Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Part 6

Chapter 62,919 wordsPublic domain

Die Heimat dieser Bäume ist die südasiatische Inselwelt. Sie kommen vor auf Borneo, Sumatra und der malayischen Halbinsel. Ganz neuerdings hat man Guttaperchabäume auch in Deutsch-Neuginea gefunden. Es sind Urwaldbäume, die eine Höhe von 20-25 m erreichen. Ihre Blätter sind oval, lederartig, glänzend grün. Aus den Samen pressen die Eingebornen Sumatras ein Speiseöl. Zur Gewinnung des Guttapercha werden fast in allen Fällen die Bäume gefällt, so daß alte, ganz ausgewachsene Bäume immer seltener werden. Die Guttapercha-Erzeugung würde bei diesem System der Ausbeutung in allernächster Zeit ganz bedeutend zurückgehen, wenn nicht durch Anpflanzung junger Bäume für Nachwuchs gesorgt würde. Auch auf den deutschen Südseeinseln sind Pflanzungen angelegt worden, die, da Klima und Bodenbeschaffenheit dem dort ja auch wild vorkommenden Baum zusagen, zu guten Hoffnungen berechtigen.

Der ausfließende Saft gerinnt sofort an der Luft; er wird später durch Kochen und Kneten gereinigt und verdickt, erhärtet bei gewöhnlicher Temperatur zu holzharten Klumpen.

Eine besondere Bedeutung für die Industrie hat Guttapercha durch sein Verhalten zur Elektrizität erlangt: Es ist ein fast vollständiger Nichtleiter der Elektrizität (wie auch der Wärme). Daneben wird es selber aber durch Reiben stark negativ elektrisch. Diese Eigenschaften haben ihm eine ausgedehnte Verwendung in der Elektrizität verschafft. Die ganze Unterseekabelindustrie hängt von der Gutta ab.

Gutta wird in der Wärme nicht ~plastisch~ wie Ton und Kautschuk, letzterer ist dafür aber ~elastisch~. Gutta wird durch Seewasser nicht verändert, wohl aber Kautschuk.

X. Gerbhölzer.

Gerberakazien.

Die besten Gerberakazien sind in Australien heimisch. Besonders geschätzt ist die Acacia decurrens, ein in Süd- und Ostaustralien häufig vorkommender, in neuerer Zeit auf Anregung der englischen Regierung auch in Kultur genommener Baum.

Der Gerbstoff ist in der Rinde enthalten; diese wird vom Stamm abgeschält und kommt gemahlen unter dem Namen Mimosarinde in den Handel. Australien produzierte 1893 14730 Tonnen Mimosarinde im Werte von 1859000 Mark allein von der Acacia decurrens.

Auch dieser nützliche Baum findet in unsern Kolonien ein ihm zusagendes Klima. In Ostafrika wird er angebaut, und es ist gegründete Aussicht, daß vor allem in West-Usambara die Kultur der Gerberakazie eine wichtige Rolle spielen wird. Zur Untersuchung eingesandte Rinden haben einen hohen Tanningehalt, nämlich 44%, aufgewiesen. -- Die Bäume brauchen 5-8 Jahre, bis sie die ersten Erträge liefern. Das Abschälen eines Teiles der Rinde kann dann in bestimmten Abständen eine Reihe von Jahren hindurch wiederholt werden.

Catechu-Akazie.

Diese Akazie kommt in Indien und Birma vor; außerdem ist sie aber auch in einem großen Teile Ost-Afrikas verbreitet, und zwar von Abessinien bis zum Sambesi und von der Küste bis an das Gebiet der großen Seen. Sie ist ein 4-8 m hoher Baum mit brauner, rissiger Rinde, schirmförmiger Krone und Stacheln an den Zweigen. Die Blätter bestehen je aus 40-100 Fiedern, deren jede wieder aus 60-80 sehr kleinen Blättern zusammengesetzt ist. In der Trockenzeit fällt das Laub ab.

Das Holz dieses Baumes enthält einen Gerbstoff, der unter dem Namen Catechu, auch Pegu-Catechu, in den Handel kommt. Zur Gewinnung des Catechu wird der Baum gefällt, das Holz in kleine Späne gehauen in einem Topfe 12 Stunden lang gekocht. Nach Verlauf dieser Zeit hat sich der Gerbstoff mit dem Wasser zu einer dunkelbraunen Brühe verbunden. Diese wird nun durch abermaliges Einkochen verdickt, bis sie „fest” wird. Diese feste Masse wird in Formen getan und bleibt in ihnen bis zur vollständigen Verhärtung. In solchen Klumpen kommt das Catechu in den Handel. Vor dem Gebrauch wird es durch heißes Wasser und Chemikalien wieder aufgelöst.

Der Catechu wird in der Färberei in Massen gebraucht, sowohl als Beize als auch zur Erzeugung von dauerhaften schwarzen, braunen und grünen Farbenschattierungen, und zum Gerben von weichem, geschmeidigem Leder.

Bis jetzt sind nur die Catechu-Bestände in Indien ausgenützt worden und zwar in dem Maße, daß die Gewinnung in den letzten Jahren sehr zurückgegangen ist. (1896 für etwa 5 Millionen Mark). Daraufhin hat jetzt die englische Regierung verfügt, daß die Catechu-Gewinnung geregelt und die Bäume in Kultur genommen werden. Dagegen sind bisher die großen Catechubestände, die in Ostafrika sich finden, noch gar nicht in Benutzung genommen. Besonders im Steppenwalde Deutsch-Ostafrikas kommt der Baum überaus zahlreich vor. Es ist deshalb sicher nur eine Frage der Zeit, daß man diese wilden Bestände nicht nur ausbeutet, sondern auch den Baum, der dort alle seine Wachstumsbedingungen erfüllt findet, anbaut.

Mangroven

(Tafel 34).

Die Mangrovenbäume, zur Familie der Rhizophoraceen gehörig, sind Sumpfpflanzen. Sie kommen vor am Meeresufer, besonders in breiten Flußmündungen. Oft stehen sie unmittelbar im Wasser oder doch so, daß sie wenigstens während der Flutzeit vom Wasser bespült werden. Die Bäume fallen auf durch ihre meist bogenförmigen, oft auch knieartigen Stelzwurzeln und ihre von den Zweigen sich wieder in den Boden senkenden Luftwurzeln.

Das Holz der Mangrovenbäume ist außerordentlich hart und deshalb als Nutzholz in verschiedenster Weise verwendbar. Noch wichtiger ist aber die Rinde; sie enthält Gerbstoff und wird deshalb in immer steigenden Mengen gewonnen und nach Europa ausgeführt.

Mangroven sind über einen großen Teil der tropischen Küstengebiete verbreitet. Auch Deutsch-Ostafrika und Kamerun besitzen große Mangrovenwälder.

Deutsch-Ostafrika führte 1907 für 39000 Mk. Gerbhölzer aus.

XI. Arzneipflanzen.

Der Kampferbaum.

Der Kampferbaum (Cinnamomum Camphora) ist ein stattlicher, lindenähnlicher Baum mit starkem Stamm und knorrigen Ästen. Besonders im Holz und im Mark finden sich Zellen verteilt, die einen unter bestimmten Umständen zu Kampfer sich umgestaltenden Stoff enthalten.

Die Heimat des Kampferbaumes ist das östliche Asien: Die ostchinesische Küste, Formosa, Japan. Er verlangt warmes Klima und möglichst feuchte Luft.

Zur Gewinnung des Kampfers muß der Baum gefällt werden. Wenn möglich, sucht man hierzu recht kräftig entwickelte Stämme aus; den reichsten Kampfergehalt sollen Bäume im Alter von annähernd 100 Jahren besitzen. Das Holz wird in kleine Späne geschnitten und mittels Wasser destilliert. Durch dies Verfahren wird der Kampfer und das Kampferöl aus dem Holz gezogen.

Die wichtigste Verwendung des Kampfers ist in der Celluloid-Industrie, ferner ist er Bestandteil des rauchlosen Pulvers. Er bildet außerdem ein wichtiges Arzneimittel, das sowohl innerlich als äußerlich in vielen Formen und Zusammensetzungen angewendet wird. Beim Destillieren sondert sich das Kampferöl von dem eigentlichen Kampfer. Ersteres wird darauf noch einmal destilliert und sondert noch wieder Kampfer ab. Der dann zurückbleibende Rest wird gereinigt und findet bei der Lackbereitung Verwendung. -- Allein Japan führt jährlich für 12-14 Millionen Mark Kampfer und Kampferöl aus.

In den deutschen Kolonien (Ostafrika, Togo, Kamerun und auf den Südseeinseln) werden Anbauversuche mit dem Kampferbaum gemacht. Von Ernten aus diesen zum Teil recht gut vorankommenden Kulturen kann zur Zeit noch nicht die Rede sein, da der Baum erst in höherem Alter gute Erträge liefert. Man versucht neuerdings Kampfer auch aus den Blättern des Baumes zu gewinnen.

Cinchonarinde

(Tafel 35).

Die Cinchonarinde oder Chinarinde wird gewonnen von verschiedenen, zur Familie der Rubiaceen gehörigen Baumarten, deren Heimat die Gebirge des westlichen Südamerika, vor allem Peru und Bolivia sind. Die Cinchonabäume werden bis zu 30 m hoch; ihre Blätter sind sattgrün, die Blütenstände rispenförmig, die Blüten von weißer oder rötlicher Farbe, ihr Duft erinnert an den der Syringe. Die Frucht besteht aus einer Kapsel, die zahlreiche kleine, geflügelte Samen enthält.

Die Rinde dieser Bäume enthält Alkaloide, die für die Arzneibereitung von außerordentlicher Bedeutung sind. Das wichtigste und bekannteste dieser Alkaloide ist das Chinin, das wegen seiner sicheren Heilkraft gegen das Malariafieber in der Medizin eine große Berühmtheit erlangt hat.

In Südamerika kommt der Baum wild vor und zwar hauptsächlich in solchen Gegenden, die ein warmes und stark feuchtes Klima haben. Da man aber voraussah, daß bei dem großen Bedarf an Chinarinde die wilden Bestände mit der Zeit sich erschöpfen würden, so dachte man rechtzeitig daran, die wertvollsten Arten der Bäume anzupflanzen. Diese Anpflanzungen wurden in größtem Maßstabe auf Ceylon gemacht, später auch auf Java und in Britisch-Indien. Im Jahre 1882 sollen in Ceylon 90 Millionen Cinchonabäume gestanden haben.

Auch in Deutsch-Ostafrika macht man gegenwärtig Anbauversuche.

Die Gewinnung der Rinde geschieht bei den Indianern derart, daß der Baum gefällt und dann die Rinde vom Stamm und den Zweigen abgeschält wird. Der Baumstumpf treibt bald wieder junge Schößlinge, die im Alter von 6-8 Jahren ebenfalls Erträge liefern. Dies Verfahren ist auch auf manchen Pflanzungen beibehalten worden; es hat den Nachteil, das man nach einer einmaligen Ernte 6-8 Jahre lang bis zur nächsten warten muß. Außerdem entwickeln sich die Schößlinge meist nicht so schnell und nicht so kräftig wie der ursprüngliche Stamm. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man den Baum stehen läßt und nur alljährlich einen Teil seiner Rinde abschält, wodurch er in seinem Wachstum zwar aufgehalten, jedoch nicht zerstört wird. Auf diese Weise erhält man wohl geringere, aber regelmäßig sich wiederholende Ernten.

Die gewonnene Rinde wird getrocknet, zerkleinert und in Säcke oder Ballen verpackt in den Handel gebracht. Die Haupthandelsplätze für Cinchonarinde sind London und Amsterdam. Von hier aus geht aber der weitaus größte Teil aller Chinarinden nach Deutschland, um dort zu Chininsalzen verarbeitet zu werden. Neuerdings wird jedoch das meiste Chinin in Indien und Java in Fabriken gewonnen, die sich inmitten der Pflanzungen befinden. Die Ausfuhr an Rinden geht darum zurück und gibt keinen Maßstab für den Konsum ab. Deutschlands Einfuhr betrug 1906: 3678 Tonnen im Werte von 4781000 Mk. Der größte Teil davon stammt aus Niederländisch Indien, vor allem Java. Die Heimatländer des Cinchonabaumes, Peru, Bolivia stehen in der Erzeugung schon längst an letzter Stelle.

Strophanthus

(Tafel 36).

Es gibt etwa 25 Arten der Gattung Strophanthus, die im tropischen Afrika heimisch sind, aber nur wenige von ihnen enthalten das bei der Arzneibereitung verwendete Strophanthin. Das beste Strophanthin liefert der in Togo häufig vorkommende Strophanthus hispidus. Dies ist ein kletternder Strauch mit breit elliptischen Blättern, die unten weich, oben rauher behaart sind. Die Frucht sieht einem langen, an beiden Enden spitzen Kürbis mit tief gefurchter Oberfläche ähnlich. Gewöhnlich sind zwei Früchte nebeneinander. Die Frucht enthält zahlreiche kleine, goldbraun schimmernde, mit filzigem Haar bekleidete Samen.

Die Eingebornen benutzen die Strophanthussamen zur Herstellung von Pfeilgift und auch bei Giftproben („Gottesurteilen”). Es ist sichere Aussicht vorhanden, daß die Samen von Strophanthus hispidus in den vorgeschriebenen Arzneienschatz aufgenommen werden, da gerade diese Art das Strophanthin in reinerer Form als alle bisher bekannten Arten liefert. Die Ausfuhr von Strophanthussamen aus Togo wird dann zweifellos von Bedeutung werden.

XII. Nutzhölzer.

Unsere Kolonien besitzen in ihren Baumbeständen, die sich teils in dichten Urwäldern, teils als lichtere Steppenwälder finden, einen großen Reichtum an wertvollen Nutzhölzern. Eine Ausbeutung dieser Schätze findet allerdings erst in geringem Umfange statt, weil die Untersuchungen über die für die Ausfuhr am besten geeigneten Hölzer noch gar nicht abgeschlossen sind. Manche Sorten sind überhaupt noch nicht genauer bekannt. Ein großes Hindernis ist auch der Mangel an Verkehrswegen. An größeren schiffbaren Flüssen fehlt es in den meisten Gegenden. Bevor deshalb nicht Eisenbahnen den Transport der Hölzer an die Küste ermöglichen, wird eine Ausfuhr nach Europa in größerem Umfange ausgeschlossen sein. Allerdings findet schon jetzt eine Ausnützung des Holzes statt in der Weise, daß zu den meisten europäischen Bauten in den Kolonien nur einheimisches Holz verwendet wird, so daß die Holzeinfuhr aus Europa beständig abnimmt.

Um auch für die Zukunft einen ausreichenden Waldbestand zu sichern, sorgt die Regierung für Aufforstung besonders wertvoller Bäume auf geeigneten Landstrecken.

Eine Aufzählung auch nur der wichtigsten Nutzhölzer unserer Kolonien ist schon ihrer großen Zahl wegen hier unmöglich; sie ist auch deshalb schwierig, weil es für die meisten Bäume noch keine allgemein eingeführten Namen gibt. Die Händler bezeichnen die afrikanischen Hölzer meist in Anlehnung an ihnen bekannte Holzarten, mit denen die neu eingeführten gewisse Ähnlichkeiten besitzen, auch ohne mit ihnen irgendwie verwandt zu sein.

Einige der bekanntesten Namen für afrikanische Nutzhölzer sind:

Afrikanisches Mahagoni, Afrikanisches Rosenholz, Rotholz, Ebenholz, Teakholz, Zedern.

Aus Deutsch-Ostafrika wurden 1906 für 21633 Mk. Nutzhölzer ausgeführt, aus Kamerun 118794 „ „ Togo 2340 „ -------------------- Zusammen 142767 Mk.

A.

Zusammenfassende Darstellungen unserer wichtigsten kolonialen Nutzpflanzen und ihrer Werte.

Aufzählung derjenigen pflanzlichen Nutzprodukte aus unseren Kolonien, die gegenwärtig die größten Werte für die Ausfuhr liefern, mit Angabe des Gesamtwertbetrages, in dem sie ausgeführt werden (nach der Statistik von 1906/07).

1. Kautschuk 8251000 Mk. (1907: 9000000 Mk.) Kamerun 2. Kopra 6244000 „ (1907: 5350000 „ ) Südsee-Ins. 3. Palmöl u. -Kerne 3812000 „ (1907: 5581000 „ ) Ostafrika 4. Sisalhanf 1348000 „ (1907: 2162000 „ ) Ostafrika 5. Kakao 1298000 „ (1907: 2900000 „ ) Kamerun 6. Mais 700000 „ (1907: 1200000 „ ) Togo 1907 7. Kaffee 533000 „ (1907: 540000 „ ) D.-Ostafrika 8. Baumwolle 425000 „ (1907: 700000 „ ) Togo 9. Nutzhölzer 143000 „ (1907: 120000 „ ) Kamerun

Es sind nur solche Produkte aufgeführt, die mindestens 100000 Mk. Ausfuhrwert gebracht haben. Hinter jedem Produkt steht das Land, das den größten Teil seiner Ausfuhr geliefert hat, das also Haupterzeugungsland für das betreffende Produkt ist.

Nach den Ergebnissen von 1907 kommen zu dieser Liste noch hinzu:

10. Erdnüsse 320000 Mk. Deutsch-Ostafrika 11. Sesam 131000 „ „ „

B.

Zusammenstellung der pflanzlichen Nutzprodukt-Werte nach ihren Erzeugungsländern.

Es erzeugten an pflanzlichen Nutzprodukten:

1. Kamerun. 8944000 Mk. 1907: 13560000 Mk. 2. D.-Ostafrika 6409000 „ 1907: 6938000 „ 3. Samoa 3027000 „ 1907: 1710000 „ 4. Togo 2726000 „ 1907: 4233000 „ 5. Neu-Guinea 830000 „ 1907: 2000000 „ (Altes Schutzgebiet) 6. Neu-Guinea 280000 „ 1907: 379000 „ (Inselgebiet) ----------------------------------- Zusammen 22216000 Mk. 1907: 28820000 Mk.

(D.-Südwestafrika führte 1907 für 2000 Mk. Pflanzenprodukte aus.)

Anhang.

Die Ausfuhr von Tieren und tierischen Stoffen, Mineralien und an Erzeugnissen des Gewerbefleißes.

I.

~Ausfuhr von Tieren und tierischen Stoffen.~

Diese zerfällt in drei Hauptgruppen:

1. Lebende Tiere. 2. Tierische Nahrungsmittel. 3. Tierische Rohstoffe.

Bei der Ausfuhr lebender Tiere handelt es sich hauptsächlich um Pferde, Maultiere, Maulesel, Esel, Rindvieh, Kleinvieh (Schafe, Ziegen), Geflügel und wilde Tiere. Die Ausfuhr ist nicht bedeutend, sie geht überdies nur zum kleinsten Teil nach Europa, sondern ist in der Hauptsache ein Handel mit den Grenzländern. Nur wilde Tiere werden gelegentlich an die zoologischen Gärten in Europa verhandelt.

Ganz ähnlich ist es mit tierischen Nahrungsmitteln (Fleisch, Milch, Butter, Eier etc.). Auch sie werden fast nur an die Nachbarländer verkauft.

Dagegen ist die Gewinnung tierischer Rohstoffe von großer wirtschaftlicher Bedeutung, weil es sich hier z. T. um sehr wertvolle Handelsgegenstände handelt, so vor allem Elfenbein und Tierhäute, ferner Wolle, Hörner, Schildpatt, Muscheln, Federn (Straußenfedern), Wachs, Flußpferdzähne etc.

Die Ausfuhr an Tieren und tierischen Produkten erreichte folgende Summen:

1. Lebende Tiere.

Ostafrika 151000 Mk. (1907: 109000 Mk.) (Rindvieh, Geflügel) Togo 78900 „ (1907: 88000 „ ) (Rindvieh, Kleinvieh) Kamerun 56600 „ (1907: 54000 „ ) ( „ „ ) ------------------------------------------------------------ 286500 Mk.

2. Tierische Nahrungsmittel.

Ostafrika 164500 Mk. (1907: 190000 Mk.). 164500 Mk.

3. Tierische Rohprodukte.

Ostafrika 3506000 Mk. (1907: 4200000 Mk.) (Häute) Kamerun 909000 „ (1907: 1000000 „ ) (Elfenbein) Südwest-A. 300000 „ (1907: 222000 „ ) (Häute, Straußenfed.) Neuguinea 181000 „ (1907: 78000 „ ) (Muscheln) Inselgebiet Neuguinea 122000 „ (1907: 130000 „ ) (Perlmutterschalen, altes Schutzgeb. Trepang[1]) Togo 73000 „ (1907: 157000 „ ) (Elfenbein) -------------------------------- Zusammen 5091000 Mk. 5091000 Mk.

[1] Eine von den Chinesen gegessene Seeigelart.

(Der wichtigste tierische Ausfuhrgegenstand ist bei jedem Lande in Klammern beigefügt.)

Die Gesamtausfuhr aus dem Tierreich stellt also einen Wert dar von

1. 286500 Mk. 2. 164500 „ 3. 5091000 „ ------------------- Zusammen 5542000 Mk.

II.

~Die Ausfuhr an mineralischen und fossilen Stoffen.~

Ostafrika 213000 Mk. (1907: 213000 Mk.) (Glimmer u. Kopal) Südwestafrika 48000 „ (1907: 1432000 „ ) (Kupfererz) Kamerun 4500 „ (1907: 15500 „ ) (Kopal) Togo 150 „ (1907: -- ) ----------------------- 265650 Mk.

(Der für jedes Land wichtigste Gegenstand ist in Klammern beigefügt.)

III.

~Die Ausfuhr an gewerblichen Erzeugnissen.~

Unter diese Überschrift fallen Gegenstände, die von den Eingebornen selber angefertigt sind, also Erzeugnisse ihres Gewerbefleißes oder ihrer Kunstfertigkeit; solche Industrieerzeugnisse der Eingebornen sind z. B. Matten, Korbflechtereien, Lederwaren, Gewebe, Holzschnitzereien, Töpferwaren, Metallgeräte.

Ausgeführt wurden aus

Ostafrika 480000 Mk. Togo 80000 „ Südwestafrika 35000 „ 1907: 106000 Kamerun 32300 „ Neuguinea (Inselgebiet) 6500 „ ---------- 633800 Mk.

$Zusammenstellung der Gesamtausfuhr unserer Kolonien im Jahre 1906.$ (In runden Zahlen.)

Pflanzliche Stoffe 23200000 Mk. Tierische Stoffe 5542000 „ Mineralische, fossile Stoffe 266000 „ Gewerbliche Erzeugnisse 634000 „ ------------ Zusammen 29642000 Mk.

oder rund 30 Millionen Mark. 1907: 41 Millionen Mark.

Hiervon wurden nach Deutschland eingeführt für 19 Millionen Mark, das ist über 63%. Die übrigen Waren gingen zum Teil in afrikanische Nachbargebiete, zum Teil nach anderen Ländern Europas und nach Asien.

Mit der weiteren Erschließung der Kolonien durch Eisenbahnen wird sich die Ausfuhr mehr als bisher über deutsche Häfen und damit nach Deutschland selber lenken.

$Die Gesamtausfuhr unserer Schutzgebiete in den Jahren 1900-1906.$ (In tausend Mark.)

1900 1901 1902 1903 1904 1905 1906

Ostafrika 4294 4623 5283 7054 8951 9950 10995 Kamerun 5886 6264 6652 7565 8021 9315 9946 Togo 3059 3691 4194 3616 3551 3957 4199 Südwestafrika 908 1242 2213 3444 299 216 383 Neu-Guinea 1009 1403 1121 1206 1184 1335 1562 Karolinen, Marianen 264 483 459 771 480 334 483 Marshall-Inseln 556 676 505 522 583 700 570 Samoa 1266 1006 1692 1385 1675 2029 3026 ------------------------------------------------------------ Zusammen 17242 19408 22119 25563 24744 27836 31164[1]

[1] Der Unterschied gegen die Gesamtsumme auf S. 91 erklärt sich dadurch, daß hier auch die Geldausfuhr mitgezählt ist, dort aber nicht. Im Jahre 1907 betrug die Gesamtausfuhr 41 Millionen Mk.

Die Gesamtausfuhr ist also von 17 Millionen Mk. im Jahre 1900 auf 31 Millionen Mark im Jahre 1906 und 41 Millionen Mark 1907 gestiegen. Die Steigung ist eine stetig fortschreitende mit der einen Ausnahme von 1904, wo durch den Aufstand in Deutsch-Südwestafrika die Ausfuhr dieser Kolonie von 3444000 Mk. auf 299000 Mk. sank. Obgleich dieser Tiefstand bis heute anhält, war der dadurch entstandene Ausfall an der Gesamtausfuhr der Kolonien doch schon im folgenden Jahre durch die vermehrte Produktion der übrigen Kolonien wieder wett gemacht.

$Deutschlands Bedarf an kolonialen (d. i. tropischen) Rohstoffen im Jahre 1906.$

Baumwolle 480,50 Millionen Mark Tierische Produkte 515,00 „ „ Nahrungs- und Genußmittel 433,00 „ „ Ölprodukte 214,00 „ „ Hanf 172,75 „ „ Kautschuk 153,50 „ „ Gerbstoffe und Hölzer 39,00 „ „ --------------------------- Zusammen 2007,75 oder rund 2 Milliarden Mark.

Die Gesamtausfuhr $unserer Kolonien an diesen Rohstoffen$ betrug im gleichen Jahre:

Baumwolle 0,34 Millionen Mark Tierische Produkte 4,63 „ „ Nahrungs- und Genußmittel 2,25 „ „ Ölprodukte 10,43 „ „ Hanf 1,28 „ „ Kautschuk 8,12 „ „ Hölzer 0,13 „ „ --------------------------- Zusammen 27,18 oder 27 Millionen 180000 Mark.

Wir müssen also jährlich noch für fast zwei Milliarden Mark kolonialer Rohstoffe im Auslande kaufen.

Alphabetisches Verzeichnis der Nutzpflanzen.