Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland
Part 4
Kokosöl wird wie Palmöl hauptsächlich zur Herstellung von Kerzen und Seifen verwendet. Kokosseife ist die einzige, die auch im Seewasser schäumt; sie ist deshalb bei Seeleuten sehr beliebt. Ein Teil des Fettes kommt als Kokosbutter und Palmin in den Handel und wird namentlich zum Backen als Ersatz für die teure Milchbutter verwendet. Die Rückstände bei der Ölgewinnung bilden als Kokoskuchen ein vorzügliches Futtermittel. Aus der harten Schale der Nuß schnitzen die Eingebornen Trinkgefäße und allerlei Ziergeräte. Auch in Europa werden sie vielfach zu Drechslerarbeiten verwendet. Die dicke, faserige Hülle der Nuß wird in der Industrie auf mannigfache Weise verwertet, zu Tauen, Matten, Läufern, Teppichen, Bürsten, Besen, Pinseln etc. Das Holz der alten Bäume ist zur Herstellung feiner Möbel sehr geschätzt und wird besonders nach England viel eingeführt.
In allen unsern Tropenkolonien wird die Kokospalme angebaut. Die größten und wertvollsten Bestände besitzen die Südsee-Inseln, wo sich neben den großen Besitzungen der Eingebornen auch europäisch geleitete Kokospflanzungen befinden. Auch an den Küstenstrichen Deutsch-Ostafrikas, Togos und Kameruns gedeiht die Kokospalme, sie wird hier aber fast nur von Eingebornen kultiviert, in ganz unbedeutenden Mengen auf europäischen Pflanzungen; fast die ganze Kopraausfuhr Ostafrikas und Togos sind Eingebornenprodukt. In Ostafrika sind allerdings ziemlich bedeutende europäische Kopraplantagen, sie werden aber nicht vergrößert.
Die Ausfuhr unserer Kolonien im Jahre 1906 zeigt folgende Übersicht:
Samoa 9600000 kg = 2900000 Mk. 1907 = 1560000 Mk. Ostkarolinen 625700 „ = 123700 „ 1907 = 79000 „ Westkarolinen 348400 „ = 78000 „ 1907 = 116000 „ Palau 117000 „ = 32900 „ 1907 = „ Marianen 112400 „ = 33700 „ 1907 = „ Marshallinseln 2847000 „ = 569000 „ 1907 = 407000 „ Bismarckarch. 4193000 „ = 1375000 „ 1907 = 1522000 „ K. Wilhelmsland 197000 „ = 43300 „ 1907 = 285000 „ D.-Ostafrika 3842000 „ = 1087000 „ 1907 = 1345000 „ Togo 28000 „ = 7500 „ 1907 = 11000 „ Außerdem im ganzen Nüsse für reichlich 6000 „ 1907 = 5000 „ ----------------------------------- Zusammen 6256100 Mk. 1907 = 5350000 Mk.
Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Kopra betrug 16878000 Mk.; also können wir schon jetzt mehr als ein Drittel unseres Koprabedarfes aus unsern eigenen Kolonien decken.
Schibutter
(Tafel 19).
Der Schibaum (Butyrospermum Parkii) ist im Sudan heimisch. Hier findet er sich vom äußersten Westen -- Senegambien -- bis an die Ufer des Nil, meist im lichten Buschwald. Der Stamm ist rauh, reich verästelt und hat eine breite, aber nicht dichte Krone. Die Frucht hat die Form einer Pflaume. Die äußere Schicht besteht aus einem weichen, wohlschmeckenden Fleisch, das von den Eingebornen gern gegessen wird. Unter dem Fleisch liegt der von einer hellgelb-braunen Schale eingeschlossene Kern; er ist in seiner Form der Eichel ähnlich, aber größer. Der Hauptwert der Pflanze beruht eben in diesem Kern, der einen sehr reichen Fettgehalt besitzt. Dies Fett ist die „Schibutter”, von den Franzosen Karité oder Galam genannt.
Die reifen Früchte werden von den Eingebornen gepflückt. Durch Klopfen wird die Schale abgetrennt; darauf zerstampft und kocht man die Kerne, wobei das Fett sich sondert und von der Flüssigkeit abgeschöpft werden kann. Die Eingebornen Afrikas gebrauchen das Fett im Haushalt zum Backen, Kochen, Einreiben des Körpers etc. In der europäischen Industrie dient es zur Herstellung von Kerzen und Seife. Es ist hierzu so geeignet wie das Palmöl, vor dem es noch den Vorzug hat, daß es nicht gebleicht zu werden braucht.
In Togo und Kamerun kommt der Schibaum in den Steppen überall wild vor. Die Eingebornen bauen ihn nicht an, weil die wilden Bestände ihrem Bedarf vollständig genügen. Der Absatz an die europäischen Faktoreien lohnt sich in den meisten Fällen schlecht, weil der Baum vorzugsweise im Innern vorkommt und der Transport an die Küste durch Träger viel zu teuer ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß mit den besseren Transportmitteln und der stärkeren Nachfrage auch das Angebot an Schinüssen sich steigern würde. Der Anbau des Baumes würde den Eingebornen keine Schwierigkeiten machen, zumal er mit sparsamem Boden und geringer Feuchtigkeit vorlieb nimmt.
Die Ausfuhr betrug 1906 aus Togo 42333 kg, Wert 28534 Mk., aus Deutsch-Ostafrika für etwa 200 Mk.
Erdnuß
(Tafel 20).
Die Erdnuß (Arachis hypogaea) gehört zur Familie der Leguminosen; ihre Heimat ist wahrscheinlich Brasilien, sie wird aber seit Jahrhunderten in fast allen tropischen Ländern angebaut.
Die Erdnußpflanze bildet ein niedriges, sich am Boden ausbreitendes Kraut mit dreizähligen Blättern und gelber Blüte. Sobald diese abgefallen ist, wächst der Blütenstiel, an dessen Ende der Fruchtknoten sitzt, in den Erdboden hinein, wo sich dann die Frucht bildet. Diese besteht aus einer in der Mitte etwas eingeschnürten Hülle mit netzartiger Oberfläche, in der zwei fast bohnengroße Samen liegen.
Die Erdnuß wird von den Eingebornen der meisten Tropenländer fleißig angebaut, da sie ein wichtiges Nahrungsmittel bildet. Sie ist mit magerem, selbst sandigem Boden zufrieden und gedeiht auch ohne große Feuchtigkeit. Man pflanzt sie gewöhnlich im Beginn der Regenzeit. Die jungen Pflanzen müssen von Unkraut freigehalten werden. Bei der Ernte wird der Boden leicht mit der Hacke oder einem andern Gerät gelockert und die Wurzeln mit den anhängenden Früchten vorsichtig ausgehoben.
Die Samen oder „Nüsse” werden geröstet, gekocht oder gemahlen und gebacken von den Eingebornen gegessen. In den europäischen Handel kommen sie wegen des ausgezeichneten Öles, das sie enthalten. Dieses dient in erster Linie zur Seifebereitung, daneben findet ein großer Teil als Speiseöl Verwendung, meist mit Olivenöl gemischt, dessen herber Geschmack durch das milde Erdnußöl gelindert wird. Dies gemischte Speiseöl kommt unter dem Namen Olivenöl oder Tafelöl in den Handel. In der Regel werden die Erdnüsse dreimal ausgepreßt. Die erste Pressung liefert das feinste Tafelöl, die zweite Öl zur Seifebereitung, die dritte Schmieröl. Die Rückstände bilden dann noch als Ölkuchen oder Futterkuchen ein nahrhaftes Viehfutter. Auch das Erdnußstroh wird vom Vieh sehr gern gefressen.
Der europäische Großhandel bezieht seinen Bedarf an Erdnüssen zum weitaus größten Teil aus Westafrika, erst in 2. Linie kommen Ostindien und Südamerika für die Ausfuhr in Betracht. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß fast die gesamte Erdnußkultur Westafrikas in den Händen der Eingebornen liegt, also ein Erzeugnis freiwilliger und selbständiger Negerarbeit ist. Um welche Summen es sich dabei handelt, zeigen folgende Zahlen: 1837 betrug die Erdnußausfuhr aus Senegambien 670000 kg, 1897 76000000 kg im Werte von etwa 15000000 Mk. Sierra Leone verschifft jährlich etwa 30000 kg, Oberguinea etwa 10000000 kg (1840: 1200 kg).
In Togo, Kamerun und Deutsch-Ostafrika ist der Anbau der Erdnuß seit langem bekannt, und es ist zweifellos, daß ihre Kultur wegen der geringen Anbauschwierigkeiten und der großen Ergiebigkeit binnen kurzem einen bedeutenden Aufschwung nehmen wird. So haben sich im letzten Jahre in Togo die Anpflanzungen der Eingebornen fast vervierfacht, und es ist für dies Jahr schon eine bedeutende Ausfuhr von dort zu erwarten. -- In den deutschen Kolonien ist übrigens auch der Anbau der Erdnüsse ausschließlich Volkskultur der Eingebornen.
Es führten aus 1906:
Ostafrika 2800000 kg -- 377000 Mk. Togo 88000 „ -- 11000 „ Kamerun 3000 „ -- 200 „ ----------------- Zusammen 388200 Mk.
In Togo ist auch die Ausfuhr dieses Produktes im Jahr 1907 ganz bedeutend gestiegen, und zwar auf 338000 kg im Wert von fast 40000 Mk.
Die Erdnußeinfuhr Deutschlands ist nicht sehr bedeutend, fast die gesamte Ernte wird nach Südfrankreich (Marseille) geschickt und von dort das gewonnene Öl oder die Ölprodukte weiter in den Handel gebracht.
Sesam
(Tafel 21).
Sesam ist eine Pflanze, die unserm Fingerhut ähnlich sieht. Sie erreicht eine Höhe von etwa einem Meter, hat abwechselnd stehende, längliche Blätter und kleine, weiße oder rötliche Blüten, aus denen sich eine zweifächerige Fruchtkapsel mit zahlreichen Samen entwickelt. Die Samen sind klein, platt und je nach der Abart weiß, gelb, rot, braun oder schwarz.
Das Sesam ist eine uralte Kulturpflanze, die seit unvordenklichen Zeiten in Indien angebaut wird. Auch in Vorderasien, China und in Ostafrika bildet sie eine wichtige Nutzpflanze. Außerdem kommt sie in Westafrika vor und neuerdings sogar in Amerika. Sie hat also fast das ganze Gebiet der Tropen und Halbtropen erobert. Sesam gedeiht am besten in möglichst gleichmäßig warmem Klima auf leichtem, lehmig-sandigem Boden. Sein Anbau erfordert keine große Mühe und bringt in der Regel reiche Erträge. Die ganze Kultur der Pflanze liegt in den Händen der Eingebornen.
Die Samen werden in den Anbauländern der Pflanze als Brotkorn benutzt, oder es wird das in ihnen enthaltene Öl ausgepreßt und im Haushalt als Speiseöl und zur Beleuchtung verwendet. Für den europäischen Handel kommt nur das Sesamöl in Betracht. Meistens wird der Samen nach Europa verschifft und hier erst das Öl ausgepreßt. Der weitaus größte Teil der Ernte geht nach Marseille; hier befinden sich große Sesampressen, in denen das Öl gewonnen wird. -- Das Sesamöl findet Verwendung bei der Kunstbutterbereitung, der Seifenfabrikation und als Verschnitt des Olivenöls. Die Rückstände liefern Viehfutter.
Ostindien führt jährlich gegen 2 Millionen Zentner Sesamsamen und 300000 Gallonen Sesamöl aus; auch die Ausfuhr aus China und Vorderindien ist beträchtlich. Daneben ist noch die Produktion Westafrikas von Bedeutung, namentlich in Senegambien und dem Hinterland von Lagos. Letztere Stadt führte in den neunziger Jahren jährlich bis zu 700000 kg im Wert von 100000 Mk. aus.
Ostafrika scheint bis jetzt die einzige deutsche Kolonie zu sein, in der Sesam in größerer Menge angebaut wird, und zwar hauptsächlich in den Bezirken Lindi und Daressalam. Der Anbau geschieht nur durch Eingeborne. 1906 führte Ostafrika aus: 532000 kg im Wert von 113000 Mk. Die Ernte des Jahres 1904 hatte einen Wert von mehr als 374000 Mk. (1907: 131000 Mk.).
Deutschlands gesamte Sesameinfuhr beträgt jährlich 61500000 Tonnen mit 15 Millionen Mark Wert.
Telfairia pedata (Talerkürbis)
(Tafel 22).
Im tropischen Ostafrika kommt eine riesige Schlingpflanze vor, die sich an den Bäumen des Urwaldes emporrankt. Ihre Frucht hat die Form eines langen Kürbis; in der Frucht liegen, von einer netzartigen Schale umgeben, runde, platte Samen in Talergröße (daher der Name Talerkürbis). Diese Samen enthalten 59 Prozent guten Tafelöls. Von den Eingebornen wird die Pflanze angebaut; die Samen werden roh, geröstet oder gekocht gegessen; sie enthalten außer dem Öl viel Eiweiß, sind also hervorragend nahrhaft. Auch in Togo existiert eine verwandte Pflanze mit ähnlichen Früchten.
Die Telfairia würde, in größeren Mengen angebaut, einen sehr wertvollen Ausfuhrartikel bilden. Zurzeit scheitert ihre Einführung in die europäische Industrie daran, daß es noch keine Maschine zum Schälen der Samen gibt, und Schälmaschinen wiederum können erst dann gebaut werden, wenn eine größere, dauernde Anfuhr auf den Markt gesichert ist.
VI. Faserpflanzen.
Baumwolle
(Tafel 23).
Die Baumwolle ist eine der wichtigsten tropischen Kulturpflanzen, da sie in der Weltindustrie in ungeheuren Mengen verbraucht wird; es ist deshalb für eine tropische Kolonie und für deren Mutterland von großer wirtschaftlicher Bedeutung, ob Baumwolle in ihr gedeiht oder nicht.
Die Baumwolle gehört zur Familie der Malvaceen. Ihre Heimat ist das tropische Asien, Afrika und Amerika. Die Pflanze bildet in der Regel eine Staude, seltener kommt sie baumartig vor. Der behaarte Stamm ist reich verästelt, die Blätter sind breit und gelappt, die Blüten gelb oder rötlich, manchmal auch weiß. Die Frucht bildet eine Kapsel, die bei der Reife aufspringt. Sie enthält schwarze, runde Samen und um diese und diesen anhängend einen Ballen weicher, meist weißer oder gelber Haare, die Baumwolle, die beim Platzen der Fruchtkapsel dick hervorquellen.
Am besten gedeiht die Baumwolle in Niederungen oder im Flachlande mit gleichmäßig warmem, nicht zu trockenem Klima. Der Boden darf nicht zu schwer, muß vielmehr durchlässig sein; Lehmboden sowie eine dicke Humusschicht sind ihr nachteilig, dagegen verlangt sie einen möglichst hohen Bodengehalt an Kieselsäure. -- Die Fortpflanzung geschieht durch Samen, die man entweder in Saatbeete oder sogleich auf das Feld sät. Es gibt ein- und mehrjährige Sorten; letztere tragen 3-5 Jahre, bevor sie erneuert werden müssen. Durch den Einfluß des Klimas und der künstlichen Züchtung haben sich eine Menge von Spielarten der Baumwolle herausgebildet, und es ist für den Pflanzer von größter Wichtigkeit, die für sein Feld geeigneten Sorten herauszufinden. Neben dieser richtigen Artenauswahl spielt die sorgfältige Pflege -- Düngung des Bodens, Freihaltung der Pflanzen von Unkraut und von Schädlingen -- beim Gelingen der Pflanzung eine große Rolle. -- Etwa 2-3 Monate nach dem Blühen reifen die Kapseln. Jetzt muß die Baumwolle sofort gepflückt werden. Die nächste Arbeit ist das Entkernen; in einfachster Weise geschieht dies durch Auszupfen mit der Hand; doch haben selbst die Neger Afrikas schon eine Vorrichtung erfunden, mittels der das Entfernen der Samen rascher von statten geht. In europäischen Betrieben geschieht das Entkernen mit der Entkörnungs- oder Ginmaschine, die an den Mittelpunkten der Baumwollerzeugung, den „Ginstationen” aufgestellt werden. Die gereinigte Baumwolle wird dann in Ballen gepreßt und ist damit für den Versand fertig. Die weitere Verwendung der Baumwolle zu Geweben der mannigfachsten Art ist allgemein bekannt. Ein Hauptort für den europäischen Baumwollgroßhandel ist Bremen. Hier und in der Umgegend gibt es auch große Baumwollspinnereien und -Webereien.
Die Baumwollernte der ganzen Welt beläuft sich auf 3300 Millionen kg im Werte von etwa 2700 Millionen Mk. Das weitaus bedeutendste Land für Baumwollerzeugung ist Nordamerika, besonders die südlichen der Vereinigten Staaten; sie liefern nicht weniger als 62,5% der Welternte; ihm folgen Ostindien mit 15%, China mit fast 8% und Ägypten mit 7,3%. Afrika außer Ägypten liefert 2,1%. -- Der Baumwollverbrauch Deutschlands stellte für 1906 einen Wert von 480 Millionen Mark dar.
Von den deutschen Kolonien bieten Ostafrika, Kamerun und Togo, vielleicht auch Teile der Südsee-Inseln und der Norden Südwestafrikas Aussichten für den Anbau der Baumwolle. In Ostafrika wird vorzugsweise in den Bezirken Kilwa, Bagamojo (Rufidji) und Sadani, ferner in Muansa Baumwolle gepflanzt. In Togo ist die südliche Küstengegend ungeeignet, die besten Erfolge haben bis jetzt die Bezirke Misahöhe, Atakpame und Kratschi erzielt, doch wird auch weiter im Norden die Baumwolle von den Eingebornen angebaut. Überhaupt ist sowohl in Ost- als in Westafrika die Kultur der Baumwolle seit alters bekannt. Die Neger pflanzen sie aber nicht nur für ihren eignen Bedarf, sondern fast die gesamte Ausfuhr aus den Kolonien stammt bis jetzt von den Pflanzungen der Eingebornen. Aus Togo und Ostafrika wird außerdem übereinstimmend berichtet, daß die Neger ihre Baumwollfelder beständig vergrößern und daß in manchen Gegenden, die sonst keinen Baumwollbau kannten, sich dieser neuerdings einführt. Es ist deshalb zu begrüßen, daß die Regierung und das Kolonialwirtschaftliche Komitee sich bemühen, durch Unterricht und Anleitung der Eingebornen deren Anbaumethoden zu verbessern, ihnen diejenigen Arten zugänglich zu machen, die in ihrem Lande reiche und sichere Erträge versprechen, und für lohnenden Absatz zu sorgen. In Togo hat man mit diesem Vorgehen schon gute Erfolge erzielt: Die Baumwollkultur der Eingebornen hat sich in den letzten Jahren zwar langsam, aber stetig gehoben. So wurden z. B. 1904/5 519 Ballen, 1905/6 857, 1906/7 1200 Ballen ausgeführt, das ist eine Steigerung von 60-1/2%. (1902: 14000 kg, 1907: 301000 kg.)
Daneben bestehen in Togo und seit neuester Zeit in größerem Umfange in Ostafrika europäisch geleitete Baumwollpflanzungen, die aber bis jetzt keine bedeutenden Beträge abwerfen.
Unsere koloniale Ausfuhr betrug 1907:
Deutsch-Ostafrika 1800 Ballen Togo 1205 „ Kamerun 2 „ --------------------- 3007 Ballen à 250 kg.
Das ist ein Wert von etwa 700000 Mk., allerdings ein fast verschwindender Bruchteil der Gesamtsumme von 480 Millionen Mk., die Deutschland jährlich für Baumwolle ausgibt. Bedenkt man aber, daß 1902 unsere Kolonien erst 82 Ballen hervorbrachten, in diesen fünf Jahren also eine vierzigfache Steigerung erreicht wurde, so ist diese Leistung doch schon achtungswert. Deutschland wird allerdings wohl kaum jemals im Stande sein, seinen ganzen Baumwollbedarf aus eigenen Gebieten zu decken, aber doch wird es in energischer, auch durch schlechtere Erntejahre nicht entmutigter Fortführung dieser Kultur wenigstens eine gewisse Unabhängigkeit von den Willkürlichkeiten des amerikanischen Marktes erlangen können.
Nach der Berechnung des Kolonialwirtschaftlichen Komitees kann allerdings durch Einführung der Pflugkultur und überhaupt eines in jeder Hinsicht intensiven Landwirtschaftsbetriebes der Ertrag unserer kolonialen Baumwollkultur bis auf jährlich 2-1/2 Millionen Ballen gesteigert werden. Das wäre sogar noch 1 Millionen Ballen mehr, als wir überhaupt verbrauchen. Diese Berechnung ist zweifellos allzu optimistisch.
Baumwollsaat.
Die Samen der Baumwollpflanzen werden auf Ölmühlen gemahlen, wodurch aus ihnen das Baumwollsaatöl gewonnen wird, das in immer steigendem Maße in der Industrie Verwendung findet. Es dient hauptsächlich zur Herstellung von Kunstbutter und Seife, aber auch, besonders in Nordamerika, als Speiseöl; das dort unter dem Namen Olivenöl verkaufte Tafelöl besteht zu 90% aus Baumwollsaatöl.
Deutschland führt jährlich für 25-30 Millionen Mk. Baumwollsaatöl ein, zumeist aus Amerika.
Kapok
(Tafel 24).
Der Kapokbaum, auch Seidenwollbaum genannt, liefert ebenfalls eine Art Baumwolle. Er gehört zur Familie der Bombaceen, von der viele Arten in den Tropen Amerikas, Asiens und Afrikas heimisch sind. Am wertvollsten für die Baumwollgewinnung und auch am weitesten verbreitet ist die Art Ceiba pentandra, auch Eriodendron anfractuosum genannt. Dies ist ein riesiger Baum mit starkem, geradem Stamm und breiten, oberirdischen Brettwurzeln. Die Rinde ist an jungen Bäumen mit scharfen Stacheln besetzt. Die Blätter sind fingerförmig geteilt. Der Baum hat ein sehr weiches Holz, das aber trotzdem von den Eingebornen mannigfach verwendet wird. In vielen Gegenden Westafrikas höhlt man den Stamm aus und gebraucht ihn als Einbaum. Die Früchte des Kapokbaumes sind länger gestreckt als die der Baumwolle, mehr gurkenähnlich, sie enthalten wie diese Samen, die mit einem Bausch von seidigen, weichen Haaren umkleidet sind. Wegen ihrer Kürze und Glätte eignen sie sich wenig zum Spinnen, sind aber ausgezeichnet als Polstermaterial, wozu sie von den Eingebornen schon längst verwendet werden.
Der Baum kommt in Togo, Kamerun, Ostafrika und auf Neuguinea sehr häufig, und zwar wild vor. Ein Anbau seitens Eingeborner findet nicht statt, da sie ihren Bedarf von den wilden Beständen decken können. Dagegen wird er besonders in Neuguinea und Ostafrika von Europäern als Nebenkultur betrieben. Die Kapokausfuhr aus unseren Kolonien ist bis jetzt gering; es sind aber im letzten Jahre Kapokproben auch aus Togo nach Deutschland zur Untersuchung geschickt und als sehr wertvoll bezeichnet worden. Es kann deshalb die Kapok, wenn auch nicht ein hervorragender, so doch ein nicht unbedeutender Ausfuhrgegenstand aus unseren Kolonien werden, vor allem, wenn der Baum in Pflege genommen und angepflanzt würde, was nicht schwer wäre, da er mit einfachem Boden zufrieden ist und sehr schnell wächst.
Den Hauptbedarf an Kapok liefert Java; von hier werden jährlich etwa 3500 Tonnen in den Welthandel gebracht.
Die Sisalagave
(Tafel 25).
Dies ist eine in Mittelamerika heimische, am meisten auf der Halbinsel Yukatan angebaute Faserpflanze. Den Namen Sisal hat sie von der gleichnamigen Hafenstadt in Yukatan, die früher der Hauptausfuhrort für den Sisalhanf war.
Die Sisalagave sieht den in unsern Gärten gezüchteten Agaven oder Aloen ähnlich. Sie hat einen kurzen, über den Erdboden ragenden Stamm, aus dem die dicken, fleischigen, oft über 1 m langen Blätter entspringen. Aus der Mitte der Blattkrone wächst ein riesiger, holziger Schaft von 3-5 m Länge hervor. An dem Schaft bilden sich die rispenförmig gestellten Blüten. Bald nachdem der Schaft ganz ausgewachsen ist, stirbt die Pflanze ab.
Die Sisalagave kommt am besten fort in tropischem oder subtropischem Gebiet mit nicht zu großer Feuchtigkeit. Selbst in trockenem Sandboden und auf felsigem Gelände gedeiht sie noch. Man kann sie daher auch dort noch mit gutem Erfolg anbauen, wo für andere Kulturpflanzen der Boden zu gering ist. Die Fortpflanzung geschieht entweder durch Wurzelschößlinge oder durch sogenannte Brutknospen. Erstere schießen vom dritten Jahr der Pflanze reichlich als Triebe des Wurzelstocks aus dem Boden hervor und brauchen nur abgegraben und verpflanzt zu werden. Die Brutknospen sind ebenfalls Pflänzlinge, die sich, anfänglich in Form einer Zwiebel, an dem Blütenschaft in großer Zahl, bis zu 3000 an einer Pflanze, bilden, oft schon an ihrem Entstehungsort Wurzel schlagen, später aber abfallen und ihre Wurzeln in die Erde senkend weiterwachsen. Dem Pflanzer bietet sich also Saatgut in Menge dar. Ist die Agave auf ihr Feld gepflanzt, so verlangt sie weiter keine Pflege; nur muß wenigstens anfangs das Unkraut niedergehalten werden.