Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland

Part 5

Chapter 53,268 wordsPublic domain

Die wertvollen Fasern, der Sisalhanf, befinden sich in den Blättern. Ist die Pflanze fünf Jahre alt, so können bis zu ihrem 15.-20. Jahre zwei bis viermal jährlich die „reifen” d. i. die ausgewachsenen Blätter abgeschnitten werden. Mittels einer Maschine trennt man die Fasern von den Fleischteilen des Blattes. Nachdem die Faser dann sorgfältig von allen fremden Bestandteilen gereinigt, getrocknet und gebleicht ist, gelangt sie als Sisalhanf in den Handel. Ihre Verwendung findet sie bei der Herstellung von gröberen Geweben, wie z. B. Segeltuch und namentlich sehr guten Tauen.

Das Haupterzeugungsland für Sisalhanf ist Mexiko und hier vor allem die Halbinsel Yucatan. Es führt jährlich 500000 Ballen im Wert von 10 Millionen Dollar aus.

Seit einigen Jahren wird die Sisalagave auch in den deutschen Kolonien angebaut; die größten, von Europäern geleiteten Sisalpflanzungen gibt es in Ostafrika; sie werden für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Kolonie sicher von größter Bedeutung werden, da die Pflanze hier vorzüglich gedeiht und der ostafrikanische Sisalhanf infolge seiner sorgfältigen Aufbereitung auf dem europäischen Markte sehr gute Preise erzielt. Die Pflanzungen haben deshalb in den letzten Jahren stark zugenommen und vermehren sich immer noch. Die größten finden sich in den Bezirken Pangani, Tanga, Lindi und dem Tieflande von Wilhelmstal. In Pangani stehen etwa 3600000 Pflanzen auf den Feldern, in Wilhelmstal ebenso viele. Wie schnell die Ernten gewachsen sind, zeigen folgende Zahlen:

1903 wurden ausgeführt 422000 kg = 324000 Mk. 1906 „ „ 1820000 „ = 1348000 „ 1907 hatte die Ausfuhr einen Wert von 2162000 „

Für die nächsten Jahre darf man eine weitere bedeutende Steigerung der Ausfuhr erwarten.

Sansevierahanf

(Tafel 26).

Der Sansevierahanf, auch afrikanischer Hanf genannt, ist eine der Sisalagave ähnliche Pflanze aus der Familie der Liliaceen; sie bildet aber keinen so hohen Blütenschaft wie diese. Ihre Heimat ist das tropische Afrika, wo sie bis heute wild wächst. In Deutsch-Ostafrika ist sie in mehreren Arten vertreten, von denen aber nur zwei (S. cylindrica und S. Ehrenbergii) auf ihr Produkt ausgebeutet werden. In Westafrika dient dem gleichen Zweck die S. guineensis.

Die Sansevieren vermehren sich außer durch Samen durch Wurzelschößlinge, die in großen Mengen um die Pflanze herum emporschießen. Sie gedeihen am besten auf steinigen Steppen im Schatten des Gebüsches. Die Pflanze erreicht ein hohes Alter, eine einmal gemachte Anlage braucht deshalb erst nach vielen Jahren erneuert zu werden. Anpflanzungen werden in den deutschen Kolonien versucht. Die bis jetzt in Ostafrika gewonnenen Ernten stammen jedoch noch von wilden Beständen. Der Hanf wird wie bei der Sisalagave aus den dickfleischigen Blättern gewonnen. Seine Gewinnung ist schwierig, weil die Pflanze nur selten, z. B. in den Bezirken Mpapua und Wilhelmstal, in großen, geschlossenen Beständen, meist vielmehr zerstreut und einzelstehend vorkommt. Auch die Aufbereitung der Faser macht viele Mühe, da sie bis jetzt mit der Hand geschieht. Will man den Betrieb gewinnbringend gestalten, so müssen Reinigungsmaschinen aufgestellt werden. Auch würde es sicher lohnend sein, Pflanzungen in größerem Maßstabe anzulegen, da die Sanseviera einen Hanf von hervorragender Güte liefert. Ausgeführt wurden von Ostafrika 1906/7 154000 kg.

Weitere Faserpflanzen, die sich in unsern Kolonien heimisch finden oder deren Anbau in ihnen versucht wird, sind:

Jute

(Tafel 27).

Sie ist eine mehrjährige Pflanze, wird 1-4 m hoch, der Stengel ist am Boden 1-4 cm dick und wenig verzweigt. Die Blüten sind gelb, aus ihnen bilden sich die Fruchtkapseln, die bei einer Art cylindrisch, bei einer anderen kugelrund sind. Die Heimat der Pflanze ist wahrscheinlich das südliche Asien, ihr Anbauland hauptsächlich Ostindien. Allein Bengalen bringt jährlich 5590000 Ballen Jute hervor.

Pandanus

von dem sehr viele Arten bekannt sind, ist eine in den amerikanischen, asiatischen und afrikanischen Tropen heimische Pflanzengattung, deren Vertreter meist einer vielfältig gabelig verzweigten Palme ähnlich sehen. Die Eingebornen Westafrikas, besonders aber die der Südsee-Inseln, benutzen Pandanusblätter zu Matten- und Korbflechtereien, manchmal auch zur Herstellung von Hüten.

Raphiapalme.

Diese Palme kommt an Bächen und in Sümpfen ganz Zentralafrikas und Madagaskars vor. Der eigentliche Stamm bleibt sehr kurz, dagegen hat sie außerordentlich (bis 20 m) lange Fiederblätter. Die Blattstiele dienen als Ersatz für Bambus beim Hausbau, auch als Hängemattstangen finden sie Verwendung. Diese Blattstiele liefern eine grobe Faser, die unter dem Namen afrikanische Piassava in den Handel kommt.

Manilahanf

ist schon bei Besprechung der Banane genannt worden.

Jute und Manilahanf werden versuchsweise in Ostafrika, Togo und Kamerun angebaut, Pandanus und Raphiapalme sind auch in Togo und Kamerun heimisch. Eine nennenswerte Ausbeute für den Übersee-Handel liefern sie noch nicht.

Ramie

(Tafel 28)

Ramie, auch Chinagras genannt, ist ein zu den Urticaceen gehöriges, unserer Brennessel nicht unähnliches Kraut. Ein Wurzelstock treibt bis zu 15 Stengeln aus, die eine Höhe bis zu 2 m erreichen. Indien, die indische Inselwelt und Japan erzeugen große Mengen dieses wertvollen Faserstoffes, der mannigfache Gewebe von den feinsten Zeugen bis zum groben Segeltuch liefert. Die Verarbeitung der Ramiefasern findet hauptsächlich in England, Frankreich und Deutschland statt. Deutschland führt jährlich gegen 600000 kg im Wert von über 400000 Mk. ein. Die bedeutendste deutsche Ramiespinnerei ist in Emmendingen in Baden.

VII. Kautschuk liefernde Pflanzen.

~Vorbemerkung.~ Kautschuk wird aus der Milch verschiedener Pflanzenarten gewonnen. Um die Milch zu erhalten, zapft man die Bäume oder Lianen an, indem man sie mit einem Messer anschneidet. Der weiße Saft, der besonders oder ausschließlich aus der Rinde heraustritt, wird aufgefangen, gekocht oder mit einer Säure versetzt, worauf sich der Kautschuk als zähe, elastische, später noch zu trocknende Masse niederschlägt. Vorzüglich sind es Pflanzen aus den Familien der Euphorbiaceen, Moraceen und Apocynaceen, die Kautschuk liefern, und zwar kommen nur einzelne Arten dieser Familien für Kautschukgewinnung in Betracht, die alle in den Tropen gedeihen, der Saft anderer ist zu kautschukarm, um ein Anzapfen lohnend zu gestalten.

Am meisten Kautschuk liefert Amerika; in zweiter Linie steht Afrika, dessen Kautschukerzeugung in den letzten Jahren, zusammen mit der wirtschaftlichen Erschließung des Erdteils überhaupt, einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Auch auf den Südsee-Inseln sind Kautschukanpflanzungen angelegt und schon kleinere Ernten eingebracht worden.

Es werden im folgenden die für unsere Kolonien wichtigsten Kautschukpflanzen aufgeführt.

Kickxia

(Tafel 29).

Die Kickxia ist ein hoher, gerader Urwaldbaum mit fast pyramidenförmiger Krone. Ihre Rinde ist grau, die Blätter sind lanzettlich, glatt, die Blüten gelblich. Aus ihnen bilden sich die aus zwei Kapseln bestehenden, etwa 15-20 cm langen Früchte, die eine große Zahl Samen enthalten.

Der Kickxiabaum hat seine Heimat im tropischen Afrika. Er kommt vor auf der Goldküste, im Lagos-Gebiet, in Süd-Nigerien, Kamerun bis an den französischen Kongo. Die reichsten Kickxiabestände sollen sich im äußersten Südosten Kameruns und dem angrenzenden Teil des französischen Kongo befinden.

Die Kickxia ist erst in neuerer Zeit entdeckt. Im Jahre 1894 brachten eingeborne Händler aus dem Lagos-Gebiet eine bis dahin unbekannte Kautschuksorte zum Verkauf an die Küstenplätze. Bei näherer Untersuchung erwies sich das neue Produkt als sehr wertvoll; es wurde gern gekauft, gut bezahlt und infolgedessen bald in großen Mengen von den Eingebornen auf den Markt gebracht. Lange kannte man die Pflanze nicht, die diesen Kautschuk lieferte, bis im Jahre 1898 der Deutsche Paul Preuß am Mungo-Flusse in Kamerun die Kautschuk liefernde Kickxia-Art entdeckte, die durch ihn den Namen Kickxia elastica erhielt. Von den Franzosen und Engländern wird sie gewöhnlich nach einem auf der Goldküste einheimischen Namen Funtumia elastica genannt.

Die Kickxia elastica ist sehr reich an stark kautschukhaltigem Milchsaft. Die Gewinnung des Saftes geschieht auf zweierlei Weise. Entweder der Eingeborne klettert auf den Baum und schneidet von der Krone bis fast auf den Erdboden einen Kanal in die Rinde des Baumes und außerdem in bestimmten Abständen schräglaufende, in den vertikalen Hauptkanal einmündende Seitenkanäle. Der ausrinnende Saft wird in einem Topf am Boden aufgefangen und nach dem Gerinnen in Ballen geformt. Wird bei diesem Vorgehen mit einiger Vorsicht verfahren, schneidet man vor allem nicht durch die Rinde hindurch in das Holz des Stammes ein, so wächst der Baum weiter und kann im folgenden Jahre wieder angezapft werden. Die andere, allerdings bequemere Methode, bei der einfach der ganze Baum gefällt wird, ist ein barbarischer und unvernünftiger Raubbau, der schon große Kickxiabestände vernichtet hat und einen erheblichen Rückgang der Kautschukgewinnung in den nächsten Jahren befürchten läßt. Um dem entgegenzuwirken, hat man die Kickxia in Pflanzungskultur genommen, und es finden sich heute in Kamerun und auf Neuguinea große, in Togo und Ostafrika kleine Anpflanzungen des Kickxiabaumes.

Landolphia.

Diese Pflanzengattung, zur Familie der Apocynaceen gehörig, kommt für die afrikanische Kautschukerzeugung in erster Linie in Betracht. Bis jetzt sind 14 Arten von ihr als gute Kautschuklieferanten bekannt geworden, die über das ganze tropische Afrika verteilt sind. Die meisten von ihnen sind starke Schlinggewächse (Lianen) mit holzigem Stengel; mittels ihres schlingenden Stengels oder besonderer Ranken klammern sie sich an benachbarte Sträucher oder Bäume und klettern an diesen bis in die höchsten Baumwipfel empor. Ihre Früchte sind meist gelb oder rot, sie gleichen kleinen Orangen und bilden eine Lieblingsspeise der Affen. Die Landolphiapflanzen kommen hauptsächlich in Urwäldern wildwachsend vor; einige Arten werden jedoch neuerdings auch angebaut.

Zur Gewinnung des Saftes wird die Liane angeschnitten, worauf der Saft ausfließt und mitunter schon an der Luft gerinnt. Man formt ihn in Klumpen oder Kugeln bis zu Kopfgröße, und so gelangt er in den Handel. Einige Arten enthalten den Kautschuk nicht im Stamm, sondern in der Wurzel, in dem Fall muß also diese angezapft werden. Häufig aber geben sich die Eingebornen nicht die Mühe, die Liane anzuschneiden, sondern sie hauen sie einfach kurz über dem Erdboden ab und fangen den auslaufenden Saft auf. Dies ist natürlich die bequemste Art der Gewinnung, und er liefert auch eine einmalige größere Ausbeute als das Anzapfen; aber die Pflanze ist dabei verloren, und bei der großen Nachfrage und den hohen Preisen des Kautschuk liegt die Gefahr nahe, daß durch diesen Raubbau die ganzen Bestände an Kautschuklianen vernichtet werden.

Die Kolonialregierungen suchen deshalb durch Belehrungen und Gesetze dies Raubsystem einzuschränken und die Eingebornen zu einer vernünftigen Behandlung der wertvollen Kautschuklianen anzuleiten.

Clitandra.

Die Clitandra-Arten sind denen der Landolphia nahe verwandt. Erst in jüngster Zeit hat man ihren hohen Wert für die Kautschukgewinnung erkannt, und sie nehmen in dieser Industrie schon heute eine bedeutende Stellung ein. Der Milchsaft ist bei ihnen außerordentlich reichlich vorhanden und zwar in derselben Güte wie bei den besseren Landolphiaarten.

Die Clitandren sind ebenfalls Klettergewächse, die in den Urwäldern der afrikanischen Tropen gedeihen. Am häufigsten hat man sie bis jetzt im Kongobecken und in Kamerun angetroffen. Kenner empfehlen gewisse Clitandraarten als die bestgeeigneten Kautschukpflanzen zur Kultur in Westafrika.

Die Saftgewinnung geschieht wie bei der Landolphia.

In Togo und Kamerun werden versuchsweise sowohl Landolphia- und Clitandra-Arten auf einigen europäischen Pflanzungen angebaut.

Manihot Glaziovii

(Tafel 30).

Diese Pflanze ist nicht in Afrika heimisch, wird aber vielfach hier angebaut. Sie stammt aus dem tropischen Südamerika, wo sie auch kultiviert wird. Der Manihot bildet einen stattlichen Baum von 10-15 m Höhe, hat eine fast kugelige Krone und blaßgrüne, gelappte Blätter.

Die Bäume werden manchmal schon angezapft, wenn sie erst 3-4 Jahre alt sind. Geschieht dies mit Behutsamkeit ohne grobe Verletzung des Holzes, so kann die Anzapfung eine Reihe von Jahren hindurch regelmäßig wiederholt werden. Der aus dem Manihot gewonnene Kautschuk wird nach dem Namen seines engeren Heimatlandes auch Ceara-Kautschuk genannt.

Besonders in Ostafrika, in den Bezirken Wilhelmstal, Lindi, Kilwa und Moschi bestehen jetzt ausgedehnte Pflanzungen mit Manihotbäumen, allein in Wilhelmstal z. B. über eine Million. Die meisten der Bäume sind aber noch nicht alt genug, um ertragsfähig zu sein. Auch Togo und Kamerun besitzen Manihot-Kulturen. Am besten sagt der Pflanze trocknes, steiniges Gelände zu, wie es Ostafrika, Togo und auch das Hinterland von Kamerun in weitem Umfange bieten.

Ficus Vogelii.

Ficus Vogelii ist ein in ganz Westafrika von Senegambien bis an den Kongo vorkommender Baum mit starkem, stattlichem Stamm, mächtig breiter Krone und großen Blättern. Wegen seiner dichten, schattenspendenden Krone wird er von den Eingebornen gern auf Dorfplätzen angepflanzt. Vögel und Affen fressen seine haselnußgroßen, runden, grünen Früchte.

Der Saft der Ficus Vogelii liefert einen nicht gerade hervorragenden, aber doch gut verkäuflichen Kautschuk; er wird besonders gern mit besseren Sorten gemischt in den Handel gebracht. -- In Kamerun hat man angefangen, den Baum in Kultur zu nehmen.

Ficus elastica

(Tafel 31).

Sie ist eine auch bei uns als Zierpflanze gehaltene und unter dem Namen Gummibaum allgemein bekannte Art der Gattung Ficus. Ihre Heimat ist Südostasien; dort wird sie kultiviert als die in jenen Gegenden beste Kautschukpflanze.

In Togo, Kamerun, Ostafrika und auf Neuguinea macht man in den Pflanzungen Versuche mit dem Anbau der Ficus elastica. Besonders aus Kamerun und Neu-Guinea lauten die Berichte über ihr Gedeihen recht günstig. Der Baum kommt dort selbst auf steinigem Boden und an steilen Abhängen gut fort. Die zahlreichen, fast horizontalen Äste des Baumes ermöglichen eine bequeme Anzapfung. Aus den Ästen wachsen Luftwurzeln und senken sich wieder in den Boden ein. Diese werden so mächtig, daß sie fast die Dicke des Stammes erreichen und wie dieser angezapft werden können. Ein einziger Ast der Ficus elastica lieferte bei einer Anzapfung in drei Tagen 114 gr trocknen Kautschuk.

Castilloa elastica.

Die Castilloa elastica ist ein Baumriese des mittel- und südamerikanischen Urwaldes. Sie gehört zur Familie der Moraceen, ist also mit den Feigen- und Maulbeerbäumen verwandt. Einzelne Exemplare des Baumes sollen bis 50 m hoch werden, seine durchschnittliche Höhe ist 20-30 m. Die ovalen, hellgrünen Blätter werden bis 30 cm lang und 18 cm breit. Eigentümlich ist, daß der Baum zweierlei Arten von Zweigen besitzt, von denen die einen, in der Jugend gebildeten, später abgeworfen werden.

Zahlreiche, langjährige Versuche in den verschiedensten Tropengegenden haben die Tatsache ergeben, daß die Castilloa mancherorts eine der sichersten und ergiebigsten Kautschukpflanzen ist. Man hat sie deshalb vielfach in Kultur genommen, zumal die wilden Bestände in Amerika durch den rücksichtslosen Raubbau, der beim Abzapfen des Saftes meist getrieben wird, sich schon jetzt bedenklich vermindern. Die bequemste Art der Kautschukgewinnung besteht nämlich auch hier darin, daß der Baum kurz über der Wurzel gefällt wird. Hierbei gewinnt der Sammler eine fünf mal so große Menge Saft als durch das schonende Anzapfen, das den Baum erhält und eine spätere regelmäßige Wiederholung des Anschneidens möglich macht.

Die größten Kulturen der Castilloa befinden sich in der Heimat des Baumes, in Mittel- und Südamerika. Aber auch nach Afrika und Asien, und so auch in die deutschen Kolonien hat man den Baum unter erheblichen Mühen und Unkosten verpflanzt. Am besten scheint er in dem feuchtwarmen Küstenklima von Kamerun, in Samoa und Neuguinea fortzukommen. In Kamerun haben die Kulturen unter einem Bohrkäfer sehr zu leiden, was für die ganzen Anpflanzungen verhängnisvoll wird. Auf Neuguinea lieferten dagegen die ersten Anzapfungen recht ermutigende Ergebnisse.

Hevea

(Tafel 32).

Die Hevea ist ein in Brasilien heimischer (daher auch Hevea brasiliensis) hoher, schlanker Waldbaum mit dreigeteilten Blättern, rispenförmigen Blütenständen und großen, dreiklappigen Fruchtkapseln. Dieser Baum liefert den sogenannten Parakautschuk; er wird in größeren Mengen als irgend eine andere Kautschukart gewonnen und liefert den weitaus bedeutendsten Teil des gesamten Weltbedarfes. Auch seine Qualität ist ausgezeichnet. -- Die Gewinnung ist eine ähnliche wie bei den oben angegebenen Arten. Der abgezapfte Saft gerinnt jedoch nicht von selber, wird vielmehr durch Räuchern verdickt und dann an der Sonne getrocknet.

Der Hevea-Baum verlangt ein heißes, feuchtes Klima. Wegen seines hohen Wertes hat man ihn nach anderen tropischen Gegenden zu verpflanzen gesucht, und es gibt heute in den Tropen Amerikas, Afrikas und Asien ausgedehnte Hevea-Pflanzungen. In Ceylon und Malakka sind z. B. in den letzten Jahren gegen fünf Millionen Hevea-Bäume angepflanzt worden, auf der malayischen Halbinsel 3-1/2 Millionen.

Auch in unsern Kolonien ist der Baum in Kultur genommen; obgleich die Pflanzungen noch jung und erst wenige Bäume ertragreich sind, lassen sie doch schon jetzt günstige Resultate mit Sicherheit erhoffen. Besonders das Küstengebiet von Kamerun mit seinen vielen Flußarmen und feuchten Niederungen, ebenso Samoa und Neuguinea, auch die Flußtäler Ostafrikas bieten der Hevea günstige Wachstumsbedingungen, und ihr Anbau verspricht dort von großer Bedeutung zu werden.

Übersicht über die Erzeugung und den Verbrauch an Kautschuk.

Der Verbrauch an Kautschuk ist in den letzten Jahrzehnten in ganz ungeahnter Weise gestiegen durch den beispiellosen Aufschwung, den die Kautschukindustrie genommen hat. Es gibt heute kaum einen Zweig der Industrie, der nicht in irgend einer Form Kautschuk verwendet. „Der Kautschuk begleitet den Menschen tatsächlich von der Wiege bis zum Grabe. Schon der Säugling erblickt in dem Gummisauger den geschätzten Vermittler seines Gedeihens, behaglich streckt er sich auf seiner Gummiunterlage, fröhlich greift er bald zur Gummipuppe und später zum Spielball”. Nicht aufzuzählen sind die Gebrauch-, Sport- und Luxus-Gegenstände aus Kautschuk, die der Mensch im täglichen Leben verwendet. Es sei nur erinnert an Fahrräder und Automobile. Die Chirurgie, Orthopädie, Chemie, Elektrotechnik, Meteorologie, Luftschiffahrt, sie alle brauchen das Gummi in mannigfaltigster Weise.

Diese fast unbegrenzte Verwendbarkeit des Gummi ist erst erreicht worden durch die Entdeckung, daß der Kautschuk Schwefel in sich aufnehmen kann und durch diese Beimischung an Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperaturen bedeutend zunimmt. Man nennt dies Verfahren vulkanisieren. Wird Kautschuk mit wenig Schwefel versetzt und dann kurz, aber stark erhitzt, so entsteht „Weichgummi”, durch Zusatz einer größeren Schwefelmenge und darauf folgendes langandauerndes Erhitzen erhält man „Hartgummi”.

Es ist nur natürlich, daß mit dem gesteigerten Bedarf an Kautschuk auch die Gewinnung mit Riesenschritten vorwärtsgegangen ist. Als im Jahre 1840 der Kautschuk in die Industrie eingeführt wurde, betrug der Jahresverbrauch 400 Tonnen; heute beträgt er 61760 Tonnen im Werte von fast 400 Millionen Mark.

Die Erzeugung von Kautschuk verteilte sich auf die verschiedenen Ausfuhrländer im Jahre 1900 wie folgt:

Amerika 31466 Tonnen. Afrika 16000 „ Asien und Ozeanien 2339 „ -------------- Zusammen 49805 Tonnen.

Die Weltproduktion betrug also im Jahre 1900 rund 50000 Tonnen; 1904 war sie auf 61760 Tonnen gestiegen.

Von der Gesamterzeugung entfielen im Jahre 1906 auf die deutschen Kolonien:

Ostafrika 342500 kg -- 2400000 Mk. Kamerun 1152000 „ -- 4687000 „ Togo 134000 „ -- 1161000 „ Neuguinea 450 „ -- 3700 „ --------------------------- Zusammen 1628950 kg -- 8251700 Mk. (1907 für 9000000 Mk.)

Deutschlands Einfuhr beträgt rund 153 Millionen Mark.

Die Größe der Kautschukpflanzungen in den deutschen Kolonien stellt folgende Übersicht dar.

Es sind bepflanzt:

In Deutsch-Ostafrika 1250 ha mit 1500000 Bäumen. „ Kamerun 700 „ „ 900000 „ „ Togo 80 „ „ 41300 „ „ Neu-Guinea 1100 „ „ 603000 „ „ Samoa 450 „ „ 260600 „ ---------------------------- Zusammen 3580 ha mit 3404900 Bäumen.

VIII. Klebegummi liefernde Pflanzen.

Gummiakazie

Die Akazien, deren es etwa 450 Arten gibt, gehören zur Familie der Mimosen. Viele von ihnen sind den Menschen nützlich durch ihren Gummisaft oder den in ihren Rinden, Früchten etc. enthaltenen Gerbstoff. Es sind baum- oder strauchartige Pflanzen mit gefiederten Blättern, kleinen kugligen oder ährenförmigen Blütenständen und Hülsenfrüchten. Man findet Akazien hauptsächlich in Australien, Südasien und Afrika; sie kommen im tropischen und subtropischen, selbst noch im gemäßigten Klima fort und nehmen mit magerem Boden vorlieb.

Die in Afrika zwischen dem 10. und 20.° n. B. heimische Gummiakazie (Acacia senegalensis) liefert das bekannte arabische Gummi (gummi arabicum). Ein gutes Gummi gewinnt man außerdem aus der dreidornigen Akazie (Acacia glaucophylla) in Abessinien, Nubien, dem Somalilande und Arabien, und der abessinischen Akazie. Der Gummisaft der Akazien wird nicht gezapft, sondern er fließt von selber aus und erstarrt sogleich. Bei der Senegal-Akazie wird das Ausfließen bewirkt durch heftige Winde, die die Baumrinde austrocknen und rissig machen; durch diese Risse dringt der Saft an die freie Luft und gerinnt hier alsbald. -- Der Gummi wird von den Eingebornen nicht nur an die Europäer verkauft, sondern ist für sie auch ein wichtiges Nahrungsmittel. Die Verwendung des Senegalgummi in der heimischen Industrie ist eine mannigfaltige. Man gebraucht es z. B. in Zeugdruckereien zum Verdicken der Farben, in Kattun- und Seidenfabriken zum Appretieren, als Zusatz zu Tinten und Farben, beim Steindruck, als Kleb- und Bindemittel etc. Deutschlands Bedarf an Gummi und Gummilack stellt jährlich einen Wert von etwa 16 Millionen Mark dar.

In Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika kommen Gummiakazien teilweise wildwachsend vor. Man hat aber außerdem auch nicht-einheimische Arten in Kultur genommen.

IX. Guttapercha.

Guttapercha

(Tafel 33).

Guttapercha ist wie Kautschuk eine Masse, die aus dem Saft verschiedener Baumarten gewonnen wird. Guttapercha liefernde Bäume gibt es aber nicht in so großer Anzahl wie die Kautschukpflanzen. Es sind nur einige Arten der Gattung Palaquium, die für die Gewinnung in Betracht kommen.