im Ganzen von 10 Pfund Blut 12 Gran Sauerstoff aufgenommen werden, so treten von diesen 12 Gran, 5,6 Gran an die anderen Bestandtheile des Blutes.
55,14 Gran Eisenoxydul verbinden sich nun mit 34,8 Gran Kohlensäure, welche den Raum von 73 Kubikzoll einnehmen. Es ist deshalb klar, daß die in dem Blute vorhandene Menge Eisen, als Eisenoxydul gedacht, hinreicht, um den Träger der doppelten Menge Kohlensäure abzugeben, welche überhaupt auf Kosten alles in der Lunge aufgenommenen Sauerstoffs erzeugbar ist.
Die eben entwickelte Hypothese stützt sich auf die bekannten Beobachtungen und zwar erklärt sie den Respirationsproceß, soweit er von den Blutkörperchen abhängig ist, vollkommen, sie schließt die Meinung nicht aus, daß auch auf anderen Wegen Kohlensäure in die Lunge gelangen, daß gewisse andere Bestandtheile des Bluts zur Bildung von Kohlensäure in der Lunge Veranlassung geben können; allein alles dies steht in keiner Beziehung zu dem vitalen Proceß, durch welchen in allen Theilchen des Körpers die zu seinem Bestehen nöthige Wärme erzeugt wird. Dies allein kann aber vorläufig nur als ein würdiger Gegenstand der Untersuchung betrachtet werden; warum dunkelrothes Blut durch Salpeter, Kochsalz &c. hellroth wird, ist eine nicht uninteressante Frage, die aber mit dem Athmungsproceß in keinem Zusammenhange steht.
Die furchtbare Wirkung des Schwefelwasserstoffs; der Blausäure, welche beim Einathmen in wenigen Secunden allen Bewegungserscheinungen im Thierkörper eine Grenze setzen, erklären sich aus den bekannten Veränderungen, welche alle Eisenverbindungen bei Gegenwart von Alkalien, die im Blute nicht fehlen, durch diese Stoffe erleiden, auf eine ungezwungene Weise.
Denken wir uns, daß die Blutkörperchen ihre Fähigkeit verlieren, Sauerstoff aufzunehmen, diesen Sauerstoff wieder abzugeben und die gebildete Kohlensäure fortzuführen, so wird ein solcher hypothetischer Krankheitszustand augenblicklich an der Temperatur und den Bewegungserscheinungen im Thierkörper erkennbar sein. Es wird nämlich kein Stoffwechsel stattfinden, ohne daß damit die Bewegungen selbst eine unmittelbare Grenze finden.
Die Leiter der Kraft werden den Eingeweiden, dem Herzen, nach wie vor, die zu ihren Functionen nöthige Kraft zuführen, sie werden sie von dem Muskularsystem erhalten, ohne aber daß aus diesen ein Bestandtheil austritt; Galle- und Harnsecretion können nicht stattfinden; die Temperatur des Körpers muß abnehmen.
Dem Ernährungsproceß wird durch diesen Zustand eine Grenze gesetzt und in kürzerer oder längerer Zeit muß der Tod eintreten, ohne, was hier das Wichtigste ist, von Fiebererscheinungen begleitet zu sein.
Dieses Beispiel soll dazu dienen, um Veranlassung zu einer Untersuchung des Bluts in Krankheitszuständen ähnlicher Art, zu geben, denn es kann nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die Rolle, welche den Blutkörperchen zugeschrieben worden ist, als vollkommen ausgemittelt und aufgeklärt betrachtet werden kann, wenn sich in solchen Zuständen eine Abweichung in der Form, Beschaffenheit und dem Verhalten der Blutkörperchen ergiebt, die durch geeignete Reagentien erkennbar sein muß.
Wenn die Kraft, welche die Lebenserscheinungen bedingt, als eine Eigenschaft gewisser Materien angesehen wird, so führt diese Vorstellung von selbst auf eine neue und schärfere Betrachtungsweise gewisser räthselhafter Erscheinungen, welche die nämlichen Substanzen in Zuständen darbieten, wo sie keine Bestandtheile belebter Organismen mehr ausmachen.
Analytische Belege zu dem chemischen Proceß der _=Respiration und Ernährung=_ so wie zu dem chemischen Proceß der _=Umsetzung der Gebilde=_.
Die Noten correspondiren mit den in den Abschnitten im Texte aufgeführten Nummern.
Alle mit * bezeichneten Zahlenresultate der Analysen sind in dem chemischen Laboratorium in Gießen ausgeführt.
Anhang.
Seite 1. Einleitung zu den Analysen.
Erklärung der Formeln.
Die frühere Darstellung der Verschiedenheit in der Zusammensetzung der Stoffe, die Angabe des Gehaltes in ihren Bestandtheilen nach Procenten, ist von den Chemikern längst verlassen, weil sie keine Einsicht in die Beziehungen gestattet, welche zwischen zwei und mehr Verbindungen stattfinden. Um hiervon einige Beispiele zu geben, soll die Zusammensetzung der Essigsäure und des Aldehyds, des Bittermandelöls und der Benzoesäure hier erwähnt werden.
Essigsäure Aldehyd* Benzoesäure* Bittermandelöl* Kohlenstoff 40,00 55,024 69,25 79,56 Wasserstoff 6,67 8,983 4,86 5,56 Sauerstoff 53,33 35,993 25,89 14,88
Aldehyd verwandelt sich nun in Essigsäure, Bittermandelöl in Benzoesäure durch Aufnahme von Sauerstoff, ohne daß sich an ihren Elementen sonst irgend etwas ändert. In den bloßen Zahlenverhältnissen läßt sich diese Beziehung nicht erkennen, drücken wir aber die Zusammensetzung beider in einer Formel aus, so fällt der Zusammenhang zwischen diesen Materien auch demjenigen in die Augen, welcher von der Chemie nichts weiß, als daß der Buchstabe ~C~ ein Aequivalent Kohlenstoff, ~H~ 1 Aeq. Wasserstoff, ~N~ 1 Aeq. Stickstoff und ~O~ 1 Aeq. Sauerstoff bedeutet.
Formel Formel /--------------------\ /----------------------------\ der des der des Essigsäure Aldehyds Benzoesäure Bittermandelöls ~C₄H₈O₄~ ~C₄H₈O₂~ ~C₁₄H₁₂O₄~ ~C₁₄H₁₂O₂~
Diese Formeln sind genaue Ausdrücke der Analysen, die, man kann es sich so denken, sich auf eine unveränderliche Kohlenstoffquantität beziehen; sie zeigen, daß Essigsäure und Aldehyd, Benzoesäure und Bittermandelöl nur in dem Sauerstoffgehalt von einander abweichen, daß sie von den übrigen Elementen einerlei Verhältnisse enthalten. Das Verständniß der folgenden Formeln ist nicht minder einfach.
Cyamelid 1 At. Cyanursäure 3 At. Cyansäurehydrat ~C₆N₆H₆O₆~ ~Cy₆~(= ~C₆N₆~)~O₃~ + 3~H₂O~ = 3(~Cy₂O~ + ~H₂O~) = = ~Summa~ ~C₆N₆H₆O₆~ = ~Summa~ ~C₆N₆H₆O₆~
Die erste Formel ist eine sogenannte empirische Formel, in der man wohl das relative Verhältniß der Elemente genau kennt, aber nicht die Ordnung, in welcher sie zusammengetreten sind. Die zweite Formel drückt aus, daß 6 At. Cyan oder 6 At. Stickstoff und 6 At. Kohlenstoff zu _einem_ zusammengesetzten Atom sich vereinigt haben, das mit 3 At. Sauerstoff und 3 At. Wasser Cyanursäurehydrat gebildet hat; die letzte drückt aus die Art und Weise der Ordnung der Atome in dem Cyansäurehydrat, dreimal genommen; dieselbe Anzahl von Elementen, wie in der Cyanursäure ist zu 3 Atomen Cyansäurehydrat zusammengetreten. Wie man verfährt, um die procentische Zusammensetzung eines Körpers in einer Formel auszudrücken, gehört nicht hierher; es soll nur erwähnt werden, wie man verfahren muß, um aus einer jeden Formel rückwärts die procentische Zusammensetzung zu finden. Für diesen Zweck muß man beachten, daß der Buchstabe ~C~ in einer chemischen Formel ein Gewicht von 76,437 Kohlenstoff (nach den neuesten Bestimmungen 75,8 oder 75, eine Abweichung, welche auf die angeführten Formeln, da sie alle nach der Zahl 76,437 berechnet sind, ohne den geringsten Einfluß ist) bedeutet, der Buchstabe ~H~ ein Gewicht von 6,239 Wasserstoff, der Buchstabe ~N~ = 88,52 Stickstoff, und zuletzt der Buchstabe ~O~, ein Gewicht von 100 Sauerstoff.
Die Formel des Proteins ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ drückt also aus:
48 mal 76,437 = 3668,88 Kohlenstoff 12 „ 88,52 = 1062,24 Stickstoff 72 „ 6,239 = 449,26 Wasserstoff 14 „ 100,00 = 1400,00 Sauerstoff ------- ~in Summa~ das Gewicht von 6580,38 Protein.
in 100 Theilen In 6580,38 Theilen Protein sind enthalten 3668,88 Kohlenstoff 55,742 In 6580,38 „ „ „ „ 1062,24 Stickstoff 16,143 In 6580,38 „ „ „ „ 449,26 Wasserstoff 6,827 In 6580,38 „ „ „ „ 1400,00 Sauerstoff 21,288 ------- 100,000
Note 1. Seite 13.
_Sauerstoffverbrauch des erwachsenen Mannes_.
Ein erwachsener Mann /-----------------------------\ verbraucht erzeugt im kohlens. in 24 Stunden in 24 Stunden Gas an Sauerstoff- an kohlensaurem enthaltener nach gas Gas Kohlenstoff /------------\ /-------------\ W. Zoll Gran W. Zoll Gran Gran Lavoisier u. Seguin 46037 15661 14930 8584 2820 franz. Menzies 51480 17625 engl. Davy 45504 15751 31680 17811 4853 engl. Allen u. Pepys 39600 13464 39600 18612 5148 engl.
(Aus L. _Gmelins_ Handbuch der theor. Chemie.)
Note 2. Seite 14.
_Zusammensetzung des Bluts_: (Siehe Note 29.)
in 100 Theilen in 4,8 Pfd. = 36864 Gran
Kohlenstoff 51,96 19154,5 Wasserstoff 7,25 2672,7 Stickstoff 15,07 5555,4 Sauerstoff 21,30 7852,0 Asche 4,42 1629,4 --------- ------- 100,000 36864,0
Gran Gran 19154,5 Kohlenstoff bildet mit 50539,5 Sauerstoff Kohlensäure 2672,7 Wasserstoff „ „ 21415,8 „ Wasser ---------------- ~Summa~ = 71955,3 Sauerstoff Hiervon ab vorhandener Sauerstoff = 7852,0 -------------------- bleiben 64103,3 Gran
Sauerstoff, welche zur vollständigen Verbrennung von 4,8 Pfd. Blut erforderlich sind.
In obiger Rechnung ist angenommen worden, daß 24 Pfd. Blut 4,8 Pfd. trocknen Rückstand (80 ~pCt.~) hinterlassen.
Note 3. Seite 14.
Bestimmung der Menge des ausgeathmeten Kohlenstoffs.
_Faeces_: 2,356 trockene Faeces hinterließen 0,320 Asche (13,58 ~pCt.~). 0,352 Faeces gaben 0,576 Kohlensäure und 0,218 Wasser.
_Linsen_: 0,566 bei 100° getrocknete Linsen gaben 0,910 Kohlensäure und 0,336 Wasser.
_Erbsen_: 1,060 hinterließen 0,037 Asche 0,416 gaben 0,642 Kohlensäure und 0,241 Wasser.
_Kartoffeln_: 0,443 trockene Kartoffeln gaben 0,704 Kohlensäure und 0,248 Wasser.
_Schwarzbrod_: 0,302 trocknes Schwarzbrod gaben 0,496 Kohlensäure und 0,175 Wasser 0,241 „ „ „ 0,393 „ „ 0,142 „
_Zusammensetzung_ der des Schwarz- der Kartoffeln (des Fleisches Faeces brods s. Note 29.) Playfair* Boeckmann* Boussin- Boeck- gault mann* Kohlenstoff 45,24 45,09 45,41 44,1 43,944 Wasserstoff 6,88 6,54 6,45 5,8 6,222 Stickstoff } 34,73 35,12 34,89 45,1 44,919 Sauerstoff } Asche 13,15 3,25 3,25 5,0 4,915 -------------------------------------------------------- 100,00 100,00 100,00 100,0 100,000 Wasser 300, ------ 400,00
Erbsen Linsen Bohnen
Playfair* Playfair* Playfair*
Kohlenstoff 35,743 37,38 38,24 Wasserstoff 5,401 5,54 5,84 Stickstoff } 39,366 37,98 38,10 Sauerstoff } Asche 3,490 3,20 3,71 Wasser 16,000 15,90 14,11 ------------------------------- 100,000 100,000 100,000
Frisches Kartoffeln Schwarzbrod, Fleisch einen Tag alt Boeck- Boussingault Boeck- Boeck- mann* mann* mann* /---------\ /-----------\ /--------------\ Wasser 75 74,8 72,2 73,2 33 31,418 Trockne Substanz 25 25,2 27,8 26,8 67 68,582 ----------------------------------------- 100 100,0 100,0 100,0 100 100,000
_Berechnung des von einem erwachsenen Menschen ausgeathmeten Kohlenstoffs_.
_Fleisch_. Das fettlose Muskelfleisch, zu 74 Wasser und 26 ~pCt.~ fester Substanz angenommen, enthält in 100 Theilen 13,6 Kohlenstoff. Das gewöhnliche Fleisch enthält Muskelfleisch, Zellgewebe und Fett. Die beiden letzteren machen im Durchschnitt ¹/₇ vom Gewicht des im Fleischladen erkauften Fleisches aus. Die Anzahl der verzehrten Lothe (64 Loth = 1 Kilogramm) beträgt 8896, welche bestehen aus:
7625 Loth fettloses Muskelfleisch enthalten Kohlenstoff 1037 Loth 1271 „ Zellgewebe mit Fett „ „ 898 „ ---- in Summe Kohlenstoff 1935 Loth
Mit den Knochen enthält das gekaufte Fleisch 29 ~pCt.~ feste Substanz, und 278 Pfd. Fleisch 28 Pfd. trockne Knochen, sie sind nicht in Rechnung genommen, obwohl sie beim Kochen 8-10 ~pCt.~ Leimsubstanz verlieren, welche mit als Nahrung genossen wird.
_Fett_. Es sind verzehrt worden 112 Loth Fett, welche zu 80 ~pCt.~ Kohlenstoff in Summa 89,6 Loth Kohlenstoff enthalten.
_Kohlenstoffgehalt der verzehrten Linsen, Bohnen und Erbsen._
Es sind verzehrt worden 107 Loth Linsen, 436 Loth Bohnen und 371 Loth Erbsen, im Ganzen 914 Loth; bei einem Gehalte von 37 ~pCt.~ Kohlenstoff sind verzehrt worden 338,2 Loth Kohlenstoff.
_Kartoffeln_. 100 Theile frische Kartoffeln enthalten 12,2 Kohlenstoff; in den verzehrten 31752 Loth sind enthalten 3873,7 Kohlenstoff.
_Brod_. 855 Mann essen täglich 855 × 64 Loth, dazu noch 36 Pfd. Suppenbrod macht zusammen 55872 Loth. 100 Loth frisches Brod enthalten durchschnittlich 30,15 Loth Kohlenstoff, es sind mithin im Brod verzehrt worden 17543 Loth Kohlenstoff.
Im Ganzen sind verzehrt worden:
im Fleisch 1935 Loth Kohlenstoff Fett 89,6 „ „ Bohnen, Erbsen, Linsen 338,2 „ „ Kartoffeln 3873,7 „ „ Brod 17543,0 „ „ ------- von 855 Mann 23779,5 Loth Kohlenstoff ------- von 1 Mann 27,8 Loth Kohlenstoff
Die Faeces eines Soldaten wiegen 11 Loth (5¹/₂ Unze); sie enthalten mit ihrem ganzen Wassergehalt 11 ~pCt.~ Kohlenstoff; für 86 Kreuzer Gemüse, Weißkraut, Kohlrabi, Gelberüben &c. erhält man durchschnittlich 172 Pfd.; 25 Maas Sauerkraut wiegen 100 Pfd. Für 48¹/₂ Kreuzer Zwiebeln, Lauch, Sellerie erhält man auf dem Markte durchschnittlich 24¹/₄ Pfd. Dem Gewicht nach haben 855 Mann Soldaten verzehrt:
an grünem Gemüse 5604 Loth an Sauerkraut 3200 „ an Zwiebeln &c. 776 „ ---- 9580 Loth ---- ein Mann täglich 11,2 Loth
Der Kohlenstoffgehalt des verzehrten Gemüses ist gleich dem Kohlenstoffgehalt der Faeces angenommen. Wurst, Branntwein, Bier, überhaupt was im Wirthshaus verzehrt worden, nicht gerechnet.
Die Zahlen, welche den vorhergehenden Berechnungen zu Grunde gelegt wurden, sind durchschnittlich dem Verbrauch von 855 Mann casernirter Soldaten entnommen, deren Speisen (Brod, Kartoffeln, Fleisch, Linsen, Erbsen, Bohnen &c.) während eines Monats bis auf Pfeffer, Salz und Butter, mit der größten Genauigkeit gewogen und jedes einzelne der Elementaranalyse unterworfen worden war (siehe Tabelle). Eine Ausnahme hiervon machten drei Gardisten, welche außer dem vorschriftsmäßigen Brodquantum (2 Pfd. täglich) in jeder Löhnungsperiode ¹/₂ Laib = 2¹/₂ Pfd. mehr bekamen und ein Tambour, der ¹/₂ Laib übrig behielt. Nach einem annähernden Ueberschlage des Feldwebels verzehrt jeder Soldat täglich durchschnittlich 6 Loth Wurst, 1¹/₂ Loth Butter, ¹/₂ Schoppen (¹/₄ Litr.) Bier und ¹/₁₀ Schoppen Branntwein, deren Kohlenstoffgehalt mehr als das Doppelte beträgt, von dem Kohlenstoffgehalt der Faeces und des Urins zusammengenommen. Die Faeces betragen bei einem Soldaten durchschnittlich 11 Loth, sie enthalten 75 ~pCt.~ Wasser und der trockne Rückstand 45,24 ~pCt.~ Kohlenstoff und 13,15 ~pCt.~ Asche. 100 Theile frische Faeces enthalten hiernach 11,31 Kohlenstoff, sehr nahe so viel als ein gleiches Gewicht frisches Fleisch. In obiger Rechnung ist der Kohlenstoff der Faeces und der des Urins gleichgesetzt worden dem Kohlenstoffgehalt der frischen Gemüse und der anderen Speisen, welche im Wirthshause verzehrt wurden.
Großherzogl. Leib-Compagnie.
_Uebersicht der im Monate November 1840 für die Menage obiger Compagnie verbrauchten Victualien_.